Die biblische Geschichte des Sanherib: Nur eine Fiktion?
Nur gelegentlich werden Inschriften aus der Antike
ausgegraben, worin biblische Personen und Ereignisse erwähnt werden. Je länger
die Texte sind, desto mehr können wir einen genaueren Vergleich mit der biblischen
Geschichte herstellen. Trotz überaus vieler Übereinstimmungen gibt es auch
Unterschiede zu entdecken. Die Unterschiede müssen nicht immer Fehler sein, da
die verschiedenen Schreiber (sowohl die biblischen als auch die
außerbiblischen) eben alle auch aus ihrer eigenen Sicht dasselbe Ereignis beschrieben
haben. Wie sehr man bei solchen Unterschieden aufpassen muss, nicht zu früh zu
urteilen, wird besonders deutlich am nächsten Beispiel von der Belagerung
Jerusalems durch den assyrischen König Sanherib (705-681 v. Chr.). (weiter)
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Seit 2005 wird erneut auf dem Kamm
der Davidstadt, südlich des Jerusalemer Tempelbergs, gegraben. Dort,
mitten im
arabischen Dorf Silwan, gräbt die Archäologin Dr. Eilat Mazar von der
Hebräischen
Universität nach Überresten des verschollenen Palasts des biblischen
David. Als Mazar 2005 auf Überreste eines größeren Gebäudes stieß,
machte ihre Entdeckung weltweit Schlagzeilen. Der Palast – so wurde
erzählt - sei
während der Eisenzeit IIA-Periode (traditionell 10. Jh. v. Chr.)
entstanden.
Als jedoch vor einigen Monaten der erste Grabungsrapport erschien,
wurde klar,
dass Mazars Datierung Widersprüche aufweist. Wie inzwischen auch
mehrere Archäologen wie Jane Cahill und Amihai Mazar betonten, muss das
Gebäude unbedingt älter sein.
Mehrere Leser werden sich vielleicht fragen, was Archäologie
mit der Bibel zu tun hat. Kann man sich in einem archäologischen Blog
überhaupt auch mit der Bibel befassen? Geht
es nicht bei der Archäologie primär um eine wissenschaftliche
Erforschung alter Kulturen, während wir es bei der Bibel mit einem religiösen Buch
zu tun haben, in dem antike Schreiber versuchen, ihre Welt durch eine ‚fromme’
Brille zu beschreiben und zu bewerten?


