Weihnachten im Islam
von Hussein Hamdan, 22. Dezember 2008, 12:47
Weihnachten steht vor der Tür. Der Weihnachtsbaum ist geschmückt, die Lichterketten leuchten schön und der Einkauf von Weihnachtsgeschenken ist in vollem Gange. Inmitten des ganzen Trubels begegnet vielen Muslimen häufig diese Frage: „Feiert ihr eigentlich auch Weihnachten?“
Um es hier schon vorweg zu nehmen: Weihnachten findet in der Kategorie der islamischen Festlichkeiten keinen Platz. Überhaupt kennt der Islam eigentlich nur zwei Feste: Das Opferfest, das im Rahmen der Pilgerfahrt stattfindet und das Fest des Fastenbrechens, das zum Abschluss des Monats Ramadan gefeiert wird. Im Laufe der Geschichte haben sich jedoch weitere Feste eingeschlichen. Zum Beispiel wird seit dem Fatimidenkalifat (899-1171) in vielen Gegenden der Geburtstag Muhammads gefeiert. Zur Geburt des Propheten äußert sich der Koran in keinem einzigen Vers.
Anders verhält es sich im Koran mit der Geburt Jesu. Diese Geschichte, die gegenwärtig besonders von christlichen Freunden des Christlich-islamischen Dialogs gerne als Weihnachtsgeschichte bezeichnet wird, ist in der 19. Sure „Maria“ in den Versen 16-36 ausführlich dargestellt.
Zu Beginn dieses Abschnitts ist von einer Begegnung Marias mit dem Erzengel Gabriel die Rede, der ihr einen lauteren Sohn beschert. Auf die Frage Marias, wie sie denn als Jungfrau einen Sohn bekommen solle, erklärt der Engel, dass es für Gott leicht zu bewerkstelligen sei. Ihr Sohn soll zu einem Zeichen für die Menschen gemacht werden.
Daraufhin bringt sie ihn an einem entlegenen Ort unter einer Dattelpalme zur Welt. Das Kind ist schon in der Wiege des Redens mächtig und verteidigt die Ehre seiner Mutter vor dem verblüfften Volk, indem er ihnen erklärt, dass er ein Diener und Gesandter Gottes sei.
Im Allgemeinen misst der Koran Jesu einen bedeutenden Stellenwert bei. Er wird, über 93 Verse verteilt, in 15 Suren namentlich erwähnt und neben seiner wundersamen Geburt werden unter anderem seine Gaben, wie etwa die Heilung von Kranken und die Erweckung von Toten zum Leben geschildert.
Aber kehren wir nun zu der Eingangsfrage zurück. Weihnachten ist im Islam an sich kein Feiertag. Aber wie gehen Muslime mit Weihnachten und seinen vielen Symbolen um?
Der Weihnachtsbaum, die Lichterketten, der Geschenke verteilende Weihnachtsmann und die Jingle Bells- Melodie sind der islamischen Welt gut bekannt. Doch diese weihnachtlichen Merkmale verbinden Muslime mehr mit den Feierlichkeiten des Jahresabschlusses als mit der Geburt Jesu an den drei Weihnachtstagen. So verteilt der „muslimische“ Coca-Cola Weihnachtsmann seine Geschenke unter den Kindern an Silvester und nicht an Weihnachten.
Die Teilnahme an Weihnachten drückt sich in der islamischen Welt vor allem damit aus, dass an Heiligabend der Gottesdienst aus diversen Kirchen in zahlreichen Fernsehkanälen live ausgestrahlt wird. Besonders beliebt ist hierbei die Nachtmesse in der Geburtskirche in Betlehem, die letztes Jahr, wie ich selbst beobachten konnte, in mehreren Kanälen parallel gesendet wurde. Des Weiteren werden verschiedene Beiträge zu Jesu Geburt und Leben ausgestrahlt und den christlichen Mitbürgern zu ihrem Fest gratuliert. Hohe muslimische Würdenträger, wie etwa im Libanon, Ägypten oder auch Palästina haben in den letzten Jahren diese Gottesdienste besucht und somit diesen Anlass für eine Friedensbotschaft an ihre Nationen genutzt.
Weihnachten als Fest für Muslime ist aber nicht festzustellen. Mir ist zumindest nicht bekannt, dass man in einem muslimischen Land im familiären Kreis pflegt Weihnachten zu feiern. Man besucht christliche Freunde und wünscht ihnen ein frohes Fest, beschenkt sie vielleicht auch, aber Weihnachten ist das Fest der Christen.
Und wie sieht es in Deutschland aus?
Wie verbringen Muslime hier Weihnachten? Mit Sicherheit sieht die Mehrheit der hier lebenden Muslime in Weihnachten ein ausschließlich christliches Fest, aber aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es durchaus Muslime gibt, die Bräuche des Weihnachtsfestes teilen. So gehört in vielen muslimischen Haushalten am ersten Weihnachtstag eine wohlschmeckende Weihnachtsgans auf den Tisch, die von der versammelten Familie verspeist wird. Und ganz ehrlich, wer will schon den schönen Spaziergang durch den Weihnachtsmarkt, das Weihnachtsgebäck oder Lebkuchen missen? Und die Freude muslimischer Kinder über die leckeren Schokoladen Nikoläuse ist genauso groß wie bei christlichen.
Auch wenn der Koran die Geburt Jesu sehr bewegend darstellt und dies als eine der herausragenden Zeichen und Wunder Gottes bewertet, so ist Weihnachten mit all seinen Bräuchen ein christliches Fest. Wenn das Fest einen religiösen Stellenwert hat, dann kann es diesem auch gerecht werden. Ich weiß nicht, ob es wirklich der richtige Weg ist, aus kommerziellen Gründen oder vielleicht auch als Zeichen der Toleranz, die religiösen Werte des höchsten christlichen Festes in den Hintergrund zu drängen.
Ich finde es aber schön, dass Muslime und andere Nichtchristen einige Bräuche des Weihnachtsfestes annehmen und sich daran erfreuen können.
Und da Jesus im Islam den Status eines großen Propheten einnimmt, ist es mit Sicherheit kein Vergehen, wenn auch Muslime an den Weihnachtstagen seiner Gedenken.
In diesem Sinne: Frohe und besinnliche Weihnachten!
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Ich fühlte mich mein Leben lang immer zwischen den beiden Religionen (Christentum und Islam) und bin daher - schon allein meines Seelenfriedens wegen - stets an einem Dialog dieser beiden interessiert und plädiere ebenfalls wie eine Wanderpredigerin für die friedliche Verständigung. Was mich aber erst endgültig aus dieser Zerrissenheit erlöste, war der Gang durch die Wüste als Übersetzerin und Vermittlerin zwischen Christen und Muslimen unter meinen Begleitern.
Erst dabei fand ich inneren Frieden und wir alle die Einsicht, dass wir doch alle an den gleichen Gott glauben, den Gott Abrahams.
Vielen Dank für deinen netten Kommentar. Ja, wir glauben alle an den gleichen Gott. Das wird leider oft vergessen oder in den Hintergrund gedrängt.
Die Botschaft Jesu und die Botschaft Muhammads stammen von der gleichen Wurzel ab. Wir wären daher alle gut beraten, wenn wir diesen Aspekt mehr in den Vordergrung stellen würden.
Woran liegt es wohl, dass der Weihnachtsrummel selbst in Laendern ankommt, wo Christen nur eine kleine Minderheit sind, waehrend in Deutschland sicher die allerwenigsten wissen, wann Eid ul-Fitr ist (oder worum es sich dabei ueberhaupt handelt)?
Ich finde es nur begrenzt sinnvoll, immer wieder auf die Gemeinsamkeiten zwischen den Religionen (hier: zwischen Koran und Bibel) hinzuweisen, etwa dass Jesus im Koran erwaehnt wird. Beruhen Konflikte zwischen Moslems und Christen (oder zwischen dem Westen und dem "Orient") etwa darauf, dass der Koran was anderes lehrt als die Bibel? Ich wuerde doch mal eher sagen, sie entstehen aus historischen Kontexten: Kolonialismus, Neokolonialismus, Mission, negatives Islambild in den Massenmedien, Ressentiments gegenueber dem Westen in islamischen Laendern ... Es mag vielleicht eine gewisse rhetorische Kraft haben, darauf hinzuweisen, dass "wir doch alle an den gleichen Gott glauben" und desgleichen. Aber im Endeffekt traegt es nicht besonders viel dazu bei, die heutige Weltlage zu verstehen. Im Gegenteil, ohne Beruecksichtung des historischen Hintergrundes scheint jede Abweichung von dieser doch so logisch erscheinenden Toleranz gleich irrational und "extremistisch", wie man in der Diskussion hier sehr gut an der Reaktion auf bilosals Beitrag sehen kann.
Warum kann Michael Blume hier darauf hoffen, dass es bei der Ausbreitung von Weihnachtsbraeuchen in "muslimische, japanische und andere Kontexte" nicht "beim Konsumrausch bleibt", sondern dass "auch die Botschaften Jesu durchschimmern", ohne dass sich jemand daran stoert? Und warum kann derselbe Michael Blume dann im naechsten Beitrag herablassend bilosal als einen von den "ganz 'Frommen'" bezeichnen, wieder ohne dass sich jemand daran stoert? Toleranz, was? Hmmm...
Noch eine letzte Frage: Ich finde es ja auch schoen, wenn Christen, Muslime usw. gegenseitig die Feiertage der anderen kennen und respektieren. Aber waere es nicht vielleicht doch sinnvoll, die globale Praesenz des Weihnachtsrummels nicht nur als Zeichen von religioeser Toleranz, sondern zumindest ein bisschen auch als Zeichen von westlichem Kulturimperialismus zu sehen?
Sehr geehrter Herr Hamdan,
ich bin durch Zufall auf Ihren Blog aufmerksam geworden und habe bereits fast alle Einträge mit großem Interesse gelesen.
Zu diesem Beitrag möchte ich nur eine kleine Änderung anregen: Der höchste christliche Feiertag ist nicht, wie Sie schreiben, das Weihnachtsfest, sondern der Ostersonntag - Tag der Auferstehung Jesu und des Sieges des Lebens über den Tod.
(P.S. Ein Teil des Christentums sieht allerdings den Karfreitag als das höchste Fest im Kirchenjahr an.)
Lieber Hussin, bald ist wieder Weihnachten ;-) dann passt auch der Artikel wieder ?
Liebe Gruesse Charly
Wollte dir nur danken für den Beitrag genau sowas suche ich schon länger. Denn wie erwähnt gehört auch Jesus zum Islam.
DANKE
aber die geburt des prpheten jesus war nicht am 24.12. !!!!!!!!!