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Der Ramadan. Das Fasten im Islam

von Hussein Hamdan, 23. August 2009, 17:06

Das Fasten (arab. Saum/ siyam) im Ramadan ist eines der wichtigsten Gebote des islamischen Glaubens und gehört, wie das Glaubensbekenntnis, die fünf täglichen Gebete, die Almosensteuer und die Pilgerfahrt nach Mekka, zu den fünf Säulen des Islams.

Der Ramadan ist der neunte Monat des arabischen Mondkalenders. Da das Mondjahr ca. elf Tage kürzer als das Sonnenjahr ist, verschiebt sich der Ramadan jedes Jahr um diese Anzahl von Tagen nach hinten. Im letzten Jahr begann der Fastenmonat am 1. September; in diesem Jahr hat er am 21. August begonnen. Nächstes Jahr ist der Beginn des Fastens um den 10. August herum anzusetzen.

Während der Ramadan also noch vor einigen Jahren auf die Wintermonate fiel, in denen die Zeitspanne des Fastens kurz war, fällt er in den kommenden Jahren auf die Sommermonate, in denen man, wie zum Beispiel im Juni, um die 20 Stunden täglich zu fasten hat.

In diesem Monat ist den Muslimen auferlegt von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang weder zu essen noch zu trinken und auch keinen Geschlechtsverkehr auszuüben. Das Rauchen ist ebenfalls untersagt.

Die Verpflichtung zum Fasten beginnt mit der Pubertät, jedoch muss der Fastende geistig und körperlich dazu imstande sein.

Vom Fasten befreit sind Reisende, Kranke, Schwangere, Frauen während ihrer Menstruation und Schwerarbeiter (dieser darf selbst ermessen ob er fasten kann oder nicht). Diese können die versäumten Tage im Laufe des Jahres nachholen. Ist dies aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich, dann kann man für jeden nicht gefasteten Tag einen Bedürftigen für einen Tag mit Nahrungsmitteln versorgen oder ihm einen bestimmten Betrag überlassen mit dem er einen Tag auskommen kann.

Neben diesen praktischen Aspekten sind ethisch-moralische Grundsätze während des Ramadans besonders zu beachten. Üble Nachrede, Verleumdung, Lüge, Beleidigungen und Streit sollen unbedingt vermieden werden.

Sinn und Zweck des Fastens ist primär die Einhaltung eines von Gott auferlegten Gebotes. Das Fasten ist für Gott und er wird es belohnen, so heißt es in einer Überlieferung. Anderen Überlieferungen zufolge hat das Fasten auch eine reinigende Funktion: demjenigen, der das Fasten gewissenhaft eingehalten hat werden seine Sünden vergeben.

Des Weiteren sollen die Menschen lernen gegen das eigene Ego anzukämpfen und für Gottes Willen eine bestimmte Zeit auf ihre Bedürfnisse zu verzichten. Damit ist auch ein sozialer Aspekt verbunden: Spürt man selbst, was es bedeutet Hunger zu haben und nicht essen zu können, dann kann man eher nachvollziehen, wie es armen Menschen geht, die womöglich Hunger ausgesetzt sind. Dadurch steigt die Bereitschaft sich stärker für das Allgemeinwohl zu engagieren. Es soll durch das Fasten also unter anderem ein Solidaritätsgefühl mit den Bedürftigen hervorgerufen werden.

Aus demselben Grund muss jeder Fastende am Ende des Monats eine Spende an Bedürftige abgeben. Die Spende soll den Zweck erfüllen, dass sich auch arme Menschen am Fest, das auf den Ramadan folgt, sich und ihren Familien eine gute Mahlzeit (oder Kleidung, etc.) leisten können.

Im Allgemeinen wird empfohlen, in diesem Monat sich seinen Mitmenschen gegenüber, allen voran den Armen unter ihnen, besonders großzügig zu zeigen.

Warum wird aber ausgerechnet in diesem Monat gefastet und warum ist er für die Muslime so heilig?

Im Monat Ramadan des Jahres 610 soll Muhammad eines Nachts die erste Offenbarung empfangen haben, was auch seine Berufung zum Propheten zufolge hatte. Der Koran widmet dieser Nacht eine kurze Sure aus der Zeit in Mekka, die den Namen „Das Schicksal“ (arab. al-Qadr; manchmal auch als „Die Bestimmung“ übersetzt) trägt:

„Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen. >Wir haben ihn wahrlich in der Nacht des Schicksals herabgesandt. Und was lässt dich wissen, was die Nacht des Schicksals ist? Die Nacht des Schicksals ist besser als tausend Monate. In ihr kommen die Engel und der Geist mit ihres Herrn Erlaubnis herab, mit jeglichem Auftrag. Frieden ist sie bis zum Anbruch der Morgenröte.“

Um welche Nacht des Ramadans es sich handelt ist nicht genau geklärt. Es herrscht aber Einigkeit darüber, dass es eine der Nächte des letzten Drittels des Fastenmonats ist. Als wahrscheinlichstes Datum gilt, den Überlieferungen zufolge, die Nacht vom 26. auf den 27. Ramadan. Diese Nächte im letzten Drittel des Ramadan gelten als besonders heilig. In diesen Nächten pflegen die Muslime viele Gebete zu sprechen und vermehrt Koran zu lesen.

Wie bereits erwähnt wurde, folgt auf den Ramadan ein Fest. Es wird als das „Fest des Fastenbrechens“ oder auch das „kleine Fest“ bezeichnet und ist das zweitgrößte Fest im Islam. Dieses Fest werde ich am Ende des diesjährigen Ramadans in einem weiteren Artikel vorstellen.

Zum Abschluss sei allen Muslimen ein gesegneter Fastenmonat gewünscht.



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Kommentare

  1. Michael Blume Danke...
    23.08.2009 | 21:20

    ...auch für die schöne Gelegenheit, Dir, lieber Hussein, und allen hier lesenden Muslimen auf diesem Wege einen gesegneten Ramadan zu wünschen! :-)

  2. Hans-H. Ramadan
    26.08.2009 | 13:24

    Was bitte ist die Bedeutung des Begriffs "Gott" im dritten Abschnitt ("Sinn und Zweck des Fastens ..."). Offenbar dient er (es?) der Begründung der merkwürdigen Verhaltensaufforderung, ohne Not den Stoffwechsel einzuschränken.

  3. Hussein Hamdan @ Hans-H.
    28.08.2009 | 02:55

    Das können Sie gerne so sehen. Ich habe hier versucht das islamische Verständnis für das Fasten vorzustellen und die islamische Lehre geht halt nun mal davon aus, dass alle Gebote, darunter das Fasten von Gott angeordnet werden. Daher die Aussage: "Sinn und Zweck des Fastens ist primär die Einhaltung eines von Gott auferlegten Gebotes."

  4. Michael Blume Ramadangrüße von US-Präsident Obama
    28.08.2009 | 21:40

    Erfreulicherweise gibt es Menschen, die (oft auch aus dem je eigenen Glauben heraus) mit der Bezeichnung "Gott" etwas anfangen können und Gutes über die Glaubenswege der anderen zu sagen wissen. Zum Beispiel den derzeit amtierenden US-Präsidenten Barack Obama. Hier sein Grußwort zum Ramadan 2009:
    http://www.youtube.com/watch?v=1R4KfYuDrvU

    Beste Grüße allen Menschen guten Willens!

  5. Hussein Hamdan @ Michael
    29.08.2009 | 19:30

    Vielen Dank Michael für den Hinweis auf das schöne Grußwort des US-Präsidenten; vor allem, weil ich es bisher nicht mitbekommen habe, dass Obama diesen wichtigen Anlass wieder genutzt hat, um eine Botschaft an die islamische Welt zu senden.
    Damit zeigt Obama, dass er die Muslime in den USA und auf der Welt wahrnimmt und Respekt vor ihren Glaubensinhalten hat.

    Dir alles gute,
    Hussein

  6. Charly Der Ramadan. Das Fasten im Islam
    04.09.2009 | 07:48

    Sehr gut geschrieben u. erklaert auch fuer Aussenstehende. Nur ich denke, dass nicht viele/alle Muslime/Menschen das Umsetzen koennen? Da Sie zu schwach im Glauben sind, auch sonst zu schwach - fuer die ganze Ramadan Zeit? Uebrigens die Fastenzeit gibts auch bei den Christen, auch Gott. So glauben wir doch alle an den gleichen Gott auf dieser Welt? Leider fehlts an der Achtung/Verstaendniss fuer den anderen Glauben in der Bevoelkerung ?
    Freut mich immer wieder, ueber solche Leute wie Hussein - der die Welt sieht/versteht, nicht nur die eigene Religion/Land.

  7. Hussein Hamdan @ Charly
    04.09.2009 | 15:54

    Hallo Charly,

    über deine nette Worte habe ich mich sehr gefreut, vielen Dank dafür.
    Es fasten mit Sicherheit nicht alle Muslime, aber man kann schon sagen, dass viele Muslime den Fastenmonat auch ernst nehmen. Übrigens auch viele, die sich sonst als nicht sehr religiös bezeichnen würden. Das mag zum einen daran liegen, dass der Ramadan als sehr heilig gilt, zum anderen verbindet das Fasten und das gemeinsame Fastenbrechen am Abend den Zusammenhalt in der Familie oder unter der Verwandtschaft und Freunden.

    Ja, meiner Meinung nach glauben wir an den gleichen Gott.
    Würde jeder den anderen mit etwas mehr Achtung und Respekt begegnen, dann hätten wir mit Sicherheit eine bessere Welt.

    Alles gute,
    Hussein

  8. sarah kein Betreff
    05.09.2009 | 14:14

    ich muss so was für islamkund i unterricht machen kannst du mir das nicht in kurzfassung schreiben bis zum 08.09.2009
    es wäre schon wenn du das machen würdest :)

  9. Hussein Hamdan @ Sarah
    05.09.2009 | 18:00

    Hallo Sarah,

    es freut mich, wenn dir der Beitrag für die Vorbereitung auf deinen Unterricht weiterhilft. Bis zum 8. ist ja noch etwas Zeit und ich glaube, dass du bis dahin bestimmt auch selbst eine Kurzfassung schreiben kannst.
    Viel Erfolg dabei!

  10. 07.09.2009 | 22:18

    Lieber Hussein,

    nachdem Du ja selbst in Baden-Württemberg Gast des Iftars der Landesregierung B.-W. warst, hier auch ein Beitrag mit Bericht aus dem Weißen Haus! :-)

    http://www.chronologs.de/...-abendessen-im-ramadan

    Dir weiterhin viel Kraft, Erfolg und Segen im Dialog!

  11. Charly Der Ramadan. Das Fasten im Islam
    10.09.2009 | 09:20

    lieber Hussein, Danke fuer deine Antwort: wuensche allen Muslimen auf diesem Wege einen gesegneten Ramadan ! :-)

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