chronologs Der Islam

Allah ist Gott

von Hussein Hamdan, 26. Oktober 2009, 12:18

Immer wieder mache ich die Erfahrung, dass Nichtmuslime gerne den Begriff Allah verwenden, wenn von Gott im islamischen Kontext gesprochen wird. Manchmal ist gar von Allah, der islamischen Gottheit die Rede. Es scheint, als hätten immer noch viele Menschen die Vorstellung, Allah sei lediglich der Gott der Muslime.

Ist dem aber wirklich so?

Nein! Denn Allah ist nichts anderes als das arabische Wort für Gott, so wie God das englische, Dieux das französische oder Choda das persische Wort für Gott sind. Daher wird es nicht nur von Muslimen sondern auch von arabischen Juden und Christen benutzt. Liest man etwa eine arabische Bibelübersetzung, dann stößt man häufig auf das Wort Allah.

Als ich dies einmal während eines Vortrags erklärt habe, protestierte ein Zuhörer lautstark. Ein koptischer Freund hätte ihm erklärt, die arabischen Christen würden statt Allah „Rabb“ sagen, was auf Deutsch übersetzt „Herr“ bedeutet. Doch auch Rabb kommt im Koran für Gott vor. So wie in der 1. Sure des Korans. Dort heißt es im zweiten Vers:

„al-hamdu`li-llah rabb al-´alamin (Lob sei Gott, dem Weltenherrn).

Allah ist kontrahiert aus dem arabischen Wort al-ilah (die Gottheit) und war vielen Arabern schon in vorislamischer Zeit ein Begriff. So soll ein Teil der Polytheisten Allah als Hochgott verehrt haben, mit dem allerdings nicht derselbe Kult verbunden war, wie bei den Göttern aus Holz und Stein.

Ohnehin vertritt der Islam die Lehre eines strengen Monotheismus, in dem nur Platz für den einen, einzigen Gott enthalten ist, der Gott aller Menschen ist. Das macht sich schon beim ersten Teil des Glaubensbekenntnisses bemerkbar:

Es gibt keinen Gott (bzw. keine Gottheit) außer Gott (arab.: la ilaha illa Allah).

Woher kommt aber die Vorstellung, die Muslime hätten mit Allah einen eigenen Gott?

Zum einen liegt es meiner Meinung nach an der Unkenntnis über den Islam. Man redet gerne viel über diese Religion, aber wirklich Ahnung hat längst nicht jeder. Nicht selten wird das Wort Allah gebraucht, wenn man in einem abwertenden Ton über den Islam spricht.

Zum anderen liegt es erfahrungsgemäß an den Muslimen selbst, die häufig während einer Konversation in deutscher Sprache den arabischen Begriff Allah für Gott benutzen, was für Verwirrung sorgen kann. Auch in zahlreichen Koranübersetzungen wird gerne Gott als Allah wiedergegeben, während die anderen 99 Gottesnamen, die im Koran erwähnt werden allesamt auf Deutsch übersetzt werden. In der Basmala, die ausgenommen von Sure 9 alle Koransuren einleitet, kann man das gut beobachten. Dort heißt es meist:

„Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen."

Woran liegt es, dass hier Allah im Arabischen wiedergegeben wird, der Erbarmer und der Barmherzige aber übersetzt werden?

Der Grund kann darin liegen, dass man von Allah im arabischen keinen Plural bilden kann. Von ilah (Gottheit) gibt es die Pluralform aliha (Gottheiten). Allah steht aber immer im Singular. Und da aus dem deutschen Gott der Plural Götter gebildet werden kann, wird auf eine Übersetzung verzichtet, um eine mögliche Gefährdung des Monotheismus zu vermeiden.

Diese Erklärung ist aber vielen Muslimen selbst unbekannt. Allah wird unter den Muslimen in Deutschland, sozusagen „im Volksmund“ häufig gebraucht, weil die Originalsprache des Korans Arabisch ist und man es sich auch einfach angewöhnt hat.

Allah ist also kein Eigenname; es ist nicht der Name der „islamischen Gottheit“, sondern nur die wörtliche Übersetzung für Gott.

Wo es aber sehr wohl Unterschiede gibt, ist das Gottesbild bzw. die Gottesvorstellung. Dies wird Gegenstand des nächsten Artikels sein.



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Kommentare

  1. Luchs kein Betreff
    26.10.2009 | 13:48

    Hallo Hussein,

    Du schreibst: "Allah ist kontrahiert aus dem arabischen Wort al-ilah (die Gottheit) und war vielen Arabern schon in vorislamischer Zeit ein Begriff. So soll ein Teil der Polytheisten Allah als Hochgott verehrt haben, mit dem allerdings nicht derselbe Kult verbunden war, wie bei den Göttern aus Holz und Stein."

    Ist das nicht ein Widerspruch zu Deinem Tenor? Wenn Allah ursprünglich der Name für den obersten Gott eines polytheistischen Systems war, dann handelt es sich doch eigentlich um einen Eigennamen, vergleichbar mit Wotan bei den Germanen oder Jahwe bei den Juden. In der Bibel haben wir noch Elohim und Zebaoth. Bezeichnen alle dasselbe Wesen?

    Als Kind war ich öfter in der sogenannten Sonntagsschulde, einem christlichen Kindergottesdienst. Dort wurde gelehrt, Allah würde sich von "alles" herleiten, während Gott sich von "gut" herleitet. Alle Religionen hätten einen obersten Gott, der entweder für alles stünde, was es gibt oder ausgedacht werden kann, oder der nur für alles gute stünde, was es gibt oder ausgedacht werden kann. Man könnte die Religionen also nicht nur danach einteilen, ob sie an viele oder nur einen "Gott" glauben, sondern auch, ob dieser Gott für sie Alles umfasst, oder nur das Gute. Richtig wäre der Glaube, dass erst im Himmel Gott zu Allah wird. Was hältst Du davon?

  2. adenosine kein Betreff
    26.10.2009 | 14:32

    Richtiger wäre wohl, dass Allah die islamische Interpretation Gottes ist.

  3. Michael Blume Danke!
    26.10.2009 | 21:55

    Lieber Hussein,

    vielen Dank für den schönen, aufklärenden Beitrag! Möge er viele Leser finden!

    Vielleicht ist es für Dich und Deine Leser interessant, dass wir in der Auswertung von internationalen Befragungsdaten des Religionsmonitors zu religiösen Erfahrung mit der Gottheit keine Unterschiede zwischen den hoch religiösen Teilnehmern der Weltreligionen finden konnten.

    Ob in Marokko, Deutschland, Israel oder Thailand - religiös aktive Menschen berichteten übereinstimmend v.a. über Erfahrungen der Liebe, Dankbarkeit und Befreiung von Schuld, in deutlich schwächeren Frequenzen aber auch z.B. der Ehrfurcht. Das ist natürlich kein Gottes- oder Gottesidentitätsbeweis, aber doch ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Gottheit interkulturell und interreligiös verblüffend ähnlich erfahren wird.

    Sobald es zu diesen Daten eine Veröffentlichung geben sollte, gebe ich Bescheid. Zum Religionsmonitor selbst gibt es Video & Teilnahmemöglichkeit hier:
    http://www.chronologs.de/...t-der-religionsmonitor

    Liebe Grüße, weiterhin viel Erfolg mit Deinem wertvollen Blog!

  4. Ulrich kein Betreff
    27.10.2009 | 00:02

    In der Tat wird Allah sehr stark assoziiert mit dem Islam. Ich denke, es liegt auch daran, dass der Islam als Religion quasi in einem Zug mit Araber in Verbindung gebracht wird. Irgendwie logisch, da hier ja der Ursprung liegt. Andererseits nicht mehr ganz den heutigen globalen Verhältnissen entsprechend, wo doch viele Muslime keine Araber sind (z.B. Indonesien).
    In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an die Geschichte des Christentums, die im damaligen Judäa begann, ihren Durchbruch im Zentrum des römischen Reiches in Rom hatte und heutzutage in Amerika und Afrika stark präsent ist.

  5. Martin Huhn Problem
    27.10.2009 | 09:56

    Ich frage mich nur, wie man zwischen dem Gott der Juden/Christen und der Muslime unterscheiden will. Dann müssen Juden/Christen wohl vom Gott Abrahams und Issaks reden.

  6. MartinM Populärer Irrtum
    27.10.2009 | 17:53

    Danke für die Richtigstellung diese populären Irrtums. Auch deshalb, weil mir manche Leute nicht glauben wollen, wenn ich ihnen sage, dass Allah einfach das arabische Wort für Gott sei - Ihnen glauben sie hoffentlich.

    Eine Kleinigkeit noch: "So soll ein Teil der Polytheisten Allah als Hochgott verehrt haben, mit dem allerdings nicht derselbe Kult verbunden war, wie bei den Göttern aus Holz und Stein."

    In diesem Falle ist meiner Ansicht nach der vor-islamische Hochgott Allah ebenso wenig mit dem hochgradig abstrakten Gott der abrahamistischen Religionen identisch, wie z. B. Tyr, Zeus oder Lugh. Außerdem beteten die alten Araber wahrscheinlich nicht "Göttern aus Holz und Stein" an - Götterbilder, auch "Götzenbilder", sind ja selbst in "primitiven" Kulturen niemals die Götter selbst, sondern Symbole.

  7. Michael Blume @ Martin
    28.10.2009 | 10:11

    Du fragtest: Ich frage mich nur, wie man zwischen dem Gott der Juden/Christen und der Muslime unterscheiden will. Dann müssen Juden/Christen wohl vom Gott Abrahams und Issaks reden.

    Ich möchte dazu nur anmerken, dass sowohl Juden wie Muslime einen strikten Monotheismus vertreten, wogegen Christen z.B. eine Trinität mit dem Sohn Jesus anbeten, Gott auch bildlich darstellen etc. Sinnigerweise bezeichnet auch der Koran Jesus als Gottesgesandten und Messias; steht damit also wiederum der christlichen Überlieferung näher.

    Man kann also m.E. den Gott Abrahams in einem weiten Sinne interpretieren, der die Glaubensbilder von Juden, Christen und Muslimen einschließt. Einerseits aber den jüdischen Gottesglauben christlich zu vereinnahmen, dann aber die Muslime ausschließen zu wollen erfordert schon eine sehr komplexe (und m.W. wenig überzeugende), theologische Akrobatik...

    Die katholische Kirche hat diese Frage übrigens längst lehramtlich im 2. Vatikanum beantwortet. Dort heißt es in "Nostra Aetate" zu den Muslimen:

    "3. Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslim, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde, der zu den Menschen gesprochen hat. Sie mühen sich, auch seinen verborgenen Ratschlüssen sich mit ganzer Seele zu unterwerfen, so wie Abraham sich Gott unterworfen hat, auf den der islamische Glaube sich gerne beruft. Jesus, den sie allerdings nicht als Gott anerkennen, verehren sie doch als Propheten, und sie ehren seine jungfräuliche Mutter Maria, die sie bisweilen auch in Frömmigkeit anrufen. Überdies erwarten sie den Tag des Gerichtes, an dem Gott alle Menschen auferweckt und ihnen vergilt. Deshalb legen sie Wert auf sittliche Lebenshaltung und verehren Gott besonders durch Gebet, Almosen und Fasten.

    Da es jedoch im Lauf der Jahrhunderte zu manchen Zwistigkeiten und Feindschaften zwischen Christen und Muslim kam, ermahnt die Heilige Synode alle, das Vergangene beiseite zu lassen, sich aufrichtig um gegenseitiges Verstehen zu bemühen und gemeinsam einzutreten für Schutz und Förderung der sozialen Gerechtigkeit, der sittlichen Güter und nicht zuletzt des Friedens und der Freiheit für alle Menschen."

    http://www.vatican.va/...028_nostra-aetate_ge.html

    Weitere Ausführungen zum Gottesglauben auch in nichtkatholischen Kirchen, Judentum, Islam und anderen Religionen finden sich außerdem in Lumen Gentium.

    Beste Grüße!

  8. Hussein Hamdan @ Luchs
    28.10.2009 | 12:59

    Hallo Luchs,

    schön von dir zu lesen.
    Im Verständnis der vorislamischen Araber mag Allah ein Eigenname gewesen sein. So kann man auch lesen, dass Mekkas Stadtgott Hubal zum Teil als Allah bezeichnet wurde. Der Islam kennt solch ein Göttersystem nicht bzw. lehnt er so etwas ab, da es nur den einen einzigen Gott gibt, den man auf Arabisch Allah nennt.

    Was sie die Lehren der Sonntagsschulde angeht, so halte ich die sprachliche Herleitung für etwas schwierig. Im Islam umfasst Gott alles, das stimmt (mehr dazu im Artikel zum islamischen Gottesbild); ich denke im Christentum auch. Die angeführte Einteilung der Religionen mag legitim sein. Dass Gott (das Gute) erst im Himmel zu Allah (der alles umfasst) wird, könnte man auch vielleicht so sehen, aber ich würde mich da nicht festlegen wollen.

    Grüße,
    Hussein

  9. Hussein Hamdan @ Ulrich
    28.10.2009 | 13:26

    Sie Schreiben: "In der Tat wird Allah sehr stark assoziiert mit dem Islam. Ich denke, es liegt auch daran, dass der Islam als Religion quasi in einem Zug mit Araber in Verbindung gebracht wird. Irgendwie logisch, da hier ja der Ursprung liegt. Andererseits nicht mehr ganz den heutigen globalen Verhältnissen entsprechend, wo doch viele Muslime keine Araber sind (z.B. Indonesien)."
    Da gebe ich Ihnen völlig recht. Indonesien ist ein sehr gutes Beispiel, denn es ist mit etwa 200 Millionen das Land mit der größten muslimischen Bevölkerung. Gefolgt von Pakistan, Bangla Desh und Indien, die alle nicht arabisch sind.

  10. Hussein Hamdan @ MartinM
    28.10.2009 | 13:42

    Mir glauben das auch viele Leute nicht. Daher habe ich bei Vorträgen gerne eine Bibelübersetzung dabei und lese manchmal einen Auszug vor indem Allah vorkommt.

    Der Götterkult der vorislamischen Araber ist nicht einfach zu fassen, da es verschiedene Formen gegeben haben soll. Leider haben wir keine zeitgenösischen Quellen, die uns mehr Informationen darüber geben könnten.
    Wie Sie aber richtig schreiben, gab es auch Menschen, die mit den Götzen Symbole verbunden haben.

    Danke für Ihren Beitrag.

  11. Hussein Hamdan @ Michael
    28.10.2009 | 14:51

    Lieber Michael,

    vielen Dank für diese ausführliche Darstellung. Diese vatikanische Erklärung hat auch zur Annäherung zwischen dem Vatikan und der islamischen Welt geführt. Noch im selben Jahr haben Vertreter des Vatikans die Azhar-Universität (Kairo) besucht und den Dialog mit ihr aufgenommen.

    Die Päpste haben nach dem Konzil immer wieder betont, dass Christen und Muslime den selben Gott anbeten. In ähnlicher Weise äußert sich auch der Koran. In Sure 29,46 heißt es:

    "Und diskutiert mir den Leuten des Buches nur auf die beste Art und Weise, mit Ausnahme derer von ihnen, die Unrecht tun. Und sagt: Wir glauben an das, was zu uns herabgesandt und zu euch herabgesandt wurde. Unser Gott und euer Gott ist einer. Und wir sind Ihm ergeben."

  12. Lina kein Betreff
    06.11.2009 | 15:38

    Finde ich sehr gut beschrieben. Viele vergessen halt, dass ein Gott nicht immer unbedingt DER Gott sein muss, sondern einfach nur die ganz persönliche Vorstellung des Gottes ist!
    Der Satz, dass es einen Dieux oder einen God, oder Gott, oder eben Allah gibt, und trotzdem alle derselbe sind, trifft es doch ganz gut.

  13. Luchs Teufel und Gott
    06.11.2009 | 16:15

    Hallo Hussein,

    Du wirst sicherlich wissen, dass aus dem Christentum auch Satanisten hervorgegangen sind. Ihre ursprünglich christlichen Wurzeln sieht man noch in der Verwendung ihrer Symbole, z.B. das auf den Kopf gestellte Kreuz oder eine Schwarze Messe in Anlehnung an die Messe der Römisch-Katholischen Kirche. Was mich nun interessiert: Gibt es auch Satanisten mit moslemischen Wurzeln?

    Wie ist Deiner Ansicht nach folgendes Zitat gemeint, das Jesus Christus angeblich zu den Juden seiner Zeit gesagt hat:
    „Euer (geistiger) Vater ist der Teufel.“
    Auf dieses Zitat bezog sich wohl auch Martin Luther, als er die Juden seiner Zeit als Teufel bezeichnete. Kann es sein, dass ein Gott-gläubiger Mensch sich ständig überprüfen muss, ob er nicht versehentlich den Teufel anbetet? Wie nah liegen Gottesvorstellungen und Teufelsvorstellungen beieinander? Meines Wissens betrachten auch die Satanisten ihren Gott, als einen guten Gott.

    mfg
    Luchs

  14. Susanne M Hoffmann ein Gedicht zum Thema
    09.11.2009 | 09:33

    Le nom de dieu

    Schwarzer Moslem, Weißer Christ,
    Unser Gott derselbe ist:
    'Allah' ist Übersetzung nur
    Auf Gottes Namenspartitur.

    (Mahmoud Agathe Dalena)

  15. Susanne M Hoffmann ... und noch eins ...
    09.11.2009 | 09:34

    Abrahams Gott

    Vater Abraham kannt' einen Gott.
    Der Christ nennt Jesus dessen Sohn.
    Für Moslems ist dies glatter Hohn;
    sie schließen nur in ihr Gebet,
    dass Mohammed letzter Prophet.
    Vielleicht ist beides davon nichtig?
    Wenn wir wissen, was ist richtig,
    Sagt's uns doch derselbe Gott.

    - - -
    Danke Hussein! viel Wasser auf diese Mühlen!

  16. Klaus Deistung Klärung
    09.11.2009 | 14:06

    Drei Religionen wurden erwähnt – Gott, auch wenn er in anderen Sprachen anders ausgesprochen wird, ist für die 3 Religionen derselbe Ansprechpartner. Und für die Mormonen – im Blog schon im Thema – müsste man das ja hier einschließen können.
    So gesehen sind wir dann bei der Ringparabel. In manchen Berichten fiel mir auf, dass einige Muslime die Gläubigen anderer Religionen auch als Ungläubige bezeichnen.
    Wenn wir alle an einen Gott glauben, müssten wir doch viel besser zusammenarbeiten als uns ständig(?) zu bekämpfen. Die Christen hatten den 30-jährigen Krieg: katholisch gegen evangelisch, im Islam bekämpfen sich Suniten und Schiiten. Was ist an einem Krieg heilig? Die Mächtigen wollen ihre Macht behalten – die Menschen, Gläubigen brauchen den Krieg nicht – sie sind die wahren Verlierer – in jedem Krieg! Solange es keine „einzig, wahre“ Religion gibt, kommen die Menschen gut miteinander aus – das zeigte auch Jugoslawien.
    Und so sind viele kleine Schritte wie Allah = Gott, Verständnis für die Ringparabel im Grunde nötig, um zu einem besseren Verhältnis zwischen den Menschen zu kommen. So gesehen sind wir doch alle Gottes Geschöpfe! - Oder sehe ich da was falsch?

  17. Hussein Hamdan @ Teufel und Gott
    09.11.2009 | 19:15

    Hallo Luchs,

    ich danke dir für die interessanten Fragen.
    Soviel ich weiß, wurde Ende der Neunziger Jahre im Libanon und später in Ägypten von „Teufelsanbetern“ gesprochen. Diese sollen sich nachts in Friedhöfen versammelt und Gräber geschändet haben. Soweit ich mich erinnern kann, wurden auf den Friedhöfen manchmal auch tote Tiere (Hühner, Vögel..) gefunden, denen man die Kehle durchgeschnitten und mit deren Blut man die Gräber beschmutzt hatte. Ob sie muslimische Wurzeln hatten, kann ich nicht genau sagen. Mehr weiß ich darüber leider nicht.

    Das Jesus-Zitat, das Du hier anführst, kommt mir etwas aus dem Zusammenhang gerissen vor und mir fehlen Hintergrundinformationen um es bewerten zu können. Vielleicht könnte ein christlicher Theologe diese Frage um einiges kompetenter beantworten.
    Im Islam ist man dazu angehalten, den eigenen Glauben ständig zu überprüfen.
    Dass man versehentlich den Teufel anbeten könnte, halte ich hierbei eher für unwahrscheinlich. Im Islam steht weniger die Frage im Vordergrund, ob man auf der Seite Gottes oder der des Teufels steht; vielmehr geht es darum, ob man mit seinen Handlungen die Zufriedenheit Gottes anstrebt oder nicht. Hierbei spielt vor allem die Absicht, die mit der Handlung verfolgt wird, nach dem Grundsatz Muhammads „Die Taten werden nach ihrer Absicht bewertet“ eine Rolle.
    Nach islamischer Vorstellung ist der Mensch göttlichen und teuflischen Einflüssen ausgesetzt. Der Teufel ist hierbei jedoch nicht mehr als ein – wenn auch unfreiwilliges – Werkzeug in Gottes Hand, mit dem die Menschen auf die Probe gestellt werden. Letzten Endes kommt es aber auf den Menschen an, wie er sich entscheidet, wenn Gott ihn auf die Probe stellt.

  18. Hussein Hamdan Susanne M Hoffmann
    09.11.2009 | 19:21

    Vielen Dank für die schönen Gedichte. Herr Dalena hat sie mir schon mal zum Artikel "Der Imam und der Pastor" geschickt. ;-)

    Alles gute,
    Hussein

  19. Hussein Hamdan @ Klaus Deistung
    09.11.2009 | 19:32

    Lieber Herr Deistung,

    ich danke Ihnen für Ihren Kommentar. Ich kann mich eigentlich kurz fassen. Sie sehen es nicht falsch, sondern absolut richtig.

  20. Nicolas @Luchs Teufel und Gott
    13.11.2009 | 17:47

    Zuerst: Danke für die interessante Diskussion hier.

    Ich möchte nur schnell zur zitierten Stelle von Luchs Stellung nehmen. Er sagt:"Wie ist Deiner Ansicht nach folgendes Zitat gemeint, das Jesus Christus angeblich zu den Juden seiner Zeit gesagt hat: „Euer (geistiger) Vater ist der Teufel.“".
    Es ist, wie Hussein sagt, etwas aus dem Zusammenhang gerissen.
    Der Satz sagt Jesus in Johannes 8,44 zu den Pharisäer der Juden. Erlaubt mir eine etwas vereinfachte Erklärung. Die Pharisäer sahen zwar an den Taten Jesus, dass er von Gott gesandt war (Joh 3,2) aber sie wollten es nicht wahrhaben und waren neidisch auf ihn (z.B. Markus 15,10), weil viele Menschen Jesus gerne hörten (Markus 12,37) und sie suchten ihn zu töten (z.B. Markus 14,1). Unter anderem weil sie ihn töten wollten, sagte Jesus zu ihnen, dass sie den Teufel als (geistigen) Vater haben. Das heisst die Pharisäer hören auf die Stimme des Teufels (der Jesus hasst und das Böse will) statt auf die Stimme von Gott (der Jesus liebt und das gute will). So wie Hussein sagt ist der Mensch göttlichen und teuflischen Einflüssen ausgesetzt. Die Pharisäer haben lieber auf die Stimme des Teufels gehört. Das ganze Gespräch kann man auf dem www.bibelserver.com, johannes 8,37 eingeben, nachgelesen werden.
    Das heisst, der Mensch kann ohne, dass es ihm richtig bewusst ist, auf den Teufel hören. Er ist deshalb noch kein Satanist. Wenn der Mensch nicht von ganzem Herzen Gott sucht, wird er unbewusst und aus Gewohnheit auf Satan hören. Er hat dann Satan als Vater statt Gott. Und er ist unsensibel auf Gottes Reden

    Beste Grüsse

szmtag