chronologs Der Islam

Die Geschichte vom Elefantenheer

von Hussein Hamdan, 26. Februar 2009, 23:54

Im Namen Gottes des Erbarmers, des Barmherzigen!
Hast du nicht gesehen, wie dein Herr mit den Leuten des Elefanten verfuhr?
Hat er ihren Plan nicht scheitern lassen.
Und Vögel in Scharen über sie geschickt,
Die sie mit Steinen aus gebrannten Ton bewarfen?
Dann machte Er sie wie ein abgefressenes Feld.

(Sure 105; Der Elefant)

Dies ist eine von vielen Geschichten des Korans, die man durch einfaches Lesen nicht verstehen kann. Ohne das Hintergrundwissen und der Koranexegese wären wir nicht nur an dieser Stelle völlig aufgeschmissen. Viele Teile der heiligen Schrift des Islam werden erst verständlich, wenn man die Umstände für die Entstehung der Texte erfahren hat.

Ich möchte aber hier bei dieser Sure bleiben, die wie sechs weitere Suren nach Tieren benannt ist.

Welches Ereignis verbirgt sich hinter dieser Sure und was hat es mit dem Elefanten auf sich?

Die Geschichte

Im sechsten Jahrhundert ist Mekka eine sehr wichtige Handelsstadt und besitzt mit der Kaaba, die von Abraham und Ismail erbaut wurde, das wichtigste Heiligtum Arabiens. Die Araber waren zu jener Zeit hauptsächlich polytheistischen Glaubens und verehrten über 360 Götter, die vorwiegend aus Holz oder Stein geformt waren. Mekkas Stadtgott Hubal war in der Kaaba selbst aufgestellt und wurde in ihr verehrt.

Zu Ehren der Götter fanden periodische Wallfahrten zur Kaaba statt, an denen Menschen aus der gesamten Arabischen Halbinsel teilnahmen.

Für Mekkas führende Schicht waren diese Wallfahrten ein lukratives Geschäft, denn neben den Göttern, die man in verschiedenen Formen herstellte, konnte man den Pilgern auch weitere Ware zum Verkauf anbieten.

Im Jemen regierte zu jener Zeit der äthiopische Vizekönig Abraha, dem der Ruhm Mekkas ein Dorn im Auge war. Er wollte der mächtigste und reichste Mann auf der Arabischen Halbinsel sein und ließ daher in Sanaa ein viel größeres und schöneres Gebetshaus bauen in der Hoffnung, die Menschen würden dann in den Jemen und nicht mehr nach Mekka pilgern. Dieser Plan war jedoch nicht von Erfolg gekrönt. Die Menschen unternahmen weiterhin ihre Wallfahrten nach Mekka. Zu beliebt war dieses Heiligtum, als dass man sich von einem schöneren Tempel an einem anderen Ort hätte verblenden lassen.

Dieser Misserfolg gefiel Abraha ganz und gar nicht. Er beschloss Mekka zu erobern und die Kaaba zu vernichten, damit die Menschen gezwungen waren, sich einen neuen heiligen Ort zu suchen.

Er stellte eine starke Armee auf und besorgte Elefanten aus Indien, auf die seine Soldaten reiten sollten. Solch ein Elefantenheer galt damals als unbesiegbar.

Diese Nachrichten sorgten für große Unruhe bei den Mekkanern. Was sollte man tun? Ein Kampf gegen die übermächtige jemenitische Armee schien zwecklos. Ein weiser Mann unter den Mekkanern riet, die Kaaba ihrem Schicksal zu überlassen. Schließlich habe sie einen Gott, der sie beschützen würde.

So kam man schweren Herzens zu der Entscheidung, sich den Eindringlingen kampflos zu ergeben und womöglich die Zerstörung des beliebten Heiligtums mit ansehen zu müssen.

Abrahas Soldaten sahen sich damit in einer komfortablen Situation und sie freuten sich schon auf die von ihrem König versprochene Belohnung, die sie nach ihrer Rückkehr im Jemen erwartete. So nahmen sie schnell die Stadt ein und standen schließlich vor der Kaaba, wo sie sich auf ihre Zerstörung vorbereiteten.

Als sie aber loslegen wollten, geschah folgendes:

Ein großer Vogelschwarm kam angeflogen und jeder Vogel trug Steine in seinem Schnabel und seinen Krallen. Die Vögel flogen über die Armee hinweg und ließen die Steine auf die Soldaten hinabfallen. Dabei wurden die Soldaten tödlich verletzt und die Elefanten rannten vor Schreck davon.

Die islamischen Quellen lassen keinen Zweifel daran, dass es dieses Ereignis tatsächlich gegeben hat und bezeichnen das Jahr, in dem es stattgefunden hat als das Jahr des Elefanten.

Über die Datierung ist man sich jedoch nicht ganz einig.

Während eine Felsinschrift in Zentralarabien 552 als das Jahr des Elefanten angibt, sprechen andere Quellen von 547.

Wiederum gibt es Quellenangaben, die dieses Ereignis auf 570 datieren. Diese Variante ist unter den Muslimen sehr gängig. Eben in diesem Jahr wurde Muhammad in Mekka geboren.

Der weise Mann, der sich sicher war, dass Gott die Kaaba beschützen würde, hieß übrigens Abd al-Muttalib und war Muhammads Großvater.

Die Wunder Gottes

Die Wunder Gottes nehmen in den Darstellungen des Korans besonders bei den Prophetengeschichten eine große Rolle ein, denn alle Propheten haben Wunder aufzuweisen.

Zum Beispiel hatte Moses seinen Stab zu einer Schlange verwandelt, welche die Schlangen der Zauberer des Pharaos verschlang und er spaltete auf der Flucht vor dem Pharao das Meer. Jesus ist auf wundersame Weise ohne Vater geboren worden und konnte unter anderem Kranke heilen. Im Koran sind diese Wunder Zeichen, durch die Gott auf sich aufmerksam macht. So liefert er den Menschen den Beweis seiner Existenz und Erhabenheit. Sie stärken auch die Propheten in ihrer Mission, wenn an ihrer Glaubwürdigkeit gezweifelt wird.

Und das Wunder um die Errettung der Kaaba?

Gott hatte also laut Koran und der islamischen Geschichtsschreibung mit einem Wunder die Kaaba gerettet und wollte damit nicht zulassen, dass das von Abraham erbaute Heiligtum dem Erdboden gleich gemacht wird.

Die Kaaba nimmt bis heute noch eine besondere Position ein. Jedes Jahr pilgern 2-3 Millionen Muslime nach Mekka, um die Kaaba, zu Ehren des einen einzigen Gottes, zu umkreisen und täglich verneigen sich Millionen von Muslime aus allen Gegenden in ihre Richtung, wenn sie die fünf täglichen Gebete sprechen.



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Kommentare

  1. Hussein Hamdan kein Betreff
    30.03.2009 | 12:36

    Hallo Luchs,

    du schreibst: „Ein Beispiel hatte ich in meinem letzten Beitrag schon genannt. Wie sind die Wikinger auf die Idee gekommen viele hundert Kilometer von der Küste entfernt auf ca. 1000m Tiefe ihre Netze auszuwerfen. Meiner Ansicht nach auf logisches Verhalten zurückzuführen, vielleicht aber auch ein Beispiel für die Transzendenz nach der wir hier suchen.“

    Ich kann solche Erkenntnisse (auch von G. Bruno) nicht bewerten. Aber wir Menschen haben die Fähigkeit nachzudenken, Ideen zu entwickeln und zu handeln. Inwiefern da immer göttliche Eingebung dabei ist, muss jeder für sich selbst beurteilen. Ein sehr gläubiger Mensch wird wahrscheinlich in jeder Erkenntnis den Willen Gottes entdecken und wird jedes logische Verhalten auf Gott zurückführen.

    Ich habe mir den Artikel zu Bruno angeschaut. Ein sehr interessanter Mann. Schade, dass er so ein Ende erfahren musste. Danke dir für den link.

    Du hast mich nach der Sure gefragt, in der steht, dass Mond und Sonne sich nie überholen. Dieser Vers ist mir nicht bekannt. Ich möchte aber nicht ausschließen, dass er so oder in ähnlicher Form existiert. Ich habe nicht den ganzen Koran im Kopf.
    Sonne und Mond kommen im Koran schon einige Male vor und ich habe leider gerade nicht die Zeit, um mir alle Verse anzuschauen. Tut mir leid!

    Zur arabischen Sprache: Wie du vielleicht weißt, gilt der Koran der islamischen Tradition nach als Gottes Wort und ist das Beglaubigungswunder Muhammads. Dies wird mit der „Unnachahmlichkeit“ des Korans begründet. (Dazu etwas mehr in einer Einführung in den Koran, die ich schreiben möchte).
    Ich denke, dass die Menschen zu Muhammads Zeit den Koran schon verstehen konnten. Wobei man natürlich schon sagen muss, dass es heutzutage nicht für jeden einfach ist alles zu verstehen oder auch die einzelnen Verse richtig einzuordnen.
    Ich finde aber, auch wenn es deine Sache ist, dass du manchmal zu schnell urteilst. Die heiligen Schriften der Zoroastrier sind in altiranischen Sprachen verfasst, die heute kaum noch einer versteht. Da kann ich doch nicht gleich sagen, dass sie nichts oder wenig mit einem eventuellen Gott zu tun hat.

    Es freut mich, dass du mich für vernünftig hältst; ich finde es aber schade, dass du über meine muslimischen Freunde und Verwandte urteilst ohne sie zu kennen. Vielleicht solltest du diesbezüglich deine Haltung etwas überdenken.

    Du schreibst: „Es wäre interessant, wenn hier auch ein „reinrassiger“ Atheist mitdiskutieren würde.“
    Ein Koranexeget wäre auch ganz prima. ;-)
    Das wäre auch eine sehr spannende Diskussion: Ein Koranexeget und ein atheistischer Naturwissenschaftler.

    Ich konnte nun nicht auf alles eingehen (z.B. Existenz Gottes- werde im Juni einen Vortrag zum Gottesbild im Islam halten und ihn dann vermutlich in meinen Blog setzen), weil bei mir die Zeit grad sehr knapp ist. In den nächsten Wochen bin ich auch nicht da und werde nur begrenzt ins Internet kommen. Daher kann es sein, dass ich vielleicht gar nicht oder nur kurz schreiben kann. Mal schauen!
    Aber ich kann mich nur wiederholen: eine spannende Diskussion und vielen Dank dafür.

    Hussein

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