chronologs Der Islam

Der Koran - Eine kurze Einführung

von Hussein Hamdan, 30. Mai 2009, 13:45

Über den Koran wird viel gesprochen. Jedoch fällt mir immer wieder auf, dass viele Menschen nicht einmal Grundkenntnisse über das heilige Buch des Islam besitzen. Im Folgenden einige wichtige Informationen:

Der Koran gilt der islamischen Tradition nach als das offenbarte Wort Gottes. Es handelt sich also nicht um inspiriertes Menschenwort, sondern um die wörtliche Offenbarung von Gott. Im Klartext heißt das: nicht Muhammad, der ohnehin Analphabet gewesen sein soll, ist der Verfasser des Koran, sondern Gott.

Als Überbringer der göttlichen Botschaften fungierte der Erzengel Gabriel. Den Quellenangaben nach soll Gabriel Muhammad erstmals in einer Nacht des arabischen Monats Ramadan im Jahre 610 in einer Höhle auf dem Berge Hira in der Nähe Mekkas, wohin sich Muhammad des Öfteren zurückzog, aufgesucht und ihm die ersten Verse (Sure 96, Verse 1-5) des Korans überbracht haben. Diesem Aufeinandertreffen liegt auch die Berufung Muhammads zum neuen Gesandten Gottes zugrunde, wie noch in einem späteren Artikel verdeutlicht werden wird.

Von diesem Zeitpunkt an überbrachte Gabriel dem Propheten bis zu seinem Tod im Jahre 632 in Medina regelmäßig Abschnitte der heiligen Schrift. Das heißt also, dass die Offenbarungen mit dem Tode Muhammads abgeschlossen waren. In seinem Auftrag wurden breite Teile des Korans vor allem durch Zaid ibn Thabit, der in der wissenschaftlichen Sprache auch gerne als Prophetensekretär bezeichnet wird, schon schriftlich festgehalten; viele Gefährten Muhammads pflegten die Texte aber nach altarabischer Sitte auswendig zu lernen und mündlich zu tradieren. Die ersten beiden Kalifen Abu Bakr (reg.632-34) und Umar (reg. 634-44) sammelten die niedergeschriebenen Texte, bevor der dritte Kalif Uthman (reg. 644-56) im Jahre 653 eine Redaktion vornehmen ließ, bei der eine Anordnung der Suren erfolgte und somit eine einheitliche Koranform entstanden ist.

Die Anordnung der insgesamt 114 Suren folgt dem Prinzip der Länge, wobei Ausnahmen enthalten sind. Sure 2 ist die längste, Sure 108 und 110 sind die kürzesten. Die erste Sure heißt al-Fatiha (die Eröffnende) und gilt als das wichtigste Gebet im Islam, das nicht nur den Hauptteil der Ritualgebete dominiert, sondern auch zu vielen verschiedenen Anlässen (Eheschließung, Tod etc.) vorgetragen wird.

Die Anordnung der Suren folgt also weder der chronologischen Reihenfolge ihrer Offenbarung noch ergibt sie einen fortlaufenden, zusammenhängenden Text. Somit ist jede Sure für sich zu betrachten. Jede Sure hat einen Namen, der entweder auf den Anfang oder den Inhalt der Sure Bezug nimmt.

Bis auf die neunte Sure leitet die Basmala-Formel „Im Namen Gottes des Erbarmers des Barmherzigen“ alle Suren ein, was als Ausdruck der Barmherzigkeit Gottes verstanden wird.

Die islamische Tradition unterscheidet die einzelnen Suren nach dem Ort und der Zeit ihrer Offenbarungen (nuzul) und überliefert auch die Umstände und Anlässe, die zur Offenbarung der einzelnen Suren oder Abschnitte geführt haben soll, als die so genannten „Ursachen der Offenbarungen“ (asbab an-nuzul). Letzteres ist für die Koranexegese von großer Bedeutung, denn anhand der Gründe, die zu einem Korantext geführt haben, kann festgestellt werden, ob dieser Text nun einen historischen oder einen ewigen Charakter hat. Alleine den Koran zu lesen ohne die verschiedenen Suren oder Verse einordnen zu können oder die Hintergründe zu kennen, kann in vielen Passagen zu Irritationen und Missinterpretationen führen.

Weiter unterscheidet die Grobeinteilung zwischen mekkanischen Suren, die vor der Auswanderung nach Medina (610-622) offenbart wurden, und medinensischen Suren, die aus der Zeit nach der Auswanderung (622-632) stammen.

Der grundlegende Unterschied dabei ist, dass die in Mekka erfolgten Offenbarungen kurze, schwungvolle, durch Reimwörter stark rhythmisch geprägte Suren sind, die oft vom drohenden Jüngsten Gericht handeln. Die medinensischen Suren sind länger, in denen häufig ausführliche kultische oder rechtliche Vorschriften, z.B. über die Erbteilung angeführt werden.

Der Inhalt des Koran besteht größtenteils aus Verordnungen und Empfehlungen, Ermahnungen und Belehrungen, endzeitlichen Warnungen, Schilderungen und Ankündigungen des Jüngsten Gerichts, sowie Erzählungen von Propheten wie Abraham, Noah, David, Moses und Jesus. Letzteres soll nicht nur verdeutlichen, dass sich der Koran zu denselben Wurzeln wie Christentum und Judentum bekennt, sondern auch Muhammad zeigen, dass die Propheten vor ihm ebenfalls Anfeindungen von ihren Völkern ausgesetzt waren. Oft nimmt der Koran auch Bezug zu einem bestimmten Ereignis aus der Zeit Muhammads.

Des Weiteren vertritt der Koran Grundwerte wie Gerechtigkeit, Gemeinwohl vor Eigennutz, Verantwortlichkeit, Familiensinn sowie die Wertschätzung von Güte, Ehrlichkeit, Verlässlichkeit, Aufrichtigkeit, Sauberkeit, Tapferkeit, Mitgefühl, Opferbereitschaft, Geduld, Fleiß, Bescheidenheit, Genügsamkeit und Ähnliches.

Die grundlegende Botschaft des Korans ist: Es gibt nur einen Gott, er ist der Schöpfer aller Dinge.

Zum Abschluss noch zwei kurze Erläuterungen:

Das Wort Koran ist von dem arabischen Verb qara`a- laut lesen, vorlesen, rezitieren abgeleitet und kann mit Rezitation, Lesung oder auch Vortrag übersetzt werden.

Wegen seiner Heiligkeit pflegen Muslime einen sehr vorsichtigen Umgang mit ihren Koranexemplaren. Es wird empfohlen sich einer Ritualwaschung zu unterziehen, bevor man im Koran lesen möchte. Zudem wird er meist an einem hohen Platz abgelegt.



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Kommentare

  1. Robert Gruenstein Allah der Allerbarmer?
    30.05.2009 | 17:36

    Der "heilige Koran" ist für die Rechtgläubigen das offenbarte Wort Allahs und für jeden Nichtmoslem ein Buch zum fürchten. Denn in diesem Buch wird unzählige Male zum Töten Andersgläubiger aufgefordert z.B.:

    66:9 O Prophet! Bekämpfe die Ungläubigen und die Heuchler; und sei streng gegen sie. Ihre Herberge wird Gahannam sein, und dies ist ein schlimmes Ende!

    Sure 9:5. Und wenn die heiligen Monate abgelaufen sind, dann tötet die Götzendiener, wo immer ihr sie findet. Darüberhinaus ist dieses Buch übervoll mit Höllenlyrik, in dem in sadistischer Genauigkeit beschrieben wird, welche Qualen die Ungläubigen erwartet weil sie den Islam nicht angenommen haben:

    18:29. Und sprich: "Siehe, Wir haben für die Frevler ein Feuer bereitet. Und wenn sie um Hilfe schreien, so wird ihnen mit Wasser gleich geschmolzenem Metall, das die Gesichter verbrennt, geholfen werden.

    38:57. Dies ist für die Ungläubigen. Mögen sie es denn kosten: siedendes Wasser und eine Trankmischung aus Blut und Eiter.

  2. Ulrich stimmt
    30.05.2009 | 20:18

    Ja, geredet wird viel über den Islam und die Muslime. Auch in den Medien. Aber so recht auskennen tut sich glaub ich kaum einer. Meist wird nur nachgeplappert und man nimmt sich dann das heraus, was gut in das eigene Weltbild passt. Ein altes menschliches Phänomen ;-)

  3. Günter Buchholz Koran
    30.05.2009 | 22:56

    Alle so genannten heiligen Texte - Offenbarungstexte - sind von Menschen geschrieben worden. Und damit ist alles gesagt.

  4. KRichard Al Kaida, Taliban
    31.05.2009 | 06:52

    Ich habe den Koran gelesen und kann es jedem empfehlen, damit man mehr von der mulimischen Lebensweise/Gedankenwelt versteht.

    Es wäre aber schön, wenn ihn auch Muslime lesen würden - denn dann gäbe es keine Verbrecher wie AlKaida/Taliban in muslimischen Ländern. Und die Leute dort könnten endlich in Frieden leben.
    (Als der Anschlag in New York war, sprach ich mit einem Moslem, der sich darüber freute, dass die USA so attakiert wurde. Als ich ihm sagte, dass der Koran das Töten unschuldiger Menschen verbietet, verstand er mich gar nicht - weil er keine Ahnung vom Koran hatte.)

  5. Michael Blume Linkesche These
    31.05.2009 | 12:50

    Interessant ist ja, dass sowohl die hebräische Bibel wie auch der Koran je in vokalarmen Alphabeten geschrieben wurden, deren Rezitation mit besonderen Erfahrungen einhergeht und Übersetzungen keinen liturgischen Charakter besitzen (im Gegensatz zur griechischen, dann lateinischen und inzwischen in Hunderte Sprachen übersetzten Bibel). Der Neurologe Detlef Linke formulierte dazu einmal eine sehr spannende These, die ggf. unsere Perspektive auf heilige Schriften erweitern könnte.

    Selbst im Dialog von Natur- und Religionswissenschaft haben wir noch kaum an der Oberfläche des zu Entdeckenden gekratzt...

    Weiterhin viele erfolgreiche Beiträge, Hussein! :-)

  6. theologie-der-vernunft Ist der Sprecher jetzt still?
    01.06.2009 | 07:49

    Wenn es - wovon ich ausgehe - einen gemeinsamen Grund aller Schöpfung, aller Kreativität gibt, dann hat er auch dazu beigetragen, dass in seinem Namen Bücher verfasst wurden, eine Verschriftung des alles Werdens bewirkenden Wortes (selbst der Papst redet dabei von einer universalen schöpferischer Vernünftigkeit, nicht von Zauberwort) stattfand. In diesem Sinne kann sicher auch der Koran als Wort Gottes gesehen werden.

    Doch hat der Sprecher aufgehört? Oder zeigt nicht gerade die ganze Aufregung um die Aussagen und die Auslegung des Koran, was gerade hier wieder deutlich wird, dass es höchste Zeit wäre (nicht auf die Bibel umzusteigen, die die gleiche Probleme bringt, sondern) neu in einer gemeisamen Welterklärung zu hören?

    Heute denken wir über die Herkunft des Islam nach, wissen um die Monotheismusaufklärung der Zeitenwende und ihre verschiedenen Strömungen, die auch zum Koran führten. Aufgeklärt wissen wir, dass auch die Buchstaben des Koran nicht geheimnisvoll vom Himmel gefallen sind oder der Hoheitsgestalt des personifizierten Glaubensgrundes/-gründers im Traum diktiert wurden, sondern können über den antiken Geist nachdenken, der zum damaligen Gehör führte.

    Im Pfingsttext wird berichtet, dass plötzlich Araber, Juden... alle eine Sprache verstanden. Mit wundersamem Feuer auf dem Kopf hatte dies sicher wenig zu tun. Vielmehr mit dem gemeinsamem Verstand eines Wortes bzw. einer Vernunft allen natürlichen Werdens und dem daraus abzuleitenden Lebenssinn (Logos).

    Wenn das logisch-vernünftige Werden, dieser Lebensinn heute wieder von Evolutionsbiologen für Moslems und Christen als gleichermaßen geltenden erklärt, warum kann das nicht als Wort des altbekannten Sprechers verstanden werden? Warum müssen wir uns weiter an Buchstaben halten, die nicht nur zum Blutvergießen, sondern Vermittlung eingener Moral missbraucht werden und die die die Kulturen trennen?

    Können uns Koran und Bibel nicht auf ein Wort (kreatie Vernünftigkeit) verweisen, das heute in der gemeinsamen Wissenschaft bzw. Welterklärung erst wieder verständlich wird?

    In weiterer Pfingsthoffnung

    Gerhard Mentzel

  7. Hussein Hamdan @ R. Gruenstein
    01.06.2009 | 22:49

    Ja, der Koran enthält Gewalttexte. Man darf aber auch hier nicht den historischen Kontext vergessen. Darauf hatte ich auch hingewiesen (Gründe der Offenbarung..). Zum von ihnen angeführten Vers (9;5) gibt es in der Übersetzung von M. Henning (von M. W. Hofmann überarbeitet) eine Erläuterung. Dort heißt es, dass dies Verordnungen für einen bereits ausgebrochenen Verteidigungskrieg sind. Der Vers behandelt nicht das Recht zum Krieg sondern das Recht im Krieg.
    Der Text geht aber auch weiter. Denn es heißt im darauf folgenden Vers, dass wenn ein Götzendiener Zuflucht sucht, ihm auch Zuflucht gewährt werden soll, damit er Gottes Wort vernimmt. Danach soll man ihn den Ort erreichen lassen, an dem er sich sicher fühlt. Dann ist u.a. die Rede von einem Vertrag, den man mit den Götzendienern in der Nähe der unverletzlichen Moschee (Mekka) geschlossen hat. Damit ist der Waffenstillstand von Hudaibiyya im Jahre 628 gemeint. Ich bin kein Koranexeget; jedoch scheint es mir hier um eine bestimmte Situation/ Phase zu gehen.
    Interessant finde ich, dass man in Zusammenhang mit Ungläubigen (damit sind übrigens m. W. im koranischen Kontext vorwiegend die Götzendiener aus der Zeit Muhammads gemeint) immer nur die Kriegstexte anführt.
    Sure 109 scheint wohl kaum jm. zu kennen bzw. zu interessieren.

    „Sprich: „O ihr Ungläubigen! Ich verehre nicht, was ihr verehrt. Und ihr verehrt nicht, was ich verehre. Und ich werde kein Verehrer dessen sein, was ihr verehrt. Und ihr werdet kein Verehrer dessen sein, was ich verehre. Euch euer Glaube und mir mein Glaube!“

    Die Hölle wird im Koran sehr genau geschildert. Aber nicht nur die Ungläubigen oder die Schriftbesitzer könnten dort landen, sondern auch Muslime. Dazu gibt es verschiedene Aussagen.
    Bemerkenswert ist aber, dass folgender Vers kaum in Betracht gezogen wird, wenn von nichtmuslimischer Seite über die Haltung des Korans zu Andersgläubigen berichtet wird.

    2; 62: Siehe, die da glauben, auch die Juden und die Christen und die Sabäer- wer immer an Gott glaubt und an den Jüngsten Tag und das Rechte tut, die haben ihren Lohn bei ihrem Herrn. Keine Furcht kommt über sie, und sie werden nicht traurig sein.

    Das sollte hier kein Plädoyer für den Koran sein. Vielleicht täten wir aber alle gut daran nicht gleich zu urteilen.

  8. Hussein Hamdan @ Ulrich
    01.06.2009 | 22:56

    Danke für die Zustimmung. Den Medien geht es leider häufig nicht um Aufklärung; Stimmung machen, Einschaltquoten usw. sind da wichtiger. In meinem letzten Artikel (jüdisch-islamischer Dialog in Stuttgart) habe ich kurz darauf hingewiesen. Es waren einige Meidenvertreter zu diesem Treffen eingeladen, gekommen ist nur einer. Immerhin!

  9. Hussein Hamdan @ KRichard
    01.06.2009 | 23:45

    Ich stimme ihnen zu. Mir fällt auch immer wieder auf, wie wenig manche Muslime vom Koran wissen; auch wenn sie gerne darüber reden bzw. damit argumentieren. Oft fehlt das Hintergrundwissen um die einzelnen Suren richtig einordnen/ interpretieren zu können, was wiederum gerne von Menschen ausgenutzt wird, die bestimmte Ziele verfolgen.
    Was das Ergebnis sein kann, haben sie gut beschrieben.

  10. Yoav Sapir @ Hussein
    02.06.2009 | 11:06

    Da ich damals keine Antwort bekommen habe, versuche ich es nochmals, vielleicht hätte ich heute mehr "Glück":

    Sicherlich hat der Koran und andere, teilweise noch schlimmere Grundschriften des Islam einen historischen Kontext. Das bestreitet m. W. keiner. Die Frage ist aber, ob man die Mehrheit der überzeugten Muslime, die diese Texte - nicht nur die schönen, sondern auch die entsetzlichen Teile - so versteht, wie sie geschrieben stehen, dazu zwingen kann, sich in Wissenschaftler nach abendländischem Muster zu verwandeln? Ob man Hundertmillionen Muslimen - wenn nicht mehr - verbieten kann, die Schriften, die sich für heilig halten, nur so zu verstehen, wie du es (zu Recht!) verstehen willst, und nicht so, wie der Text da einfach geschrieben steht?

    Sollte die Antwort "Nein" lauten, so stellt sich die Frage, ob du nicht abermals am Eigentlichen vorbeiredest.

    Und für deine Leser, die sich auch mit der anderen Seite der Münze bekannt machen wollen:

    Radikaler Islam vs. Islam: Wo steckt die Gefahr?

  11. Hussein Hamdan @ Michael
    02.06.2009 | 11:59

    Hallo Michael,

    danke dir für den interessanten Hinweis. Von der Linkeschen These habe ich leider noch nichts gehört.
    Kannst du vielleicht ein paar Sätze dazu schreiben oder mir einen link schicken. Das könnte auch noch andere interessieren.
    Alles gute!

  12. Yoav Sapir Korrektur
    02.06.2009 | 12:51

    Diese Frage hab ich vollkommen durcheinander gebracht:

    "Ob man Hundertmillionen Muslimen - wenn nicht mehr - verbieten kann, die Schriften, die sich für heilig halten, nur so zu verstehen, wie du es (zu Recht!) verstehen willst, und nicht so, wie der Text da einfach geschrieben steht?"

    Es muss natürlich so lauten:

    Ob man Hundertmillionen Muslimen - wenn nicht mehr - gebieten kann, die Schriften, die sie für heilig halten, nur so zu verstehen, wie du es (zu Recht!) verstehen willst, und nicht so, wie der Text da einfach geschrieben steht?

  13. Mona kein Betreff
    02.06.2009 | 17:44

    Sehr schön wie Sie hier den Koran erklären. Ich besitze einen eigenen Koran, der ist zwar schon etwas älter und natürlich auf Deutsch. Leider gibt es z.T. sehr unterschiedliche Übersetzungen, können Sie da eine Empfehlung geben?

    Es wird auch wird immer wieder behauptet, der Islam würde die Frauen unterdrücken. Auf der Website Qantara.de las ich nun, dass auch der Koran so etwas wie Interpretationsfreiheit zulässt:

    http://de.qantara.de/.../_c-296/_nr-28/_p-1/i.html

    Was sagen Sie dazu, finden Sie diese Sichtweise richtig?

  14. KRichard @Yoav; Koran Friedfertigkeit
    03.06.2009 | 08:01

    Der Koran und die meisten Muslime ist/sind friedfertig.

    Grundlagen dafür sind im Koran zu finden. Z.B. Soll es nicht einmal einen Zwang zum Glauben geben 2:256, 10:99 - und die Völker der Schrift (= Juden, Christen, Muslime) sollen sich vertragen 29:46.
    Die aktuellen Sprengstoffanschläge mancher Verbrecher, mit Selbstmorden, wiedersprechen dem Koran: 4:92, 17:33.

    Dass es sich beim Djihad eigentlich um den ´Kampf´ für die eigene sittlich/religiöse Vollkommenheit handelt - wird von Verbrechern gerne unterschlagen - und auch, dass Krieg nur im Verteidigungsfalle (bei direktem Angriff) erlaubt ist.

    Wie ich oben schon schrieb, es lohnt sich, den Koran zu lesen - und AlKaida/Taliban als das zu bezeichnen, was sie sind. Verbrecher - die nicht im Sinne des Koran handeln.

  15. Hussein Hamdan @ G. Mentzel
    03.06.2009 | 11:10

    Lieber Herr Mentzel,

    ich danke Ihnen für Ihren Kommentar. Inwiefern solch eine Welterklärung zustande kommen könnte, kann ich leider nicht beantworten. Ich glaube jedoch, dass es immer wieder jm. geben würde, der auch solch eine Erklärung für seine Zwecke missbrauchen könnte.
    Was wir dringend brauchen ist Aufklärung und den Mut zum Dialog. Bereit zu sein, einander zu zuhören und uns die Chance zu geben den anderen zu verstehen. Ich habe sowohl im interreligiösen als auch im interkulturellen Dialog die Erfahrung gemacht, dass Menschen aus verschiedenen Religions- und Kulturkreisen z.B. gemeinsam für den Frieden zw. den Menschen zusammenstehen können. Davon brauchen wir mehr.
    Verschiedene Weltanschauungen müssen kein Hindernis sein.

  16. Hussein Hamdan @ Yoav
    03.06.2009 | 11:17

    Bisher hast du auf jeden deiner Kommentare eine Antwort bekommen; wenn meine Antworten dich aber nicht zufrieden stellen, dann kann ich nichts dafür. Vielleicht liegt es auch einfach daran, dass du nur etwas Bestimmtes hören möchtest.

    Mit Zwang kann man meiner Meinung nach nichts Positives erreichen.
    Es ist die Aufgabe der Koranexegeten die Korantexte sinn- und auch zeitgemäß zu interpretieren, damit die Menschen sich nicht mehr nur nach dem geschriebenen Text richten, sondern auch die Dinge im Zusammenhang sehen.
    Was ich in meinem Artikel erklärt habe ist nichts Neues. Es handelt sich dabei auch nicht um meine Meinung, sondern lediglich um die Kriterien einer seriösen Koranexegese.

    Wenn du meinst, ich rede am Eigentlichen vorbei, dann ist es okay für mich. Vielleicht liegt es auch nur daran, dass ich mich nicht auf Diskussionen einlasse, die man mir aufdrängen möchte.

  17. Hussein Hamdan @ Mona
    03.06.2009 | 11:49

    Vielen dank für Ihren Kommentar. Ich kann Ihnen die Koranübersetzung von Max Henning, die von Murad Wilfried Hofmann überarbeitet und herausgegeben ist (Kreuzlingen; München: Hugendubel, 1999 (Diederichs; ISBN 3-424-01498-2) empfehlen. Sie bietet immer wieder kurze Erläuterungen zu einzelnen Versen und lässt sich gut lesen.

    Interpretationfreiheit lässt der Koran zu, das stimmt. Das gilt zwar nicht für alle Texte, aber ich möchte Ihnen zwei weitere einfache Beispiele geben, die unter den Muslimen in Deutschland oft diskutiert werden. Im Koran gibt es das Schweinefleischverbot. Darf man dann aber auch keine Gelatine essen? Oder: Im Koran heißt, dass die Speisen der Schriftbesitzer den Muslimen erlaubt sind. Gilt das aber auch für Fleisch oder darf man nur Fleisch essen, was von einem Muslim geschlachtet wurde?
    Dazu gibt es verschiedene Interpretationsmöglichkeiten.
    Das Beispiel im link halte ich für sehr spannend und wichtig. Ich glaube auch, dass sich diese Meinung immer mehr durchsetzen wird.

  18. Yoav Sapir @ Richard
    03.06.2009 | 14:31

    Deine Interpretation des Islam bzw. mancher Aspekte im Islam finde ich nachvollziehbar (bis auf deine statistische Aussage, die keine ist), aber dieses Bild vom deines Erachtens richtigen Islam musst du nicht mir verkaufen, der ich mich ja nicht auf bestimmte Stelle in manchen Grundschriften des Islam berufe, sondern denjenigen, die diese Textstellen in die Tat umsetzen, was du - nicht sie - "Verbrechen" nennst (m. E. zu Recht), sowie ihren extrem zahlreichen Unterstützern überall in der islamischen Welt.

    Auch Husseins Interprationen finde ich ganz in Ordnung. Es würde mich sehr freuen, wenn die Mehrheit der Muslime so wären wie er. Aber ich verstehe nicht, wie es der islamischen Welt weiterhilft, wenn *wir* das für gut befinden.

  19. Yoav Sapir @ Hussein
    03.06.2009 | 14:40

    Du schreibst: "sondern lediglich um die Kriterien einer seriösen Koranexegese" - wer entscheidet darüber, was als seriös zu gelten hat? Du? Mit anderen Worten: Wie hilft es uns weiter, wenn du die Arbeit zahlreicher Islamlehrer in der islamischen Welt für "unseriös" hältst? Ändern sie deswegen ihre Meinung?

    Meines Erachtens redet man beim Thema Islam immer dann am Eigentlichen vorbei, wenn man die größte Problematik, aufgrund deren sich das Abendland so intensiv mit Islam auseinandersetzen muss, vollkommen außer Acht lässt, nämlich die Gewalt, die als Umsetzung bestimmter Textstellen in islamischebn Grundschriften ausgeübt wird.

    Insofern habe ich auch dieses Mal keine richtige Antwort bekommen. Einerseits gibst du zu, dass man der islamischen Welt die Sicht der abendländischen Islamwissenschaft nicht aufzwingen kann. Andererseits erklärst du nach wie vor nicht, inwiefern unser wissenschaftliches Bild vom "eigentlichen" Islam überhaupt relevant sein kann - wenn es mit den islamischen Massen gar nicht so viel zu tun, die sich ja nur "irren".

  20. Michael Blume @ Hussein: Linkesche These & Obama
    04.06.2009 | 15:15

    Lieber Hussein,

    zur Linkeschen These ist ein Kapitel in Gott, Gene und Gehirn enthalten, online findest Du etwas z.B. hier:
    http://religionswissenschaft.twoday.net/...122256/

    Sehr gefreut hat mich übrigens heute die Rede des US-Präsidenten Obama, der gerade auch als Christ gegenüber dem Koran sehr respektvoll sprach, mehrfach auf ihn Bezug nahm und ihn zitierte, für eine friedliche Zweistaatenlösung in Nahost eintrat und den extremistischen Kräften aller Seiten entgegen trat. Text und Video habe ich hier eingestellt:
    http://www.chronologs.de/...he-welt-text-und-video

    Herzliche Grüße!

szmtag