chronologs Der Islam

Al-fatiha: Die Eröffnung des Korans

von Hussein Hamdan, 24. Januar 2010, 21:11

Die erste Sure des Korans trägt den Namen „al-Fatiha“. Auf Deutsch übersetzt heißt sie „die Eröffnende“ oder „die Eröffnung“. Gerne wird sie auch als fatihat al-Kitab, also die Eröffnung des Buches bezeichnet und sie ist das wichtigste Gebet im Islam.

Die Sure im Wortlaut:

„Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen.
Lob sei Gott, dem Weltenherrn,
Dem Erbarmer, dem Barmherzigen,
Dem Herrscher am Tage des Gerichts.
Dir dienen wir und zu Dir rufen wir um Hilfe.
Leite uns den rechten Pfad
Den Pfad derer, denen Du gnädig bist, nicht derer, denen Du zürnst, und nicht der Irrenden.“

Die große Bedeutung dieser Sure, die aus der mekkanischen Offenbarungszeit (610-22) stammen soll, macht sich darin bemerkbar, dass sie fester Bestandteil des islamischen Ritualgebets ist und in den fünf täglichen Gebeten insgesamt 17 Mal gesprochen wird.

Abgesehen davon, wird sie auch in alltäglichen Situationen und zu verschiedensten Anlässen, wie etwa bei Eheschließungen und anderen Feierlichkeiten gesprochen. Am häufigsten wird sie jedoch in Todesfällen bzw. zu Ehren der Verstorbenen gesprochen. Während muslimischer Trauerfeiern wird oft dazu aufgerufen al-fatiha für den Verstorbenen zu sprechen. Nicht selten werden ihre Verse, oder die Aufforderung die Sure für den beerdigten Menschen zu rezitieren, auf Grabmählern festgehalten. Auch wird ihr eine besondere Segenskraft zugesprochen, weshalb sie häufig für die Heilung von Kranken rezitiert wird.

Außerdem fasst sie in wenigen Versen wichtige Bereiche der islamischen Dogmatik zusammen, die an vielen weiteren Koranstellen ausführlich behandelt werden:

  • die Lobpreisung Gottes
  • die Betonung der göttlichen Barmherzigkeit
  • die Herrschaft Gottes über die Menschen
  • die Ankündigung des jüngsten Tages

Interessanterweise wird al-fatiha gerne mit dem Vaterunser verglichen. Im kleinen Islam-Lexikon (Geschichte – Alltag – Kultur) aus der Publikationsreihe der Bundeszentrale für politische Bildung bin ich in einem kurzen Artikel über die Sure auf folgende Aussage gestoßen: „Im Abendland wurde die Fatiha oft als besonders ‚christlich‘ empfunden und als islamisches Äquivalent des Vaterunsers gewertet.“ Auf welche Quellen der Autor des Beitrags für diese Behauptung zurückgreift wird leider nicht ersichtlich. Doch kann ich seine Aussage anhand meiner persönlichen Erfahrungen bestätigen. Auf verschiedenen Dialogveranstaltungen haben sich christliche Teilnehmer in ähnlicher Art und Weise zu dieser Koransure geäußert und manchmal wurde sie sogar mit den Muslimen gemeinsam gebetet.

Al-fatiha ist eine sehr schöne Einführung in den koranischen Text und genießt einen sehr hohen Stellenwert. Nicht umsonst heißt es in einem Hadith (Ausspruch Muhammads), dass wenn man al-fatiha liest, sei es so, als hätte man 2/3 des Korans gelesen.

In Gedenken an Ali Hijazi (9.1.2010)



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Kommentare

  1. Helmut Wicht erste Sure
    25.01.2010 | 12:08

    Das geht ja gut los.
    Ich versteh' schon den ersten Satz der ersten Sure des Korans nicht. Semantisch, mein' ich.

    Wieso steht da "Im Namen Gottes"? Wenn ich das weiterlese, zusammen mit dem zweiten Satz, so heisst das doch:
    "Im Namen Gottes: Lob sei Gott."

    Das hat doch keinen Sinn - klingt fast, als ob man im Namen eines Gottes einen anderen lobte. Oder Gott sich selbst durch den, der ihn lobt.

    Hat das im Original eine genau so schräge Semantik? Oder müsst' man das "im Namen des" nicht eher als "unter dem Zeichen" oder so ähnlich lesen?

  2. Mona Gebete
    25.01.2010 | 14:25

    "Interessanterweise wird al-fatiha gerne mit dem Vaterunser verglichen."

    Das mag wohl an der Bedeutung dieser beiden Gebete liegen. In jedem Pflichtgebet muss ja die erste Sure des Korans, die Sura al-Fatiha rezitiert werden. Vielleicht wird diese Sure deshalb als Hauptgebetstext ansehen ähnlich dem Vaterunser, dem christlichen Hauptgebet. Auch wenden sich beide Gebete direkt an Gott/Allah. Wie al-Fatiha im Islam, so wird das Vaterunser im Christentum auch für Verstorbene gesprochen.

    @Helmut Wicht

    Soweit ich weiß, ist in der islamischen Theologie Allah der Sprecher jedes Wortes des Korans. Allah hat dieses Gebet demnach Mohammed, seinem Propheten, durch den Erzengel Gabriel offenbart, damit die Moslems wissen, wie man betet.

  3. Ferdinand Knauß @ Helmut Wicht
    28.01.2010 | 12:09

    Helmut, mir geht es genau wie Dir. Wenn ich den Koran aufschlage, bin ich meist extrem verwirrt, weil er so irrational, so "unphilosophisch" ist. Keine Logik, kaum nachvollziehbare Gedankengänge. Wirr kommt mir dieses Buch vor. Und besonders schön finde ich die Texte meist auch nicht. Aber vielleicht liegt das an der Übersetzung oder meiner Prägung durch abendländische Literatur und Denken. Allerdings liebe ich alte persische Dichtung, etwa Omar Khayyám, durchaus.
    Die Bibel ist auch alles andere als rational und widerspricht sich laufend. Von Vereinbarkeit von Glaube und Ratio, wie der Papst und viele anderen Christen schwärmen, kann ich wenig erkennen. Und der "zürnende Gott" und die Drohungen gegen die Ungläubigen sind zumindest im Alten Testament auch zu finden. Nur überlesen heutige Christen diese unliebsamen Stellen meist, während die im Koran von allzu vielen Muslimen
    offenbar noch immer sehr ernst genommen werden.
    Was mich am Koran (und am Alten Testament) immer wieder ästhetisch abstößt, sind diese hasserfüllten Drohungen. Und mit einer solchen endet eben auch die hier vorgestellte Eröffnungssure: "...nicht derer, denen Du zürnst, und nicht der Irrenden.“

  4. Martin Huhn @ Knauß
    02.02.2010 | 15:00

    "Die Bibel ist auch alles andere als rational und widerspricht sich laufend."

    Ein Beispiel bitte.

    "Und der "zürnende Gott" und die Drohungen gegen die Ungläubigen sind zumindest im Alten Testament auch zu finden."

    Im Neuen Testament auch.

    "Nur überlesen heutige Christen diese unliebsamen Stellen meist ..."

    Kommt drauf an in welchen christlichen Kreisen Du Dich bewegst.

    "Was mich am Koran (und am Alten Testament) immer wieder ästhetisch abstößt, sind diese hasserfüllten Drohungen."

    Dazu müßte man sich die entsprechenden Stellen genauer ansehen. Wenn Eltern beispielsweise ihre Kinder verbrennen, um sie dem Moloch zu opfern, dann zürnt Gott im AT schonmal.

  5. Geirg Grüner Allah - Antwort an @ Knauß
    02.02.2010 | 21:47

    Hallo @ Knauß!
    Ihre Antwort hat NICHTS mit den Fragen:

    hatte Allah ursprünglisch 3 Töchter, die als vermittlerinnen fungierten?

    Al manath sollen menschenopfer dargebracht worden sein?

    Monotheismus bedeutet Ein Gott-lehre,
    warum verehrt man dann NOCH einen leblosen Stein?

    Und warum soll EIN Gott 99 NAMEN haben?
    Reicht nicht EINER? zu tun!!!!!!

    Logisch ist 1 Gott und 1 Name. Oder?

    Es geht um den KORAN, nicht um die Bibel!
    Der Koran ist die neueste Offenbarung Gottes.
    Warum sollte man nicht die Logik heranziehen, um dieses Buch, das "alles enthält", mit dem "Otto-Normalbürger-Verstand" zu ergründen?

    Vielleicht kann ja jemand, der was davon versteht, mir meine ernsthaften Fragen beantworten.

    Oder ist schon alles so diffus, daß jeder ein anderes "Kaninchen aus dem Hut" zaubern kann?

  6. Ferdinand Knauß @ Martin Huhn
    05.02.2010 | 14:17

    Lieber Martin, zunächst vorweg: Ich bin Christ. Dennoch lese ich die Bibel kritisch und ich lese sie als Menschenwerk, das in Abhängigkeit von historischen Umständen entstand - im Gegensatz zu der Art und Weise wie Herr Hamdan und 99,99 Prozent der Muslime den Koran betrachten. Nach dessen tatsächlichen Autoren zu forschen gilt ja bekanntlich als Sakrileg. Bis jetzt hat sich Hamdan nicht getraut, einen Artikel über richtige Koranforschung zu schreiben: Wer hat ihn wann unter welchen Einflüssen verfasst? Wer ist der historische Mohamed, gab's ihn überhaupt (daran gibt es bekanntlich Zweifel)?

    Auch als Nicht-Theologe fallen mir auf Anhieb unzählige unlogische Erzählungen der Bibel ein: Gott schuf die Erde in sieben Tagen. Aber wie und warum gab es schon Tage? Mit wem pflanzten sich eigentlich die Nachkommen von Adam und Eva fort? Und schließlich der größte und zentralste Widerspruch in der christlichen Glaubenslehre: Wie (und wem?) kann Gott seinen Sohn opfern (mit dem er ja außerdem nach Dreieinigkeitslehre identisch ist)? Das konnte mir schon unser Pfarrer im Konfirmandenunterricht nicht erklären. Und niemand kann das wahrscheinlich.

    Beispiele für schrecklichen Zorn Gottes und Drohungen sind in den Büchern Mose so häufig, dass ich hier keine nennen muss. Man denke nur an Sodom und Gomorrha. Aber das auserwählte Volk hat im Namen seines Gottes auch - der Bibel zufolge - mehrfach üble Metzelein unter seinen Gegnern angerichtet. Die einen (waren's die Amalekiter?) wurden im Wundfieber abgeschlachtet, nachdem sie überredet worden waren, sich beschneiden zu lassen. Findet sich irgendwo im 4. oder 5. Mose. Das AT ist voll von Massakern und Völkermorden.

    Aber wir sollten hier eigentlich beim Koran bleiben, stimmt schon. Diese ewige Apologetik nach dem Motto: "Das Christentum ist auch nicht besser gewesen als der Islam" mag ich selbst nicht.

  7. Mona Goethe als Muslim @Ferdinand Knauß
    06.02.2010 | 18:46

    „Wenn ich den Koran aufschlage, bin ich meist extrem verwirrt, weil er so irrational, so "unphilosophisch" ist. Keine Logik, kaum nachvollziehbare Gedankengänge. Wirr kommt mir dieses Buch vor. Und besonders schön finde ich die Texte meist auch nicht. Aber vielleicht liegt das an der Übersetzung oder meiner Prägung durch abendländische Literatur und Denken. Allerdings liebe ich alte persische Dichtung, etwa Omar Khayyám, durchaus.“

    Wie erklären Sie sich dann, dass sich ausgerechnet unser Dichterfürst Goethe in seiner Gedichtsammlung „West-östlicher Divan“ dem Islam nahe fühlte?

    http://de.wikipedia.org/...st-%C3%B6stlicher_Divan

    Einige Muslime halten Goethe gar für einen der ihren:

    http://www.enfal.de/gote-fat.htm

  8. Hussein Hamdan @ Knauß
    14.02.2010 | 22:34

    Lieber Herr Knauß,
    Sie schreiben: „Ich bin Christ. Dennoch lese ich die Bibel kritisch und ich lese sie als Menschenwerk, das in Abhängigkeit von historischen Umständen entstand - im Gegensatz zu der Art und Weise wie Herr Hamdan und 99,99 Prozent der Muslime den Koran betrachten. Nach dessen tatsächlichen Autoren zu forschen gilt ja bekanntlich als Sakrileg. Bis jetzt hat sich Hamdan nicht getraut, einen Artikel über richtige Koranforschung zu schreiben: Wer hat ihn wann unter welchen Einflüssen verfasst? Wer ist der historische Mohamed, gab's ihn überhaupt (daran gibt es bekanntlich Zweifel)?“

    Zunächst finde ich es sehr interessant, dass Sie davon ausgehen zu wissen, wie ich persönlich den Koran betrachte. Sie haben mich diesbezüglich schon mal kritisiert und meine wissenschaftlichen Fähigkeiten angezweifelt (siehe „Der Koran- eine kurze Einführung“). Dabei habe ich mich hier kaum zu meinem persönlichen Glauben geäußert, denn ich versuche hier vorwiegend darzustellen, aufzuklären und manchmal meine Beobachtungen zu schildern. Zum Koranartikel habe ich Ihnen wissenschaftliche Bücher empfohlen, die Sie mit meiner Darstellung vergleichen können.

    Außerdem muss ich gestehen, dass ich Sie bis jetzt für einen klugen Kopf gehalten habe. Nun enttäuschen Sie mich. Ihnen sollte doch schon aufgefallen sein, dass man mich mit solchen Provokationen nicht herausfordern bzw. erreichen kann. Das haben schon andere Blogkollegen und Kommentatoren hier versucht, aber das funktioniert bei mir nicht.

    Sie können mir gerne Fragen stellen, ihre Meinung sagen und auch Themenwünsche äußern. Ich werde dann schauen, was sich daraus machen lässt.
    Aber bitte doch nicht in diesem Ton. Als Sie mich vor einigen Monaten um ein Statement zu einem Ihrer Artikel gebeten haben, habe ich Sie doch darauf hingewiesen, dass wir oft die Bedeutung des guten Tons unterschätzen und dass insbesondere gebildete und aufgeklärte Menschen dies berücksichtigen sollten.

    Gehen Sie doch einfach mal mit einem guten Beispiel voran.

  9. Hussein Hamdan @ Grüner
    14.02.2010 | 22:39

    Hallo Herr Grüner,

    gern möchte ich auf ihre Fragen eingehen.
    Sie schreiben: „hatte Allah ursprünglisch 3 Töchter, die als vermittlerinnen fungierten?
    Al manath sollen menschenopfer dargebracht worden sein?
    Monotheismus bedeutet Ein Gott-lehre,
    warum verehrt man dann NOCH einen leblosen Stein?“

    Die Vorstellung von den 3 Töchtern Gottes (al-Lat, Uzza und al-Manat) soll es bei den Arabern in der vorislamischen Zeit gegeben haben, wie im Koran Sure 53, 19-20 erwähnt wird. Diese Vorstellung lehnt der Islam jedoch ab, da er einen absoluten Monotheismus lehrt.

    Sie schreiben: „Und warum soll EIN Gott 99 NAMEN haben?“

    Wie ich in meinem Artikel „Die islamische Gottesvorstellung – eine kurze Einführung“ bereits erklärt habe, beschreiben die 99 Namen Gottes (die schönsten Namen Gottes) die Eigenschaften, die Gott gemäß der koranischen Darstellung sich selbst zuschreibt.

  10. Hussein Hamdan @ Mona
    14.02.2010 | 22:45

    Liebe Mona,

    vielen Dank für Ihre Erklärungen und die Artikel zu Goethe. Ich habe mich vor einiger Zeit mit dem West-östlichen Divan befasst und war über viele Aussagen Goethes zum Koran und zum Islam im Allgemeinen sehr erstaunt.
    Und wie Sie richtig erklären, gibt es nicht wenig Muslime die daraus schließen, dass Goethe selbst Muslim war.

  11. charly Al-fatiha: Die Eröffnung des Korans
    03.03.2010 | 06:21

    Hallo mein Freund, wie immer sehr gut geschrieben, die Kommentare dazu sind genau so interessant ;-) sehe grosses Interesse, das freut mich ;-)

  12. Stephan Schleim @ Knauß: "richtige" Koranforschung?
    10.03.2010 | 08:48

    Dennoch lese ich die Bibel kritisch und ich lese sie als Menschenwerk, das in Abhängigkeit von historischen Umständen entstand - im Gegensatz zu der Art und Weise wie Herr Hamdan und 99,99 Prozent der Muslime den Koran betrachten. Nach dessen tatsächlichen Autoren zu forschen gilt ja bekanntlich als Sakrileg. Bis jetzt hat sich Hamdan nicht getraut, einen Artikel über richtige Koranforschung zu schreiben [...].

    Hussein hat meines Erachtens wie alle anderen Blogger auch das Recht, die Themen herauszugreifen, die ihm interessant erscheinen. Eine von dir provokant angedeutete Pflicht, über "richtige" Koranforschung zu schreiben, kann ich jedenfalls nicht nachvollziehen. Was soll das überhaupt sein und bist du Experte genug, um dir ein Urteil zu erlauben, was die "richtige" Forschung ist und was nicht?

    Davon abgesehen scheint mir deine These darüber, wie "99,99% der Muslime" den Koran betrachten, zweifelhaft. Natürlich bin ich zurückhaltend, in intellektuellen Diskussionen auf Wikipedia zu verweisen, aber aus Gründen der Einfachheit möchte ich auf den Unterabschnitt Entstehungsgeschichte des Textes des Artikels über den Koran hinweisen; und es gibt sogar einen eigenen, wenn auch nur kurzen Artikel über die Geschichte des Korantexts.

    Ich habe auch den Kampf zwischen Schiiten und Sunniten bisher auch als Kampf um die Autorität in der Auslegung und Gewichtung bestimmter Quellen verstanden. Das sowie die kulturelle Vielfalt muslimischer Länder und ihre traditionsreiche Geschichte lassen mich daran zweifeln, dass es so etwas wie eine 99,99%-Meinung gibt, von der du sprichst.

    P.S. Woher weißt du eigentlich, dass deine Leseweise der Bibel "kritisch" genug ist? Oder dass es die "richtige" Leseweise ist?

    P.P.S. Das Interview über Islam und Aufklärung mit einem neuen Mitglied der Islamkonferenz, das gestern in Telepolis erschienen ist, hat mir übrigens gut gefallen.

szmtag