Reduktionismus
Der Gebrauch des Wortes "Reduktionismus" kann zu heftigen Diskussionen führen. Lässt man erkennen, dass man in irgendeinem Sinne den Reduktionismus für ein nützliches und oft erfolgreiches Verfahren erachtet, kommt man leicht in den Geruch, alles, auch die hehrsten Gefühle der Menschen so zu sehen, als wären sie "nichts anderes als" Stürme im Hormonhaushalt oder Gewitter in der Neuronentätigkeit. Ja, sogar im Streit um die Bedeutung wissenschaftlicher Fächer muss dieser Begriff herhalten, wie ich aus dem Buch "Konzepte der Biologie" von Ernst Mayr gelernt habe. Er glaubte noch für die Anerkennung der Biologie als autonome Wissenschaft kämpfen zu müssen und sah ein wesentliches Hindernis für eine Gleichberechtigung darin, dass manchmal propagiert wird, Biologie lasse sich einfach auf die Physik reduzieren, weil ja schließlich bei jedem biologischen Phänomen Moleküle und physikalische Kräfte am Werk seien. Immer schwebt dieses "nichts anderes als" im Raume, wenn um Sinn oder Unsinn von Reduktionismus gestritten wird. Und Mayrs Philippika gegen den Reduktionismus gründet sich allein auf diese verkürzte Form des Begriffes Reduktionismus. (weiter)
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