chronologs Einfalt Größe

Kick it like Einstein: Kreta zeigt Archäologen die rote Karte

18. Mai 2010, 09:42

Eine Insel im östlichen Mittelmeer, die sich wie ein Riegel vor Europa schiebt. Die aber ins Zentrum der Betrachtung rückt, wenn es um die Anfänge Europas geht. Als Wiege Europas wird Kreta tituliert, da hier auf diesem Außenposten in der Ägäis die erste Hochkultur unseres Kontinents entstand. Eine Kultur, die viel bewirkte und bis heute nachwirkt. So erkor die moderne Frauenbewegung das alte Kreta zu ihrer Trauminsel und wählte ein Kennzeichen der Ur-Europäer zu ihrem Abzeichen: die Doppelaxt. Weiter lassen sich viele Zeitgenossen gern von ureuropäischen (Denk)Mustern leiten, wie zum Beispiel der geschätzte Labyrinth-Blogger Jürgen vom Scheidt.

Wenn einem Anfang je ein ganz besonderer Zauber innewohnte, dann diesem Beginn Europas. Dabei sind die Anfänge des Anfangs völlig unspektakulär: Um 3000 v. Chr. werden auf der Insel erste einfache Siedlungen errichtet, wird hier grobes Geschirr gewulstet wie anderswo in der Frühen Bronzezeit. Tausend Jahre verharren die Ur-Kreter in dieser Unkultiviertheit, um dann plötzlich mit nie dagewesener Keramik, revolutionärer Malerei und einer Baukunst aufzutrumpfen, die in den Palästen von Knossos, Phaistos und Mallia gipfelt.

Nicht nur Archäologen staunen über die feinen Tongefäße made im alten Kreta, die sie Eierschalenware nennen, da Schalen und Schüsseln so dünnwandig sind wie zartes Porzellan. Ein Wunder ist nicht allein deren Herstellung, sondern auch die Bemalung. Tintenfische ringeln sich, Muscheln reihen sich, Delphine springen auf Bechern, Vasen und Amphoren. Die Künstler des alten Kreta nahmen noch weit Größeres in Angriff: Die Wände der Villen und Paläste, die sie mit einmaligen Bildern versahen. Mit Fresken, die herzustellen eine besondere Kunst-fertigkeit erfordert, da Linien und Farben rasch auf den nassen Putz aufgetragen werden müssen. Mit genialem Schwung zeichneten die frühen Maler, und so entstanden Momentaufnahmen aus einer schönen Bronzezeit: Selbstbewusste Frauen tragen ihre ondulierten Köpfe hoch, stecken sie bei Partys zusammen und sind ganz Auge, wenn wohlgestaltete Jünglinge paradieren.

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Seid ihr Griechen noch zu retten?

16. März 2010, 17:29

Es ist Ende Februar und frühsommerlich heiß. Wie das Wetter spielt auch jenes Volk verrückt, dessen Wort fakelaki Eingang in den europäischen Sprachschatz gefunden hat. Die Sonne brennt vom Himmel, doch ich ziehe mir eine Wollmütze an und die tief ins Gesicht, denn die Atmosphäre in Athen ist eisig. Wie eisig, will ich von Volkes Stentorstimme erfahren, mache mich also auf den Weg zu meinem Tankwart. Da, wo er sonst immer die Autos betankt, sitzt er gemütlich mit seinen Freunden um einen der typischen, runden Tische aus Blech, den sie sich aus dem nahen Kafeneion ausgeliehen haben. Wie auch den garconi, den jugendlichen Kellner, der normalerweise per Moped seine Gäste bedient, heute aber zu Fuß mit seinem Henkeltablett unterwegs ist.

Der Tankwart hat frei, da es seit Tagen kein Benzin in Griechenland gibt. Die Zöllner streiken, weil der Staat der Krise wegen nun ihre Provisionen versteuern will, die sie zuzüglich ihres Gehalts bekommen. Diese Zusatzzahlung errechnet sich aus dem prozentualen Anteil des Zolls, den der Zöllner dem Staat einbringt. Was ihn davon abhalten sollte, beide Augen zuzudrücken, bringt ihn dazu, beide Hände aufzuhalten, d.h. über Gebühr abzukassieren. Und weil er gar nicht daran denkt, von diesem Zubrot dem Spender auch nur eine Krume zurückzugeben, wird die Einfuhr der Waren blockiert, darunter auch die von Benzin. Ich nähere mich betont forschen Schritts der Männerrunde; Köpfe, nicht allein von der Sonne und dem frühen kognaki gerötet, rucken in meine Richtung.

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Das Vaterland der Korruption

24. November 2009, 10:22

Mir ist übel. Diesmal nicht vom Lesen der Kommentarspalten, sondern ich fühle mich tatsächlich krank. Statt aber einen Arzt aufzusuchen, schleppe ich mich erst einmal zu meinem Tankwart. Nicht, weil der neben Autos auch Menschen heile machen kann, wie er behauptet. Auch nicht, weil meine Wahlheimat Griechenland in puncto medizinischer Versorgung eine Wüste ist. Es gibt Praxen zuhauf, in denen ich sofort behandelt werde, wenn ich viel und bar bezahle. Ich bin im aber im Land krankenversichert - und genau das ist der Knackpunkt. (weiter)

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Hie Sommernachtstraum, da Sommernachtsalptraum

20. August 2009, 13:14

Sommer in Griechenland ist immer Theater. Nicht nur Theaterdonner allenthalben in den Kommentarspalten, sondern tatsächlich Theater. Großes Theater im großen Theater von Epidauros, das in der Antike Behandlungsgroßraum einer besonderen Heilstätte war. Als Chefarzt agierte damals ein gewisser Asklepios - lateinisch  Äskulap - auf den heute noch alle Mediziner schwören. Diesem Gott in Weiß verdanken wir ein Heilungskonzept, das heute als ganzheitlich bezeichnet wird. Der Mensch wird nur dann krank, wenn seine Seele leidet, glaubte die Ärzteschaft im Krankenhaus, sprich Krankentempel von Epidauros. Also galt es in erster Linie, die Seele zu therapieren und dafür setzten sie das Theater ein. Große Tragödien ließen das eigene Leid klein erscheinen, über Komödien lachte man sich gesund.
Theater war Heilmittel für die alten Griechen, kurierte vor allem die Seelenleiden. (weiter)

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Lieber Kosta, lieber Panos,

22. Juni 2009, 19:19

Da hat es mir doch glatt den Blog verschlagen. Istanbul als eine „von Türken durchseuchte Stadt“ zu bezeichnen, hört man nicht einmal in den urgriechischen Kafeneions, wo mann naturgemäß andere Wirklichkeiten herbeischwadroniert, sich beim kleinen Mokka an alter Größe berauscht. Selbst mein Tankwart im Athener Stadtteil Nea Smyrni, dessen Großeltern aus dem alten Smyrna vertrieben wurden, sieht da die Türkei, die Vergangenheit differenzierter. (weiter)

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Die (un)heimliche Hauptstadt

29. Januar 2009, 10:42

Ich muss nach Istanbul reisen. Von Athen aus gar nicht so einfach, obwohl das Reiseziel nur eine Flugstunde entfernt liegt. Auf der Anzeigentafel des Athener Flughafens, vorgeblich ein internationaler, sucht man Istanbul vergebens. Und so stampeden denn auch Herden von Japanern und Amerikanern an den Check-ins entlang, auf der Suche nach ihrem Flug nach Istanbul. Auch die sonst so netten Damen an der Information stellen sich tumb, wenn das Reizwort fällt: "Sorry, we do not know that Ista.. , how did you say?"

Der Reisende, der in Athen das Zauberwort nicht kennt, kommt da nicht weiter, kommt nur nach Istanbul, wenn ihn ein alles verzeihender Grieche draufstößt oder er sich selbst auf den ehemaligen Namen der Stadt besinnt: Konstantinopel, auf griechisch Konstantinoupoli. Flüge in die Stadt des Konstantins werden von der griechischen wie der türkischen Airline angeboten. Beide starten verboten früh oder verboten spät in die griechische Lieblingsstadt im Feindesland. Nach einem Vorfall, besser Rückfall, kürzlich bei Olympic Airways buche ich nun lieber bei Turkish Airlines. (weiter)

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Durchsichtiges Museum, durchsichtiges Manöver

19. Dezember 2008, 17:48

Athen hat ein neues Museum. Das Akropolis-Museum ist von der Akropolis in einen Wahnsinnsbau unterhalb des Parthenons umgezogen, der wieder einmal die Frage aufwirft, warum man für archäologische Museen nur hyperfuturistische Architektur als passend erachtet. Von Athens Tempelberg aus besehen, mutet das neue Domizil für die Altertümer wie ein Flugzeugträger an, der durch die Altstadt pflügt. Baustil wie Bauplatz haben zu erregten Diskussionen geführt, die während der langen Bauzeit nicht abebbten, sondern von Tag zu Tag immer lauter wurden. Bei all dem Geschrei um Korruption und Vetternbauwirtschaft geht das wirkliche Ärgernis völlig unter: Das Museum bleibt geschlossen.

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Als Boltos den olympischen Stadionlauf gewann…

17. Oktober 2008, 17:03

Die olympischen Spiele von Peking sind vorbei. Und wie alle vier Jahre, wenn die Wettkämpfe nicht gut abgelaufen, sprich die Sprinter zu schnell gelaufen sind, werden die Griechen beschworen. Nein, nicht die der Jetztzeit, denn die haben sich wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert. Bei der jetzigen Olympiade landeten sie im Medaillenspiegel hinter Miniländern wie Bahrein und Panama auf dem 59. Platz. Gewonnen wurde je eine Silbermedaille im Rudern und Taekwondo, je eine bronzene in der Leichtathletik und im Segeln. In einer Disziplin allerdings rangieren die Griechen an erster Stelle: Sie sind Weltmeister im Dopen. (weiter)

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Homerisches Leben

19. September 2008, 12:48

Wie alle Griechen fahre ich im Sommer aufs Land. Aufs Land am Meer, d.h. an eine der Küsten oder auf eine der zahllosen Inseln, was wiederum heißt, dass man ein Schiff besteigen muss, auch wenn der Seereisende auf dem Meere so viel unnennbare Leiden erduldet, von denen Homer in seiner Odyssee ein Lied singen kann. Über das dunkle Meer zu unverständlichen Völkern (Odyssee) fährt auch der heutige Grieche nur notgedrungen, sprich zur Arbeit; Urlaub macht er in der Heimat, weil die ihm gleichermaßen Abenteuer verheißt und doch vertraut ist.

Zumindest die Sprache. Man spricht bis auf Dialektverschleifungen das gleiche Griechisch, versteht sich aber nicht unbedingt. Unverständlich bleiben die Städter den Fischerdorfbewohnern und umgekehrt. Athen ist jetzt an jedem Strand, und damit die Rushhours, die man nun Happy Hours nennt. Voll sind die Bars, die Touristen und das Meer, auf dem sich Athens Motorradfahrer auf Water Bikes weiter Rennen liefern. (weiter)

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Wieder Krieg um Troja

08. Juli 2008, 13:04

Heinrich Schliemann ließ sich in Troja nicht unterkriegen. Ein Leben lang musste er um seine Glaubenssätze, seine Arbeit, sein Ansehen kämpfen, da die studierten Schatzsucher alles ins Feld führten, den SelfmadeArchäologen unglaubwürdig, ja lächerlich zu machen. Die feine Gelehrtenwelt brachte die Dreckschleudern in Anschlag, weil sich ein hergelaufener Hobbyforscher erdreistet hatte, ihren Homer nicht nur zur Erbauung zu lesen. Heinrich Schliemann nahm ihn beim Wort, sah die Geschichten der Ilias und Odyssee als Geschichtsschreibung an. Und machte sich folgerichtig auf die Suche nach den Orten der Handlung: Mykene und Troja.  (weiter)

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