01. Juli 2008, 13:27
Die Erde bebt „Nicht der schon wieder!“ schreit Efi auf, die mit ganzem
Herzen Griechin, eine gestandene Archäologin und Kollegin von mir ist.
Der? Wer? frage ich erst einmal mich. Ein neuerlicher Erdstoß
erschüttert das Institut, kippt Bücher aus dem Regal und lässt die
Kaffeetassen wackeln. „Pousti!“ gellt Efi. „So ein malaka!“ Sie haut
mit der Faust auf den Tisch, was ein Schlag zuviel für die Tassen ist.
„Der, der …“ schluchzt sie nun auf. Wer der? frage ich mich abermals.
Nun hat seismos, was Erdbeben auf griechisch heißt, zwar einen
männlichen Artikel, wird aber kaum als Weichei und Wichser bezeichnet
(üble, aber übliche Schimpfworte in Griechenland, die den Stellenwert
des deutschen Depps haben).
Efi hangelt sich zum Fernseher, dem wichtigsten Büromöbel in
Griechenland. Auf der Mattscheibe öffnen sich acht Fenster, und aus
jedem plärrt ein erregter Sprecher den Zuschauer an. Expertenrunde auf
griechisch, was bedeutet, dass alle gleichzeitig sprechen und das
ausgesprochen laut. Fels in den Redeschwallen ist die Moderatorin,
deren Kopf in der Mitte eingeblendet ist. Sie sagt nichts, schaut
angelegentlich auf ihre Fingernägel, blickt von rechts nach links, dann
von links nach recht, schüttelt dazwischen ihren Kopf, was ihre Haare
prächtig zur Geltung bringt. (Nach der Sendung wird sich dann die
Staatsanwaltschaft einschalten und zwei Seismologen wegen
„Volksverstörung“ anklagen, weil sie vor Nachbeben gewarnt haben).
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