Heinrich IV. und Tribur
von Markus Zwittmeier, 19. Februar 2010, 22:45
Die wohl bekannteste Verbindung mit einem Herrscher und der Pfalz Tribur, stellt wohl die mit Heinrich IV. dar. Vor allem die Heimatforscher, aber auch andere, bewerten Heinrichs Erlebnisse in Trebur meist als positiv, lediglich getrübt durch den Fürstentag von 1076. Wahrscheinlich schwang hier der Heimatstolz mit und trübte so einen neutralen Blick auf die Vorgänge.
Der erste Aufenthalt Heinrichs IV. in Trebur ist für das Jahr 1053 verzeichnet. Sein Vater, Heinrich III. ließ seinen gerade einmal 3 jährigen Sohn in Trebur zum König wählen. Dieser, man mag denken freudige, Tag wurde durch einen Vorgang überschattet, der Heinrichs Leben prägen sollte. Die Fürsten des Reiches, die 1050 zum Weihnachtsfest in Pöhlde, noch ihre uneingeschränkte Treue schwören, stimmen der Ernennung nur zu, wenn sich Heinrich IV. als gerechter Herrscher erweisen sollte.
Der bereits in ottonischer Zeit an Macht gewinnende Adel, aus dem der Ministerialenstand erwächst, zeigt erstmals seine Krallen.
Auch die Vorgänge im Jahr 1066 erscheinen, bei Licht betrachtet, für Heinrich weit aus weniger positiv als sich das so mancher erträumt. Oftmals wird verkürzt und verfälscht angegeben, Heinrich habe in Tribur Bertha von Turin geheiratet, was nicht stimmt. Seine Hochzeit fand in Würzburg statt, erst die Feierlichkeiten, die 3 Tage gedauert haben sollen, fanden in Tribur statt. Hier spielte wahrscheinlich die gute Versorgungslage im Fiskalbezirk der Pfalz Tribur die ausschlag gebende Rolle. So fröhlich und ausgelassen auch die Feierlichkeiten gewesen sein könnten, dürfte es für Heinrich jedoch kein Tag der Freude gewesen sein, berichtet doch der sächsische Chronis Bruno:" da er auch die Hochzeit selbst nicht mit freiem Willen gefeiert hatte". Seine Aversion gegen Bertha gipfelte 1069 in einem spektakulären Scheidungsverfahren.
1076 ist dann das Jahr, das dem König die Pfalz Tribur endgültig abspenstig gemacht haben dürfte. Die Großen des Reiches beriefen einen Fürstentag nach Tribur ein und die Ministerialen spielten erstmals ihre volle Macht aus. Sie forderten Heinrich auf sich vom Bann des Papstes zu lösen - der Gang nach Canossa. Heinrich musste tatenlos von der gegenüberliegenden Rheinseite, von Oppenheim aus, verfolgen was in Tribur geschieht, denn alle Schiffe die ihm eine Überfahrt hätten ermöglichen können, waren vom Mainzer Bischof Siegfried I. beschlagnahmt worden. Heinrich IV. wird die Pfalz Tribur nie wieder besuchen.
Nur noch einmal 1077 wird ein Gegenkönig die Pfalz besuchen. Rudolf von Rheinfelden, einer der Profiteure des Fürstentages von 1076, der nach seiner Krönung zum Gegenkönig durch Siegfried I. aus Mainz fliehen musste und in Worms abgewiesen wurde, findet noch einmal kurz Unterschlupf in Tribur.
Nahm man früher noch an, dass Heinrich IV. Tribur danach zerstörte, wie er es mit den Unterschlupfnestern Rudolfs nach der Schlacht von Hohenmölsen tat, so geht man heute davon aus, dass Heinrich Tribur mied, aufgrund seiner schlechten Erlebnisse mit diesem Ort, ähnlich wie es Heirich V. mit Ingelheim, wo er seinen Vater Heinrich IV. festhielt, tat.
Auch ich schließe mich diesem Urteil an, vor allem wenn man betrachtet, dass die Fürsten Heinrich V. im Jahr 1119 zu einem Fürstentag nach Tribur bestellen, das Thema ist wie 1076 der Investiturstreit. Heinrich der V. wehrte sich vehement in Tribur zu erscheinen, so dass der Fürstentag nach langem hin und her auf der Maaraue bei Mainz stattfand (wird leider oftmals auch falsch angegeben).
Während Canossa im Bewusstsein der Menschen bestehen blieb, geriet Tribur ins Abseits. Bismarck sagte 1872: „...nach Canossa gehen wir nicht, weder körperlich noch geistig!“, vielleicht wäre es passender gewesen zu sagen „Nach Tribur lassen wir uns nicht laden“, es hätte zwar nicht den kirchlichen Bezug gehabt, wahrscheinlich aber hätte es mehr dem Empfinden der letzten Salier entsprochen und würde der neuen Macht, den Ministerialen, mehr Tribut zollen.
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Wenn ich mich recht erinnere, wurde das auch mal in im zdf "Die Deutschen" gezeigt. Demnach muß Heinrich der IV ein richtiger Hallodri gewesen sein, der Wein und Weiber mehr im Sinne hatte, als das Regierungsgeschäft.
Habe ich das richtig in Erinnerung?
Ja, das stimmt. Die Frage ist nur in wiefern diese Aussagen der Chronisten stimmen, da sie zum größten Teil aus dem gegnerischen Lager Heinrichs stammen. Manches liest sich als wärs aus ´ner schlechten Soap: Heinrich versteckt sich hinterm Vorhang, während einer seiner Leute in seinem Auftrag versucht Bertha zu verführen und plant dann während des Aktes hervor zu springen und sie inflagrantie zu ertappen... Wohl maßlos übertrieben.
Ich würde Heinrich aber keinesfalls seine Regierungsfähigkeit absprechen, ich denke er war sogar sehr gut und es immer wieder geschafft das Blatt zu wenden, zumindest bis sein Sohn kam (man lernt halt nur von den Besten ;-) )
Was die Sendung "Die Deutschen" angeht : Naja, Knopp eben: http://www.youtube.com/watch?v=4v6kxEBsrF0