chronologs Labyrinth

Leipziger Buchmesse und "Avatar"

22. März 2010, 21:57

Es ist ja nicht so, dass ich Zeitungen und Bücher lese, um dort Stichwörter wie "Labyrinth" oder "Roter Faden" zu entdecken. Ich stolpere einfach immer wieder darüber - und wundere mich. Zwei neue Beispiele: (weiter)

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Johannes Nikels "erzählende Kunst"

06. Januar 2010, 15:04

Sie ist schon recht  lange her, die wilde Zeit der "1968-er". Damals hieß er Hans Nikel und erschütterte mit seiner satirischen Zeitschrift Pardon (Auflage in den besten Zeiten: sensationelle 350.000!) und seinen Polit-Happenings immer wieder die bundesdeutsche Republik.  (weiter)

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Phädra (Phorts.)

17. Juli 2009, 23:13

Das Gewitter (s. meinen vorangehenden Beitrag vom 21. Juni)  ist längst weitergezogen und der Sommerurlaub im Wallis schon wieder Geschichte. Dazu hat die Verlegung von Parkett in unserer Wohnung anschließend so viel Aus- und Einräumarbeiten versurachte (über zweitausend Bücher in der Bibliothek mussten ausgelagert und wieder einsortiert werden) und - buchstäblich - jede Menge Staub aufgewirbelt, dass ich erst jetzt wieder zum Bloggen komme. Als erstes will ich den abgebrochenen Beitrag über "Phädra - Stiefmutter im Liebeswahn" fortsetzen (phortsetzen - bot sich als Kalauer an - man sehe mir das nach).  

Phädra ist eine Frauenfigur der griechischen Mythologie, die - wie Medea - einen festen Platz in der Dramen-Literatur hat. Immer wieder wird vor allem die Fassung der Phèdre von Jean Racine aufgeführt. Der französische Dramatiker ließ diese seine bedeutendste Tragödie (geschrieben nach einer Vorlage von Euripides) 1677 in Paris aufführen. Dieser Tage wurde die Titelfigur dieses Dauererfolgs von Helen Mirren in London verkörpert (die im Kino zuletzt als Königin Elizabeth II glänzte und einen Oscar dafür abräumte).

Dass diese Phädra auch zum Personal der Labyrinthiade zählt, ist weniger bekannt. Sie ist eine Tochter des Königs Minos (und die Schwester der Ariadne), welche Theseus irgendwann nach dem Labyrinth-Abenteuer ehelicht*.
* Eine interessante familiäre Kontruktion: Theseus als Schwiegersohn seines größten politischen Rivalen im Mittelmeer, dem er zuvor nicht nur im Labyrinth die athenischen Geiseln entführte, sondern dem er auch noch die Tochter Ariadne wegnahm und anschließend gleich - auf Naxos - schmählich sitzenließ UND dem er dazu noch den Stiefsohn Minotauros tötete! Offenbar kannte man schon in der Antike das später von Österreich so erfolgreich praktizierte System der politischen Vernunftehen ("Tu, felix Austria, nube" - so haben wir es in der Schule gelernt.)

Fatalerweise verliebt sich Phädra in Hippolytos, den Stiefsohn des Theseus (den dieser antike Don Juan zuvor mit der Amazonenkönigin Hippolite gezeugt hatte). Sie wirft sich ihm an den Hals mit dem Ausruf: "Ich bin verkommen. Bestrafe mich, befrei die Welt von diesem Monster!" Der Jüngling weist ihre Avancen zurück. Die erboste Stiefmutter schwärzt ihn beim Vater als Bösewicht an, der sie, die arme Stiefmutter, sexuell bedrängt habe. Der Vater tötet den unschuldigen Sohn. Tragödie pur.

Gewiss, dies ist nur ein Nebenstrang der komplexen Labyrinthiade. Aber wie der große Erfolg von Helen Mirren in dieser Paraderolle ("Venus hat sich in mir verkrallt wie ein Tiger") noch in unseren Tagen zeigt, ist es nach wie vor ein beliebter Stoff - ähnlich wie die Geschichte der Ariadne, die schon in mehr als 40 Opern verewigt wurde.

 

Der Stammbaum der Labyrinthiade 

Zeus _ Europa (Prinzessin)     Sonnengott Helios _ Perseis        
         |                                                                    | 
   Minos                               _       _               Pasiphae _ Stier (Poseidon?)
                                           |        |                               |
                      (Theseus _ Ariadne) |                  Minotauros
                                                    |
Hippolyte     _   Theseus _  Phädra
(Amazonen- |                     |
königin)     Hippolytos     _/

Eigentlich müsste man diesen Stammbaum um das Labyrinth-Symbol herum anordnen. Dann könnte man den Daidalos und seinen Sohn Ikaros auch noch unterbringen, die ja beide für diesen Sagen-Komplex mindestens so wichtig sind wie der Theseus mit seinen Abenteuern und Frauengeschichten. Aber dann wird es schwierig mit den Verbindungen, die ja auch König Minos einbeziehen müsste, den Auftraggeber für das Labyrinth (in dem seine Schande, der Bankert Minotauros weggeschlossen wird und später auch Daidalos samt Sohn, der ja die küsntliche Kuh baute, in der Pasiphae den Stier empfing.)

Quellen
Euripides (ca. 485 bis 406 v.Chr.): Phädra (ca. 400 ? geschrieben)
Menden, Alexander: "Das Monster in der eigenen Familie". IN: Südd. Zeitung vom 17. Juni 2009
Racine, Jean (1639-1699): Phedre (1677, nach Euripides)

Schauen Sie bitte gelegentlich auch mal in die früheren Beiträge dieses Blogs rein! Hilfreich sein könnten vor allem die Vorbemerkung zu diesem Labyrinth-Blog und die Zeittafel. Die wichtigsten Personen und Begriffe werden erläutert in Fünf Kreise von Figuren sowie im Register dieses Blogs.


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Phädra - Stiefmutter im Liebeswahn

21. Juni 2009, 20:13

Phädra ist eine Frauenfigur der griechischen Mythologie, die - wie Medea - einen festen Platz in der Draman-Literatur hat. Immer wieder wird vor allem die Fassung der Phèdre von Racine aufgeführt. Dieser Tage wurde sie erst wieder von Helen Mirren in London verkörpert, die im Kino zuletzt als Königin Elizabeth II glänzte und einen Oscar dafür abräumte.

Dass diese Phädra auch zum Personal der Labyrinthiade zählt, ist weniger bekannt

Uups! Ich muss meinen Computer abschalten, weil es direkt nebenan heftig gewittert - Mist !!

 

Nachtrag vom 15. Juli

Ich hab das Gewitter überlebt und mein PC ebenso - danke für die Nachfragen. Aber weil ich am nächsten Morgen schon sehr früh in die Ferien gefahren bin, konnte ich nichts mehr nachtragen.



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IKAROS: tot oder lebendig?

18. Juni 2009, 22:27

Die Szene des schwebenden Ikaros, der abstürzt, weil er der Sonne zu nahe kommt, hat im Bilder- und Mythenschatz der westlichen Zivilisation einen festen und sehr prominenten Platz, ist im kollektiven Gedächtnis wie im persönlichen Bewusstsein jedes einigermaßen gebildeten Menschen tief verankert.  (weiter)

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Myzel im Untergrund: Nachlese Juli 2008

31. Juli 2008, 23:59

Wenn ich mit einem einzigen Wort charakterisieren sollte, was für mich das Labyrinth-Motiv bedeutet, so würde ich sagen: Es ist eine Art mythisches Pilz-Myzel im Untergrund der europäischen Kultur.  (weiter)

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Starke Frauen im antiken Griechenland

16. Juni 2008, 08:03

Eine sehr sehenswerte Ausstellung wurde Anfang Juni in der Münchner Antikensammlung am Königsplatz eröffnet: "Starke Frauen". Darin wimmelt es nur so von Anspielungen auf die Labyrinth-Sage.  (weiter)

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Ariadne - Ariane

29. Mai 2008, 19:10

Die göttliche Prinzessin des kretischen Altertums ist die einzige Figur aus dem Personal der Labyrinthiade, die heute noch Geberin für (Mädchen-)Namen ist - meistens in der französischen Variante "Ariane".

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Doppel L-ooper

05. April 2008, 12:01

Und schon wieder etwas saftig Erotisches. Ich war mir gar nicht bewusst, dass im Umkreis des Labyrinth-Motivs so viel davon zu finden ist. (weiter)

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Osterei: Jesus, Mithras und der "Kampf mit dem Minotauros"

21. März 2008, 18:36

Warum nicht Ostern auf diese Weise würdigen? Graben wir doch mal nach den Wurzeln. (Bitte an die Skeptiker und Agnostiker: nicht gleich wegzappen!) (weiter)

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