chronologs Mittelalter erleben

'Richtig' essen im Mittelalter

29. September 2008, 11:17

Begeistert vom Mittelalter fährt man auf Heerlager. Ein passendes Outfit muss her und natürlich ein Zelt. Ein wichtiger Punkt wird gerne vergessen: Die 'richtigen' Lebensmittel. Kartoffeln, Mais und vieles mehr haben dabei nichts zu suchen. Doch wie sehr muss man sich an den Begebenheiten des Mittelalters orientieren? Dürfen Karotten gekocht werden, auch wenn sie orange sind? Denn die orangefarbene Karotte ist eine gezielte Kreuzung französischer Landwirte im 19. Jahrhundert. Die Vorfahren der Karotten waren rot, violett oder schwarz gefärbt.

Zwei Begriffe tauchen bei der Diskussion um das 'richtige' Essen immer wieder auf: Herrenspeis und Bauernspeis. Was bedeuten sie eigentlich?
Die Bevölkerung im Mittelalter kann in zwei Gruppen geteilt werden: Die einfachen Menschen, die von der Hand in den Mund lebten und die kleine Oberschicht, die ohne Essenssorgen leben konnte. Ihre Ernährung weist teilweise große Unterschiede auf.

Aber zunächst eine Gemeinsamkeit: In allen Schichten wurde viel Getreide verzehrt, wobei die Bauern es natürlich selbst anbauten.
Die Oberschicht aß 'Herrenbrot', Brot aus ausgesiebtem Mehl, Bauern eher Brei, da er einfacher herzustellen war. Gefährlich für alle war das Mutterkorn im Roggen. Ein Pilz, der das „Antoniusfeuer“ auslöst, eine der schlimmsten ernährungsbedingten Krankheiten. Durchblutungsstörung treten auf, es kommt zu Lähmungserscheinungen, Wahnvorstellungen und schließlich zum Absterben der äußeren Gliedmaßen.

Der regelmäßige Genuss von frischem Fleisch war der Oberschicht vorbehalten. Nur in den Schlachtmonaten November und Dezember wurde bei vielen Familien Fleisch gegessen: Es war meist nicht möglich, das ganze Vieh über den Winter zu bringen, da es nicht genug Futter gab, und so wurde es geschlachtet. Zum Pökeln benötigt man viel kostbares Salz deshalb wurde eben einiges gleich gegessen.

Da Jagen ein Teil der Ausbildung und Privileg der Adeligen war, gab es an den Höfen stets Frischfleisch. Für das Volk war das Jagen in den Wäldern ihrer Herren meist verboten.
Hühner hielt man sich vermutlich, zumindest ab und an, in allen Schichten, denn sie waren günstiger. Einmal geschlachtet wurde fast alles an ihnen verarbeitet. Zudem konnten die Bauern Hühnereier auf dem Markt frei verkaufen, ohne Abgaben zahlen zu müssen.

Wichtiges Nahrungsmittel für das Volk war natürlich Obst und Gemüse, da es selbst angebaut werden konnte. Kohl war besonders beliebt, da er einen entscheidenden Vorteil hat- seine lange Haltbarkeit. Natürlich aßen auch die Adeligen einfache Speisen, der Unterschied liegt in der Zubereitung: mit süßem Wein und Honig, Mandeln, Zimt, Nelken oder Rosinen zu kochen, konnte sich nur der Adel leisten.

Zur Information, folgende Lebensmittel gab es im Mittelalter noch nicht in Europa:

•    Ananas
•    Avocado
•    Kartoffeln
•    Kokosnuss
•    Paprika
•    Mais
•    Tomaten
•    Schnittbohnen
•    Erdnüsse
•    Vanille
•    Peperoni
•    Kakao

Geschrieben in Mittelalter Kommentare: (10). Trackbacks: (0). Permalink


Warum macht Stadtluft frei?

09. September 2008, 16:30

Die Straßen unbefestigt und kaum gepflastert, voll mit Unrat und Fäkalien, Ratten und Ungeziefer: Alltag in den mittelalterlichen Städten. Und doch wollte jeder in der Stadt leben, versprach sie schließlich Sicherheit und Arbeit.
So wurden zwischen 1240 und 1300 in Europa jährlich etwa 300 neue Städte gegründet. Stadtgründungen waren wichtig für die Herrscher: Die Verteidigung der Untertanen wurde vereinfacht und das Steueraufkommen erhöht. (G/Geschichte(weiter)

Geschrieben in Mittelalter Kommentare: (13). Trackbacks: (0). Permalink


Pilgern: Heute so aktuell wie vor tausend Jahren

20. August 2008, 18:44

Nicht zuletzt durch die vielen Buchveröffentlichungen in den letzten Jahren erlebte das Pilgern einen regelrechten Aufschwung. Plötzlich wurde überall darüber gesprochen, jeder wollte sich dieser Erfahrung stellen.
Doch natürlich ist das Pilgern nichts Neues, schon zu früheren Zeiten galten bestimmte Orte als heilig.

Jerusalem ist bis heute einer der bedeutendsten Wallfahrtsorte. Die Stadt ist den Juden ebenso heilig wie den Christen und Muslimen. Laut Wikipedia mehrten sich die Wallfahrten nach Jerusalem vor allem ab dem 4. Jahrhundert. Denn es verbreitete sich die Kunde, Kaiserin Helena habe in Jerusalem die Kreuzreliquien von Jesus aufgefunden.

Auch Rom wurde als Pilgerstätte immer populärer, auf Grund der Grabstätte von den Aposteln Petrus und Paulus, sowie das Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela.

Pilgern muss man sich aber im Mittelalter mühsamer vorstellen als heute. Die Wege waren weit, keine Autos oder Züge konnten zum Verkürzen genutzt werden, und es war oft sehr gefährlich. Zudem musste man es sich auch leisten können, seine Familie, sofern man denn eine hatte, für längere Zeit alleine zu lassen, ohne die eigene Arbeitskraft. Und auch dass man nie mehr zurückkehren würde war nicht ganz unwahrscheinlich. Deshalb sollten vor dem Aufbruch Testamente verfasst und mit allen Zurückgelassenen Frieden geschlossen werden.

Vor allem seit dem Spätmittelalter galten für Pilger spezielle Privilegien, zum Schutz von Leib und Gut auf der Reise und des Besitzes zu Hause. Hut, Stab und Tasche sowie am Zielort erworbene Pilgerandenken kennzeichneten sie. Nicht immer waren Pilger alleine unterwegs, oft auch in kleinen Gruppen, mit Frauen und Kindern.
Pilgermarken, die vor Ort ausgeteilt worden, sollten belegen, dass das Ziel erreicht wurde. Man kann sich vorstellen, wie oft probiert wurde, sie zu fälschen. Außerdem soll es auch erlaubt gewesen sein, andere Menschen gegen Bezahlung für sich pilgern zu lassen.

Martin Luther zeigte sich den zunehmenden Pilgerreisen kritisch gegenüber, da sie auch mit dem Ablasshandel in Verbindung standen, gegen den er sich aussprach.
Der Ablass entstand als Teil der Bußpraxis im 11. Jahrhundert. Nach katholischer Auffassung wird bei einem Ablass auf Grund von guten Taten wie Gebeten, Almosen oder Pilgerfahrten dem Betreffenden die Strafe für seine Sünden erlassen. Doch oft war er mit Geldzahlungen verbunden. Den Menschen wurde in Predigten mit den Qualen des Fegefeuers Angst gemacht, sie sollten sich von ihren Sünden frei kaufen.
Thomas von Kempen, Augustiner-Mönch und Mystiker im 15. Jahrhundert, schrieb in seinem Buch die "Nachfolge Christi": "Wer viel pilgert, wird selten heilig."

Geschrieben in Mittelalter Kommentare: (2). Trackbacks: (0). Permalink


Ritter sein- teuer und für viele unerreichbar

13. August 2008, 21:24

Ritter sein- das klingt nach Abenteuern und ruhmreichen Kämpfen. So verwundert es nicht, dass auf Mittelaltermärkten jede Menge Ritter zu finden sind. Wer will schon einen Bauern darstellen, wenn man sich doch auch ein Schwert umschnallen kann, um in die Rolle des heldenhaften und glanzvollen Ritters zu schlüpfen. Denn nicht zuletzt haben Hollywood-Filme unsere Vorstellung des Ritters geprägt. Doch in der harten Realität des Mittelalters war es längst nicht allen Männern möglich in den Ritterstand erhoben zu werden.

Denn Ritter wurde meist nur wer adeliger Herkunft war und viel Geld hatte. Eine Ritterrüstung kostete verhältnismäßig soviel wie heute ein Luxusauto.
Eine Urkunde, die in der Regierungszeit Karl des Großen (8./9. Jahrhundert) entstanden ist, listet auf, wie viel die Ausstattung eines Ritters wert war: Ein Helm kostete sechs Kühe, ein Schuppenpanzer zwölf, ein paar Beinschienen sechs, ein Schwert sieben, ein hölzerner Schild und eine Lanze zusammen zwei Kühe. Das Streitross kostete nochmal zwölf Kühe. Das heißt, die Ausstattung eines fränkischen Panzerreiters war soviel Wert wie ein kleines fränkisches Dorf. Und dazu kamen natürlich noch Sattelzeug für das Pferd, Proviant, Knechte usw.

Wer sich heute ein Schwert kaufen möchte sollte wissen, dass dies dem einfachen Volk nicht möglich war. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts soll Kaiser Barbarossa sogar verboten haben Söhne von Priestern und Bauern in den Ritterstand zu erheben.
Zudem war es ein langer Weg Ritter zu werden, der meist mit sieben Jahren begann. Die Jungen kamen als Page entweder an den Hof eines Ritters, bzw. Fürsten oder wurden von Vater und Brüdern erzogen. Höfische Sitten mussten genauso gelernt werden wie der geschickte Umgang mit Schild und Schwert.
Nach sieben Jahren wurde der Page zum Knappen und mit 21 Jahren durch die Schwertleite zum Ritter. Er bekam sein Schwert umgürtet und ab dem späten Mittelalter den Ritterschlag, den letzten unerwiderten Schlag im Leben des neuen Ritters.

Mein erster, kurzer, Blogeintrag über Ritter bei chronolgs. Ich möchte über alle Facetten des Mittelalters berichten, von spannenden Begebenheiten und Personen, bis hin zu der Frage, wie das Mittelalter heute dargestellt wird.

Geschrieben in Mittelalter Kommentare: (8). Trackbacks: (0). Permalink


szmtag