Ritter sein- teuer und für viele unerreichbar
Ritter sein- das klingt nach Abenteuern und ruhmreichen Kämpfen. So verwundert es nicht, dass auf Mittelaltermärkten jede Menge Ritter zu finden sind. Wer will schon einen Bauern darstellen, wenn man sich doch auch ein Schwert umschnallen kann, um in die Rolle des heldenhaften und glanzvollen Ritters zu schlüpfen. Denn nicht zuletzt haben Hollywood-Filme unsere Vorstellung des Ritters geprägt. Doch in der harten Realität des Mittelalters war es längst nicht allen Männern möglich in den Ritterstand erhoben zu werden.
Denn Ritter wurde meist nur wer adeliger Herkunft war und viel Geld hatte. Eine Ritterrüstung kostete verhältnismäßig soviel wie heute ein Luxusauto.
Eine Urkunde, die in der Regierungszeit Karl des Großen (8./9. Jahrhundert) entstanden ist, listet auf, wie viel die Ausstattung eines Ritters wert war: Ein Helm kostete sechs Kühe, ein Schuppenpanzer zwölf, ein paar Beinschienen sechs, ein Schwert sieben, ein hölzerner Schild und eine Lanze zusammen zwei Kühe. Das Streitross kostete nochmal zwölf Kühe. Das heißt, die Ausstattung eines fränkischen Panzerreiters war soviel Wert wie ein kleines fränkisches Dorf. Und dazu kamen natürlich noch Sattelzeug für das Pferd, Proviant, Knechte usw.
Wer sich heute ein Schwert kaufen möchte sollte wissen, dass dies dem einfachen Volk nicht möglich war. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts soll Kaiser Barbarossa sogar verboten haben Söhne von Priestern und Bauern in den Ritterstand zu erheben.
Zudem war es ein langer Weg Ritter zu werden, der meist mit sieben Jahren begann. Die Jungen kamen als Page entweder an den Hof eines Ritters, bzw. Fürsten oder wurden von Vater und Brüdern erzogen. Höfische Sitten mussten genauso gelernt werden wie der geschickte Umgang mit Schild und Schwert.
Nach sieben Jahren wurde der Page zum Knappen und mit 21 Jahren durch die Schwertleite zum Ritter. Er bekam sein Schwert umgürtet und ab dem späten Mittelalter den Ritterschlag, den letzten unerwiderten Schlag im Leben des neuen Ritters.
Mein erster, kurzer, Blogeintrag über Ritter bei chronolgs. Ich möchte über alle Facetten des Mittelalters berichten, von spannenden Begebenheiten und Personen, bis hin zu der Frage, wie das Mittelalter heute dargestellt wird.



War der Weg immer so vorgezeichnet mit einer langen Ausbildung oder gab es auch Quereinsteiger mit besonderen Fähigkeiten oder einem dicken Geldbeutel?
"Quereinsteiger" in dem Sinne, dass sie sich die Ausbildung sparten, kann ich mir nicht vorstellen. Zumindest habe ich noch nie davon gelesen. Die lange Ausbildung war ja auch wichtig, denn sonst hätte der Ritter auf dem Schlachtfeld, bei Kämpfen, bei Turnieren, und am Hofe nicht bestehen können.
Viele Adelige zogen es aber auch vor, ihr Leben lang Edelknechte zu bleiben. Erwachsene, adelige Krieger, die der Ritterweihe würdig waren, sie aber aus finanziellen oder familiären Gründen ablehnten.
Ich finde die Frage sehr interessant und werde noch mal recherchieren. Vielleicht stoße ich ja doch noch auf Quereinsteiger.
Auf die Idee zu der Frage bin ich gekommen, als ich mir über Olympia und Nero Gedanken machte. Der hat ja an der Olympiade teilgenommen. Ich weiß nicht genau, ob er auch gewonnen hat. Aber ich kann mir nicht so recht vorstellen, daß er wirklich so gut war. Findet man ja in einigen Bereichen, daß nicht immer die Besten die Ersten sind, einfach nur weil sie die passende Unterstützung und Erziehung hatten. Doch einige sind so gut, daß sie sich auch bei schlechteren Startvoraussetzungen durchsetzen. Und wenn die Ritter alles nur so adlige waren, da frage ich mich natürlich, ob so ein talentierter "Bauernlümmel" nicht doch sich da durchsetzen konnte. Parzival ist ja auch so ein halber Quereinsteiger gewesen. Zwar von adligem Geschlecht, aber davon wußte er ja nichts.
...ist Fiktion. ;-)
Und ja, Nero hat bei Olympia gewonnen, im Wagenrennen, soweit ich weiß. Mit seiner Klasse dürfte das eher nichts zu tun gehabt haben.
Letztendlich ist die Frage beim Rittertum natürlich, wie durchlässig die Ständegesellschaft damals war. Es scheint ja zumindest prinzipiell möglich gewesen zu sein, dass ein einfacher Landsknecht durch irgendwelche Heldentaten ein Lehen erwarb und zum Ritter geschlagen wurde (sonst wäre es nicht verboten worden).
Ich könnte mir vorstellen, dass das vor allem im Frühmittelalter passierte, als die Könige noch dringend Statthalter für die frisch christianisierten Grenzregionen brauchten. Später möglicherweise weniger.
Klar ist Parzival ein Roman. Aber Romane sind ja nicht bloß Hirngespinste, sondern orientieren sich auch an der Realität. Und das ist nunmal ein altes Werk als es noch Ritter gab.
...kann man so nicht stehen lassen. Bezugspunkt des Parzival ist nicht die Wirklichkeit, sondern das ritterliche Ideal von Demut, Ehre und Treue. Gerade die persönliche Entwicklung des Helden hat ja durch die ganze Geschichte beträchtlichen Symbolcharakter.
(Das ist es ja auch, was den Parzival, zumal im Original, zu so schwerer Kost macht. Da kommt streckenweise kaum ein Halbsatz ohne mystische Fingerzeige aus)
Ja, hast Du schön geschrieben. Ändert aber nichts dran, was ich geschrieben habe. Das ist ein Roman über Ritter. Zu der Zeit gab es Ritter, richtig? Also war doch die Wirklichkeit die Vorlage für die Fiktion. In einem Roman kommt also Realität und Fiktion vor. Das Ganze zu unterscheiden ist in einigen Punkten sicher ganz einfach und in anderen schwer bis unmöglich. Kann doch sein, daß Eschenbach von einem "Quereinsteiger" inspiriert wurde und dann eine Geschichte draus machte.
*Kann doch sein, daß Eschenbach von einem "Quereinsteiger" inspiriert wurde und dann eine Geschichte draus machte.*
Eschenbach selbst hat die Idee aus einem älteren Romanfragment eines französischen Autors.
Es ist eh müßig sich darüber zu streiten, denn wenn die Story mit dem Verbot stimmt, zeigt dass eh, dass es "Seiteneinsteiger" in der einen oder anderen Form gegeben haben wird, und darum gehts ja.