chronologs Mittelalter erleben

Pilgern: Heute so aktuell wie vor tausend Jahren

von Anke Schuhardt, 20. August 2008, 18:44

Nicht zuletzt durch die vielen Buchveröffentlichungen in den letzten Jahren erlebte das Pilgern einen regelrechten Aufschwung. Plötzlich wurde überall darüber gesprochen, jeder wollte sich dieser Erfahrung stellen.
Doch natürlich ist das Pilgern nichts Neues, schon zu früheren Zeiten galten bestimmte Orte als heilig.

Jerusalem ist bis heute einer der bedeutendsten Wallfahrtsorte. Die Stadt ist den Juden ebenso heilig wie den Christen und Muslimen. Laut Wikipedia mehrten sich die Wallfahrten nach Jerusalem vor allem ab dem 4. Jahrhundert. Denn es verbreitete sich die Kunde, Kaiserin Helena habe in Jerusalem die Kreuzreliquien von Jesus aufgefunden.

Auch Rom wurde als Pilgerstätte immer populärer, auf Grund der Grabstätte von den Aposteln Petrus und Paulus, sowie das Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela.

Pilgern muss man sich aber im Mittelalter mühsamer vorstellen als heute. Die Wege waren weit, keine Autos oder Züge konnten zum Verkürzen genutzt werden, und es war oft sehr gefährlich. Zudem musste man es sich auch leisten können, seine Familie, sofern man denn eine hatte, für längere Zeit alleine zu lassen, ohne die eigene Arbeitskraft. Und auch dass man nie mehr zurückkehren würde war nicht ganz unwahrscheinlich. Deshalb sollten vor dem Aufbruch Testamente verfasst und mit allen Zurückgelassenen Frieden geschlossen werden.

Vor allem seit dem Spätmittelalter galten für Pilger spezielle Privilegien, zum Schutz von Leib und Gut auf der Reise und des Besitzes zu Hause. Hut, Stab und Tasche sowie am Zielort erworbene Pilgerandenken kennzeichneten sie. Nicht immer waren Pilger alleine unterwegs, oft auch in kleinen Gruppen, mit Frauen und Kindern.
Pilgermarken, die vor Ort ausgeteilt worden, sollten belegen, dass das Ziel erreicht wurde. Man kann sich vorstellen, wie oft probiert wurde, sie zu fälschen. Außerdem soll es auch erlaubt gewesen sein, andere Menschen gegen Bezahlung für sich pilgern zu lassen.

Martin Luther zeigte sich den zunehmenden Pilgerreisen kritisch gegenüber, da sie auch mit dem Ablasshandel in Verbindung standen, gegen den er sich aussprach.
Der Ablass entstand als Teil der Bußpraxis im 11. Jahrhundert. Nach katholischer Auffassung wird bei einem Ablass auf Grund von guten Taten wie Gebeten, Almosen oder Pilgerfahrten dem Betreffenden die Strafe für seine Sünden erlassen. Doch oft war er mit Geldzahlungen verbunden. Den Menschen wurde in Predigten mit den Qualen des Fegefeuers Angst gemacht, sie sollten sich von ihren Sünden frei kaufen.
Thomas von Kempen, Augustiner-Mönch und Mystiker im 15. Jahrhundert, schrieb in seinem Buch die "Nachfolge Christi": "Wer viel pilgert, wird selten heilig."

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Kommentare

  1. 21.08.2008 | 09:02

    Mal eine Auszeit nehmen, etwas ganz anderes machen und auf neue Gedanken kommen, das kann ich ja noch nachvollziehen. Aber der ganze Klimbim mit den Reliquien und den besonderen Orten, das artet in puren Aberglaube aus.

    Das Buch von Thomas von Kempen habe ich schon seit Jahren, aber ich habe es noch nie ganz durchgelesen. Das ist ganz schön streng.

  2. Anke Schuhardt Aberglauben
    21.08.2008 | 22:04

    Ja, da stimme ich dir zu. Genau das wurde ja auch von Martin Luther (und vielen anderen) kritisiert: Dass den Menschen mit dem Fegefeuer u.ä. solche Angst gemacht wurde, dass sie sich von ihren Sünden frei kauften.

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