chronologs Mittelalter erleben

Warum macht Stadtluft frei?

von Anke Schuhardt, 09. September 2008, 16:30

Die Straßen unbefestigt und kaum gepflastert, voll mit Unrat und Fäkalien, Ratten und Ungeziefer: Alltag in den mittelalterlichen Städten. Und doch wollte jeder in der Stadt leben, versprach sie schließlich Sicherheit und Arbeit.
So wurden zwischen 1240 und 1300 in Europa jährlich etwa 300 neue Städte gegründet. Stadtgründungen waren wichtig für die Herrscher: Die Verteidigung der Untertanen wurde vereinfacht und das Steueraufkommen erhöht. (G/Geschichte)

In der Regel kamen die Städte auf 2000 Einwohner und entstanden an Handelsplätzen, um Kirchen, Kloster und natürlich um Burgen herum. Großstädte waren zum Beispiel Mainz, Trier und Nürnberg. Mit ca. 40 000 Einwohnern zählte Köln als einzige deutsche Stadt zu den Weltstädten.

Und in den Städten fand jeder seinen Platz: Vom Fürsten, über den Handwerker und den Bettler. In den engen Gassen wohnten die ärmeren Bürger in Holz-, selten in Steinhäusern. Der Boden aus gestampften Lehm hielt wenig Ungeziefer ab und auch die Feuerstelle ohne Rauchabzug war bestimmt nicht angenehm. Aber, man hatte ein eigenes Dach über dem Kopf, im Gegensatz zu den vielen armen Menschen, die nahezu die Hälfte der Stadtbevölkerung ausmachten. "Habnitse" wurden sie auch genannt.

Bettler gehörten zum mittelalterlichen Stadtbild dazu, denn die Gewährung von Almosen zählte zu den Pflichten frommer Christen. So kann man sich denken, dass nicht alle Bettler Menschen waren, die unverschuldet in Not geraten sind. Einige sahen es wohl auch als "bequemen Beruf" an. So steht im "Buch der Vaganten":

"Es gibt Bettler, wenn die in eine Stadt kommen, so lassen sie die Kleider in den Herbergen und sitzen fast nackend vor den Kirchen und zittern vor den Leuten, dass man denken soll, sie leiden großen Frost. Etliche sagen, sie seien siech gelegen und haben ihre Kleider verzehrt, etliche sagen, sie seien ihnen gestohlen worden, und tun das darum, dass ihnen die Leute Kleider geben sollen."

Die Stadtregierungen führten deshalb Bettlerordnungen ein. Nur wer glaubhaft machen konnte wirklich bedürftig zu sein und nicht arbeitsfähig war, erhielt ein Abzeichen. Im Hochmittelalter wuchs die Feindseligkeit gegenüber Bettlern jedoch, zeitgleich entstanden aber auch  Bettlerorden, die sich auf das Neue Testament beriefen, wie die Franziskaner.

Stadtrechte (und damit auch Pflichten) genossen nicht alle Bürger. Wichtige Voraussetzung war ein eigenes Haus, bzw. Grundstück innerhalb der Stadtmauern. Zudem musste man ehelich geboren sein, ein Mindestvermögen besitzen und durfte keinen "unehrlichen" Beruf ausüben. Schlecht angesehene Berufe waren zum Beispiel Henker, Dirnen und Bader. Auch Tagelöhner zählten nicht zu den "burgaeren", sondern zu den "inwohnern".

Trotz allem: Städte wurden immer beliebter, denn alle Stadtbewohner waren freie Bürger. Ein Bauer, der seinen Grundherren verließ, musste ein Jahr und einen Tag in der Stadt leben ohne, dass sein Herr Anspruch auf ihn erhob. So flüchteten viele Landarbeiter in die Städte. Daher der Ausspruch: "Stadtluft macht frei".


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Kommentare

  1. Andreas Dankeschön
    10.09.2008 | 17:28

    Finde ich superinteressant! Ich konnte beim Lesen förmlich die mittelalterlichen Zeiten miterleben.
    Vielen Dank für diesen Blick in vergangene Zeiten, der uns "modernen Zivilisierten" zeigt, woher wir und unsere Sprache/Kultur kommen.

    Grüße aus den KOSMOlogs,
    Andreas

  2. 15.09.2008 | 06:05

    Ich dachte immer der Ausdruck Stadtluft macht frei bezöge sich charakteristisch auf die Migrationsbewegungen aus den agrar in die urbanen Räume.

  3. Martin Huhn Bettler
    25.09.2008 | 11:45

    Das finde ich ja interessant mit der "Bettlerkaste". Es hat sich zwar einiges im Vergleich mit unserer Zeit geändert, aber bestimmte Grundmuster sind gleich. Den Armen wurde geholfen, früher durch die Eigeninitaitive der fromme Christen und heute durch den Staat. Gleichzeitig wurde die Hilfe mißbraucht und es wurde versucht ein Schutz des Mißbrauchs zu installieren.

  4. Anke Schuhardt Bettler
    29.09.2008 | 11:33

    Ja, ich finde diesen Punkt auch sehr spannend- bestimmte soziale Grundmuster ziehen sich einfach durch alle Zeiten, und wiederholen sich immer wieder.

  5. 02.10.2008 | 17:02

    Weißt Du vielleicht, welchen Stellenwert Geld zu der Zeit hatte? In Japan hatten Menschen, die mit Geld handelten einen sehr schlechten Ruf und so Leute wie die Samureis einen sehr hohen. Geld hatte etwas schmutziges. Klar, die Kirche war sehr hinter dem Geld her mit ihren Ablaßbriefen, aber wie sah es mit der Gesellschaft aus? War das auch so eine geldgierige wie in unseren Tagen?

  6. Lisa Danke
    01.11.2008 | 11:15

    ich musste etwas für die schule nachschauen und dieser text hat mir sehr geholfen

  7. x
    03.02.2009 | 16:45

    Ich dachte immer der Ausdruck Stadtluft macht frei bezöge sich charakteristisch auf die Migrationsbewegungen aus den agrar in die urbanen Räume.

  8. MAXO=) LOL=)
    22.06.2009 | 07:47

    ia sid echd LOLIGG des is inderrresand

  9. Sattelchen gute HILFE
    07.10.2009 | 18:18

    Ich musste für die Schule den Satz "Stadtluft macht frei" erklären.Der Artikel hat mir echt weiter geholfen.

    DANKESCHÖN!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

  10. Stibsie Danke
    22.11.2009 | 15:12

    Ihr Bericht hat mir auch sehr Weitergeholfen für mein Schulreferat.

  11. 01.12.2009 | 20:17

    also ehrlich gesaggt hat dieser text mir ÜBERHAUPTNICHT GEHOLFEN

  12. Rebekka Danke
    17.01.2010 | 14:54

    Unsere Lehrerin hat uns diese Hausaufgabe aufgegeben: Macht Stadtluft frei?
    Dazu hat sie uns aber keine Quelle gegeben.
    Dieser Text hat mir weitergeholfen.

    Also Danke.
    LG

  13. sweety Anke Schuhardt
    20.03.2010 | 00:30

    hi
    danke!
    Sie haben mir sehr geholfen, bei meinem Referat über:"Stadtluft macht frei!"

szmtag