'Richtig' essen im Mittelalter
Begeistert vom Mittelalter fährt man auf Heerlager. Ein passendes Outfit muss her und natürlich ein Zelt. Ein wichtiger Punkt wird gerne vergessen: Die 'richtigen' Lebensmittel. Kartoffeln, Mais und vieles mehr haben dabei nichts zu suchen. Doch wie sehr muss man sich an den Begebenheiten des Mittelalters orientieren? Dürfen Karotten gekocht werden, auch wenn sie orange sind? Denn die orangefarbene Karotte ist eine gezielte Kreuzung französischer Landwirte im 19. Jahrhundert. Die Vorfahren der Karotten waren rot, violett oder schwarz gefärbt.
Zwei Begriffe tauchen bei der Diskussion um das 'richtige' Essen immer wieder auf: Herrenspeis und Bauernspeis. Was bedeuten sie eigentlich?
Die Bevölkerung im Mittelalter kann in zwei Gruppen geteilt werden: Die einfachen Menschen, die von der Hand in den Mund lebten und die kleine Oberschicht, die ohne Essenssorgen leben konnte. Ihre Ernährung weist teilweise große Unterschiede auf.
Aber zunächst eine Gemeinsamkeit: In allen Schichten wurde viel Getreide verzehrt, wobei die Bauern es natürlich selbst anbauten.
Die Oberschicht aß 'Herrenbrot', Brot aus ausgesiebtem Mehl, Bauern eher Brei, da er einfacher herzustellen war. Gefährlich für alle war das Mutterkorn im Roggen. Ein Pilz, der das „Antoniusfeuer“ auslöst, eine der schlimmsten ernährungsbedingten Krankheiten. Durchblutungsstörung treten auf, es kommt zu Lähmungserscheinungen, Wahnvorstellungen und schließlich zum Absterben der äußeren Gliedmaßen.
Der regelmäßige Genuss von frischem Fleisch war der Oberschicht vorbehalten. Nur in den Schlachtmonaten November und Dezember wurde bei vielen Familien Fleisch gegessen: Es war meist nicht möglich, das ganze Vieh über den Winter zu bringen, da es nicht genug Futter gab, und so wurde es geschlachtet. Zum Pökeln benötigt man viel kostbares Salz deshalb wurde eben einiges gleich gegessen.
Da Jagen ein Teil der Ausbildung und Privileg der Adeligen war, gab es an den Höfen stets Frischfleisch. Für das Volk war das Jagen in den Wäldern ihrer Herren meist verboten.
Hühner hielt man sich vermutlich, zumindest ab und an, in allen Schichten, denn sie waren günstiger. Einmal geschlachtet wurde fast alles an ihnen verarbeitet. Zudem konnten die Bauern Hühnereier auf dem Markt frei verkaufen, ohne Abgaben zahlen zu müssen.
Wichtiges Nahrungsmittel für das Volk war natürlich Obst und Gemüse, da es selbst angebaut werden konnte. Kohl war besonders beliebt, da er einen entscheidenden Vorteil hat- seine lange Haltbarkeit. Natürlich aßen auch die Adeligen einfache Speisen, der Unterschied liegt in der Zubereitung: mit süßem Wein und Honig, Mandeln, Zimt, Nelken oder Rosinen zu kochen, konnte sich nur der Adel leisten.
Zur Information, folgende Lebensmittel gab es im Mittelalter noch nicht in Europa:
• Ananas
• Avocado
• Kartoffeln
• Kokosnuss
• Paprika
• Mais
• Tomaten
• Schnittbohnen
• Erdnüsse
• Vanille
• Peperoni
• Kakao
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Habe vor längerer Zeit mal die Theorie gelesen, dass die Einfuhr von Kaffee und Tee maßgeblichen Anteil an der Industrialisierung gehabt habe: Nun erst hätten sich die Menschen mittels der Uhren regelmäßig von den Tag-Nacht-Schwankungen abgekoppelt und sich mittels (ggf. billigem) Kaffee und Tee auch noch in dunklen Morgen- und Abendstunden hochgepuscht.
Wieviel da drin ist, weiß ich nicht. Gibt es Studien darüber, ob sich das Schlafverhalten in "Heerlagern" ohne elektrisches Licht und o.g. Genussmittel verändert? Haben Kaffee und Tee (bzw. ihr Fehlen) gesellschaftliche Folgen? :-)
dass ein Tag ohne Tee bei mir verheerend wirkt. ;-)
Allerdings muss man natürlich im Blick haben, dass sich die gequälten Massen, die sich zuerst dem "industriellen" Tagesrhythmus anpassen mussten, sicherlich am allerwenigsten Kaffee leisten konnten.
Naja, wirklich auf Kaffee verzichten muss man auf den meisten Mittelaltermärkten dann doch nicht, da es fast immer einen Stand mit Kaffee gibt. Und ich muss zugeben, den suche ich doch ganz gerne morgens auf.
Ich habe mal gehört, das Mehl hätte vielen zu schaffen gemacht. Das Mehl an sich nicht, aber die abgesplitterten Brocken der Mahlsteine. Weißt Du vielleicht was drüber?
Keine Tomaten? Das ist überraschend. Da mußte ich direkt mal nachforschen.
Aha, sie kommt also auch aus Südamerika, wie die Kartoffel. Keine Zitrusfrüchte, keine Paprika, keine Tomaten. Alle ganz gut mit Vitamin C bestückt. Vielleicht war Kohl auch so beliebt, weil er viel Vitamin C hat? Die wußten zwar damals nicht, was Vitamine sind, aber der Körper hat ja auch eine eigene Intelligenz und weiß ja, was er braucht und signalisiert es mit dem passenden Hunger. Zumindest geht es mir so, wenn ich im Ausdauerbereich trainierte habe ich Hunger nach süßem (Kohlenhydrate) und nach hohem Kraftaufwand mehr Hunger nach salzigem (Eiweiß). Die Seefahrer haben später ja auch gerne Sauerkraut mitgenommen, um nicht an Skorbut zu erkranken und die wußten auch nicht, was Vitamin C ist.
Ja, das stimmt. Denn im Mittelalter wurde ja sehr viel Getreide gegessen, das auf Steinmühlen gemahlen wurde. Das dabei enstehende Steinmehl wurde mitgegessen und schmirgelte die Zähne ab. Das hatte aber auch einen positiven Nebeneffekt: Es säuberte die Zähne und sorgte dafür, dass sich Karies nicht festsetzen konnte.
1:Was wurde aus Gerste gekocht?
Wie deckte man den Tisch auf der Burg?
mais gab es schon gab es kartoffeln
mais gab es schon gab es kartoffeln