Religion und Evolution - Auf dem Weg ins Darwinjahr
Manche haben die Neuauflage der endlosen Polemiken zwischen evolutionsbiologisch argumentierenden Religionskritikern und Kreationisten zum Darwinjahr erhofft, andere befürchtet. Doch schon im Vorfeld wird deutlich: Zumindest in Deutschland zeichnen sich viel interessantere Perspektiven ab, die beide Seiten neu fordern. Es verdichten sich Befunde und Diskussion zu einem besseren Verstände der Evolution von Religiosität - und damit auch neuen Ebenen des Dialoges auch zwischen Natur- und Geisteswissenschaften.
(Vgl. BGAEU-Artikel "Evolutiongeschichte der Religion" hier)
So haben allein in den letzten Tagen unterschiedlichste Medien (vom Handelsblatt (Artikel hier), über die FAZ (Artikel hier) und Prof. Ulrich Lüke hervorragend in der Tagespost (Artikel hier) bis zum Deutschlandfunk (mp3 hier)) aus der Evolutionsforschung zur Religiosität berichtet. Gleich zwei Sachbücher zum Thema (unser "Gott, Gene und Gehirn" (mit Rezensionen im Science-Shop hier) und Ulrich Schnabels "Vermessung des Glaubens") sind bisher von Rezensenten und Lesern sehr interessiert und freundlich aufgenommen worden. Suchbegriffe wie "Gretchenfrage" (zum Zusammenhang von Religion und sexueller Selektion) und "Evolution der Religiosität" erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Und auch im Fernsehen sind inzwischen Debatten zu dem Thema möglich, in denen Befunde (auch mit Humor) diskutiert werden und sich nicht mehr nur die sattsam bekannten Polemiken aufschaukeln... ;-)
Hinweis: Schamanenausstellung im Lindenmuseum Stuttgart
So anregend aber auch das Erheben und Diskutieren z.B. (neuro- und evolutionsbiologischer) Befunde, religionsdemografischer Daten und evolutionstheoretischer Modelle sein mögen - es bleiben auch noch z.B. ethnologische Schätze zu heben, die uns weiter vertiefte Einblicke auf die Natur des Menschen einschließlich seiner Religiosität - gewinnen lassen. So möchte ich auf die herausragende Ausstellung zum Schamanismus Sibiriens im Lindenmuseum Stuttgart hinweisen, die von deutschen und russischen Wissenschaftlern unter Leitung des Kurators Erich Kasten gemeinsam gestaltet worden ist (dem ich auf diesem Wege auch persönlich für Führung und Austausch danken möchte). (Mehr Informationen hier.)
In der Ausstellung werden einzigartige Exponate des Russischen Ethnographischen Museums (St. Petersburg) sowie des Linden-Museums gezeigt und lassen so sibirische Lebens- und Glaubenswelten lebendig werden. Schamanistische Elemente waren und sind auf der ganzen Welt zu finden, haben die Menschheitsgeschichte über Jahrtausende hinweg geprägt - und hier wird am Beispiel einer lebendigen, eindrucksvollen Völkervielfalt deutlich und nachvollziehbar, wie funktional der Bezug auf übernatürliche Akteure wie Ahnen, Geister und Götter über Jahrzehntausende sein konnte - und in einigen Regionen (nach dem Ende der kommunistischen Verfolgungen) auch wieder sein kann. Wer sich im Darwinjahr zum Reichtum menschlicher Kultur- und Evolutionsgeschichte des Menschen einschließlich seiner Religiosität anregen lassen möchte, dem kann ich Besuch und Katalog der Schamanismus-Ausstellung im Lindenmuseum Stuttgart nur von Herzen empfehlen.
Allen Leserinnen und Lesern des Blogs wünsche ich ein erfreuliches Neujahrsfest und ein erkenntnis- und erfolgreiches (Darwin-)Jahr 2009!
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Eine psychotherapeutische Ader kann ich schon bei dir erkennen, Michael, also könntest du dich theoretisch ruhig in das Forschungsfeld stürzen. Wobei vielleicht im Zusammenhang mit deiner Forschung weitaus interessanter wäre, zu belegen, ob Gottlosigkeit krank macht. (?)
Ich wollte oben eigentlich auf die Tagespost verlinken, aber das wird mit a href etc nicht angezeigt, also versuch ich es so:
Der Artikel heißt Spinnen die Gläubigen?:
http://www.die-tagespost.de/...nzeige.asp?ID=32615
Nicht hängenlassen Michael. Glaube an gasförmige Stasimitarbeiter ist - wenn es nach Dir ginge - ein Selektionsvorteil!
Das mußt du Dir immer wieder sagen. Und wenn Du fleißig dran glaubst - und betest - wird das ja vielleicht auch bei Dir was mit der Evolution.
Also schlaf Dich mal aus und dann wieder frisch ans Werk!
... in literarischen Stilfragen ein kleiner Tipp: Wenn du innerhalb deiner Kampfrhetorik das Wort "Stasimitarbeiter" einfach durch "KZ-Aufseher" oder "Gestapo-Offiziere" ersetzt, fällt weniger auf, dass wir es zum großen Teil der Initiative der Kirchen und den Gläubigen zu verdanken haben, dass es keine LEIBHAFTIGEN Stasi-Mitarbeiter mehr gibt. Die Montagsdemos nahmen ja du weißt schon wo ihren Ausgang.
Es wäre einfach nicht ganz so - - - ungeschickt und evtl. deiner Sache dienlicher?
Vermutlich aber eher nicht ...
"Es spricht absolut nicht GEGEN die Möglichkeit von Wahn und Irrtum, wenn durch Wahn und Irrtum Reproduktionserfolg erhöht wird..."
...dann ist es aber, lieber Ingo, eben im biologischen Verständnis kein Wahn mehr. Denn ein Wahn (oder eine sonstige Krankheit) oder andauernde Irrtümer wiesen sich durch Selektionsnachteile aus.
xxxxx xxxxx
- - - Und warum GIBT es dann so viele Krankheiten? Warum gibt es so viel Wahn? So viel Irrtum? Weil sie nur Selektionsnachteile mit sich bringen?
Wenn sich eine Krankheit wie die Mukoviszidose bislang 50.000 Jahre in der Evolution gehalten hat, dann kann sie nicht nur Selektionsnachteile mit sich gebracht haben. Und mit unzähligen anderen Krankheiten ist es ähnlich. Sicherlich auch mit psychischen.
Ich will Dir sagen, wie die menschliche "Krankheit" heißt, die den Wahnglauben an übernatürliche Akteure mit sich gebracht hat: Intelligenz.
Jede Forschungshypothese kann sich als falsch herausstellen. Es wäre schade, wenn jede falsche Forschungshypothese in der Menschheit gleich mit Selektionsnachteilen einhergegangen wäre. Dann hätte die Evolution sehr schnell Tiere und Hominiden "entmutigt", überhaupt selbständiger als gewöhnlich Hypothesen über die Welt und über Kausalzusammenhänge in ihr aufzustellen.
Intelligenz heißt per se größere Irrtumsanfälligkeit. (Deshalb haben ja auch Tiere mit höherer Intelligenz längere Jugendzeiten, sind Nesthocker - um sie vor ihren vielen Irrtumsmöglichkeiten besser zu bewahren und sie besser auf das Leben vorzubereiten: durch individuelles Lernen.)
Wahrscheinlich wurde über lange Jahrtausende hin auch Intelligenz durch gruppenpsychologische Mechanismen davor bewahrt, zu VIELE falsche Hypothesen über die Welt aufzustellen. Da stellte sich sicherlich ein Selektionsgleichgewicht her in evolutionsstabilen Populationen. Aber das heißt nicht, daß nicht menschliche Populationen über Jahrzehntausende hinweg mit falschen Hypothesen über Kausalzusammenhänge in der Welt überleben konnten.
Jahrzehntausende lang machten sie "böse Geister" für das Entstehen von Krankheiten verantwortlich - ohne dadurch Selektionsnachteile zu erfahren. Jahrzehntausende konnten sie z.B. glauben, daß die Welt von einer Hummel geschaffen wurde - ohne Selektionsnachteile zu erfahren. Daß die Götter den Mann aus einer Esche und die Frau aus einer Ulme geschaffen hätten ... Etc. pp..
waren und sind es 80% Atheisten, die den politisch geschützen Raum der westlicherseits massiv unterstützten politisierten Kirche nutzten, um sich ihre politische Freiheit zu erkämpfen, liebe Elsa.
Übrigens habe ich auch schon über den Begriff "Himmelhitler" für "Gott" nachgedacht :o)
Beides skrupellose und unerträglich grausame Diktatoren mit Überwachungswahn, die von vielen geliebt und verehrt werden und ein paar Genozide auf dem Gewissen haben.
Zum "Stasiwitz" nur drei Hinweise, lieber SA:
1. Die Stasi-Leute unterstanden einer definitiv atheistischen Weltanschauung, verachteten Religionen fast so sehr wie Sie und sind ein schöner Beweis, dass Atheismus nicht gleich Freiheit bedeutet.
2. Meinen Vater hatten sie übrigens inhaftiert, er hat sich nicht mit ihnen arrangiert.
3. Das Ende des Stasi-Regimes erfolgte namhaft aufgrund der (katholischen) Solidarnosc-Bewegung und der Kirchenbewegungen in den neuen Ländern. Religiöse erkämpften in diesem Fall Freiheiten gegen Atheisten, lieber SA. Kann man ja mal drüber nachdenken, wenn man den Mut hat, sich des eigenen Verstandes zu bedienen. ;-)
Danke aber insgesamt für die Ermutigung, lieber SA! Über mangelnde Resonanz - gerade auch aus dem wissenschaftlichen Bereich! - kann ich mich also wirklich nicht beklagen! Und es sind ja, wie gesagt, längst Dutzende Forscher ganz unterschiedlicher Disziplin und Weltanschauung wie David Sloan Wilson, Jesse Bering, Ara Norenzayan, Richard Sosis etc. pp., die zur Evolution der menschlichen Religiosität erfolgreich arbeiten. Wissenschaftlicher Fortschritt lässt sich nicht aufhalten, weder von religiösen noch atheistischen Kreationisten! Ihr spornt uns gemeinsam nur noch immer mehr an! ;-)
Ich habe, ehrlich gesagt, Probleme damit, die friedliche Revolution von 1989 den ostdeutschen Christen gutzuschreiben. Die Kirchen der DDR haben den politischen Dissidenten lediglich einen Hort geboten, wie etwa die Zionskirche in Ost-Berlin. Das eigentliche Werk hingegen ist von den politischen Dissidenten, die zum weitaus größten Teil aus Atheisten waren, vollbracht worden. Mit anderen Worten: Das Verdienst der Kirchen bestand "lediglich" darin, Leuten wie mir, also Dissidenten, Ausreiseantragstellern und Wehrdienstverweigerern, Schutz zu gewähren.
Ich nehme an, das "lediglich" ist ironisch gemeint.
Auf jeden Fall ging es den Dissidenten (ob nun Atheisten oder nicht) nicht um eine Rechristianisierung Ostdeutschlands. Es ging um Themen wie Menschenrechte und Pazifismus, natürlich auch Wohlstand und Reisefreiheit, aber jedenfalls nicht um eine neue Volksgemeinschaft auf religiöser Basis.
Naja, also DAS wäre sicher mal ein eigenes Thema... Wir können es hier wahrscheinlich dabei belassen, dass sich religiöse Menschen trotz staatlicher Repressalien Freiheitsräume erkämpft und erhalten haben (was anzuerkennen ist), die dann von der Opposition gemeinsam genutzt wurden.
Und wir können sicher festhalten, dass ausgerechnet die Stasi als Argument gegen die Religion(en) und für den Atheismus nicht benutzt werden sollte, schon gar nicht als Witz... Meine Familie hat (wie wohl auch Du, @Edgar) unter diesem Regime genug gelitten.
Wobei ich @Thilo hier Recht geben würde: Sowohl den christlichen wie nichtreligiösen Widerständlern ging es selbstverständlich nicht um eine religiöse Volksgemeinschaft, sondern um Demokratie und Freiheitsrechte (zu denen die positive und negative Religionsfreiheit gehört).
Lieber Michael, was genau meintest Du mit "DAS" als Du schriebst: "Naja, also DAS wäre sicher mal ein eigenes Thema"?
Die ostdeutschen Demonstranten, die 1989 auf die Strasse gegangen sind und den Ruf "Wir sind das Volk" skandierten, hatten selbstverständlich nichts mit der Kirche und dem Christentum am Hut. Sie wehrten sich lediglich gegen die rigorose Beschneidung ihrer Freiheitsrechte durch die SED-Diktatur.
Man muss hierbei auch berücksichtigen, dass es in der DDR kaum Christen gab. Nur 3 der 17 Millionen Einwohner der DDR waren konfessionell gebunden - 2 Millionen Protestanten und 1 Million Katholiken.
Ich glaube, der Ehrlichkeit halber muss man auch erwähnen, dass die Kirche den Regimegegnern nur deshalb Schutz bot, um ihre gesellschaftliche Bedeutung und ihre politische Macht zu erhöhen.
Es war den Kirchen weitgehend egal, ob sie Menschen konvertieren konnten. Ihnen war bewusst, dass den Menschen "mit Jesus zu kommen" sogar kontraproduktiv sein konnte, weil kaum ein Jugendlicher mit diesen "Märchen" etwas anfangen konnte. So haben die Kirchen viele junge Leute einfach dadurch an sich gezogen, indem sie in ihren Gemeinderäumen Tischtennisplatten aufstellten und Schmalzbrote servierten. Das ist kein Witz, sondern eine Tatsache.
Zudem ging der Schutz, den die Kirchen boten, nicht sonderlich weit. Nachdem ich einen Ausreiseantrag gestellt hatte, durfte ich nicht nur an keiner staatlichen Hochschule, sondern auch an keiner kirchlichen Hochschule mehr studieren.
Auch waren die Christen zumindest in den 70er und 80er Jahren auch kaum einem großen politischen Druck ausgesetzt. Die Stasi-Akte des Pfarrers, der mir das Studium an dem Theologischen Seminar in Erfurt ermöglicht hatte, umfasste bespielsweise nur 4 Seiten.
Hinzu kommt schließlich noch, das viele Vertreter der Kirche insgeheim "IM's" waren und der Stasi zuarbeiteten.
Lieber Michael, ich fürchte, dass Du mit Sätzen wie "Die Stasi-Leute unterstanden einer definitiv atheistischen Weltanschauung, verachteten Religionen fast so sehr wie Sie und sind ein schöner Beweis, dass Atheismus nicht gleich Freiheit bedeutet", ein gefährliches Spiel treibst.
Die Stasi war nicht vom Atheismus, sondern vom Kommunismus motiviert. Jede Untat, die Marxisten, Hitleristen, Stalinisten oder Maoisten durchführten, auf ihren Atheismus zurückzuführen, ist genauso unfair, wie die Behauptung, dass die Judenverfolgung, die Kreuzzüge, die Religionskriege und das Reichskonkordat der Kirche auf ihren Theismus zurückzuführen sei.
Wie gefährlich dieses Spiel ist, wird spätestens dann deutlich, wenn man sich einmal die Konfessionszugehörigkeit derer ansieht, die der SS angehörten.
Lieber Edgar,
mit "das" meinte ich die Rolle der Kirchen und Religionen in der DDR und Oppositionsbewegung - diese Diskussion hat mit dem Thema dieses Blogeintrages nichts zu tun, wurde in offenkundig polemischer Absicht eingebracht und sollte m.E. gesondert diskutiert werden.
Auch stimme ich Dir zu, dass man mit DDR- und Stasithemen "kein Spiel spielen" sollte - genau deswegen habe ich mich gegen die o.g. "Stasiwitze" gewehrt, zumal viele Menschen (einschließlich meine Familier) unter diesem Regime gelitten haben.
Sätze wie "Die ostdeutschen Demonstranten, die 1989 auf die Strasse gegangen sind und den Ruf "Wir sind das Volk" skandierten, hatten selbstverständlich nichts mit der Kirche und dem Christentum am Hut." finde ich zu pauschal. Es gab eben nicht "den" Demonstranten mit Standard-Weltanschauung, sondern vom indifferenten Mitläufer über den frommen Christen bis zum hedonistischen Libertären einen bunten Mix an Menschen, die der Wunsch nach Freiheit einte. Dass aber Kirchen bzw. Kirchenkreise als Kristallisationspunkt der Opposition (und zuvor die dezifiert katholische Solidarnosc in Polen) bei der Überwindung des Regimes eine Rolle gespielt haben, ist m.E. unter Historikern unumstritten.
Auch Diskussionen über "die Kirchen in der DDR" finde ich in der Kürze schwierig - schon der Rückgang der Kirchenmitgliederzahlen lag ja auch an gezielten, staatlich-gesellschaftlichen Kampagnen und Rahmenbedingungen und von opportunistischem Anbiedern, über schwieriges Verhandeln in Graubereichen bis zu Formen des Widerstands war in "den Kirchen" alles zu finden - abgesehen von regionalen und konfessionellen Unterschieden und den (historisch-wissenschaftlich hoch interessanten!) Entwicklungen auch z.B. der Zeugen Jehovas, Mormonen oder jüdischen Gemeinden. Und auch, dass sich der Kommunismus selbst wissenschaftlich-atheistisch "legitimierte" - was nicht bedeutet, dass wir diesen Anspruch anerkennen müssen.
Daher mein Plädoyer: Diese Themen besser gesondert seriös diskutieren, als sie in Witzform oder pauschal vergröbert abzuhandeln - zum Thema dieses Blogbeitrages gehören sie allenfalls am Rande.
Herzliche Grüße!
Michael
Ja, wir können zur Rolle der Kirchen in der DDR gerne mal einen eigenen Beitrag machen. Ich habe über die Birthler-Behörde ein Buch über die Verstrickungen von Stasi und Kirche, das ich gut und gern mal auf zwei Seiten zusammenfassen kann.
Hier nur noch so viel: Außer an den Pfarrer Christian Führer der Leipziger Nikolaikirche kann ich mich kaum an einen Christen unter den berühmten DDR-Dissidenten erinnern: Wolf Biermann?, Bärbel Bohley?, Jens Reich?, Robert Havemann?, Rudolf Bahro? oder Rainer Eppelmann?
Auf den Beitrag würde ich mich freuen!
Mir fielen kirchlicherseits z.B. die Ökumenischen Versammlungen ein, die kritische Diskussions- und Reflexionsprozesse auslösten und aus denen zahlreiche Dissidenten und demokratische Akteure hervorgingen:
http://de.wikipedia.org/...h%C3%B6pfung_in_der_DDR
Und natürlich war da auch noch, Jahrzehnte zuvor, Oskar Brüsewitz:
http://de.wikipedia.org/wiki/Oskar_Br%C3%BCsewitz
"Und natürlich war da auch noch, Jahrzehnte zuvor, Oskar Brüsewitz"
Am Tag seiner Beerdigung hat mein Vater Urlaub genommen und ist unerlaubterweise dorthin gefahren. Als er wieder zurückkam hat er mächtig Ärger bekommen.
Ansonsten kann ich dem was Edgar da schreibt so nicht zustimmen. Da halte ich ihn einfach nicht für objektiv genug. Aber das Thema Kirche in der DDR sollte woanders dikskutiert werden.
"MSS ist ein gescheiter und wirklich netter Kerl."
Das mag ja sein, daß er nett ist. Und daß er gescheit ist und mehr kann als mit so billigen Stammtischparolen hausieren zu gehen bestätigt ja nur meine Vermutung, daß er es böswillig auf die Religionen abgesehen hat. Wobei ich sagen muß, mir sind die Religionen egal, mich interessiert nur das Christentum und zwar eines, daß sich sehr nah am Leben und Werk von Jesus Christus orientiert.
Mich hat noch nie sonderlich die schöne Verpackung interessiert, sondern mehr der Inhalt. Und für diese tiefe Ablehnung von MSS kann ich ganz sicher keine schöne Worte finden. Er kann ja glauben, was er will, aber wenn er für eine Abschaffung des Christentums ist, was soll das? Fordere ich eine Abschaffung des Atheismus? Die Leute können machen, was sie wollen, nur die sollen mich mit Blödsinn verschonen.
Ich bin ja aus einem nichtchristlichem Elternhaus und mit 18 Jahren Christ geworden. Ich kenne eine Weltanschauung ohne Gott und eine mit Gott und ich sage so ein MSS weiß gar nicht, wovon er redet. Der hat nur die Möglichkeit von außen zu schauen. Und wenn man ein paar Jahre in die Kirche geht und am Gemeindeleben teilnimmt, ändert es nichts daran, es bleibt eine Sicht von außen. Zu einer Innenansicht kommt man erst, wenn man selbst anfängt zu glauben und mit Gott Erfahrungen macht. Das ist natürlich rein subjektiv, so wie die Liebe zu einem Menschen subjektiv ist, aber es ist ein guter Vergleich um Außenstehenden einen Ahnung zu vermitteln, worum es geht.
"Ja zu niveauvoller Religionskritik"
Damit kannst Du aber nicht MSS oder den Betroffenheitsschwulen Ralf König ("Ich habe Angst vor diesen Leuten") meinen.
Was macht MSS? Der greift wahllos Fehlentwicklungen und Mißstände der Religionen auf und macht da eine große Gefahr draus und die Lösung präsentiert er auch gleich mit nämlich Abschaffung. Dawkin steht ja für dasselbe ein und daß der aufgeklärte Mensch keine Religion mehr braucht habe ich schon vorher bei Metzinger in Gehirn & Geist gelesen. Nun diese Wahnsinnsargumentation ist wirklich sehr billig. Das kann sogar ich. Mal ein Beispiel? Die Chemieindustrie. Ich muß da gar nicht mal Sätze für formen, Schlagworte reichen.
Seveso, DDT, Contergan, vergifteter Rhein, Dünnsäure in der Nordsee, verkürzte Lebensalter bei Chemiemitarbeitern, Quecksilber verseuchte Fische, saurer Regen, tote Seen durch Überdünnung, ... die Chemie macht uns alle nur kaputt, deshalb müssen wir sie dringend abschaffen.
Ist das die Wahrheit? Ja, aber nur ein Teil und damit ist es nicht die Wahrheit, denn ohne Chemie ist unser heutige Leben nicht möglich. Der technische Fortschritt, die vielen Medikamenten und und und. Außerdem geht man mittlerweile anders mit der Umwelt um.
In diesem Sinne kann ich nur sagen, niveauvolle Religionskritik? Bitte sehr, aber nicht so eine miese Show von MSS und Konsorten.