Religion und Evolution - Auf dem Weg ins Darwinjahr
Manche haben die Neuauflage der endlosen Polemiken zwischen evolutionsbiologisch argumentierenden Religionskritikern und Kreationisten zum Darwinjahr erhofft, andere befürchtet. Doch schon im Vorfeld wird deutlich: Zumindest in Deutschland zeichnen sich viel interessantere Perspektiven ab, die beide Seiten neu fordern. Es verdichten sich Befunde und Diskussion zu einem besseren Verstände der Evolution von Religiosität - und damit auch neuen Ebenen des Dialoges auch zwischen Natur- und Geisteswissenschaften.
(Vgl. BGAEU-Artikel "Evolutiongeschichte der Religion" hier)
So haben allein in den letzten Tagen unterschiedlichste Medien (vom Handelsblatt (Artikel hier), über die FAZ (Artikel hier) und Prof. Ulrich Lüke hervorragend in der Tagespost (Artikel hier) bis zum Deutschlandfunk (mp3 hier)) aus der Evolutionsforschung zur Religiosität berichtet. Gleich zwei Sachbücher zum Thema (unser "Gott, Gene und Gehirn" (mit Rezensionen im Science-Shop hier) und Ulrich Schnabels "Vermessung des Glaubens") sind bisher von Rezensenten und Lesern sehr interessiert und freundlich aufgenommen worden. Suchbegriffe wie "Gretchenfrage" (zum Zusammenhang von Religion und sexueller Selektion) und "Evolution der Religiosität" erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Und auch im Fernsehen sind inzwischen Debatten zu dem Thema möglich, in denen Befunde (auch mit Humor) diskutiert werden und sich nicht mehr nur die sattsam bekannten Polemiken aufschaukeln... ;-)
Hinweis: Schamanenausstellung im Lindenmuseum Stuttgart
So anregend aber auch das Erheben und Diskutieren z.B. (neuro- und evolutionsbiologischer) Befunde, religionsdemografischer Daten und evolutionstheoretischer Modelle sein mögen - es bleiben auch noch z.B. ethnologische Schätze zu heben, die uns weiter vertiefte Einblicke auf die Natur des Menschen einschließlich seiner Religiosität - gewinnen lassen. So möchte ich auf die herausragende Ausstellung zum Schamanismus Sibiriens im Lindenmuseum Stuttgart hinweisen, die von deutschen und russischen Wissenschaftlern unter Leitung des Kurators Erich Kasten gemeinsam gestaltet worden ist (dem ich auf diesem Wege auch persönlich für Führung und Austausch danken möchte). (Mehr Informationen hier.)
In der Ausstellung werden einzigartige Exponate des Russischen Ethnographischen Museums (St. Petersburg) sowie des Linden-Museums gezeigt und lassen so sibirische Lebens- und Glaubenswelten lebendig werden. Schamanistische Elemente waren und sind auf der ganzen Welt zu finden, haben die Menschheitsgeschichte über Jahrtausende hinweg geprägt - und hier wird am Beispiel einer lebendigen, eindrucksvollen Völkervielfalt deutlich und nachvollziehbar, wie funktional der Bezug auf übernatürliche Akteure wie Ahnen, Geister und Götter über Jahrzehntausende sein konnte - und in einigen Regionen (nach dem Ende der kommunistischen Verfolgungen) auch wieder sein kann. Wer sich im Darwinjahr zum Reichtum menschlicher Kultur- und Evolutionsgeschichte des Menschen einschließlich seiner Religiosität anregen lassen möchte, dem kann ich Besuch und Katalog der Schamanismus-Ausstellung im Lindenmuseum Stuttgart nur von Herzen empfehlen.
Allen Leserinnen und Lesern des Blogs wünsche ich ein erfreuliches Neujahrsfest und ein erkenntnis- und erfolgreiches (Darwin-)Jahr 2009!
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"Ansonsten kann ich dem was Edgar da schreibt so nicht zustimmen. Da halte ich ihn einfach nicht für objektiv genug."
Ja, es mag durchaus sein, dass ich etwas befangen bin. Schließlich habe ich keinen christlichen Hintergrund. Doch soweit ich weiß, gab es tatsächlich keinen wirklich "christlichen Widerstand" gegen die SED-Diktatut. Wie gesagt, gehörte Schorlemmer dem "Neuen Forum" und Eppelmann dem "Demokratischen Aufbruch" an. Die überwiegende Mehrheit dieser Oppositionsbewegungen waren aber keine Christen. Die, die uns vielleicht am besten in Erinnerung sind, waren sogar Kommunisten, sogenannte "Reform-Kommunisten" wie eben Biermann oder Havemann oder Manfred Krug und Armin Müller-Stahl.
Ich weiß nicht, ob sie es tut, doch wenn sich die Kirche heute mit ihrem Widerstand brüsten sollte, ist er etwa genauso zu sehen, wie der Widerstand der Kirchen gegen das NS-Regime - es gab eine Handvoll Märtyrer, doch die überwiegende Mehrheit schwieg.
Hach, zwischen den Extremen fühle ich mich nun einmal am wohlsten - wenn die Prügel von beiden Seiten kommen, stimmt die Mitte. ;-)
Im Ernst: So wie Verkündigung zuspitzen darf, darf es auch Religionskritik. Und soweit dabei nicht nur billige Polemik geboten wird, kann dies zur Weiterentwicklung der Religion(en) nur beitragen. Auch Jesus, Buddha, Muhammad etc. waren scharfe und sehr zuspitzende Religionskritiker ihrer Zeit!
Profunde Religionskritik finde ich nicht nur als Wissenschaftler anregend, sondern auch als Person nicht bedrohlich. So wird in der Bibel den Glaubenden doch gar nicht Achtung und Respekt versprochen, sondern Hohn und Verfolgung angekündigt, die sie zu ertragen hätten. Auf meinem Private-Blog habe ich einen Text von Christoph Silber eingestellt, der endet: "Das Großartige an Gott ist doch gerade, wie ein Rabbiner mal zu mir sagte, dass wir ihn nicht verteidigen können. Nicht verteidigen müssen."
Diese Haltung der Gelassenheit hilft m.E. wissenschaftlich und imponiert mir auch menschlich. :-)
Bevor ich mit Leuten wie Richard Dawkins und Michael Schmidt-Salomon in ein und denselben Topf geworfen werde, will ich nur kurz versichern, dass mir in keinster Weise an der Abschaffung des Christentums oder irgendeiner anderen Religion gelegen ist. Mir würden die Kirchen, Moscheen, Synagogen und Tempel schon aus rein ästhetischen Erwägungen fehlen. Ich erkenne den Pluralismus der Menschen an und erfreue mich an ihm. Die beste Strategie, den Pluralismus zu schützen, scheint mir der Liberalismus zu bieten, der jeden nach seiner Facon selig werden lässt.
Wenn ich die christlichen Kirchen kritisiere, so geschieht dies vor allem aus einem politischen Grund: Wenn die Kleriker, wie sie es immer wieder versuchen, ihre Dogmen zu Gesetzen zu machen suchen, untergraben sie nicht nur die durch die Verfassung garantierte Trennung von Staat und Kirche, sondern bedrohen auch den Pluralismus in unserer Gesellschaft. Die Bürger dieses Staates sollen anhand ihrer je eigenen Weltanschauung und Religion entscheiden können, wie sie mit der Pille, dem Kondom, dem Schwangerschaftsabbruch oder der Sterbehilfe umgehen wollen. Mit anderen Worten: Es stört mich nur, wenn die Kirchen versuchen, allen anderen ihre Dogmen aufzuzwingen.
Ich bin sicher, dies ist ein Punkt, in dem Du, Michael und ich durchaus einer Meinung sind.
Thierse kann man auch noch hinzu zählen. Ansonsten müßte ich mal recherchieren, ob sich da noch ein paar Namen finden. Gibt ja einige, die danach wieder aus dem Lichte der Öffentlichkeit verschwanden.
Was gab es denn schon für einen Widerstand nach 53? Die Stasi hatte doch alles unter Kontrolle. Wir sind 1977 via Ausreiseantrag aus der DDR raus. Ich weiß dann nur von meinen Verwandten, daß es in den 80er losging mit dem Widerstand, als die Lage immer schlechter wurde. Begünstigt wurde das natürlich durch Solidarnosz und der polnische Papst - ich bin sonst kein Papstfan - zog da auch noch die Strippen im Hintergrund. Zudem Gorbatschow mit seiner ganz neuen Politik. Vorher war Widerstand doch eher nur so Verzweiflungstaten, wie man an Brüsewitz sehen konnte.
Ich behaupte auch nicht, daß es ein großartiger christlicher Widerstand war, aber Du solltest die Rolle der Kirche auch nicht schmälern. Immerhin konnten sich die Leute in den Kirchen versammeln, sich organisieren und ansammeln. Das ist nicht ganz unwichtig, zumal Kirchen normalerweise unpolitisch sind.
Die Kirchen brüsten sich eigentlich nicht mit dem Widerstand. Nur Herr Kohl erzählt ja ab und an, daß er von den Kirchen enttäuscht ist, weil sie bei der Wiedervereinigung nicht die Glocken haben läuten lassen und dann verweisen sie darauf, daß sie ihren Tiel zu Wiedervereinigung bereits geleistet haben.
Michael, wo schlage ich denn auf Dich ein? Ich bin ja immer noch am Grübeln über Deine These, vielleicht brüte ich da ja auch noch so ein schönes Ei aus. ;-) Aber Kritik an Deinem Standpunkt kommt von mir ja gar nicht so viel.
Meines Erachtens ist Kritik am Christentum von außen gar nicht nötig (allerdings habe ich nichts gegen niveauvolle Kritik). Du hast Jesus als Beispiel genannt, der sich mit dem Klerus der damaligen Zeit auseinandergesetzt hat und deren "Gottes-Monopol" streitig machte. Ich habe mal in die Geschichte des Christentums geblickt und mir die Fehlentwicklungen genauer angesehen und mich gefragt, wie man das hätte verhindern können. Nun die Antwort ist ganz einfach. Da muß man sich nur mal den jungen Luther anschauen. Er ahnte, daß da irgendwas nicht stimmt und sein Mentor empfahl ihm die Bibel zu lesen, wovon er anfangs nicht begeistert war. Vor allem im Neuen Testament fand er dann, was er suchte. Den gnädigen Gott, den Paulus in seinem Römerbrief so hervorragend herausgearbeitet hat. Und dann machte er sich dran die Fehlentwicklungen zu bekämpfen. Leider wurde sein geistlicher Kampf auch politisch ausgenutzt, aber so ist es ja meistens.
Meines Erachtens müßten wir viel genauer die Bibel beachten. Wir nennen uns Christen, also sollten wir auch mal genauer hinsehen, was Christus wollte. Diese Fehlentwicklung "Deutsche Christen" wäre das möglich gewesen, wenn man Jesu Lehre ernster genommen hätte? Woher hatte Bonhoeffer seinen Antrieb?
Die Lehre des Christentums gibt es nun schon rund zweitausend Jahre. Ist sie überholt? Was schrieb beispielsweise Paulus? Geldgier ist die Wurzel allen Übels? Ist das überholt? Nein, das ist brandaktuell. Ich finde es immer wieder erstaunlich wie gut die Leitpfaden der Lehre Jesu auf unsere Zeit passen. Wir müssten sie nur ernster nehmen und mutiger leben, aber das ist auch nicht so einfach.
Lieber Edgar,
ja, in der Befürwortung eines freiheitlichen und wettbewerblichen Systems sowie der notwendigen Unterscheidung von Kirche(n) und Staat stimmen wir überein. Wobei die sehr strikte Staat-Kirchen-Trennung der USA dann eben auch besonders strikte (und z.B. oft kreationistische) Strömungen begünstigt - dagegen schützt z.B. unser deutsches System theologischer Lehrstühle und schulischen Religionsunterrichts. Die wirklich spannenden Debatten, wie eine religiös-weltanschauliche Wettbewerbsordnung idealerweise aussehen sollte, liegen also noch vor uns, die meisten Leute haben sich darüber noch nie Gedanken gemacht. Und ich darf an dieser Stelle schon mal versprechen, dass es dazu in den kommenden Wochen und Monaten einiges zu lesen geben wird. :-)
Darf ich jetzt wieder freundlich darum bitten, das Thema des Blogbeitrages ins Auge zu fassen? Die muntere DDR-Debatte führen wir dann in Edgars Blog und beim Apfelschorle in Deidesheim, ja!? ;-)
Herzliche Grüße!
Michael
Mit Deinem Standpunkt, Edgar, habe ich überhaupt kein Problem. Dsa ist ja im Prinzip auch ein alter preußischer Standpunkt. Der alte Fritz sagte es ja bereits, daß jeder nach seiner Facon glücklich werden soll.
Allerdings weiß ich nicht, ob Kirchen ihre Glaubenssätze zu Gesetze machen wollen. Oder anders gesagt, wie kommen denn unsere Gesetze zustande? Doch indem man bestimmten Glaubenssätzen folgt. Das kann auch der Glaubenssatz des Naturalismus sein, der davon ausgeht, eine befruchtete Eizelle ist ein Zellklumpen und mehr nicht. Ich wüßte nicht, warum der Naturalismus eine Deutungshoheit über das Leben haben sollte. Und wenn Menschen sich organisieren und sich dann für ihre Interesse einsetzen, die dann in Gesetzen mündet, das nennt man doch Demokratie oder nicht? Oder empfindest Du das als Lobby? Sollen die Kirchen zu Sterbehilfe und Abtreibung schweigen?
"Michael, wo schlage ich denn auf Dich ein?"
Nein, Du schlägerst nicht, lieber Martin. Es ist mir vielmehr in den letzten Tagen (und auch hier in diesem Blogbeitrag) interessanterweise mehrfach passiert, dass ich die Giordano-Bruno-Stiftung und Michael Schmidt-Salomon in Schutz nahm - während andere (wie @Sapere aude oder @kamenin) mir weiter vorhielten, ich wäre zu religionsfreundlich. Und dieses "Kreuzfeuer" empfinde ich eigentlich als sehr schönen Hinweis darauf, die eigene Mitte definiert zu haben. :-)
Zur "Religionskritik von außen": Ja, nur sind (wir) Christen offenkundig nicht so perfekt, wie wir sein wollten oder sollten. Vielleicht braucht es also doch auch die Kritik von außen? Denn Du schreibst ja richtig, dass es die Fehlentwicklungen gab und gibt, also scheint Kritik von innen nicht immer zu fruchten. Und zudem ist Christen Hohn und Spott angekündigt, niveauvolle Religionskritik also eine richtige Labsal! :-)
Meine persönliche Lieblingsstelle dazu ist ja das Gleichnis vom Samariter. Da stellt Jesus den Angehörigen einer religiösen Abspaltung als moralisches Vorbild über je einen Priester und Frommen! Wow! Welcher Prediger würde sich heute noch trauen zu sagen, hey, dieser Muslim, Hindu oder Atheist kann uns ein größeres Vorbild als der Bischof oder Fromme sein?
Aber auch damit verlassen wir den Blogbeitrag, zumal diese Diskussion jetzt eher theologisch als religionswissenschaftlich geworden ist. Dennoch fand ich sie anregend und gut, danke dafür! :-)
Nur weil uns Hohn und Spott angekündigt ist, heißt es ja nicht zugleich, daß wir das alles so hinnehmen müssen, gell.
Ich habe Dich auch schon verstanden zu was Kritik von außen nütze sein kann. Aber mein Punkt war ja, daß man sich von der Bibel zu wenig kritisieren läßt. Und damit werfe ich den Kirchen vor, daß sie sich zu wenig nach diesem Jesus Christus ausrichten und infolge dessen wieder in eine falsche Richtung gehen.
Aber gut belassen wir es nun dabei. Soll ja kein Theolog hier werden. :-)
verstanden, als ich damals 89 vor dem Fernseher saß und alle naslang abgehoben wurde auf die Rolle der christlichen Kirchen bei den Montagsdemonstrationen.
Also mich stört es nicht, wenn alles nur auf Humanismus und menschliche Vernunft und den kategorischen Imperativ begründet war.
Ich wollte ganz bestimmt nichts dafür tun, dass die Kirchen sich brüsten könnten, irgendwas zur Freiheit, zur Menschenwürde, zur Entwicklung der Vorstellung der menschl. Person und zum Pluralismus beigetragen zu haben. Sie stehen für das strikte Gegenteil und dabei soll es doch bitteschön bleiben. Alles andere stört ja nur. Ich verstehe das.
... Elsa leicht pikiert! Schöööön!!!!!
- Mal ehrlich, es wäre uns doch in den letzten 500 Jahren Geistesgeschichte sehr , sehr schnell langweilig geworden, wenn wir die Kirchen nicht gehabt hätten, oder etwa nicht?
Was wäre die Geistesgeschichte ohne Luther, ohne Voltaire, ohne Rousseau, ohne Lessing, ohne Schillers "Don Carlos", ohne Hölderlins "Empedokles", ohne Nietzsche etc. pp.? Der menschliche Stolz und das menschliche Denken hätten ja niemals so viel Gelegenheit gehabt, sich in Empörung aufzurichten, emphatisch zu werden, dem großen emphatischen Demagogen Jesus ("Ich aber sage Euch ...!") gleichen zu wollen, wenn sie alle nicht diese alte, archaische Gegenkraft gehabt hätten, an der sie sich ständig abarbeiten mußten - aus einem inneren Zwang heraus.
Ich fände es schade, wenn man das alles ... "verniedlichen", wegdiskutieren wollte, als hätte es solche Auseinandersetzungen nie gegeben, nie geben - "müssen". Man kann sie doch schon deshalb lieben, die Monotheisten, weil sie - und nur sie - einem erst wirklich voll zum Bewußtsein bringen, daß man anders ist oder daß man es zumindest anders haben möchte. Daß sie uns und die Menschheit auf diese "exzentrische Bahn" gebracht haben, die uns - vermutlich in späterer Zeit - vielleicht auf eine höhere Stufe der Menschheitsentwicklung bringen wird.
Wie fade wäre vielleicht ohne sie die Weltgeschichte gewesen? Und wie fade wäre es sogar noch heute, wenn sie sich so ganz und gar auf die Seite des Fortschrittes in der Menschheit stellen würden und immer vorneweg und Avantgarde gewesen wären oder wären. Dann doch erst hätten wir überhaupt nichts mehr zum Empören gehabt - und zum Lachen. (Man denke etwa an Wilhelm Busch's "Fromme Helene".)
... Und ebensowenig hier zum Diskutieren. (Deshalb ist es so schön, wenn es ab und an auch einfach mal nur Pikierte gibt ... Ah, ich weiß schon, Elsa kann nicht nur pikiert sein, sondern auch mit Emphase von den "seidenen Satteldecken" der Glaubensritter sprechen lassen, die ihnen doch gar nicht zukommen, diese "seidenen Satteldecken" ...
http://elsalaska.twoday.net/stories/5156660/ )
Doch: Schön. (Auch das.)
Verstehe ich Dich richtig - Du siehst den Monotheismus bzw. die Monotheisten (alle?) als eine (notwendige, dann aber zu überwindende) Phase des Geschichtsprozesses?
Ja, genau.
Aber Vorsicht, ich habe für diese These nicht gleich exakt meßbare, empirische Belege, Beweise vorzuweisen. Aber ich denke in der Tat, daß sich Geschichte dialektisch vollzieht (oder eben: auf einer "exzentrischen Bahn"). Und ich denke, daß man in eine solche Geschichtsinterpretation viele geschichtliche Tatsachen recht harmonisch und passend einordnen kann.
Aber vielleicht sollte man dann auch den Hinweis des "Ältesten Systemprogramms" beachten, daß man
"in nichts geistreich sein (kann), selbst über Geschichte kann man nicht geistreich raisonnieren – ohne ästhetischen Sinn." Ach, und der Text ist zu schön, als daß man hier schon im Zitieren stoppen könnte, er fährt nämlich fort:
"Hier soll offenbar werden, woran es eigentlich den Menschen fehlt, die keine Ideen verstehen – und treuherzig genug gestehen, daß ihnen alles dunkel ist, sobald es über Tabellen und Register hinausgeht.
Die Poesie bekommt dadurch eine höhere Würde, sie wird am Ende wieder, was sie am Anfang war – Lehrerin der Menschheit; denn es gibt keine Philosophie, keine Geschichte mehr, die Dichtkunst allein wird alle übrigen Wissenschaften und Künste überleben."
Naja, die Leute waren sehr jung und emphatisch, die das damals formulierten ... Hatten noch nicht mal ihre Doktorarbeiten geschrieben ... ;-) (Außerdem waren sie wohl verliebt ...)
Hier, in diesen Worten, ist Hölderlins Lehre von der exzentrischen Bahn - ziemlich kurz freilich - zusammengefaßt. (Aber wenn man Hölderlin richtig liest, findet man diese Lehre praktisch ÜBERALL in seinen Werken wieder.)
"Wir durchlaufen alle eine exzentrische Bahn, und es ist kein anderer Weg möglich von der Kindheit zur Vollendung.
Die selige Einigkeit, das Seyn, im einzigen Sinne des Worts, ist für uns verloren und wir mußten es verlieren, wenn wir es erstreben, erringen sollten. Wir reißen uns los vom friedlichen Hen kai pan der Welt, um es herzustellen, durch uns Selbst. Wir sind zerfallen mit der Natur, und was einst, wie man glauben kann, Eins war, widerstreitet sich jezt, und Herrschaft und Knechtschaft wechselt auf beiden Seiten. Oft ist uns, als wäre die Welt Alles und wir Nichts, oft aber auch, als wären wir Alles und die Welt nichts. Auch Hyperion theilte sich unter diese beiden Extreme.
Jenen ewigen Widerstreit zwischen unserem Selbst und der Welt zu endigen, den Frieden alles Friedens, der höher ist, denn alle Vernunft, den wiederzubringen, uns mit der Natur zu vereinigen zu einem unendlichen Ganzen, das ist das Ziel all´unseres Strebens, wir mögen uns darüber verstehen oder nicht.
Aber weder unser Wissen noch unser Handeln gelangt in irgend einer Periode des Daseyns dahin, wo aller Widerstreit aufhört, wo Alles Eins ist; die bestimmte Linie vereiniget sich mit der unbestimmten nur in unendlicher Annäherung.
Wir hätten auch keine Ahndung von jenem unendlichen Frieden, von jenem Seyn, im einzigen Sinne des Worts, wir strebten gar nicht, die Natur mit uns zu vereinigen, wir dächten und wir handelten nicht, es wäre überhaupt gar nichts, (für uns) wir wären selbst nichts, (für uns) wenn nicht dennoch jene unendliche Vereinigung, jenes Seyn, im einzigen Sinne des Worts vorhanden wäre. Es ist vorhanden ? als Schönheit; es wartet, um mit Hyperion zu reden, ein neues Reich auf uns, wo die Schönheit Königin ist."
http://www.onomato.de/index.php?id=190
In der Diskussion mit dem Neoatheismus wird deutlich, dass wir unsere Kultur so nicht im Licht der Evolution weiterbringen.
-Der Naturalismus verkürzt den Menschen meist auf ein Zombie zur mechanistischen Genmaximierung, das ohne Geist, Gefühl, Emotion, Kultur ... bzw. ohne sich einer vernünfige Einbindung in ein vernüftiges evolutionäres Geschehen im Ganzen bewusst machen zu müssen.(Um als Geistaffe im Welt-Ameisenstaat tauglich zu sein).
Aus Angst vor vorgesetzten (buchstäblichen und persönlichen) Göttern, un/übernatürlichen Erklärungen wird jede kreative=schöpferische Bestimmung verneint, schließt es sich aus, im evolutionären Verlauf genau das wahrzunehmen, was zur jüdisch-griechischen Zeitenwende als "Wort/Logos" die maßgende Größe war.
-Doch auch die Glaubenslehre, die sagt, sie würde die Evolution wissenschaftlich weiterdenken, bleibt auf alte Weise nur an neuen Gottesbeweisen hängen, hört nicht auf ein Wort/eine weltvernünftige kreative=schöpferische Bestimmung, die aus dem kreativen Kosmos, der evolutionsbiologischen Beschreibung, die über den Zombie hinausgeht, abzuleiten wäre.
Selbst von den Naturalisten anerkannte Wissenschaftler, die sich gegen einen "Verstaubten Darwinismus" wenden, bleiben in diesem Fahrwasser, suchen auch in Bezugnahme auf die Prozesstheologie nur nach neuen Erklärungslücken, wollen neue Welterklärungen geben, statt im Prozess der evolutionären Logik eine kreative=schöpferische Bestimmung zu hinterfragen, die einst als Wort galt.
Doch genau diese Problematik heutiger Theologie wird vom neuen Atheismus thematisiert und muss auf neue Weise beantwortet werden.
Ähm, also das mit dem Zombie finde ich etwas übertrieben ...
Um übrigens "Logos", also wohl doch Gesetzmäßigkeiten (?) im Evolutionsverlauf festzustellen, brauche ich doch keinen übernatürlichen Gott. Wieso?
@Ingo,
den "Zombie" habe ich dem Michael Pauen entnommen, einem Philosophen, der im aktuelle "Spektrum der Wissenschaft" die Kurzsichtigkeit des Naturalismus anprangerte, hinsichtlich der Hirnforschung bzw. des menschlichen Bewusstseins bei der Betrachtung einer "menschlichen Natur" mehr verlangte, als heute ausgewertet wird. Dort auch viele scheinbare Phänomene, die wir als Seele bezeichnen, ganz logisch beurteile und deren Berücksichtigung auch bei naturphilosophischer Beurteilung verlangte, wie sie heute der Naturalismus abgibt.
Nein, um eine kreative=schöpferische Logik (gr. Logos) im Naturverlauf festzustellen, brauch ich keinen als übernatürlich vorgesetzten Gott. Auch wenn mir das in meiner Diskussion mit Naturalisten permanent unterstellt wird und dann selbst das abgestritten wird, was bereits für die antike Naturwissenschaft logisch war, im Fluss des Werdens fesgesellt wurde. (Wenn auch nicht auf die heute empirische Weise.)
Als Christ gehe ich im Kontext meiner Glaubensaufklärung davon aus, dass die Logik des evolutionären Lebensflusses (gr. Logos, chr. Jesus)nicht selbst ein geheimnisvoller Gott ist, sondern als (kreativ=schöpferische und menschliche Wesenheit/Person=Aufgabe,Rolle)lebendige Offenbarung und Wegweisung auf den "Einen", "Unsagbaren", verweist, den meine Väter Schöpfer nannten.
Als Reform-Jude will ich im evolutionären Werden bzw. Geschichtsverlauf der menschlichen Kultur das biblisch beschriebene "Wort" (die schöpferische Vernunft/Logik/Weisheit) hören, die lt. heutigen Wissens auch am des Monotheismus verstanden wurde, für ersten Wandel vom Myhtos zum Logos führte. Und nur daran will ich mich halten.
Genau das macht m.E. den Paradigmenwechsel vom geheimnisvollen Stammesmythos, persönlichen Götterbildern, vorgesetzten Gründer-Guru zum universalen schöpferischen Logos/Wort aus, der vor 2000 Jahren war und auch heute wieder zu einer echt ökumenischen Bestimmung führt.
Lieber Martin,
ich hocke gerade ohne die Chronologs-Zugangscodes im Ausland - und irgendwie ist der Beitrag nicht erschienen, der auf heute Nacht eingestellt worden war.
Wärest Du so nett, ihn anzuknpisen (irgendwas habe ich wohl falsch getippt, vielleicht das Datum?). Danke, das wäre klasse!
Liebe Grüße aus Washington
Michael
Jetzt ist der Beitrag da! (Hast Du das im Schlaf gemacht?) ;-)
Grüße übern Ozean!
Michael
Falls Du geglaubt hast, das mit den Heinzelmännchen wäre eine unglaubwürdige Sage, das stimmt einfach nicht, wie Du siehst. ;-)