USA 2009 - Blogberichte aus einer Gesellschaft im Wandel
von Michael Blume, 14. Januar 2009, 01:26
Was bedeutet die Wahl von Barack Hussein Obama zum Präsidenten der Vereinigten Staaten? Wie vollzieht sich der Regierungswechsel? Was bedeutet - Change, we can believe in? Ein Wechsel, an den (auch) wir glauben können? Was geschieht in, mit, durch die USA? Auf diese Fragen möchte ich in den nächsten Wochen (sicher erst einmal subjektive) Antworten suchen - und aus den Vereinigten Staaten bloggend berichten.
US-Reise: International Visitor Leadership Program
Gemeinsam mit etwa 20 weiteren Teilnehmern (je eine Person aus Ländern von Australien bis zur West Bank, von Nigeria bis China) geht es im Rahmen des International Visitor Leadership Program des State Department zu Begegnungen und Gesprächen mit Wissenschaftlern, Politikern, NGOs und Religionsgemeinschaften durch die Vereinigten Staaten. Botschafter Timken, Konsul Morris, seinem wunderbaren Team und allen weiteren Beteiligten möchte ich für diese Einladung herzlich danken!
USA-Berichte im Blog religionswissenschaft.twoday.net
Wenn diese Zeilen erscheinen, ist das Flugzeug schon in der Luft - und ich bin sehr neugierig und gespannt auf die kommenden Wochen.
Auf Anregung meiner Eltern möchte ich gerne versuchen, im Blog religionswissenschaft.twoday (also hier) immer wieder "live" und schlaglichtartig aus den Staaten zu berichten und hoffe, dass die Technik und Kondition mitspielen. Stärker wissenschaftliche Reflektionen (z.B. zu zivilreligiösen Ritualen rund um die Amtseinführung des Präsidenten o.ä.) möchte ich dann, sobald es die Zeit erlaubt, wieder hier in "Natur des Glaubens" einstellen.
Es würde mich freuen, wenn Sie hin und wieder vorbeischauen!
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Bin in Washington angekommen, der erste (kurze) Beitrag ist online.
http://religionswissenschaft.twoday.net/...P+2009/
Lieber Michael, das hört sich sehr spannend an. Ich wünsche dir eine schöne Zeit und bin auf deine nächsten Beiträge gespannt.
Meine amerikanischen Freunde fiebern dem 20.1. entgegen. Alle haben die Hoffnung, dass sich mit Obama viele Dinge ändern werden. Zumindest scheint er jmd. zu sein, der den Dialog sucht.
Alles gute,
Hussein
Das ist ja spannend in dieser Zeit mitbeobachten zu können wie der Wechsel über die Bühne geht und welche Stimmung dort herrscht. Aber ich gönne es Dir, Michael.
Die andauernde Schwärmerei für Obama (leider kann ich hier die erstreckenden Fotos von der Wahlnachtekstase nicht hochladen) zeigt, wie rassistisch unsere Welt ist. Vergebens hat man sich gedacht, die Zeiten wären vorbei, in denen ausgerechnet der Hautfarbe eines Präsidentschaftskandidaten die größte Bedeutung zukommt (im euphemistischen Sprachgebrauch: "ein Zeichen setzen" etc.).
Dass McCain unter diesen Umständen überhaupt ganze 46% der Bürgerstimmen erhalten konnte, finde ich erstaunlich. Ob das bedeutet, dass der Rassismus in den USA schwächer ist als sonstwo, vermag ich nicht zu sagen, aber als Vermutung erscheint es mir erst mal plausibel.
Dass um den "Führer der freien Welt" (ob das mit Obama überhaupt so weitergehen könnte?) solch unverhohlener Personenkult tobt, finde ich entsetzend. Die "Goldene Zeit", die mit dem Kriegsbeitritt 1917 begonnen hat, scheint vorbei zu sein. Wer könnte jetzt noch ein Gegengewicht zu Brüssel & Co. bilden?
Also, persönlich finde ich Barack Obama nicht trotz oder wegen seiner Hautfarbe politisch ansprechend, sondern wegen einer Politik, die endlich wieder Dialog, Vernunft und Mäßigung (auch z.B. gegenüber Muslimen, die Du ja leider negativ siehst) zu versprechen scheint. Auch Obama wird US-Präsident sein und US-Interessen vertreten, klar. Aber schon die Schließung von Guantanamo, die Bereitschaft zu mehr multilateraler Zusammenarbeit etc. weist in die richtige Richtung.
Ja, danke für Eure freundlichen Grüße! Es ist zwar sehr kalt, aber ungemein spannennd hier. Gerade sitze ich neben dem Kollegen aus Bahrain, vorhin gabs ein Gespräch mit einer Palästinenserin, einem Chinesen und einem Kosovaren, der letzte Vortragende war American Arab (and proud to be American)... Amerika so mit einem internationalen Team kennen zu lernen und zu reflektieren ist sehr faszinierend! Ich möchte täglich einen Beitrag schreiben, hoffe, es klappt.
Alles Liebe, bis bald!
Naja, meine Beobachtung basierte nicht auf dem Fall "Michael Blume".
"Muslimen, die Du ja leider negativ siehst" - kannst du das belegen? Oder wirst du jetzt zu meinem "Thilo"?
Nö, dazu mag ich Dich viel zu gerne. Sonst hätte mich manches Posting der letzten Tage von Dir ja auch nicht so irritiert!
Aber Du kriegst die Kurve, I am sure. Sonst muss ich ja den Glauben in die Menschheit aufgeben! Und das tut man hier in den USA nicht, hier heißt es derzeit: Change, we can believe in! :-)
Bis bald!
Michael
Die Begeisterung für Obama ist sehr verständlich. Aber man muss seine Politik nüchtern einschätzen. Der bekannte Professor für Linguistik Noam Chomsky hat das in der Zeitung "Rheinischer Merkur" am 15.1. S.20 getan.Er kommt zu wenig schönen Einsichten. Chomsky ist übrigens ein ehemaliger Zionist, der heute die amerikanische und israelische Politik äußerst kritisch sieht.
Sehe ich auch so. Politiker sind Menschen und als solche zu betrachten. Darauf weisen aber z.B. auch die amerikanischen Kirchen, Synagogen, Moscheen und Tempel sowie Obama selbst hin. Eine Impression zum Beispiel hier:
http://religionswissenschaft.twoday.net/...455303/
Mir erschiene sowohl eine "Vergötzung" problematisch wie andererseits auch eine zynische Abwertung. Die US-amerikanischen Wähler haben einen genuinen Wunsch nach Wandel ausgesprochen und feiern sich und ihre Demokratie derzeit erleichtert selbst. Danach geht's dann aber eben auch an die Tagesarbeit - und die kann und wird nicht nur Jubel hervorrufen. Hoffnung, gerade auch im Hinblick auf den Nahost-Friedensprozess, hege ich mittelfristig dennoch und finde es bemerkenswert, dass der US-Präsident die muslimische Welt heute in seiner Einführungsrede direkt und konstruktiv angesprochen hat.