Gretchenfrage - Werden religiöse Frauen unterschätzt? Religiosität und Sexuelle Selektion
Frauen sind weltweit durchschnittlich religiöser und religiös engagierter als Männer - gerade auch in gebildeten und freiheitlichen Gesellschaften, unter Bildungsbürgern und an Universitäten. Konfessionslosigkeit und Atheismus sind dagegen meist Männersache. Für vor-naturwissenschaftliche Theorien ist das ein (gerne verschwiegenes) Problem: Sollten Frauen etwa besonders erwählt sein? Oder gar intellektuell oder psychologisch defizitär (vulgo: "dumm"?)? Anfälliger für Manipulation und "Gotteswahn"? Von wegen! Die Evolutionsforschung zur Religiosität bietet neue, biologisch fundierte Antworten, die eine starke Rolle religiöser Frauen belegen - und die schon Johann Wolfgang von Goethe erahnte...
"Die katholische Kirche ist eine Kirche von Frauen, die von Männern geleitet wird.", bringt die Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken Magdalena Bogner die Situation auf den Punkt. Und tatsächlich: Nach praktisch allem, was die Religionssoziologe gemessen hat, beten Frauen weltweit häufiger und gehören entschiedener zu religiösen Gemeinden, auch wenn in diesen meist Männer die öffentlich sichtbaren Rollen dominieren. Dagegen sind Konfessionslose überwiegend Männer (Schweiz 54%, USA 59% etc.). Und auch der pro-atheistische Cambridge Companion to Atheism (2007) merkt im Kapitel zum psychologischen Profil an, dass Atheisten überwiegend männlich sind sowie Ehe und andere Verbindlichkeiten eher meiden. So glaubten in den USA 72,5% der Männer an die Existenz Gottes - aber gar 86,8% der Frauen (S. 301).
Was manchen Soziologen, Psychologen und Philosophen, aber auch Theologen über Jahrzehnte in Verlegenheit und dann Verdrängungskünste stürzte - wird durch den Einbezug biologischer Grundlagen schlüssig erklärbar. Aus evolutionsbiologischer Perspektive zeigt sich: Nein, religiöse Frauen sind ganz und gar nicht dumm, ihre stärkere, religiöse Veranlagung ist bio-logisch.
Betrachtet man zum Beispiel, wie sich in einem freien Land ehrenamtliches Engagement verteilt, sind Präferenzen klar erkennbar: Männer streben öfter nach den sichtbaren Helden- und Retterrollen, Frauen engagieren sich häufiger für Kinder, Soziales - und Religion. Die Herren genießen es, sich als tatkräftig und mächtig (und also potentiell attraktive Bündnis- und Sexualpartner) zu präsentieren. Frauen, die mit jeder Geburt ein hohes Investment und Risiko leisten, tendieren dagegen v.a. dazu, ein Umfeld zu schaffen, in dem Familien und Kinder dann auch gedeihen können.
Und es war (und ist) dabei für beide Partner (besonders aber für Frauen) biologisch klug, nach jedem Indiz für loyale Partner zu schauen.
Die Gretchenfrage
Auftritt Goethe: Nach dem tragisch-wahren Schicksal der Susanna Brandt erzählte er ab 1772 von Gretchen, die von "Faust" erst geschwängert, dann verlassen und zuletzt, nach verzweifeltem Kindsmord, hingerichtet wurde. Die Schlüsselszene dabei ist die zum Sprichwort gewordene "Gretchenfrage", in der die Frau vor genau obigem Konflikt die Verläßlichkeit des zum Beischlaf drängenden Mannes zu testen versucht. Und fragt Gretchen nach Kontostand, Titeln oder Vertrag? Nein - die Gretchenfrage lautet: "Sag, wie hast Du's mit der Religion?"
Faust weiß sofort, was hier eigentlich gefragt wird, verspricht eilfertig "Leib und Blut" und bietet eine agnostische Mischung aus Pantheismus und konfessionsloser Unverbindlichkeit an. Gretchens Verderben wird, dass sie sich damit abspeisen lässt. Und auch Goethes Teufel, Mephistopheles, spottet zielsicher: „Ich hab's ausführlich wohl vernommen, Herr Doktor wurden da katechisiert; Hoff, es soll Ihnen wohl bekommen. Die Mädels sind doch sehr interessiert, ob einer fromm und schlicht nach altem Brauch. Sie denken: duckt er da, folgt er uns eben auch.“ (Alle Zitate Faust, Kapitel 16, Marthens Garten)
Und - tatsächlich, Goethe hat korrekt beobachtet, was auch heutige Forschung bestätigt: Religiöse Paare kooperieren empirisch beobachtbar verbindlicher. Sie leben seltener unverheiratet zusammen und erziehen Kinder häufiger gemeinsam. Mitglieder von Religionsgemeinschaften leben seltener als Singles, haben insgesamt mehr Kinder und werden dabei viel seltener Alleinerziehende als Konfessionslose - so die klare Datenlage der Schweizer Volkszählung.
Zudem sprechen sich Mitglieder gewachsener Religionsgemeinschaften auch entschiedener gegen sexuelle Untreue aus - und auch erste Gentests sprechen dafür, dass der Glaube an übernatürliche und allessehende Beobachter (Ahnen, Götter, Gott) Kooperation zu fördern und hier konkret Untreue-Raten zu vermindern vermag.
Sogar unterschiedliche Glaubenspräferenzen der Geschlechter lassen sich beobachten: So bevorzugen Kasseler Studentinnen stärker klassische Glaubensinhalte (Leben nach dem Tod, Wirkung von Gebet etc.), wogegen Männer Berichte von UFOs und Außerirdischen (Technologie, Macht, Heldentum) für glaubwürdiger halten (Grafik hier, S. 9). Auch bemühen sich Männer häufiger um die sichtbaren, religiösen Rollen, wollen ihre Frömmigkeit auch öffentlich zeigen. Wussten Sie z.B., dass noch im 8./9.Jahrhundert u.Z. vor allem schiitische Frauen den Tod des Kalifen Ali beweinten? Inzwischen sind es fast ausschließlich Männer, die sich in langen Prozessionen auch schon mal blutig schlagen und damit ihre Liebe zu Gott und Trauer um Ali aller Welt (einschließlich der zuschauenden Damen) beweisen. Entsprechende Beobachtungen sind in allen Welt- und Stammesreligionen zu machen.
Aber bezieht man die weniger und nicht öffentlichen Aktivitäten ein, die das Gemeindeleben letztlich tragen, sind eben doch stets die Frauen religiös engagierter und gerade auch Gretchen fragt Faust ja nicht nach "irgendeiner" Religiosität (es ist ja ihr Verderben, dass sie eine solche akzeptiert!), sondern nach der kirchlich-sozial beglaubigten ("katechisierten") Form. Ein verläßlicher Lebenspartner ist nicht, wer ständig Privatoffenbarungen empfängt, sondern wer sich auch religiös einfügt.
Früher Monotheismus - eine starke Option für Frauen
Dass derzeit gerade auch in freiheitlichen Gesellschaften Frauen in Gemeinschaften mit festen Rollenbildern und Engagement für Kinder- und Familienbelange konvertieren und ihren Glauben gerne auch sichtbar machen, ist dabei gar kein neuartiges Phänomen. Auch in der demografisch zerfallenden Welt der römisch-griechischen Spätantike fand die monotheistische Botschaft eines in Ehe- und Familienfragen absolut verbindlichen Eingottes, der Ehebruch, Abtreibung und Kindesaussetzung ablehnte, den stärksten Widerhall unter - den Frauen bis in die Mittel- und Oberschichten. Dies, die starke Solidarität nach innen und der mit all dem einhergehende "Babyboom" begünstigten die Ausbreitung der neuen Religion auch gegen den Staatsapparat - so am 22.03.2008 auch der religionskritische SPIEGEL.
Für den Islam galt Entsprechendes: Der erste Mensch, der Muhammad als Gottesgesandten anerkannte, war seine Frau Chadidscha - verbot doch der Koran u.a. Abtreibung und Kindes- (vor allem Mädchen-)mord, schränkte die Polygynie ein, räumte Ehefrauen Erbrechte ein, verpflichtete die Gemeinschaften auf den Schutz von Eheverträgen, Witwen und Waisen u.v.m.
Niemand bestreitet: Auch religiöse Gemeinschaften können grausam fehlgehen und insbesondere in patrilokalen Agrargesellschaften zu Mitteln von Gewalt und Unterdrückung verfallen. Aber wahr ist auch: Wo immer positive wie negative Religionsfreiheit geachtet werden, organisieren sich (wie Friedrich August von Hayek erkannte) religiöse Systeme im demografischen Wettbewerb selbst - zu mehr kooperativem, reproduktivem und damit insgesamt evolutionsbiologischem Erfolg.
Nein, Gretchen war nicht dumm. Sie hätte einfach auf sich hören sollen...
(Ausführlicher und mit weiteren Zahlen, Daten und Studien zur Gretchenfrage bzw. der Forschung zur Religiosität & Sexuellen Selektion, beispielsweise zur Einschätzung von Ehebruch unter religiösen wie konfessionslosen Männern und Frauen, in "Gott, Gene und Gehirn", Hirzel 2008/2009:)
http://www.chronologs.de/chrono/onward.php?url=http://www.science-shop.de/artikel/969531
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Lieber Herr Cramer,
herzlichen Dank für Ihren Beitrag. Allerdings habe ich Sie so verstanden, dass Sie mehrfach die Wortbedeutung von "besser" gewechselt haben: Einmal korrekt empirisch deskriptiv zur Frage, ob religiöse Menschen überhaupt mehr Kinder in die Welt setzten und einmal normativ, ob dies "besser" im absoluten Sinne (z.B. im Hinblick auf die Weltbevölkerung) sei.
Zur ersten Frage: Ja, die ist hundertfach überprüft, es gibt m.E. keinen empirischen Zweifel mehr: religiöse Menschen haben weltweit durchschnittlich mehr Kinder. Selbstverständlich kann eine aktive Familienförderung die allgemeine Geburtenrate heben (DDR, Frankreich etc.), aber auch dann haben INNERHALB der jeweiligen Gesellschaft Religiöse mehr Kinder als Konfessionslose. Ich kenne zumindest keinen ernsthaften Befund, der diesen Effekt dauerhaft widerlegen könnte.
Auch gibt es keine säkularen Vereine, die ähnlich hohe Reproduktionsraten wie Amische, orthodoxe Juden etc. hervor gebracht hätten. Das schaffen auch keine Feuerwehr- und Fussballvereine. (-; Wenn Sie mir eine einzige, säkulare Gruppe nennen können, die sich über zwei, drei Generationen ähnlich erfolgreich reproduzierte, ziehe ich diese These sofort zurück.
Auch in der Schweizer Volkszählung weisen andere christliche Gemeinschaften und Juden jeweils höhere Bildungs- und Geburtenraten als Konfessionslose auf. Damit ist auch hier belegt, dass die Einflussfaktoren Bildung und Einkommen durch Religiosität getoppt werden können. Weitere Belege stammen vom IW, den ALLBUS-Auswertungen etc. pp.
Eine kleine Datenzusammenstellung gerne nochmal hier:
http://religionswissenschaft.twoday.net/...047705/
Religiöse Menschen pflanzen sich durchschnittlich erfolgreicher fort, geben ihre Gene erfolgreicher weiter. Ob das gut oder schlecht ist, Deutschland Kinder braucht oder es ohnehin zu viele Menschen gibt - das hat alles damit nur noch indirekt zu tun. Mich interessiert, warum der Mensch in seiner Evolutionsgeschichte religiös wurde und Religiosität auch nach Säkularisierungsphasen immer wieder kehrt. Dafür biete ich eine durch empirische Fakten abgestützte Erklärung. Dass diese darüber hinaus auch noch zu den beobachtbaren Geschlechterunterschieden passt, freut mich auch als Wissenschaftler natürlich sehr!
Mit herzlichen Grüßen
Michael Blume
Das Leugnen des Nichtwissen oder nicht wissen wollen, ist besonders intensive Form des Glaubens
Goethe - Seine Haltung zur Kirche und den christlichen Dogmen blieb auch später distanziert bis ablehnend. So charakterisiert er beispielsweise die Kirchengeschichte als „Mischmasch von Irrtum und Gewalt“.[3] Besonderen Anstoß erweckte bei ihm die Lehre von der Erbsünde.
http://de.wikipedia.org/wiki/Goethe
Gretchen = Margarete
http://de.wikipedia.org/wiki/Gretchen
Margarete ist abgeleitet vom altgriechischen „margarites“ (μαργαρίτα) und bedeutet „die Perle“. Über das lateinische „margarita“ kam der Name nach Deutschland. Vermutlich übernahmen die Griechen das Wort von den Persern („Morvarid“ = „Perle“; genauer: „Kind des Lichts“, da man in der persischen Mythologie annahm, dass die Perle durch die Umwandlung eines Tautropfens durch das Mondlicht entstehe) oder von den Georgiern („Margali“ = "Perle") oder Sanskrit, maJjarI („Perle“, eigentlich: „Blütenkranz“).
http://de.wikipedia.org/wiki/Margarete
George Fox sagte einmal: "Du wirst sagen, Christus sagt dies und die Apostel sagen jenes, aber was kannst Du selber sagen? Bist Du ein Kind des Lichtes und bist Du im Licht gewandelt und kommt das, was du sagst, in deinem Innern von Gott?"
http://www.swiss-quakers.ch/deutsch/croyance.html
Fatamorgana
Der Name Morgana ist wahrscheinlich abgeleitet aus dem griechischen margaritis = Perle und dem arabischen margan = Koralle.
http://de.wikipedia.org/wiki/Fatamorgana
Jedes fünfte Baby ein "Kuckuckskind"
Sonntag, 16. Januar 2005 04:00 - Von Hans H. Nibbrig
Seit die Diskussion über heimliche Vaterschaftstests voll entbrannt ist, sind sie in aller Munde: "Kuckuckskinder", Sprößlinge, deren offizielle Väter nicht die leiblichen Erzeuger sind.
http://www.morgenpost.de/..._ein_Kuckuckskind.html
Überzeugungen, Glaubensätze, erzeugen Realität
Religion
Circo, 1 Jh. „bedenken, achtgeben“ bzw. Axel Bergmann "mit Skrupel oder Skepsis betrachten"
http://de.wikipedia.org/wiki/Religion
Mit diesem Verständnis gibt es keine a-religiöse Menschen. Es sei denn sie sind Denkunfähig. A-religiöse Gemeinschaften kann es nach diesem Verständnis auch nicht geben.
Der Begriff Atheismus ist ursächlich Kampfbegriff der etablierten Religion/Konfession gegenüber denen, die mit Lehren und Dogmen nicht im Einklang, also im Widerspruch waren. Er ist heute von diesen selbst übernommen.
Das geschah mit vielen ursprünglich abwertenden Begriffen. Andere Begriffe wie „Sekte“ waren mal neutral oder positiv besetzt, wie bspw. „Pfaffe“. Manche Begriff haben heute auch ganz andere Bedeutung.
Der Begriff Gay kam bspw. ursächlich von Quäkern, meinte ritualisierte Religion. Heute ist die Assoziation dazu „Homosexuell“
Mit genauerem Hinsehen kann man nur die überlieferten Vorstellungen los sein. (Dreieinige Erbsündensuppe, usw.) Gott in der ursächlichen sinngemäßen Definition (Wasser, Licht, Kondensation, Bewegung) los werden, ist in meinem Verständnis nichtmals im Koma möglich. Solange ein Mensch atmet, ist das Gehirn Gott nicht los. Ob der Mensch es ausdrücklich als Gott bezeichnet, steht auf anderem Papier. Hebr. Hashem = Name ist auch eine Möglichkeit. Hashem ist Alles, was Bezeichnung hat.
Die speziellere Religion organisiert sich über gleiche Interessen und/oder Rituale, Gurus, etc.. Prinzipiell ist jede Gewohnheit, jede Vorliebe zur Religion zu machen. Besonderes Klima, Ernährungsweisen, Gesetze, bewirken besondere Ergebnisse. Intelligenz ergibt sich aus Bildung. Allerdings nicht mit Rohrstock oder sonstigen Demütigen von Geistlichen, die Fatamorgana sind. (Selbst durfte ich häufig im Reli-Unterricht vor dem Pult des Kaplan knien). Auch Muslime haben viele Kinder. Bildung war da aber tendenziell nicht so wichtig. In meiner Schulzeit sah man die muslimischen Mädchen nur sporadisch in der Schulbank. Aus 6ter Klasse wurde entlassen. Mutmaßlich war es ähnlich bei meiner Mutter. (Jüngste von 10 Kindern). Mädchen heiraten ohnhin. Ihre Zeugnisse gingen im Krieg verloren. Der war aber 1949 schon zu Ende. Keine Dumme! Aber im Hinblick Kulturfähigkeiten (Schreiben, Rechnen, Lesen) sah es schlecht aus. Damit war kein Beruf zu erlernen. Logisch, dass sich so größere Abhängigkeit vom Ehemann ergab, auch keine Trennung, trotz Schlimmsten, stattfand. Das allerschlimmste war die Verleugnung zu dem was sie real gesehen hat.