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Bildung, Beten, Babys - Zum komplexen Zusammenhang von IQ und Religiosität

von Michael Blume, 20. Juni 2008, 16:45

Richard Lynn hat wieder zugeschlagen: Nach Frauen und Afrikanern attestiert der britische Intelligenzforscher nun auch Religiösen publikumswirksam einen niedrigeren Intelligenzquotienten - IQ - als säkularen, männlichen Europäern (Auswertung, Kommentar und Links hier). Als unterstützendes Argument wird ein Zitat aus Richard Dawkins Gotteswahn angeführt, wonach es unter europäischen und US-amerikanischen Wissenschaftlern nur sehr wenige Religiöse gebe. Also: Wie steht es um Kausalität und Sinnhaftigkeit dieses Vergleichs? Und warum verzeichnen die USA gleichzeitig einen hohen IQ und hohe Religiosität?

Zunächst sollte man wissen: Der Intelligenzquotient hat eine genetischen, eine kulturelle und nicht zuletzt eine sozioökonomische Komponente, deren Wechselwirkungen seit Jahrzehnten erforscht und heiß diskutiert werden. Unstrittig ist, dass es auch bei diesen Fähigkeiten des Gehirns (wie übrigens auch bei Musikalität und Religiosität) genetisch vererbte Veranlagungsunterschiede gibt. Allerdings werden diese Veranlagungen je kulturell unterschiedlich ausgeprägt - in einer Kultur von Wildbeutern (und also beim Jagen und Sammeln) werden z.B. andere Fähigkeiten ausgebildet und trainiert als in einer japanischen Mittelschule (und am Computer). Entsprechend steigt der durchschnittliche, in Tests ermittelte IQ in Gesellschaften mit sozioökonomischer Entwicklung: Ernährung, medizinische Versorgung, kindliche Früh- und Schulförderung und nicht zuletzt Bildungschancen auch für Mädchen bewirken einen Anstieg. Für Lynns Thesen war und ist das doppelt peinlich: So weisen nicht nur z.B. Afrikaner in wohlhabenden Gesellschaften steigende IQ-Werte auf, sondern auch Frauen holen die Männer in Sachen Intelligenz und Bildungserfolg ein, überholen sie sogar teilweise.

Die gleichen Prozesse formen auch die Religiosität um. Schon die klassische Religionssoziologie weiß zur Säkularisierung: Es sind zunächst und vor allem die gebildeten Schichten (und hier vor allem Männer!), die sich aus traditionellen Religionsformen lösen. Denn zum einen werden sie häufiger (etwa im Rahmen von Ausbildung und Studium) aus den traditionellen Heimat-, Familien- und Gemeinschaftsstrukturen herausgelöst. Sie erfahren von der Vielzahl an religiösen und weltanschaulichen Alternativen. Häufig den besser versorgten Gesellschafsschichten angehörend, sind sie auf die klassischen Funktionen religiöser Gemeinschaften - wie gegenseitige Hilfen im Falle von Familiengründung, aber auch Krankheit, Armut, Tod - immer weniger angewiesen. Stattdessen werden insbesondere die tradierten Sexual- und Familienregeln zunehmend häufiger als unsinnig empfunden, zumal moderne Verhütungsmethoden doch "Lust ohne Last" ermöglichen. Die Folge: Eine gleichzeitige Abnahme von Religiosität und Zunahme von IQ, wie bereits seit Jahren in Internetdarstellungen verfügbar. (Die USA sind in der Darstellung rot umrandet.)

Aber Achtung - Überraschung!

Als Carsten Ramsel, Sven Graupner und ich 2006 Daten der deutschen ALLBUS-Studie 2002 analysiserten, erwartete uns jedoch eine Überraschung: Bei den 35- bis 45jährigen war kein klarer Zusammenhang von religiöser Selbsteinschätzung und Bildungsstand mehr erkennbar, allenfalls noch eine "religiöse Schwäche" in den mittleren Bildungsbereichen.

Traten wieder massenhaft Gebildete in die Religionen ein? Nein - die Daten belegten die starke Prägung der eigenen Religiosität durch die elterlichen Einflüsse, die wir erwartet hatten. Stattdessen fanden wir einen anderen Zusammenhang: Die reproduktive Schere war auseinander gegangen. Nichtreligiöse hatten durchschnittlich seltener Kinder erzogen als Religiöse - und unter Gebildeten nahm dieser Unterschied weiter zu! Säkularisierung findet weiterhin statt (auch in den USA), aber sie wurde und wird zunehmend dadurch ausgeglichen, dass ein wachsender Teil nicht nur der Aufsteiger, sondern auch der oberen Bildungs- und Einkommensschichten selbst in religiösen Familien aufgewachsen ist. Die scheinbar besiegte Religiosität wächst so immer wieder (freilich oft in neuen, nicht-traditionalistischen) Formen nach. (Europäisch-amerikanische Vergleichsdaten auch hier.)

Auch die Schweizer Volkszählung zeigte auf: Die Konfessionslosen bildeten keinesfalls die Bildungsspitze - in den jüdischen Gemeinden und einigen kleineren, christlichen Gemeinschaften gab es bereits höhere Anteile an Akademikern und Inhabern leitender Berufe. Und: Diese wiesen zudem deutlich höhere Geburtenraten auf (Vgl. hier, S. 4).

Längst gibt es auch eine ganze Reihe unabhängiger Bestätigungen für diesen Befund: So werteten Lareen A. Newman und Graeme J. Hugo 2006 Daten der australischen Volkszählung und Interviews explizit auf die Fragestellung aus, wie sich weibliche Fertilität, Religion und Bildung zueinander verhielten. Und auch sie fanden: Gebildetere sind häufiger nichtreligiös und haben weniger Kinder. Aber den religiös "standhaften" (und dabei meist keineswegs traditionalistischen) Gebildeten gelingt es, dem allgemeinen Geburtenrückgang Widerstand zu leisten - sie heiraten eher und stabiler und haben deutlich mehr Kinder als säkulare Peers. Damit zeigen auch die südaustralischen Daten: mit steigender Bildung nehmen die biografischen Optionen und damit das reproduktive Potential von Religiosität sogar zu! Hier ein Vergleich der allgemeinen Geburtenentwicklung von Frauen in Adelaide (mitte), der Hauptstadt Südaustraliens sowie der Lutheranerinnen (oben) und der Konfessionslosen (unten). Erkennbar ist auch hier die bereits in der Schweiz beobachtete Geburtenschwäche der Konfessionslosen - und die Verknüpfung von Bildung und Reproduktionserfolg bei mindestens einigen Religionsgemeinschaften.

So erklärt sich auch die Verbindung hoher Religiosität und hohen IQs in den USA: Hier gibt es bereits seit Jahrhunderten den religiös-demografischen Wettbewerb, der sich in Europa, Asien, Lateinamerika usw. erst zu entfalten beginnt.

Aus evolutionswissenschaftlicher Perspektive stellt sich ohnehin vor allem eine Frage: Welche Aussagekraft über menschliches Leben hat eigentlich die Maßzahl IQ? Warum nicht z.B. emotionale Intelligenz (EQ), Musikalität, Religiosität, Körperkraft oder Kreativität?

Sind die Fähigkeiten, die eine Familie von Wildbeutern der Kalahari pflegt, die eine Bäuerin in Mexiko beherrscht oder die ein philippinischer Fischer seinen Kindern vermittelt "weniger wert", weil sie nicht IQ-Testsituationen abbilden? Gerade wenn wir streng naturalistisch argumentieren wollten, so müßten wir anerkennen, dass es darwinistisch gesehen nur einen Erfolgsmaßstab gibt: den relativen Reproduktionserfolg, die Weitergabe der eigenen Gene. Es mag in bestimmten Zirkeln auch der deutschen "Bildungseliten" noch immer schick sein, sich auf sehr fragwürdiger Datenbasis je über die vermeintlich mangelnde Intelligenz von Frauen, Afrikanern und/oder religiösen Menschen auszulassen. Aber empirisch betrachtet ist diese rationalistische Arroganz nicht haltbar - wie der Evolutionstheoretiker und Wirtschaftsnobelpreisträger Friedrich August von Hayek bemerkte. Denn wir beobachten derzeit keineswegs einen pauschalen "Evolutionserfolg" säkularer, rationalistischer Europäer, sondern im Gegenteil einen Flaschenhals aus Wohlstand, Freiheit und Individualisierung. Und an diesem scheitern - rein biologisch gesehen - signifikant häufiger jene Gebildeten, die sich über Beziehungen, Beten und Babys erhaben wähnen...





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Kommentare

  1. Marcus Hellwig Mönche
    27.07.2008 | 16:16

    .... die möglicherweise mit einem sehr niedrigen IQ (weil doch der Religion verschrieben) augestatteten Mönche des Mittelalters haben die Denkkultur des nördlichen Europa entscheidend beeinflusst - so auch den mathematischen Hintergrund für statistische / stochastische Betachtungen. Eine Intelligenz - wenn überhaupt quantifizierbar / qualifizierbar sollte nicht an einem einzigen Parameter festgemacht werden.

  2. Michael Blume @ M. Hellwig: In der Tat...
    27.07.2008 | 22:56

    ...und auch die Entwicklung beispielsweise der ägyptischen, hebräischen und arabischen Schriftkulturen war aufs Engste mit religiösen Funktionen verschränkt. Kann Ihnen da also nur zustimmen, dass auch hier weitere, diesmal historische Widersprüche schlummern.

  3. Jehuda kein Betreff
    29.07.2008 | 16:13

    @Micha
    "So attestiert Lynn - was Dich freuen wird ;-) - aschkenasischen Juden einen besonders hohen IQ, über dem europäischen Durchschnitt."

    Mh, nun sind Juden ja nicht perse religiös und hier ergab sich mir die Frage, ob er dieses nun auf alle Juden in dieser Gruppe bezog oder wirklich speziell nur auf die Religiösen.

    "Es gibt einen ganzen Zweig von Leuten, die daraus schließen, die Juden in Europa seien über Jahrhunderte einem starken Selektionsdruck unterlegen, den nur und vor allem die Klügsten reproduktiv erfolgreich (d.h. mit vielen Kindern) bestanden hätten."

    Das sehe ich ähnlich wie du, vor allem weil die Rahmenbedingungen dazu überhaupt nicht passen. So waren die Klügsten ja gerade die, welche fern der Frau irgendwo lernten bzw. lehrten und ansonsten alle anderen sich der Mitzwa viele Kinder zu bekommen, verpflichtet sahen.

    "Die Kinderzahl ist dagegen wirklich einfacher zu bestimmen. ;-)"

    Schon die Bestimmung des Parameters IQ ist ja einigen Schwierigkeiten unterworfen und in der Psyschologie streiten sich immer noch die verschiedenen Richtungen, wie er zu ermitteln sein und was er aussagt. Von Querbezügen also ganz abgesehen.

  4. Jehuda kein Betreff
    29.07.2008 | 16:18

    @Thilo
    "Nach einem niedrigen Stellenwert weltlicher Bildung hört sich das für mich nicht an."

    Damit hast du dann auch schon die Ausnahme erwicht, was aufgrund der Stellung der jüdischen Gemeinden in Deutschland auch kaum wundern sollte. Ganz anders sieht es da im Ausland aus, wo es eben noch lebendige und religiöse jüdische Gemeinden gibt.

  5. monika kneiseler Glauben
    08.08.2009 | 15:56

    hallo
    ich finde es äußerst interessant, wie man das verhältnis von gläubigkeit und kindersegen in zusammenhang bringt.
    aber ich finde auch, dass mehrere entscheidende aspekte nicht berücksichtigt werden.
    1.
    gläubigkeit und atheismus im verhältnis zu disfunktionalen familien.( welches kind kann schon glauben, dessen eltern nicht fürsorglich sind, obwohl sie vielleicht "gläubig" sind)
    2.
    in diesem zusammenhang: scheitern von ehen, lebenszielen.
    3.
    das verhältnis von opfern dieser entwicklung und deren intelligenz zu reproduktion.(überleben macht vielleicht intelligenter als rundum sorglospaket, aber weniger lust auf eigene kinder)
    4.
    in diesem zusammenhang: nicht verwirklichter kinderwunsch durch daraus entstandener ökonomisch prekärer situation. -
    oder noch schlimmer(?) nicht vorhandener kinderwunsch vor solchen hintergründen.

    wo sind die untersuchungen hierzu?
    wenn sie vorhanden sind, warum werden sie nicht zusammengeführt und gemeinsam ausgewertet?

    demokratie stellt die richtigen fragen in komplexen zusammenhängen.

    und was heißt schon: religion macht kinder
    macht sie auch menschen oder nur funktionierende mitglieder einer zunehmend (selbsterzeugter)lebensfeindlichen umwelt, die sich möglichst angepaßt durch das überleben schlägt (starke gruppe bietet schutz und hilfe, wobei die jeweilige gruppe nur den eigenen vorteil sieht und "störenfriede", nämlich diejenigen, die diesen schutz und die hilfe in der gruppe nicht erhalten haben, aussondert, weil es viel zu bedrohlich ist, anzunehmen, dass dies möglich ist), ohne rücksicht auf verluste - frei nach dem motto: jedem das seine mir das meiste....
    dadurch neue opfer produzierend.

    (als beispiel auf die bühne gebracht: sartre: geschlossene gesellschaft)

    für mich besteht ein direkter zusammenhang zwischen intelligenz und sensibilität,
    teilweise bereits bestätigt durch neurobiologen(musikalität, spiegelneuronen)
    zur zeit scheinen sich mehr die durchzusetzen, die weniger davon haben....
    was man nicht kennt, kann man nicht vermissen.
    von vorneherein aus sozialen netzwerken ausgeschlossen werden (kein schutz, keine hilfe: bestes beispiel mißbrauchte, vergewaltigte frauen und kinder, denen nicht geglaut wird,) kann sich ein behüteter mensch eben nicht vorstellen.
    es kann nicht wahr sein, was nicht sein darf....

    diese zu berücksichtigenden daten zu diesem thema würde ich gerne ausführlich nachlesen können

    mit besten grüßen

    monika kneiseler

  6. Michael Blume @ Monika Kneiseler
    09.08.2009 | 10:50

    Liebe Frau Kneiseler,

    vielen Dank für Ihren Beitrag und Ihre Fragen!

    Und, ja, wie es in der (Evolutions-)Forschung immer ist: Hinter jeder Antwort tauchen mindestens zwei neue Fragen auf. Und einige der von Ihnen aufgeworfenen Fragen sind inzwischen tatsächlich in den Fokus gerückt, mit oft verblüffenden Befunden.

    Das große Problem ist aber schlichtweg: Wir sind zu wenige. Viel zu wenige Wissenschaftler forschen in diesem Bereich und wir kommen kaum nach, die Befunde und Studien zu verknüpfen und neue zu erstellen. Das öffentliche Interesse nimmt zwar zu, ist aber immer noch zu schwach, um das Forschungsfeld voran zu treiben - von Forschungsmitteln ganz zu schweigen.

    In diesem Sinne danke ich Ihnen für Ihr Interesse und Ihre Fragen und würde mich freuen, wenn wir in Zukunft weiter voran kommen.

    Herzliche Grüße!

  7. monika kneiseler glauben
    10.08.2009 | 02:38

    vielen dank für die reaktion auf meine eingeworfenen fragen.

    gibt es tatsächlich zu diesen fragen schon empirische daten?

    bitte, bitte veröffentlichen sie diese doch, so dass sie hier im forum diskutiert werden können...

    im übrigen: es gibt auch semi-disfunktionale familien.

    zb. familien in, denen zwar das rundrumsorglospaket in bezug auf existenzielle grundsicherung, ich nenn es immer "satt und sauber", durchaus funktioniert, aber die seelische vernachlässigung extrem ist, während bei anderen der umgkehrte fall gegeben ist. auch hier wäre noch zu erforschen, welche art der vernachlässigung sich negativ wie auf intelligenz und/oder glauben auswirkt.

    zur vernachlässigung wäre weiter noch zu erforschen, wie sich diese auf selbstwertgefühl und selbstvertrauen, lebensmut und lebenswillen auswirkt.

    zb. sind unter selbstmördern und psychisch kranken, gescheiterten und ungewollt alleinlebenden diese oder jene mehr vertreten.

    und wie ist die einstellung zu eigenen kindern.

    wenn diese zusammenhänge tatsächlich, wie ich vermute, bestehen, wie kann man dem entgegen steuern, und wen kann man dann gegebenenfalls zur rechenschaft ziehen.

    liegt es vielleicht gerade am glauben(delegierte verantwortung), dass solche opfer produziert werden?

    was den kinderwunsch angeht, ist vielleicht die vaterlose gesellschaft daran schuld?

    welche unterschiede gibt es in bezug auf
    disfunktionale familien bei männern und frauen.

    liegt es vielleicht auch an dem immer noch von der gesellschaft nicht wahrgenommenen männlich domimierten kommunikationsverhalten.

    wie wirkt sich falsch gelerntes kommunikationsverhalten auf verwertbare information aus.(fragen, die nicht gestellt werden, weil "männliche macht das eigene versagen in diesem punkt nicht hören will")

    ich will hier nicht alle männer verdammen, oder polemisieren, aber ich denke, dass dies ebenfalls entscheidende punkte sind, diese diskussion zu vertiefen.

    gibt es außer biologischen unterschieden
    überhaupt welche zwischen männern und frauen.

    wenn ja, sind diese vielleicht erst durch soziokulturelle unterschiede entstanden.

    in bezug auf macht des glaubens sollte man auch ängste jeglicher form erforschen.

    hat mut und zweifel zb. auch etwas mit intelligenz zu tun.

    lektüre:
    grundformen der angst,
    angst im kapitalismus,
    theorie der sozialisation,

    herzliche grüße
    monika kneiseler

  8. monika kneiseler glauben
    10.08.2009 | 02:47

    mir ist noch eingefallen,
    dass es auch recht interessant sein könnte, mut und glauben, als delegierte verantwortung, in beziehung zur intelligenz zu setzen.

    kindliche neugier und das verhältnis der gesellschaft in bezug auf die vorgenannten aspekte und die intelligenzentwicklung wäre auch spannend.

    herzliche grüße
    monika kneiseler

  9. Michael Blume @ Kneiseler: Ja!
    11.08.2009 | 19:17

    Liebe Frau Kneiseler,

    ja, natürlich hoffe ich in den kommenden Monaten und Jahren noch viele Veröffentlichungen in dem Bereich vorlegen zu können. Wie gesagt: einige Befunde dürften Sie sehr freuen bzw. interessieren.

    Den bisherigen Forschungsstand haben der Biologe Rüdiger Vaas und ich in "Gott, Gene und Gehirn" vorgestellt:
    http://www.chronologs.de/...shop.de/artikel/969531

    Natürlich würde ich mich freuen, wenn Sie mit Ihrem Interesse den Forschungsbereich weiter unterstützen. Und sobald entsprechende Publikationen vorliegen, werden sie auch hier auf dem Blog vorgestellt, versprochen!

    Herzliche Grüße!

  10. monika kneiseler religion
    08.06.2010 | 22:49

    hallo,
    ich melde mich hier auch mal wieder zu wort....
    habe lange nicht mehr mitgelesen, und auch lange nicht mehr geschrieben....
    habe ab und zu mal und jetzt gerade ein bißchen quergelesen, bitte deshalb zu verzeihen, wenn die folgenden fragen bereits ausführlich diskutiert wurden. (was ich dann noch nicht gelesen habe.)

    für mich ist die diskussion über intelligenz und religion zu wenig auf die individuelle einstellung bezogen. ich gehöre schon lange keiner kirche mehr an, empfinde mich aber trotzdem als religiös.

    wenn religion die wahrheit verkünden will, dann ist für mich religiös zu sein eher die erkenntnis, dass jeder seine eigene wahrheit hat, und es deshalb garnicht möglich ist eine wahrheit zu verkünden. religiös zu sein hat für mich etwas mit (eigen+fremd)verantwortung zu tun. somit ist religion eher eine hilflose geschichte. vorgaben für die wahrheit zu machen, (statt zu versuchen widersprüche aufzudecken,) entspringt dem "zwang" jemandem die verantwortung abzunehmen, und/oder abnehmen zu wollen.
    wenn es also tatsächlich einen solchen unterschied zwischen religion und religiös zu sein gibt, dann
    ist dies eben auch ein problem bei der erfassung der daten über religion in korrelation zur intelligenz, um diese statistisch auszuwerten.
    religiös zu sein ist also eher etwas, dass eben nicht von außen vorgegeben ist, während religion ja genau dies wünscht zu tun, nämlich die wahrheit verkünden.

    und hier kommt die intelligenz ins spiel. womit ich wiederum auf einen von mir früher eingeworfenen aspekt zurückkomme:
    die angst.

    fragen: wieso will man überhaupt verantwortung abgeben oder demzufolge überhaupt übernehmen?
    warum,
    angst, die kontrolle zu verlieren,
    angst vor komplexen zusammenhängen?
    angst davor, der verantwortung nicht gerecht zu werden?
    wieso entsteht angst überhaupt, die zu solchen "auswirkungen" führt? und wie korrelieren diese zusammenhänge mit intelligenz?
    hat weniger angst zu haben etwas mit geborgenheit zu tun, und wie wirkt sich demzufolge mut auf intelligenz und dementsprechend darauf aus religiös oder eben nicht zu sein?

    ist religion dann der versuch, die angst im griff zu haben, beziehungsweise die auswirkungen dieser zu minimieren, zu kanalisieren?
    ....und dies aus welchem grund?

    gewalt erzeugt doch angst, aber angst erzeugt eben auch gewalt, oder nicht? hat dies auch etwas machtverhältnissen zu tun?....und woher kommen diese?
    ....und warum werden sie nicht hinterfragt?

    ich hoffe, ich konnte mich verständlich ausdrücken.
    ....und hoffentlich wird das hier geschriebene nicht als wirres zeug verstanden.

    mit lieben grüßen nochmal
    monika kneiseler

  11. Michael Blume @monika kneisler: Angst
    10.06.2010 | 06:49

    Ein starker Kommentar, vielen Dank! Ich denke über das Thema mal nach und hoffe, noch in diesem Jahr mal einen eigenen Post zu dem Thema "Religion & Angst"!

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