chronologs Natur des Glaubens scilogspreis

Lilith und Lolth

18. Mai 2010, 06:56

Die besten Kunstwerke in Literatur, Film und Fantasie haben fast ausnahmslos eines gemeinsam: Sie übersetzen einen gewachsenen Mythos. So bezog sich der bislang erfolgreichste Film aller Zeiten, Avatar - Rückkehr nach Pandora, nicht nur auf eine Inkarnationslehre des Hinduismus, sondern auch auf einen alten Namen für die Urgöttin: Pandora, die Alles-Schenkende. Der Aufstieg von Agrarwirtschaft und Patriarchat bescherte uns eine andere, mächtige Mythe: Lilith, Abertausenden Fantasy-Rollenspielern besser bekannt als Lolth.

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Das Kastensystem - Nur ein Thema des Hinduismus?

14. Mai 2010, 14:13

"Als Adam grub und Eva spann, wo war denn da der Edelmann?", empörten sich christliche Bauern unter Verweis auf die Bibel gegen Versuche des europäischen Adels, sich unter Berufung auf die Religion immer mehr Geburtsrechte anzueignen. Länger schon hatten die "Edelleute" begonnen, nicht mehr "nach unten" zu heiraten und ihre Erbstände an Macht und Besitz auch als angeboren (nicht von Arbeit im Sonnenlicht gebräunte Haut, "blaues Blut") zu betrachten. Auch in den Stätde bildeten sich berufsbezogene Zünfte und Stände (z.B. Patrizier), die sich zunehmend von anderen abgrenzten. In der Neuzeit eiferten ihnen Rassisten nach, die unter Berufung auf (Pseudo-)Wissenschaft - und nicht zuletzt die Biologie - die natürliche Überlegenheit je ihrer Gruppe behaupteten und vor "Vermischungen" mit "niederen Rassen" warnten.
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Evolution - Gottes Tod oder Gottes Weg?

07. Mai 2010, 01:25

Natürlich hätte ich es wissen müssen. Die Evangelische Akademie Arnoldshain ist bekannt für ihr hohes Niveau gerade auch im Dialog zwischen Naturwissenschaft und Theologie - und einer ihrer Referenten, Pfarrer Dr. Hubert Meisinger, hatte denn auch zu "Liebesgebot und Altruismusforschung" eindrucksvoll promoviert. Als die Einladung zu einem Referat bei der Mai-2010-Tagung "Die Evolution der Religion - Der Biologie hoffnungslos ausgeliefert?" kam, freute ich mich also sehr und ahnte aber auch schon, dass das Thema sicher eine Herausforderung werden würde.

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Die Buchstaben, die Null, das Gewachsene

03. Mai 2010, 19:16

Als Menschen stehen wir alle in einer großen Kette des Lebens. Millionen Generationen von tierischen, erst sehr spät menschlichen Vorfahren haben uns in einer unglaublichen Saga ihre Gene hinterlassen. Und schließlich legten sie, in wachsendem Ausmaß, neben den biologischen auch kulturelle Erbstücke drauf: Darunter Sprachen, Wissenschaften, Mathematik.

 

Freilich halten wir uns - ganz moderne Individuen - gerne selbst für unabhängig und erhaben über das Gewachsene. Wurzeln und Ahnen können ja so peinlich sein. Manche empfinden es als „Kränkung“, von einfachen Tieren abgestammt zu sein. Und andere wollen gerne abstreiten, dass sie die Schrift und die moderne Mathematik wesentlich irrationalen Sehnsüchten und den Leistungen religiöser Gemeinschaften verdanken. Was aber, wenn auch das Vorrationale unser Fundament ist - und bleibt? Ein Beitrag zum Bloggewitter Mathematik - Sprache - Wissenschaft.

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Die Anbetung der Sonne

01. Mai 2010, 17:25

Wie schon Charles Darwin richtig erkannte, bildete der Animismus - die Annahme von der Belebtheit der Dinge - ein gemeinsames Merkmal von sozialen Säugetieren (wie z.B. Hunden) und Menschen. Und indem letztere den als belebt geglaubten "Anderen" (wie Wolken, Bäumen, Bergen, Flüssen, toten Körpern etc.) Personalität zuerkannten, evolvierten sie schließlich die Grundlage von Religiosität. Inmitten einer Welt von bedrohlichen und freundlichen übernatürlichen Akteuren wurden bewegende Erzählungen und Rituale entfaltet und bewährte Tabus und Regeln tradiert. In den gewachsenen Mythologien der Natur- und auch vieler späterer Religionen ist die Sonne (oft auch: der Sonne) dabei immer wieder ein besonderer, übernatürlicher Akteur. Hier sehen Sie eine hinduistische Nepalesin beim Gebet zur Sonne, die symbolisch dargestellt und durch Opfergaben in der Schale versinnbildlicht wird.

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Kinder verstehen - durch Evolutionsforschung

22. April 2010, 21:41

Einige Leserinnen und Leser dieses Blogs werden sich an den Beitrag über Sarah Hrdy und ihr geniales "Mütter und Andere" erinnern. Da dank Wissenschaftlerinnen wie ihr in den letzten Jahren die Evolutionsforschung zum Menschen endlich von der übersteigerten Konzentration auf Themen des Kampfes, der Waffen und Konkurrenz losgekommen ist und mindestens ebenso entscheidende Faktoren wie Liebe, den gemeinschaftlichen Kinderaufzug und Kooperation in den Blick genommen hat, stellt sich doch eine Frage: Wann endlich werden diese Forschungen allgemein verständlich aufbereitet und z.B. Eltern und Erzieherinnen, Lehrern etc. vorgestellt?

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Neues Wissenschaftsbuch: The Nature of God - Evolution and Religion

15. April 2010, 14:55

Die interdisziplinäre Evolutionsforschung zu Religiosität und Religionen entfaltet sich weiter - und zunehmend (endlich!) werden auch deutsche und europäische Beiträge sichtbar. So gelang es dem Herausgeber (und Scilogger!) Ulrich Frey, für den neuen Band "The Nature of God - Evolution and Religion" sowohl international etablierte Forscher wie Gerhard Vollmer und Richard Sosis für Kapitel zu gewinnen, wie auch eine Anzahl jüngerer, deutscher und internationaler Wissenschaftler verschiedenster Disziplinen.

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Matze und Hostie - Besonderes Brot zu Pessach und Ostern

10. April 2010, 23:12

Der Wechsel von Bedrohung und Errettung, Tod und Wiedergeburt durchzieht die religiösen Traditionen der Menschen. Wo immer das Klima durch Jahreszeiten geprägt war, entstanden daher Frühlingsfeste, in denen der jährliche Sieg des Lebens über den Tod (Winter) gefeiert wird. Hirten durchlebten das Naturwunder in der Schlachtung z.B. von Lämmern, deren Fleisch ihre Lebensgrundlage war. Auch Eier symbolisierten das Erwachen der Natur. Ackerbauern zermahlten ("töteten") Getreide und schufen daraus lebensspendendes Gebäck.

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Demografie, Religion und Fundamentalismus. Shall the Religious inherit the Earth? von Eric Kaufmann

04. April 2010, 22:24

Auf den Zusammenhang von Religion(en) und Demografie stoßen immer mehr Kolleginnen und Kollegen verschiedenster Disziplinen. Mit seinem neuen Buch "Shall the Religious inherit the Earth? Demography and Politics in the twenty-first century" gelang dem kanadisch-britischen Politikwissenschaftler und Soziologen Eric Kaufmann ein spannend zu lesender Meilenstein. Er bekennt seine säkular-religionskritische Haltung darin, ohne deswegen jedoch auf Polemik zurück zu greifen und ihm persönlich unliebsame, wissenschaftliche Befunde zu leugnen. Vielmehr formuliert er den Befund, dass es nicht die Religiösen sind, die aussterben...

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Zum Tod unserer Soldaten. Ein Gebetssong der deutschen Bundeswehr

02. April 2010, 20:17

Jede Gesellschaft hat ihre Tabus und dunklen Flecken - zumal unsere Gehirn-, Gedanken- und auch Empathiekapazitäten begrenzt sind. Nach zwei furchtbaren Weltkriegen war und ist in Deutschland das Militär immer noch ein schwieriges Thema. Die meisten von uns erkennen durchaus an, dass nicht alle Konflikte gewaltfrei lösbar sind - und dass gerade auch das NS-Regime erst durch den Einsatz von Soldaten zu seinem Ende kam. Wir wissen, dass unser Parlament junge Frauen und Männer in Einsätze entsendet - aber schauen doch selten hin. Wenn aber wie heute, am Karfreitag 2010, deutsche Soldaten in einem Hinterhalt der Taliban in Afghanistan fallen, Familien, Freunde hinterlassend, so reißt uns das doch vielleicht kurz aus dem Trott.

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