Warum sollte Gott ein Mann, ein Vater sein?
Wer die (individuelle und soziale) Konstruktion von Gottesbildern erforscht, kommt natürlich um die Frage nicht herum, warum der monotheistische Eingott überwiegend männlich angesprochen wird. Immerhin zeigen Figurinenfunde der Vorgeschichte überwiegend (über Jahrzehntausende nahezu ausschließlich) weibliche Formen. Dies entspricht neueren Befunden zur starken Rolle von Frauen in der Formation hominider Gemeinschaftlichkeit. Und auch in der Antike - und in einigen Traditionssträngen etwa des Hinduismus - haben wir noch starke, weibliche Gottheiten (wie die ägyptische Maat oder Isis), Priesterinnen etc. Schließlich gehen entsprechende Formen auch in die neuzeitlichen Religionen über wie in Ephesus, wo anstelle der Muttergottheit Artemis heute die Gottesmutter Maria verehrt wird. Auch in Gemeinschafts-Selbstbezeichnungen wie christliche Mutter Kirche oder die islamische umma (von arabisch umm = Mutter) bleiben weibliche Konnotationen unverkennbar. Der Religionswissenschaftler fragt da also natürlich: Warum also wurde die Gottheit zu Vater, König, Richter, warum verblassten weibliche Namen und Rollen?
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