chronologs Natur des Glaubens scilogspreis

Warum sollte Gott ein Mann, ein Vater sein?

30. März 2010, 14:35

Wer die (individuelle und soziale) Konstruktion von Gottesbildern erforscht, kommt natürlich um die Frage nicht herum, warum der monotheistische Eingott überwiegend männlich angesprochen wird. Immerhin zeigen Figurinenfunde der Vorgeschichte überwiegend (über Jahrzehntausende nahezu ausschließlich) weibliche Formen. Dies entspricht neueren Befunden zur starken Rolle von Frauen in der Formation hominider Gemeinschaftlichkeit. Und auch in der Antike - und in einigen Traditionssträngen etwa des Hinduismus - haben wir noch starke, weibliche Gottheiten (wie die ägyptische Maat oder Isis), Priesterinnen etc. Schließlich gehen entsprechende Formen auch in die neuzeitlichen Religionen über wie in Ephesus, wo anstelle der Muttergottheit Artemis heute die Gottesmutter Maria verehrt wird. Auch in Gemeinschafts-Selbstbezeichnungen wie christliche Mutter Kirche oder die islamische umma (von arabisch umm = Mutter) bleiben weibliche Konnotationen unverkennbar. Der Religionswissenschaftler fragt da also natürlich: Warum also wurde die Gottheit zu Vater, König, Richter, warum verblassten weibliche Namen und Rollen?

 (weiter)

Geschrieben in Gretchenfrage . Kommentare: (56). Trackbacks: (0). Permalink


Glaube, Macht und Kinder - Das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung zu Demografie und Religion

25. März 2010, 17:32

Es ist das wohl schönste Gefühl, das Grundlagenforscher haben können: Wenn auch ihre Befunde andernorts und über Disziplingrenzen hinweg aufgegriffen werden. So war ich schon Anfang der Woche mehr als gespannt, als ich das neue "Shall the Religious inherit the Earth?" (Rezension folgt) von Eric Kaufmann in den Händen hielt. Heute morgen aber sprach mich dann auch ein Kollege aus der Demografie auf das neue Diskussionspapier des Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung an: "Glaube, Macht und Kinder. Erobern religiöse Menschen mit vielen Nachkommen die Welt?" (kostenloser Download)

 (weiter)

Geschrieben in Allgemein . Kommentare: (24). Trackbacks: (2). Permalink


Waren die Außerirdischen schon da? Die Faszination des Paläo-SETI

21. März 2010, 10:26

Die Überzeugung, dass Außerirdische bereits die Erde besucht und Kontakt mit den Menschen gesucht hätten, ist heute weit verbreitet. Sie verknüpft die moderne "Vorschrift" eines (angeblich) wissenschaftlichen Weltbildes mit der religiösen Veranlagung zur Verehrung übernatürlicher Akteure wie Ahnen, Geistern, Göttern - oder eben (empirisch nicht nachweisbaren) Außerirdischen. Ein starker Strom solcher Überzeugungen speist sich aus Legenden des "Paläo-SETI", der Suche nach Spuren außerirdischen Lebens in historischen Artefakten.

 (weiter)

Geschrieben in UFO-Glauben . Kommentare: (64). Trackbacks: (1). Permalink


Up in the Air - Die Krise unserer Ichling-Kultur

14. März 2010, 21:35

Eine harmlose Komödie mit George Clooney, schöne Bilder, schlichte Lacher, wenig zum Nachdenken. So war der Kinoabend geplant - und mehr werden viele auch gar nicht wahrgenommen haben. Aber ich war baff - baff über einen Film, der unter der lustigen Oberfläche eindringliche Beobachtungen anbietet.

 (weiter)

Geschrieben in Phänomene . Kommentare: (178). Trackbacks: (0). Permalink


Kulturelle Vererbung: Erziehung und Bildung in evolutionstheoretischer Sicht

13. März 2010, 16:09

Zum wachsenden Netzwerk interdisziplinärer Treffen und Tagungen gehört eine Jahrestagung zur Evolutionären Pädagogik im oberbayerischen Abensberg. Die Tagung im Mai 2009 hatte sich dabei ein Thema gestellt, dass auch in diesem Blog vorgestellt (z.B. im Blogpost "Biokulturelle Evolution") und von Leserinnen und Lesern immer wieder neu diskutiert worden ist: Das Verhältnis genetischer und kultureller Vererbung. Anfang 2010 ist dazu ein Tagungsband erschienen. Eine Rezension.

 (weiter)

Geschrieben in Grundlagen . Kommentare: (13). Trackbacks: (1). Permalink


Religion stirbt aus? Von wegen! Das Handbuch Leipziger Religionen

02. März 2010, 23:39

Im Bezug auf die neuen Bundesländer waren in den vergangenen Wochen wieder demografische Molltöne zu hören: Laut einer Prognose des Statistischen Bundesamtes schrumpft und altert die ostdeutsche Bevölkerung durch Kindermangel und Abwanderung rapide. Während in den alten Ländern von 2006 bis 2050 ein Bevölkerungsrückgang von 14 Prozent zu erwarten sei, werde die Bevölkerung der neuen Länder um 31 Prozent sinken. Und auf 100 Menschen im Erwerbsalter zwischen 20 und 65 Jahren sollen dann 80 Ältere kommen.

 (weiter)

Geschrieben in Phänomene . Kommentare: (82). Trackbacks: (3). Permalink


Psychologische Religionstheorien - und ihr Problem

19. Februar 2010, 22:26

Ach, das mit der Religion sei doch eigentlich ganz einfach psychologisch zu erklären. Ich kann gar nicht mehr sagen, wie oft ich eine solche Einleitung in den vergangenen Jahren zu hören oder zu lesen bekommen habe - zuletzt auch im Kommentarbereich zum Post "Religiosität - Spiritualität". Und dann folgt meist eine "ganz klare", psychologische Herleitung aus einem reichen Angebot, zum Beispiel ... (weiter)

Geschrieben in Evolutionspsychologie . Kommentare: (134). Trackbacks: (0). Permalink


Religiosität, Spiritualität und die Frage nach Hirngespinsten

11. Februar 2010, 18:32

Wissenschaftsbloggen macht Freude - und mehr. So haben einige sehr sachkundige Leser auf den Mutter-Natur-Beitrag hin eine inhaltlich hervorragende und ertragreiche Debatte geführt. Vielen, vielen Dank dafür! Und da die heutige ZEIT-Printausgabe einen Artikel von mir zu neueren Forschungen im Bereich der Spiritualität enthält, möchte ich nun auch einen lange gehegten Vorsatz in diesem Blog endlich wahrmachen: Die Begriffe zu (er-)klären.

 (weiter)

Geschrieben in Grundlagen . Kommentare: (143). Trackbacks: (1). Permalink


Fantasy-Rollenspiele und ihr Nutzen in evolutionärer Perspektive

06. Februar 2010, 21:45

An meine Jugend erinnere ich mich (trotz der üblichen, emotionalen Turbulenzen) sehr gerne zurück - was zum einen an großartigen Eltern und Freunden, aber auch an der Entdeckung des richtigen Hobbies lag. Als Spielleiter für Fantasy-Rollenspiele arbeitete ich mit zeitweise mehreren Gruppen erst des Schwarzes Auges (DSA), dann vor allem Dungeons & Dragons (AD&D) und am Ende auch Shadowrun. So überwand ich frühe Schüchternheit und entwickelte Freude am gemeinschaftlichen Entwerfen und Erzählen, vor allem aber unbändige Neugier auf den Reichtum des Lebens und die inneren Welten auch anderer Menschen. Ohne diese Vorprägung wäre ich wohl auch später weniger glücklich in der Bank geblieben, statt mich doch in die Abenteuer von Politik und (Religions-)Wissenschaft zu stürzen. :-)

 (weiter)

Geschrieben in Fantasy . Kommentare: (23). Trackbacks: (1). Permalink


Mutter Natur verstehen - Die Evolutionsforscherin Sarah Hrdy

28. Januar 2010, 20:38

Unsere Wissenschaftstraditionen und -diskussionen sind nach wie vor (auch in der Evolutions- und Religionsforschung) vor allem aus männlichem Blickwinkel geprägt worden. Das Ergebnis kann man sich z.B. immer wieder anschauen, wenn eine Zeitschrift über den Zusammenhang von Religiosität und Demografie schreibt, wie letztes Jahr der FOCUS ("Fruchtbarer Glaube") oder diese Woche die ZEIT ("Religiöser werden für mehr Kinder?"). In den überwiegend von einigen sehr... von ihrer Überlegenheit überzeugten Herren verfaßten Kommentaren darauf geht es dann stets reflexhaft um und meist gegen Migranten, arbeitende Frauen, Politiker, Religionen. Eine Reflektion über die eigentlichen Familienthemen wie treue Liebe, Partner- und Gemeinschaft, Zusammenhalt der Generationen, Lebenssinn etc. findet kaum statt oder wird niedergehöhnt. Dabei, so zeigt sich zunehmend, fanden und finden genau in diesem Bereich die evolutionären Prozesse statt, die unsere Spezies prägten!

 (weiter)

Geschrieben in Gretchenfrage . Kommentare: (158). Trackbacks: (6). Permalink


szmtag