chronologs Natur des Glaubens

Barack Obamas Rede an die muslimische Welt - Text und Video

04. Juni 2009, 19:12

US-Präsident Barack Obama stieß an der Universität Kairo die Tür zu neuen Wegen des Dialoges und der Zusammenarbeit zwischen den USA und islamischen Gesellschaften auf. Während sich z.B. auch der muslimische Blogger und Islamwissenschaftler Hussein Hamdan hier in den Scilogs immer wieder islamophobe Vorurteile anhören muss, weil er sich für Bildung, Wissensvermittlung und für ein friedliches Miteinander von Muslimen, Christen, Juden, Anders- und Nichtglaubenden einsetzt, grüßte der US-Präsident mit dem traditionellen, arabischen Friedensgruss, bekannte sich zu seinem christlichen Glauben und zitierte aus Koran (isl.), Talmud (jüd.) und Neuem Testament (christl.) im Hinblick auf die gemeinsame Verantwortung für Frieden und Menschenrechte. Das Video zur Rede und den gesamten Text finden Sie anbei.

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Der seltsame Spott der "neuen Atheisten"

30. Mai 2009, 16:13

Pünktlich zu Pfingsten wird er also starten, der Bus mit der Aufschrift: "Es gibt (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) keinen Gott", der dann durch Deutschland touren will. An sich eine feine Sache: Schließlich wird öffentlich ja auch für andere weltanschauliche oder religiöse Aussagen geworben. Und Diskussionen über grundlegende Fragen können Deutschland wirklich nicht schaden! Hier ist allerdings ist zu fragen: Was hat das mit Wissenschaft zu tun?

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Koreanischer Schamanismus

24. Mai 2009, 10:18

Schon der Beitrag über die "buddhistische" Ahnenverehrung in Japan, das hohe Leserinteresse und die rege Diskussion haben den Effekt unterstrichen, wonach Blicke über den Tellerrand der eigenen Religionskultur (auch für Kritiker derselben) sehr anregend sein können. So wurde deutlich, dass übernatürliche Akteure in allen gewachsenen Religionskulturen rituell verehrt werden, dass aber ihre Beschreibungen (z.B. die Eigenschaften von Göttern) sich auch stark von den "gewohnten" Kategorien Europas unterscheiden können. Mit einem weiteren Gastbeitrag ermöglicht uns nun Katharina Böhning, Universität Leipzig, Einblicke in die Welt des koreanischen Schamanismus.

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Buddhistische Ahnenverehrung in Japan

15. Mai 2009, 16:37

Gerne wird in Diskussionen bezweifelt, ob der Buddhismus eine Religion sei, da der Buddha doch keine absolute Existenz übernatürlicher Akteure (wie Ahnen, Geister, Götter etc.) gelehrt habe. Umso eindrucksvoller (und evolutionäre Hypothesen stärkend) ist es jedoch zu sehen, dass sich in der religiösen Alltagspraxis gewachsener, buddhistischer Gesellschaften die oft auf Familie bezogene bzw. Familienwerte bekräftigende Verehrung übernatürlicher Akteure doch auf sehr hohem Niveau entwickelt hat. Dazu ein Gastbeitrag von Katharina Böhning, Absolventin der Religionswissenschaft in Leipzig, die für inhaltliche Fragen gerne zur Verfügung steht.

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Überbevölkerung und Reproduktionsvorteil durch Religion

10. Mai 2009, 21:36

Es geschah zuletzt wieder nach dem SWR-Radiointerview "Machen Religion und Glaube fruchtbar?" und in den Kommentarspalten des Focus-Artikels "Fruchtbarer Glaube": Bisweilen geradezu aggressive Rückmeldungen, die darauf verweisen, es könne "doch nicht gut sein", dass religiöse Menschen durchschnittlich mehr Kinder bekommen - es drohe doch ohnehin Überbevölkerung. Und was sich Wissenschaftler eigentlich erlauben würden, es auch nur für möglich zu halten, dass Religiosität nützlich sein könne? Religiöse Menschen seien minderbemittelt, Punkt. Und warum irgendjemand eigentlich Kinder so toll fände?

Emotionale Religionskritik (die Religiosität nicht verstehen, sondern nur verachten will) und echtes Interesse an Wissenschaft stehen sich eben oft im Weg, wie andere ideologische Engführungen auch. Aber die positiven Erlebnisse echten Interesses überwiegen und es gilt, gerade auch gegen Wissenschafts- und Religionsfeindlichkeit weiter aufzuklären. Daher gehe ich hiermit gerne auch auf diese Anfragen ein. Warum gerade Forschungen zur Religionsdemografie? Und was ist mit der Überbevölkerung? 

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Reduziert Evolutionsforschung Religion?

03. Mai 2009, 00:55

Immer wieder treffe ich auf die Angst, wissenschaftliche Forschung werde das Phänomen der Religiosität und Religionen auf naturwissenschaftliche Prozesse reduzieren und damit in gewisser Weise "entzaubern". Sowohl erkenntnistheoretisch wie persönlich kann ich diese Befürchtung nicht nachvollziehen. Verschwindet die Liebe, wenn wir mehr über die überaus komplexe Biologie der Liebe erfahren - oder steigert das Wissen unser Staunen und Erleben nicht eher? Endet die Wirkung der Musik, wenn wir die Evolutionsgeschichte der Musikalität entschlüsseln - oder fügt dies unserem Hören und Tun nicht eher weitere Dimensionen der Erfahrung hinzu? Auch unsere Augen sind doch eindeutig Produkte der Evolution - würden wir daraus schließen, dass wir nicht mehr sehen? Und religionsphilosophisch gefragt: Wenn Gott sich der von Ihm erschaffenen Welt offenbaren wollte, warum sollte Er dies dann nicht (auch) auf Basis der doch von ihm ausgehenden Naturgesetze tun? Ich kann wirklich nicht erkennen, wie Evolutionsforschung reflektierte Theologien bedrohen sollte...

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Asset Meltdown - Demografie und das Ende des Kapitalismus

28. April 2009, 10:10

Warum haben Menschen in armen Agrargesellschaften meist so viele Kinder? Ganz einfach: Kinder, vor allem Söhne, bedeuten Einkommen (als Arbeitskräfte), Altersversorgung und Schutz. Entsprechend senkt die kapitalistische Marktwirtschaft die Geburtenraten: Kinder werden kostspielig (vor allem ihre Bildung), für den Schutz sorgt der Staat und die Altersversorgung wird durch Kapitalverzinsung (oder Rentenumlage) organisiert. Immer mehr Menschen setzen daher auf Kapital statt Kinder - in der Erwartung, dass die Kinder anderer ihre Ersparnisse schon abrufen und verzinsen werden.

So bewahrt der Kapitalismus unseren Planeten vor der Überbevölkerung: Weltweit rauschen die Geburtenraten mit der wirtschaftlichen Entwicklung in den Keller (z.B. in der Türkei auf derzeit nur noch 1,8) und noch in diesem Jahrhundert wird die Weltbevölkerung vom Wachstum in die Schrumpfung übergehen.

In Deutschland wurde das Problem sinkender Geburtenraten mit Bezug auf die Rentenversicherung wieder und wieder diskutiert: Die Zahl der Rentenempfänger steigt, aber es mangelt an jüngeren Einzahlern. Erst langsam dämmert immer mehr Menschen, dass genau das gleiche Problem auch die Kapitalmärkte betrifft. Von den USA über die Europäische Union bis zu den Völkern der GUS, der arabischen Welt, Indien, Malaysia, Indonesien und China legen alternde Mittel- und Oberschichten jährlich Hunderte Milliarden an - aber die jungen Generationen, die gleichzeitig kreditwürdig und kreditbedürftig wären, schrumpfen vielerorts bereits. Längst reichen die internen Potentiale nicht mehr aus, suchen z.B. auch russische, indische, chinesische und arabische Anleger internationale Geldanlagen. Die Folge: Ein globales Überangebot an Kapital, stetig sinkende Realzinsen und Spekulationsblasen, in die verzweifelte Finanzdienstleister und Anleger (inklusive Kapitalstiftungen) auf der Suche nach etwas mehr Rendite immer öfter geraten. Denn die "Kinder anderer", die die eigenen Ersparnisse produktiv verzinsen könnten, und damit seriöse Anlagemöglichkeiten werden knapp. In der Ökonomie nennt man diesen möglicherweise unaufhaltsamen Prozess "Asset Meltdown" (deutsch: Einschmelzen von Ersparnissen) und mit der Süddeutschen ("Phänomen Asset Meltdown") hat nun auch die erste überregionale Zeitung in Deutschland ihr Schweigen dazu gebrochen.

Wenn es immer weniger Geburten gibt, droht der Asset Meltdown auf den Finanzmärkten. Illustration aus einem Vortrag vom Juli 2008.

Inwiefern hat die Religiosität damit zu tun? Erfolgreiche Religionen vermitteln ihren Anhängern Zusatzgründe für Ehe und Familie (z.B. "Kinder sind ein Segen Gottes" u.ä.) und unterstützen Familien zudem durch Bildungs- und Betreuungseinrichtungen. Mitglieder gewachsener Religionsgemeinschaften haben daher durchschnittlich deutlich mehr Kinder als ihre Nachbarn der gleichen Bildungs- und Einkommensschichten - auch wenn dies wirtschaftlich (noch?) Verluste bedeutet. Was also auch immer gesellschaftlich und wirtschaftlich auf den gewohnten Kapitalismus folgen wird: Religionen, die Kinder und Familien fördern, dürften im 21. Jahrhundert eine auch kulturell und wirtschaftlich wichtige Rolle spielen.

 

(Die Folien stammen aus dem Vortrag "Kinder, Kirchen, Kapital - Zum Zusammenhang von Religiosität, Demografie und Geld" vom Juli 2008 vor den Finanzwissenschaftlern der Uni Hohenheim. Zus. 2009/10: Die Fertilitätsgrafik stammt aus einem neuen Artikel des Economist.)



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Religionen und Klimawandel

23. April 2009, 20:28

Es gibt Fragestellungen, auf die muss man erst einmal kommen! Nate Silver vom Statistikblog "FiveThirtyEight" hat auf Basis dieser Gallup-Studie geprüft: Stimmen Gesellschaften je nach Religionszugehörigkeit in unterschiedlich hohem Ausmaß der These zu, dass der Mensch globale Klimaerwärmung verschulde?

Und er ist in erstaunlichem Maße fündig geworden: So stimmen 65% der Befragten in überwiegend katholischen Ländern dieser These zu, es folgen Buddhisten und Juden bzw. Israel mit 63%. Am skeptischsten sind überwiegend protestantische und islamische Länder mit je 47% sowie Stammesreligionen mit 45%. (weiter)

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Franz M. Wuketits zu Gott, Gene und Gehirn

15. April 2009, 07:47

 

Zu den schönsten Erfahrungen mit dem Buch "Gott, Gene und Gehirn" gehören die sehr erfreulichen Reaktionen aus der Fachwelt - so auch von Franz Wuketits. Der Evolutionsbiologe und Wissenschaftsphilosoph bekannte sich in einem munteren Streitgespräch mit dem Theologen Richard Schröder in Gehirn & Geist 04/2009 zu einem persönlichen Atheismus, gehört dem Beirat der religionskritischen Giordano-Bruno-Stiftung an - und diskutiert (im Gegensatz zu manchen Nichtfachleuten im Bereich der Evolution und/oder Religion) doch auch seriös, fair und v.a. interessiert über die Evolutionsforschung zur Religiosität. Im Folgenden seine Rezension zu "Gott, Gene und Gehirn. Warum Glaube nützt. Die Evolution der Religiosität."

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Fruchtbarer Glauben im Focus

11. April 2009, 10:19

Fakten, Fakten, Fakten - und an die Leser denken. Getreu ihrem Motto enthält die heute (11.04.09) erschienene Ausgabe von Focus zwei Seiten zur Evolutionsforschung zur Religiosität. Dass der Wissenschaftsjournalist Christian Pantle promovierter Humanbiologe ist, zeigt sich dabei wohltuend. In Anlehnung an das Magazinmotto, für Leser des Artikels und natürlich auch sonstige Interessierte hier ein paar weiterführende Links sowie die Antworten zu drei häufig gestellten Fragen.

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