Was bedeutet die Wahl von Barack Hussein Obama zum Präsidenten der Vereinigten Staaten? Wie vollzieht sich der Regierungswechsel? Was bedeutet - Change, we can believe in? Ein Wechsel, an den (auch) wir glauben können? Was geschieht in, mit, durch die USA? Auf diese Fragen möchte ich in den nächsten Wochen (sicher erst einmal subjektive) Antworten suchen - und aus den Vereinigten Staaten bloggend berichten. (weiter)
Manche haben die Neuauflage der endlosen Polemiken zwischen evolutionsbiologisch argumentierenden Religionskritikern und Kreationisten zum Darwinjahr erhofft, andere befürchtet. Doch schon im Vorfeld wird deutlich: Zumindest in Deutschland zeichnen sich viel interessantere Perspektiven ab, die beide Seiten neu fordern. Es verdichten sich Befunde und Diskussion zu einem besseren Verstände der Evolution von Religiosität - und damit auch neuen Ebenen des Dialoges auch zwischen Natur- und Geisteswissenschaften.
Die aktuelle EPOC-Ausgabe 1/2009 beschäftigt sich eindrucksvoll und empfehlenswert mit dem griechischen Götterhimmel. Waltraud Sperlich informiert über neueste Ausgrabungen, die ältere Wurzeln griechischer Überlieferungen, Rituale und Heiliger Stätten freilegen (Die Wiege des Zeus, S. 16-24). Barbara Patzek und Klaus-Dieter Linsmeier verdeutlichen den prägenden Einfluss von Homer und Hesiod auf Mythologie und damit letztlich auch Gesellschaft und Politik (Aus Chaos entstanden, S. 24-27). "Die himmlischen Zwölf" (von Hunderten) werden uns auf den S. 28-33 vorgestellt. Und Hakan Baykal lässt die kurze Regentschaft von Kaiser Julian Revue passieren, der im 4. Jahrhundert noch einmal versuchte, den antiken Glauben wiederherzustellen - und scheiterte (Der letzte Sohn der Götter, S. 34-39). Die Religionssoziologie (z.B. Rodney Stark) haben sich zudem daran gemacht zu erforschen, wie und womit sich der Monotheismus schließlich gegen staatliche Verfolgung durchsetzte.
Immer wieder wird man als Beteiligter gefragt: Bedeutet das Bloggen das Ende des Wissenschaftsjournalismus? Werden Wissenschaftsbücher und -magazine sterben? Meine Antwort ist stets: Ganz im Gegenteil! Denn...
Auch um politische Körperschaften (wie Nationen) entfaltet sich ein religiöser Rahmen mit eigenen Ritualen, Erzählungen, heiligen Orten, Zeiten und Hoffnungen - von Jean-Jacques Rousseau als religion civile eingefordert, vom Soziologen Robert N. Bellah als civil religion, Zivilreligion zur analytischen Kategorie der Beobachtung erhoben. Der dynamische, religiöse Markt der USA hat die auch die politische Kultur des Landes tief geprägt und eine lebendige Zivilreligion mit verschiedenen, teilweise widerstreitenden Strömungen hervorgebracht. Einen faszinierenden Strang zivilreligiöser Erzählung, der von Martin Luther King jr. bis zum neugewählten Präsidenten der Vereinigten Staaten Barack Obama reicht, möchte ich Ihnen aufzeigen.
Auch wir Nachwuchs-Wissenschaftler sind in den nachwirkend obrigkeitsstaatlichen Traditionen Deutschlands sozialisiert und als Florian Böhnhardt in einem meiner Seminare an der Universität Leipzig über den Konflikt der freikirchlichen "Zwölf Stämme" mit dem bayerischen Staat über das Recht einer Ersatzschule referierte, war die Anfangshaltung der meisten von uns klar: Der Staat hat die Schulpflicht auch gegen religiöse Ansprüche durchzusetzen, basta.
Wir Menschen neigen zu Vorurteilen und trennen uns ungern von ihnen - taugen sie doch so schön zur Abwertung Fremder und Früherer und schmeicheln damit unserem Selbstbild von Identität und "Fortschrittlichkeit". So entstand in der europäischen Aufklärung das mächtige Vorurteil eines "finsteren Mittelalters" (in Englisch: Dark Ages!) zwischen Antike und Renaissance (in Französisch: Wiedergeburt!). Und als griffiges Symbol und Spottbild dafür stand "die Kirche", die angeblich die Scheibenform der Erde gelehrt und Andersdenkende verfolgt habe. Und so flüstert noch Gerard Depardieu im Film "1492" als Columbus seinem Sohn nur verschwörerisch zu, dass die Erde eigentlich eine Kugel sei...
Nichts in der Biologie macht Sinn außer im Licht der Evolution. Wohl jeder an Evolutionsforschung Interessierte hat dieses Zitat des berühmten Biologen Theodosius Dobhzansky schon einmal gehört. Doch nur wenige wissen: Es war die Überschrift eines Artikels, mit dem der gläubige Christ Dobzhansky die Vereinbarkeit von Bibel und Koran mit der Evolutionstheorie verteidigte.
Die Shaker bilden ein in der Öffentlichkeit sehr viel weniger bekanntes Beispiel als die (hier bereits vorgestellten) extrem kinderreichen Amisch People: Eine Religionsgemeinschaft, die ebenfalls Leben und Fortpflanzung ihrer Mitglieder tiefgreifend beeinflusste, nur in die entgegen gesetzte Richtung: Alle Miglieder solten streng keusch und monastisch nach Geschlechtern getrennt leben, die Geburtenrate lag nahe null, stattdessen verbreiterten sich die Shaker per Mission und Adoption.
Ab heute tagt an der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart das Religion and Science Network Germany zum Thema Neurowissenschaft im Dialog (Flyer hier) mit etablierten Forschern wie Prof. Eberhard Schockenhoff und Prof. Günter Rager sowie (laut Anmeldeliste) mehr als 70 (!) Post-Doks und weiterer Nachwuchswissenschaftler verschiedenster Disziplinen. Wenn das mal keine ermutigende Resonanz für diesen interdisziplinären Forschungsbereich ist!
Die Chance der Einladung zum Vortrag wollte ich nutzen, aufbauend auf "Gott, Gene und Gehirn" einige erkenntnistheoretische Fragen zu formulieren, die die Evolutionsforschung zur Religiosität aufzuwerfen scheint - und die die Religionswissenschaft allein kaum beantworten kann. Handelt es sich, wie z.B. Richard Dawkins formulierte, bei unseren Ausprägungen religiöser Veranlagungen nur um einen Wahn? Oder gar, wie beispielsweise der Jesuit und Naturwissenschaftler Teilhard de Chardin vermutete, um die evolutionäre Entfaltung einer Gottesschau? Widerlegt die Evolution Gott oder offenbart Er sich durch sie?
Postskript: Die evangelisch-lutherische Landeskirche Hannover veranstaltet zu "Glauben und Naturwissenschaften" Anfang Dezember sogar ein interdisziplinär besetztes Schülerforum - und laut Schreiben der Kirche liegen schon über 1.000 Anmeldungen vor... Nach hervorragenden Erfahrungen mit einem Schüler-Workshop im letzten Jahr freue ich mich auch darauf schon sehr, in diesem Rahmen wieder einen anzubieten (Programmübersicht hier). Das Thema scheint derzeit viele zu bewegen, dabei hat das Darwin-Jahr doch noch gar nicht angefangen... ;-)