chronologs Natur des Glaubens

Gotteswahn oder Gottesschau - Wohin evolvieren wir?

17. Oktober 2008, 07:09

Ab heute tagt an der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart das Religion and Science Network Germany zum Thema Neurowissenschaft im Dialog (Flyer hier) mit etablierten Forschern wie Prof. Eberhard Schockenhoff und Prof. Günter Rager sowie (laut Anmeldeliste) mehr als 70 (!) Post-Doks und weiterer Nachwuchswissenschaftler verschiedenster Disziplinen. Wenn das mal keine ermutigende Resonanz für diesen interdisziplinären Forschungsbereich ist!

Die Chance der Einladung zum Vortrag wollte ich nutzen, aufbauend auf "Gott, Gene und Gehirn" einige erkenntnistheoretische Fragen zu formulieren, die die Evolutionsforschung zur Religiosität aufzuwerfen scheint - und die die Religionswissenschaft allein kaum beantworten kann. Handelt es sich, wie z.B. Richard Dawkins formulierte, bei unseren Ausprägungen religiöser Veranlagungen nur um einen Wahn? Oder gar, wie beispielsweise der Jesuit und Naturwissenschaftler Teilhard de Chardin vermutete, um die evolutionäre Entfaltung einer Gottesschau? Widerlegt die Evolution Gott oder offenbart Er sich durch sie?

Falls Interesse besteht: Das Vortragsskript per Klick zum Download hier.

Postskript: Die evangelisch-lutherische Landeskirche Hannover veranstaltet zu "Glauben und Naturwissenschaften" Anfang Dezember sogar ein interdisziplinär besetztes Schülerforum - und laut Schreiben der Kirche liegen schon über 1.000 Anmeldungen vor... Nach hervorragenden Erfahrungen mit einem Schüler-Workshop im letzten Jahr freue ich mich auch darauf schon sehr, in diesem Rahmen wieder einen anzubieten (Programmübersicht hier). Das Thema scheint derzeit viele zu bewegen, dabei hat das Darwin-Jahr doch noch gar nicht angefangen... ;-)

 



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Bucherstling: Gott, Gene und Gehirn erscheint

07. Oktober 2008, 12:01

Als es an diesem Morgen klingelt, springe ich schneller als sonst auf und stürme zur Tür. "Warum darf Papa jetzt einfach wegbleiben? Wir frühstücken noch!", beschwert sich meine Große (5 J.) kurz darauf - und völlig zu Recht - über den Verstoss gegen den Familien-Knigge. Erfreulicherweise wirbt meine Frau augenzwinkernd um Verständnis: "Der Postbote hat heute das Buch gebracht, das Papa mit Rüdiger geschrieben hat. Darauf hat er sich schon so lange gefreut!"

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Das Überleben des Judentums als Phänomen der Religionsgeschichte

03. Oktober 2008, 09:42

Wir neigen dazu, von der Wahrnehmung der eigenen auf andere Religionen zu schließen. So glauben viele Menschen mit christlichem Hintergrund, alle Religionen würden beanspruchen, dass nur ihre Glaubensgeschwister ins Paradies fänden oder dass der Erfolg einer Religionsgemeinschaft von staatlicher Förderung abhänge. Ein Artikel von Rabea Rentschler im aktuellen Geschichtsheft Epoc (Ein Gott, eine Thora - kein Tempel) erinnert dagegen an die bemerkenswerte Entwicklung des Judentums.

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Manfred Spitzer über Gottes-Gene - Ein BR-Alpha-Kurzfilm

27. September 2008, 12:55

Für die Popularisierung und praktische Nutzung neurobiologischer Forschungen hat wahrscheinlich kaum ein deutscher Forscher mehr geleistet als der (Neuro-)Psychologe Manfred Spitzer. In der Folge 75 seiner Sendung Geist und Gehirn stellt er unter dem Titel "Gene für Gott?" auch Forschungen zur Genetik des Glaubens dar. Was ist aus Forschersicht davon zu halten?

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Sprachfähigkeit, Musikalität, Religiosität - Die soziale Perspektive

16. September 2008, 19:33

Freude über einen Artikel von Jan Dönges im aktuellen Gehirn und Geist (kostenloser Download hier): Auch in der Evolutionsforschung zur Sprache (und, damit verwandt) Musik nähern sich die genetischen und sozialen Forscherperspektiven fruchtbar einander an. Neuere Forschungen, die theoretische Modelle mit anthropologischen Beobachtungen abgleichen, fragen nicht mehr nur nach dem Individualnutzen, sondern auch nach den wechselseitigen Vorteilen sozialer Fähigkeiten (vgl. Gruppenselektion).

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Die Amischen - in 16 Jahren verdoppelt

29. August 2008, 18:02

Pennsylvania war schön, aber besonders fasziniert war ich von der Religionsgemeinschaft der Amish, deren Lebenswelt weit mehr als nur eine ideale Fallstudie zur Religionsdemografie zu bieten hat. Im 17. Jahrhundert bildeten sie sich aus der deutschsprachigen Täuferbewegung, die nur die Erwachsenentaufe anerkannten und deshalb als "Anabaptisten" (Wiedertäufer) verfolgt wurden. Sie erhielten ihren Namen als Anhänger des Ältesten Jakob Amann (die Amanschen -> die Amischen). Einigen Hundert gelang die Auswanderung in die USA, wo ihnen Religionsfreiheit gewährt wurde. In Europa erlosch die Gemeinschaft dagegen, zermahlen zwischen wenig toleranten Großkirche(n), Staaten und Gesellschaften. Obwohl sie auf aktive Mission verzichten, ja sogar Konvertiten bisweilen ablehnen, nimmt ihre Zahl demografisch nahezu exponentiell zu.

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Gruppenselektion vor dem Comeback?

21. August 2008, 14:12

Charles Darwin stand vor einem Dilemma. Warum hatte sich der Mensch zum (auch) "sozialen Tier" in Gemeinschaften entwickelt und nicht zu einem nur hemmungslosen Egoisten? Und er fand eine Antwort, die heute wieder aktuell wird.

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Naturwissenschaft Atheismus?

01. August 2008, 14:57

"Muss der 'wahre' Naturwissenschaftler Atheist sein?" - so provokant fragte die katholische Akademie im wunderschönen Kloster Weingarten Ende Juni. Für den bekennend atheistischen Naturalismus sprach Prof. Dr. Bernulf Kanitscheider, für die Evolutionsbiologe Prof. Nico Michiels, aus katholisch-theologischer Sicht Prof. Wolfgang Beinert, als Philosophin Prof. Regine Kather und als Religionswissenschaftler mit Schwerpunkt auf der Evolution der Religiosität sowie eigentlich als Counterpart zu Prof. Kanitscheider (es kam dann ganz anders) war ich geladen. Wer mag: die Beiträge sind als mp3-und-Bildvortrag alle hier abrufbar. Da selber auch eher Leser, habe ich den eigenen Text als pdf auch hier verfügbar gemacht. (weiter)

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Bollywood, die sanfte Macht

17. Juli 2008, 19:03

Als kleinen Beitrag zur Indienwoche, die gerade Stuttgart bewegt, möchte ich heute auf ein Phänomen hinweisen, dass gerade auch die Religionskulturen der Welt zu prägen beginnt wie kaum ein zweites: die Bollywood-Filme. Im religiös vielfältigen Indien entwickelt, erreichen Spielfilme und Serien längst Hunderte von Millionen Menschen weltweit - insbesondere auch in der islamischen Welt von der Türkei bis Afghanistan.

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Mit neuem Konzept - Phänomenologie

05. Juli 2008, 11:02

Für viele, gerade auch wissenschaftlich interessierte Menschen ist Religion offensichtlich auch ein sehr emotionales Thema. Und wenn die empirischen Daten und Thesen nicht dem eigenen Weltbild entsprechen, wird auch schnell mal die Qualifikation oder persönliche Motivation des Wissenschaftlers in Frage gestellt - nicht etwa durch das Aufzeigen alternativer Daten oder Studien, sondern schlicht als Behauptung, gegen die sich der Blogger dann verteidigen soll. Dieser Trend, der zudem sehr zeitaufwändig ist, hat mir zuletzt die Freude an den vielen, großartigen Diskussionen hier - viele, etwa mit Edgar Dahl und Beate T., durchaus kritisch und über Hunderte Einträge hinweg, aber immer in gegenseitigem Respekt - doch etwas verdorben und es war meinerseits wohl falsch zu glauben, man könnte durch noch mehr Daten und Studien dagegen anargumentieren. (weiter)

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