chronologs Natur des Glaubens

Religion stirbt aus? Von wegen! Das Handbuch Leipziger Religionen

02. März 2010, 23:39

Im Bezug auf die neuen Bundesländer waren in den vergangenen Wochen wieder demografische Molltöne zu hören: Laut einer Prognose des Statistischen Bundesamtes schrumpft und altert die ostdeutsche Bevölkerung durch Kindermangel und Abwanderung rapide. Während in den alten Ländern von 2006 bis 2050 ein Bevölkerungsrückgang von 14 Prozent zu erwarten sei, werde die Bevölkerung der neuen Länder um 31 Prozent sinken. Und auf 100 Menschen im Erwerbsalter zwischen 20 und 65 Jahren sollen dann 80 Ältere kommen.

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Avatar - Kinofortschritt gegen den Fortschrittszynismus

23. Dezember 2009, 07:32

Als mich ein Freund der damaligen Rollenspiel-Clique für den 3D-Kinofilm "Avatar - Aufbruch nach Pandora" gewinnen wollte, war ich zunächst skeptisch. Wie Sie sehen, schätze ich (Computer-)Technik durchaus, doch bin ich ein Fan der Fantasie und fand es unlogisch, mir eine Welt anzuschauen, deren "Natur" zwar von Menschen erdacht, aber am Computer gestaltet wurde. Doch nach einigem persönlichen Dank, lieber Timo, nun auch einen per Blog!

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Religion ohne Gott - Zen-Buddhismus

30. Oktober 2009, 18:42

Wenn jemand Religions-Definitionen hinterfragen will, wird gerne auf den Buddhismus verwiesen. Tatsächlich aber stärkt gerade das Beispiel des Buddhismus die Definition von Religiosität als "Verhalten zu übernatürlichen Akteuren". Denn wo immer sich buddhistische Traditionen über Generationen hinweg entfalteten, wurden vom zunehmend bildlich dargestellten Buddha selbst über Ahnen (vgl. japanische Ahnenverehrung), Geister, Götter und Bodhisatvas ein reiches Angebot an zu verehrenden Übernatürlichen definiert oder adoptiert. Diese sind also weniger logische Ableitungen aus einem Lehrsystem, sondern gewachsene Antwort auf die Fragen und Bedürfnisse vieler Glaubender. Und dennoch bewegt sich der Buddhismus - gerade auch in seinen Rezeptionen durch westliche Suchende - immer wieder besonders nah an Grenzbereichen religiöser und philosophischer Systeme und ist auch deswegen religionswissenschaftlich besonders interessant. Ich bin daher froh und dankbar, dass Mona - vielen hier als sorgfältig lesende, selbständig recherchierende und angenehm fair diskutierende Kommentatorin bekannt - sich bereit erklärt hat, uns einmal ihr persönlich gewonnenes Verständnis des Zen-Buddhismus zu schildern. Sie hat dem Blog und damit Ihnen allen zudem zwei wunderschöne Fotos gestiftet, die für konstruktive Zwecke frei verwendet werden dürfen. Für Diskussionsbeiträge und Fragen steht Mona auch gerne zur Verfügung. Ich wünsche Ihnen allen eine informative und anregende Lektüre & Diskussion! M.B.

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Osiris, Isis und Horus

01. Oktober 2009, 21:25

Idea zitierte neulich die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann mit einer bemerkenswert offenen Aussage: "Die beste missionarische Veranstaltung ist eine gute Beerdigung, die von Gottvertrauen und der Hoffnung auf Auferstehung spricht." Die Religionsgeschichte stützt ihr Argument. Obwohl entwickelte Jenseitsvorstellungen und -versprechen nicht zu allen religiösen Traditionen gehören (die alten Römer hatten sie z.B. kaum), trugen sie zu Ausbreitung und Beständigkeit vieler erfolgreichen Mythologien bei. Schon Homo sapiens und Homo neanderthalensis geleiteten Tote rituell ins Jenseits. Ein besonders schönes Beispiel bildet die aktuelle (Oktober) Titelgeschichte von Epoc: Der ägyptische Kult um Osiris, Isis und Horus.

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Der Gotteshelm von Michael Persinger

04. September 2009, 07:19

Immer noch geistert die Erzählung vom Gotteshelm (manchmal auch Religionshelm genannt), mit dem der kanadische Neurologe Michael Persinger "per Knopfdruck" religiöse Erfahrungen erzeugt habe, durch Teile der Öffentlichkeit und einige Medien. Was hat es mit dem Gerät auf sich?

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Dankt Gott für die Evolution!

29. Juni 2009, 07:28

Mit diesem noch recht ungewöhnlichen Ruf ziehen der evangelische Wanderprediger Michael Dowd und seine Frau, die Evolutionsbiologin Connie Barlow, seit einigen Jahren durch kirchliche und säkulare Einrichtungen der USA. Und mit der Veröffentlichung des gleichnamigen Buches "Thank God for Evolution", das von namhaften Vertretern aus Wissenschaft (darunter mehreren Nobelpreisträgern) und Religionen begrüßt wurde, zieht seine Bewegung des "evolutionären Christentums" weitere Kreise - zum Ärger z.B. kreationistischer (die Evolutionstheorie ablehnender) Gruppen. Schauen wir uns also das Ganze doch einmal an.

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Koreanischer Schamanismus

24. Mai 2009, 10:18

Schon der Beitrag über die "buddhistische" Ahnenverehrung in Japan, das hohe Leserinteresse und die rege Diskussion haben den Effekt unterstrichen, wonach Blicke über den Tellerrand der eigenen Religionskultur (auch für Kritiker derselben) sehr anregend sein können. So wurde deutlich, dass übernatürliche Akteure in allen gewachsenen Religionskulturen rituell verehrt werden, dass aber ihre Beschreibungen (z.B. die Eigenschaften von Göttern) sich auch stark von den "gewohnten" Kategorien Europas unterscheiden können. Mit einem weiteren Gastbeitrag ermöglicht uns nun Katharina Böhning, Universität Leipzig, Einblicke in die Welt des koreanischen Schamanismus.

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Buddhistische Ahnenverehrung in Japan

15. Mai 2009, 16:37

Gerne wird in Diskussionen bezweifelt, ob der Buddhismus eine Religion sei, da der Buddha doch keine absolute Existenz übernatürlicher Akteure (wie Ahnen, Geister, Götter etc.) gelehrt habe. Umso eindrucksvoller (und evolutionäre Hypothesen stärkend) ist es jedoch zu sehen, dass sich in der religiösen Alltagspraxis gewachsener, buddhistischer Gesellschaften die oft auf Familie bezogene bzw. Familienwerte bekräftigende Verehrung übernatürlicher Akteure doch auf sehr hohem Niveau entwickelt hat. Dazu ein Gastbeitrag von Katharina Böhning, Absolventin der Religionswissenschaft in Leipzig, die für inhaltliche Fragen gerne zur Verfügung steht.

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Asset Meltdown - Demografie und das Ende des Kapitalismus

28. April 2009, 10:10

Warum haben Menschen in armen Agrargesellschaften meist so viele Kinder? Ganz einfach: Kinder, vor allem Söhne, bedeuten Einkommen (als Arbeitskräfte), Altersversorgung und Schutz. Entsprechend senkt die kapitalistische Marktwirtschaft die Geburtenraten: Kinder werden kostspielig (vor allem ihre Bildung), für den Schutz sorgt der Staat und die Altersversorgung wird durch Kapitalverzinsung (oder Rentenumlage) organisiert. Immer mehr Menschen setzen daher auf Kapital statt Kinder - in der Erwartung, dass die Kinder anderer ihre Ersparnisse schon abrufen und verzinsen werden.

So bewahrt der Kapitalismus unseren Planeten vor der Überbevölkerung: Weltweit rauschen die Geburtenraten mit der wirtschaftlichen Entwicklung in den Keller (z.B. in der Türkei auf derzeit nur noch 1,8) und noch in diesem Jahrhundert wird die Weltbevölkerung vom Wachstum in die Schrumpfung übergehen.

In Deutschland wurde das Problem sinkender Geburtenraten mit Bezug auf die Rentenversicherung wieder und wieder diskutiert: Die Zahl der Rentenempfänger steigt, aber es mangelt an jüngeren Einzahlern. Erst langsam dämmert immer mehr Menschen, dass genau das gleiche Problem auch die Kapitalmärkte betrifft. Von den USA über die Europäische Union bis zu den Völkern der GUS, der arabischen Welt, Indien, Malaysia, Indonesien und China legen alternde Mittel- und Oberschichten jährlich Hunderte Milliarden an - aber die jungen Generationen, die gleichzeitig kreditwürdig und kreditbedürftig wären, schrumpfen vielerorts bereits. Längst reichen die internen Potentiale nicht mehr aus, suchen z.B. auch russische, indische, chinesische und arabische Anleger internationale Geldanlagen. Die Folge: Ein globales Überangebot an Kapital, stetig sinkende Realzinsen und Spekulationsblasen, in die verzweifelte Finanzdienstleister und Anleger (inklusive Kapitalstiftungen) auf der Suche nach etwas mehr Rendite immer öfter geraten. Denn die "Kinder anderer", die die eigenen Ersparnisse produktiv verzinsen könnten, und damit seriöse Anlagemöglichkeiten werden knapp. In der Ökonomie nennt man diesen möglicherweise unaufhaltsamen Prozess "Asset Meltdown" (deutsch: Einschmelzen von Ersparnissen) und mit der Süddeutschen ("Phänomen Asset Meltdown") hat nun auch die erste überregionale Zeitung in Deutschland ihr Schweigen dazu gebrochen.

Wenn es immer weniger Geburten gibt, droht der Asset Meltdown auf den Finanzmärkten. Illustration aus einem Vortrag vom Juli 2008.

Inwiefern hat die Religiosität damit zu tun? Erfolgreiche Religionen vermitteln ihren Anhängern Zusatzgründe für Ehe und Familie (z.B. "Kinder sind ein Segen Gottes" u.ä.) und unterstützen Familien zudem durch Bildungs- und Betreuungseinrichtungen. Mitglieder gewachsener Religionsgemeinschaften haben daher durchschnittlich deutlich mehr Kinder als ihre Nachbarn der gleichen Bildungs- und Einkommensschichten - auch wenn dies wirtschaftlich (noch?) Verluste bedeutet. Was also auch immer gesellschaftlich und wirtschaftlich auf den gewohnten Kapitalismus folgen wird: Religionen, die Kinder und Familien fördern, dürften im 21. Jahrhundert eine auch kulturell und wirtschaftlich wichtige Rolle spielen.

 

(Die Folien stammen aus dem Vortrag "Kinder, Kirchen, Kapital - Zum Zusammenhang von Religiosität, Demografie und Geld" vom Juli 2008 vor den Finanzwissenschaftlern der Uni Hohenheim. Zus. 2009/10: Die Fertilitätsgrafik stammt aus einem neuen Artikel des Economist.)



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Religionen und Klimawandel

23. April 2009, 20:28

Es gibt Fragestellungen, auf die muss man erst einmal kommen! Nate Silver vom Statistikblog "FiveThirtyEight" hat auf Basis dieser Gallup-Studie geprüft: Stimmen Gesellschaften je nach Religionszugehörigkeit in unterschiedlich hohem Ausmaß der These zu, dass der Mensch globale Klimaerwärmung verschulde?

Und er ist in erstaunlichem Maße fündig geworden: So stimmen 65% der Befragten in überwiegend katholischen Ländern dieser These zu, es folgen Buddhisten und Juden bzw. Israel mit 63%. Am skeptischsten sind überwiegend protestantische und islamische Länder mit je 47% sowie Stammesreligionen mit 45%. (weiter)

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