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Warum verfielen die antiken Götterkulte - und siegte der Eine?

von Michael Blume, 23. Dezember 2008, 16:56

Die aktuelle EPOC-Ausgabe 1/2009 beschäftigt sich eindrucksvoll und empfehlenswert mit dem griechischen Götterhimmel. Waltraud Sperlich informiert über neueste Ausgrabungen, die ältere Wurzeln griechischer Überlieferungen, Rituale und Heiliger Stätten freilegen (Die Wiege des Zeus, S. 16-24). Barbara Patzek und Klaus-Dieter Linsmeier verdeutlichen den prägenden Einfluss von Homer und Hesiod auf Mythologie und damit letztlich auch Gesellschaft und Politik (Aus Chaos entstanden, S. 24-27). "Die himmlischen Zwölf" (von Hunderten) werden uns auf den S. 28-33 vorgestellt. Und Hakan Baykal lässt die kurze Regentschaft von Kaiser Julian Revue passieren, der im 4. Jahrhundert noch einmal versuchte, den antiken Glauben wiederherzustellen - und scheiterte (Der letzte Sohn der Götter, S. 34-39). Die Religionssoziologie (z.B. Rodney Stark) haben sich zudem daran gemacht zu erforschen, wie und womit sich der Monotheismus schließlich gegen staatliche Verfolgung durchsetzte.

Die griechischen Götter waren bunt und interessant - warum siegte der Monotheismus?

In den letzten Jahren hat die Religionswissenschaft einige Fortschritte im Hinblick auf die Frage gemacht, warum die antiken Kulte auch in den Jahrhunderten verfielen, in denen sie staatlich gefördert wurden - wogegen Juden und Christen (aber auch Anhänger henotheistischer Kulte wie der Isis und Cybele) Diskriminierung und Verfolgung erlitten. Warum setzte sich der Monotheismus gegen die religiöse Konkurrenz und die staatliche Macht durch? Und warum geschah das vor allem in und aus den Städten - bis heute werden Nichtmonotheisten als Landbewohner bezeichnet - Heiden, Pagans? Neuere, auch empirische Forschungen (z.B. des Religionssoziologen Rodney Stark) sowie auch vergleichende Beobachtungen an heutigen Religionsgemeinschaften zeichnen ein immer klareres Bild.

Kurz gefasst lässt sich die Antwort auf die Titelfrage in drei Teile gliedern.

1. Gemeinschaftszusammenhalt

Gerade in die Städte brachten Zuwanderer immer neue Götter mit, es bildeten sich riesige Götterscharen einerseits, ethnisch-religiöse Enklaven andererseits. Zwischen den Anhängern verschiedener Völker kam es zu Reibereien und auch der aufgeklärte Stadtbürger stand einem Sammelsurium unterschiedlichster Götter für alle Lebenslagen gegenüber. Als Folge dieser "göttlichen Vielstimmigkeit" verfiel sowohl die ethische Verbindlichkeit (warum Gebote ausgerechnet dieses Gottes respektieren?) und auch die Rituale und Opfergaben wurden an unterschiedlichste Kulte "gestreut".

Dagegen traten die monotheistischen Religionen mit der Botschaft einer Gottheit an, die alle Menschen ansprach und Fremde zu "Brüdern und Schwestern", zu hoch exklusiven, aber eben auch verbindlichen Gemeinschaften verband. Die kostspieligen Anforderungen (z.B. Speise-, Opfer- und Zeitgebote) schreckten Trittbrettfahrer ab (vgl. Beitrag zu Ritualen und den zehn Geboten) und Synagogen- und später Kirchengemeinden bildeten Solidargemeinschaften, in denen Kinder, Kranke, Alte, die sprichwörtlichen "Witwen und Waisen" versorgt und religiös unterwiesen wurden, die auch als Anlaufstellen für Fernreisende wirkten. Das indirekt höchste Lob hierzu stammt ausgerechnet vom o.g. Kaiser Julian, der - erfolglos - dazu aufrief, auch unter den Paganen vergleichbare Solidarität zu schaffen, um den Zulauf zu den christlichen Gemeinschaften einzudämmen.

Aber es soll nicht verschwiegen werden: Der Preis für den höheren Zusammenhalt in monotheistischen Gemeinschaften bestand (und besteht!) gleichwohl in einer oft höheren Intoleranz gegenüber "Ungläubigen", auch die Überwindung ethnischer Schranken "im Inneren" geht bisweilen mit einer deutlicheren Abgrenzung "nach Außen" einher.

2. Verbindlichkeit, besonders in der Ehe

Besonders erfolgreich war (und ist!) der Monotheismus unter Frauen. Denn das weitgehende Fehlen verbindlicher Gebote untergrub die Sicherheit der Familien. Nicht umsonst hatten viele Mythen über "Göttervater" Zeus dessen Seitensprünge zum Thema und seine Gattin Hera wird auch in EPOC folgerichtig als "die Eifersüchtige" tituliert. Was unter Göttern heitere Geschichten prägte, war für Frauen in den Städten bedrückende Realität. Wirtschaftliche Abhängigkeit, sexuelle Libertinage, Konkubinats- und Scheidungsrechte des Mannes, Abtreibung und das väterliche Recht auf Kindesaussetzung stellten für sie und ihre Nachkommen reale Bedrohungen dar.

Der strenge Eingott, der den monogamen Ehebund und Familienleben auf Lebenszeit segnete und Ehebruch, Abtreibung, Kindesaussetzung verbot, bot dagegen Männern eine symbolisch erhöhte Rolle nur im Tausch gegen sexuelle Verbindlichkeit. Bis heute dominieren die Frauen Mitgliedschaft und Alltagsreligiosität der monotheistischen Religionen, wogegen Männer in der Konfessionslosigkeit, UFO-Glaubensbewegungen und Neopaganismen überwiegen (vgl. Beitrag zur Gretchenfrage). Auch dieses Verhalten lässt sich heute sowohl in Befragungen wie in der empirischen Eheforschung feststellen.

Der Preis für die strikte Monogamie bestand (und besteht!) jedoch häufig in inakzeptablen Freiheitseinschränkungen auch der Frau: Wenn sich die Männer schon exklusiv auf eine Familie festlegen sollten, so wurde umgekehrt der Ehebruch der Frau zum sanktionierten Verbrechen, nicht selten entfaltete sich eine patriarchale Doppelmoral. Man bedenke in diesem Kontext z.B. die Symbolkraft der Jesusüberlieferung (Joh 8,1-11), der mit dem Hinweis auf Sünden der Männer eine Ehebrecherin vor der Steinigung bewahrte...

3. Demografischer Erfolg

Der Verfall der polytheistischen Verbindlichkeit hatte auch demografisch ernste Konsequenzen. So beklagte z.B. Polybios im 2. Jahrhundert vor Christus bestürzend "modern" wirkende Entwicklungen:

"In der Zeit, in der wir leben, ist in ganz Griechenland die Zahl der Kinder, überhaupt der Bevölkerung in einem Maße zurückgegangen, dass die Städte verödet sind und das Land brachliegt, obwohl wir weder unter Kriegen von längerer Dauer noch unter Seuchen zu leiden hatten [...] weil die Menschen der Großmannssucht, der Habgier und dem Leichtsinn verfallen sind, weder mehr heiraten noch, wenn sie es tun, die Kinder, die ihnen geboren werden, großziehen wollen, sondern meist nur eins oder zwei, damit sie im Luxus aufwachsen und ungeteilt den Reichtum ihrer Eltern erben, nur deshalb hat das Übel schnell und unvermerkt um sich gegriffen." (zitiert nach Bernhard Felderer, Wirtschaftliche Entwicklung bei schrumpfender Bevölkerung, Berlin, Heidelberg, New York 1983, S. 128)

Die Kombination aus überlebensförderlicher Gemeinschaftlichkeit und reproduktionsförderlicher Familienorientierung bewirkte (und bewirkt!) dagegen eine durchschnittlich höhere Kinderzahl monotheistischer Familien - zumal auch in gemischtreligiösen Ehen vor allem die Mütter die Erziehung der Kinder übernahmen (vgl. 2). Antijüdische und antichristliche Verfolgungen konnten daher das Nachwachsen der Gemeinschaften nicht aufhalten und schweißten die Glaubenden oft nur umso fester zusammen. Interessanterweise ist auch das eine Beobachtung, die wir heute machen können - die aber schon in der biblischen Erzählung vom Pharao, der Angst vor dem Kinderreichtum der Israeliten bekommt (Buch Exodus) thematisiert wird und mutmaßlich also schon vorantik bekannt war. Auch heute gilt nachweisbar: Verbindlich religiöse Menschen haben durchschnittlich deutlich mehr Kinder als ihre säkularen Nachbarn - und dies gerade auch in freiheitlichen und wohlhabenden Umgebungen.

 

Der Preis für den demografischen Erfolg besteht freilich in der regionalen Verschärfung von Überbevölkerung (derzeit z.B. in Afrika und Südostasien) und teilweise auch der Ablehnung von Verhütungsmitteln durch monotheistische Geistliche.

Besser? Vielleicht. Erfolgreicher! Das auf jeden Fall.

Ein interessanter, neuzeitlicher Vergleich für die Konkurrenz verschiedener Glaubenssysteme bietet auch Indien, dessen Polytheismus sich vielerorts bereits zu einem Henotheismus (die Vielen als Ausdruck des Einen) weiterentwickelt hat und weiter entwickelt: Aber auch hier wehren sich einige hinduistisch-extremistische Bewegungen teilweise mit Gewalt z.B. gegen die Aufhebung der Kastenordnungen durch die monotheistischen Sikhs, Christen und Muslime, werfen monotheistischen Sozialwerken deren erfolgreiche Missionswirkung vor, werden in einigen hinduistischen Regionen v.a. Mädchen abgetrieben und weisen v.a. Muslime überdurchschnittlich hohe Geburtenraten auf - mit allen daraus folgenden Konflikten!

Ob monotheistische Religionen also moralisch "besser" zu beurteilen seien, kann die Religionswissenschaft normativ nicht entscheiden. Sie kann allenfalls berichten, dass sie mit ansteigender Bevölkerungsdichte erfolgreicher werden und sich also religionshistorisch tendenziell durchsetzen - aber eben auch nicht selten mit Phasen der Intoleranz und Gewalt. Wie die antiken Götter frühere Ahnen- und Schamanenkulte abgelöst hatten, so war schließlich auch ihre Zeit gekommen, wenn auch kleine Gruppen von Neopaganen Wiederbelebungen versuchen. Urbanisierung und Globalisierung bedeuten seit Jahrtausenden unter anderem auch ein Sterben der Götter, hin zu dem Einen. (Vgl. BGAEU-Artikel hier)

Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich auf diesem Wege freudvolle Feiertage und einen guten Rutsch (übrigens vom jüdisch-hebr. Rosch = Neujahr) ins neue Jahr!





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Kommentare

  1. theologie-der-vernunft.d Ein echter Weihnachtsbeitrag
    24.12.2008 | 08:58

    Danke Herr Dr. Blume

    für den Hinweis auf den Artikel über die Entwicklung bzw. Reform des Monotheismus und deren Sieg über den Götterhimmel.

    Er zeigt einmal mehr, dass in der Weihnachts-Krippe der antiken Glaubensreform weder ein von aller Welt angenommener Guru, noch dessen geheimnisvolle Christusvergottung gelegen sein kann. Vielmehr auch die monotheisitische Sache einen kosmischen Grund/Gründer hatte, vor ca. 2000 Jahren der griechische Logos des rationalen Lebensflusses als wahrer irdischer Sohn/Vermittler des hebräischen EINEN verstanden und in menschlicher Gestalt zur Welt gebracht wurde. Hier eine echt theologische Wende war, die nicht nur leere Mythen aufwärmte, um einen Guru anzuheizen, sondern den Sinn/Logos allen Lebensflusses in bekannte Bilder packte, die den verschiedenartigen Kulturen entsprachen. (Gleichzeitig diese neu interpretierte.)

    Auch warum dieser Gesamt-SINN (Logos) des kreativen Lebensflusses (heute empirisch in einer nach wie vor zu kurz-geschlossenen Auswertung der Evolutionslehre nachvollziehbar) eine menschliche Gestalt brauchte, dies rational war, lässt sich nachvollziehen, wenn wir seine kultische Konkurrenz betrachten, die weitere Entwicklung über Konstantin & Co mit klarem Verstand auswerten.

    Frohe Weihnachten

    Wenn der gemeinsame Sinn allen Seins, der gesamten natürlichen Evolution in zeitgemäßer Form wieder zur Welt gebracht wird. Und das nicht, weil es damals nützlich war, sondern weil z.B. in der Kapitalegoimus-Krise alle Welt nach Neuorientierung verlangt, nur Meinesgleichen an den Pranger gestellt werden und vergeblich nach "Gemeinsinn" des Geldes gerufen wird. Sich also zeigt, dass das kulturelle Bewusstsein eines gemeinsamen Sinnes für eine rationale Weltökonomie und Ökologie unerlässlich ist.

  2. Ingo "Mosaische Unterscheidung"
    26.12.2008 | 10:31

    Lieber Michael,

    Du nennst viele wichtige Gründe, Ursachen. Aber - um in der Sprache der Soziobiologie zu sprechen - nennst Du vor allem "proximate" Ursachen, nicht "ultimate".

    Jan Assmann ist da - soweit mir übersehbar - am ehesten auf der richtigen Spur: PARALLEL zum polytheistischen, mythologischen Götterhimmel hat sich bei den antiken Griechen eine WISSENSCHAFTLICHE Unterscheidung zwischen Wahr und Falsch entwickelt. Das war damals etwas menschheitsgeschichtlich völlig Neues. Sokrates hat um dieser Unterscheidung willen den Schirlingsbecher getrunken und trinken müssen, gedrängt von den Anhängern des alten Polytheismus.

    Die Religionen für sich genommen - und zwar alle - waren durch dieses Neue (durch Pythagoras und Co.) ziemlich heftig in die (intellektuelle) Defensive gedrängt worden. Die wissenschaftliche Unterscheidung zwischen Wahr und Falsch schuf neue "Selektionsbedingungen" für "Ideologeme" und "religiöse Systeme". Und unter diesen neuen Selektionsbedingungen in der damaligen gebildeten intellektuellen Welt konnte sich - offenbar - nur noch eine Religion halten und durchsetzen, die ebenso definitiv behauptete, etwas über den religiösen Bereich zu wissen, wie Wissenschaftler behaupten, etwas über den natürlichen (naturwissenschaftlich erforschbaren) Bereich zu wissen.

    SO entstand - schrittweise und parallel zu den eben geschilderten Entwicklungen - die "mosaische Unterscheidung zwischen Wahr und Falsch". Immanuel Kant hat dann im nächsten menschheitsgeschichtlichen Schritt aufgezeigt, daß diese mosaische Unterscheidung exakt den genannten Kategorienfehler begeht, nämlich auf metaphyischem Gebiet Behauptungen trifft, ALS OB es sich um physische Dinge handeln würde.

    Und so stehen wir heute "nackt" da: Wir haben weder die alten mythisch-polytheistischen Religionen, wir können uns nicht mehr so (kindlich-unschuldig) wie früher von der Gültigkeit monotheistischer Religionen überzeugen (als aufgeklärte Menschen) und wissen nicht, wo hinaus (mit der Menschheit und uns selbst).

    Aber die Religiosität selbst, die Spiritualität im Menschen sucht sich schon ihren Weg ... Auch in aufgeklärten Menschen. Und man könnte es sich - wie Edward O. Wilson - zur Aufgabe machen, an diesem Weg mitzusuchen, da man - wie E.O. Wilson (und immer mehr andere) erkennen könnte, daß die Menschheit der spirituellen Kraft (und auch Einigkeit) bedarf, um den Herausforderungen der heutigen Zeit wirklich adäquat und effektiv zu begegnen. Da erkennbar wird, daß atheistische Gesellschaften keine wirklich relevante (demographisch relevante) Zukunft haben.

  3. Michael Blume @ Ingo: Interessanter Beitrag!
    26.12.2008 | 12:28

    Lieber Ingo,

    das ist ein wirklich interessanter Beitrag und, ja, die Frage der quasi philosophischen Plausibilität dürfte unter den Gebildeten durchaus auch eine Rolle gespielt haben. Monotheistische (oder auch dualistische und atheistische) Auffassungen erschienen manchen als glaubwürdiger als ein Durcheinander unklar abgegrenzter Gottheiten.

    Aber trafen diese Überlegungen auf die Masse der Menschen zu? Die monotheistischen Religionen hatten z.B. auch besondere Erfolge unter den Frauen, bis heute sind dominieren Frauen die Mitgliedschaft in monotheistischen Gemeinschaften rund um die Welt. Wie würdest Du den stärkeren Zustrom von Frauen aus den spätantiken Kulten in die monotheistischen Gemeinschaften vor dem Hintergrund Deiner Hypothese erklären?

  4. Ingo erste Annäherungen
    26.12.2008 | 22:01

    Der letzte große heidnische Philosoph war eine Frau: Hypathia. Sie wurde vom christlichen Mob von Alexandria - bekanntermaßen - zu Tode geschleift.

    Es ist halt die Frage, WELCHER Frauentyp sich besonders vom Christentum, zumal Augustinischer Prägung, angezogen fühlte. Einen solchen Frauentyp gibt es gewiß und man begegnet ihm auch heute noch oft.

    In einer Welt, in der die Männer in den Kategorien für Sünde und Schuld denken, was den geschlechtlichen Bereich betrifft, ist es für Frauen sicherlich vorteilhaft, in ebensolchen Kategorien zu denken.

    Aber die Frau aus dem gebildeten Rom, mit der sich der Augustinus-Gegner Pelagius (öffentlich) schrieb, und der gegenüber Pelagius ein Christentum vertrat, in dem die Frau ("Eva") nicht vornehmlich als Verleiterin zur Sünde, zur "Erbsünde", sondern als "Mutter allen Lebens" interpretiert worden war, auch dieser Frauentypus hat sich (geistesgeschichtlich) damals - bekanntlich - nicht durchgesetzt. Und Pelagius wurde als Ketzer verdammt.

    Ja, eine sehr schwierige Frage.

    Ich glaube, man muß auch sehr stark schlicht mit Aussterbe-Prozessen rechnen. Bestimmte Persönlichkeitstypen starben einfach aus. Bestimmte genetisch vorgegebene Persönlichkeitsmerkmale. Und zwar im damaligen Italien wesentlich häufiger als etwa später, als das Christentum - bspw. - in Island eingeführt wurde dort.

    All die stolzen fränkischen (frühchristlichen) Königinnen, von denen Gregor von Tours berichtet, und die ihre Ehemänner ermorden ließen oder die von ihren Ehemännern ermordet wurden, auch bei ihnen kann man bestimmte Selektionsprozesse vermuten. Die Sklavinnen dieser Königinnen werden definitiv mehr Kinder gehabt haben ...

    Demütige Frauentypen, die leichter bereit waren, sich unterzuordnen, werden damals tatsächlich - geradezu als Schutzfunktion - in die Kirchen geströmt sein. Aber sicherlich in der Mehrheit auch erst, nachdem das Christentum Reichsreligion, Staatsreligion geworden war. Damit war schlicht ein neues Selektionsregime eingerichtet worden und es war für alle (genetisch und kulturell) vorteilhaft, sich auf die eine oder andere Weise an dieses neue "Regime" anzupassen. (In repressiven Regimen fahren Duckmäuser immer besser ...)

    Außerdem spricht das Christentum insbesondere "weibliche Tugenden" an, weniger männliche. Das Schwache, Schutzbedürftige wird besonders in den Vordergrund gestellt. Das ist attraktiv für Frauen, zumal in sogenannten "barbarischen" Gesellschaften.

    Aber insgesamt: Es breitete sich mit der mosaischen Unterscheidung auch eine ganz neue Welthaltung aus. Eben eine repressive, autoritäre, unfreiheitliche. Denn die mosaische Unterscheidung hat sich letztlich überall des staatlichen Zwanges bedienen müssen, um sich durchzusetzen. - Vielleicht so als erste Annäherung. - ?

  5. KRichard Götterdämmerung
    27.12.2008 | 07:29

    Wenn man über den Verfall der alten Götter nachdenkt - sollte man die Wissenschaft nicht vergessen.

    Planeten und Götter wurden damals gleichgesetzt: Mars, Jupiter, ... und die Sterne wurden als unverrückbarer, verlässlicher, fester Bezugspunkt gesehen.
    Als Hipparch (ca. 190-126 v.Chr)entdeckte, dass sich deren Position änderte (durch Präzession = Richtungsänderung der Achse des rotierenden Kreisels ´Erde´, ändern sich auch die Sternpositionen) kam dies einer Götterdämmerung gleich: Seine Beobachtung bedeutete =>
    Es gab eine Macht, die größer war als die bisher bekannten Sternengötter und die Götterwelt verschieben konnte: d.h.man konnte sich nicht mehr auf die alten Götter verlassen.

    Man dachte, dass es Perseus gewesen sei, der diese Verschiebungen ausgelöst hätte - und der dadurch mächtiger als alle anderen Götter war. In Kleinasien wurde dieser neue mächtige Gott dann als ´Mithras´ gesehen, der schon als Hüter der göttlichen Ordnung bekannt war - so entstand ca. 100 v.Chr. der Eingottglaube Mithraskult.
    (Buchtipp: Die Ursprünge des Mithrakults, David Ulansey, Theiss-verlag)

    (Man sollte aber auch nicht vergessen, dass es damals auch schon den Eingottglauben des Zarathustra gab: Vieles von seinen Lehren ist wie abgeschrieben deutlich im Christentum erkennbar: Gegensatz vom Eingott-Geist des Guten (Ahuramazda) zum Geist des Bösen (Ahriman), Glaube an ein himmlisches Strafgericht am Ende aller Tage (=> Jüngstes Gericht), usw.)

  6. Klaus Deistung Übertreibung und Ablenkung?
    27.12.2008 | 10:45

    Sehr geehrter Herr Dr. Blume,
    Sie sprechen ein Thema an, zu dem ich mir auch schon Fragen gestellt habe. Viele Götter haben praktisch alle wichtigen Völker überliefert: Sumer, Ägypten, Griechenland, Mexiko, Indien, selbst im früheren Europa. Bei der Analyse stellt sich aber vielfach heraus, dass die gleichen Götter in anderen Ländern nur anders heißen – und dafür gibt es viele Belege. Ea = Enki = Ptah = Poseidon oder Ninischzidda = Thot = Hermes = Quetzalcoatl... Er war der Sohn von Ea. Oder Ischtar = Inanna = Venus = Aphrodite... Dann gab für die verschiedenen Bereiche einen Gott, der dafür zuständig war, dass ihr Bereich auch im Gesamtsystem „funktionierte“. Nun waren sich die Götter auch nicht immer „grün“ und es kam zu Kriegen, bei denen teilweise die Menschen mitmachten, mitmachen mussten. Dazu liegt sogar ein Buch vor: Sitchin, Z.: Die Kriege der Menschen und Götter. Kopp, Rottenburg 2004.
    Siegte der Monotheismus – oder wurde er zum Sieg geführt? Nun habe ich letztens erst einen Beitrag gelesen, in dem die Kirchenoberen Elohim (Pluralwort) zu Gott (El) gemacht haben sollen. Auf der einen Seite ist das natürlich eine gute Sache, denn es gibt keinen Grund mehr, einen „religiösen“ Krieg zu führen – eigentlich sind alle Kriege nur Machtkämpfe. Auf der anderen Seite stärkt das die Macht der Kirchenfürsten enorm. Deswegen wollen ja auch alle Religionen ihre Reihen stärken - auch durch Abtreibungs- und Kondomverbot. Und wenn im Machtkampf zu viel Männer sterben, dann dürfen die überlebenden auch mehrere Frauen haben, damit wieder mehr Kinder kommen – eine lange Tradition: Sitchin, Z.: Das verschollene Buch Enki. Kopp, Rottenburg 2007.
    Dass eine Überbevölkerung die Lebensbedingungen weiter verschlechtert, auch die Räume für Pflanzen und Tiere einschränkt – wissen wir. Über eine Geburtenregelung ernsthaft nachzudenken... ist immer noch kein breites Thema! Es hängt auch entscheidend von sozialen Bedingungen ab! Und die liegen noch oft im Argen, (Stammes-)Kriege verschlechtern die Bedingungen weiter.
    Warum schauen Sie nach Griechenland? Wie ist es denn in Deutschland? Im Prinzip auch nicht viel anders!

  7. KRichard besseres Angebot
    27.12.2008 | 11:45

    Ein Grund für den Sieg des Christentums ist sicherlich, dass die Christen das bessere ´Angebot´ hatten; im Vergleich zu anderen Kulten:
    Das Christentum war sehr familienfreundlich = problemlos zugänglich für Erwachsene und Kinder, Freie und Sklaven gleichermaßen (Andere Kulte hatten Alters- oder Geschlechtsbeschränkung)

    Der Zugang war einfach (andere Kulte hatten z. Teil schwierige, schmerzvolle Aufnahmeriten)

    Es versprach eine baldige Besserung der akuellen Situation (Mathäus 10:7 bzw. 16:27+28)

  8. Michael Blume @ Ingo: Diskussion, empirisch
    27.12.2008 | 12:09

    Lieber Ingo,

    Du schriebst:

    "Demütige Frauentypen, die leichter bereit waren, sich unterzuordnen, werden damals tatsächlich - geradezu als Schutzfunktion - in die Kirchen geströmt sein. Aber sicherlich in der Mehrheit auch erst, nachdem das Christentum Reichsreligion, Staatsreligion geworden war."

    Das ist falsch. Vom erstaunlich hohen Zuspruch gerade auch unter Frauen schon zu Lebzeiten Jesu berichten bereits die Evangelien und Apostelgeschichte, für die ersten Jahrhunderte ist sie vielfach belegt. Und in dieser Zeit waren weder Juden- noch Christentum Staats- oder Reichsreligionen, sondern diskriminierte und oft verfolgte Minderheiten. Analoges geschah in Arabien - Muhammad erfuhr die erste Unterstützung z.B. durch seine wohlhabende Frau (und Unternehmerin) Chadidscha - in Zeiten riskanter Opposition zur polytheistischen Mehrheit! Und auch heute beobachten wir: Auch in Staaten wie in den USA (ohne Staatskirche) oder China (gegen staatliche Unterdrückung) strömen mehr Frauen als Männer in die Kirchen, quer durch die Bildungsschichten.

    "Damit war schlicht ein neues Selektionsregime eingerichtet worden und es war für alle (genetisch und kulturell) vorteilhaft, sich auf die eine oder andere Weise an dieses neue "Regime" anzupassen. (In repressiven Regimen fahren Duckmäuser immer besser ...)"

    Wie gesagt und in jedem Geschichtsbuch nachzulesen: Die monotheistischen Religionen setzten sich GEGEN staatliche Macht durch. "Duckmäuser" blieben christlichen Gemeinden in dieser Zeit lieber fern, stattdessen erlitten diese Verfolgung und nicht selten Martyrium. Die Befunde widerlegen Deine "These" also diametral.

    "Außerdem spricht das Christentum insbesondere "weibliche Tugenden" an, weniger männliche. Das Schwache, Schutzbedürftige wird besonders in den Vordergrund gestellt. Das ist attraktiv für Frauen, zumal in sogenannten "barbarischen" Gesellschaften."

    Da kommen wir der Realität womöglich näher. Götter"väter", die ständig ihre Gattinnen betrogen, Bankette und Schlachten zelebrierten und letztlich das Recht des Stärkeren vertraten, üben bis heute vor allem auf Männer Faszination aus. Der Eingott, der dagegen strenge Sexual- und Eheregeln fordert, Familien und Kinder segnet etc. wird dagegen vor allem von Männern der Freiheitsberaubung gescholten. Demografisch (und damit auf lange Sicht auch biologisch) ist dieser Pro-familiale Monotheismus aber auch heute messbar erfolgreicher.

    "Aber insgesamt: Es breitete sich mit der mosaischen Unterscheidung auch eine ganz neue Welthaltung aus. Eben eine repressive, autoritäre, unfreiheitliche. Denn die mosaische Unterscheidung hat sich letztlich überall des staatlichen Zwanges bedienen müssen, um sich durchzusetzen."

    Das der Monotheismus eine höhere Verbindlichkeit fordert, die vor allem Männer stört, sehe ich auch so. Aber der Monotheismus hat sich eben NICHT über den Staat, sondern GEGEN den antiken Staat durchgesetzt! Wenn es überhaupt einen Versuch des Monotheismus-von-oben gab, dann bei Pharao Echnaton, der scheiterte. Der Monotheismus war (und ist z.T. heute noch) dagegen das Projekt von verfolgten Minderheiten, die gegen alle Unterdrückung zu Mehrheiten aufstiegen und erst danach (in einigen Fällen) Staatskirchen begründen konnten.

  9. Michael Blume @ Deistung: Mono- und Henotheismus
    27.12.2008 | 12:20

    Lieber Herr Deistung,

    danke für Ihren Beitrag. Ja, im Kern zeichnen sich zwei Strategien der Überwindung des Polytheismus ab: Der Eine Gott konnte die anderen und deren Kulte verdrängen (Monotheismus) oder diese als Vorboten, Variationen, Heilige usw. "eingemeinden" (Henotheismus). Letztlich liegen in der historischen Realität meist Mischformen vor, so hat der christliche Monotheismus viele heidnischen Überlieferungen verdrängt, andere (z.B. Sol Invictus) auch aufgenommen und anverwandelt. In Umrissen können wir den gleichen Prozess auch in Israel beobachten.

    Als widerlegt muss aber die Erklärung über "Kirchenfürsten" gelten: Denn diese setzen ja voraus, was eigentlich erklärt werden muss. Sowohl das (rabbinische) Juden- wie das Christentum verfügten in den ersten Jahrhunderten nach Christus über keine zentralen, religiösen Hierarchien, sondern erwuchsen aus (oft miteinander konkurrierenden) Basisbewegungen. Hier liegt vielmehr kulturelle Evolution vor: Es setzten sich auch innerhalb der jüdischen und christlichen Überlieferungen nur jene Strömungen durch, die Gemeinschaft und Familienleben förderten, Dutzende jüdischer und christlicher Alternativen erloschen dagegen. Kirchliche Hierarchien festigten sich dagegen erst in der Zeit des Mittelalters, das Oberrabbinat von Israel errang (immer noch eingeschränkte) Geltung erst im 20. Jahrhundert wieder.

  10. Michael Blume @ KRichard
    27.12.2008 | 12:31

    Lieber Herr Richard,

    auch Ihnen vielen Dank für den Beitrag, dem ich - wieder einmal - im Tenor völlig zustimme. Natürlich gab es auch unter den frühen Christen familienfeindliche Strömungen, die aber im demografischen Wettbewerb ebenso unterlagen wie z.B. in der Neuzeit noch die Shaker:
    http://www.chronologs.de/...-kurze-bl-te-kinderlos

  11. KRichard Nachtrag zu: besseres Angebot
    27.12.2008 | 14:17

    Ich habe es im vorherigen Beitrag leider nicht gleich alles hin geschrieben:
    zu dem ´besseren Angebot´ gehört noch eine wesentliche Information:
    Das Angebot ist knapp! (siehe Matthäus- Bibelstellen) => nur wer rechtzeitig dabei ist, erhält das ewige Leben nach dem Jüngsten Gericht.

    Die anderen Kulte hatten kein solches Angebot (baldiges Weltende + Ewiges Leben).
    Wie wichtig ein solches Angebot ist, zeigt die Entwicklung der Zeugen Jehova´s. Wenn meine Zahlen richtig sind, dann hatten sie für 1914, 1918, 1925, 1941 und für 1975 den Weltuntergang Harmageddon/das Jüngste Gericht erwartet(mittlerweile gibt es kein festes Datum mehr, man muss aber jederzeit bereit sein) - Außerdem war die Zahl der Auserwählten begrenzt; d.h. man musste sich beeilen, damit man dabei war.

  12. Michael Blume @ KRichard: Parusieverzögerung
    27.12.2008 | 17:20

    Lieber KRichard,

    ja, in der Tat, ein nahes Weltenende mit nur wenigen Erwählten erlaubt religiösen Neugründungen oft einen schnellen Start. Allerdings müssen sie dann das Ausbleiben des Ereignisses - in der christlichen Theologie als Parusieverzögerung bezeichnet - verarbeiten. So waren zuletzt zahlreiche UFO-Glaubende aufgrund einer Channel-Nachricht davon überzeugt, dass am 14. Oktober die Außerirdischen sich zeigen würden - und das Ausbleiben des Ereignisses bot eine hervorragende Chance zur Beobachtung des Prozesses:
    http://religionswissenschaft.twoday.net/...254855/

    Auch steht die Ankündigung einer nahen Weltenendes natürlich dem Aufbau längerfristiger Institutionen (z.B. Schulen, Hospize etc.) eher im Weg, die für den dauerhaften Erfolg entscheidend sind.

    Die Zeugen Jehovas hatten so nicht nur mehrere Parusieverzögerungen "zu verdauen", sondern weisen in Zentraleuropa aufgrund des Verzichts auf familienfördernde Dienste (wie Kindergärten, Ferienheime etc.) bei gleichzeitiger Fixierung der Alleinverdienerehe inzwischen sehr niedrige Geburtenraten auf.

    Dem Christentum insgesamt ist der Übergang aus der Naherwartung in die Weltgestaltung dagegen besser gelungen, wohl auch weil die Versorgung von Witwen, Waisen und Armen von anderen Kulten noch kaum geleistet und also zum "Markenzeichen" wachsender Kirchengemeinden wurde.

  13. KRichard nahes Weltende
    27.12.2008 | 18:38

    Der Begriff ´nahes Weltende´ ist sehr interpretationsfähig. Laut AT sind einige Personen über 800 Jahre alt geworden (1.Mose,5.Kapitel) - und bei Matthäus heißt es ausdrücklich, dass einige den Tod nicht schmecken, bis der Menschensohn kommt. => d.h. theologisch lässt sich erklären, wenn es nicht gleich kommt.

    Außerdem sollte man im Zusammenhang mit der Zeit vor 2000 Jahren auch den Kaiser Augustus nicht vergessen:
    Wenn ich mich richtig erinnere, dann hat er die Lebensform ´Familie´ stärker gestärkt oder gefördert (so haben wir es im Untericht gelernt) als andere Kaiser vor ihm.
    Zudem waren die Haushalte damals Lebensgemeinschaften: Wer dazu gehörte, für den wurde gesorgt - wer nicht, der hatte allein nur geringe Überlebenschancen. Dies wird die Ausbreitung des Christentums ebenfalls gefördert haben (um Streit zu vermeiden war es sinnvoller, wenn dann alle den gleichen Glauben hatten)

  14. Michael Blume @ KRichard: Augustus
    27.12.2008 | 18:49

    Wieder Zustimmung meinerseits! :-)

    "Außerdem sollte man im Zusammenhang mit der Zeit vor 2000 Jahren auch den Kaiser Augustus nicht vergessen:
    Wenn ich mich richtig erinnere, dann hat er die Lebensform ´Familie´ stärker gestärkt oder gefördert (so haben wir es im Untericht gelernt) als andere Kaiser vor ihm."

    Ja, die geradezu verzweifelt anmutenden Versuche des Kaisers, die demografische Bevölkerungsimplosion zu beheben, muten sogar seltsam modern an!
    Einen kurzen Fachartikel von Prof. Sonnabend dazu siehe z.B. hier:
    http://www.vgrdl.de/...fte/PDF/Beitrag07_08_11.pdf

    Genützt hat es übrigens kaum etwas - die Geburtenraten im römischen Reich stiegen erst nach der Durchsetzung des Monotheismus wieder an. Und auch heute weisen z.B. die intensiv religiösen USA fast ohne staatliche Familienförderung höhere Geburtenraten auf als alle Staaten Europas...
    http://www.chronologs.de/...demografischer-fanpost

    Demography matters, indeed...

  15. Klaus Deistung Planeten und Götter
    28.12.2008 | 00:05

    @ KRichard
    Für bestimmte Sachen haben wir bestimmte (festgelegte) Begriffe. Den Planeten wurden die Namen von Göttern verliehen. Nehmen wir das Enuma Elisch – hier scheint die Sache recht verzwickt zu sein, denn P.M. hat ein Problem damit [BP]: „Das »Enuma Elisch« ist letztlich eine Geschichte voll Mord und Totschlag, Intrigen und verzwickten Liebesbeziehungen, bis schließlich die Menschheit aus dem Blut des Gottes Kingu erschaffen wird und ein Obergott namens Marduk die Macht ergreift, um über die Götterwelt und die Menschen zu herrschen.“ Der erste und zweite Teil zeigt Unkenntnis durch Recherchemangel, im 3. Teil des Satzes klingt das Eingott-Prinzip an. Marduk ist der älteste Sohn von Ea, babylonischer Hauptgott und später in Ägypten Amun/Re. Die Planeten haben Götternamen, die auch agieren. Im Endergebnis ist das ein literarisch bearbeiteter physikalischer Vorgang zunächst der Himmelskörper im Sonnensystem vor über 4 Milliarden Jahren, an dem die Götter so gesehen gar keinen Anteil haben (können).
    Wenn ich sage, dass ich Nichts, ja sogar ein besseres Nichts produzieren und Nichts auch nachweisen kann und im Nichts so dünne Schichten aus Metall herstelle, dass man durchsehen kann – werden mich viele nicht gleich verstehen – obwohl ich nichts Falsches gesagt habe. Schlüsselwort: Nichts = Vakuum, und hier kann man Metalle verdampfen, auf Glas abgeschieden sind Schichten dünner 100 nm durchsichtig. Für Raster-Elektronen-Mikroskop (REM) Untersuchungen nicht elektrisch leitender Materialien sind Gold- oder Kupferschichten um 50 nm
    notwendig. Und so sind viele Vorgänge zunächst unverständlich, wenn nicht der passende Fachmann das erläutert. Das führt zwangsläufig zu einer interdisziplinären Forschung, die bei den Keilschriftinhalten aus Sumer naturwissenschaftlich vorsätzlich unterbunden wird und so zu vielen Fehlinterpretationen – auch zum Thema Götter – führt: Buchtipp [SB].
    [BP] P. J. Blumenthal, P. J.: Abrahams Söhne - Einigkeit über den Anfang der Welt. P.M. HISTORY 12/2007 - http://www.pm-magazin.de/...kel/artikel_id2417.htm
    [SB] Sitchin, Z.: Gesandte des Kosmos. Knaur, München 1998 neu: Begegnungen mit Göttern, Kopp, Rottenburg 2004

  16. KRichard @Klaus Deistung
    28.12.2008 | 05:41

    Wenn man sich mit Planetengöttern und deren irdischen Fachleuten befasst - dann muss man staunen, wie genial die Bibel geschrieben ist.

    Wenn man sich Gedanken über die Ablösung der alten Götter und Mysterienkulte durch das Christentum macht - dann sollte man Matthäus, 2.Kapitel als Schlüsselstelle lesen: einfach genial, anders kann man es nicht sagen.

    Heute reden wir von den Hl. 3 Königen - in der Bibel steht es genauer: es waren die Weisen aus dem Morgenland!
    Als Magier und Sternendeuter waren sie Eingeweihte, Vertreter und Hüter des Wissens der alten Sternen-/Planeten-Götter-Kulte.

    Damals verstand man diese Botschaft vermutlich noch besser als Heute: Die gebildetsten Menschen ihrer Zeit, die Hüter/Vertreter der alten Ordnung(!!!) kamen, um Jesus anzubeten.
    D.h. die Botschaft dieser Bibelstelle ist klar: die ´Fachleute´ selbst haben erkannt, dass mit Jesus ihre alte Ordnung abgelöst wurde. Die gebildeten Menschen der damaligen Zeit dürften diese Botschaft verstanden haben.

  17. KRichard @Michael Blume
    28.12.2008 | 06:35

    Der wichtigste Grund für die Überwindung der antiken Kulte und den Aufstieg des Christentums ist so naheliegend, das er einfach übersehen wird:
    Die Christen haben eine Hl. Schrift!

    In allen Kulturen, wo das Wissen nur mündlich weitergegeben wird tritt ein Verlust des alten Wissens ein, wenn ein Geheimnisträger/Priester/Schamane stirbt. Sein Wissen ist sofort und dauerhaft verloren.

    In Schriftreligionen dagegen, wie dem Christentum, bleibt das Wissen dauerhaft verfügbar. D.h. der Tod eines gelehrten spielte keine Rolle mehr, da sich die Religion auch aus den Schriften heraus erneuern kann.

  18. Michael Blume @ KRichard: Hl 3 Könige
    28.12.2008 | 09:49

    Ja, die Geschichte mit den Heiligen drei Königen, eigentlich Sternkundige aus Babylon, ist schon eine sehr spannende Sache! Hier im Planetarium Stuttgart wird jährlich eine Schau zur Sternenschau der Babylonier gezeigt, inkl. einer Konstellation, die von Priestern der damaligen Zeit tatsächlich als Geburt eines hohen Königs in Juda verstanden worden sein könnte.

    Habe vor längerer Zeit hier auch mal einen Film dazu eingestellt:
    http://religionswissenschaft.twoday.net/...284296/

    Und zur Heiligen Schrift: Ja, stimmt natürlich. Wobei es auch auf die Inhalte ankommt. Auch die Griechen kannten ihre Götter aus den Schriften von Hesiod und Homer, allerdings ergab sich daraus kaum ein verpflichtender Moralkanon, insbesondere nicht im familiären Bereich. Aber das Thema Heilige Schrift ruft eigentlich schon nach einem zukünftigen, eigenen Beitrag, inkl. der Linkeschen These... Danke auch für diese Anregung! :-)

  19. Klaus Deistung Nicht alles passt zusammen
    28.12.2008 | 11:42

    @ MBlume
    Lieber Herr Blume,
    in dieser und vergangener Diskussion zeigt sich, dass Probleme in der Kirche oft noch recht kontrovers liegen (z. B. Elohim, G. Bruno) – von der Wissenschaft kann man das aber genauso behaupten, Religion und Wissenschaft wie 2 Königskinder mit eigentlich einem Ursprung.
    In der ARD wurde vor knapp 10 Jahren festgestellt, dass es über 300 christliche Richtungen gibt, die alle von Genf aus verwaltet werden – wie sieht das heute aus?
    Entwicklungen werden von einzelnen (Macht-)Personen aber auch von Personengruppen ausgelöst – und so gibt es immer Veränderungen. Klar ist auch, dass nicht alle progressiv sind. Der Anfang des Enuma Elisch findet sich auch auf der ersten Seite des AT der Bibel wieder. Diejenigen, die das Enuma Elisch entwickelt haben wussten, das es über Milliarden Jahre ging und mit 6000 Jahren Erdentwicklung überhaupt nichts zu tun hat. Das ist mehr als nur eine Übertreibung aus biblischen Erkenntnissen mit Nichtverständnis des Anliegens und in völliger Disharmonie mit wissenschaftlichen Erkenntnissen. Prof. Gitt hielt eine Vortrag und sagte: „Es ist für mich als Wissenschaftler wichtig, dass wir in der Bibel Denkkategorien vorfinden, die genau übereinstimmen mit den Denkkategorien, die wir von der Naturwissenschaft her kennen.“ Das ist eins von vielen Zitaten, die dem JEK (6000-Jahre-Erde) widersprechen. Ich habe es erlebt, diese Leute weichen jeder Diskussion aus.
    In Ihrem Link stellen Sie u. a. die Frage: „Warum leitete ein Stern zu ihm...“ (Jesus). Und nun versuchten die modernen „Sterndeuter“ einen Stern zu finden. War es eine Planeten-Konjunktion (zwei Planeten stehen „nebeneinander“ - Jupiter ist 5,2 AE, Saturn 9,5 AE weg von der Erde), gar ein Komet (unter 1.000.000 km geht da gar Nichts!) oder eine Supernova (mehr als 20 Lj ) – oder? Und nun versuchen wir mal ein in 10.000 m Höhe fliegendes Flugzeug einem Haus zu zuordnen! Mit einem Hubschrauber geht das schon eher! Hier liegen also die Wissenschaftler falsch – und sie haben auch nicht geschrieben/schreiben dürfen: (Mt 2,9): „...Der Stern, den sie schon bei seinem Aufgehen beobachtet hatten, ging ihnen voraus. Genau über der Stelle, wo das Kind war, blieb er stehen." Das kann kein natürlicher Stern! Da fällt mir eher eine modernisierte Variante von Ez 1, 4-28 ein.

  20. Ingo Der Staat verteidigt Religionsfreiheit
    28.12.2008 | 11:47

    - und zwar GEGEN das Christentum (in der Antike)

    Lieber Michael,

    über den repressiven, untoleranten Charakter des Christentums im Vergleich zu den polytheistischen Vorgängerreligionen ist wohl noch zu wenig nachgedacht worden mancherorts (z.B. hier auf dem Blog?). (Ebenso natürlich hinsichtlich von Islam, Judentum.) Aber das ist ja doch so mehr oder weniger die Definition und das Wesen von Polytheismus, daß er tolerant ist und tolerant sein kann gegenüber "fremden", "andersartigen" Götterkulten. Daß er fähig ist, sie zu integrieren.

    Warum hat er das gegenüber dem Christentum nicht getan, warum war er dazu nicht "fähig"? Warum hat er das Christentum vielmehr verfolgt? Nun, ziemlich simpel. So dumm waren ja wohl die Polytheisten auch nicht - und zwar weltweit, überall, wo das Christentum hinkam: Sie merkten sehr bald, daß Christentum "Monokultur" ist, daß Christentum alles platt macht, daß Christentum religiöse Unfreiheit mit sich bringt. NATÜRLICH haben sie DAS bekämpft.

    Damals wurde - wenn ich es recht sehe - vom religiös (relativ und vergleichsweise) freiheitlichen antiken Staat das Christentum ganz genauso bekämpft wie heute die Demokratie ihre Feinde bekämpft. Nach dem Sinne: Keine Freiheit für jene, die die gewährte Freiheit nur nutzen, um sie dann, wenn sie zur Herrschaft gekommen sind, abzuschaffen. Keine Freiheit für die Feinde der Freiheit.

    Natürlich taten das die Feinde der Freiheit damals in dem "Gottes-Wahn", den einzigen wahren und richtigen Gott zu besitzen. Und dieser Gotteswahn hinwiederum ist eben das WESEN der monotheistischen Unterscheidung, die auf RELIGIÖSEM, metaphysischem Gebiet noch untoleranter ist als die Naturwissenschaft auf ihrem Gebiet.

    Denn die Naturwissenschaft überzeugt sozusagen von selbst, sie bedarf nicht eines weltlichen Armes, um sich durchzusetzen. Und das gilt für die monotheistische Unterscheidung ja wohl ganz klar nicht.

szmtag