Neuer Atheismus & Giordano-Bruno-Stiftung im Fokus von Medien & Wissenschaft
Unterscheidet sich der sog. "neue Atheismus" wirklich qualitativ und inhaltlich vom "alten"? Was motiviert eigentlich Atheisten zu Missionskampagnen und Spendenaufrufen für antitheistische Werbung? Was und wer steckt hinter der Giordano-Bruno-Stiftung? Solche Fragen werden gerade auch im Darwinjahr intensiv gestellt und diskutiert - und ein Artikel von Reinhard Bingener in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ - Klick hier) hat der Debatte neue Nahrung gegeben. Religulous, ein religionskritischer Film, soll weitere Aufmerksamkeit bringen (Trailer & Infos hier).
Die Religionswissenschaft betrachtet die Entwicklungen von und Debatten um weltanschaulich-religionsbezogene Bewegungen natürlich mit großem Erkenntnisinteresse und (im Gegensatz vielleicht zu mancher Theologie) auch ohne Furcht. Religionswissenschaftler fragen zum Beispiel, ob es soziale und inhaltliche Zusammenhänge zwischen der (auch demografischen) "Rückkehr der Religion(en)" und der Formierung des "neuen Atheismus" in Deutschland und den USA gibt. Trends vorausahnend, hat zum Jahresanfang an der Freien Universität Berlin das religionswissenschaftliche DFG-Forschungsprojekt
Die "Rückkehr der Religionen" und die Rückkehr der Religionskritik – Der "Neue Atheismus" in der deutschen und US-amerikanischen Gegenwartskultur
seine Arbeit aufgenommen (Projektpage hier).
Religiosität, Religionen, Religionskritik - in unserem Fach gibt es viel zu erforschen und wir dürfen gespannt sein, was die Berliner Kollegen zum "neuen Atheismus" entdecken! :-)
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Der Kommentar hat nichts mit dem Thema zu tun, aber ich habe das Siegel(? oder wie nennt man das korrekt?) oben an deinem Blog bemerkt, also Herzlichen Glückwunsch zum Scilogs-Preis 2009!
@Beate, Verletzung v. Menschenrechten
Menschenrechte gehen in erster Linie auf Menschen, ohne Glaubenslehre, verbale Glaubensbekenntnisse, Rituale,
Spukgeister zurück..
Die übernatürliche Intelligenz ist Bewegungsenergie. Es war, ist, wird. Dein Ausatmen, deine Hautzellen sind schon jetzt teilweise in der Wolke. Im Hinblick Zukunft sind die Meterologen die sichersten Propheten.
Ansonsten ist das eigene Gewissen, soweit es nicht andere mit Gewalt stört, maßgeblich. Jede Tat ist mit Erwartungshaltung gewissermaßen Glaube verbunden, weil man nie vollständig sicher das Ergebnis, im Vorhinein weiß. Ich mache es erst mal mir selbst recht. Denn wenn ich unzufrieden bin, ist die schlechteste Basis, es anderen recht zu machen. Und perfekt werde ich ohnehin nicht. Ich bin Mensch, brauche keine weiteren Etiketten, wie den Namen, im Personalausweis.:-)
Shalom
Wollte da doch auch noch was Verständliches dazu bringen.
Mensch, Beate, da musste ich doch eben an Sie denken, als ich eben von Arrowman bei den Brights Folgendes las:
"Um mal Penn Jillette zu zitieren: 'The lesser of two evil is still evil and the enemy of you enemy is not your freind.' [Ist wohl gemeint "friend"]. Also, man kann auch ein Übel mit dem andern austauschen.
Im Klartext, für unser Thema:
Menschenrechtsverletzungen gab und gibt es durch die ganze Menschheitsgeschichte hindurch so vielerlei, dass es etwas verwundert, ihre Ursache nur oder hauptsächlich in der Religion zu sehen. Ich erinnere mich da an ein interessantes Lied, in dem es heißt "Die Internationale erkämpft das Menschenrecht". Und weiß von vielen, die da nur bittere Erfahrungen machten, machen mussten - denen dies Lied mit den hehren Zielen im Hals stecken bleibt...
OK, da haben verschiedene Leute auch ihre Negativ-Erfahrungen mit der Religion und mögen deshalb davon gar nichts mehr wissen. Es käme dabei immer noch drauf an, mit welcher. Sonst klingt es womöglich so, wie bei jemand, der Negativ-Erfahrungen hat mit Erziehung und deshalb ganz auf Erziehung verzichten will. Oder man könnte von einzelnen Kulturleistungen reden wie z.B. Sport; auch dafür gab es schon Verletzungen von Menschenrechten. Aber ist der Sport schuld?
Und auch anders herum: Für Menschenrechte haben schon so vielerlei Leute etwas unternommen - die haben so vielfältige Wurzeln, dass es etwas verwundert, wenn Leute dafür blind sind und potentielle Bündnispartner im Bereich der Religion einfach nicht wahrhaben wollen.
Ihre Argumentation verlief sowieso mehr auf der Welle einer möglicherweise sehr berechtigten moralischen Empörung. Analytische Klarsicht könnte dies sinnvoll ergänzen.
Basty
Für die leidenschaftliche und hoch interessante Diskussion möchte ich zunächst einmal herzlich danken! Das ist wirklich großartig und ich habe jeden Kommentar mit Interesse gelesen.
Da das Phänomen des "neuen Atheismus" ja erst erforscht wird und ich mich ungern an reinen Spekulationen beteilige, umso mehr für Meinungen anderer interessiere, halte ich mich ein wenig zurück. Zum FAZ-Artikel und den folgenden Diskussionen (muss die GBS auch einstecken können? etc.) hatte ich mich bereits hier geäußert:
http://religionswissenschaft.twoday.net/...603985/
"Neu war mir auch, dass z.B. der humanistische Pressedienst, fowid, der Zentralrat der Ex-Muslime und die Stiftung selbst maßgeblich aus der gleichen Quelle (einem religionskritischen Multimillionär) finanziert werden.
Allerdings möchte ich aus persönlicher Erfahrung auch darauf hinweisen, dass die Giordano-Bruno-Stiftung und ihr Beirat keinen weltanschaulich geschlossenen Block darstellen, sondern sehr unterschiedliche Personen, Fachrichtungen und Anschauungen versammeln. Dass sich auch humanistische Weltanschauungen schlagkräftig zu organisieren versuchen, (sinnigerweise über die historisch tief religiöse Form einer Stiftung und mit Namensbezug auf einen Mönch) halte ich für ebenso interessant wie statthaft. Für eine freiheitliche Gesellschaft ist (auch religiös-weltanschauliche) Vielfalt keine Bedrohung, sondern eine Chance."
Von den Kollegen aus Berlin erhoffe ich mir und uns spannende Erkenntnisse und sage auf jeden Fall Bericht und Verlinkung im Blog zu!
Hallo Beate,
klasse, dass Du einmal wieder vorbeischaust! Und kämpferisch wie eh und je! :-)
Danke auch für den Hinweis auf die Voas-Studie. Ich hatte sie vor einiger Zeit schon mal überflogen, da ich aber ja eher über die Evolution der Religiosität arbeite (und also eher an vielen Generationen als an Zeitgeschichte interessiert bin), hatte ich es damals nicht vertieft. Ein Fehler, wie ich jetzt gesehen habe.
Die Anmerkungen zur Studie von David Voas hätten einen Kommentar gesprengt, daher hier:
http://religionswissenschaft.twoday.net/...616169/
Auch daher also vielen Dank für Kommentar und Anregung! Alles Gute, gerne bis bald!
...ich bin selber immer noch sehr baff...
Habe gerade einen Beitrag zu Deidesheim geschrieben:
http://www.chronologs.de/...dank-f-r-scilogs-preis
Bloggen anzufangen war eine tolle Idee! Auch, weil man damit Menschen wie Dir on- und offline begegnet! Spätestens auch wieder 2010 in Deidesheim! :-)
Ich empfehle jedem, der das Erstarken des (neuen) Atheismus bedauert, einen Blick in das Buch zu werfen „Abschied von der Bibel – vom alten Glauben zum neuen Wissen“. Mir ist ( als ehemals gläubiger Christ) bei der Lektüre ein Licht aufgegangen, das ich jedem Gläubigen und Ungläubigen ebenfalls wünsche. Dort werden alle Themen – die auch hier diskutiert wurden – ausführlich behandelt und für jeden logisch nachvollziehbar zur eigenen Entscheidung offeriert. Nach den unzähligen Wirrungen und Irrungen der monotheistischen Religions-Variante im Laufe der Menschheitsgeschichte ist es höchste Zeit, Abschied zu nehmen von der Tora, der Bibel und dem Koran. Die rasante Zunahme naturwissenschaftlicher Erkenntnisse, die sich alle drei Jahre verdoppelt und uns inzwischen mehr Segen und Heil beschert hat als der dreitausend jährige Glaube an die Phantasiefiguren Jahwe, Jesus und Allah, macht ein Umdenken zwingend erforderlich. Siehe zum „Abschied von der Bibel“ die Leseproben bei AMAZON und GOOGLE.
Wenn die evolutionären Vor- und Nachteile des Gottesglaubens untersucht werden sollen, dann darf man das weite Feld des Aberglaubens nicht ausschließen. Astrologie, Wahrsagen, Kartenlegen, magische Zirkel und vieles andere mehr werden seit Jahrtausenden praktiziert ... mit welchem evolutionären Nutzen ? Alle spirituell-mystisch-magischen Bedürfnisse entspringen einer subjektiven „Veranlagung“, die sicherlich genetisch vorprogrammiert ist und durch eine entsprechende Umwelt gefördert (oder gedämpft) wird. Die Beobachtungen, die jeder in seinem Umfeld machen kann, lassen erkennen, dass auch Menschen, die keiner Konfession mehr angehören, weiterhin für andere Arten von Aberglauben empfänglich sind.
Insofern stimme ich Lichtenberg und Feuerbach zu: Der Mensch schuf sich seine Götter nach seinem eigenen Abbild.
Ohne die physikalische, chemisch, biologische NATUR der Menschen erforscht zu haben, können wir keine wissenschaftlich fundierten Aussagen über die unterschiedlichsten Bedürfnisse unserer Spezies machen.
Lieber Herr Kaltenbach,
da kann ich Ihnen nur zustimmen! Hinter jeder Antwort, die wir finden, tun sich neue, spannende Fragen auf! Und insofern sich weiterhin interdisziplinär offene Forscher und Teams finden, sind für die kommenden Jahre da auch weitere Entdeckungen zu erwarten.
Einen Themenartikel dazu finden Sie hier:
http://www.chronologs.de/...eist.de/artikel/982255
das Heft ist auch noch im Handel.
Sehr viel ausführlicher den Forschungsstand beleuchtet natürlich das Buch:
http://www.chronologs.de/...shop.de/artikel/969531
Und einen Aprilscherz zur Evolutionsforschung zur Religiosität gibt es auch schon! Das Christen-Gen wurde entdeckt! :-)
http://religionswissenschaft.twoday.net/...829683/
Danke für Ihr Interesse und herzliche Grüße!
Michael Blume
Was ist Gott, bzw. ein Atheist, gemäß Begriffsdefinition?
Ich meine, man sollte sich nie ungeprüft Etiketten aufkleben oder aufkleben lassen.:-)
Spr 14,15 Ein Unverständiger glaubt noch alles; aber ein Kluger gibt Acht auf seinen Gang.
Der Gang ist der Weg, nicht umgekehrt. Der Gang setzt aber Erfahrung voraus.
Nicht perfekt
Anfang, immer jetzt, ist das Feuchte, Fließen, (H). Lebendig wurde, bzw. ist es mit Sauerstoff. (O)
Aus Wasserstoff wurde Helium, (Sonne). Alles was sich mit Helium verbindet, zerfällt.
Insoweit lagen die Juden nicht falsch darin, die Sonne nicht zum Gott zu machen. Denn nicht das Brennen, sondern das Leuchten (lächeln) d. h. die Wirkung ist wesentlich.
Beim Menschen ist am Anfang Fruchtwasser =Gefühl ohne Verstehen, Kennen.
Das Gehirn nicht fertig, Sinnesorgane in Fähigkeiten nicht völlig ausgebildet, weint ein Neugeborenes z. B. zunächst nicht. Es ist das, was Mensch und Tier letztlich unterscheidet. Vielleicht meinte man deshalb, Tiere haben keine Seele. Ich meine, wo Schmerz, egal wie geäußert wird, ist Seele.
Ein Säugling prüft zunächst ohne Wissen vorrangig mit Nase und tasten,lernt so kennen. Bezeichnung folgen später.
Bei meiner Schwester (4 Jahre jünger) konnte ich es zuerst beobachten. Prüfen mit riechen. Meine Pflegekinder hatten sogenanntes Schnüffeltuch.
Glauben = fürwahrhalten = ungeprüft, unbekannt! Unbekanntes kann man nicht lieben.
Es heißt: "Du sollst Gott lieben!"
Es heißt nicht, du sollst Gott glauben = fürwahrhalten.
Lieben ohne Kennenlernen funktioniert nicht.
Was man liebt, braucht man nicht glauben (führwahrhalten)
Leider ist das Recht auf Wasser noch nicht in Menschenrechte aufgenommen.
Ich erwarte, dass es wird.
Küssen ist der schönste Wasseraustausch.
Energie suchen ist Verschwendung. Sorgsam mit dieser umgehen, ist besser.
Ich weiß nach bestem Wissen, was vor meiner Nase, die vorläuft (fließt) Deshalb folge ich der Nase (dem Wohlgeruch)nach, statt imaginärer Person. Liebe geht durch die Nase, mit Essen durch den Magen. Genauso wie beim Säugling
Materialistisch? Unsinn! Auch in der Wolke, die durch Ägypten führte war Staub. Ohne Staub ist keine Kondensation.
Gott ist natürlich, nicht unnatürlich.
Natürliches ist zu leben, zu lieben.
Was sinnvolles Ganzes ist? Ein sinnvolles Ganzes, bzw. „die“ Form/ Gestalt, ist nicht auszumachen, weil der sogenannte Weltraum „grenzenlos“ kein Raum ist. Zeit ist! Unbegrenzt Schwingung, reine Gestaltung, Darreichung, ist Sinn.
Shalom
@Michael Blume
Religiös vergemeinschaftete Menschen gründen durchschnittlich stabilere und kinderreichere Familien, spenden häufiger und sind häufiger ehrenamtlich aktiv und sind glücklicher.
Wie heißt es doch: Glaub keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast!
Nach Umfragen des „Eurobarometers" besuchen in der Europäischen Union i.M. nur noch vierzehn Prozent der Bürger jeden Sonntag einen Gottesdienst, davon die Hälfte nur noch einmal im Jahr. In den skandinavischen Ländern, in denen nach einer EU-Umfrage die „zufriedensten Europäer“ leben, ist der Kirchenbesuch am geringsten. In Finnland beträgt er ein Prozent, in Dänemark zwei und in Schweden drei Prozent. Auch in Norwegen ist der Gottesdienstbesuch massiv zurückgegangen, so müssen viele der rund 1620 Sakralgebäude abgerissen oder umgewidmet werden, etwa zu Jugendclubs.
Gerade in diesen religiös unterbelichteten Ländern ist besonders bei der Jugend die ehrenamtliche Tätigkeit am ausgeprägtesten. Ich , als ehemaliger DDR-Flüchtling, muß zugeben, dass auch in Ostdeutschland die ehrenamtliche Tätigkeit zahlreich praktiziert wurde, und auch heute noch eine ostdeutsche Tugend geblieben ist. Von der Solidarität und gegenseitigen Hilfsbereitschaft der Ostdeutschen können die (vorwiegend christlichen) Westdeutschen eine Menge lernen.
Bekanntlich haben die Nordeuropäer für transzendentale Mystik und Spiritualität so gut wie keine Ambitionen. Auch milliarden Ostasiaten haben für transzendentale Spinnereien kein Ohr. Sind sie deswegen unglücklicher? Zweifellos haben sie ein anderes Genpool als die „religiös vergemeinschafteten“ Europäer und Amerikaner. Insofern müsste es für alle Religionswissenschaftler höchst interessant sein, sich auch mit dem religiösen Verhalten anderer Völker und Kulturen zu befassen ... allerdings gemeinsam mit Völkerkundlern und Humanbiologen.
Die (äußerlich) stabileren Ehen z.B. der Katholiken haben genauso wie deren (meist ungeplante) Kinderzahl ganz andere Ursachen als jene, die sie vermuten, Herr Blume. Und wie steht es mit dem (ungewollten) Kinderreichtum des schwarzen Erdteils? Auch religiös bedingt? Ist etwa das Kondomverbot des „Stellvertreters Gottes“ ein himmlischer Segen, der zur weiteren Aids-Ausbreitung und somit zu einer weiteren Verelendung der davon betroffenen Völker führt? Ist überhaupt Kinderreichtum angesichts der Besorgnis erregenden weltweiten Verknappung von Nahrung, Trinkwasser und lebensnotwendiger Ressourcen immer noch eine monotheistische TUGEND? Auch für Sie persönlich, Herr Blume?
Überschätzen sie nicht die (angeblichen) Vorteile der monotheistischen Kindererziehung? Was hat denn die christliche Schulbildung des Mugabe und anderer afrikanischer Diktatoren gebracht? Mugabe ist zwar ein eifriger Gottesdienstbesucher, ebenso wie der „gottesfürchtige“ G.W. Bush. Bei beiden hat allerdings die frühkindliche, christliche Indoktrination zu keiner Änderung ihrer genetisch bedingten (negativen) Verhaltensweisen geführt. Ich wiederhole: Ohne die physikalische, chemisch, biologische NATUR der Menschen erforscht zu haben, können wir keine wissenschaftlich fundierten Aussagen über die religiösen Bedürfnisse und Verhaltensweisen unserer Spezies machen.
Schließlich werden Sie, Herr Blume, mit ihrem Versuch, die Religionen pauschal aufzuwerten, die Kriminalgeschichte des Christentums nicht eliminieren können. Zu dem Buch habe ich unter dem Stichwort auf einige Tatsachen hingewiesen, die von ihnen völlig außer Acht gelassen wurden. Warum eigentlich? Sind die Atheisten schlauer, weil sie nicht irgendwelche angebetete Phantasiefiguren (als Basis der Religionen) in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen stellen, sondern jeden einzelnen Menschen mit seiner spezifischen Biologie höher bewerten als irgendwelche hirnimmanenten Spukgestalten (Glaube und Aberglaube) ? Die rasante Zunahme der „Ungläubigen“ signalisiert, dass diese aus den Irrtümern und verhängnisvollen Fehleinschätzungen der „Religiösen“ gelernt haben und verständlicherweise alles unternehmen, um eine Wiederholung dieses Desasters zu verhindern. Ist das nicht begrüßenswert für die überquellende, stets weiter verarmende Menschheit ?
Lieber Herr Kaltenbach,
danke für Ihre Anfragen. Selbstverständlich ist, wie ich immer wieder betone und Sie auch "herausgefunden" haben, Religiosität nicht die einzige Variable, die die Geburtenzahl beeinflusst - vielmehr spielen z.B. wirtschaftliche Verhältnisse (z.B. Agrar- oder Stadtwirtschaft), Bildungsniveaus, das Angebot an Bildungs- und Betreuungseinrichtungen u.v.m. eine große Rolle. Deswegen haben z.B. Italiener durschnittlich deutlich weniger Kinder als Finnen - je innerhalb Italiens und Finnlands weisen aber je die religiös Aktiven deutlich höhere Geburtenraten auf. Sprich: Religiosität ist beileibe nicht die einzige, aber eine unabhängig wirksame Variable.
Eine europäische Studie dazu finden Sie z.B. hier:
http://www.oeaw.ac.at/...-Berghammer_pp271-305.pdf
Und hier habe ich Ihnen und anderen Interessierten auch ein ganzes Verzeichnis online frei abrufbarer Studien zusammengestellt. Enjoy:
http://www.blume-religionswissenschaft.de/....html
Und wenn Sie weitere haben oder finden, gerne!
Dass es für viele weitere Gemeinschaften, wie Mormonen, Amische, orthodoxe Juden usw., keine ernsthafte Hypothese zur Erklärung der hohen Geburtenzahlen ohne Berücksichtigung der Religionszugehörigkeit gibt, sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Umgekehrt kennen wir weltweit keine säkulare Gemeinschaft mit vergleichsweise hohen Geburtenraten.
Persönlich bin ich immer wieder überrascht, wie emotional und bisweilen auch persönlich ablehnend manche (nicht alle!) Atheisten auf Evolutionsforschung reagieren, wenn deren Befunde nicht den eigenen, weltanschaulichen Vorannahmen entsprechen. Eigentlich hatte ich ja Widerspruch vor allem von religiösen Fundamentalisten erwartet - aber das ist ja das schöne an Wissenschaft, man wird doch immer wieder überrascht...
Mit freundlichen Grüßen
Michael Blume
Lieber Herr Blume,
ich bedanke mich für Ihre Links, die ich demnächst studieren werde.
Sie schreiben „Umgekehrt kennen wir weltweit keine säkulare Gemeinschaft mit vergleichsweise hohen Geburtenraten“.
Darf ich, Herr Blume, meine vorigen Fragen wiederholen und um ihre Antwort bitten?
1) Wie steht es mit dem (ungewollten) Kinderreichtum des schwarzen Erdteils? Auch religiös
bedingt?
2) Ist das Kondomverbot des „Stellvertreters Gottes“ etwa ein himmlischer Segen, der zur
weiteren Aids-Ausbreitung und somit zur zunehmenden Verelendung der davon
betroffenen Völker führt?
3) Ist überhaupt Kinderreichtum angesichts der Besorgnis erregenden weltweiten Verknappung von Nahrung, Trinkwasser und lebensnotwendiger Ressourcen immer noch eine monotheistische TUGEND? Auch für Sie persönlich, Herr Blume?
4) Wenn die evolutionären Vor- und Nachteile des Gottesglaubens untersucht werden, dann darf man das weite Feld des Aberglaubens nicht ausschließen. Astrologie, Wahrsagen, Kartenlegen, magische Zirkel und vieles andere mehr werden seit Jahrtausenden praktiziert ... mit welchem evolutionären Nutzen ?
5) Und was ist von dem religiösen Eifer verbrecherischer Sekten (Davidianer, Charles Manson. Paul Schäfer usw.) und der Kreuzzügler, Islamisten und dergleichen zu halten?
Lieber Herr Kaltenbach,
gerne gehe ich auf Ihre Fragen je kurz ein (wobei sie m.E. eher in andere Threads passen würden bzw. wenig mit dem Neuen Atheismus & der Giordano-Bruno-Stiftung zu tun haben?).
1) Wie steht es mit dem (ungewollten) Kinderreichtum des schwarzen Erdteils? Auch religiös bedingt?
Afrika ist noch überwiegend agrarwirtschaftlich organisiert, hier gibt es einerseits regional noch eine hohe Kindersterblichkeit, andererseits dienen Kinder als Arbeitskräfte, Altersversorgung, Schutz. Deswegen ist die allgemeine Geburtenrate höher. Selbstverständlich aber vergemeinschaften sich auch Afrikaner religiös, oft sogar sehr intensiv. Als säkularer Kontinent lässt sich Afrika beim besten Willen nicht bezeichnen...
2) Ist das Kondomverbot des „Stellvertreters Gottes“ etwa ein himmlischer Segen, der zur
weiteren Aids-Ausbreitung und somit zur zunehmenden Verelendung der davon
betroffenen Völker führt?
Wo hätte ich das je behauptet? Wie kommen Sie darauf, dass ich Ansichten des Papstes per se teilen müsste? Kann es sein, dass Sie die Religionswissenschaft mit den Theologien verwechseln? Die Religionswissenschaft vertritt keine Glaubensannahmen, sondern erforscht Religionen vergleichend und empirisch.
Allerdings erscheint mir, wenn Sie mir den Hinweis gestatten, Ihre Fragestellung auch recht undifferenziert. Gerade in katholisch geprägten Ländern Afrikas scheint die Aids-Rate nach Auskunft vieler deutlich unterdurchschnittlich ausgeprägt zu sein und die Äußerungen des Papstes scheinen auch deutlich differenzierter zu sein, als von Ihnen wahrgenommen:
http://religionswissenschaft.twoday.net/...601649/
3) Ist überhaupt Kinderreichtum angesichts der Besorgnis erregenden weltweiten Verknappung von Nahrung, Trinkwasser und lebensnotwendiger Ressourcen immer noch eine monotheistische TUGEND? Auch für Sie persönlich, Herr Blume?
Lieber Herr Kaltenbach, im Evolutionsprozess werden Gene über die Fortpflanzung weitergegeben. Punkt. Das gilt für Krebse, Wale, Schnecken und Menschen gleichermaßen. Ob ich das persönlich gut oder schlecht finde, ist schlicht und ergreifend unerheblich - und dass evolutionärer Erfolg nicht einfach als Wert- oder gar Wahrheitsurteil anzusehen ist, habe ich sowohl im Buch wie auch in "Homo religiosus" deutlich gemacht.
Wie darf ich aber Ihre Anspielung auf meine Person und meine Kinder verstehen? Soll ich mich ernsthaft dafür rechtfertigen, dass ich Kinder habe und mich darüber freue? Finden Sie nicht, dass Sie hier ggf. etwas weit gehen - und allzu persönlich werden?
4) Wenn die evolutionären Vor- und Nachteile des Gottesglaubens untersucht werden, dann darf man das weite Feld des Aberglaubens nicht ausschließen.
Wer tut das? Ich forsche und lese, soviel ich kann und habe mich auf Forschungen zur Religiosität definiert als "Verhalten zu übernatürlichen Akteuren" spezialisiert. Darüber hinaus freue mich über jede weitere, empirische Studie und Perspektive beispielsweise zu Fragen der Spiritualität oder der von Ihnen benannten Phänomene sehr. So habe ich beispielsweise auch schon zu UFO-Religionen geschrieben, einem sehr interessanten Sonderfall ( http://www.blume-religionswissenschaft.de/...5.pdf ) und wäre an entsprechenden Studien etwa zu Astrologie, Kartenlegen etc. sehr interessiert!
Astrologie, Wahrsagen, Kartenlegen, magische Zirkel und vieles andere mehr werden seit Jahrtausenden praktiziert ... mit welchem evolutionären Nutzen ?
Mir ist keine Studie (und auch keine Gemeinschaft) bekannt, die einen solchen Nutzen dieser Verhaltensweisen generell nachweisen würde. Aber natürlich könnte es diese Nutzenfunktionen geben oder beispielsweise in vorschriftlicher Zeit gegeben haben. Vielleicht haben wir es aber auch "nur" mit Epiphänomenen anderer Gehirnfunktionen zu tun, die (wie der Atheismus) unter Selektionsdruck stehen. Lieber Herr Kaltenbach, ja, es wäre sehr spannend, auch darüber mehr zu wissen! Leider hat auch mein Tag nur 24 Stunden, aber ich würde mich sehr freuen, wenn Sie oder andere auch diese Themen empirisch vertiefen würden! Es gibt noch so viel zu entdecken!
5) Und was ist von dem religiösen Eifer verbrecherischer Sekten (Davidianer, Charles Manson. Paul Schäfer usw.) und der Kreuzzügler, Islamisten und dergleichen zu halten?
Mir scheint: Umso besser wir die Natur des Menschen (einschließlich seiner Religiosität) verstehen, umso besser können wir in Zukunft hoffentlich auch extremistischen Bestrebungen entgegen wirken, wie es sie von religiöser und atheistischer Seite mit Millionenopfern gegeben hat. Und selbstverständlich erforschen wir Religionswissenschaftler auch, wie es z.B. zu Kriegen oder Attentaten, Hexenverbrennungen, Menschenopfern o.ä. kommen konnte und kann. Auf meinem Privateblog finden Sie zahlreiche Beiträge zu diesen und anderen Themen, z.B. zum Massenselbstmord von Heavens Gate hier:
http://religionswissenschaft.twoday.net/...588142/
Und hier in Natur des Glaubens finden Sie z.B. auch einen Beitrag über die Religion der Shaker, die auf Nachkommen meinten komplett verzichten zu können:
http://www.chronologs.de/...-kurze-bl-te-kinderlos
Auch hier gilt also: Lassen Sie uns soviel wissenschaftliche Erkenntnisse wie möglich zusammentragen, suchen und erarbeiten, klar!
Aber ebenso gilt: Wohl kein Musikwissenschaftler würde die Evolutionsforschung zur Musikalität deswegen aufgeben, weil mit Musik auch manipuliert, gehetzt und sogar gefoltert werden kann. Kein Sprachwissenschaftler würde die Erforschung der Sprache beenden, weil diese für allerhand Verbrechen benutzt wurde und wird. Eher schon würde den Musik- und Sprachwissenschaftler interessieren, warum sich dennoch diese Fähigkeiten in unserer Spezies so erfolgreich ausgebreitet haben. Und genau das Gleiche gilt für die Religionswissenschaft auch.
Lieber Herr Blume,
Sie haben gefragt: „Wie kommen Sie darauf, dass ich Ansichten des Papstes per se teilen müsste?“
Gegenfrage: Wo habe ich diese Behauptung aufgestellt? Ich hatte fünf Fragen gestellt, die sich auf einige Negativseiten der Religionen beziehen. Mehr nicht.
Zur Frage 2) schreiben sie: „Gerade in katholisch geprägten Ländern Afrikas scheint die Aids-Rate deutlich unterdurchschnittlich ausgeprägt zu sein und die Äußerungen des Papstes scheinen auch deutlich differenzierter zu sein, als von Ihnen wahrgenommen“. Hier machen sie sich allerdings die Position des Papstes zu eigen.
Gegenfrage: Darf ein „Religionswissenschaftler“ nicht NEUTRAL sein?
In der SZ vom 12.3.09 konnte man zum selben Thema eine andere Meinung lesen: „Dorothy Ngoma versucht seit über 10 Jahren ihre unwissenden Landsleute über eine vernünftige Familienplanung aufzuklären. Wenn man sie fragt, was sie von der Sexuallehre der katholischen Kirche hält, holt sie tief Luft und sagt: „Gott hat uns Menschen doch Verstand gegeben." Nur ein Männerverein wie der Vatikan, findet sie, bringe es fertig, Familienplanung zu verbieten, und das in Afrika. „Ich sehe, wie diese Frauen unter ungewollten Schwangerschaften leiden, Jahr für Jahr.. Und dann sagt man ihnen: Keine Abtreibung, du musst das Baby kriegen, selbst wenn es dich umbringt." Sie wird jetzt ärgerlich, erzählt von den dunklen Ecken auf Malawis Märkten, wo von zweifelhaften Medizinmännern weggemacht wird, was nicht verhütet worden ist. Bis zu 40 Prozent der Todesfälle von Müttern gehen auf solche Abtreibungen zurück (... usw.).
In meiner Frage 3) ging es um den Kinderreichtum als monotheistische TUGEND, das vor 3000 Jahren verständlich gewesen sein mag ... angesichts der heutigen globalen Verhältnisse aber zu globalen Katastrophen führt. Meine Bitte um ihre persönliche Meinung bezog sich einzig und allein auf dieses Faktum und soll nicht als „Anspielung auf ihre Person und ihre Kinder“ verstanden werden. Auch ich habe mehrere Kinder, die ich nicht missen möchte, genauso wie sie.
Ihre Definition der Religiosität als "Verhalten zu übernatürlichen Akteuren" scheint bereits eine Existenz von voraus zu setzen, die bislang noch keiner beweisen konnte.
Auch der von ihnen erwähnte Massenselbstmord von Heavens Gate , der auch im Buch „Abschied von der Bibel“ behandelt wird, ging von der irrigen Annahme aus, dass „übernatürliche Akteure“ existieren.
Kann die Religionswissenschaft überhaupt eine streng NEUTRALE Wissenschaft sein? Nach meinem Verständnis wird doch jede WIUSSENSCHAFT abgegrenzt von Mythos, Kunst und Religion, Meinen und Glauben. Ich kann diese Abgrenzung auf ihrer Homepage nicht finden.
Lieber Herr Kaltenbach,
danke für Ihren letzten Beitrag, auf den ich gerne eingehe.
Hier machen sie sich allerdings die Position des Papstes zu eigen.
In keiner Weise. Persönlich bin ich ein klarer Befürworter von Sexualaufklärung, Verhütung und Familienplanung und würde mir wünschen, dass auch die kath. Kirche hier mehr förderte! Allerdings halte ich umgekehrt auch nicht viel von Polemik - und sehe bislang keine überzeugende Datenbasis, wonach praktizierende, katholische Christen in Afrika oder sonstwo stärker von AIDS betroffen wären als andere (die vorliegenden Daten signalisieren m.E. eher das Gegenteil). Auch ärgert mich der mancherorts durchschimmernde Rassismus in der Argumentation: Katholische Afrikaner sollen also einerseits unfähig sein, ein treues Eheleben nach päpstlichen Maßgaben zu führen, andererseits aber das Kondomverbot des Papstes streng befolgen? Und für Europäer gilt dann wohl das Gegenteil? Was für ein Menschenbild steht denn hinter diesen Annahmen? Ohne solides Datenmaterial ist es gerade meine Pflicht als "neutraler" (!) Religionswissenschaftler, solchen "Thesen" so lange zu widerstehen, bis ernsthaftes Datenmaterial diese belegen. Und solches sehe ich bisher nicht. Also, von mir eine klare Standortbestimmung: Ja zur Sexualaufklärung und Familienplanung, aber nein zu obskuren antikatholischen und rassistischen Stereotypen.
In meiner Frage 3) ging es um den Kinderreichtum als monotheistische TUGEND, das vor 3000 Jahren verständlich gewesen sein mag ... angesichts der heutigen globalen Verhältnisse aber zu globalen Katastrophen führt.
"Tugend" ist bereits ein wertender (also theologischer oder philosophischer) Begriff, keiner der wissenschaftlichen Beschreibung mehr. Wenn wir in der Evolutionsforschung "beschreiben", dass Verhalten A die Fortpflanzung begünstigt, dann ist das erst einmal nichts weiter als eine neutrale, wissenschaftliche Beobachtung. Ganz fachlich formuliert: Der differentielle Reproduktionserfolg über mehrere Generationen hinweg ist ein eindeutiger, darwinscher Fitnessindikator.
Meine Bitte um ihre persönliche Meinung bezog sich einzig und allein auf dieses Faktum und soll nicht als „Anspielung auf ihre Person und ihre Kinder“ verstanden werden. Auch ich habe mehrere Kinder, die ich nicht missen möchte, genauso wie sie.
Dann sind wir uns ja einig. Und wahrscheinlich vertreten wir auch beide die Auffassung, dass nur jene Menschen Kinder bekommen sollten, die das auch wollen. Und dass wir in Deutschland und Europa nun wirklich kein Problem der Bevölkerungsexplosion haben...
Ihre Definition der Religiosität als "Verhalten zu übernatürlichen Akteuren" scheint bereits eine Existenz von voraus zu setzen, die bislang noch keiner beweisen konnte.
Hier irren Sie. "Übernatürliche Akteure" (engl. supernatural agents) sind gerade dadurch definiert, dass sich ihre (Weiter-)Existenz nicht empirisch belegen lässt. Dies gilt für Ahnen, Geister, Bodhisatvas, Götter, Außerirdische usw. Erklärungsbedürftig war, warum sich Menschen zu diesen nicht nachweisbaren Akteuren verhalten und warum sich dieses Verhalten in der Evolution so dynamisch durchgesetzt hat.
Im übrigen handelt es sich hierbei nicht nur um "meine" Definition, sie wird von zahlreichen Forschern im Rahmen der Evolutionsforschung zur Religiosität verwendet.
Auch der von ihnen erwähnte Massenselbstmord von Heavens Gate , der auch im Buch „Abschied von der Bibel“ behandelt wird, ging von der irrigen Annahme aus, dass „übernatürliche Akteure“ existieren.
Genau deswegen habe ich ja auch diesen angeschaut, studiert und hier thematisiert! Auch Menschenopfer und Selbstmordattentate wurden zugunsten von übernatürlichen Akteuren verübt. Zum einen sind auch dies nicht zu übergehende Fallstudien, zum anderen verdeutlichen sie das Rätsel, warum die Effekte religiöser Vergemeinschaftung insgesamt reproduktiv erfolgreich sind, obwohl auch offenkundige Fehlentwicklungen entstehen. Die Antwort liegt (nach von Hayek) in der kulturellen Evolution: Religionen sind inhaltlich kaum festgelegt, aber im historischen Wettbewerb setzen sich auf Dauer immer wieder jene Lehren durch, die auch demografisch erfolgreich sind. Einen eigenen Beitrag zu Wettbewerb & Aberglauben finden Sie hier: http://www.chronologs.de/chrono/blog/natur-des-glaubens/fa-von-hayek/2008-04-28/weisheit-aus-aberglauben-die-frazer-hayek-konvergenz
Kann die Religionswissenschaft überhaupt eine streng NEUTRALE Wissenschaft sein?
Sie ist dem methodologischen Agnostizismus verpflichtet und in ihr forschen atheistische, agnostische und religiöse Forscher Seite an Seite. Mein Doktorvater ist z.B. ein sehr bekannter Religionskritiker. Gerade die Vielfalt unseres Faches gibt uns die Chance, nach wissenschaftlich belastbaren Befunden zu forschen, statt einseitig zu werden.
Nach meinem Verständnis wird doch jede WISSENSCHAFT abgegrenzt von Mythos, Kunst und Religion, Meinen und Glauben. Ich kann diese Abgrenzung auf ihrer Homepage nicht finden.
Das mag daran liegen, dass die Religionswissenschaft ja gerade Mythen und Religionen sowie die Konstruktionen von Meinungen und Glaubenswahrheiten erforscht. Sie scheinen die Annahme zu vertreten, Wissenschaft und Religion verhielten sich zueinander wie Wasser und Feuer und schlössen sich aus - was selbst eine Glaubenshaltung ist.
Selbstverständlich betreibe ich Religionswissenschaft streng methodologisch-agnostisch und unterscheide zwischen empirischer Beschreibung und persönlicher Bewertung (siehe oben).
Mit freundlichen Grüßen
Michael Blume
@ Michael Blume
Lieber Herr Blume, ich bedanke mich für ihre letzte Stellungnahme, zu der ich noch einiges
klarstellen müsste. Doch ich befürchte, dass wir uns damit immer weiter vom Ursprungsthema entfernen würden. Ich erlaube mir daher, zu ihrer Eingangsfrage zurück zu kommen.
Sie hatten am 26. März 2009, 18:28 gefragt:
Die Unterscheidung zwischen altem und neuen Atheismus kommt nicht von den Atheisten sondern von den heutigen Christen, die es seit Paulus gewohnt sind, in jeder Staatsgewalt „Diener der Götter“ zu sehen.
Bekanntlich hatten die Begründer des neuen Theismus „Christentum“ Petrus, Paulus alle Mühe, um sich gegen die zahlreichen Konkurrenten – aus den Reihen der Jesuaner und Nazarener – durchzusetzen, was ihnen schließlich nur mit Hilfe der Staatsgewalten gelingen konnte.
Im Römerbrief Nr.13 schrieb Paulus an seine Anhänger: „Ein jeder soll sich der obrigkeitlichen Gewalt unterordnen. Denn es gibt keine Gewalt, die nicht von GOTT stammt. Wo eine Gewalt besteht, ist sie von GOTTt angeordnet. Wer sich daher gegen die Gewalt auflehnt, lehnt sich gegen die Anordnung Gottes auf. Wer sich aber gegen diese auflehnt, zieht sich das Gericht (Gottes) zu. Die Obrigkeit ist nicht für gute, sondern für schlimme Taten zum Schrecken.Willst du vor der Gewalt ohne Furcht sein, so handle gut (im Sinne der Obrigkeit), und du wirst bei ihr Anerkennung finden. Sie ist ja für dich Gottes Dienerin zu deinem Besten. Tust du aber Böses (nach Meinung der Obrigkeit), so fürchte sie; denn sie trägt nicht umsonst das Schwert. Sie ist Gottes Dienerin und vollstreckt an dem die Strafe, der Böses tut. Deshalb muss man sich unterordnen, nicht nur um der Strafe, sondern auch um des Gewissens willen. Aus diesem Grunde entrichtet ihr ja auch Steuern. Sie sind Gottes Beamte, die diesem Dienst obliegen. So gebt denn jedem, was ihr schuldig seid: Steuer, wem Steuer, Zoll, wem Zoll, Ehrfurcht, wem Ehrfurcht, Achtung, wem Achtung gebührt“(Römer 13, 1-7)!
Diese Ermahnungen bezogen sich zu Paulus Zeiten auf das heidnische Römische Reich! Die heidnischen, römischen Obrigkeiten waren in den Augen des „heiligen“ Paulus „Diener und Beamte der Götter Jahwe und Christus“. Der Pakt zwischen der paulinisch-christlichen Kirche und dem Römischen Reich des Kaisers Konstantin ermöglichte den Staatsgewalten ein ungestörtes Streben nach Macht über die paulinischen Christen ... mit deren Hilfe sie eine unbeschränkte Herrschaft über Länder und deren Reichtümern sowie
ein nahezu gottähnliches Ansehen erringen konnten. (Dieser Pakt erinnert uns 1700 Jahre später an das „Reichskonkordat“ zwischen Hitler und dem „Stellvertreter Gottes“ in Rom).
Das alte ägyptisch-mosaische Herrschaftssystem der Gewaltenteilung zwischen den jeweiligen Volksführern (Pharaonen, Königen, Kaisern) und der sie stützenden, einflussreichen Priesterkaste war nun (dank Paulus) innerhalb der christlichen Staatsgebilde wiederhergestellt .
Die Früchte, die diesem Pakt zwischen Zepter und Krummstab, zwischen Staat und Kirche entsprungen sind, kennen wir alle. Dieser Pakt wurde über Jahrhunderte von der Menschheit mit Blut und Tränen bezahlt ... bis zum heutigen Tage. Dass sich zumindest seit der „Aufklärung“ Humanisten und Atheisten dagegen wehren, kann ihnen keiner verübeln. Dass sie erst seit wenigen Jahren den Versuch wagen, sich zu sammeln und mit bescheidenen Mitteln eine straffere Organisation aufzubauen, muss ihnen hoch angerechnet werden. Wer sollte sonst das Rad einer missratenen Religionsgeschichte zu einer Umkehr bringen, wenn nicht von den heutigen Humanisten und Atheisten ? (Zitiert aus dem Buch
@ Michael Blume
Lieber Herr Blume, ihre Frage „Was motiviert eigentlich Atheisten zu Missionskampagnen und Spendenaufrufen für antitheistische Werbung?“ dürfte mit der obigen kurzen Erklärung (auch für „Religionswissenschaftler“) erschöpfend beantwortet sein. Im heutigen noch recht jungen Computerzeitalter mit seinem schnellen Informationsaustausch sehen wir mit Freude und Hoffnung, dass sich die Jugend nicht mehr so schnell vor diesem oder jenem Wagen spannen lässt. Mit steigender Bildung werden zunehmend auch die Menschen der dritten Welt den immensen Unterschied zwischen Glauben und verifizierbarem Wissen erkennen und sich mit der Kraft ihrer VERNUNFT für die rasant zunehmenden Erkenntnisse der Wissenschaften entscheiden.
Bereits vor 180 Jahren hatte Auguste Comte erkannt: „Die drei Stadien der Menschheitsentwicklung sind: metaphysische Spekulation, religiöser Glaube und wissenschaftliche Erkenntnis. Alle Menschheitsideale und ethischen Regeln, die im Jenseits gesucht werden, sind von Menschen dorthin projiziert worden“.
Heinz Pagels: „Ob ein Gott die Botschaft ist, diese Botschaft schrieb oder ob sie sich selbst schrieb, ist für unser Dasein unwichtig. Wir können ruhig auf den Demiurgen verzichten, denn es gibt keine wissenschaftlichen Hinweise auf einen Schöpfer der natürlichen Welt, keinerlei Hinweise auf einen Willen oder ein Ziel in der Natur, die über die uns bekannten Naturgesetze hinausgehen“.
Steven Weinberg: „Mit oder ohne Religion können sich gute Mensche anständig verhalten und schlechte Menschen Böses tun; doch damit Menschen guten Gewissens Böses tun, dafür braucht es die Religion“.
José Ortega y Gasset: „Der Glaube an die Wissenschaft ist jedem anderen Glauben überlegen. Die Philosophen und Theologen grübeln oft über das Sein von Dingen, die sie gar nicht kennen, von denen aber vorausgesetzt wird, dass sie ein Sein haben.“
Paul Davies: „Wenn es um Grundfragen des Lebens geht, etwa um Ursprung und Sinn des Weltalls, den Platz des Menschen in der Welt und die Struktur und Organisation der Natur, ist die Versuchung groß, sich auf unbegründete Glaubenshaltungen zurückzuziehen. Selbst manche Wissenschaftler sind nicht dagegen gefeit. Der Erfolg der wissenschaftlichen Methode beim Erschließen der Naturgeheimnisse ist so verblüffend, dass sie uns für das größte Wunder blind macht, dafür nämlich, wie die Wissenschaft „Wissen schafft“.
Lieber Herr Blume, sie werden doch grundsätzlich zustimmen, dass die Vorbedingung für eine erfolgreiche Bewältigung unserer Lebensaufgaben und Alltagsprobleme auf einer Korrektur überholter Glaubensformen und –Inhalte , sowie auf der Aneignung fundierter, naturwissenschaftlich erworbenen Kenntnis der Welt beruht.
Wer sich stets um ein fundiertes WISSEN bemüht, ist nicht mehr auf windige GLAUBENSTHESEN angewiesen.
Mit freundlichem Gruß
Ihr Ernst Kaltenbach
Lieber Herr Kaltenbach,
vielen Dank für Ihre Ausführungen, die ich mit Interesse gelesen habe!
Für Diskussionen über das Pro und Contra von Glauben an sich, der Zukunft der Menschheit usw. bin ich aber wohl der falsche Ansprechpartner, denn ich bin nun einmal weder Theologe noch Philosoph, sondern Religionswissenschaftler. Das heißt, das ich weder religiöse Wahrheiten beweisen noch widerlegen will, sondern sie vergleichend und empirisch erforsche. Wir sprechen hier von Phänomenen, die beobachtbar existieren, in unserer Natur angelegt und auch heute weltweit höchst lebendig sind. Also werden sie erforscht.
Herzliche Grüße!
...die über das Brights-Forum gefundene Herleitung von Douglas Adams "Is there an Artificial God?": http://www.biota.org/people/douglasadams/
Dieser vor 11 Jahren (!) entstandene Text - also auch VOR den heutigen Grabenkämpfen:
An manchen Stellen wohl zu sehr entsprechend gelehrten (europäischen) Fragestellungen konstruiert: als ob der Ur-Mensch sich in einsamen und vorzugsweise dankbar staunenden Gedankengängen gefragt hätte, wer seine wunderbare Welt wohl gemacht hat; und daraus müsse dann der Handwerker-Gott geworden sein. Aber sonst kommt er auf einiges, das mich auch an hier schon Diskutiertes (Frazer-Hayek-Konvergenz) erinnert: Auch aus widersinnig erscheinenden Begründungszusammenhängen können Handlungsanweisungen entspringen, die sich im praktischen Leben u.U. besser bewähren als manches, was als rational kalkuliert daherstolziert. Um die Gottesvorstellung können sich ganz gute Lebenseinsichten kristallisieren.
Douglas Adams versteht sich wohl als Atheist (und er sei Dawkins-Freund); doch hier kann man sehen, wie kluge Leute sich nicht an die üblichen Schablonen halten.
Typisch für das genannte Forum, dass dort zwar ein Link genannt wird, aber kaum einer der Diskutanten sich mit dem Gesamt-Thema zu befassen bereit ist.
Und ich suchte jetzt etwas, an welches Thema ich diesen Hinweis anhängen kann - passt hoffentlich zu "Neuer Atheismus..."
Basty