Die Mormonen - Religion born in the USA
Zur Evolutionsgeschichte der Religion(en) gehört das ständige Entstehen von Vielfalt - aus evolutionärer Sicht Erfolgsbedingung für Anpassung und Wettbewerb, aus der Sicht der je Etablierten aber natürlich stets gefährliche "Ketzerei". Daher versuchen bestehende Gemeinschaften regelmäßig das Aufkommen von neuen Gemeinden oder gar Abspaltungen durch den Einsatz staatlicher Gewalt zu verhindern oder die Abtrünnigen wenigstens gründlich zu verstoßen. Da jedoch die USA schon durch eine große, religiöse Vielfalt der Siedler geprägt waren und in ihrer Verfassung die strikte Religionsfreiheit verankerten, ist dort seit Jahrhunderten eine einzigartig dynamische, religiöse Vielfalt gewachsen. Einen der sicherlich interessantesten Fälle dabei bilden die Mormonen.
Anfang des 19. Jahrhunderts von Joseph Smith (1805-1844) gegründet, grenzte sich die "Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage" sowohl theologisch wie organisatorisch strikt von den etablierten Kirchen ab. So wurde ein völlig anderes Gottesverständnis entworfen (das u.a. die Theodizee-Frage aus anderer Perspektive beleuchtet), die Heilsgeschichte in die USA verlegt, wurden neben Kirchen- auch Tempelrituale eingeführt und ein rein ehrenamtliches Priestertum der (männlichen) Gläubigen ausgerufen. Und als es trotz der staatlich garantierten Religionsfreiheit zu wachsenden Spannungen, schließlich Gewalt, Vertreibungen und der Ermordung des Religionsstifters Smith durch einen antimormonischen Mob kam, begründeten die Mormonen in Utah einen eigenen Staat.
Einen Artikel zur spannend-wechselvollen Geschichte der Mormonen finden Sie in der Zeitschrift EPOC 03/2009 (on- und offline bestellbar).
Erfolgsgeheimnis: Die mormonische Familie
Als neulich strafrechtliche Verurteilungen von Führungskräften einer mormonisch-fundamentalistischen Splittergruppe erfolgten, die die Vielfrauenehe (Polygynie) nicht hatte aufgeben wollen, beeilte sich die Hauptkirche klarzustellen, dass sie die Mehrehe 1890 wieder abgeschafft habe. Aber auch in strikter Monogamie weisen die Mormonen weiterhin überdurchschnittlich große Familien auf - ein großer Teil ihres lange dynamischen Wachstums geht auf den Kinderreichtum praktizierender Mormonen zurück.
Die religionsdemografischen Forschungen werden zwar leider durch den Umstand erschwert, dass die US-Volkszählungen gerade wegen der Trennung von Kirche(n) und Staat keine Fragen zur Religionszugehörigkeit enthalten - aber interessant ist z.B. auch der Blick auf die Geburtenraten von Utah. Hier zeigt sich, dass auch die Mormonen vom allgemeinen Geburtenrückgang betroffen sind, dennoch aber deutlich größere Familien als selbst der US-amerikanische Durchschnitt erreichen.
Interessant ist auch, dass die Kirchenführung den Rückgang der Geburtenraten als Problem für das längerfristige Überleben der Glaubensgemeinschaft erkannt hat und neben der Missionsarbeit eigene Akzente in der Familienförderung (hier Kurzfilm dazu) zu setzen versucht. Auch hier treffen wir also wieder auf das interessante Phänomen, das sich eine Gemeinschaft evolutionsbiologisch außerordentlich erfolgreich verhält - die doch eigentlich der Evolutionstheorie noch überwiegend reserviert gegenüber steht...
Aber auch kulturell sind die Mormonen keinesfalls einfach "von gestern". Wenn Sie derzeit die Bücher-Bestsellerlisten durchsehen, werden Sie ganz oben auf die Vampirromane von Stephenie Meyer treffen. Die fromme Autorin hat in diesen Büchern klassische, mormonische Lehren (ewige Liebe, sexuelle Enthaltsamkeit vor der Ehe, kosmisches Ringen zwischen Gut und Böse, Sehnsucht nach Unsterblichkeit u.v.m.) in ein modernes Gewand gekleidet - und vor allem junge, weibliche Fans rund um den Globus begeistert.
Die Geschichte der Mormonen erweist sich also als ein religions- und evolutionswissenschaftlich hoch interessanter Fall - und ist, wie es ausschaut, noch lange nicht zu Ende!
Und - einen Fehler entdeckt! Ein aufmerksamer, mormonischer Leser hat zu Recht darauf hingewiesen, dass der Engel, der Joseph Smith erschienen ist, Moroni hieß, nicht Mormon! So wird eine zentrale Schrift der Glaubensgemeinschaft genannt - daher der populäre Name -, nicht aber der offenbarende Engel. Danke dem aufmerksamen Leser!
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Hallo Herr Blume,
für mich ist das ein zentraler Punkt: "Wie Religionsgemeinschaften mit Falsifikationen von Glaubensüberlieferungen umgehen", denn das erlaubt (mir) Rückschlüsse auf die Glaubwürdigkeit der Vertreter der Religionen.
Fast alle Religionsgemeinschaften möchten Einfluss auf die Gesellschaft nehmen, Einfluss, der auch Menschen anderen oder keinen Glaubens betrifft.
Wenn _innerhalb_ der Religionen Widersprüche und faktische Inkonsistenzen ignoriert, bestritten oder kreativ umgedeutet werden, tritt dieses Verhalten oft auch im Dialog ausserhalb auf.
Freundliche Grüße,
Christoph
Lieber Christoph,
ja, auch da stimme ich Ihnen zu!
Allerdings betrifft das Problem des Umgangs mit Falsifikationen natürlich nicht nur Religions-, sondern auch Weltanschauungsgemeinschaften - man denke an bis heute politisch höchst aktive Zirkel nationalistischer und sozialistischer Bewegten, die alle Widersprüche und Fehlschläge ihrer Ideologien wegzuerklären vermögen. Und auch in der Beurteilung unseres persönlichen Verhaltens sind wir Menschen meister im Verdrängen, Leugnen und Umdeuten von Brüchen und Inkonsistenzen - wahrscheinlich sind im Aufhübschen persönlicher wie auch gemeinschaftlicher Erzählungen sogar die gleichen bzw. sehr ähnliche psychologische Mechanismen beteiligt.
Umso seltener und glaubwürdiger sind m.E. jene Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaften, Gesellschaften oder auch Einzelpersonen (innerhalb dieser), die sich ehrlich auch mit eigenen Inkonsistenzen auseinander zu setzen vermögen, da gebe ich Ihnen völlig Recht!
Herzliche Grüße
Der Kompass und die „Steine“ Urim und Tummim sind High-Tech-Produkte, die es in der damaligen Zeit so nicht gab. Der nächtliche Besuch des Engel Moroni bei J. Smith auf einem Licht- bzw. Energiestrahl durch das Dach kann bisher keiner erklären – und trotzdem ist der Fakt in der Heiligen Schrift. Dass es solche Besuche von Außerirdischen auch in den letzten Jahrzehnten gab, wurde mehrfach beschrieben.
Dr. Blume, wie soll ich Ihrer Meinung nach: „...Überschneidungen zwischen UFO-Mythologien und Mormonismus herausgebildet, wie von @Klaus Deistung hier vorgestellt.“ - die obigen Fakten verstehen?
Besuche gab es in den letzten 2000 Jahren viele [HN]. Es gibt sogar Bilder nicht von dieser Welt [DB]. Es sind weiter jede Menge High-Tech-Informationen in den Heiligen Schriften – daraus lässt sich so keine „Ufo-Religion“ definieren. Hier muss man schon trennen!
„Ufo-Religion“ - ihr Hauptziel ist eine abwertende Bewertung u. a. derjenigen, die der Meinung sind, dass wir nicht allein im All sind! Und ich füge gern hinzu: Nicht einmal in unserem Sonnensystem! Prof. Grünschloss tritt hier vielfach als Erklärer des Begriffs auf z. B. [GA][GL]. Dazu passte ja der Blogbeitrag: Ufos entstehen in Hirn. Dr. Blume, in Ihrem Beitrag zum Ufo-Glauben scheinen Sie das aber nicht zu vertreten. Prof. Linke [GK]: „Viele deutsche Wissenschaftler fürchten, ihr Gesicht zu verlieren, wenn sie sich auf religiöse Fragestellungen einlassen. In den USA ist das gar kein Problem. Da schreibt ein renommierter Physiker ein Buch zum Thema „Gott und die moderne Physik“.“ Aber hier schottet sich die Wissenschaft unverständlicherweise völlig ab! (Ufos entstehen im Hirn... - vor allem die Polemik darüber...)
Und wie ist das zu bewerten, dass der Vatikan schon im Januar 2002 feststellte (nur Bild): Gott erschuf auch Außerirdische? Und 2008 hieß es in allen Medien: Außerirdische sind unsere Brüder! Prof. Grünschloss [GL]: Lieber nicht an Aliens glauben.
Hier wird versucht, wissenschaftlich einen Begriff zu formulieren, der in der Geschichte seit Jahrzehnten als Ufo offiziell verwurzelt, aber negativ bewertet wird. Natürlich hat man auch einen Namen, der hier nicht fehlen darf: E. v. Däniken. Es gibt aber einen zweiten Autor, der nicht genannt wurde, aber der das was E. v. Däniken noch allgemein formuliert – sehr konkret beschreibt, 2 Beispiele:
„Die Götter waren Astronauten“ - „Gesandte des Kosmos“: Anunnaki/Nefilim vom Nibiru: Anu, Ea/Ptah, Enlil, Ninharsag/Hathor, Marduk, Ningischzidda/Thot/Hermes, Ischtar...
„Raumfahrt im Altertum“ – „Die Hochtechnologie der Götter“: Nibiru Erde Mars, erdgebundene Flüge...
Es ergibt sich der Fakt, dass über etwas geredet wird, was keiner gelesen hat: Die sumerischen Aufzeichnungen bestätigen E. v. Däniken. Der Mondastronaut Dr. E. Mitchell sagte klar [DR]: „Roswell took place“ - aber wer zitiert ihn? Wir müssen aber nicht so weit gehen, bleiben wir in unserem Land. Auf RTL II [II] habe ich im Frühjahr 2000 die Serie „Ufo 2000“ gesehen. Alle Astronauten und Kosmonauten der Erde betonen die Schönheit und die Verletzlichkeit unserer Erde. Der Astronaut Dr. Walter forderte aus seiner Erkenntnis heraus im Februar 2000 im RTL-Interview: Die Wissenschaft möge sich doch dem Ufo-Phänomen widmen. Herr W. Walter (CENAP) bestätigte mir im Sommer 2008 dieses Interview bei RTL. Allerdings hat auch die CENAP keine progressiven Schlüsse daraus gezogen.
Ein gutes Jahr später wurde Dr. Walter gegen seine frühere Erkenntnis zitiert [Va]: „Da draußen ist keiner.“ (Vgl. Prof. Linke!) Heute ist Dr. Walter für seine Verdienste um die Raumfahrt Prof. Als Prof., Wissenschaftler darf er nicht öffentlich über Ufos diskutieren! Die Geschichte wiederholt sich – auch nach Jahrhunderten.
Seit über 3000 Jahren gibt es in Indien für Fluggeräte den Begriff VIMANA. Fliegt man mit Air India, gibt die junge Steuardess die Sicherheitshinweise u. a. in Hindi – und da kommt das Wort Vimana mehrfach vor! Wer glaubt, dass wir als Homo sapiens die ersten Fluggeräte auf der Erde gebaut haben und geflogen sind – der irrt!
Was ließ der Dichter seinen Hamlet sagen? „Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erden, als Eure Schulweisheit sich erträumt“ (Hamlet, William Shakespeare, 1564 – 1616).
[HN] Hierzenberger, G., Nedomansky, O.: Erscheinungen und Botschaften der Gottesmutter Maria. Pattloch, Augsburg 1993, Vollständige Dokumentation durch zwei Jahrtausende
[DB] Deistung, K.: Bilder – nicht von dieser Welt. Magazin 2000plus, Nr. 268, S. 74 - 79
[GL] Grünschloß, A.: Lieber nicht an Aliens glauben. OÖNachichten nachrichten.at, Linz 09
http://www.nachrichten.at/.../linz09/art470,105714
[GK] Gaschler, K.; Könneker, C.: Die Kopflastigkeit der Religion. Gehirn & Geist 02/2002, S. 14–17
[GA] Grünschloß, A.: UFO-Religionen und „Astronautengötter“ – Neue Religionsvorstellungen im Raumfahrtzeitalter? Vortrag am 04.02.09
http://www.kepler-salon.at/...ahrtzeitalter/(month)/1/(year)/2009
[DR] Deistung, K.: „Kontakt“-Nachlese: Roswell took place! Astronomie Heute, Leserbrief vom 28.12.2006 http://www.astronomie-heute.de/...83&_z=798889
[II] RTL II: Ufo 2000. Reihe, Sendung am 13.02.2000
[Va] Vaas, R.: Fremde Intelligenzen - Rarität oder Regel? bild der wissenschaft, 2/2002, S. 46 - 53
Lieber Herr Deistung,
danke für Ihre Anfrage. Zwar ist der Mormonen-Beitrag sicher nicht der richtige Ort für eine vertiefte Diskussion, aber einige Anmerkungen mache ich gerne.
1. Die Existenz von Außerirdischen ist durchaus denkbar. Nur gibt es bislang keine wissenschaftlich eindeutigen Befunde, die bereits geschehene Kontakte zweifelsfrei belegen würden.
2. Dennoch gibt es viele Menschen, die an Kontakte mit Außerirdischen glauben oder auch von entsprechenden Erfahrungen berichten. Die (massiv unterschiedlichen) Annahmen zu und Deutungen von Kontakten mit Außerirdischen werden wie andere Erzählungen auch in Netzwerken und Gemeinschaften tradiert, kontrovers diskutiert usw. Einige Personen und Gemeinschaften erfahren sich darüber hinaus als Kontaktpersonen zu den Außerirdischen beispielsweise durch Besuche, Channelings u.ä.
3. Dass der Umgang von Menschen mit diesen Erfahrungen, widerstreitenden Berichten usw. mitunter religiöse Formen annimmt, ist also keine Abwertung dieses Verhaltens und auch keine Vorentscheidung im Bezug auf Wahrheitsaussagen. Es ist schlichtweg eine wissenschaftlich angemessene Perspektive (unter anderen).
Vor einiger Zeit hatte ich in Leipzig einmal einen Vortrag zum Thema gehalten, den Sie hier finden:
http://www.blume-religionswissenschaft.de/...5.pdf
Ein kostenfrei zugängliches E-Book u.a. auch katholischer Theologen zu außerirdischem Leben finden Sie hier:
http://religionswissenschaft.twoday.net/...289394/
Und einen Bericht über eine erwartete UFO-Apokalypse am 14.10. finden Sie hier:
http://religionswissenschaft.twoday.net/...246955/
...Reaktionen zum Nichteintritt des Ereignisses hier:
http://religionswissenschaft.twoday.net/...254855/
Für die Zukunft plane ich auch Beiträge zum Thema in Natur des Glaubens, wo sich diese Diskussion dann auch gerne fortsetzen lässt.
Lieber Herr Blume,
Dank für Ihre Antwort. Wir können doch schwerpunktmäßig bei den Mormonen bleiben: Steine Urim & Tummim – Computer, Kompas auf dem Schiff, Fakten (Engel Maroni kam durchs Dach – aktuelle Aliens können das auch), Überlieferungen (u. a. sumerische, indische), weitere Beispiele:
- Schau! Was siehst du? Heute eine PR-Schow in die Zukunft(!) – 1. NEPHI 11-13
- Sie (Engel) waren wie vom Feuer umschlossen; und es kam vom Himmel herab – eine Rakete, 3. NEPHI 19, finden wir aber auch in der Bibel
- Steine als Schiffsleuchten (bereitet vom Herrn – Akkulampen) ETHER 3.
Ein weiterer Planet im Sonnensystem: Nibiru – er wird offiziell rausgerechnet – ich habe den rechnerischen Gegenbeweis angetreten!
Wenn wir wissenschaftlich von der falschen Seite rangehen, weil nicht sein kann, was nicht sein darf (?), dann kommt natürlich auch kein „Beweis“ zustande!
Es gibt Autoren, die seit 2003 Nibiru fast jedes Jahr kommen lassen, nun soll es 2012 endlich sein - das ist vergleichbar mit der UFO-Apokalypse – Dank für die Links. Die Buchbeschreibungen und meine Rezensionen dazu finden Sie bei Amazon.de und einen Kommentar bei Nexus: Es dauert noch mehr als 600 Jahre, bis Nibiru wieder zu sehen ist:
http://www.amazon.de/gp/product/3938516836
http://www.amazon.de/.../3928963260/ref=pd_sim_b_3
http://www.nexus-magazin.de/...-marshall-masters/2