chronologs Natur des Glaubens

Dankt Gott für die Evolution!

von Michael Blume, 29. Juni 2009, 07:28

Mit diesem noch recht ungewöhnlichen Ruf ziehen der evangelische Wanderprediger Michael Dowd und seine Frau, die Evolutionsbiologin Connie Barlow, seit einigen Jahren durch kirchliche und säkulare Einrichtungen der USA. Und mit der Veröffentlichung des gleichnamigen Buches "Thank God for Evolution", das von namhaften Vertretern aus Wissenschaft (darunter mehreren Nobelpreisträgern) und Religionen begrüßt wurde, zieht seine Bewegung des "evolutionären Christentums" weitere Kreise - zum Ärger z.B. kreationistischer (die Evolutionstheorie ablehnender) Gruppen. Schauen wir uns also das Ganze doch einmal an.

 

Evolutionäres Christentum

Der Theologe Dowd bekennt sich als Christ, der jedoch die Befunde der Wissenschaft nicht nur passiv oder gar ablehnend auffaßt, sondern als "Offenbarungen Gottes" begrüßt und feiert. So ist für ihn die Evolution des Universums "The Great Story", die jedes Kind auf dem je neuesten Stand der Forschung lernen und feiern sollte, der Mensch entstand aus "Sternenstaub" und evolvierte zum "Teil des Universums, das sich durch ihn selbst erkennt". Die Heiligen Schriften sind für Dowd wertvolle Motivatoren und Ideengeber, die sich jedoch stets am wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt messen müßten, die Religionsstifter - allen voran Jesus - Vorbilder für ein Leben in "evolutionärer Integrität" in einem Dienst an der sich entfaltenden Fülle des Lebens.

So versteht Dowd beispielsweise die biblische Lehre vom "Sündenfall" vor dem Hintergrund der modernen Evolutionspsychologie. Sie sei eine kraftvolle Erzählung des Umstandes, das unsere über Jahrmillionen evolvierten Gehirnstrukturen Impulse (z.B. Gier, Untreue, Fremdenangst etc.) hervorbringen, mit denen wir in späteren Regionen wiederum ringen müssen (z.B. Großzügigkeit, Treue, Neugier). Zur Natur jedes Menschen gehöre also das ständige, ererbte Ringen mit dem realen Bösen und der Weg Christi sei ein Weg, nach "evolutionärer Integrität" zu streben. Gewalthaltige Bibelstellen fordert Dowd 1. vor dem jeweiligen historisch-politischen Hintergrund der Schreibenden zu verstehen und 2. als nicht mehr handlungsleitend zurück zu weisen. Jede religiöse Tradition, die im Fundamentalismus erstarre, entferne sich von Gott, der sich jeden Tag offenbare und nicht auf alte Texte reduziert werden könne. "Die Fakten sind Gottes eigene Sprache.", so Dowd. Wer sie zurück weise und stattdessen auf einem Gott bestehe, der z.B. auch Völkermord befehle, trenne die Menschen vom Schöpfer.

Entsprechend hofft er über die Erneuerung des Christentums hinaus auf eine "evolutionäre Spiritualität" und evolutionäre Lesarten des Islam, Judentums, Hinduismus, Buddhismus usw. Und er zog (natürlich) bereits mächtiges Zähneknirschen z.B. der Intelligent Design-Bewegung auf sich, berichtet aber von erfreulichem Zuspruch unter den vielen Millionen US-Amerikanern, die Religion und Evolution nicht für einen Widerspruch halten und die Kulturkriege endlich beenden wollen (CNN-Beitrag & Interview dazu).

Fazit

Als Religionswissenschaftler steht es mir natürlich nicht zu, theologische Qualitätsurteile zu treffen. Auch werden manchem deutschen Leser die spezifisch amerikanische Verbindung von Sachkapiteln und persönlichen Bekenntnissen, moralischen (v.a. auch ökologischen) Appellen und Spriritualitätsübungen, originellen Bildern und Zukunftshoffnungen sehr ungewohnt erscheinen. Kapitel für Kapitel werden protestantische und wissenschaftliche Sprachbilder zu einem Entwurf des evolutionären Theismus ineinander gewoben.

Andererseits eröffnet natürlich genau das Ungewohnte seinen Reiz. Hier wird einmal nicht der so häufige, defensive Stil zwischen Theologen und Naturwissenschaftlern zelebriert (1. abstreiten, 2. für bedeutungslos erklären, 3. behaupten, es schon immer gewusst zu haben), sondern eine geradezu euphorische "Hochzeit zwischen Religion und Wissenschaft" gefeiert. Am ehesten besteht eine inhaltliche Tradition zu Teilhard de Chardin, der gewissermaßen mit Befunden moderner Wissenschaften verbunden und in den zeitgenössischen, evangelischen Hauskreis und die Unterweisung der Familien übersetzt wird. Wer also, ob religiös oder nicht, der üblichen Grabenkämpfe müde geworden ist und sich einmal ganz ungewohnt an- und aufregen lassen will, wird an "Thank God for Evolution" sicher jede Menge Freude haben. Spannend wird natürlich auch sein zu beobachten, ob und wie sich "evolutionäre" Lesarten des Christentums in den kommenden Jahren und Jahrzehnten auch tatsächlich entfalten.



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Kommentare

  1. theologe-der-vernunft Jeus lebt wirklich - Dank gegeb. Wissens
    04.07.2009 | 07:59

    @ingo,

    ich denke, dass das Problem, das Du ansprichts, bereits vor 2000 Jahren in ähnlicher Weise anstand.

    Die theologische Aufklärung der Antike hat - da bin ich mir sicher, keinen jüdischen Liebesprediger mit Namen Jesus als Logosgott verherrlicht - sondern in monistisch ausgewerteten Logik/Vernünftigkeit allen Werdens die einhzige Aussage gesehen, die über den Unsagbaren der jüdischen Väter zu machen ist.

    Auch wenn wir nicht wie das antike Judentum in einer enteleerten rituellen Gesetzlichkeit und Tempeltradition erstarrt sind, nicht mehr griechischen Göttergestalten anhängen und uns Schöpfung insbesondere in Europa nicht mehr buchstäblich erklären, sondern in vielfältigen durchaus wissenschaftlich orientierten Modellen ähnlich wie Dowd darüber nachdenken, so bleibt es eine Suche nach dem gesetzten, mystischen Gottesbild.

    Doch entweder wir suchen einen Gott, wie er im Gesetz steht, ihn die traditionellen Vorstellungen vorgeben, wir ihn uns kindlich oder auf moderne Weise vorstellen... oder wir versuchen in gegenwärtiger Welterklärung das lebendige Wort zu verstehen, den Sohn sehen (d.h. die ihn vergegenwärtigende Welterklärung, wie sie u. a. die Evolutionsbiologie beschreibt) als sinngebend kreative und damit schöpferische Wirklichkeit zu verstehen.

    Doch genau das scheint mir der ur-christliche Weg zu sein, über den zur Zeitendwende heftig diskutiert wurde. Auch wenn wir nur aufgrund der allegorischen, aufgeklärten Auslegung, anknüüpfend an die Tradtion über "Theologie" reden, über eine schöpferische Bestimmung nachdenken können, statt nur reine Natur- und Eigenvernunftlehre betreiben. Über einen gesetzten Gott und dessen Wille gibt es in der heutigen Welt nichts mehr zu sagen, das ist alles zum Mythos geworden.

    Doch allein eine rationale Naturlehre oder naive Naturspiritualität, erscheint mir zu wenig. Wie die Denker vor 2000 Jahren die alten Bilder aufgriffen (insbesondere aus der allegorisch erfassten jüdischen Tradition)so scheint mir es auch heute notwendig, Bibel und Biologie bzw. menschlicher Vernunftlehre nicht gleich-gültig nebeneinander stehen zu lassen, sondern auf einen neuen Nennner zu bringen.

    Gerhard Mentzel

    Die Hompage "Jesus lebt wirklich" ist übrigens noch zu vergeben. Ich bezahle zwar bei Denic meinen Jahresbeitrag. Mein Vermögen reicht aber nicht aus, sie mit echtem Inhalt zu füllen.

  2. Theo Gott modernisieren
    05.07.2009 | 00:47

    Wenn Gott und Naturwissenschaft in Einklang gebracht werden könnten, geht das m. E. nur etwa so (simpel und flapsig gesagt):

    Gott =? kreativ-therapeutische Projektion eines materiebasierten Konstrukts, das man vielleicht 'höheres Selbst' nennen könnte

    Leib Christi =? Evolution/sich selbst entfaltende algorithmische Dynamik

    Geist der Einheit ("Heiliger Geist") =? globales Bewusstsein / 'Noosphäre' (ungefähr à la de Chardin)

    ---
    Kennt eigentlich jemand einen Menschen, der "Gott" als vollständig geistig in dem Sinne versteht, dass er eine auf dem materiellen Substrat des evolutionär entwickelten menschlichen Gehirns (oder mehrerer historisch und synchron "gekoppelter" Gehirne) sich sozusagen von selbst erschafft, und der zugleich religiös u./od. spirituell erlebnisfähig ist?
    ---
    Mir fällt im Zusammenhang mit der Gretchenfrage und dem demographischen 'Erfolg' der Amischen noch die Frage ein, ob der männliche Testosteronspiegel evtl. mit dem Ausstieg aus religiösen Gemeinschaften/Zusammenhängen korrelieren könnte.
    ---
    Habe auch gerade den Psalm 14 nochmal gelesen. Anscheinend gab es immer welche, die sagten: kein Gott. Vielleicht braucht es - evolutionär gesehen - einen Cocktail aus homo sapiens, homo sapiens halluzinens (oder so ähnlich) u. homo halluzinens sapiens, homo sapiens sapiens, homo ludens, ... damit die Spezies überlebt.
    ---
    Die Zukunft einer menschengerechten Umwelt (Klima, Energie usw.) scheint vom Schutz der Allmende abzuhängen. Für mich stellt sich dabei natürlich die Frage, ob die religiösen Gene in der Menschheit, die ja eher auf eine weitere Überbevölkerung hindeuten (seid fruchtbar und mehret euch), nicht besonders nachhaltig sind.

    grüße
    t.

  3. Basty Castellio Gott modernisieren...
    05.07.2009 | 11:41

    @Theo
    Wenn man irgendwie auf einen Gottesbegriff kommen will, der (natur-)wissenschaftlichen Begriffen entgegenkommt – dann könnte man es auch versuchen mit dem, was Robert Wright in seinem Buch The Evolution of God ausführt, siehe: http://www.evolutionofgod.net. Durch irgendeinen Link von Michael Blume, in seinem englischen Blog?, kam ich drauf. Ich konnte es nicht leicht lesen, mein Schulenglisch... Aber durch den Schlussabschnitt „By the Way, what is God?“ kam ich durch. Siehe: http://www.evolutionofgod.net/excerpts_afterword/ .
    Das halte ich erkenntnistheoretisch für durchaus praktikabel. Na ja, für Leute, die auf den Begriff „Existenz“ für Gott nicht verzichten möchten. Ich selber versuche es, wie auch hier öfters genannt, immer noch etwas anders: Gott als Personi-Fizierung der Widerfahrnisse des Menschen. Diese Personifizierung, Gott, ist uns Menschen ein praktikables Tool in der Daseinsbewältigungsstrategie. Er mag durchaus entstanden sein parallel zu dem wie im Menschen Traumbilder entstehen. Träume sind nicht nur Schäume, sie können Wahrheiten aufdecken, benennen. Aber bei Gott: Nicht nur individuelle Erlebnisse sondern die ganze Sache auch unter gruppendynamischen Gesichtspunkten zu betrachten: auch als Personifizierung dessen, was die Interaktionen in einer Horde, einer Familie, einer Nation... konstituiert.
    Deshalb: Wenn Daseinsbewältigungs-Strategien sich bündeln zu einer *gemeinsamen* Sache – wenn verschiedene Menschen ihre Interaktionen, ihr Zusammenspiel, auf die gleiche Melodie singen, nenne ich das Religion. Besonders wenn eine gemeinsame Gottesvorstellung zum Tool der Daseins-Gestaltung, zum Vorzeichen dieser Lebens-Melodie wird. Aber es gibt ja auch Ansätze ohne diese Vorstellung; und Religion reicht jedenfalls weiter, wirkt breiter im Leben, als die eine oder andere Gottesvorstellung.

    So viel für heute. Vermutlich für 10 Tage Lese- und Sendepause.
    Ich wünsche weiter interessante Diskussionen.
    Basty

  4. Michael Blume @ Theo
    05.07.2009 | 12:43

    Wow, das sind ja viele Gedanken/Fragen auf einmal! Aber zumal sie präzise formuliert sind, gehe ich gerne auf die zentralen Punkte ein.

    Wenn Gott und Naturwissenschaft in Einklang gebracht werden könnten, geht das m. E. nur etwa so (simpel und flapsig gesagt):

    Wenn es ein Erfolgsrezept der (kulturellen wie auch biologischen) Evolution gibt, dann ist es die Vielfalt. Indem nur Teile oder Aspekte unterschiedlich stark rezipiert, Zusatzannahmen eingeführt und die Befunde unterschiedlich gedeutet wurden, hat es immer eine Vielzahl von Varianten gegeben. Ich nehme an, dass das auch in Zukunft so sein wird.

    Gott =? kreativ-therapeutische Projektion eines materiebasierten Konstrukts, das man vielleicht 'höheres Selbst' nennen könnte

    Ein gutes Beispiel, um die Vielfalt an Möglichkeiten durchzuspielen. Wer konstruiert? Warum gibt es Materie? Besteht die Entwicklung (Emergenz?) des höheren Selbst nur aus einer evolutionären Selbstorganisation "von unten" oder stellt sie einen Erkenntnisprozess hin zu einer höheren Wahrheit dar? Und wie kann ein Eingreifen aus der Transzendenz in die Materie eigentlich je völlig ausgeschlossen werden? Selbst wenn wir von den o.g. Grundannahmen ausgingen, so blieben dennoch Dutzende, ja Hunderte Variationsmöglichkeiten.

    Leib Christi =? Evolution/sich selbst entfaltende algorithmische Dynamik

    Durchaus. Nur werden Gott und Jesus gerade nicht als abstrakte Prozesse, sondern als ansprechbare Personalitäten verehrt. Und sogar bei bestehenden Weltanschauungen auf Basis abstrakter Prinzipen (z.B. Teile des Hinduismus, Buddhismus, Jainismus, Konfuzianismus, Taoismus etc.) haben sich über kurz oder lang immer wieder personale Übernatürliche heraus gebildet. Wir Menschen erforschen Prinzipien, aber beten zu Personalitäten. Und nur von denen lassen wir uns etwas sagen, von Prinzipien wollen wir befreit werden (z.B. Karma-, Dharma-Lehren etc.)

    Geist der Einheit ("Heiliger Geist") =? globales Bewusstsein / 'Noosphäre' (ungefähr à la de Chardin)

    Ja, möglich. Und tatsächlich interessant, auch z.B. im Hinblick auf das Internet!

    Kennt eigentlich jemand einen Menschen, der "Gott" als vollständig geistig in dem Sinne versteht, dass er eine auf dem materiellen Substrat des evolutionär entwickelten menschlichen Gehirns (oder mehrerer historisch und synchron "gekoppelter" Gehirne) sich sozusagen von selbst erschafft, und der zugleich religiös u./od. spirituell erlebnisfähig ist?

    In der Science-Fiction-Literatur hat diesen Gedanken z.B. Dan Simmons ("Hyperion-Trilogie") durchgespielt. Auch in der Prozesstheologie gibt es solche Ansätze, da bin ich aber kein Experte (da Religionswissenschaftler, kein Theologe).

    Mir fällt im Zusammenhang mit der Gretchenfrage und dem demographischen 'Erfolg' der Amischen noch die Frage ein, ob der männliche Testosteronspiegel evtl. mit dem Ausstieg aus religiösen Gemeinschaften/Zusammenhängen korrelieren könnte.

    Dazu ist mir keine Studie bekannt. Allerdings ist der Anteil der Austritte im 20. Jahrhundert generell gesunken, Männer gehen häufiger als Frauen. Ein Zusammenhang mit Charaktereigenschaften etc. könnte durchaus bestehen.

    Habe auch gerade den Psalm 14 nochmal gelesen. Anscheinend gab es immer welche, die sagten: kein Gott. Vielleicht braucht es - evolutionär gesehen - einen Cocktail aus homo sapiens, homo sapiens halluzinens (oder so ähnlich) u. homo halluzinens sapiens, homo sapiens sapiens, homo ludens, ... damit die Spezies überlebt.

    Ja, dafür spricht vieles. Ich arbeite gerade an einem Artikel genau dazu, der zum Jahresende erscheinen sollte.

    Die Zukunft einer menschengerechten Umwelt (Klima, Energie usw.) scheint vom Schutz der Allmende abzuhängen. Für mich stellt sich dabei natürlich die Frage, ob die religiösen Gene in der Menschheit, die ja eher auf eine weitere Überbevölkerung hindeuten (seid fruchtbar und mehret euch), nicht besonders nachhaltig sind.

    In post-agrarischen Gesellschaften brechen die Geburtenraten weltweit ein und wir dürfen noch in diesem Jahrhundert den Wechsel vom Bevölkerungswachstum in die -schrumpfung erwarten. Siehe hier:
    http://www.chronologs.de/...vorteil-durch-religion

    In Gesellschaften wie der deutschen ist die Bevölkerungsimplosion bereits in vollem Gange: Weniger als 2 Kinder auf 3 Erwachsene, trotz Zuwanderung. Ggf. ließe sich die moderne, gebildet-wohlhabende Gesellschaft wohl eher als reproduktiver Flaschenhalts bezeichnen, durch den v.a. religiöse Menschen gelangen.
    http://www.chronologs.de/...on-iq-und-religiosit-t

    Was das Allmende-Problem anbelangt, so haben z.B. Studien von Wilson, Sosis und Schloss ein stärkeres Potential religiöser Gemeinschaften beobachtet, da sich dort auch einzelne Akteure ja von den Übernatürlichen beobachtet und ihnen gegenüber verantwortlich fühlen. Es ist denkbar, dass ökologische Fragen und Gebote dabei in den kommenden Jahrzehnten eine noch höhere Bedeutung erhalten.

    Danke, herzliche Grüße!

  5. Michael Blume @ Basty
    05.07.2009 | 12:48

    Danke - gerade bei den theologischen Fragen freue ich mich immer gerne auf Deine Beiträge, da ich mich dafür fachlich nur eingeschränkt zuständig und kompetent wähne. :-)

    Den Robert Wright lese ich derzeit auch. Wenn er zwar vom Reproduktionsvorteil (noch) nichts ahnt und auch nur einen kleinen Teil der evolutionären Religionsforschung rezipiert hat, so hat das bisher Gelesene m.E. nach durchaus Hand und Fuss! Es ist sehr spannend zu sehen, von wieviel verschiedenen Perspektiven aus das Phänomen Religiosität inzwischen evolutionär bearbeitet wird!

    Schönen Urlaub, bis bald!

  6. Theo @Basty C./ - zur gleichen Melodie singen
    06.07.2009 | 13:32

    Auch ich finde die therapeutischen Aspekte von Religion ganz besonders bemerkenswert. Das Singen zur gleichen Melodie schafft sicher Gemeinschaft und Vertrauen. Anfügen möchte ich dazu lediglich noch den folgenden Gedanken: Alleine das Erkennen der Fähigkeit zu zwischenmenschlichen (oder allgemeinem) Vertrauen im Gegenüber schafft Vertrauen. (Phobische Züge machen einen Menschen weniger vertrauenswürdig.) -
    Das nachträgliche Lernen oder Vermehren von Vertrauen ist eines der wichtigsten Ziele in Therapiesituationen. Zusätzlich hat die Musik eine 'öffnende' Wirkung. Die sonntäglichen Gesänge sind also viel zu kurz. Wir haben in unserer Gesellschaft einen großen Ent-schizoidisierungs-Bedarf ... Die Tranceinduktion der Schamanen funktioniert wohl ähnlich.

  7. Theo @Michael Blume
    06.07.2009 | 13:38

    Vielen Dank für die Hinweise und Antworten! Wie lautet der Titel der Arbeit, die zum Jahresende erscheinen soll? (Ich bin schon gespannt darauf wie ein Flitzebogen.)

  8. theologie-der-vernunft Dankt Gott für die Evolution d. Glauben
    06.07.2009 | 18:08

    Einen modernisierten Gott ansingen oder aufgeklärt gemeinsam sein Wort hören?

    Wer wie Dowd Gott für die evolutionäre Entwicklung dankt, sich über ein "evolutionäres Christentum" Gedanken macht", der kann nicht nur den kosmischen Aspekt im Blick haben, um auf anderer Weise als die Kreationisten Gott wieder zum Werk zu bringen, die Weltbilder zu versöhnen, sondern auch den ewigen Fortschritt bzw. Wandel im Kult.

    Sollten wir nicht die Spekulationen über Gott bzw. unsere Bilder davon einstellen?

    Gerade in den verschiedenen Beiträgen hier ist mir wieder bewusst geworden, was wie ich denke, auch Gegenstand der Diskussionen am Anfang des christlichen Glaubens war: Über den alten Gottesbegriff gibt es - spätestens nachdem nun auch noch der Desingner wissenschaftlich verneint wird, der Gottesbegriff nicht mehr als Erklärungsgrund für Unerklärliches zu gebrauchen ist, nichts zu sagen.

    Neben dem natürlichen Werden des wissenschaftlichen Weltbildes bleiben nur wilde Spekulation: Von Widerfahrnissen des Menschen, die therapeutisch ein höheres Selbst suchen, bis zu einer Daseinsbewältigungsstrategie, die in Person projeziert wird... u.a.um gemeinsam Singen zu können...

    Wie weise scheint die Erkenntis vor 2000 Jahren gewesen zu sein, dass Jesus bzw. die philosophisch erfasste kreative Vernunft/ der lebendige Logos als ewiges Wort das Einzige ist, was über den Gott des Väterglaube gesagt werden kann.

    Warum sollte dies Atheismus sein, wenn bereits die Weisheit der Psalmisten vor Gottesbildern warnte, auf das ewige Wort/die hervorbringende Vernunft verwies und in der Schöpfungsordnung des damligen Weltbildes die Stimme/Bestimmung vernahm?

    Wäre so nicht selbst der 14. Psalm neu zu lesen? Ist ID oder eine Verbannung des Gottesbildes in persönliche Projektionen heute noch tüchtig bzw. tauglich? Wo liegt das Abweichen von der natürlichen schöpferischen Ordnung, die als Atheismus angemahnt wird?

    Haben die Aufklärer der Zeitenwende in der schöpferischen Vernunft/im Logos die Erlösung gedacht, als erfüllt geglaubt, die im Psalm erwartet wurde?

    Wurde auf der ewigen Reise nach Jerusalem nicht auch vor 2000 Jahren die neue Offenbarung in Jesus bzw. der schöpferischen Vernunft als Atheismus betrachtet, weil die alten Gottesbilder nicht mehr gelten sollten, sondern der Logos allein als Offenbarung galt?

    Und war nicht auch den Denkern der Zeitenwende bewusst, dass Gott eine eigene, persönlich anzusprechende Person (Aufgabe, Rolle) bleiben muss, der Logos/die Vernunft (als eigenständige Person bzw. Sohn/Wort) verstanden, nicht die Rolle des Vätergottes einnehmen kann, sondern nur auf diesen verweist?

    Was wäre für einen zeitgemäßen Glauben tauglicher: einen Gottesbegriff zu modernisieren, um einen Aufpasser zu haben, der gemeinsam aus therapeutischen Gründen anzusingen ist bzw. dem im Alltag Opfer gebracht werden? Oder die Begeisterung für die kreative Vernünftigkeit des evolutionären Lebensflusses, die auf menschlich verant-wort-liche Weise (ökologisch, ökonomisch, sozial nachhaltig) zu verwirklichen ist?

    (Wozu sicher auch das Singen gehört, ebenso wie vernünftigerweise auch die persönliche Ansprache der verschiedenen Personen: Aufgaben/Rollen, in bekannten Kultbegriffen.)

    Dank Gott geht die Evolution des Glaubens im Rahmen der Aufklärung noch weiter. Ich bin sicher, es wird noch spannend.

    Gerhard Mentzel

  9. Theo Bilder und Begriffe
    06.07.2009 | 23:46

    @Spekulationen über Gott bzw. unsere Bilder davon einstellen? --- Vielleicht wäre das gut. Vielleicht geht es nämlich in Wirklichkeit vor allem ums Praktische: um die Moral und ums Verhalten. Letztlich wird wohl nur eine Religion überdauern können, die die Kooperation fördert (Jonathan Haidt über Moral der Liberals und der Conservatives: http://www.youtube.com/watch?v=vs41JrnGaxc). Das Problem dabei scheint, dass nicht strafender Gott keine Stütze für die Kooperation mehr sein kann. Dafür gibt es jetzt den Rechtsstaat, die Scharia und den internationalen Gerichtshof. - Vielleicht gibt es für eine aufgeklärte Theologie keine nennenswerte Chance. Vielleicht wird wie bisher auch nur eine Minderheit von Mystikern das Bilderverbot (besser:die Bilderempfehlung) halbwegs umsetzen können. Vielleicht wird aber auch eine kritische Anzahl Menschen die Natur des fiktiven Gottes endlich nicht mehr in Materiellem wie der Evolution des Lebens, der Kosmologie und dem Quanten-Chaos (...) suchen, sondern sich einer atheistischen Mystik zuwenden (wobei Personfikationen nur als Übergang und gehirngerechtes Hilfsmittel gesehen werden).

  10. Michael Blume @ Theo
    07.07.2009 | 19:10

    Vielen Dank für die Hinweise und Antworten! Wie lautet der Titel der Arbeit, die zum Jahresende erscheinen soll? (Ich bin schon gespannt darauf wie ein Flitzebogen.)

    Nun, das Wort "Atheismus" kommt darin vor. Und es handelt sich um die theoretische und empirische Vertiefung einer Überlegung, die wir in GGG auf S. 222, 223 diskutiert haben... Hier auf dem Blog wird dann natürlich (wahrscheinlich zum Jahresende) dazu berichtet!

  11. 08.07.2009 | 14:39

    Bei der Erstellung des englischen Beitrages habe ich übrigens heute morgen auch den (originellen) Buchtrailer gefunden und online gestellt:
    http://www.scilogs.eu/...evolution-by-michael-dowd

    Herzliche Grüße!

  12. Theo Verwechselt Dowd was?
    10.07.2009 | 09:11

    Verwechselt Dowd nicht etwas? Ist das nicht dasselbe wie Kardinal Schönborns Gott, der hinter der Evolution einen Plan ausgeheckt hat? Verwechselt er hier nicht das Materielle (Evolution, Kosmologie) mit dem Geistigen?

  13. Theo @Verwechselt Dowd etwas?
    10.07.2009 | 19:09

    Wenn das Wort "Evolution" und die Evolutionstheorie sich auf eine andere Ebene beziehen und falls Dowd das nicht nur in seinem Titel auf den Begriff "Gott" bezogen hat (habe Dowd leider noch nicht gelesen), dann ist das Durcheinander schon darin angelegt, oder? Die "Evolution" wäre ja nicht Evolution, wenn ein Plan dahinter stecken würde, stimmt's?

  14. Michael Blume @ Theo
    10.07.2009 | 19:10

    Lieber Theo,

    Du fragtest:

    Verwechselt Dowd nicht etwas? Ist das nicht dasselbe wie Kardinal Schönborns Gott, der hinter der Evolution einen Plan ausgeheckt hat?

    Nein, wie kommst Du darauf?

  15. Michael Blume @ Theo
    10.07.2009 | 19:22

    Du fragtest: Wenn das Wort "Evolution" und die Evolutionstheorie sich auf eine andere Ebene beziehen und falls Dowd das nicht nur in seinem Titel auf den Begriff "Gott" bezogen hat (habe Dowd leider noch nicht gelesen), dann ist das Durcheinander schon darin angelegt, oder?

    Kann ich nicht erkennen. Evolution beschreibt ein beobachtbares Phänomen - Dowd ruft dazu auf, sich dafür bei Gott zu bedanken. Ebenso wird ja Gott auch für das tägliche Essen, Kinder o.ä. gedankt.

    Die "Evolution" wäre ja nicht Evolution, wenn ein Plan dahinter stecken würde, stimmt's?

    Es gibt sowohl unter Theisten wie Atheisten viele, die an ein naturwissenschaftlich streng determiniertes Universum ohne Freiheits- und Zufallsräume glauben. Das könnte man dann atheistisch verstehen (Universum spult sich einfach ab) oder theistisch (das Universum entfaltet sich nach Gottes Plan). Dowd vertritt so einen Entwurf aber nicht.

    Übrigens: Innerhalb des Evolutionsgeschehens sind natürlich durchaus planende Eingriffe von Akteuren möglich: Viele Menschen betreiben ja z.B. eine Familienplanung, die sich direkt auf die auch genetische Zusammesetzung kommender Generationen auswirkt. Genau an dem Punkt haben wir vor einigen Jahren die religionsdemografischen Forschungen eröffnet: http://www.blume-religionswissenschaft.de/...6.pdf

  16. Theo Evolution oder das ganze Universum
    10.07.2009 | 20:11

    Ich hatte eigentlich mehr die Evolution gemeint und nicht das ganze Universum. Aber wenn wir beim Danken sind, dann kann ich selbstverständlich - auf einer anderen Ebene - dafür danken, dass es die Evolution gibt. Und das geht auch wunderbar mit der Vorstellung eines wie auch immer gearteten Gottes oder Götterhimmels. Das ist aber denn ECHT eine andere Ebene.

  17. Martin Huhn Besser spät als nie
    14.07.2009 | 14:38

    Ist zwar länger her, aber ich will auch noch etwas dazu schreiben, obwohl es nicht ganz einfach ist, denn Du schneidest Zufall, Determinismus und Quantenphysik in einem Atemzug an. Wie soll ich da drauf antworten?

    "Die Evolution" bzw. Evolutionstheorie behauptet nichts, sondern ist die Summe der empirisch beobachtbaren Fakten. Verknüpft und gedeutet werden diese dann durch Menschen.

    Ja, und die Faktenlage ist eine andere als in der Physik. In der Physik können Wissenschafter viel mehr experimentieren. Mit Fossilien geht das nicht so gut. Da nimmt die Interpretation einen größeren Raum ein und deshalb sind die Erkenntnisse daraus auch unsicherer.

    Die Mehrzahl der Evolutionsbiologen geht vom Zufall aus. So stand es beispielsweise in SZ Wissen 13/2006. Und wenn die Mehrzahl der Vertreter der Evolutionstheorie von Zufall reden, dann kann ich doch behaupten, die Evolutionstheorie geht vom Zufall aus.
    Aber nehmen wir an, das stimmt alles so nicht. Was ist denn dann die Triebfeder der Evolutionstheorie?

    Darwin selbst hat immer betont, dass die Evolution mit Gottesglauben vereinbar sei.

    Kann sein, aber er hatte wohl keinen mehr, was seiner frommen Frau zu schaffen machte.

    Und von Anfang an gab es auch gläubige Menschen, die Gott als Quelle und Träger der Evolution gesehen haben - vom Mitentdecker Alfred Russel Wallace über Teilhard de Chardin und den berühmten Biologen Dobzhanski bis zum Leiter des Humane Genome Project Francis Collins oder dem hier vorgestellten Michael Dowd. Dass Evolution nur in einer bestimmten Weise gedeutet werden könne, hat nie gestimmt und stimmt auch weiterhin nicht.

    Ja, das war aber eine Minderheit. Es gibt zu allen Dingen exotische Einstellungen. ;-)

    Wer sagt denn das? Einige Naturwissenschaftler glauben gar nicht an Zufall, sondern gehen von einer Determiniertheit allen Seins aufgrund der Naturgesetze aus (siehe z.B. Debatten um den freien Willen). Andere verweisen z.B. auf die Quantenphysik, die "Spielräume" offenhalte.

    Ja, die Mehrzahl der Evolutionsbiologen. Und wenn die Entstehung des Lebens Zufall ist, dann muß jeder Mensch auch Zufall sein oder wo soll auf einmal die Absicht herkommen? Die Absicht der Eltern ein Kind zu zeugen?
    Der Determinismus ist aber so nicht mehr haltbar, wie die Erkenntnisse der Nichlinearen Dynamik zeigen.
    Auf die Quantenphysik will ich nicht weiter eingehen, das führt zu weit vom Thema weg.

    Analog dazu diskutieren Theologen verschiedenster Religionen seit Jahrhunderten, ob Gott alles Leben vorbestimmt habe oder ihm Freiheit gewährt habe.

    Ja, Calvin ist mir ein Begriff oder möchtest Du jetzt eine theologische Debatte mit mir darüber eröffnen? ;-)

    Wenn Dir das nächste Mal jemand erzählt, alles sei Zufall, frage doch einfach mal, wie er den Begriff definiert. Und ob er also auch die Existenz von freiem Willen leugne etc.

    Ich kenne so wenig Evolutionsbiologen persönlich, nur was sie so veröffentlichen. Aber bei der nächsten Gelegenheit werde ich nachfragen.

    Und evolutionäre Theisten sagen: Diese Schöpfung hat Gott nicht nur in der Vergangenheit getan, sie vollzieht sich Tag für Tag im Prozess der Evolution weiter. Und der bekennende Christ Dowd dankt Gott sogar dafür.

    Puh, da schneidest Du aber ein Thema an. Theologisch gesehen leben wir ja in einer gefallen Schöpfung. Der Tod kam laut Bibel erst nach der Schöpfung ins "Spiel" nach dem Sündenfall. In der Evolutionstheorie hat der Tod gar ein "belebendes" Element. Das starke, kluge, geschickte, bestangepaßte etc. überlebte, der "Schund" viel weg. Wenn man das vereinbaren will, dann schuf Gott durch den Tod. Das ist knifflig. Nun müßte ich wohl Dowds Buch kaufen und lesen, um zu verstehen, wie er das vereinbaren will. Vorallem möchte ich mal wissen, welche Rolle er Jesus Christus in der Evolutionstheorie gibt.

  18. Pollux Evolution und Biologie
    11.08.2009 | 01:07

    Hallo Michael,

    die Verbindung von Evolution zu Religion ist im Rahmen einer Analogie m.E.n. möglich.

    Im Rahmen einer wissenschaftlichen Beweisführung ist mir die Argumentation aber etwas zu dünn.

    Dass kulturelle Evolution nach den gleichen Prinzipien wie die biologische Evolution abläuft, ist meiner Meinung nach kaum begründbar.

    Da wäre zum einen der Umstand der Lernfähigkeit. Eine bewußte und zielgerichtete Anpassung ist aus dem Bereich der Biologie nicht bekannt (allerdings kann man Frösche auch kaum befragen ;-)).

    Die Menschen haben zudem Struktuen aufgebaut, die es mit sich bringen, dass diese Strukturen über längere Zeit aufrechterhalten werden, obwohl sie faktisch eher einen Anpassungsnachteil mit sich bringen (dazu zählen auch gewisse Pfadabhänigkeiten QWERTY ist hier ein gutes Stichwort oder auch Treshold Modells of Collective Behaviour, Granovetter et. al.). Da spielt viel an Interessen und Besitzstandswahrung, Allokation von Ressourcen u.a. mit rein, was sich adäquat so nicht in der biologischen Evolution wiederfindet.

    In der Systemtheorie Luhmannscher Prägung wird hier das Modell von Selektion - Anpassung - Retention verwandt. Das hat aber den üblichen Makel der voreingebauten Teleologie des Funktionalismus. Genauso sehe ich das hier, wenn man zu sehr auf "Funktionalitäten" abzielt (auch das Label "Natur" dient hier m.E. teilweise als Label "funktioniert").

    BTW - auf meinem Blog habe ich unter: Verboten! Haram! - http://limited.blog.de/...haram-6671147/#c10637916 eine etwas weniger wissenschaftslastige Diskussion angezettelt. Mittlerweile sind wir/ich in den Kommentaren bei der Frage angelangt, ob es für Gott eine Rolle spielt, ob unterlassenes Zähneputzen während des Ramadan ein Hinweis auf besondere Verpflichtung gegenüber dem Glauben durch die Gläubigen ist.

    Und von meiner Seite aus - es diskutieren auch einigen Gläubige mit - warum sich Muslime mit derartigem Unfug befassen.

    Vielleicht hast du ja Zeit für einen Kommentar. Würde mich freuen.

    Besten Gruß,
    Christian

  19. Michael Blume @ Pollux: Fragen
    11.08.2009 | 06:31

    Lieber Christian,

    vielen Dank für Deine vielfältigen Fragen. Allerdings wurde mir nicht ganz klar, wen Du eigentlich was fragst?

    Wer vertritt denn hier eine Analogie (!?) zwischen Religion (meinst Du: Religionen?) und Evolution?

    Und wer behauptet, dass biologische und kulturelle Evolution "nach den gleichen Prinzipien" ablaufen? Da ist die Evolutionsforschung doch längst unendlich viel weiter...

    Und warum soll es in eine Teleologie münden, wenn evolutionsbiologisch die Funktionalität religiösen Verhaltens ebenso erforscht wird wie z.B. die Funktionalität von Sprache oder Musik (jeweils ebenfalls kulturelle Phänomene auf biologischer Grundlage)? Dass religiöse Vergemeinschaftung mindestens in freiheitlichen Gesellschaften mit durchschnittlich höherem Fortpflanzungserfolg einhergeht, ist ein wissenschaftlich längst vielfach belegtes und zu erforschendes Phänomen wie z.B. der Gesang der Wale oder die Herausbildung des menschlichen Kehlkopfes. Ein frei abrufbarer Artikel dazu gerne hier:
    http://www.chronologs.de/...eist.de/artikel/982255

    Und ein ganzes Buch mit intensiver Diskussion verschiedenster Studien und Deutungen:
    http://www.chronologs.de/...shop.de/artikel/969531

    Also: Bitte keine Angst vor Evolutionsforschung! :-)

    Gerne schaue ich die Tage mal bei Deinem Blog vorbei, wobei aus der Perspektive meines Forschungsschwerpunktes - wie Du ggf. gemerkt hast - die meßbaren Effekte religiöser Gebote interessieren, weniger ihre jeweilige theologische Begründung. Faustregel: Umso unverständlicher ein Phänomen zuerst erscheint, umso spannender erweist es sich oft im Rückblick...

    Herzliche Grüße!

  20. Basty Castellio Ganz amüsant
    11.10.2009 | 13:42

    Ganz amüsant diese Parallele zu Dowd, eine Stimme aus dem jüdischen Bereich:
    http://ariefolger.wordpress.com/...-die-evolution/

    Na ja, manches etwas holzschnittartig; auch biologische und kulturelle Evolution etwas zu sehr gegensätzlich gedacht. Religionswisenschaft ist's nicht gerade, aber eine lesenswerte theologische Rezeption wissenschaftlicher Einsichten.

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