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Up in the Air - Die Krise unserer Ichling-Kultur

von Michael Blume, 14. März 2010, 21:35

Eine harmlose Komödie mit George Clooney, schöne Bilder, schlichte Lacher, wenig zum Nachdenken. So war der Kinoabend geplant - und mehr werden viele auch gar nicht wahrgenommen haben. Aber ich war baff - baff über einen Film, der unter der lustigen Oberfläche eindringliche Beobachtungen anbietet.


Da ist Ryan, der Hauptheld. Ein typischer, feiner Ichling unserer Zeit - smart, modern, gutaussehend, reich, immer unterwegs. Sein Job: Im Auftrag feiger Chefs Mitarbeiter zu entlassen. Sie sind, so scheint es, die Verlierer: Menschen, die eine Bindung zu ihrer Arbeit, ihrer Firma aufbauten. Die zitternd danach fragen, wie sie die Arbeitslosigkeit ihren Ehepartnern erklären sollen. Die nach den Hypothekenraten fragen. Und vor allem nach ihren Kindern, deren Schicksal, deren Krankenversicherung. Ryan versteht: Bindungen sind Ballast. Der moderne Mensch lässt Ballast zurück.

Am Anfang gilt unsere Empörung dem System, das solche Gewinnertypen wie Ryan hervorbringt. Doch zunehmend merken wir, dass er gar kein Gewinner ist. Da ist seine Schülerin Nathalie, eine Psychologin, die am Anfang seinen Zynismus noch zu übertreffen scheint - und dann doch erkennt, dass der Ichling-Mann ein armer Irrender (im Wortsinn) ist. Die aber auch dem modernen Feminismus eine deutliche Absage erteilt: Danke für die Freiheiten, die Ihr erkämpft habt - aber Beziehungen mit verläßlichen Partnern hättet Ihr uns lassen können. (Dieser Teil dürfte Ferdinand Knauss gefallen!) Und während wir noch denken, Ryan benutze die weibliche Reisebekanntschaft Alex - tut sie es schon. Ichling frißt Ichling, keine Errettung durch die weniger brutale Weiblichkeit mehr, kein Happy End.

Lustig - und heftig

Kirche und Religion kommen "nur" an einer einzigen Stelle vor: Als es um die Hochzeit von Ryans Schwester geht. Und ausgerechnet der coole Schwätzer plötzlich einen zögernden Bräutigam von Ehe und Familie überzeugen soll. Das ist einerseits lustig. Und andererseits eine der brutalsten "Beichten", die ich je im Kino gesehen habe. Hier demontiert ein moderner Mann seine Lebenslügen. Die Zuschauer lachen - einige nachdenklich...

Fazit

Unser modernes Gesellschaftssystem mit all seinen Versprechen und Verführungen, seinen Schmeicheleien und seiner Schönheit füttert unser Ego - und lässt immer mehr von uns einsam zurück. Noch während sich viele von uns für die Spitze menschlichen Fortschrittes halten zerbröseln Gemeinschaften, Familien, ganze Populationen. Wir glauben, fast gottgleich von ganz weit oben (von "Up in the air") auf die Welt hinab zu sehen. Und bemerken nicht, wie viele um uns dabei ins Nimmerwiedersehen verwehen.

Dieser Film beobachtet: Wer sich bindet, kann verlieren. Wer aber nur noch um das eigene Ego kreist, hat schon verloren. Männer und Frauen haben sich verloren und wir schauen den Scheinhelden der Ichling-Kultur beim bindungs-, familien- und kinderlosen Scheitern zu. Komisch und tragisch. Romantisch und brutal. So überraschend kann Kino sein.





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Kommentare

  1. KRichard Sinnfrage
    15.03.2010 | 10:30

    Die ´Sinnfrage´ taucht in letzter Zeit immer öfter in den Medien auf: ein neuer Trend oder eine Rückkehr zu bewährten Werten?

  2. Lena Waider Interessant
    15.03.2010 | 19:15

    Eine gelungene Zusammenfassung, die mein Interesse für den Film geweckt hat. Positiv scheint mir auch zu sein, dass nun zunehmend der "Gleichheitsfeminismus" in die Kritik gerät. In der Natur ist bei Arten, bei denen auch die Weibchen soziale Aufgaben übernehmen, stets recht bald eine Arbeitsteilung unter den Weibchen entstanden (und damit wieder Ungleichheit), nur dass die einen dann nicht dumme parasitäre Hausfrauen, sondern Königinnen heißen.

    LG Lena

  3. Michael Blume @ KRichard
    15.03.2010 | 19:47

    Ob (enige) Leute durch Kinofilme zum Nachdenken finden? Ich will es hoffen. Auf jeden Fall sind gute Filme oft am mythologischen Puls der Zeit, gute Drehbuchschreiber haben dafür ein Faible entwickelt. Und ich überlege ernsthaft, hier im Blog öfter mal interessante Kinofilme zu besprechen.

  4. Michael Blume @ Lena Waider
    15.03.2010 | 19:48

    Danke für die Rückmeldung! Und, wow, was für ein Zitat: In der Natur ist bei Arten, bei denen auch die Weibchen soziale Aufgaben übernehmen, stets recht bald eine Arbeitsteilung unter den Weibchen entstanden (und damit wieder Ungleichheit), nur dass die einen dann nicht dumme parasitäre Hausfrauen, sondern Königinnen heißen.

    Das ist echt gut und nachdenkenswert, danke!

  5. Balanus Ungleichheit /@Lena Waider
    15.03.2010 | 22:16

    » Positiv scheint mir auch zu sein, dass nun zunehmend der "Gleichheitsfeminismus" in die Kritik gerät. «

    Schade, dass man nichts normativ Verbindliches aus der Biologie ableiten kann.

    "Gleichheit" kann doch nur "Gleichwertigkeit" meinen, alles andere wäre angesichts der offensichtlichen Verschiedenheit der Menschen ja absurd.

  6. Mona Oben und unten
    16.03.2010 | 11:40

    Den Film habe ich mir mit meinen Freundinnen, welche alle Familie haben, ebenfalls angeschaut. Manche von ihnen haben Männer, die (trotz Familie) unter der Woche nicht nach Hause kommen können, da wir hier in einer strukturschwachen Gegend leben und die Arbeitsplätze nicht vor der Haustüre liegen. Wenn Kinder da sind muss einer, in der Regel die Frau, zurückstecken um dann als „dumme parasitäre Hausfrau“ ihr Leben zu fristen.

    Du schreibst: „Dieser Film beobachtet: Wer sich bindet, kann verlieren. Wer aber nur noch um das eigene Ego kreist, hat schon verloren. Männer und Frauen haben sich verloren und wir schauen den Scheinhelden der Ichling-Kultur beim bindungs-, familien- und kinderlosen Scheitern zu. Komisch und tragisch. Romantisch und brutal. So überraschend kann Kino sein.“

    Ja, Ryan, der Held des Films, steht als ein einsamer „Ichling“ da. Aber seine ebenfalls sehr mobile „Freundin“ Alex, die er zu Hause besuchen will, hat ja offensichtlich Familie(die Kinder wird ein Dienstmädchen, der Mann oder die Oma versorgen)und sie möchte verständlicherweise nicht, dass diese von ihrem Verhältnis zu Ryan erfährt. Trotzdem ist sie ebenso ein „Ichling“, wie der männliche Held und verleugnet ihre Familie auch noch. Man kann in diesem Film schon den Eindruck gewinnen (und das sage ich jetzt bewusst provokativ), dass alles spannender ist als eine Familie zu versorgen. Im Film wurde ja auch nicht zwischen Männlein und Weiblein unterschieden, sondern zwischen Menschen „in the Air“ und Leuten „on the bottom“.

    Aber sei's drum, ich will hier keine moralische Wertung abgeben. Auch kann ich nicht erkennen, dass dem modernen Feminismus eine deutliche Absage erteilt wird. Der Film zeigt m.E. recht anschaulich, dass alle modernen Menschen gleich verloren wirken, egal welchem Geschlecht sie angehören.

    Lieber Michael, Du argumentierst ja unentwegt für mehr Kinder, was mich und meine Freundinnen in diesem Zusammenhang schon lange interessieren würde, wie stellst Du Dir das in der Praxis vor? Ich habe schon öfters auf die schlechten Rahmenbedingungen, bezüglich Kinder, in Deutschland (und nicht nur da)hingewiesen. Wenn man nicht gerade zu den Großverdienern gehört und sich Personal leisten kann (wie Frau von der Leyen)dürfte das einigermaßen schwierig werden, oder was meinst Du?

  7. MassimoViachetti Kleine Unterschiede?
    16.03.2010 | 12:00

    @ Lena Waider
    Signora, kommen Sie nach Italien! Für uns sind Frauen keine Königinnen sondern Göttinnen!
    @Balanus
    Und Sie, amico mio, benötigen den Crashkurs "Der kleine Unterschied und seine große normative Verbindlichkeit". Aber: Non c´è niente che vale per tutti (Es gibt nichts, das für alle gilt.)

  8. MassimoViachetti Familiensinn, @M.Blume
    16.03.2010 | 12:56

    In Italien sind wir alle Ichlinge. Aber das ist kein Problem, denn alle, auf die es ankommt, sind miteinander verwandt, vom Vatikan bis zur Camorra.

  9. Lena Waider @Mona: Mehrkindfamilie in der Praxis
    16.03.2010 | 13:24

    Du stellst eine Frage, der man leider immer wieder aus dem Weg geht. Es gibt dabei auch ein Dilemma, welches nicht öffentlich diskutiert wird: Eltern sollen in unserer Gesellschaft ihre Kinder vom Grundsatz her selbst finanzieren (soziologisch: die Familie besitzt eine "Wirtschaftsfunktion"). Nur wenn sie das nicht können, greift der Staat ein, und dann gibt es mit H4 ggf. die Vollversorgung. Das Dilemma dabei: Mit jedem Kind steigen die Kosten der Familie, während deren Verdienstmöglichkeiten sinken. Größere Familien driften deshalb nur allzu leicht in die Armut ab oder entstehen gleich dort. Weil das die meisten Menschen wissen, setzen sie nur wenige Kinder in die Welt.

    Es gibt einen Autor, den ich (bekanntermaßen) sehr schätze, weil er solche Themen immer sehr radikal angeht. Er hat sich die Frage gestellt: Was wäre denn, wenn
    1. die Gleichberechtigung der Geschlechter weltweit umgesetzt wäre,
    2. es genügend Krippenplätze gäbe,
    3. es überall leistungsfähige Verhütungsmittel gäbe,
    4. Familien weiterhin ihre Kinder im Wesentlichen selbst finanzieren müssten (Wirtschaftsfunktion),
    5. es aber überall Sozialstaaten gäbe, die einspringen, wenn Eltern ihre Kinder nicht ernähren können,
    6. die medizinische Versorgung überall so gut ist, dass ca. 2 Kinder pro Frau für eine "Bestandserhaltung" der Bevölkerung reichen.

    Mit anderen Worten: Was wäre, wenn sich weltweit die Gesellschaft realisiert hätte, die wir die ganze Zeit anstreben?

    Seine Antwort: Dann ist die Wirtschaftsfunktion der Familie nicht länger haltbar. Es muss dann einen echten Beruf für Familienarbeit geben, bei dem Frauen (eventuell Männer) für das Aufziehen ihrer eigenen Kinder bezahlt werden. Und wie im Tierreich muss es zum Teil zu einer Arbeitsteilung unter Frauen kommen: die einen("Arbeiterinnen") sind eher an einer Karriere in der Wirtschaft interessiert und haben dann keine oder nur wenige Kinder, während die anderen (Königinnen/Göttinnen ;-)) im Aufziehen von mehreren eigenen Kindern (und ggf. dem Betreuen anderer Kinder) ihre Lebensaufgabe sehen und dafür dann auch bezahlt werden (möchten). Im Internet nachzulesen ist das hier:
    http://knol.google.com/...echtigten/6u2bxygsjec7/2

    Der Artikel ist in der betont kühlen Art des Autors gehalten (kaum ein Tabuthema bleibt außen vor). Er ist aber meiner Meinung nach dennoch sehr lesens- und bedenkenswert.

    Interessant mag übrigens auch das Folgende sein: Im Iran erlangen Frauen mittlerweile sehr viel Bildung. Sie sind nicht wirklich gleichberechtigt, was Bildung und Berufe angeht oftmals aber schon. Dieser Staat hat nur noch eine Fertilitätsrate von 1,7 Kindern pro Frau. Das Problem besteht also mittlerweile wirklich weltweit.

    LG Lena

  10. Ralph Würfel bezahlte Familienarbeit @Lena
    16.03.2010 | 16:47

    Sie schreiben: "Es muss dann einen echten Beruf für Familienarbeit geben, bei dem Frauen (eventuell Männer) für das Aufziehen ihrer eigenen Kinder bezahlt werden."

    Wie wäre es mit bedingungslosem Grundeinkommen?

  11. Ralph Würfel Nachtrag
    16.03.2010 | 18:41

    Habe den Artikel mit viel Spaß gelesen, der sich bei der Lektüre des Maßnahmekatalogs allerdings in Übelkeit verwandelte - die Kopfpauschale für Kinderlose. Ähnlich wie bei der Kopfpauschale in der Gesundheitspolitik würden wir bei Einführung in die "VerHartzifizierung" der gesamten Gesellschaft gleiten - ich müssten, wenn ich nicht zahlen will(und Ausnahmen wird es mit Sicherheit geben) einiges "nachweisen" müssen: die Unfähigkeit zur Fortpflanzung, die gleichgeschlechtliche Variante des Liebens oder - noch schlimmer - die Möglichkeit, ein nicht gesundes Kind zur Welt zu bringen (und das nicht zu wollen)belegen zu müssen. Der Staat wäre dann gänzlich in unseren Schlafzimmern angekommen.
    Die zweite Maßnahme, die der Autor vorschlägt, verschlägt mir allerdings den Atem - staatlich geschulte, weibliche "Gebärmaschinen" sorgen dafür, dass die Gesellschaft nicht austirbt, und werden dafür aus der genannten Kopfpauschle bezahlt. Das übetrifft selbst die Orwellsche Gedankenwelt!

  12. Michael Blume @ Mona: Nachhaltigkeit
    16.03.2010 | 18:53

    Liebe Mona,

    danke für Deine Beobachtungen! Und, ja, ich würde Dir Recht geben: Der Film fokussiert auf die Gefahr von Bindungen (denken wir z.B. an die geschiedene Schwester oder die Mutter (!), die Mann und Kinder betrügt - bislang zeigte man dies ja nur anders herum.) - aber eben auch auf das Scheitern "ohne". Das finde ich viel ehrlicher als zu vermitteln: Hey, Bindung gelingt immer. Tut sie nicht. Aber vielleicht ist sie den Versuch dennoch wert! :-)

    Auch kann ich nicht erkennen, dass dem modernen Feminismus eine deutliche Absage erteilt wird. Der Film zeigt m.E. recht anschaulich, dass alle modernen Menschen gleich verloren wirken, egal welchem Geschlecht sie angehören.

    Exakt. Dieser Film tut nicht mehr so, als gebe es ein besseres oder schlechters Geschlecht. Frauen und Männer haben ein Recht auf Freiheit - aber diese Freiheit macht deswegen noch lange nicht automatisch glücklich, noch nicht einmal fair. Auch das (inkl. der Konfrontation zwischen Nathalie, Alex und Ryan über das Idealbild von Partnern)fand ich so ehrlich, dass es nicht mehr (nur) komisch war. :-)

    Lieber Michael, Du argumentierst ja unentwegt für mehr Kinder, was mich und meine Freundinnen in diesem Zusammenhang schon lange interessieren würde, wie stellst Du Dir das in der Praxis vor? Ich habe schon öfters auf die schlechten Rahmenbedingungen, bezüglich Kinder, in Deutschland (und nicht nur da)hingewiesen. Wenn man nicht gerade zu den Großverdienern gehört und sich Personal leisten kann (wie Frau von der Leyen)dürfte das einigermaßen schwierig werden, oder was meinst Du?

    Das sehe ich ganz genau so! Deswegen finde ich an meinem Forschungsgegenstand ja so interessant, dass Religionen eben nicht nur über "Du sollst"-Vorschriften zu größeren Familien beitragen können, sondern vor allem auch durch konkrete Hilfe, Bildungs- und Betreuungseinrichtungen, Armen- und Waisenhilfe u.v.m. Entsprechend würde ich auch der deutschen Gesellschaft insgesamt gerne ins Stammbuch schreiben: Wenn mehr Kinder gewünscht sind, müssen die Rahmenbedingungen eben auch kinder- und elternfreundlicher werden. Dass das durchaus geht zeigt sich z.B. derzeit in ermutigenden Ansätzen in Stuttgart:
    http://www.stuttgarter-zeitung.de/...geworden.html

    So gerne ich auch selbst Vater bin, würde ich zudem freilich doch auch nicht einfach für "mehr Kinder" plädieren. In vielen Weltregionen haben wir immer noch Überbevölkerung, Armut, Gewalt und Elend und oft könnte man sich wünschen, dass Menschen auch weniger Kinder haben, denen es dafür besser gehen sollte. (Und umgekehrt Menschen, die wunderbare Eltern wären, auch die Chance dazu haben sollten.) Zudem ist die ökologische (Er-)Tragekraft unseres Planeten sicher auch nicht unendlich und z.B. für Deutschland fände ich einen erträglichen Bevölkerungsrückgang (statt der jetzigen Implosion) durchaus okay. Mir geht es also nicht einfach um "mehr Kinder", sondern um "mehr glückliche Kinder, die sich in einer gesunden Umwelt entfalten können". Das fände ich dann schön, dafür engagiere ich mich im Rahmen meiner Möglichkeiten auch gerne.

  13. Michael Blume @ MassimoViachetti
    16.03.2010 | 18:54

    Ihre Kommentare machen auch in ihrer Rätselhaftigkeit Freude! Mehr davon, mehr! :-)

  14. Mona Kinder @Lena Waider
    16.03.2010 | 19:03

    Danke für den interessanten Link! Wenn man einmal davon ausgeht, dass man sich und seine Kinder selber ernähren möchte, Hartz IV etc. sollte wohl nicht der normale Weg sein, so wird in der jetzigen Situation immer ein Ehepartner auf eine angemessene Berufstätigkeit verzichten müssen. Das „Phasen-Modell“ wonach die Frau oder auch der Mann nach der Familienphase wieder ins Berufsleben einsteigt, wird zwar häufig praktiziert, aber wer nicht verbeamtet ist, hat in der Regel keine Chance wieder einen gleichwertigen Job zu bekommen. Alle anderen Modelle, wie bezahlte Familienarbeit, scheitern wohl an den Kosten. Es bleibt also berufstätigen Frauen momentan nichts anderes übrig, als die Kinder in eine kostenpflichtige Einrichtung zu geben.

    „Es muss dann einen echten Beruf für Familienarbeit geben, bei dem Frauen (eventuell Männer) für das Aufziehen ihrer eigenen Kinder bezahlt werden. Und wie im Tierreich muss es zum Teil zu einer Arbeitsteilung unter Frauen kommen: die einen("Arbeiterinnen") sind eher an einer Karriere in der Wirtschaft interessiert und haben dann keine oder nur wenige Kinder, während die anderen (Königinnen/Göttinnen ;-)) im Aufziehen von mehreren eigenen Kindern (und ggf. dem Betreuen anderer Kinder) ihre Lebensaufgabe sehen und dafür dann auch bezahlt werden (möchten).“

    Hm, da begibt man sich auf vermintes Gelände. Momentan bekommen ja weniger gebildete Frauen eh schon mehr Kinder. Dies will die Politik ja mit dem einkommensabhängigen Elterngeld unterlaufen. Kinder sollen ja die Reichen und Gebildeten bekommen und nicht die Armen und Ungebildeten. Außerdem gibt es ja bereits bezahlte Tagesmütter, die neben den eigenen noch fremde Kinder aufziehen. Nicht zu vergessen, die oben erwähnten Einrichtungen, wo Erzieherinnen die Kinder gegen Geld betreuen.

    Mein Ideal wäre weniger Arbeit für alle. Wenn jeder nur halbtags arbeiten würde, könnte man seine Kinder selber aufziehen und es gäbe kaum mehr Arbeitslose. Auch würde die Reglementierung von Seiten des Staates weitestgehend wegfallen.

  15. Lena Waider @Ralph Würfel: BGE
    16.03.2010 | 19:34

    "Wie wäre es mit bedingungslosem Grundeinkommen?"

    Davon halte ich gar nichts. Es war übrigens ausgerechnet eine Tagesmutter, die die BGE-Petition im Bundestag eingereicht hat. Ich erinnere an die Zahlen, die sie genannt hat: 1.500 Euro für jeden Erwachsenen, 1.000 Euro für jedes Kind.

    Da wird sich manche junge Frau mit geringer Ausbildung und geringen Erwerbschancen sagen:

    "Warum soll ich den halben Tag im dm-Markt die Regale einräumen? Ich mach auf Kinder! Die Männer suche ich mir im Internet zusammen. Für eine Stunde Sex mit Vorlage eines Tests nehme ich 100 Euro.

    Einen Vater muss ich bei der Geburt nicht angeben, denn wer's jetzt gerade war, weiß ich selbst nicht. Mit 30 bin ich bei 8 Kindern angekommen und erhalte 9.500 Euro monatlich rein Netto vom Staat. Davon bringe ich 5.000 auf die Bank. Mit Mitte 40 kaufe ich mir eine Villa im Süden, wohin ich mir die 1.500 BGE und die Zinsen meines Vermögens schicken lasse.

    Ach ja: meinen Töchter werde ich spätestens ab 14 nahelegen, es mir gleichzutun. Aus meinen Kindern soll schließlich mal was werden."

    Kinder als neues Geschäftsfeld. Ich sähe da doch ein erhebliches ethisches Problem ...

  16. Lena Waider @Mona Kinder
    16.03.2010 | 19:44

    "Außerdem gibt es ja bereits bezahlte Tagesmütter, die neben den eigenen noch fremde Kinder aufziehen."

    Funktioniert aber nicht, da auch für eine Tagesmutter gilt: Je mehr eigene Kinder, desto weniger Zeit für andere Kinder, desto weniger Einkommensmöglichkeiten. Sie steckt in dem gleichen Dilemma. Aus genau diesem Grund wurde wohl die BGE-Petition ausrechnet von einer Tagesmutter eingereicht.

    "Nicht zu vergessen, die oben erwähnten Einrichtungen, wo Erzieherinnen die Kinder gegen Geld betreuen."

    Die sorgen für kein Kind mehr. Es gibt Paare, die so viel Geld verdienen, dass sie sich problemlos ein Kindermädchen leisten könnten. Die haben meist keine oder nur ganz wenige Kinder, da ihnen die Zeit fehlt.

    "Mein Ideal wäre weniger Arbeit für alle. Wenn jeder nur halbtags arbeiten würde, könnte man seine Kinder selber aufziehen und es gäbe kaum mehr Arbeitslose."

    Die Arbeitslosigkeit ist eine Folge der hohen Erwerbsbeteiligung von Frauen im Zusammenwirken mit den niedrigen Geburtenraten. Das geht aus den Zahlen des statistischen Bundesamtes klar hervor.

    Außerdem kann man bei vielen Berufen nicht auf halbtags herunter gehen. Ein/e Wissenschaftler/in, die nur halbtags forscht, ist bald keine mehr. Und was soll der Kapitän auf der Strecke HH Shanghai machen? Zwischendurch anhalten?

    Schließlich: Bei VW gab es jahrelang Wochenarbeitszeiten, die stark nach Halbtagsjobs klangen. Dadurch ist kein einziges Kind dort mehr geboren worden.

    Diese Lösungen wurden alle schon x-mal rauf und runter diskutiert: Sie funktionieren nicht.

    LG Lena

  17. 16.03.2010 | 21:25

    In die interessante Diskussion zur Familienpolitik möchte ich mich (noch) gar nicht einmischen, lediglich eine Beobachtung mitteilen: In den USA wird eine Geburtenrate um 2,1 erreicht, und dies nahezu ohne staatliche Familienförderung (z.B. Kindergeld) und auch ohne staatliche Vollbetreuung. Was wäre dazu zu sagen?

  18. Ralph Würfel BGE @ Lena Waider
    16.03.2010 | 22:06

    Die angegebenen Zahlen sind sicherlich zu diskutieren (ich selber würde auch für etwa die Hälfte plädieren). Dies ist für mich jedoch kein hinreichendes Argument der generellen Ablehnung(interessanter Weise nennt der Autor des Artikels den Begriff ja auch, ohne sich aber dann damit auseinander zu setzen). Im übrigen meine ich nicht nur Eltern als potentielle Bezieher, sondern selbstverständlich auch Kinderlose (wie mich).

  19. Lena Waider @Ralph Würfel: BGE Nr. 2
    17.03.2010 | 00:58

    "Die angegebenen Zahlen sind sicherlich zu diskutieren (ich selber würde auch für etwa die Hälfte plädieren). Dies ist für mich jedoch kein hinreichendes Argument der generellen Ablehnung"

    Die Probleme würden auch bei niedrigeren Zahlen entstehen. Sie wären dann nicht so gravierend, aber sehr wohl vorhanden.

    "interessanter Weise nennt der Autor des Artikels den Begriff ja auch, ohne sich aber dann damit auseinander zu setzen"

    Er hat ein ganzes Buch darüber geschrieben.

    "Im übrigen meine ich nicht nur Eltern als potentielle Bezieher, sondern selbstverständlich auch Kinderlose (wie mich)."

    Auch das BGE gehört mal wieder zu den Maßnahmen, bei denen nicht über die Rückwirkungen auf Geburten und Familie nachgedacht wird. Das ist mittlerweile fast chronisch so. Es wird alles stets nur durch die Brille der Singles gesehen. Auch das ist ein Ausdruck der Ichling-Kultur.

    Beispiel: Quotenregelung. Auf eine leitende Position mit Quotenregelung bewerben sich 3 gleichqualifizierte Personen: 1 Frau mit 0 Kindern (die aufgrund des anspruchsvollen Jobs dann auch weiterhin kinderlos bleiben wird), 1 Mann mit 0 Kindern und 1 Mann mit Ehefrau und 3 Kindern. Gemäß Quote erhält die Frau den leitenden Job.

    Das war dann eine familienfeindliche Entscheidung, weil der Mann mit der 5-köpfigen Familie das zusätzliche Geld am besten hätte gebrauchen können. In die Röhre schaut bei dem Deal u. a. auch die Ehefrau, die zu Hause die Familienarbeit erledigt. Deshalb ist das für mich gleichzeitig auch noch eine frauenfeindliche Maßnahme, durchgesetzt von gleichheitsfeministischen Ichlingen. Ferner ist die Maßnahmen fertilitätssenkend, da sie Frauen am Kinderkriegen hindert.

    Zum BGE. Das Problem mit der Familie besteht in 2 Punkten:
    a) Masseneffekt
    Wenn ein Single 1.000 Euro BGE erhält, dann ist das ausreichend oder wenig, je nachdem wo er wohnt. In Mecklenburg-Vorpommern mag das gut sein, in Frankfurt/Main dürfte es damit eng werden. Anders sieht es aus, wenn sich 10 Leute zusammenschließen: 10.000 Euro für 10 kann gut sein. Die könnten sich damit sogar 1-2 Autos leisten. Masseneffekte treten auch bei Familien auf. Die sind im Vorfeld zu diskutieren. Aktuell höre ich von BGE-Befürwortern nur einschläfernde Sonntagsreden.

    b) Selbstgenerierung
    Es gehört zu den Grundregeln des Wirtschaftslebens, dass derjenige der zahlt, den Bedarf bestimmen kann. Beispiel: Ein Unternehmen stellt eine Putzfrau ein und bezahlt 10 Euro die Stunde. Wenn das Unternehmen sagt: "Schauen Sie mal, wie lange Sie für den Job brauchen", dann wird die Putzfrau immer länger putzen.

    Das BGE für Kinder hat ohne Beschränkung (Bedingungen!) den Nebeneffekt, dass Menschen einen zusätzlichen Anspruch auf BGE selbst generieren könnten. Sie entscheiden sich frei für ein weiteres Kind und schon fällt wieder BGE an. Meiner Meinung nach können deshalb für Kinder entweder nur Gutscheine verteilt werden, oder man limitiert gleich bis z. B. einem Maximum von 2 Kindern.

    Darüber wird unter BGE-Befürwortern jedoch nicht diskutiert. Den BGE-Vorschlag gibt es seit vielen Jahren, dennoch werden nicht einmal die naheliegendsten Schwachstellen thematisiert. Der von mir genannte Autor ist deshalb der Meinung, man müsse das BGE allein schon aus diesem Grund ablehnen. Es gehöre sich einfach nicht, einen Vorschlag zu machen, und ihn auf eine solch unseriöse Weise zu diskutieren.

    LG Lena

  20. Lena Waider @Michael Blume: Puls der Zeit
    17.03.2010 | 01:03

    "Auf jeden Fall sind gute Filme oft am mythologischen Puls der Zeit, gute Drehbuchschreiber haben dafür ein Faible entwickelt."

    Selbst Pretty Woman gehörte dazu.

    LG Lena

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