Up in the Air - Die Krise unserer Ichling-Kultur
Eine harmlose Komödie mit George Clooney, schöne Bilder, schlichte Lacher, wenig zum Nachdenken. So war der Kinoabend geplant - und mehr werden viele auch gar nicht wahrgenommen haben. Aber ich war baff - baff über einen Film, der unter der lustigen Oberfläche eindringliche Beobachtungen anbietet.
Da ist Ryan, der Hauptheld. Ein typischer, feiner Ichling unserer Zeit - smart, modern, gutaussehend, reich, immer unterwegs. Sein Job: Im Auftrag feiger Chefs Mitarbeiter zu entlassen. Sie sind, so scheint es, die Verlierer: Menschen, die eine Bindung zu ihrer Arbeit, ihrer Firma aufbauten. Die zitternd danach fragen, wie sie die Arbeitslosigkeit ihren Ehepartnern erklären sollen. Die nach den Hypothekenraten fragen. Und vor allem nach ihren Kindern, deren Schicksal, deren Krankenversicherung. Ryan versteht: Bindungen sind Ballast. Der moderne Mensch lässt Ballast zurück.
Am Anfang gilt unsere Empörung dem System, das solche Gewinnertypen wie Ryan hervorbringt. Doch zunehmend merken wir, dass er gar kein Gewinner ist. Da ist seine Schülerin Nathalie, eine Psychologin, die am Anfang seinen Zynismus noch zu übertreffen scheint - und dann doch erkennt, dass der Ichling-Mann ein armer Irrender (im Wortsinn) ist. Die aber auch dem modernen Feminismus eine deutliche Absage erteilt: Danke für die Freiheiten, die Ihr erkämpft habt - aber Beziehungen mit verläßlichen Partnern hättet Ihr uns lassen können. (Dieser Teil dürfte Ferdinand Knauss gefallen!) Und während wir noch denken, Ryan benutze die weibliche Reisebekanntschaft Alex - tut sie es schon. Ichling frißt Ichling, keine Errettung durch die weniger brutale Weiblichkeit mehr, kein Happy End.
Lustig - und heftig
Kirche und Religion kommen "nur" an einer einzigen Stelle vor: Als es um die Hochzeit von Ryans Schwester geht. Und ausgerechnet der coole Schwätzer plötzlich einen zögernden Bräutigam von Ehe und Familie überzeugen soll. Das ist einerseits lustig. Und andererseits eine der brutalsten "Beichten", die ich je im Kino gesehen habe. Hier demontiert ein moderner Mann seine Lebenslügen. Die Zuschauer lachen - einige nachdenklich...
Fazit
Unser modernes Gesellschaftssystem mit all seinen Versprechen und Verführungen, seinen Schmeicheleien und seiner Schönheit füttert unser Ego - und lässt immer mehr von uns einsam zurück. Noch während sich viele von uns für die Spitze menschlichen Fortschrittes halten zerbröseln Gemeinschaften, Familien, ganze Populationen. Wir glauben, fast gottgleich von ganz weit oben (von "Up in the air") auf die Welt hinab zu sehen. Und bemerken nicht, wie viele um uns dabei ins Nimmerwiedersehen verwehen.
Dieser Film beobachtet: Wer sich bindet, kann verlieren. Wer aber nur noch um das eigene Ego kreist, hat schon verloren. Männer und Frauen haben sich verloren und wir schauen den Scheinhelden der Ichling-Kultur beim bindungs-, familien- und kinderlosen Scheitern zu. Komisch und tragisch. Romantisch und brutal. So überraschend kann Kino sein.
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"Mit dem selben Recht kann man es also auch für alle Mütter in einem Staat fordern, denn er ist in diesem Fall auch nix anderes als ein Arbeitgeber."
Nein, aktuell ist der Staat nicht der Arbeitgeber von Müttern. Das ist eine völlig falsche Vorstellung. In Deutschland hat die Familie eine "Wirtschaftsfunktion", wie Mersch in seinen Arbeiten sehr genau herausstellt. Diese Wirtschaftsfunktion (die Familie ernährt ihre Kinder im Grunde selbst) mag zwar mal mit dem Patriarchat vereinbar gewesen sein (Mersch behauptet, sie definiere letztlich das Patriarchat - aus diesem Grunde wären wir auch noch immer darin), ist es scheinbar aber nicht mehr unter der Gleichberechtigung.
"Ich finde es nur erstaunlich, daß nach Eva Hermann nun auch noch halbwegs intelligente Frauen wieder anfangen, ihresgleichen wieder an den Herd verdammen zu wollen."
Davon ist doch überhaupt nicht die Rede.
" Am liebsten würde ich Alice Schwarzer mal zu diesem Dialog hier einladen - hej, das wäre ein Spaß! *g*"
Die würde dabei untergehen, denn die ist doch eine Hauptverantwortliche für den Mist, den wir aktuell erleben. Die hat doch diesen Sozialdarwinismus in der Familienfrage eingeführt: starke Frauen gehen arbeiten und lassen arme Kinder zurück. Die Emanzipation wurde auf dem Rücken der Schwächsten in unserer Gesellschaft ausgetragen: den Kindern. Außerdem fordere ich endlich Gleichberechtigung für Frauen. Alice Schwarzer hat genau die nicht gebracht. Sie hat Frauen gleiche Rechte gebracht, wenn sie einen männlichen Lebensentwurf anstreben. Sie hat Frauen, die gerne mehrere eigene Kinder großziehen möchten die Armut gebracht.
"Und sobald die Wirtschaft wieder Aufschwung bekommt, sollen die Frauen gefälligst alle wieder rein in die Industrie. Nix weiter als eine Art Konjunkturzyklus, diese Argumentation. Das legt sich ganz von alleine wieder, da bin ich völlig ohne Sorge."
Sie glauben an einen großen Aufschwung? Also so etwas! Seit 1970 geht der Arbeitsmarkt mit kleineren Schwankungen nur in eine Richtung: Mehr Arbeitslosigkeit.
"Ausgesprochen erheiternd finde ich auch den Hinweis, der Staat würde eben nur so viele Familienmanagerinnen einstellen/bezahlen, wie er für nötig erachtet.
Und dann, wenn die Quote erfüllt ist?
Alle anderen Frauen werden sterilisiert?"
Warum denken Sie nicht einfach ein paar Sekunden nach, bevor Sie so etwas schreiben? So schwer kann das doch nicht sein. Wie ist es denn, wenn der Staat aktuell keine Lehrer mehr braucht? Dann hat er für Lehrer keine offenen Stellen mehr. Ist das so überraschend? Da fragt doch auch niemand, ob man den Lehrern dann die Hand abhacken müsse. Also ehrlich!
"Diese Frauen bekommen ihre Kinder dann quasi nur zum Spaß, ohne Entgelt für die Erziehungsarbeit."
Ist es denn heute anders? Heute geht man davon aus, dass Eltern ihre Kinder selbst finanzieren müssen (Wirtschaftsfunktion). Beim FM-Konzept käme für Nicht-FMs ein möglicher starker zusätzlicher Anreiz für wenige eigene Kinder hinzu: Man muss dann keinen Unterhalt als Kinderlose/r zahlen. Man spart also möglicherweise genau das Geld, was man zusätzlich für ein Kind aufbringen muss. Es könnte sein, dass allein dadurch schon die Geburtenrate in die Höhe geht, und zwar bei den Berufstätigen, die Steuern zahlen und den Unterhalt spüren würden.
Die FMs sind dagegen Berufsmütter. Die haben einen Arbeitsvertrag und einen Anspruch auf eine monatliche Zahlung. Damit können sie sich z. B. bei der Bank einen Kredit für ein Eigenheim holen (damit sie dort - gemäß Polemik - den ganzen Tag hinter dem Herd stehen können). Sie dürfen aber nicht nebenher noch irgendwo arbeiten gehen, genauso wenig, wie eine Lehrerin das darf. Sie sind vollzeit beruflich FM. Mir ist bekannt, dass Alice Schwarzer (gemäß "Der kleine Unterschied") JEGLICHE Frauenerwerbstätigkeit als emanzipatorisch ansieht (also auch Berufsprostitution), das Erziehen von eigenen Kindern dagegen nicht, aber das muss ich ja nicht auch so sehen.
"Ich wäre übrigens dafür, die bezahlten Familienmanagerinnen dann bitteschön auch nur von gründlich durchgecheckten und zertifizierten Samenspendern befruchten zu lassen, deren genetische Unversehrtheit, IQ und generelle Konstitution schriftlich bestätigt wurde. Denn wenn man auserwählte Damen dafür bezahlt, daß sie den Nachwuchs des Staates großziehen, dann muß schließlich auch eine gewisse Qualitätskontrolle gewährleistet sein."
Das ist völliger Unsinn. Bei diesen "Damen" würde wieder die sexuelle Selektion in voller Breite zum Tragen kommen: Männer würden sie umschwirren wie Motten das Licht. Da Mütter meist großen Wert darauf legen, dass aus ihren Kindern mal was wird, werden die sich schon die Prinzen unter den Fröschen herauspicken. Ich sehe eher das Problem in der zu großen Attraktivität solcher Frauen für Männer, die sich mal wieder in Geld und sonstigen Zuwendungen ausdrücken könnte. Das müsste man in den Griff bekommen.
Wenn man liest, dass es sogar bei den Mosuo Sextourismus gibt, dann kann man erahnen, was los sein wird, wenn sich in der männlichen Welt herumspricht, dass man von einer Familienmanagerin ein Kind ohne jegliche Folgen haben könnte. Also ich sehe eher ein staatliches Steuerungsproblem, welches in genau die andere Richtung geht.
Kunar: "Aus wirtschaftswissenschaftlicher Sicht ist das keine Krise."
Die Wirtschaftswissenschaften verstehen diesen Zusammenhang doch überhaupt nicht.
Kunar: "Wo wäre auch der Sinn darin zu sehen, Frauen erst hohe Bildung und Ausbildung zu verschaffen, damit sie dann vollkommen als Hausfrau und Mutter beschäftigt werden?"
Betrachtet man es ökonomisch (und human), dann machte das enorm viel Sinn.
Ute: "Nein. Es soll z.B. durch das verdienstorientierte Elterngeld nur verhindert werden, daß bisher mäßig bis gut Verdienende komplett vom Kinderbekommen abgeschreckt werden."
Hat aber nicht geklappt, da Blödsinn. Die Geburtenzahlen sind in 2009 weiter gesunken. Noch immer tappt man im Dunkeln, was die Ursache des Problems ist.
"Weil Kinder nämlich momentan nach wie vor das größte Armutsrisiko in Deutschland darstellen."
Dank Schwarzer, de Beauvoir und Co.
Denn: Im Patriarchat stiegen mit jedem Kind nur die Kosten, es sank aber nicht das Familieneinkommen.
Unter der Doppelverdienerlogik steigen aber mit zunehmenden Kindern nicht nur die Kosten, sondern es sinkt auch das Familieneinkommen. Diese Logik macht Kinder und Familien arm und Gesellschaften geburtenschwach. Dank Schwarzer!
Meine Einwände gegen Familienmanagerinnen beziehen sich eigentlich nur auf die Ungerechtigkeit gegenüber denjenigen, die ebenfalls und ebenso gut Kinder großziehen, dies aber dann nicht bezahlt bekommen - und zwar nur deshalb, weil sie schon einen anderen Job haben. Das ist auch rein rechtlich einfach nicht machbar.
Daß das ganze Modell schlicht nicht bezahlbar ist, wenn FM eine echte Alternative zu einem gut bezahlten Job in der freien Wirtschaft darstellen soll, kommt noch dazu, steht aber auf einem ganz anderen Blatt. http://awurl.com/oOgJe4W4u
... daß Ihr Sarkasmusdetektor in einer ähnlichen Verfassung zu sein scheint wie ihre Logik... ^^
#Sterilisation #Samenspende
"Denn: Im Patriarchat stiegen mit jedem Kind nur die Kosten, es sank aber nicht das Familieneinkommen."
Aber auch nur deshalb, weil Frauen in dieser Republik erst seit 1958 überhaupt arbeiten gehen und über ihr eigenes Vermögen verfügen dürfen, ohne vorher die Erlaubnis ihrer Männer einzuholen. Sie vergleichen hier wieder mal Äpfel mit Birnen. Schon mal was von Opportunitätskosten gehört? => http://de.wikipedia.org/...pportunit%C3%A4tskosten
1. Geburtenkontrolle
„Und wie im Tierreich muss es zum Teil zu einer Arbeitsteilung unter Frauen kommen: die einen("Arbeiterinnen") sind eher an einer Karriere in der Wirtschaft interessiert und haben dann keine oder nur wenige Kinder, während die anderen (Königinnen/Göttinnen ;-)) im Aufziehen von mehreren eigenen Kindern (und ggf. dem Betreuen anderer Kinder) ihre Lebensaufgabe sehen und dafür dann auch bezahlt werden (möchten).“
Das ist aber keine Arbeitsteilung, sondern der Eingriff des Staates in Frage, wer Kinder haben darf und wer nicht. Das funktioniert dann genau die die Vergabe von Studienplätzen an Männer in der DDR – drei Jahre in der Armee gedient und der Wunschplatz ist dir sicher. Oder angewendet auf die „Königinnen“ - wenn du bestimmte Voraussetzungen erfüllst, darfst du (bezahlte) Mutter werden.
Zugespitzt hat das Ute weiter oben sehr schön auf den Punkt gebracht.
2. Kopfpauschale für Kinder
Wie bei jeder anderen Abgabe auch, wird es hiervon Befreiungen geben – entweder durch das „Generieren“ von Kindern (das sehen Sie ja selbst) oder durch (wie ich bereits früher erwähnte):
„die Unfähigkeit zur Fortpflanzung, die gleichgeschlechtliche Variante des Liebens oder - noch schlimmer - die Möglichkeit, ein nicht gesundes Kind zur Welt zu bringen (und das nicht zu wollen)belegen zu müssen. Der Staat wäre dann gänzlich in unseren Schlafzimmern angekommen.“
Dazu kommt natürlich die wirtschaftliche Not – ich muss (wie beim ALG II) nachweisen, dass ich arm bin – ich nenne das die „Verhartzifizierung“ der Gesellschaft.
Und 3. schlagen Sie sich mit Ihren eigenen Ausführungen
Einerseits verwerfen Sie
„diese die ganze Gesellschaft durchziehende fast pathologisch zu bezeichnende alleinige Orientierung hin auf eine Erwerbstätigkeit in der Wirtschaft“
und beschreiben in einem anderen Atemzug aber eine ganze Wirtschaftsbranche der „Kindergenerierung“ mit Putzfrauen, Strickerinnen, Krankheitsvertretung und -Autismusexpertin (denn „wer verbraucht, muss auch erneuern“), zu der
„sich einige (viele?) zusammenschließen und größere Einheiten (Kinderland) bilden werden: Ganze Straßen mit Wohnen, Homeschooling, Kindergärten, Mal- und Musikschulen, Bolzplätzen, Restaurants, ggf. einem angeschlossenen Altenheim, und das alles bankfinanziert, da die FMs ein sicheres Einkommen beziehen."
Pathologisch?
o.w.T.
1"Ja, selbstverständlich ist der übersteigerte Egoismus nur ein Merkmal unserer Kultur, allerdings schon ein gewichtiger.
Wenn wir über Verantwortung für Kinder (die eigenen und bzw. oder die anderer) sprechen, geht es ja schließlich auch um "Kleinigkeiten" wie die Verschuldung, die Vernichtung von Natur, den Verbrauch nicht nachwachsender Rohstoffe und millionenfacher Hunger z.B. von Kindern in Afrika. Zwar stehen dem auch große Leistungen entgegen, dennoch bin ich der Auffassung, dass unsere Kultur derzeit weder demografisch noch ökologisch oder ökonomisch nachhaltig lebt. Und finde, dass es eine Aufgabe von Kunst und Kultur (einschließlich Blogs und guter Filme) ist, dafür Räume der Reflektion zu schaffen."
Werfen sie hier nicht drei unterschiedliche Dinge zusammen? Übersteigerter Egoismus kann sich genauso auf Menschen erstrecken, die gut für ihre Kinder sorgen (oder sorgen lassen).
Und was die Verantwortung für kommende Generationen angeht: ein kinderloser Alleinstehender, der ökologisch bewusst lebt, sich für die Dritte Welt engagiert und Kulturschaffender ist, aber Kinder in seiner Nähe nicht ertragen mag – wäre der ein Ichling? Und ein Familienvater von 4 Kindern, der seine Kinder abgöttisch liebt und umsorgt, aber ein Unternehmen führt, dass in der Dritten Welt billig ökologisch bedenkliche Waren herstellt – ist er ein Teamling?
"Das ist auch rein rechtlich einfach nicht machbar."
Ist längst geprüft. Ist machbar. Spätestens seit dem Elterngeld (Mami mit Beruf bekommt ein Vielfaches von Mami ohne Beruf) ist die Sache restlos vom Tisch.
"Daß das ganze Modell schlicht nicht bezahlbar ist, wenn FM eine echte Alternative zu einem gut bezahlten Job in der freien Wirtschaft darstellen soll, kommt noch dazu, steht aber auf einem ganz anderen Blatt."
Aber über die Bezahlbarkeit des BGEs wird munter diskutiert, oder?
Dass Familie im Patriarchat im Gehalt drin war (also von den Unternehmen bezahlt wurde), während nun Familie vielfach vom Staat bezahlt wird (H4 etc.), scheint ihnen noch nicht aufgefallen zu sein, oder?
Warum sind eigentlich Richter mit Pensionen bezahlbar, Mütter mit 5 Kindern aber angeblich nicht. Gibt es dafür einen höheren Grund?
"Schon mal was von Opportunitätskosten gehört?"
Opportunitätskosten sind die Grundlage des FM-Konzepts. Im Patriarchat hatten Männer und Frauen vernachlässigbare Opportunitätskosten für Kinder, da eine sexuelle Arbeitsteilung bestand. Das war der Hauptvorteil. Beim FM-Konzept wäre es wieder so: Eine FM hat im Gegensatz zu einer arbeitenden Frau vernachlässigbare Opportunitätskosten für Kinder.
Das ist übrigens auch der Grund, warum es in Bienensozialstaaten Königinnen und Arbeiterinnen gibt. Hierdurch gehen die Opportunitätskosten für Nachkommen gegen Null. Würden Arbeiterinnen sowohl sammeln als auch Eier legen, gerieten sie in eine Opportunitätskostenfalle.
Wie ich schon sagte: Auch in der Natur mussten die Sozialstaaten eine Arbeitsteilung unter den Weibchen einführen, wenn diese soziale Aufgaben ausführen. Man kann die Notwendigkeit dafür sehr genau aufzeigen.
"Das ist aber keine Arbeitsteilung, sondern der Eingriff des Staates in Frage, wer Kinder haben darf und wer nicht."
Nein. Das ist nur das Beispiel der Argumentationsweise eines Profi-Ideologen, der mit Pseudoargumenten seine persönlichen Interessen durchsetzen möchte und dann Dinge konstruiert, die nicht vorhanden sind.
"Das funktioniert dann genau die die Vergabe von Studienplätzen an Männer in der DDR ..."
Sie müssen nun noch totalitär, Nazis, Lebensborn und Göring sagen, damit Ihre windigen Argumente mehr Gehalt bekommen. Sie reden von irgendwas, nur leider nicht über die Sache.
"drei Jahre in der Armee gedient und der Wunschplatz ist dir sicher."
Sorry, aber das ist Gerede. Männer reden manchmal viel, wenn der Tag lang ist, und der Tag scheint lang zu sein.
"Zugespitzt hat das Ute weiter oben sehr schön auf den Punkt gebracht."
Ute möchte Frauen ihren Lebensentwurf vorschreiben, genauso wie das de Beauvoir wollte. De Beauvoir hat öffentlich in einem Interview gesagt: "No woman should be authorized to stay at home to raise her children. Society should be totally different. Women should not have that choice, precisely because if there is such a choice, too many women will make that one." Das nenne ich totalitär!!!
Frauen werden seit Jahrzehnten von Gleichheitsfeministinnen gegängelt. Die wollen ihnen vorschreiben, wie sie zu leben haben. Und wenn dann Vorschläge für die Frauen kommen, die nicht den ganzen Tag in einem Büro herumsitzen möchten, sondern die gerne dazu beitragen möchten, wie wir in Deutschland unser Nachwuchsproblem gelöst bekommen, dann fahren diese Gleichheitsfeministinnen plötzlich ihren ganzen Neid aus. Sie können nämlich nicht teilen und neiden anderen ihr Lebensglück. Angeblich wollen die doch das gar nicht, was vorgeschlagen wird. Angeblich wollen die die ganze Zeit in einem Büro arbeiten. Sollen sie doch. Aber dann sollen sie bitte die anderen Frauen endlich in Ruhe lassen. Und die ewigen Politbonzen und Super-Ideologen unter den Männern, die in jedem dritten Satz etwas von DDR, Nazis, Göring, Lebensborn etc. schwafeln, sollen sich bitte endlich aus den Dingen, von denen sie sowieso nichts verstehen und die sie nichts angehen, heraushalten.
"Wie bei jeder anderen Abgabe auch, wird es hiervon Befreiungen geben – entweder durch das 'Generieren' von Kindern (das sehen Sie ja selbst) oder durch (wie ich bereits früher erwähnte): ..."
Das sind unerträgliche Hirngespinste. Was verstehen Sie denn davon? Läuft aktuell nichts in der Glotze?
"Dazu kommt natürlich die wirtschaftliche Not – ich muss (wie beim ALG II) nachweisen, dass ich arm bin – ich nenne das die „Verhartzifizierung“ der Gesellschaft."
Die würde damit endlich behoben. Die Verhartzifizierung hat andere Ursachen, als das, was Sie annehmen.
"Einerseits verwerfen Sie
„diese die ganze Gesellschaft durchziehende fast pathologisch zu bezeichnende alleinige Orientierung hin auf eine Erwerbstätigkeit in der Wirtschaft"
Stand da nicht Erwerbstätigkeit in der Wirtschaft? Bei den FMs geht es um Menschen, nicht um VW Golf und Mobiltelefone. Sie kennen den Unterschied? Nein?
Solange Artikel 2 des Grundgesetzes noch gültig ist, kann man eher den zweiten Herrn als Egoisten bezeichnen.
Um mal wieder auf die Filmkritik zurückzukommen, muß ich gestehen, daß ich die geschilderte Problematik auch nicht wirklich sehe:
"Unser modernes Gesellschaftssystem mit all seinen Versprechen und Verführungen, seinen Schmeicheleien und seiner Schönheit füttert unser Ego - und lässt immer mehr von uns einsam zurück. Noch während sich viele von uns für die Spitze menschlichen Fortschrittes halten zerbröseln Gemeinschaften, Familien, ganze Populationen."
Es gibt mehr Singlehaushalte in Deutschland, das stimmt schon. Aber die Anzahl der in einem Haushalt gemeldeten Personen sagt doch nichts über ihren Grad an Einsamkeit aus. Man kann sich auch in einer Ehe mit Kindern verdammt einsam fühlen. Und es können zwei Singles in ihren Haushalten durchaus auch ein glückliches Paar sein, das nur von keiner Statistik als solches erfaßt wird.
Die Erzählungen meiner Großmutter über die ewigen Übergriffe und Einmischungen ihrer Familie, als einige Generationen unter einem Dach wohnten, lassen zudem auch nicht gerade auf große Harmonie und Glücksgefühle schließen. Gesellschaft garantiert noch lange keine Gemeinschaft und Gemeinschaft noch lange keine Funktionstüchtigkeit. Es war eben die praktischste Lösung, so zu leben, weil es z. B. für Altenpflege und Kinderbetreuung schlicht (noch) keine Alternativen gab. Daß die Jungen den Alten deshalb _gerne_ den Schmier vom Allerwertesten gewischt haben, darf man aber durchaus in Frage stellen. Sie mußten eben einfach. Ob die Großeltern ihrerseits immer so begeistert waren, ihre Enkel hüten zu müssen, darf ebenfalls angezweifelt werden. Es war eben einfach so. Ob die Frau gerne beim Mann blieb, stand auch nicht zur Debatte. Scheidung war ein Makel und für eine Frau ohne Berufsausbildung gab es kein Auskommen ohne einen Mann. Also blieb man. Aus reiner Notwendigkeit.
Und man kann und sollte sich durchaus fragen, warum die Gesellschaft denn wohl so viel darangesetzt hat, andere, individuellere, "egoistischere" Lebensentwürfe zu ermöglichen, wenn diese alte Lebensweise wirklich so toll und sozial war.
Nun, ich fürchte, da liegen wir nicht wirklich auseinander. Denn selbstverständlich handelt es sich bei der Differenzierung von Ich- und Teamling nicht um Entweder-Oder-Kategorien, sondern um die Enden einer Gegensatzpaares mit fließenden Übergängen (das dazu nicht einmal wissenschaftlich gemeint war, sondern aus launigen Diskussionen entwickelt hat.)
Übersteigerter Egoismus kann sich genauso auf Menschen erstrecken, die gut für ihre Kinder sorgen (oder sorgen lassen).
Hmm, wenn sie sich (auch) um andere kümmern, sind sie per Definition nicht mehr nur egoistisch, oder?
Und was die Verantwortung für kommende Generationen angeht: ein kinderloser Alleinstehender, der ökologisch bewusst lebt, sich für die Dritte Welt engagiert und Kulturschaffender ist, aber Kinder in seiner Nähe nicht ertragen mag – wäre der ein Ichling?
Nicht unbedingt, nein. Er kümmert sich ja um die Kinder anderer, direkt durch Hilfe und indirekt durch die Schonung der Ressourcen kommender Generationen. Klingt nach einer interessanten Persönlichkeit! :-)
Und ein Familienvater von 4 Kindern, der seine Kinder abgöttisch liebt und umsorgt, aber ein Unternehmen führt, dass in der Dritten Welt billig ökologisch bedenkliche Waren herstellt – ist er ein Teamling?
Nicht nur, denn die Kinder anderer (und ggf. auch weiter nachfolgende Generationen der eigenen Kinder) schienen ihn ja nicht zu kümmern. Auch ein solcher Vater bewegte sich also in diesen Zwischenbereichen zwischen Schwarz und Weiß, die die Realität uns so gerne präsentiert und in denen sich die meisten von uns irgendwo befinden... Nicht wahr?
@Lena Waider
"Die Wirtschaftswissenschaften verstehen diesen Zusammenhang doch überhaupt nicht."
Na, da bin aber beruhigt! Was würde nur passieren, wenn wir dieselbe Situation aus verschiedenen Perspektiven betrachten würden? Am Ende würden wir interdisziplinär diskutieren! *schauder*
"Betrachtet man es ökonomisch (und human), dann machte das enorm viel Sinn."
Ach, auf einmal also doch Ökonomie? ;)
Inwieweit ist es denn sinnvoll, jemanden nach einem Studium nicht hochqualifiziert arbeiten zu lassen? (Und bitte nicht mit dem Argument kommen, dass Erzieher hochqualifiziert sein müssen... das sind zwei Paar Schuhe, denn ansonsten könnte man jeden Dipl. Irgendwas sofort als Lehrer arbeiten lassen.)
Danke für die Hinterfragung der Filmkritik, auf die ich gerne eingehe.
Es gibt mehr Singlehaushalte in Deutschland, das stimmt schon. Aber die Anzahl der in einem Haushalt gemeldeten Personen sagt doch nichts über ihren Grad an Einsamkeit aus. Man kann sich auch in einer Ehe mit Kindern verdammt einsam fühlen.
Oh ja, das könnte auf eine der Protagonistinnen sogar zutreffen (ich mag jetzt natürlich nicht zuviel verraten.) Aber ich habe nirgendwo geschrieben, dass der Film vermitteln würde, dass Menschen in Familien "automatisch" glücklicher wären. Das Scheitern von Beziehungen, Scheidungen etc. werden dargestellt und sind auch oben genannt.
Und es können zwei Singles in ihren Haushalten durchaus auch ein glückliches Paar sein, das nur von keiner Statistik als solches erfaßt wird.
Ja, kein Widerspruch. :-)
Die Erzählungen meiner Großmutter über die ewigen Übergriffe und Einmischungen ihrer Familie, als einige Generationen unter einem Dach wohnten, lassen zudem auch nicht gerade auf große Harmonie und Glücksgefühle schließen. Gesellschaft garantiert noch lange keine Gemeinschaft und Gemeinschaft noch lange keine Funktionstüchtigkeit.
Weil ich das auch so sehe, schrieb ich: "Dieser Film beobachtet: Wer sich bindet, kann verlieren."
Und man kann und sollte sich durchaus fragen, warum die Gesellschaft denn wohl so viel darangesetzt hat, andere, individuellere, "egoistischere" Lebensentwürfe zu ermöglichen, wenn diese alte Lebensweise wirklich so toll und sozial war.
Ich habe nirgendwo geschrieben, dass "diese alte Lebensweise wirklich so toll und sozial war." Allerdings denke ich schon, dass jede Generation (letztlich jeder Mensch) gut daran tut, die je eigenen Traditionen und Lebensweisen kritisch-konstruktiv zu hinterfragen. Und das geschieht ja auch. Sprüche wie "Wer zweimal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment." mögen bei den 68ern cool geklungen haben, würden aber bei den meisten heutigen jungen Leuten als arrogant, herzlos und hohl erkannt.
Persönlich bin ich völlig zufrieden, wenn meine Publikationen oder auch mein Blog ein paar Menschen dazu anregen, über das Leben neu nachzudenken. Anderen Menschen ein bestimmtes Lebensmodell aufzudrücken widerstrebt mir dabei zutiefst. Denn wenn es ein Erfolgsmodell der Evolution gegeben hat - dann war und ist es Vielfalt.
Herzliche Grüße!
"Und man kann und sollte sich durchaus fragen, warum die Gesellschaft denn wohl so viel darangesetzt hat, andere, individuellere, 'egoistischere' Lebensentwürfe zu ermöglichen, wenn diese alte Lebensweise wirklich so toll und sozial war."
Das lässt sich ein wenig bei Ulrich Beck nachlesen. Im Grunde ist die Individualisierung effizienter, da die Beteiligten dadurch sehr niedrige Opportunitätskosten haben. Diese Opportunitätskostensenkung hat die immer weiter gehende Arbeitsteilung ermöglicht, die gesellschaftlich betrachtet viel produktiver ist, wodurch sich allerdings für den Einzelnen nun auch die Risiken erhöht haben, wie Beck konstatiert. Also muss es immer mehr gesellschaftliche Sicherungssysteme geben, die die individuellen Risiken sozialisieren und damit minimieren.
Was mich an der ganzen Sache nur wundert, ist das Folgende: Es ist allgemein bekannt, dass Individualisierung und Arbeitsteilung Hand in Hand gehen. Der Trend geht seit Jahrzehnten dahin, alle Gemeinschaftsaufgaben vom Individuum zu trennen und zu institutionalisieren, damit das Individuum immer freier wird und sich auf "sein Ding" konzentrieren kann (z. B. Konzerntpianist zu werden). Wenn er z. B. Müll produziert, dann muss er den nur vor seinem Haus in eine Tonne werfen und wenige Tage später hat den jemand abgeholt. Er muss sich nicht selbst darum kümmern. Hierdurch kann er den ganzen Tag Klavier üben. Das nennt man Individualisierung.
Was aber hat den Feminismus dabei geritten, bei der Nachwuchsfrage genau den umgekehrten Weg einzuschlagen? Es gab eine sexuelle Arbeitsteilung zwischen Frauen und Männern. Die mag Frauen benachteiligt haben, aber sie war effizient und über die Geschichte der Menschheit hin betrachtet sogar sehr sehr erfolgreich.
Wieso ist man auf die Idee gekommen, man könne diese Arbeitsteilung aufheben? Die heutige Devise lautet doch: Frauen und Männer gehen beide arbeiten und teilen sich eine eventuelle Familienarbeit paritätisch. Das ist die ineffizienteste Lösung, die man sich überhaupt vorstellen kann. Das ist so, als wenn in einem Restaurant nicht sie die Kellnerin und er der Koch ist, sondern beide machen beide Jobs 50-50. So etwas ist von der Effizienz her bescheuert, das kann dir jeder Organisationsexperte bestätigen.
Die Lösung kann doch jetzt nur lauten: Arbeitsteilung unter den Frauen: Die einen machen das Aufziehen von Kindern professionell (im Sinne einer Institutionalisierung, wie oben bei der Müllentsorgung beschrieben), und die anderen haben 0 oder wenige (1-2) Kinder.
Was mich an der Sache wurmt ist, dass von den Feministinnen um Schwarzer etc. die ganze Zeit etwas propagiert wird, was überhaupt nicht funktionieren kann, und zwar weder heute, noch morgen noch übermorgen. Hier wird versucht, aus ideologischen Gründen etwas durchzusetzen, was der Gesellschaft nicht hilft (höchstens den Wortführerinnen), sondern diese systematisch zerstört. Jeder, der die Augen aufmacht, und die aktuelle Familiensituation ganz wertfrei betrachtet, wird das unschwer erkennen können.
Wir haben seit 25 Jahren ausschließlich Bundesfamilienministerinnen. Wenn in irgendeinem anderen Ressort die Ergebnisse in der Zeit so katastrophal gewesen wären, wie sie im Familienbereich sind (es wird im Grunde seit 25 Jahren immer schlimmer), hätte sich die Presse längst mit aller Macht darauf gestürzt.
Doch hier passiert nichts, da die Presse fest in der Hand der Ideologinnen ist.
Meine Befürchtung ist die Folgende: Das läuft noch ein paar Jahre so weiter, und dann kommt der Staatsbankrott. Und dann nehmen wieder die Männer alles in die Hand, weil das mit uns Frauen nicht funktioniert hat. Dann kommt ein neues finsteres Mittelalter. Frauen, die dann den Mund aufmachen, werden gleich als Hexe verbrannt.
""Wer zweimal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment."
LOL! Den kannte ich noch nicht! *g* Aber mal ganz generell gesagt: Ich glaube, am Menschen an sich hat sich in den letzten paar Jahrhunderten nicht wirklich viel geändert. Traditionen gehören in der Tat von mal zu Mal hinterfragt ("Asche bewahren" vs. "Feuer weitergeben") und ich denke, man sollte aufgrund eines kritischen Films nicht in den Fehler verfallen, wie weiland schon Sokrates den Sittenverfall der jeweils jüngeren Generation anzuprangern. Aber so, wie Sie es hier darlegen, bin ich durchaus mit der Interpretation einverstanden. Letztenlich muß ohnehin jeder irgendwann, irgendwie die Konsequenzen seines Lebensentwurfs tragen, wie auch immer der aussehen mag. Daran geht kein Weg vorbei.
"Denn selbstverständlich handelt es sich bei der Differenzierung von Ich- und Teamling nicht um Entweder-Oder-Kategorien, sondern um die Enden einer Gegensatzpaares mit fließenden Übergängen (das dazu nicht einmal wissenschaftlich gemeint war, sondern aus launigen Diskussionen entwickelt hat.)"
Das hatte ich vermutet. Und das halte ich für problematisch, weil man so ganz schnell "Stimmung" machen kann. So wird aus einem Typus ganz schnell ein Phänomen, aus einem Phänomen ganz schnell eine Kultur. Und zwar immer die Kultur der anders Lebenden, anders Denkenden. Zustände, die mir nicht in den Kram passen, kann ich nach Gutdünken auf die "gefühlte Skala" einordnen und geißeln.
Ich wünsche mir da etwas mehr Schärfe in der Bestimmung des Typus. Im Moment kann ich auch den Egoisten darunter packen (muss es aber nicht) bzw. kann die Ausbildung des Ego (die ja eine wichtige notwendige Stufe in der Entwicklung der Menschheit ist) verwerfen und mich wieder zurück in die gute alte Zeit sehnen - alles, weil die die ganze Gesellschaft "gefühlt" in die falsche Richtung fährt.
Man muss da "höllisch" aufpassen, welche Geister man heraufbeschwört.
Da inzwischen so viele neue Kommentare hinzugekommen sind, versuche ich einmal die für mich relevanten Aussagen zu beantworten.
Zur Familienpolitik (19.03.2010 | 21:39):
„Mit anderen Worten: Es soll wirklich jegliche noch verfügbare Humanressource in den Arbeitsmarkt geschmissen werden. Mütter sollen kurz ihre Kinder werfen und dann rasch wieder arbeiten gehen, weil wir haben ja einen soooooooo riesig großen Bedarf an Arbeitskräften, jedenfalls im Vergleich zu qualifizierten mütterlichen Leisten, gell?“
Da kann ich größtenteils zustimmen. Der Vorteil für die Unternehmen ist ja, dass sie die Leute insgesamt schlechter für ihre Leistung bezahlen können, da ja Mann und Frau arbeiten müssen und nicht mehr nur Papa die Familie ernähren muss. Außerdem gibt es eine große Nachfrage nach Arbeitsplätzen, davon profitieren ebenfalls die Unternehmen.
„Es muss sich etwas ändern. Die Maßnahmen können aber nicht klein, sondern nur noch sehr groß sein, meinetwegen auch so etwas, was Sie vorschlagen (ist m. E. noch schwerer zu realieren als die FM, weil der Staat dann sehr stark in die Hoheit von Unternehmen eingreifen müsste). Aber diese Kleinstmaßnahmen wie Elterngeld oder hier und da ein paar Krippen sind albern. Sie verkennen, wie groß das Problem wirklich ist. Da rollt ein Tsunami heran ... „
Letztendlich arbeiten wir ja um zu leben und nicht umgekehrt (zumindest sieht man das in kath. Ländern so :-))) Deshalb sollte die Arbeit den Leuten auch ein Stück weit entgegenkommen. Flexible Arbeitszeitmodelle haben für Unternehmen jedoch keineswegs nur Nachteile. Es gibt Untersuchungen, dass Halbtagskräfte ein Drittel mehr an Arbeit erledigen, als Ganztagskräfte. Auch könnten Arbeitsplätze länger besetzt werden, wenn sich zwei Leute einen teilen. In Dienstleistungsbetrieben, wie Handel, Banken und Versicherungen kann auch über Mittag gearbeitet werden, d.h. es entsteht keine Lücke durch Mitarbeiter die zu Tisch gehen. Der Staat könnte flexible Arbeitszeitmodelle ja auch protegieren, da würden eine Menge neuer Stellen geschaffen werden.
Bezüglich des Tsunamis bin ich mir nicht sicher. Aber wie es aussieht, wird uns irgendwann der Fluss der Zeit hinweg spülen und andere werden an unsere Stelle treten.
Zu Alice Schwarzer (19.03.2010 | 22:20):
„…die ist doch eine Hauptverantwortliche für den Mist, den wir aktuell erleben. Die hat doch diesen Sozialdarwinismus in der Familienfrage eingeführt: starke Frauen gehen arbeiten und lassen arme Kinder zurück. Die Emanzipation wurde auf dem Rücken der Schwächsten in unserer Gesellschaft ausgetragen: den Kindern. Außerdem fordere ich endlich Gleichberechtigung für Frauen. Alice Schwarzer hat genau die nicht gebracht. Sie hat Frauen gleiche Rechte gebracht, wenn sie einen männlichen Lebensentwurf anstreben. Sie hat Frauen, die gerne mehrere eigene Kinder großziehen möchten die Armut gebracht.“
Da kann ich nur zustimmen, auch wenn ich die Konsequenzen die Sie daraus ziehen, wie FM, nicht billige.
„Bei diesen "Damen" würde wieder die sexuelle Selektion in voller Breite zum Tragen kommen: Männer würden sie umschwirren wie Motten das Licht. Da Mütter meist großen Wert darauf legen, dass aus ihren Kindern mal was wird, werden die sich schon die Prinzen unter den Fröschen herauspicken. Ich sehe eher das Problem in der zu großen Attraktivität solcher Frauen für Männer, die sich mal wieder in Geld und sonstigen Zuwendungen ausdrücken könnte. Das müsste man in den Griff bekommen.
Wenn man liest, dass es sogar bei den Mosuo Sextourismus gibt, dann kann man erahnen, was los sein wird, wenn sich in der männlichen Welt herumspricht, dass man von einer Familienmanagerin ein Kind ohne jegliche Folgen haben könnte. Also ich sehe eher ein staatliches Steuerungsproblem, welches in genau die andere Richtung geht...“
Au weia! Si tacuisses, philosophus mansisses!
Zur Individualisierung der Gesellschaft (20.03.2010 | 02:51):
„Es ist allgemein bekannt, dass Individualisierung und Arbeitsteilung Hand in Hand gehen. Der Trend geht seit Jahrzehnten dahin, alle Gemeinschaftsaufgaben vom Individuum zu trennen und zu institutionalisieren, damit das Individuum immer freier wird und sich auf "sein Ding" konzentrieren kann (z. B. Konzerntpianist zu werden). Wenn er z. B. Müll produziert, dann muss er den nur vor seinem Haus in eine Tonne werfen und wenige Tage später hat den jemand abgeholt. Er muss sich nicht selbst darum kümmern. Hierdurch kann er den ganzen Tag Klavier üben. Das nennt man Individualisierung.“
Bingo! Wie werden nach und nach entmündigt und können uns kaum mehr selber versorgen, da wir so spezialisiert sind. Früher kochte Mutter noch selbst, heute gibt es industriell vorgefertigte Nahrung, wo keiner mehr weiß aus was sie besteht.
„Wieso ist man auf die Idee gekommen, man könne diese Arbeitsteilung aufheben? Die heutige Devise lautet doch: Frauen und Männer gehen beide arbeiten und teilen sich eine eventuelle Familienarbeit paritätisch. Das ist die ineffizienteste Lösung, die man sich überhaupt vorstellen kann. Das ist so, als wenn in einem Restaurant nicht sie die Kellnerin und er der Koch ist, sondern beide machen beide Jobs 50-50. So etwas ist von der Effizienz her bescheuert, das kann dir jeder Organisationsexperte bestätigen.“
Nein, denn ein Kind hat Vater UND Mutter und ich finde es für ein Kind ganz wichtig, dass es eine männliche und eine weibliche Bezugsperson hat. Vielleicht vergisst man bei der ganzen Debatte eines, Kinder sind lebendige Wesen, sie haben Gefühle und brauchen Vorbilder, die ihnen helfen ihren eigenen Weg im Leben zu finden. Man kann Kinder doch nicht einfach als „Produkte“ sehen, die möglichst effektiv in einer Aufzuchtstation aufgezogen werden, da produziert man letztendlich doch nur einen Haufen seelische Krüppel.
"Traditionen gehören in der Tat von mal zu Mal hinterfragt."
Dennoch stellt sich die Frage, ob es nicht grundsätzliche Prinzipien gibt, die es zu bewahren gibt.
Gemäß der Systemischen Evolutionstheorie geht es bei der Evolution um den Erhalt von Kompetenzen. Da die Systemische Evolutionstheorie Leben und Evolution mehr oder weniger gleichsetzt, könnte man sagen: Beim Leben geht es um den Erhalt von Lebensraumkompetenzen. Viele Tiere/Pflanzen geben an ihre Nachkommen lediglich ihre genetischen Kompetenzen weiter. Bei vielen höheren Tierarten kann man aber bereits so etwas wie eine kulturelle Tradierung feststellen. Ganz besonders stark ist das beim Menschen der Fall. Wenn irgendwo ein Mensch etwas Besonderes herausgefunden hat, wird er versuchen, sich anderen mitzuteilen. Man könnte fragen: Warum tut er das? Warum nutzt er seine Erkenntnisse nicht zu seinem Vorteil, und nimmt sie später mit ins Grab?
In menschlichen Gesellschaften scheint man dafür einen Deal gemacht zu haben: "Du erzählst den anderen, was du herausgefunden hast, und wenn das von denen angenommen wird, erhältst du von ihnen Prestige." Gerade für Männer war das wohl sehr interessant, denn Prestige bedeutete gleichzeitig den erleichterten Zugang zu Frauen, wie man in der Biologie sagt. Hierdurch gaben sie gleichzeitig auch noch ihre genetischen Kompetenzen (ihre Gene) besonders häufig weiter, die ja u. U. der entscheidende Grund für die neue Erkenntnis waren.
Ein Ichling ist für mich jemand, der sich an diese Lebensprinzipien nicht mehr hält, der also gewissermaßen aus dem eigentlichen Sinn des Lebens (Kompetenzen erwerben und sie weitergeben) ausgestiegen ist. Der der Auffassung ist, es komme einzig auf die persönliche Selbstverwirklichung an.
Das hat für mich auch nichts direkt mit einer Abgrenzung gegenüber einem Teamverhalten zu tun. Es hat in der Geschichte der Menschheit immer ausgesprochene Eigenbrötler gegeben, denen es wichtig war, ihr "Ding" zu machen, und die sich von niemandem dabei stören ließen ("störe meine Kreise nicht"). Die haben die Menschheit oftmals ganz besonders stark nach vorne gebracht, aber auch nur dann, wenn sie bereit waren, ihre Kompetenzen an andere weiterzugeben.
"Nein, denn ein Kind hat Vater UND Mutter und ich finde es für ein Kind ganz wichtig, dass es eine männliche und eine weibliche Bezugsperson hat. Vielleicht vergisst man bei der ganzen Debatte eines, Kinder sind lebendige Wesen, sie haben Gefühle und brauchen Vorbilder, die ihnen helfen ihren eigenen Weg im Leben zu finden. Man kann Kinder doch nicht einfach als 'Produkte' sehen, die möglichst effektiv in einer Aufzuchtstation aufgezogen werden, da produziert man letztendlich doch nur einen Haufen seelische Krüppel."
Damit behauptest du nichts weniger als, dass Alleinerziehende seelische Krüppel produzieren. Das ist definitiv nicht der Fall. Auch kann ich nicht erkennen, was eine Familienmanagerin, die immerhin die leibliche Mutter eines Kindes ist, zu einer Aufzuchtanstalt macht.
Schließlich: Die permanente Anwesenheit ihrer leiblichen Väter war für Kinder in der gesamten Geschichte der Menschheit noch nie von großer Bedeutung. Kinder haben es immer verkraftet, wenn z. B. der Vater monatelang außer Haus war, um etwa Amerika zu entdecken oder neue Jagdquellen zu erschließen (solange man in der Abwesenheit nicht über ihn ablästerte). Die ständige und paritätische Anwesenheit des Vaters in der Erziehung von Kindern ist Ausfluss des feministischen Egoismus (einige sagen: des egoistischen Fehlschlusses, nämlich vom Wollen auf das Sollen zu schließen). Es gehört zu den ersten Dingen, die man als Frau im Leben akzeptieren sollte, weil dies in der gesamten Biologie so ist, und zwar völlig egal, ob es sich um Enten oder Menschen handelt: Nachkommen sind für den weiblichen Elternteil mit höheren Kosten verbunden als für den männlichen. Aus diesem Unterschied speist sich fast alles, was auf der Erde schön und erhaltenswert ist. Hebt man diesen Unterschied auf, tritt ein hässlicher Egoismus zu Tage.