Up in the Air - Die Krise unserer Ichling-Kultur
Eine harmlose Komödie mit George Clooney, schöne Bilder, schlichte Lacher, wenig zum Nachdenken. So war der Kinoabend geplant - und mehr werden viele auch gar nicht wahrgenommen haben. Aber ich war baff - baff über einen Film, der unter der lustigen Oberfläche eindringliche Beobachtungen anbietet.
Da ist Ryan, der Hauptheld. Ein typischer, feiner Ichling unserer Zeit - smart, modern, gutaussehend, reich, immer unterwegs. Sein Job: Im Auftrag feiger Chefs Mitarbeiter zu entlassen. Sie sind, so scheint es, die Verlierer: Menschen, die eine Bindung zu ihrer Arbeit, ihrer Firma aufbauten. Die zitternd danach fragen, wie sie die Arbeitslosigkeit ihren Ehepartnern erklären sollen. Die nach den Hypothekenraten fragen. Und vor allem nach ihren Kindern, deren Schicksal, deren Krankenversicherung. Ryan versteht: Bindungen sind Ballast. Der moderne Mensch lässt Ballast zurück.
Am Anfang gilt unsere Empörung dem System, das solche Gewinnertypen wie Ryan hervorbringt. Doch zunehmend merken wir, dass er gar kein Gewinner ist. Da ist seine Schülerin Nathalie, eine Psychologin, die am Anfang seinen Zynismus noch zu übertreffen scheint - und dann doch erkennt, dass der Ichling-Mann ein armer Irrender (im Wortsinn) ist. Die aber auch dem modernen Feminismus eine deutliche Absage erteilt: Danke für die Freiheiten, die Ihr erkämpft habt - aber Beziehungen mit verläßlichen Partnern hättet Ihr uns lassen können. (Dieser Teil dürfte Ferdinand Knauss gefallen!) Und während wir noch denken, Ryan benutze die weibliche Reisebekanntschaft Alex - tut sie es schon. Ichling frißt Ichling, keine Errettung durch die weniger brutale Weiblichkeit mehr, kein Happy End.
Lustig - und heftig
Kirche und Religion kommen "nur" an einer einzigen Stelle vor: Als es um die Hochzeit von Ryans Schwester geht. Und ausgerechnet der coole Schwätzer plötzlich einen zögernden Bräutigam von Ehe und Familie überzeugen soll. Das ist einerseits lustig. Und andererseits eine der brutalsten "Beichten", die ich je im Kino gesehen habe. Hier demontiert ein moderner Mann seine Lebenslügen. Die Zuschauer lachen - einige nachdenklich...
Fazit
Unser modernes Gesellschaftssystem mit all seinen Versprechen und Verführungen, seinen Schmeicheleien und seiner Schönheit füttert unser Ego - und lässt immer mehr von uns einsam zurück. Noch während sich viele von uns für die Spitze menschlichen Fortschrittes halten zerbröseln Gemeinschaften, Familien, ganze Populationen. Wir glauben, fast gottgleich von ganz weit oben (von "Up in the air") auf die Welt hinab zu sehen. Und bemerken nicht, wie viele um uns dabei ins Nimmerwiedersehen verwehen.
Dieser Film beobachtet: Wer sich bindet, kann verlieren. Wer aber nur noch um das eigene Ego kreist, hat schon verloren. Männer und Frauen haben sich verloren und wir schauen den Scheinhelden der Ichling-Kultur beim bindungs-, familien- und kinderlosen Scheitern zu. Komisch und tragisch. Romantisch und brutal. So überraschend kann Kino sein.
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Sie schrieben: Da kommen Leute her und verlangen bestimmte politische Maßnahmen, weil sie für sie jetzt von Vorteil sind.
Ja, sie verlangen zum Beispiel staatlich organisierte Bezahlung für das gemeinschaftliche Aufziehen von Kindern. Also etwas, was es so noch nie in der Natur- und Kulturgeschichte des Menschen gab. Und das meinen sie ernsthaft aus den "Naturgesetzen" ableiten zu können, liebe Frau Waider!
Die interessieren sich nicht für die nächsten Generationen, für die Zukunft. Die interessieren sich nur für sich.
Genau. Die Überbevölkerung in anderen Teilen der Welt ist ihnen ebenso egal wie der Einspruch von Menschen, die anders leben wollen oder der beobachtbare Reproduktionserfolg diverser (religiöser) Kulturen, die ganz ohne solche "Eingriffe von oben" auskamen. Denn solche Leute finden, dass sie und ihre Kultur irgendwie höher stehen und deswegen staatlich verordnet und finanziert werden sollten... Sie sind zudem der Auffassung, dass sie ihre vermeintliche Überlegenheit nicht ohne staatliche Finanzierung (vor-)leben können. Und behaupten, auch diese Ansprüche evolutionstheoretisch herleiten zu können...
Schon erstaunlich, diese Leute, nicht wahr, liebe Frau Waider!? ;-)
"Evolution heißt fortlaufende Anpassung, oder anders ausgedrückt: Erhalt von Lebensraumkompetenzen. (...) Mehr brauche ich nicht."
Das haben wir bemerkt. Wir dagegen schon.
"Ich habe es eigentlich jetzt schon x-mal gesagt: Für universell halte ich nur das obige Prinzip: Fortlaufende Anpassung bzw. 'Erhalt von Kompetenzen'. Das ist das universelle Evolutionsprinzip."
Und wenn Sie es noch so oft wiederholen - es wird dadurch nicht richtiger. Leider gehen Sie auf Argumente nicht ein, sondern machen das, was alle machen, wenn ihre Ideologie widerlegt wird - sie beschimpfen diejenigen, die das tun, oder versuchen, diejenigen zu verunglimpfen.
Das macht das ganze dann so unappetitlich wie es gerade ist. Ich kann nur hoffen, dass andere darauf nicht herein fallen. Denn Argunmente helfen hier nicht.
"Und wenn Sie es noch so oft wiederholen - es wird dadurch nicht richtiger. Leider gehen Sie auf Argumente nicht ein, sondern machen das, was alle machen, wenn ihre Ideologie widerlegt wird - sie beschimpfen diejenigen, die das tun, oder versuchen, diejenigen zu verunglimpfen."
Sie waren es, der sofort mit dem Sozialdarwinismusargument kam. Sie haben verunglimpft.
Im nächsten Augenblick wendeten sie sich dann dagegen, dass Kinderlose irgendetwas mit den Kindern anderer (von denen sie später Rente haben wollen) zu tun haben. Nennt man das nicht Recht des Stärkeren oder so, Herr Würfel?
"Denn solche Leute finden, dass sie und ihre Kultur irgendwie höher stehen und deswegen staatlich verordnet und finanziert werden sollten... Sie sind zudem der Auffassung, dass sie ihre vermeintliche Überlegenheit nicht ohne staatliche Finanzierung (vor-)leben können. Und behaupten, auch diese Ansprüche evolutionstheoretisch herleiten zu können..."
Sie sind wirklich in der Evolutionsforschung tätig? Nanu?
Ich möchte Ihnen zu Ihrer schier unglaublichen Geduld insbesondere mit Ralph Würfel gratulieren.
Ich finde die Analyse des Herrn Mersch brilliant, sehe das Lösungskonzept Familienmanagerin allerdings im Moment noch eher kritisch. Es könnte sich tatsächlich eine Arbeitsteilung Königinnen/Arbeiterinnen entwickeln mit dem hässlichen Effekt "Wer selber Kinder will, muss FM werden". Heute dauert aber die Erziehung eigener Kinder kein ganzes Leben mehr.
Es gibt jedoch eine recht einfache Lösung, die Herr Mersch zwar begründet, aber nicht ausführt:
Kinderlose zahlen keine Kinderlosensteuer sondern die Rente wird zusätzlich nach der Zahl der Kinder berechnet:
0 Kinder - 0% Rente
1 Kinder - 50% Rente
2 Kinder - 100% Rente
3 und mehr Kinder - 150% Rente.
Die Rentenbeiträge die gezahlt werden, sind nämlich das Entgeld der jeweiligen Elterngeneration dafür, Kinder aufgezogen, für ihre Ausbildung gesorgt usw. zu haben.
Wer keine Kinder hat, musste auch früher zusehen wie er im Alter anders versorgt war.
Damit würden Kinder für praktisch jedermann wieder eine Notwendigkeit statt eines Luxus und damit wäre der entsprechende gesellschaftliche Druck auf Politik und Wirtschaft geschaffen, Beruf und Kinder vereinbar zu machen.
Wir haben nämlich kein Gender Wage Gap sondern ein Eltern/Kinderlose Wage Gap.
@Ralph Würfel: Das Gender-Konzept ist neurologisch und evolutionsbiologisch widerlegt. Es war schon bei seiner Erfindung derart absurd, das Butler mit "Gender" auf einen Begriff zurückgreifen musste, der nur noch in der Elektrotechnik (Stecker - male, Buchse - female) gebräuchlich war.
Frauen und Männer sind sicher gleichwertig aber ebenso sicher nicht gleich.
» Das Gender-Konzept ist neurologisch und evolutionsbiologisch widerlegt.«
Tatsächlich? Inwiefern?
" sehe das Lösungskonzept Familienmanagerin allerdings im Moment noch eher kritisch. Es könnte sich tatsächlich eine Arbeitsteilung Königinnen/Arbeiterinnen entwickeln mit dem hässlichen Effekt 'Wer selber Kinder will, muss FM werden'."
Dies sieht Mersch gleichfalls als mögliches Problem an. Deshalb hält er es für wichtig, die Lebensform Beruf+wenige Kinder als möglichst wenig nachteilig gegenüber Beruf+kinderlos zu halten (der Unterhalt der Kinderlosen wäre ein Ansatz, die gute Vereinbarkeit eine notwendige Ergänzung).
"Heute dauert aber die Erziehung eigener Kinder kein ganzes Leben mehr."
Bei 5 Kindern (jedes gestillt), kommt man aber auf 30 Jahre und mehr, und das ist praktisch ein volles Erwerbsleben.
"... sondern die Rente wird zusätzlich nach der Zahl der Kinder berechnet:"
Das sehe ich als kritisch an. Es gibt auch unverschuldete/unbeabsichtigte Kinderlosigkeit. Mit Ihrer Maßnahme wäre die Rentenversicherung abgeschafft. Man hat sie aber doch aus genau den Gründen mal eingeführt: Kinderlosigkeit sollte nicht zwingend zu Altersarmut führen. Außerdem halte ich eine Ausrichtung auf die Rente auch nicht für wirklich wirksam: Wer z. B. eine Familie mit 4 Kindern hat, braucht Geld, und zwar jetzt. Die Aussicht, damit später einmal eine dicke Rente zu kassieren, dürfte kaum ausreichen, sich und den Kindern jahrzehntelange Armut zuzumuten.
Mehrkindfamilien feht es heute in aller Regel an einem Einkommen (nur einer kann arbeiten gehen), während sie gleichzeitig die höchsten Kosten haben. Dieses Problem sollte meines Erachtens vorrangig angegangen werden.
"Wir haben nämlich kein Gender Wage Gap sondern ein Eltern/Kinderlose Wage Gap."
Das ist richtig, und ich halte das für einen Skandal. Öffentlich diskutiert wird das aber kaum, da in den Schaltstellen der Medien keine Interessentinnen für Mehrkindfamilien sitzen, sondern mehrheitlich kinderlose/arme Frauen, die an einer Erhöhung ihrer Einkünfte interessiert sind.
Aber an der gerade geführten Diskussion sieht man, wie Evolution läuft: Irgendjemand macht einen Vorschlag, andere sind dagegen oder haben Verbesserungsvorschläge.
So dürfte sich auch manche religiöse Regel durchgesetzt haben, z. B.: "Die Frau ist dem Manne untertan, gehorcht ihm und gebiert ihm viele Kinder, um die sie sich den ganzen Tag kümmert." Das sorgte für einen ständigen Fluss an Nachkommen und eine starke Reproduktion der eigenen Glaubensrichtung. Staatliche Hilfen benötigte man dafür nicht.
Leider geht es dabei immer ein wenig gemäß der Methode Versuch und Irrtum zu: am Ende setzten sich die erfolgreichsten Versuche durch ("werden selektiert"). Darwinisten behaupten stets, die Evolution agiere fortschrittsblind. Das mag bei den Genen noch so sein (obwohl das mittlerweile stellenweise auch bestritten wird). Das Neue an Mersch ist nun (und deshalb ritt ich ein wenig auf seinen Aussagen herum): Er behauptet, dass man bestimmte Vorschläge und Optionen von vornherein als nicht evolutionsfähig ausschließen kann, weil sie nicht kompetenzerhaltend sind. Dazu zählt für ihn unser aktuelles gesellschaftliches Paradigma: "Frauen und Männer gehen beide arbeiten. Wenn sie Kinder haben, teilen sie sich die Familienarbeit paritätisch."
Da kann er zeigen, dass es sich hierbei um keine evolutionär stabile Strategie handelt. Und wenn man das quasi schon allein durch Überlegung herausfinden kann (da damit praktisch Naturgesetze verletzt würden), muss man den Versuch erst gar nicht weiterverfolgen, denn die Langzeitfolgen würden sein: Arbeitslosigkeit, Armut, Kulturverluste usw., also ziemlich genau das, was wir aktuell beobachten können.
"'Das Gender-Konzept ist neurologisch und evolutionsbiologisch widerlegt.'
Tatsächlich? Inwiefern?"
Vielleicht hilft
Volker Zastrow: "Der kleine Unterschied", FAZ, 07.09.2006, schon weiter.
Sehen Sie, lieber Balanaus, so einfach ist das - ein Autor schreibt eine Artikel in der FAZ und schon ist die ganze Theorie widerlegt - "evolutionsbiologisch und neurologisch" selbstverständlich (auch wenn das gar nicht Anliegen des Verfassers ist). So schön einfach kann die Welt sein ... *seufz*
Und was machen wir jetzt mit dem Phänomen, das man uns gerade widerlegt hat?
» Vielleicht hilft
Volker Zastrow: "Der kleine Unterschied", FAZ, 07.09.2006, schon weiter. «
Leider nein, aber danke für den Link.
Ich fragte, inwiefern das Gender-Konzept, also dass es neben dem biologischen Geschlecht noch eine soziale Geschlechterrolle gibt, obsolet ist. Wie kann diese sozial definierte Komponente des Geschlechts neurologisch und evolutionsbiologisch widerlegt sein?
Die Gender-Theorien gehen nicht von einer "sozial definierte Komponente des Geschlechts" aus sondern davon das Geschlecht vollständig sozial induziert wird. Siehe bereits in diesem Kommentarbereich genannte Zitate von de Beauvoir und Schwarzer.
Seit Mitte der Neunziger ist diese Behauptung z.B. durch die Ergebnisse bildgebender Verfahren und die dadurch nachgewiesenen geschlechtsspezisich unterschiedlichen Hirnaktivitätsmuster widerlegt.
Mitte der Neunziger ist 15 Jahre her. Und Sie haben noch nichts davon gehört?
Und "diese sozial definierte Komponente des Geschlechts" erinnert mich frappant an die Schutzbehautung in folgenden Satz:
"Religiös geglaubtes kollidiert ja gerne mal mit der normativen Kraft des Faktischen weil die zu glaubende Behauptung in Unkenntnis der Sachlage formuliert wurde. Und wird der Widerspruch offenbar offenkundig und auch belegbar, dann wird das Geglaubte nicht revidiert, sondern durch eine Schutzbehauptung in der sich Sachargumente totlaufen sollen, von der harschen Wirklichkeit abgeschirmt, wie das beim Intelligent Design zum Beispiel sehr eindrucksvoll belegt worden ist."
(Gunkl alias Günther Paal)
Im übrigen bin ich zu arrogant, um auf das Spiel "Wie beschäftige ich einen " einzusteigen. Lesen bildet und der Spektrum-Verlag hat sicher auch noch Exemplare älterer Ausgaben auf Lager.
Zitat: "Die Gender-Theorien gehen nicht von einer "sozial definierte Komponente des Geschlechts" aus sondern davon das Geschlecht vollständig sozial induziert wird."
Diese Behauptung ist Ihre individelle Ansicht. Nicht jedoch die allgemein akzeptierte. Ich präsentiere eine Auswahl verschiedener Quellen.
Goethe-Institut:
„Sex“ sollte das biologische Geschlecht bezeichnen, „Gender“ dagegen das „soziale Geschlecht“, die Rollenzuschreibungen.
Niedersächsische Vernetzungsstelle für Gleichberechtigung:
Der Begriff sex steht für die biologischen Aspekte von Geschlecht. Der Begriff gender steht für die sozialen und kulturellen Aspekte von Geschlecht. Gender richtet den Blick auf die gesellschaftlich so geprägten Rollen, aus denen unterschiedliche Interessen, Bedürfnisse, Kompetenzen und Lebenserfahrungen von Frauen und Männern, Mädchen und Jungen resultieren.
Wikipedia:
Der Begriff Gender bezeichnet das „soziale“ oder „psychologische“ Geschlecht einer Person im Unterschied zum biologischen Geschlecht (engl. sex).
Das menschliche Geschlecht ist also biologisch UND sozial/kulturell determiniert – nicht nur eines von beiden. DAS ist die (allgemein anerkannte) Bedeutung des Gender-Konzeptes.
Es macht natürlich Spaß, sich auf die Ansichten von Kommentarorinnen zu stürzen, diese als allgemein gültig zu setzen und die Auseinandersetzung damit als die Widerlegung des gesamten Konzeptes zu behaupten. Damit wird Ihre Behauptung aber noch lange nicht wahr. Tut mir leid.
» Die Gender-Theorien gehen nicht von einer "sozial definierte Komponente des Geschlechts" aus sondern davon das Geschlecht vollständig sozial induziert wird.
Seit Mitte der Neunziger ist diese Behauptung z.B. durch die Ergebnisse bildgebender Verfahren und die dadurch nachgewiesenen geschlechtsspezisich unterschiedlichen Hirnaktivitätsmuster widerlegt. «
Ich glaube, es ging immer nur um die Geschlechterrolle oder -identität, die nach Meinung einiger vollständig sozial induziert sein sollte. Das biologische Geschlecht kann ja wohl schlecht sozial induziert werden.
Apropos Hirnaktivitätsmuster: Wie wollen Sie entscheiden, welche Muster das Resultat sozialen Lernens sind und welche nicht.
Ergänzend zu dem, was Ralph Würfel gepostet hat, noch folgende aktuelle Gender-Definition“, die mir ganz gut gefällt:
„Gender ist ein sozioökonomisches und kulturelles Konstrukt, welches Frauen und Männern in bestimmten Zusammenhängen unterschiedliche und ungleiche Rollen, Verantwortlichkeiten, Grenzen, Erwartungen, Möglichkeiten und Bedürfnisse zuschreibt. Gender ist insofern anders als das Geschlecht, welches sich auf die biologischen Unterschiede zwischen Männern und Frauen bezieht.“
Quelle: http://www.eubuero.de/...ndermainstreaming/gm_allg
» Im übrigen bin ich zu arrogant, um auf das Spiel "Wie beschäftige ich einen " einzusteigen. «
:-)
In Wikipedia steht aber eben auch:
"Gender bezeichnet zum einen die soziale Geschlechtsrolle (gender role) beziehungsweise die sozialen Geschlechtsmerkmale. Es bezeichnet also alles, was in einer Kultur als typisch für ein bestimmtes Geschlecht angesehen wird (zum Beispiel Kleidung, Beruf und so weiter); es verweist nicht unmittelbar auf die körperlichen Geschlechtsmerkmale (sex).
Der Begriff gender wurde in dieser Bedeutung 1955 von dem US-amerikanischen Forscher John Money eingeführt, ..."
Es war genau dieser John Money, der für einen der größten Wissenschaftsskandale überhaupt sorgte. Mit dem Fall Reimer wollte er seine These untermauern, dass die sozialen Geschlechterrollen ausschließlich anerzogen seien. Die Geschichte endete bekanntlich mit einem doppelten Selbstmord.
Alice Schwarzer hat nach meiner Kenntnis ihr Buch "Der kleine Unterschied", welches sich u. a. auf den Fall Reimer stützt, bis heute nicht korrigiert.
Wenn Sie zitieren: "Gender richtet den Blick auf die gesellschaftlich so geprägten Rollen, aus denen unterschiedliche Interessen, Bedürfnisse, Kompetenzen und Lebenserfahrungen von Frauen und Männern, Mädchen und Jungen resultieren."
dann kann man dazu leider nur sagen: Wir wissen doch gar nicht, welche Rolle eines Jungen oder Mädchens tatsächlich nur gesellschaftlich geprägt sind und was davon bei vielen eben doch auch einen starken biologischen Hintergrund hat. Hier wird mit Annahmen hantiert, die sich im Fall Reimer als regelrecht desaströs erwiesen haben. Auch finde ich, dass sich der Staat hier tunlichst heraushalten sollte, zumal das Thema offenkundig sehr einseitig angegangen wird. Junge Männer reklamieren mir gegenüber beispielsweise immer wieder, dass nur sie zum Wehr- und Ersatzdienst eingezogen werden könnten. Wie lässt sich das heute gemäß Gender noch rechtfertigen?
Zu wenig wird im Rahmen des Genderkonzeptes auch auf andere biologische Unterschiede eingegangen, die für viele soziale Unterschiede zwischen Männern und Frauen maßgeblich verantwortlich zu sein scheinen, z. B. die viel größere Intelligenzvarianz bei den Männern.
Der Umgang damit erreicht in der Öffentlichkeit mitunter groteske Züge. Beispielsweise versuchte der SPIEGEL bei dem unlängst durchgeführten Studenten-PISA-Test geradezu verzweifelt zu kaschieren, dass sich unter den nur 26 von ingesamt 600.000 Teilnehmern, die alle Fragen richtig beantwortet hatten, keine einzige Frau befand. Für KennerInnen der Materie war aber genau dieses Ergebnis alles andere als überraschend. Im Gegenteil: Mich persönlich hätte es (z. B. nach der Lektüre von Susan Pinker) überrascht, wenn es anders gewesen wäre.
Die Reinform Ihres Glaubens ist, ich zitiere:
"Und die Gebärfähigkeit ist auch der einzige Unterschied, der zwischen Mann und Frau bleibt. Alles andere ist künstlich aufgesetzt, ist eine Frage der geformten seelischen Identität."
Alice Schwarzer in Der kleine Unterschied und seine großen Folgen.
Die von Ihnen zitierten diversen Stufen des Zurückruderns sind nichts anderes als genau das.
Und die "Niedersächsische Vernetzungsstelle für Gleichberechtigung"? Dreimal kurz gelacht - Sie fragen wohl auch einen Orgonsammelpyramidenverkäufer ob es Orgonstrahlung gibt.
Der Reimer-Fall diskreditiert den Wissenschaftler Money (und vielleicht auch Frau Schwarzer). Daraus lässt sich aber keineswegs der Schluss ziehen, dass die Gender-Begriffsfindung falsch ist.
Auch tauschen Sie beliebig die Begrifflichkeiten, setzen "Gender" mal mit Gender-Mainstreaming, mal mit der Familienpolitik, mal mit dem Feminismus, mal Gleichberechtigung gleich.
Das Gender-Konzept deswegen geht so wenig auf Biologie ein, weil es eben Rollenverhalten und soziale Identität untersucht. Biologische Fakten untersucht – die Biologie.
Zitat: "Wir wissen doch gar nicht, welche Rolle eines Jungen oder Mädchens tatsächlich nur gesellschaftlich geprägt sind und was davon bei vielen eben doch auch einen starken biologischen Hintergrund hat."
Deswegen untersuchen wir es ja auch – denn wir wollen es wissen.
Zitat: "Auch finde ich, dass sich der Staat hier tunlichst heraushalten sollte."
Sagen Sie einerseits, um gleich im Nebensatz zu beklagen, dass nur Jungs zum Bund eingezogen werden – und wer legt das fest? Der Staat? Oder soll er sich da besser raushalten?
Was wollen Sie eigentlich mit dem Verweis auf die Pisa-Studie andeuten?
Ich weiß nicht, warum hier immer Alice Schwarzer und Simone de Beauvoir zitiert werden, wenn es um Gender geht. Glauben Sie etwa, das wären die Grundlagenforscherinnen auf diesem Gebiet? Niemand von uns beruft sich auf diese. Das tun nur Sie. Und zwar so penetrant, dass man von einer Fixierung sprechen könnte.
Wir dagegen sprechen von der allgemein anerkannten Unterscheidung von biologischen und sozial/kulturell geprägtem Geschlecht. Dies hat mich Feminismus an sich erst einmal gar nichts zu tun. Dass dieser sich das Gender-Mainstreaming auf die Fahnen geschrieben hat, steht auf einem anderen Blatt und ist überhaupt nicht Gegenstand der Debatte.
"Deshalb hält er es für wichtig, die Lebensform Beruf+wenige Kinder als möglichst wenig nachteilig gegenüber Beruf+kinderlos zu halten (der Unterhalt der Kinderlosen wäre ein Ansatz, die gute Vereinbarkeit eine notwendige Ergänzung)."
Systeme tendieren immer zu Extremen. Schon heute wird in der Schweiz und in Groß-Britannien von jedem der regelmäßig mit fremden Kindern zu tun hat, ein Befähigungsnachweis verlangt. Ein logisches Extrem des FM-Konzeptes ist, dass auch zur Betreuung eigener Kinder ein Befähigungsnachweis, also die Ausbildung zur FM verlangt wird.
"Bei 5 Kindern ..."
Wer fünf Kinder haben will, wird FM. Ich habe ja kein grundsätzliches Problem mit qualifizierter und bezahlter Betreuung, solange sie nicht Pflicht wird.
"Es gibt auch unverschuldete/unbeabsichtigte Kinderlosigkeit."
Auch unverschuldete Kinderlosigkeit führt dazu, dass man über 20 Jahre ca. 200.000 Euro nicht ausgeben muss und das man sich vollständig seinem Beruf widmen kann.
"Mit Ihrer Maßnahme wäre die Rentenversicherung abgeschafft."
Nein, sie wäre vom Kopf wieder auf die Füße gestellt.
"Kinderlosigkeit sollte nicht zwingend zu Altersarmut führen."
Heute ist es, wie Mersch brilliant analysiert, genau anders herum: Kinder zu haben führt zu Altersarmut und keine Kinder zu haben zur dicken Rente, die die Kinder der Altersarmen erarbeiten müssen.
"Wer z. B. eine Familie mit 4 Kindern hat, braucht Geld, und zwar jetzt."
Wer eine Familie mit Kindern hat, hat auch deswegen ein finanzielles Problem, weil er oder sie im Beruf mit Kinderlosen konkurieren muss, die ihre gesamte Kraft in den Beruf investieren können.
"Die Aussicht, damit später einmal eine dicke Rente zu kassieren, dürfte kaum ausreichen, sich und den Kindern jahrzehntelange Armut zuzumuten."
Stimmt wohl. Aber die Aussicht später mal gar keine Rente zu kassieren, dürfte ausreichen um Kinderlose-aus-Berechnung davon zu überzeugen, das fair zu spielen auf Dauer gesehen (Zwei-Generationenrechnung) mehr einträgt.
"Öffentlich diskutiert wird das aber kaum, da in den Schaltstellen der Medien keine Interessentinnen für Mehrkindfamilien sitzen, sondern mehrheitlich kinderlose/arme Frauen, die an einer Erhöhung ihrer Einkünfte interessiert sind."
Eben jene, die ich Kinderlose-aus-Berechnung nenne.
»"Die Frau ist dem Manne untertan, gehorcht ihm ...«
Ich bin zwar ganz ausdrücklich kein Gleichheitsfeminist aber zwischen den Gleichheitsfeministen und den Ultrareligiösen gibt es eine Grauzone :-)
"Er behauptet, dass man bestimmte Vorschläge und Optionen von vornherein als nicht evolutionsfähig ausschließen kann, weil sie nicht kompetenzerhaltend sind. Dazu zählt für ihn unser aktuelles gesellschaftliches Paradigma: "Frauen und Männer gehen beide arbeiten. Wenn sie Kinder haben, teilen sie sich die Familienarbeit paritätisch.""
So habe ich Mersch ebenfalls verstanden und soweit stimme ich ihm auch zu. Ich behaupte nur:
1. Sein Lösungskonzept kann ebenfalls zu einer Extremform tendieren.
2. Sein Lösungskonzept setzt den Anreiz an der falsche Stelle. Mersch verringert die Nachteile des erwünschten Verhaltens aber es vergrößert die Nachteile des unerwünschten Verhaltens nicht ausreichend. Seine Kinderlosensteurer kann man doch gar nicht so hoch machen, das sich Kinderlosigkeit nicht trotzdem rechnet.
Viele Frauen hätten gerne zwei Kinder (Ergebnis einer hochgradig nicht-repräsentativen Umfrage in meinem sozialen Umfeld). Sie sind auch gerne bereit dafür ca. sechs Jahre beruflich deutlich kürzer treten. Aber sie nicht bereit, dafür einen lebenslangen Preis zu zahlen weil Kinderlose beiderlei Geschlechts und Männer mit Kindern und Vollzeit-Familienmanagerin an Ihnen vorbeigezogen sind und für sie nur die Dödeljobs übrigbleiben.
Um eine evolutionär stabile Strategie zu erhalten, muss also sowohl der unfaire Vorteil der Kinderlosen wie auch der ebenso unfaire Vorteil der Männer in klassischen Einverdiener-Beziehungen ausgeglichen werden.
Denn das die Einverdiener-Beziehungen (aka das Patriarchat :-) das evolutionär erfolgreichste Konzept ist, ist offensichtlich. Aber wollen wir als Gesellschaft wirklich dorthin zurück? Oder wollen wir die unbestreitbaren Vorteile der Frauen-Indivualisierung ohne deswegen als Gesellschaft gleich auszusterben?
"Wir dagegen sprechen von der allgemein anerkannten Unterscheidung von biologischen und sozial/kulturell geprägtem Geschlecht."
Dieses Konzept ist _nicht_ allgemein anerkannt, sondern es ist das Glaubensbekenntnis der Gleichheitsfeministen.
Und es ist, wie heute eigentlich jedes Glaubensbekenntnis, naturwissenschaftlich widerlegt.
Obwohl es keinen Sinn hat, mit Gläubigen zu diskutieren:
1. Ich versuche nicht, aus der nachgewiesenen Ungleichheit der Geschlechter eine Hierarchie der Geschlechter zu konstruieren.
2. Ich versuche, mit der Ungleichheit der Geschlechter konstruktiv umzugehen statt sie zu leugnen.
3. Die nachgewiesene statistische Ungleichheit der Geschlecht ist so groß, dass es offenkundig falsch ist, Männer und Frauen als nicht-unterschiedlich zu behandeln.
3. Die nachgewiesene statistische Ungleichheit der Geschlecht ist so klein, dass in jeder beliebigen Spitzengruppe beide Geschlechter vertreten sind. Eine aufgeklärte Gesellschaft, die diesem Anspruch gerecht werden will, darf also nicht aus dem biologischen Geschlecht verbindliche Rollenzuweisungen ableiten.
„Und es (das Gender-Konzept) ist ... naturwissenschaftlich widerlegt."
Den Beweis sind Sie uns immer noch schuldig geblieben. Statt dessen versteigen Sie sich in feschen Behauptungen wie
„... es ist das Glaubensbekenntnis der Gleichheitsfeministen.“
Mag sein, mag auch nicht sein, das ist nur leider nicht das Thema.
Dass Sie anscheinend nur bis Drei zählen können, zeigen Sie uns dann wunderbar in der sich anschließenden Aufzählung (1-2-3-3) … Was Sie damit sagen wollen, weiß ich allerdings nicht.
„1. Ich versuche nicht, aus der nachgewiesenen Ungleichheit der Geschlechter eine Hierarchie der Geschlechter zu konstruieren.“
Das mag sein: Niemand hat das hier behauptet. Ich versuche das übrigens auch nicht.
„2. Ich versuche, mit der Ungleichheit der Geschlechter konstruktiv umzugehen statt sie zu leugnen.“
Sehr schön, das tue ich auch. Auch ich sage: kein Mensch ist gleich (wie der andere). Aber ich sage auch: jeder Mensch ist gleich berechtigt (hat die gleichen Rechte).
„3. Die nachgewiesene statistische Ungleichheit der Geschlecht ist so groß, dass es offenkundig falsch ist, Männer und Frauen als nicht-unterschiedlich zu behandeln.“
Das verstehe ich leider nicht. „Statistische Ungleichheit der Geschlecht“?
„3. Die nachgewiesene statistische Ungleichheit der Geschlecht ist so klein, dass in jeder beliebigen Spitzengruppe beide Geschlechter vertreten sind. Eine aufgeklärte Gesellschaft, die diesem Anspruch gerecht werden will, darf also nicht aus dem biologischen Geschlecht verbindliche Rollenzuweisungen ableiten.“
Ja was denn nun? Ist sie groß oder klein? In Ihrem letzten Satz gehen wir übrigens völlig konform – das ist nämlich das Gender-Konzept.