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Denkanstöße - Der Philomat und das Spielerische an Philosophie

19. August 2010, 16:22

Im letzten Blogpost hatte ich dafür plädiert, dass Wissenschaft sich nicht nur über trockene Fachtexte, sondern auch über Literatur und Gedichte, Film und Musik, Kunst und Kultur an die Menschen wenden sollte. Das Philosophen-Trio Wolfgang Buschlinger, Bettina Conradi und Hannes Rusch fanden, dass man auch Philosophie spielerisch erfassen sollte - und veröffentlichten den Philomat.

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Braucht Wissenschaft Zuspitzung und Provokation? Ein Dawkins-Kritik-Clip

29. Mai 2010, 18:00

Die Religionswissenschaft ist ein auch menschlich angenehmes Fach - auch wegen der überschaubaren "Szene" und der Kultur gegenseitigen Respektes. Schon weil sich in jedem Seminar Vertreterinnen und Vertreter der unterschiedlichsten Religionen und Weltanschauungen tummeln, ist allen ernsthaft Beteiligten bald klar, dass sie wissenschaftlich gesehen keinen besseren Zugang zu höheren Wahrheiten haben. Die gemeinsame Arbeitsgrundlage ist der methodologische Agnostizismus und was Atheisten, Agnostiker und Theisten verbindet, ist die gemeinsame Neugier. Kooperation statt Konfrontation, sozusagen. Und so rümpfte ich seinerzeit über die massive Religionskritik des Zoologen Richard Dawkins die Nase und fand seine Polemiken, nun ja, unwissenschaftlich.

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Evolution - Gottes Tod oder Gottes Weg?

07. Mai 2010, 01:25

Natürlich hätte ich es wissen müssen. Die Evangelische Akademie Arnoldshain ist bekannt für ihr hohes Niveau gerade auch im Dialog zwischen Naturwissenschaft und Theologie - und einer ihrer Referenten, Pfarrer Dr. Hubert Meisinger, hatte denn auch zu "Liebesgebot und Altruismusforschung" eindrucksvoll promoviert. Als die Einladung zu einem Referat bei der Mai-2010-Tagung "Die Evolution der Religion - Der Biologie hoffnungslos ausgeliefert?" kam, freute ich mich also sehr und ahnte aber auch schon, dass das Thema sicher eine Herausforderung werden würde.

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Die Buchstaben, die Null, das Gewachsene

03. Mai 2010, 19:16

Als Menschen stehen wir alle in einer großen Kette des Lebens. Millionen Generationen von tierischen, erst sehr spät menschlichen Vorfahren haben uns in einer unglaublichen Saga ihre Gene hinterlassen. Und schließlich legten sie, in wachsendem Ausmaß, neben den biologischen auch kulturelle Erbstücke drauf: Darunter Sprachen, Wissenschaften, Mathematik.

 

Freilich halten wir uns - ganz moderne Individuen - gerne selbst für unabhängig und erhaben über das Gewachsene. Wurzeln und Ahnen können ja so peinlich sein. Manche empfinden es als „Kränkung“, von einfachen Tieren abgestammt zu sein. Und andere wollen gerne abstreiten, dass sie die Schrift und die moderne Mathematik wesentlich irrationalen Sehnsüchten und den Leistungen religiöser Gemeinschaften verdanken. Was aber, wenn auch das Vorrationale unser Fundament ist - und bleibt? Ein Beitrag zum Bloggewitter Mathematik - Sprache - Wissenschaft.

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Richard Dawkins - Mein Held der Metapher

29. November 2009, 21:24

Mit seinen gezielt provokanten, populärwissenschaftlichen Büchern verdient(e) er Millionen - und stieß wichtige Debatten und Forschungsansätze an. Und während mancher seiner Jünger noch in seinen früheren Positionen verharren, entwickelt(e) er sich weiter - Richard Dawkins, Zoologe und Held der provokanten Metaphern, von denen ich im Folgenden die wichtigsten vorstellen möchte.

1. Das "egoistische Gen"

Richtig berühmt wurde Richard Dawkins mit seinem berühmten "The Selfish Gene" (Das egoistische Gen) von 1976. Darin vertrat er die Auffassung, dass die (biologische) Evolution ausschließlich aus der Perspektive des genetischen Reproduktionserfolges zu betrachten sei. Auch der Mensch stehe unter der "Tyrannei der Replikatoren". Hier das Cover der Originalausgabe.



Natürlich handelte es sich bei der Aussage des "Gen-Egoismus" um eine Metapher - ein abwägend-planendes Bewusstsein gestand Dawkins den einzelnen Genen nicht zu. Vielmehr ging es ihm darum, Selektionsperspektiven auf Ebenen der Phänotypen, Gruppen oder Arten sowie allzu optimistische Hypothesen zur Entstehung von Kooperation(en) zu attackieren.

Freilich musste er erleben, dass provokante wissenschaftliche Formulierungen nicht nur Andersdenkende erzürnen, sondern auch von Anhängern mißverstanden werden. So distanzierte sich Dawkins schockiert von seinem "Fan" Jeffrey Skillings, der seinen Betrug an unzähligen Anlegern und Mitarbeitern des Enron-Konzerns mit Dawkins Buch und "Gen-Egoismus" rechtfertigte - so "darwinistisch" sei die Welt nun einmal...

Und doch gewann Dawkins gerade durch seine scharfen Formulierungen größere Teile der Öffentlichkeit für den Forschungsbereich und bewirkte schließlich, dass sich Vertreter von Kooperationsmodellen (und später auch reformierter Varianten der Gruppenselektion) um bessere Modelle und Studien bemüh(t)en.

2. Gen und Mem

Im Schlusskapitel seines "Selfish Gene" stellte sich Dawkins zwei Themen, die ihn stark beschäftigten: Zum einen reproduzierten sich ja gerade moderne, gebildete Menschen immer weniger - was seiner These des "gen-egoistisch" determinierten Menschen diametral widersprach. Und zum zweiten existier(t)en zahlreiche Religionen, deren Anhänger allerhand Variationen von Verhalten hervorbrachten.

Zur Erklärung (und Abwehr) dieser Befunde schlug Dawkins die Existenz von "Memen" vor - kulturellen Replikatoren, die sich analog zu Genen replizieren sollten. Sowohl religiöse Lehren wie auch der Geburtenrückgang kulturell überfluteter Moderner konnte er so auf die Meme zurück führen.

Empirisch ist das Konzept bis auf weiteres gescheitert. Seit über 30 Jahren gelang keine klare Definition, aber auch keine einzige Beobachtung, keine Studie und kein Experiment zur Existenz von "Memen". Das spezialisierte Online-Journal of Memetics, das den Forschungsansatz entwickeln wollte, stellte sein Erscheinen schließlich ein (vgl. Schlussausgabe), nachdem auch nach Jahren nur philosophisch-theoretische Artikel eingingen. 

Neben Wissenschaftlern, die Memen immerhin noch metaphorischen Wert in den Wissenschaftsdiskussionen zusprechen, gibt es immer auch noch immer viele Menschen, die in einem weltanschaulichen Sinne an Meme glauben (man beachte die Ironie!). Tatsächlich sprengte Dawkins selbst ganz am Ende seines Buches die logische Schlussfolgerung aus seinem genetischen und memetischen Determinismus und rief die Menschen im Stil gnostischer Prediger auf, sich "aus der Tyrannei der Replikatoren" (Gene & Meme) zu befreien. Er nahm also doch die Existenz eines nicht-determinierten (übernatürlichen?) Willens an, an den sich sogar appelieren ließ! Und so konnte man später nicht nur einer memetischen "Church of Virus" im Internet beitreten, sondern auch bei der Dawkins-Schülerin Susan Blackmore "Zen-Kurse im Memjäten" buchen - die Religionskritik war zur Proto-Religion geworden. Etwas besser Informierte gestehen der "Memetik" heute immerhin zu, es handele sich um eine - Sie ahnen es - interessante Metapher (bio-)kultureller Evolution...

3. Der Gotteswahn

Nach den Anschlägen des 11. September 2001 und den Reaktionen der USA darauf gesellte sich neben die globale Rückkehr der Religionen eine neue Welle der Religionskritik in den kinderarm-säkularen Milieus des Westens. Zielsicher griff Richard Dawkins auch diese Stimmung in seinem neuen Bestseller von 2006 auf - "The God Delusion - Der Gotteswahn" wurde zu einem Flagschiff des sog. "neuen Atheismus".



Wieder versuchte Dawkins Religionen "memetisch" zu erklären und griff insbesondere theistische Glaubensinhalte als gefährlich an. Auch rückte er religiöse Erziehung in die Nähe des Kindesmißbrauches - und wählte dabei interessanterweise besonders kinderreiche Gemeinschaften wie die Amischen (ohne ihren Reproduktionserfolg zu registrieren!?).

Neben dem erwartbaren (und werblich-wirtschaftlich einträglichen) Aufschrei vieler Religiöser führte aber auch die Metapher des "Gotteswahns" durchaus zu neuen, ernsthaften Forschungsanstrengungen. Denn vielen Wissenschaftlern aus den Natur- und Kulturwissenschaften fiel doch auf, dass hier ein Paradox behauptet wurde: Die Evolution eines Merkmales (Religiosität), das doch angeblich vor allem schaden sollte. So trug Dawkins indirekt zur inzwischen dynamischen Evolutionsforschung zu Religiosität und Religionen bei.

4. Vom Atheisten zum Agnostiker

„Der neue Atheismus ist vielleicht nicht tot, aber er riecht schon irgendwie komisch!“ merkte Michael Schmidt-Salomon schon 2008 trocken an. Viele der eifernden Jünger (Jüngerinnen sind sehr selten) der Bewegung haben es noch nicht gemerkt - auch Richard Dawkins aber schon. So räumte er in einem Newsweek-Interview vom September 2009 ein, dass der Glaube in die Evolutionstheorie und Gott nicht unvereinbar seien - was einen Schock unter vielen seiner extremeren Anhänger auslöste. In einem Interview mit dem Stern 2007 (Neuabdruck Stern-Extra 5/2009, gerade im Handel, S. 144 - 146) ging Richard Dawkins noch weiter - und bekannte: "Ich bin Agnostiker." Die Wahrscheinlichkeit von Gottes Existenz liege "unter 50 Prozent", aber die Position "der Atheisten", die sie völlig ausschließen wollten, teile er nicht (mehr!?). An scharfer Religionskritik hält Dawkins durchaus fest - aber darauf angesprochen, dass sein "Gotteswahn" doch Gottes Existenz widerlegen wollte, erklärt er: "Das war mein ursprünglicher Ehrgeiz, vielleicht war ich da ein bißchen zu kühn." Er sieht dennoch Grund zur Freude: "Das Buch läuft hervorragend, von der englischsprachigen Ausgabe wurden im ersten Jahr mehr als eine Million Exemplare verkauft." Angesprochen auf den Widerspruch, dass komplexe Merkmale doch üblicherweise über Erfolg evolvierten, bemerkt er: "Guter Einwand. Religion hilft wahrscheinlich beim Überlebenskampf." Den "Gotteswahn" stellt er nun neben den "Wahn", sich "zu verlieben" und erläutert auch fast poetisch: "Den Versuch der Religion, ein tieferes Verständnis des Lebens zu finden, habe ich immer respektiert. Auch ich reagiere quasi religiös, wenn ich zu den Sternen aufsehe, zur Milchstraße und mir das Universum vorzustellen versuche. Das Gefühl, dass ich dann empfinde, könnte man fast so etwas wie Anbetung nennen."

Mein (ganz persönliches) Fazit

Mancher wird Richard Dawkins vorwerfen, er habe bei seinen provokanten Metaphern nur (erfolgreich) Aufmerksamkeit und Geld angestrebt, ohne sich um die Folgen zu scheren. Dem möchte ich entgegnen, dass es die Aufgabe von Intellektuellen in freiheitlichen Gesellschaften ist, spannende Debatten auszulösen und dabei auch zu provozieren. Und selbstverständlich dürfen und sollen sie dies auch mit Bezug auf Wissenschaft(en) tun, mancher Pop- oder Sportstar verdient weit mehr. Ob sich von Dawkins Metaphern wissenschaftlich etwas halten lässt, wird erst die Zukunft weisen. Aber sicher ist schon jetzt, dass seine Arbeit nicht nur die öffentliche Wahrnehmung von Evolutionsforschung, sondern auch Gedanken, Debatten und Studien innerhalb der Wissenschaften (von der Biologie über die (zunehmend evolutionäre) Religionswissenschaft bis in die Philosophien und Theologien) sehr beflügelt haben. Ich denke, wenn der Pulverdampf einmal verzogen ist, wird Richard Dawkins von den (je wechselnden) Freunden und Kritikern gleicherzumaßen zu Recht zu den großen Schöpfern auf- und anregender Metaphern gezählt werden.  



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Rabbi Sacks - Europa stirbt mangels Religion

08. November 2009, 10:55

In Deutschland soll es immer noch Leute geben, die den Bundesbanker Thilo Sarrazin für einen mutigen Querdenker halten. In Wirklichkeit aber richtete der Sozialdemokrat seine Provokationen bislang stets nur gegen öffentlich ohnehin angegangene Gruppen: Berliner, Beamte, arme Menschen, Muslime. >

Prof. Dr. Jonathan Sacks, Oberrabbiner (Chief Rabbi) der United Hebrew Congregations of the Commonwealth, ist da schon ein anderes Kaliber. In seinen Reden und Büchern verknüpft er jüdisch-orthodoxe Traditionen mit liberaler Philosophie und moderner Wissenschaft, um vorherrschende Überzeugungen der Eliten in Frage zu stellen. So löste seine Hayek-Lecture „Morals and Markets“ von 1998, in dem er die evolutionäre Religionstheorie des Wirtschaftsnobelpreisträgers auslegte und auf dieser Basis vor schrankenloser Marktwirtschaft warnte, unter Ökonomen Betroffenheit und eine intensive Debatte aus und wurde zu einer der erfolgreichsten Reden, die am traditionsreichen Institute of Economic Affairs je gehalten wurde. (vgl. Erwähnung im Hayek-Post vom März 2008) >

Rabbiner Sacks wurde von der englischen Königin 2005 zum Ritter erhoben und am 27.10.2009 als Baron von Aldgate in das House of Lords berufen. Im Jahresvortrag vor „Theos“ am 4.11.2009 griff er u.a. Themen der Säkularisierungs- und Freiheitstheorien, Evolutionsforschung und des durchschnittlich höheren Kinderreichtums religiöser Menschen auf und attestierte ein „Sterben Europas“. Innerhalb weniger Tage löste der Vortrag eine lebhafte Debatte in der englischen Öffentlichkeit aus. Die vorliegende Übersetzung erfolgte aus Eigeninitiative und ohne Haftung. Hier in „Natur des Glaubens“ steht Ihnen außerdem ein (moderierter) Bereich zur Verfügung, um auch deutschsprachige Meinungsäußerungen zu ermöglichen. Ich wünsche Ihnen eine auf- und anregende Lektüre! >

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Neuro-Enhancement: Erfahrungen der Religionen

09. Oktober 2009, 07:12

Mit einem Memorandum zu Chancen und Risiken des Hirndopings hat ein interdisziplinäres Team aus Thorsten Galert, Christoph Bublitz, Isabella Heuser, Reinhard Merkel, Dimitris Repantis, Bettina Schöne-Seifert und Davinia Talbot eine starke Grundlage für eine wertvolle Debatte geleistet. Theologen oder Religionswissenschaftler waren leider nicht dabei - obwohl doch religiöse Traditionen die ersten waren, die bewusstseinsverändernde Mittel (Rausch- und Trancemittel von Peyote bis Weihrauch) in Einsatz brachten und Jahrtausende entsprechender Erfahrungen, Regelungen etc. einzubringen haben. Und als Nebeneffekt zur Hirnforschung zur Religiosität gibt es längst auch Versprechen zum "Spiritualitäts-Doping" wie Persingers Religionshelm. Im Darwinjahr-Buch zur Evolutionsforschung der Religiosität hatten der Biologe Rüdiger Vaas und ich daher bewusst "Gott, Gene und Gehirn" als Titel gewählt und auch eigene Kapitel diesem Bereich (beispielsweise dem berühmten Karfreitags-Experiment von 1962 und einer neuen Studie) gewidmet. Wohin wird sie gehen, die Reise?

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Nichts in der Biologie macht Sinn außer im Licht der Evolution!

08. Juli 2009, 07:29

Sehr viele Menschen haben dieses starke Zitat sicher schon einmal gehört. Einige wissen auch, dass es von Theodosius Dobzhansky (1900 - 1975) stammt, einem der bedeutendsten Evolutionsbiologen des 20. Jahrhunderts, der gemeinsam mit Ernst Mayr Genetik und klassische Evolutionstheorie zu einer neuen Synthese verband. Nur sehr wenige Menschen wissen aber auch, dass dieses Zitat auch der Titel eines Essays Dobzhanskys an Biologielehrer darstellt, in dem er betont, dass Evolution und Gottesglauben vereinbar seien - und seinen christlichen Glauben bekennt. (weiter)

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Der seltsame Spott der "neuen Atheisten"

30. Mai 2009, 16:13

Pünktlich zu Pfingsten wird er also starten, der Bus mit der Aufschrift: "Es gibt (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) keinen Gott", der dann durch Deutschland touren will. An sich eine feine Sache: Schließlich wird öffentlich ja auch für andere weltanschauliche oder religiöse Aussagen geworben. Und Diskussionen über grundlegende Fragen können Deutschland wirklich nicht schaden! Hier ist allerdings ist zu fragen: Was hat das mit Wissenschaft zu tun?

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Reduziert Evolutionsforschung Religion?

03. Mai 2009, 00:55

Immer wieder treffe ich auf die Angst, wissenschaftliche Forschung werde das Phänomen der Religiosität und Religionen auf naturwissenschaftliche Prozesse reduzieren und damit in gewisser Weise "entzaubern". Sowohl erkenntnistheoretisch wie persönlich kann ich diese Befürchtung nicht nachvollziehen. Verschwindet die Liebe, wenn wir mehr über die überaus komplexe Biologie der Liebe erfahren - oder steigert das Wissen unser Staunen und Erleben nicht eher? Endet die Wirkung der Musik, wenn wir die Evolutionsgeschichte der Musikalität entschlüsseln - oder fügt dies unserem Hören und Tun nicht eher weitere Dimensionen der Erfahrung hinzu? Auch unsere Augen sind doch eindeutig Produkte der Evolution - würden wir daraus schließen, dass wir nicht mehr sehen? Und religionsphilosophisch gefragt: Wenn Gott sich der von Ihm erschaffenen Welt offenbaren wollte, warum sollte Er dies dann nicht (auch) auf Basis der doch von ihm ausgehenden Naturgesetze tun? Ich kann wirklich nicht erkennen, wie Evolutionsforschung reflektierte Theologien bedrohen sollte...

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