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Der seltsame Spott der "neuen Atheisten"

von Michael Blume, 30. Mai 2009, 16:13

Pünktlich zu Pfingsten wird er also starten, der Bus mit der Aufschrift: "Es gibt (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) keinen Gott", der dann durch Deutschland touren will. An sich eine feine Sache: Schließlich wird öffentlich ja auch für andere weltanschauliche oder religiöse Aussagen geworben. Und Diskussionen über grundlegende Fragen können Deutschland wirklich nicht schaden! Hier ist allerdings ist zu fragen: Was hat das mit Wissenschaft zu tun?

Zunächst wirft die Buskampagne gerade aus evolutionärer Sicht die durchaus gute Frage auf, warum eigentlich so viele Menschen weltweit an Gottheiten bzw. den Gott Abrahams glauben. Wenn dies nur geschadet hätte, hätte dieser Glauben doch längst aussterben müssen. Darüber kann man wild spekulieren oder polemisieren - oder eben forschen, wie es immer mehr Wissenschaftler im Bereich der Evolutionsforschung zu Religiosität und Religionen tun. Um einen biologisch zentralen Befund zu benennen: Auch heute pflanzen sich Glaubende z.B. weltweit durchschnittlich erfolgreicher fort als ihre säkularen Nachbarn auch gleicher Einkommens- und Bildungsschicht. Dass Glauben wahr ist, kann Wissenschaft weder beweisen noch widerlegen (wie ja auch der Bustext einräumt) - dass Glauben aber biologisch erfolgreich ist, wird derzeit weltweit entdeckt und erforscht.

Wer verspottet hier eigentlich wen?

Sehr schön wird der Widerspruch zwischen vermeintlich wissenschaftlich fundierter Religionskritik und seriöser Evolutionsforschung auch am Filmplakat von "Religulous" deutlich, der gezielt religiöse Menschen der Lächerlichkeit preisgeben sollte.

Sieht nach einem evolutionären Argument aus? Im Gegenteil! Überlegen Sie selbst, wie sich aufgeklärte Wissenschaftler verhalten sollten, wenn sie tatsächlich komplexes, z.B. rituelles Verhalten bei Schimpansen beobachten würden. Sollten sie diese auslachen? Solange verprügeln, bis diese ihr religiöses Verhalten einstellen? Aber nein: Sie sollten das Verhalten respektvoll erkunden und erforschen, nach seiner Funktionalität und Naturgeschichte fragen.

Wer also Verhalten verhöhnt, das er nicht versteht, handelt geradezu konträr zum Anspruch von Wissenschaftlichkeit. Das Verhalten von Schimpansen ist respektvolle Erforschung wert - das Verhalten von Homo Sapiens doch mindestens ebenso!

Also, liebe Buskampagner, viel Spass auf der Tour! Aber tut uns bitte einen Gefallen: Tut nicht so, als basiere Eure Weltanschauung auf seriöser Evolutionsforschung. Denn ob Religiosität wahr oder unwahr ist, bleibt Glaubensfrage - aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ist Religion natürlich und seit Jahrzehntausenden biologisch erfolgreich.

Ein interessantes Zitat aus den Debatten innerhalb der Bewegung fand Blogleserin Mona: „Der neue Atheismus ist vielleicht nicht tot, aber er riecht schon irgendwie komisch!“ - Michael Schmidt-Salomon, Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung, Fundstelle hier.





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Natur des Glaubens: Biokulturelle Evolution

Kommentare

  1. Massalia Gott ist eine Empfindung
    22.06.2009 | 11:39

    @ Günter Buchholz @ Karl Bednarik

    “Gott ist eine Idee“ (Günter Buchholz)
    Als angeborene Gehirnstrukturen könnte es aber Gott, Engel und Teufel schon geben, vielleicht, weil sie evolutionär nützlich waren. (Karl Bednarik)

    Diese Vorstellung von angeborenen Gehirnstrukturen finde ich interessant und auch vertretbar, wobei ich dann die Religiosität nicht als Idee wie Herr Buchholz, sondern als Empfindung ansehen würde. Gott ist eine Empfindung, man empfindet Gott oder man empfindet ihn nicht. Und ich meine, das Empfinden Gottes könnte bei Menschen in der Tat angeboren und biologisch verankert sein. Darauf bin ich durch eine seltsame Beobachtung der Verhaltensforscherin Jane Goodall gekommen, worüber ich in der Seite Angehörige meiner Homepage berichtet habe:

    „Sie hat über ein ergreifendes und seltsames Erlebnis bei freilebenden Schimpansen berichtet, das sie besonders beeindruckt hat: Ein erwachsenes Männchen ging allein und gezielt - aber ohne ersichtlicher Grund - zu einer Stelle im Tropenwald, ein Wasserfall, die ein grandioses und beeindruckendes Naturschauspiel war. Sein ungewöhnliches Verhalten dort, seine ersichtlichen inneren Rührungen haben die Forscherin sehr nachdenklich gemacht: Hat er Demut empfunden? Hat er gebeten?“

    Die Vorstellung von Gott als Empfindung könnte auch durch die ersten Zeugnisse der Religiosität bei Frühmenschen beleg werden, zu einer Zeit wo man noch nicht von festen gesellschaftlichen und kulturellen Strukturen noch sprechen kann, zum Beispiel bei Beerdigungsritualen.

    Wenn Gott eine Empfindung ist, und keine Idee, sind solche Verspottungskampagnen von militantischen Atheisten nicht nur ein Zeichen vom schlechten Geschmack, sondern ganz zu verpönen: Man soll und kann keine Empfindung verspotten und man sollte auch gegen biologisch verankerte Strukturen nicht kämpfen, das ist absurd, oder?

    Viele Grüße
    Jocelyne Lopez

  2. Michael Blume @ Massalia
    23.06.2009 | 08:27

    Vielen Dank für den interessanten Beitrag, dem ich sehr weitgehend zustimmen möchte!

    Wenn wir uns auch einig darüber sind, dass Gott mindestens auch erfahren (nicht nur axiomatisch "geglaubt") wird, so halte ich den religiös-weltanschaulichen Streit über die Interpretation dieser Erfahrung doch für legitim. Christen, Muslime, Juden etc. können dafür werben, diese Erfahrungen als Grundlage einer religiösen Weltanschauung anzunehmen, Atheisten dies ablehnen und für einen (weiteren) Zufall einer letztlich sinn-losen Natur halten.

    Ich denke auch, dass selbstbewusste Religionsgemeinschaften vor diesem Wettbewerb keine Angst haben müssen, schon rein demografisch nicht. In keiner freien Gesellschaft ist Religiosität je ausgestorben, im Gegenteil: Auch nach Phasen der Säkularisierung wuchsen verbindliche Religionsgemeinschaften immer wieder nach. Der Atheisten-Bus, der (leider) erstaunlich wenig Resonanz gefunden hat, wird daran nichts ändern, kann aber vielleicht Nachdenken anregen.

    PS: Mit hohem Interesse habe ich Ihren Einsatz für Tierrechte wahrgenommen. Vielen Dank dafür!

  3. Massalia Religiosität als natürliche Eigenschaft
    23.06.2009 | 09:11

    Hallo Herr Blume,

    Sie schreiben:

    „In keiner freien Gesellschaft ist Religiosität je ausgestorben, im Gegenteil: Auch nach Phasen der Säkularisierung wuchsen verbindliche Religionsgemeinschaften immer wieder nach.“

    Ich möchte an diese Feststellungen anknüpfen und Ihnen meine persönlichen Überlegungen darüber darstellen:

    Wenn man annimmt, dass die Religiosität bei Menschen angeboren und biologisch verankert ist, was schon in der Frühgeschichte unserer Spezies viel dafür spricht, dann müsste man zwangsläufig nach dem Prinzip der Evolution Darwins schließen, dass Gott existiert, oder nicht?

    Es ist in der Tat so, dass man keine einzige Menschengemeinschaft finden kann, so früh man auch in die Vergangenheit zurückgeht, wo keine Zeugnisse von Religiosität zu finden sind. Das ist wissenschaftlich belegbar.

    Wenn man aber eine Funktion bei einer Spezies feststellt, lässt es zwangsläufig auf einen Bedarf schließen: Ohne Bedarf keine Funktion (Hier: Ohne Bedarf nach Gott, keine Religiosität).

    Der Bedarf wiederum lässt nach der Existenz des Objekts einer Bedarfsbefriedigung schließen: Wenn man z.B. bei Fossilentieren entdecken würde, dass sie die Funktion entwickelt haben, Pflanzen zu verdauen, dann müsste man zwangsläufig auf die Existenz von Pflanzen schließen, auch wenn man die Spuren dieser Pflanzen nie entdeckt. Ohne die Pflanzen hätten diese Tiere die Funktion nie entwickeln können, Pflanzen zu verdauen. Auch wenn man die Existenz der Pflanzen nicht mehr direkt beweisen kann, beweist die Existenz der Funktion, dass sie existiert haben.
    Ich habe lange gebraucht, um einen Satz von Konrad Lorenz in einem seiner Bücher (ich weiß nicht mehr welches) zu verstehen, sinngemäß: "Ein Tier jagt nicht um zu fressen, es frisst um zu jagen". Die Funktion ist maßgebend für das Verhalten.

    Was halten Sie von meinem „Gottesbeweis“? :-)

    Viele Grüße
    Jocelyne Lopez

  4. Michael Blume @ Massalia: Evolutionärer Theismus
    23.06.2009 | 13:27

    Liebe JL, herzlichen Dank für Ihre Gedanken und Ihr kleines "Glaubensbekenntnis". Ich nehme mit großem Interesse zur Kenntnis, dass sowohl atheistische wie religiöse Menschen die Befunde der Evolutionsforschung in die eigenen Vorannahmen integrieren: Für @itz belegen die Ergebnisse z.B., dass Gott nur eine (ggf. nützliche) Illusion sei, Sie sehen umgekehrt einen "Gottesbeweis" darin.

    Meine eigene Position liegt wohl in der Mitte: Wie Sie richtig schreiben, bewähren sich Organismen in der Evolution nicht an Illusionen, sondern an Realitäten - "nur Illusion" ist also gerade aus Sicht der Evolutionsforschung keine überzeugende Annahme. Umgekehrt könnte aber auch die Selbstorganisation des Wissens in ein geglaubtes, personales Gegenüber ein rein natürlicher, nicht-transzendenter Prozess innerhalb eines kosmischen Zufalls sein. Zumal jede wissenschaftliche Hypothese nur bis zu ihrer Widerlegung oder Überbietung gilt, halte ich daher naturwissenschaftliche Gottesbeweise für nicht möglich: Es bleiben Bereiche des (Nicht-)Glaubens.

    Unaufhebbare Widersprüche zwischen Glauben und Evolutionsforschung sehe ich auch nicht, der "evolutionäre Theismus" (der Thema meines nächsten Beitrages sein wird) erlebt derzeit sogar einen starken Aufschwung. Aber ich glaube, den besten Beitrag, den ich im Hinblick auf die Diskussionen zwischen Atheisten, Agnostikern und Gläubigen zu leisten vermag, dürfte wohl einfach weitere Forschung zur Evolution der Religiosität und Religionen sein. Denn umso mehr wir entdecken, umso mehr erkennen wir auch, wieviel wir (noch) nicht wissen. Und damit kann und mag ich mich nicht zufrieden geben. :-)

  5. Massalia Evolution erklärt nicht Entstehung
    23.06.2009 | 14:24

    Hallo Herr Blume,

    Sie schreiben:

    Liebe JL, herzlichen Dank für Ihre Gedanken und Ihr kleines "Glaubensbekenntnis". Ich nehme mit großem Interesse zur Kenntnis, dass sowohl atheistische wie religiöse Menschen die Befunde der Evolutionsforschung in die eigenen Vorannahmen integrieren

    Erst einmal sollte ich vielleicht sagen, dass ich seitdem ich Jugendliche wurde Atheistin bin, obwohl ich von katholischen Nonnen streng religiös erzogen wurde. Diese Erziehung habe ich jedoch nicht in schlechter Erinnerung: Vor allem die Zentrallehre Jesus der Nächstenliebe hatte mich damals sehr beeindruckt, ich bewundere sie heute noch, ich halte sie heute noch für die höchste Denkebene der Menschen und strebe heute noch daran.

    Ich habe mich auch oft gefragt, was unsere Spezies „Mensch“ am besten definiert und charakterisiert. Ich bin zu der Überlegung gekommen, dass eine bestimmte Eigenschaft bei den Menschen sich so stark ausgeprägt und entwickelt hat, dass sie durchaus als spezifische Eigenschaft der Menschen fungieren kann, so dass wir ihr sogar in vielen Sprachen unseren eigenen Namen gegeben haben: Die Menschlichkeit.

    Die Menschlichkeit halte ich für die Fähigkeit mitzuleiden und für das Bestreben Fremleiden zu beseitigen oder zu lindern. Nur Menschen können es, Tiere können leiden, jedoch kaum mitleiden: Auch das Brut- und Pflegeverhalten der Tiere kann man kaum als Fähigkeit zum Mitleiden ansehen.

    Diese Fähigkeit war nämlich nachweisbar schon am Anfang der Menschheit vorhanden. Ich kann mir gut vorstellen, dass die ersten "Wissenschaftler" Ärzte und Priester waren (wohl in einer Person), also diejenige, die am Besten heilen, beruhigen, Leiden lindern und trösten konnten. Ich kann mir auch sehr gut vorstellen, dass man schon vielleicht vor ein paar Millionen Jahren eine Horde von Menschen von einer Horde anderer Primaten an diesem einzigartigen Verhalten leicht unterscheiden konnte: Haben sie versucht zu heilen und zu trösten, dann waren sie Menschen.

    Und wenn man die Ethik definiert als das Bedürfnis und das Streben, Schwache und Leidenden zu schützen und zu helfen, wird deutlicher, dass die Menschen allein die Fähigkeit besitzen, ethisch zu denken. Und ich glaube, dass dieses ethische Denken den Schlüssel für den Erfolg unserer Spezies darstellt: vielleicht hat es uns eben besonders erfinderisch gemacht...

    Ob diese Fähigkeit per Zufall entstanden ist, genauso wie alles was existiert, werden wir in der Tat nicht klären können. Die Wissenschaft kann es auch nicht. Darwin hat zwar eine Erklärung für die Entwicklung des Lebens geliefert, jedoch nicht für seine Entstehung.

    Viele Grüße
    Jocelyne Lopez

  6. Michael Blume @ Massalia
    23.06.2009 | 14:55

    Danke, das ist sehr interessant. Und, ja, Wissenschaft (auch Evolutionsforschung) tut immer gut daran, die Grenzen der eigenen Erkenntnis auszuloten und anzuerkennen.

    Bezgl. Atheismus, Theismus & Evolution: Ich glaube fast, die Hauptperson des nächsten Beitrages bzw. sein Buch könnten Sie interessieren... Mehr will ich aber noch nicht verraten! :-)

    Danke, dass Sie mit diskutieren, ich hoffe "Natur des Glaubens" macht Ihnen Freude!

  7. Basty Castellio Gott – Empfindung, Idee? Noch mehr!
    25.06.2009 | 19:02

    Ich würde dazu sagen: Gott ist *auch* eine Empfindung, *auch* eine Idee. Aber es könnte eine Engführung bedeuten, wenn man es jeweils nur auf eines beschränkt.
    Deshalb setze ich dazu: Gott ist auch Urteil über Moral und Ästhetik (Werturteil), Bindekraft einer Gruppe, (u.U. sehr rationale) Lebenseinsicht und Projektionsbild von Hoffnungen (oder Ängsten), vielleicht *auch* eine (gegebenenfalls nützliche) Illusion (Blume zu itz)... Also, Gott: ein *Konglomerat* von Vorstellungen, Einstellungen, Verhaltensweisen.... Das „Klima“, das Menschen durch ihre Interaktion um sich herum erzeugen. Poetischer gesagt: Er ist die Grundmelodie, auf die ich – mit anderen zusammen – mein Leben singe und damit das Leben zu gestalten, zu bewältigen versuche.
    Dabei wird Gott personhaft gedacht, rituell gefeiert und angesprochen. Und zwar aus anthropologisch plausiblen Gründen: Der Mensch als mögliche Beute aller möglichen Gefahren/Raubtiere beobachtet, wer ihn beobachtet. Er wird als vergleichsweise extremer Nesthocker früh schon und sehr intensiv geprägt von den Augen Erwachsener, die ihn ins Leben begleiten; und er internalisiert die Einflüsse der Erwachsenen als Gewissen. Schließlich denkt er immer mehr darüber nach, was andere über ihn denken, ob er wiederum etwas über sie denke... Das ist doch die Sache mit den Spiegelneuronen. Uraltes Gottessymbol: Das Auge. Auch dies poetischer gesagt: Die Wände der Welt, in der er lebt, tapeziert er mit Augen aus, die auf ihn schauen.
    In vielen verschiedenen Religionen läuft es (in sehr unterschiedlichem Mischungsverhältnis und durchaus mit Rissen und Sprüngen! ) darauf hinaus, was ich frei nach Drewermann zitiere: Gott als Chiffre dafür, dass der Mensch angesichts einer eigentlich nicht sehr menschengerechten Welt dennoch Menschlichkeit bewahre und bewähre.
    Mir immer wieder eindrücklich, was ich mal vom Hitler-Attentäter Georg Elser las: Scheußlich gefoltert, dann angeschrieen vom Richter im Prozess: was er sich dabei eigentlich gedacht habe. Da habe er schlicht geantwortet: „Ich dachte an die Menschen“. Er hat „Gott“ nicht direkt genannt; aber da drin ist mehr Gottesbekenntnis als in tausend Katechismus-Sätzen. (Er hat sie gekannt; er war in der evangelischen Jugend engagiert gewesen. Wie eindrücklicherweise auch Gerstein.)
    Dies Bekenntnis ist nicht nur Empfindung (eines spirituell Tiefsinnigen); und es ist nicht nur Idee (eines Gelehrten). Da scheint die Kraft, die Lebenswahrheit durch, die ihn umtrieb, in der er geborgen war und der er treu geblieben ist.
    Na ja, mit diesem Einwurf betrieb ich jetzt nicht Religions-Wissenschaft; sondern „entwendete“ religionswissenschaftliche Begriffe für eine eigentlich theologische Argumentation. Ist ja eine uralte Tradition, dass Theologen ihr Weltbild formulieren unter Benützung von Wissens-Einsichten, die auf ganz andere Weise entstanden sind. Könnte man an der Schöpfungserzählung aus der Bibel exemplifizieren. Gelegentlich möchten sie dabei aber auch up to date sein ;-)

    Basty

  8. Theo Atheismus ist auch erfolgreich
    06.07.2009 | 11:05

    Aus den Psalmen 14 und 53 wird deutlich, dass es den Atheismus immer schon gab. Man könnte also sagen, dass er ebenso erfolgreich ist. Ob er evolutionär (demographisch) erfolgreich ist, darüber kann man streiten. Allerdings ist eine eingebaute Geburtenkontrolle in der Evolution möglicherweise ebenfalls von Vorteil. -- Evtl. ist die Heftigkeit der Debatte (bes. in den USA) ein Zeichen dafür, dass es evolutionär um Leben und Tod geht...

  9. Theo Schöpfungsglaube und Liebe zur Wahrheit
    06.07.2009 | 11:09

    Dawkins Liebe zur Wahrheit (truth) stammt möglicherweise von der Annahme ab, dass es da draußen eine Realität gibt, die unabhängig vom Bewusstsein besteht. Diese "World out there" wird möglicherweise erst durch die Vorstellung einer geschaffenen oder zumindestens verursachten Welt erst in den Blickpunkt gerückt. Im Vergleich dazu erscheint in östlichen Sichtweisen, eher das Bewusstsein - fast solipsistisch - im Mittelpunkt zu stehen.

  10. Theo Schöpfungslehre führ zu Wissenschaft
    06.07.2009 | 11:37

    Zur Verdeutlichung: Ich wollte in meinem letzten Beitrag auch darauf hinweisen, dass die Schöpfungslehre wohl erst (u. a.) die Basis für die westliche Wissenschaft gelegt haben mag.

  11. Andreas Debus kein Betreff
    06.08.2009 | 00:04

    Hier werden Thesen in Frage gestellt die nie einer der Buskampange Initiatoren behauptet hat. Eine typische Methode der Desinformation.

    1. Niemand stellt in Frage das religiöse Menschen evolutionär erfolgreich sein können.

    2. Bill Maher bezieht sich mit seinem Plakat speziell auf amerikanische Gläubige. Diese hören und sehen ungern die Beweise für Evolution und die historischen Ungreimtheiten und Wiedersprüche der Religionen.
    Zum Beispiel ist es nachgewiesen das das jüdisch gläubige Volksgruppe nie in Ägypten waren und damit auch kein Exodus stattgefunden haben kann. Allein die Tatsache das es viele Religionen gibt, sollte einen schon nachdenken lassen. Und Reden tun sie über Widersprüche schon gar nicht gerne, die Gläubigen.
    Im Plakat geht es also gar nicht um Evolution!

    3. Die Buskampagne will darüber aufklären das es keine Beweise für die Existenz übernatürlicher Kräfte und Wesen gibt. Warum sich also mit diesen beschäftigen? Natürlich weil
    sie tradiert werden und man aus der Gemeinschaft herausfällt wenn man nicht "Ja" und "Amen" sagt. Konformität ist also der Hauptgrund für den Erfolg. Denn wer sich dem Gruppendruck entzieht verschlechtert seine Fitness. Und dann sind wir eben doch wieder bei Darwin.

    Ich glaube die Religösen haben es einfach nicht gerne in ihrer Begeisterung für unbewiesene Götter gestört und kritisiert zu werden. Sie sind es so gewöhnt, das man sie für geistig voll nimmt, das ihnen ihr offensichtliche Leichtgläubigkeit übel aufstößt.
    Wer hört schon gerne Wahrheiten?

  12. Michael Blume @ Andreas Debus
    06.08.2009 | 11:14

    Lieber Herr Debus,

    danke für Ihren interessanten Beitrag, auf den ich gerne eingehe.

    Hier werden Thesen in Frage gestellt die nie einer der Buskampange Initiatoren behauptet hat. Eine typische Methode der Desinformation.

    Es mag ja sein, dass sich einige Initiatoren der Buskampagne als so eine Art Vatikan des neuen Atheismus verstehen. Im obigen Beitrag aber wird mit der Buskampagne, dem Maher-Film und weiteren Äußerungen von sog. "neuen Atheisten" das kulturelle und weltanschauliche Spektrum dargestellt, das ich sehr interessant finde.

    1. Niemand stellt in Frage das religiöse Menschen evolutionär erfolgreich sein können.

    Das ist leider falsch. Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass Fachleute oder auch differenziert argumentierende neue Atheisten wie Michael Schmidt-Salomon mit den Befunden der Evolutionsforschung umgehen können, viele andere der "Bewegung" aber nicht. Wenn Sie sich selber von der Wissenschaftlichkeit, Rationalität und Toleranz einiger Vertreter ein Bild machen wollen, empfehle ich Ihnen einen Blick auf die Kommentare hier:
    http://www.youtube.com/watch?v=Lsdx1cRSR8s

    Interessant ist auch, dass "Germanskeptic" dort meine und auch andere Beiträge gelöscht hat, die es wagten, zu widersprechen...

    2. Bill Maher bezieht sich mit seinem Plakat speziell auf amerikanische Gläubige. Diese hören und sehen ungern die Beweise für Evolution und die historischen Ungreimtheiten und Wiedersprüche der Religionen.

    Das Plakat greift ein Motiv des japanischen Buddhismus auf (wobei das die Macher womöglich gar nicht gewusst haben, klar). Und dass mythologische und wissenschaftliche Narrative zwei Paar Stiefel sind - klar. Das gleiche gilt aber übrigens auch für viele Aussagen der Literatur, Poesie etc. - darf nur noch gesagt werden, was sich wissenschaftlich beweisen lässt? Und: Wenn doch Religiosität und Religionen selbst Produkte der Evolution sind, wie kann dann ein "Widerspruch" bestehen?

    Zum Beispiel ist es nachgewiesen das das jüdisch gläubige Volksgruppe nie in Ägypten waren und damit auch kein Exodus stattgefunden haben kann.

    Interessant. Könnten Sie uns den Nachweis nennen? M.E. gehört gerade die Formationsgeschichte des Judentums zu den sehr spannenden und kontroversen Forschungsgegenständen der historischen und archäologischen Wissenschaften. Und keiner der ernsthaften Kolleginnen und Kollegen behauptet hier schon abschließendes Wissen.

    Allein die Tatsache das es viele Religionen gibt, sollte einen schon nachdenken lassen.

    Ja, absolut! Das spricht doch klar für evolutionäre Prozesse, nicht wahr!?

    Und Reden tun sie über Widersprüche schon gar nicht gerne, die Gläubigen.

    Ja, ebensowenig wie atheistische Ideologen. Viele scheinen z.B. zu glauben, dass die Evolution irgendwie auf Rationalismus hinaus laufen würde. Und reagieren ungehalten, wenn man darauf hinweist, dass es dafür keine Belege gibt.

    Im Plakat geht es also gar nicht um Evolution!

    Sie haben doch oben selber geschrieben, dass Maher Kreationisten lächerlich machen und auf "Widersprüche" zwischen Evolution und Religion hinweisen wollte?

    3. Die Buskampagne will darüber aufklären das es keine Beweise für die Existenz übernatürlicher Kräfte und Wesen gibt. Warum sich also mit diesen beschäftigen?

    Weil wirklich wissenschaftliche Menschen gerade die Phänomene erforschen sollten, die sie NICHT verstehen! Ich käme nie auf den Gedanken, Ihnen oder sonstwem zu empfehlen, religiös zu sein - das ist Ihre Sache. Aber sich auf Wissenschaft zu berufen, um unverstandene Phänomene zu verhöhnen, ist ein Mißbrauch von Wissenschaft.

    Natürlich weil sie tradiert werden und man aus der Gemeinschaft herausfällt wenn man nicht "Ja" und "Amen" sagt. Konformität ist also der Hauptgrund für den Erfolg. Denn wer sich dem Gruppendruck entzieht verschlechtert seine Fitness. Und dann sind wir eben doch wieder bei Darwin.

    Eine interessante Hypothese! Aber auch säkulare Bewegungen (z.B. Parteien, Staaten) übten oder üben Gruppendruck aus, ohne je auch nur in die Nähe religiöser Reproduktionsraten zu kommen. Warum z.B. zerbröseln die säkularen Kibbutzim in Israel wirtschaftlich und demographisch, wogegen die religiösen wachsen? Warum steigt gerade in Israel der Anteil der Orthodoxen so schnell? Warum gibt es keine atheistischen (kinderreichen) Amischen oder Hutterer? Würden Sie all das nicht gerne wissenschaftlich verstehen wollen, bevor Sie es beurteilen?

    Ich glaube die Religösen haben es einfach nicht gerne in ihrer Begeisterung für unbewiesene Götter gestört und kritisiert zu werden. Sie sind es so gewöhnt, das man sie für geistig voll nimmt, das ihnen ihr offensichtliche Leichtgläubigkeit übel aufstößt.

    Das glaube ich auch. Niemand stellt gerne seine Weltanschauung in Frage. Auch nicht z.B. Sozialisten, "Brights" oder "neue Atheisten", die oft sehr verkürzte Auslegungen von "Wissenschaft" in ihre Weltanschauungen einbauen.

    Wer hört schon gerne Wahrheiten?

    Stimmt auch! Ich erlebe z.B. immer wieder, dass atheistische Leute geradezu empört sind, wenn sie die wissenschaftlichen Befunde zur Kenntnis nehmen, wonach weltweit nicht die Religiösen aussterben...

    Ich würde mir da mehr Offenheit für die Evolutionsforschung wünschen, zumal in der Wissenschaft Atheisten, Agnostiker und Theisten verschiedenster Art längst gut zusammen arbeiten!

    Herzliche Grüße!

  13. türka lol
    28.10.2009 | 08:08

    also ich find den artikel und des bild ja lol...!!! was ach ned warum....!!!

  14. Michael Blume @ türka
    28.10.2009 | 19:20

    Vielen Dank für den munteren Kommentar! Es ist für einen schwäbischen Wissenschaftler schon ein besonderes (und seltenes) Highlight, Leser zum Schmunzeln oder gar Lachen angestiftet zu haben! Wenn sich mal wieder so ein "cooles" Plakat findet, mache ich gerne wieder etwas dazu! :-)

    Beste Grüße, liebe @türka!

  15. lorenz kein Betreff
    12.12.2009 | 12:03

    Das ist ein Missverständnis: Das Plakat mit den 3 Affen zielt nicht auf das Evolutions-Thema sondern auf die bekannte, ursprgl. wohl chninesische Figurengruppe "Nichts Hören, nichts Sehen, nichts Sagen".

  16. Michael Blume @ lorenz: Noch besser!
    13.12.2009 | 11:00

    Lieber @lorenz,

    ja, es ist sogar noch etwas besser. Die drei Affen werden in westlichen Kontexten zwar gerne als Spottbilder verwendet, entstammen jedoch eigentlich dem japanischen Shintoismus bzw. Buddhismus, in dem sie als Freunde und Beschützer der Menschen gegenüber den Göttern verstanden werden!

    Mit der westlichen Herablassung gegenüber Primaten erklärt sich übrigens auch, dass die wegweisenden Befunde zur Kulturfähigkeit von Affen v.a. von japanischen Primatologen wie Imanishi gemacht und von westlichen Wissenschaftlern lange empört abgelehnt wurden. Frans de Waal hat ein wunderbares Buch darüber geschrieben. Zu Plakatmotiv und Gesamtthema mehr gerne auch hier:
    http://www.chronologs.de/...iokulturelle-evolution

    Herzlichen Dank für Ihren Kommentar, viele Grüße!

  17. Dierk Skepsis sich selbst gegenüber
    25.05.2010 | 10:43

    @Ulrich

    die bemerkung "mit an sicherheit grenzender wahrscheinlichkeit" lässt darauf schließen, dass sie sich da nicht ganz sicher sind (-> agnostiker!?)

    Wie man es nennt, ist im Grunde egal, auch wenn es geistesgeschichtlich durchaus Unterschiede zwischen Atheisten und Agnostikern gibt. Der Witz an jenem Einschub: Er bezeichnet den Unterschied zwischen Glauben [faith] und Überzeugung [belief].

    Für den Gläubigen gibt es keinerlei Frage, ob er Recht hat; es gibt für ihn auch gar keine Möglichkeit seinen Glauben einer kritischen Untersuchung zu unterziehen [außer im Zirkelschluss, wie beim ontologischen Gottesbeweis]. Der Wissenschaftler wird niemals davon ausgehen, dass seine Untersuchungsergebnisse der Weisheit letzter Schluss sind, er wird immer skeptisch bleiben; 'bis zum Beweis des Gegenteil' oder 'bis neue Methoden/Daten etwas anderes nahe legen'. Atheisten beziehen sich doch meist auf die wissenschaftliche Methode, können daher nicht vollkommen ausschließen, dass es ein oder mehrere nicht den bekannten Naturgesetzen unterliegendes Phänomen gibt, dass sich als personifizierte Wesenheit manifestiert - und massiv Einfluss auf die Gesamtheit der Existenz nimmt.

    Bei dem, was der abrahamische Gott laut Bibel so geleistet hat, sollte es ihm keine Schwierigkeiten bereiten, uns Menschlein total zu verarschen. => Wir können nicht hundertprozentig sicher sein, dass es sie nicht gibt.

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