Richard Dawkins - Mein Held der Metapher
Mit seinen gezielt provokanten, populärwissenschaftlichen Büchern verdient(e) er Millionen - und stieß wichtige Debatten und Forschungsansätze an. Und während mancher seiner Jünger noch in seinen früheren Positionen verharren, entwickelt(e) er sich weiter - Richard Dawkins, Zoologe und Held der provokanten Metaphern, von denen ich im Folgenden die wichtigsten vorstellen möchte.
1. Das "egoistische Gen"
Richtig berühmt wurde Richard Dawkins mit seinem berühmten "The Selfish Gene" (Das egoistische Gen) von 1976. Darin vertrat er die Auffassung, dass die (biologische) Evolution ausschließlich aus der Perspektive des genetischen Reproduktionserfolges zu betrachten sei. Auch der Mensch stehe unter der "Tyrannei der Replikatoren". Hier das Cover der Originalausgabe.
Natürlich handelte es sich bei der Aussage des "Gen-Egoismus" um eine Metapher - ein abwägend-planendes Bewusstsein gestand Dawkins den einzelnen Genen nicht zu. Vielmehr ging es ihm darum, Selektionsperspektiven auf Ebenen der Phänotypen, Gruppen oder Arten sowie allzu optimistische Hypothesen zur Entstehung von Kooperation(en) zu attackieren.
Freilich musste er erleben, dass provokante wissenschaftliche Formulierungen nicht nur Andersdenkende erzürnen, sondern auch von Anhängern mißverstanden werden. So distanzierte sich Dawkins schockiert von seinem "Fan" Jeffrey Skillings, der seinen Betrug an unzähligen Anlegern und Mitarbeitern des Enron-Konzerns mit Dawkins Buch und "Gen-Egoismus" rechtfertigte - so "darwinistisch" sei die Welt nun einmal...
Und doch gewann Dawkins gerade durch seine scharfen Formulierungen größere Teile der Öffentlichkeit für den Forschungsbereich und bewirkte schließlich, dass sich Vertreter von Kooperationsmodellen (und später auch reformierter Varianten der Gruppenselektion) um bessere Modelle und Studien bemüh(t)en.
2. Gen und Mem
Im Schlusskapitel seines "Selfish Gene" stellte sich Dawkins zwei Themen, die ihn stark beschäftigten: Zum einen reproduzierten sich ja gerade moderne, gebildete Menschen immer weniger - was seiner These des "gen-egoistisch" determinierten Menschen diametral widersprach. Und zum zweiten existier(t)en zahlreiche Religionen, deren Anhänger allerhand Variationen von Verhalten hervorbrachten.
Zur Erklärung (und Abwehr) dieser Befunde schlug Dawkins die Existenz von "Memen" vor - kulturellen Replikatoren, die sich analog zu Genen replizieren sollten. Sowohl religiöse Lehren wie auch der Geburtenrückgang kulturell überfluteter Moderner konnte er so auf die Meme zurück führen.
Empirisch ist das Konzept bis auf weiteres gescheitert. Seit über 30 Jahren gelang keine klare Definition, aber auch keine einzige Beobachtung, keine Studie und kein Experiment zur Existenz von "Memen". Das spezialisierte Online-Journal of Memetics, das den Forschungsansatz entwickeln wollte, stellte sein Erscheinen schließlich ein (vgl. Schlussausgabe), nachdem auch nach Jahren nur philosophisch-theoretische Artikel eingingen.
Neben Wissenschaftlern, die Memen immerhin noch metaphorischen Wert in den Wissenschaftsdiskussionen zusprechen, gibt es immer auch noch immer viele Menschen, die in einem weltanschaulichen Sinne an Meme glauben (man beachte die Ironie!). Tatsächlich sprengte Dawkins selbst ganz am Ende seines Buches die logische Schlussfolgerung aus seinem genetischen und memetischen Determinismus und rief die Menschen im Stil gnostischer Prediger auf, sich "aus der Tyrannei der Replikatoren" (Gene & Meme) zu befreien. Er nahm also doch die Existenz eines nicht-determinierten (übernatürlichen?) Willens an, an den sich sogar appelieren ließ! Und so konnte man später nicht nur einer memetischen "Church of Virus" im Internet beitreten, sondern auch bei der Dawkins-Schülerin Susan Blackmore "Zen-Kurse im Memjäten" buchen - die Religionskritik war zur Proto-Religion geworden. Etwas besser Informierte gestehen der "Memetik" heute immerhin zu, es handele sich um eine - Sie ahnen es - interessante Metapher (bio-)kultureller Evolution...
3. Der Gotteswahn
Nach den Anschlägen des 11. September 2001 und den Reaktionen der USA darauf gesellte sich neben die globale Rückkehr der Religionen eine neue Welle der Religionskritik in den kinderarm-säkularen Milieus des Westens. Zielsicher griff Richard Dawkins auch diese Stimmung in seinem neuen Bestseller von 2006 auf - "The God Delusion - Der Gotteswahn" wurde zu einem Flagschiff des sog. "neuen Atheismus".
Wieder versuchte Dawkins Religionen "memetisch" zu erklären und griff insbesondere theistische Glaubensinhalte als gefährlich an. Auch rückte er religiöse Erziehung in die Nähe des Kindesmißbrauches - und wählte dabei interessanterweise besonders kinderreiche Gemeinschaften wie die Amischen (ohne ihren Reproduktionserfolg zu registrieren!?).
Neben dem erwartbaren (und werblich-wirtschaftlich einträglichen) Aufschrei vieler Religiöser führte aber auch die Metapher des "Gotteswahns" durchaus zu neuen, ernsthaften Forschungsanstrengungen. Denn vielen Wissenschaftlern aus den Natur- und Kulturwissenschaften fiel doch auf, dass hier ein Paradox behauptet wurde: Die Evolution eines Merkmales (Religiosität), das doch angeblich vor allem schaden sollte. So trug Dawkins indirekt zur inzwischen dynamischen Evolutionsforschung zu Religiosität und Religionen bei.
4. Vom Atheisten zum Agnostiker
„Der neue Atheismus ist vielleicht nicht tot, aber er riecht schon irgendwie komisch!“ merkte Michael Schmidt-Salomon schon 2008 trocken an. Viele der eifernden Jünger (Jüngerinnen sind sehr selten) der Bewegung haben es noch nicht gemerkt - auch Richard Dawkins aber schon. So räumte er in einem Newsweek-Interview vom September 2009 ein, dass der Glaube in die Evolutionstheorie und Gott nicht unvereinbar seien - was einen Schock unter vielen seiner extremeren Anhänger auslöste. In einem Interview mit dem Stern 2007 (Neuabdruck Stern-Extra 5/2009, gerade im Handel, S. 144 - 146) ging Richard Dawkins noch weiter - und bekannte: "Ich bin Agnostiker." Die Wahrscheinlichkeit von Gottes Existenz liege "unter 50 Prozent", aber die Position "der Atheisten", die sie völlig ausschließen wollten, teile er nicht (mehr!?). An scharfer Religionskritik hält Dawkins durchaus fest - aber darauf angesprochen, dass sein "Gotteswahn" doch Gottes Existenz widerlegen wollte, erklärt er: "Das war mein ursprünglicher Ehrgeiz, vielleicht war ich da ein bißchen zu kühn." Er sieht dennoch Grund zur Freude: "Das Buch läuft hervorragend, von der englischsprachigen Ausgabe wurden im ersten Jahr mehr als eine Million Exemplare verkauft." Angesprochen auf den Widerspruch, dass komplexe Merkmale doch üblicherweise über Erfolg evolvierten, bemerkt er: "Guter Einwand. Religion hilft wahrscheinlich beim Überlebenskampf." Den "Gotteswahn" stellt er nun neben den "Wahn", sich "zu verlieben" und erläutert auch fast poetisch: "Den Versuch der Religion, ein tieferes Verständnis des Lebens zu finden, habe ich immer respektiert. Auch ich reagiere quasi religiös, wenn ich zu den Sternen aufsehe, zur Milchstraße und mir das Universum vorzustellen versuche. Das Gefühl, dass ich dann empfinde, könnte man fast so etwas wie Anbetung nennen."
Mein (ganz persönliches) Fazit
Mancher wird Richard Dawkins vorwerfen, er habe bei seinen provokanten Metaphern nur (erfolgreich) Aufmerksamkeit und Geld angestrebt, ohne sich um die Folgen zu scheren. Dem möchte ich entgegnen, dass es die Aufgabe von Intellektuellen in freiheitlichen Gesellschaften ist, spannende Debatten auszulösen und dabei auch zu provozieren. Und selbstverständlich dürfen und sollen sie dies auch mit Bezug auf Wissenschaft(en) tun, mancher Pop- oder Sportstar verdient weit mehr. Ob sich von Dawkins Metaphern wissenschaftlich etwas halten lässt, wird erst die Zukunft weisen. Aber sicher ist schon jetzt, dass seine Arbeit nicht nur die öffentliche Wahrnehmung von Evolutionsforschung, sondern auch Gedanken, Debatten und Studien innerhalb der Wissenschaften (von der Biologie über die (zunehmend evolutionäre) Religionswissenschaft bis in die Philosophien und Theologien) sehr beflügelt haben. Ich denke, wenn der Pulverdampf einmal verzogen ist, wird Richard Dawkins von den (je wechselnden) Freunden und Kritikern gleicherzumaßen zu Recht zu den großen Schöpfern auf- und anregender Metaphern gezählt werden.
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Als ich gerade diesen Blogeintrag twitterte, stieß ich auf Einträge weiblicher Fans wie diesen hier:
"RT @xTexasBelle RT @DJ_Darkness: If Richard Dawkins wanted me, I would let him have me. //Omg, same. He's a living god."
Habe das gleich durch RT dokumentiert, da es natürlich religionswissenschaftlich unheimlich interessant ist, hier:
http://twitter.com/BlumeEvolution
Das ist das Schöne an Religionswissenschaft. Man wird immer wieder überrascht... Ich hätte bei allen Erfahrungen mit "neuen Atheisten" ehrlich nicht gedacht, dass einige Jüngerinnen ihn auch in DIESEM Sinne verehren... *Staunt*
"He's a living god"
Selig sind die Bekloppten, denn sie brauchen keinen Hammer mehr.
Man kann Ihnen als Theologe vielleicht die zahlreichen Denkfehler in diesem Blogbeitrag verzeihen, aber wenigstens den sauberen Umgang mit Quellen sollten Sie beherrschen. Erstens ist das Interview, das Sie erwähnen, ursprünglich im Oktober 2007 erschienen, es handelt sich hier also keineswegs um eine aktuelle Entwicklung in Dawkins' Denken. Zweitens reißen Sie seine Aussage hier derartig aus dem Zusammenhang, dass man fast eine böse Absicht unterstellen könnte. Hier ist das Zitat im Zusammenhang:
STERN: Wie sicher sind Sie sich denn?
DAWKINS: Ich bin Agnostiker. Üblicherweise sind Agnostiker Leute, die eine 50 : 50-Wette über die Existenz Gottes eingehen: Kann sein, dass es ihn gibt, kann auch sein, dass es ihn nicht gibt. Das finde ich zu wenig. Auf der anderen Seite stehen die Atheisten. Atheismus in purer Form heißt: Gott gibt es mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit nicht. Auch diese Position teile ich nicht. Ein Wissenschaftler sollte sich nie hundertprozentig sicher sein. Aber es geht um mehr als 50 : 50. Vermutlich glauben Sie ebenso wenig wie ich an die Existenz von Feen oder von unsichtbaren Wesen in rosa Uniformen. In diesem Sinne sind wir fast alle Agnostiker. Genau darum geht es auch bei der Existenz Gottes.
Dass Dawkins sich als „Agnostiker“ bezeichnet, liegt nur daran, dass er als Wissenschaftler keine absoluten Behauptungen aufstellt und deshalb eine Restwahrscheinlichkeit für die Existenz Gottes annimmt. Diese Wahrscheinlichkeit ist aber aus seiner Sicht verschwindend gering: Dawkins stellt sie auf eine Ebene mit der von UNSICHTBAREN WESEN IN ROSA UNIFORMEN
Der „Kompatibilität“ des Glaubens an Gott und der Akzeptanz der Evolutionstheorie reißen Sie ähnlich rabiat aus dem Zusammenhang. Dawkins hat schon immer gesagt, dass es FÜR INDIVIDUEN möglich ist, an beides zu glauben. Genau diese Aussage macht er auch in dem Newsweek-Interview:
NEWSWEEK: Are those incompatible positions: to believe in God and to believe in evolution?
DAWKINS: No, I don't think they're incompatible if only because there are many intelligent evolutionary scientists who also believe in God—to name only Francis Collins [the geneticist and Christian believer recently chosen to head the National Institutes of Health] as an outstanding example. So it clearly is possible to be both. This book more or less begins by accepting that there is that compatibility. The God Delusion did make a case against that compatibility in my own mind.
Aber er hat immer dazu gesagt, dass das nur durch radikale Kompartmentalisierung oder das Unterdrücken massiver kognitiver Dissonanzen möglich ist, denn inhaltlich ist Gottesgläubigkeit eben NICHT mit einer evolutionären Weltsicht vereinbar -- und Dawkins' letzter Satz lässt keinen Zweifel daran, dass ER diese „Vereinbarkeit“ nicht herstellen kann.
Lieber A.S.,
zum einen bin ich kein Theologe, sondern Religionswissenschaftler. Bitte den Unterschied registrieren.
Und zum zweiten kann ich Ihren Frust und Ihre verzweifelten Versuche der Umdeutung gut nachvollziehen. Es ist sicher hart, wenn einem der Guru von der Stange geht. ;-)
Ernsthaft: Ich finde es gut, dass Sie anerkennen, dass sich Dawkins agnostische Haltung aus seiner Wissenschaftlichkeit ergibt. Den Atheismus definiert er als Glaubenshaltung mit Absolutheitsanspruch, die er nicht (länger?) vertritt. Und natürlich ist es ihm hoch anzurechnen, dass er zwischen allgemein haltbaren Aussagen und denen "in his own mind" unterscheidet.
Geradezu rührend finde ich, dass er deutlich einräumt, er sehe keine Unvereinbarkeit zwischen Evolution und Gottesglauben, auf Beispiele wie Francis Collins (früherer Chef des Humane Genome Project, heutiger Leiter des NIH und bekennender Christ) verweist - und Sie machen ein verzweifeltes denn inhaltlich ist Gottesgläubigkeit eben NICHT mit einer evolutionären Weltsicht vereinbar daraus... Das nennt man eine Umdeutung zur Vermeidung kognitiver Dissonanz...
Ganz herzliche Grüße!
Hallo Herr Blume,
auch wenn Sie es vielleicht nicht wahr haben wollen, aber A.S. hat mit seiner Kritik völlig recht.
Sie sollten das nicht so lapidar abtun, sondern sich wirklich damit beschäftigen...
"Aber ich habe auch ein paar Punkte:
Zitat:
>> "Obwohl seit über 30 Jahren nicht einmal eine klare Definition, aber auch keine einzige Beobachtung, keine Studie und kein Experiment die Existenz von "Memen" belegen konnten, gibt es immer noch viele Menschen, die an sie glauben (man beachte die Ironie!)."
Ich weiß nicht, was Sie hier mit "glauben" meinen, aber das ist sicher nicht die Art von Glauben, wie sie in den Religionen auftritt.
Sie arbeiten doch bestimmt auch mit Zahlen, obwohl es diese nicht wirklich gibt. Glauben Sie an die Existenz der Zahl 1672828?
Es ist nicht von Bedeutung, ob es Meme "gibt",
sondern wie erfolgreich dieses Denkkonzept ist, um Beobachtungen zu erklären und Voraussagen zu machen.
Mir hilft es genauso, wie mir das Konzept "Information" hilft, bestimmte Gedanken zu entwickeln, die ich sonst nicht gehabt hätte.
Dazu vielleicht Wittgenstein:
"Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt."
Und meiner Meinung nach ist der Mem-Begriff eine Bereicherung für unser Denken, selbst, wenn er nicht wissenschaftlich exakt definiert werden könnte.
2.Zitat:
>>"...und rief die Menschen im Stil gnostischer Prediger auf, sich "aus der Tyrannei der Replikatoren" zu befreien. Er nahm also doch die Existenz eines nicht-determinierten (übernatürlichen?) Willens an, an den sich sogar appelieren ließ!"
Tut mir Leid das sagen zu müssen, aber hier projezieren Sie wieder Ihre eigene Gedankenwelt auf Dawkins, anstatt sich mit der wirklichen Aussage dieses Satzes auseinanderzusetzen (der übrigens auch in einem bestimmten Kontext steht, den man nicht so einfach weglassen kann).
1. Man kann sich auch durch einen deterministischen Willen gegen seinen eigenen Körper stellen, dazu bedarf es nichts nichtdeterministisches.
2. Das Wort "übernatürlich" ist so unangebracht, wie es in diesem Zusammenhang falsch ist.
Nun gut, vielleicht schreibe ich später noch was :-). Ich habe gerade noch andere Dinge zu tun.
Viele Grüße,
naturemath
…Gott ist wohl doch zu hochgegriffen :-)
"Nicht selten weisen jene, die am Autoritätsanspruch eines Papstes kein gutes Haar lassen, Meistern und Gurus gegenüber eine völlig kritiklose und fast schon devot zu nennende Unterwürfigkeit auf. ... Daß dies Mißbrauch, sei er finanziell oder sexuell, begünstigen kann, liegt auf der Hand."
Christian Ruch
"Und zum zweiten kann ich Ihren Frust und Ihre verzweifelten Versuche der Umdeutung gut nachvollziehen. Es ist sicher hart, wenn einem der Guru von der Stange geht. ;-)"
Michael, dass hast Du aber schön gesagt!
Lieber Michael,
Du schreibst: "Denn vielen Wissenschaftlern aus den Natur- und Kulturwissenschaften fiel doch auf, dass hier ein Paradox behauptet wurde: Die Evolution eines Merkmales (Religiosität), das doch angeblich vor allem schaden sollte."
Ich hatte Dich schon öfter darauf hingewiesen, dass die Evolution eines Merkmals, das vor allem schadet, nichts ungewöhnliches ist. Hier ist z.B. der typische Macho zu nennen, der vor allem deshalb so reproduktiv ist, weil er sich überschätzt und die Gesellschaft ausnutzt.
mfg
Luchs
@Mona
Du schreibst: ""Nicht selten weisen jene, die am Autoritätsanspruch eines Papstes kein gutes Haar lassen, Meistern und Gurus gegenüber eine völlig kritiklose und fast schon devot zu nennende Unterwürfigkeit auf. ... Daß dies Mißbrauch, sei er finanziell oder sexuell, begünstigen kann, liegt auf der Hand."
Christian Ruch"
Das trifft doch wohl weder auf Atheisten, noch Agnostiker, noch gläubige Monotheisten zu, sondern allein auf einige Esoteriker. Wie groß schätzt Du denn den prozentualen gesellschaftlichen Anteil solcher Esoteriker?
mfg
Luchs
@Michael
Du schreibst: "So räumte er [Dawkins] in einem Newsweek-Interview vom September 2009 ein, dass der Glaube in die Evolutionstheorie und Gott nicht unvereinbar seien ..."
Hier irrt sich Dawkins. Zumindest was den Glauben an den monotheistischen Gott und die Schöpfungsmythologie der mosaischen Religionen betrifft, ist dieser Glauben unvereinbar mit einem Fürwahrhalten der Evolution und ihrer Mechanismen. Menschen, die beides für wahr halten, kennen sich entweder mit dem einen oder dem anderen nicht aus. Ich habe schon mit gläubigen Christen diskutiert, die noch nicht einmal wussten, dass es gemäß der biblischen Schöpfungsmythologie eher Vögel als Landtiere gab, und eher Pflanzen auf der Landmasse als die Sonne!
mfg
Luchs
Mein Kommentar bezog sich auf die eingangs erwähnte Dame und ihren Ausspruch: "He's a living god."
Gut, der Vergleich passt nicht ganz, allerdings bin ich der Meinung, dass manche Atheisten durchaus mit Sektierern zu vergleichen sind. Letztendlich kosten doch Buskampanien und andere Werbung auch Geld. Vom Guru ganz zu schweigen...
"Wie groß schätzt Du denn den prozentualen gesellschaftlichen Anteil solcher Esoteriker?"
Ich verstehe den Zusammenhang nicht.
Spielen Sie hier auf diesen Artikel an?
http://blog.thebrights.de/...iker-sind-esoteriker/
Hallo Mona,
Du schreibst: "Mein Kommentar bezog sich auf die eingangs erwähnte Dame und ihren Ausspruch: "He's a living god.""
Das hatte ich auch so verstanden, aber wir sind uns doch wohl einig, dass diese Dame ihren Ausspruch als humorig verstanden haben will.
Du schreibst: "Gut, der Vergleich passt nicht ganz, allerdings bin ich der Meinung, dass manche Atheisten durchaus mit Sektierern zu vergleichen sind."
Wenn man bedenkt, dass auch einst die Christen als jüdische Sekte der Nazarener bezeichnet worden ist, so kann ich mir zum Ausdruck (religiöser) "Sektierer" kein treffenderes Antonym vorstellen als "Atheist".
Du schreibst: "Letztendlich kosten doch Buskampanien und andere Werbung auch Geld. Vom Guru ganz zu schweigen..."
Was hat ein Guru damit zu tun?! Davon abgesehen müsstest Du nach diesem Kriterium auch jeden Menschen, der Mitglied einer politischen Partei ist, als Sekterierer bezeichnen, und jeden Menschen der Kirchensteuern zahlt sowieso.
Luchs: "Wie groß schätzt Du denn den prozentualen gesellschaftlichen Anteil solcher Esoteriker?"
Mona: "Ich verstehe den Zusammenhang nicht.
Spielen Sie hier auf diesen Artikel an?
http://blog.thebrights.de/...er-sind-esoteriker/\"
Nein, daran dachte ich nicht. Ich unterscheide zwischen religiösen Tauben, religiösen Falken und Esoterikern. Es sind doch wohl nur die Menschen, die Du und ich als Esoteriker bezeichnen würden, auf die das Zitat von Christian Ruch zutrifft (den Papst kritisieren, aber sich dem Guru unterwerfen).
mfg
Luchs
Lieber Herr Blume,
entschuldigen Sie den Theologen, der Unterschied zum Religionswissenschaftler ist mir unklar. Könnte man sagen, ein Religionswissenschaftler ist ein Theologe, der sich nicht festlegen will?
Und zum zweiten kann ich Ihren Frust und Ihre verzweifelten Versuche der Umdeutung gut nachvollziehen. Es ist sicher hart, wenn einem der Guru von der Stange geht.
Sie projizieren da ihr Wunschdenken in Dawkins' Äußerungen hinein. Seine Position zur Existenz übernatürlicher Wesen und zur Vereinbarkeit von Glaube und Wissenschaft ist seit vielen Jahren stabil, Äußerungen wie die, die Sie zitieren, hat er immer wieder gemacht und der Kontext war stets der, den ich beschrieben habe.
Geradezu rührend finde ich, dass er deutlich einräumt, er sehe keine Unvereinbarkeit zwischen Evolution und Gottesglauben ... und Sie machen ein verzweifeltes denn inhaltlich ist Gottesgläubigkeit eben NICHT mit einer evolutionären Weltsicht vereinbar daraus...
Sie müssen es ja nicht mir glauben, aber Dawkins selbst werden Sie vielleicht zutrauen, zu wissen, was er gemeint hat. Jerry Coyne hat ihn auf die Debatte, auf die Sie oben verlinken, angesprochen und ihn einfach selbst gefragt, ob er Glaube und Evolutionstheorie tatsächlich für inhaltlich vereinbar hält.
Dawkins' Antwort:
How utterly ridiculous. All I was saying is that it is possible for a human mind to accommodate both evolution and religion because F. Collins’s mind seems to manage the feat (along with lots of vicars and bishops and rabbis).
http://whyevolutionistrue.wordpress.com/...ionist/
Im ruhigen Bewusstsein, dass „Guru” Dawkins seine rationale Weltsicht nie aufweichen wird, grüßt Sie
A.S.
Lieber naturemath,
danke für den engagierten Kommentar. Bei einem Punkt sind wir sofort einer Meinung.
Es ist nicht von Bedeutung, ob es Meme "gibt", sondern wie erfolgreich dieses Denkkonzept ist, um Beobachtungen zu erklären und Voraussagen zu machen.
Mir hilft es genauso, wie mir das Konzept "Information" hilft, bestimmte Gedanken zu entwickeln, die ich sonst nicht gehabt hätte.
Dazu vielleicht Wittgenstein:
"Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt."
Und meiner Meinung nach ist der Mem-Begriff eine Bereicherung für unser Denken, selbst, wenn er nicht wissenschaftlich exakt definiert werden könnte.
Ja, man nennt diese sprachliche Verdichtung von Zusammenhängen eine Metapher - und genau dafür habe ich Dawkins ausdrücklich gelobt. In "Gott, Gene und Gehirn" haben wir die Memetik wohlwollend vorgestellt und verschiedene Möglichkeiten der wissenschaftlichen Anwendung vorgeschlagen - die jedoch das Wissen um die begriffliche Metaphorik voraus setzen.
Dass einige aber gar an die Realexistenz von Memen glaub(t)en und sogar Zen-Kurse buchen, um sie "zu jäten", belegt freilich, dass nicht alle den Unterschied verstehen, auf den Sie und ich abheben.
1. Man kann sich auch durch einen deterministischen Willen gegen seinen eigenen Körper stellen, dazu bedarf es nichts nichtdeterministisches.
Einspruch, Euer Ehren. Der "deterministische Wille" geht nach naturalistischem Verständnis doch gerade aus dem Gehirn als Teil des Körpers hervor. An wen also appelliert Dawkins? An einen körperlosen Willen!
In der Gnosis sprach und spricht man (z.B.) vom Seelenfünklein, das dazu ausersehen sei, sich aus dem Gefängnis des Leibes und den Illusionen der Kultur durch Erleuchtung zu befreien. Dies sei nur dem Menschen möglich. Und bei Dawkins heißt es: "Wir sind als Genmaschinen gebaut und werden als Memmaschinen erzogen, aber wir haben die Macht, uns unseren Schöpfern entgegenzustellen. Als einzige Lebewesen auf der Erde können wir uns gegen die Tyrannei der egoistischen Replikatoren auflehnen."
Dass das quasi-religiöse Sprache (und Appell!) und logischer Bruch ist, wird in Seminaren und auch im Web seit Jahren hoch und runter diskutiert. Wenn Sie Lust haben z.B. hier:
http://freigeisterhaus.de/...8104b2be2468b8cde6943
Sie können uns aber auch einfach erklären, warum nur Menschen diese Fähigkeit haben sollen, andere kultur- und "mem-"fähige Lebewesen aber nicht. Bekehren Sie uns, @naturemath! :-)
2. Das Wort "übernatürlich" ist so unangebracht, wie es in diesem Zusammenhang falsch ist.
Wie gesehen, nicht: Aller Willen sei durch Gene und Meme determiniert, "nur wir Menschen" aber hätten (woher? durch wen? wie?) die Gabe, sich über die Tyrannei "unserer Schöpfer" zu erheben (lat. transzendieren). Wir können, wie auch immer, über die Natur hinaus.
Schon klar...
Lieber Luchs,
wow, der Beitrag hat Dich aber bewegt - gleich drei Kommentare!
Ich hatte Dich schon öfter darauf hingewiesen, dass die Evolution eines Merkmals, das vor allem schadet, nichts ungewöhnliches ist. Hier ist z.B. der typische Macho zu nennen, der vor allem deshalb so reproduktiv ist, weil er sich überschätzt und die Gesellschaft ausnutzt.
Was soll das denn für ein Beispiel sein? Die Anlage zum Macho hat sich durchgesetzt, weil sich (auch) Machos erfolgreich reproduziert haben, auch wenn sie dadurch Mitbewerber ausgestochen haben. Genauso haben sich scharfe Haizähne durchgesetzt, weil sie Überleben und Fortpflanzungserfolg scharfzahniger Haie begünstigt haben. Nach Deiner "Logik" dürfte der böse Hai das aber irgendwie nicht, weil er ja anderen "schadete"...
Lieber Luchs, wenn Du ernsthaft über Evolution diskutieren möchtest, wären Grundlagenkenntnisse (oder Nachdenken vor dem Tippen) nicht schlecht. Sehr zu empfehlen ist z.B. Richard Dawkins, der auf die Bedeutung von Überlebens- und Reproduktionsvorteilen für die Evolution aller komplexen Merkmale hinweist. Und entsprechend inzwischen auch (zähneknirschend) einräumt, dass wohl auch Religiosität mit Vorteilen verbunden sei - siehe oben.
Hier irrt sich Dawkins. Zumindest was den Glauben an den monotheistischen Gott und die Schöpfungsmythologie der mosaischen Religionen betrifft, ist dieser Glauben unvereinbar mit einem Fürwahrhalten der Evolution und ihrer Mechanismen. Menschen, die beides für wahr halten, kennen sich entweder mit dem einen oder dem anderen nicht aus.
Mensch, @Luchs, Dir mangelt es nicht an Selbstvertrauen. Und wenn die Realität nicht Deinen Theorien entspricht, Pech für die Realität.
Dawkins hat völlig zu Recht darauf hingewiesen, dass es ja offenkundig Menschen wie Francis Collins "gibt", denen die Vereinbarkeit kein Problem macht.
Der erwähnte Collins ist einer der führenden Genetiker dieses Planeten und hat u.a. ein Buch über sein Christein geschrieben, hier im Blog wurden u.a. Teilhard de Chardin und Theodosius Dobzhansky mit dessen Essayn "Nichts in der Biologie macht Sinn außer im Licht der Evolution" vorgestellt - wie auch der Mitentdecker der Evolutionstheorie Alfred Russel Wallace, die alle ebenfalls keinen unauflösbaren Widerspruch sahen. Und auch Charles Darwin selbst verstand sich selbst als Agnostiker, sah aber keine Unvereinbarkeit zwischen Evolution und Theismus.
Natürlich ist es theoretisch denkbar, dass von Darwin bis Dawkins von Dobzhansky bis Collins alle zu doof waren, die Evolutionstheorie richtig zu verstehen - da musste erst @Luchs kommen. Vielleicht magst Du aber wenigstens einmal die Möglichkeit in Erwägung ziehen, dass einige der Genannten sich in der Evolutionsforschung mindestens so gut auskannten wie Du...
Lieber A.S.,
entschuldigen Sie den Theologen, der Unterschied zum Religionswissenschaftler ist mir unklar.
Okay, fairer Zug, akzeptiert.
Könnte man sagen, ein Religionswissenschaftler ist ein Theologe, der sich nicht festlegen will?
Nein, kann man nicht. In der Perspektive entspricht der Religions- schlicht dem Sprach- oder Musikwissenschaftler: Sie oder er kann selbst sprachbegabt, musikalisch oder religiös sein, muss es aber nicht. Die gemeinsame Forschungsbasis ist der methodologische Agnostizismus, Festlegungen darüber hinaus sind möglich. Mein Doktorvater, Prof. Kehrer, ist z.B. ein recht bekannter Religionskritiker und Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung.
Jerry Coyne hat ihn auf die Debatte, auf die Sie oben verlinken, angesprochen und ihn einfach selbst gefragt, ob er Glaube und Evolutionstheorie tatsächlich für inhaltlich vereinbar hält.
Dawkins' Antwort:
How utterly ridiculous. All I was saying is that it is possible for a human mind to accommodate both evolution and religion because F. Collins’s mind seems to manage the feat (along with lots of vicars and bishops and rabbis).
Und das ist genau die richtige Antwort! Dawkins erkennt hier eine Realität an, auch wenn er sie selbst ("in his own mind") noch nicht versteht! Es ist eben so, manche können das, auch wenn er es selbst nicht nachvollziehen kann!
Und genau hier beginnt Wissenschaft. Wir können jetzt fragen: Warum ist das so? Warum gelingt einigen hoch intelligenten Köpfen die Vereinbarkeit, anderen nicht? Warum haben wir (oder besser: einige von uns?) Gehirne, denen das gelingt? Und was ist mit kulturellen Unterschieden: Warum gibt es in buddhistischen und hinduistischen Ländern kaum Ablehnung der Evolutionstheorie? Stimmt es, was Rabbi Sachs gesagt hat, dass hier eigentlich nur das Problem einer bestimmten, christlichen Tradition vorläge?
Ein Ideologie verhöhnt und bekämpft alles, was größer ist als der eigene Horizont. Ein Wissenschaftler erkundet gerade das, offen und neugierig! Dawkins ist (herrlich provokanter) Wissenschaftler, viele seiner Jünger schaffen diese Perspektive aber leider nicht...
Im ruhigen Bewusstsein, dass „Guru” Dawkins seine rationale Weltsicht nie aufweichen wird, grüßt Sie A.S.
Vielen Dank! Diese Zuversicht teilen wir - wie ich ja oben geschrieben habe, verdanken wir Dawkins viel! Und auch Francis Collins und andere werden wohl kaum ihre religiöse Weltsicht aufgeben. Die Frage ist also: Verplempern religiöse und atheistische Extremisten weitere Jahrzehnte mit gegenseitigen Beschimpfungen, oder werden wir endlich so wissenschaftlich neugierig, dass wir uns der Erforschung der Phänomene selbst widmen, um die Diskussionen immer kenntnisreicher zu führen? Ich opfere gerne Zeit auch hier im Blog, weil ich für Letzteres werben und eintreten will.
Lieber Herr Blume,
wenn ich versuche, den Argumenten von religiöse Menschen zu folgen, stehe ich öfter vor einem Problem. Deren Argumente sind immer unehrlich konstruiert; mein Problem ist es, zu entscheiden, ob der Grund dafür mangelndes Verständnis oder absichtliche Bösartigkeit ist. Nehmen wir Ihre Aussage:
Und das ist genau die richtige Antwort! Dawkins erkennt hier eine Realität an, auch wenn er sie selbst ("in his own mind") noch nicht versteht! Es ist eben so, manche können das, auch wenn er es selbst nicht nachvollziehen kann!
Beim oberflächlichen Lesen könnte man meinen, Sie fassten hier nur Dawkins' Aussage zusammen. Sieht man genauer hin, fällt einem das Wörtchen noch auf, das sie hier beiläufig einfügen, das aber die Interpretation von Dawkins' Aussage völlig verändert.
Tatsächlich sagt Dawkins hier, und er hat es hundert Mal gesagt, dass es offensichtlich Menschen gibt, die gleichzeitig zwei einander widersprechende Weltsichten im Kopf haben können. Das hat mit Religion oder Evolution nicht viel zu tun, es zeigt nur die menschliche Fähigkeit, zu kompartmentalisieren und kognitive Dissonanzen auszublenden.
Indem Sie das Wörtchen noch einfügen, tun Sie so, als ob die von Dawkins immer wieder kritisierten kompartmentalisierten Denker eine tiefere Wahrheit erkannt haben, die Dawkins verschlossen bleibt. Das mögen SIE so sehen (Sie sind wohl im Grunde Ihres Herzens doch eher Theologe als Religionswissenschaftler), aber Dawkins' Meinung oder die Entwicklung seines Denkens geben Sie damit nicht wieder.
Die Frage ist: wissen Sie das (dann währen Sie unehrlich, nahe an der Grenze zur Böswilligkeit) oder glauben Sie tatsächlich, dass Sie Dawkins richtig verstehen (dann müsste ich mich über Ihre Textkompetenz wundern).
Ich mag Ihnen weder Böswilligkeit noch mangelnde Textkompetenz unterstellen und kann deshalb vorläufig nur eine dritte Möglichkeit in Betracht ziehen: Kluge Menschen sagen kluge Dinge und dumme Menschen sagen dumme Dinge; erst die Religion bringt kluge Menschen dazu, dumme Dinge zu sagen.
Besten Gruß
A.S.
Lieber @A.S.,
Sie haben ja wirklich starke Feindbilder, das muss man Ihnen lassen. Aus einem "noch" eine Verschwörung zu konstruieren...
Dawkins versteht persönlich nicht, warum kluge Menschen gleichzeitig an Evolution und Religion glauben können. Im Gegensatz zu vielen anderen erkennt er jedoch Realität auch dann an, wenn sie sein Verständnis übersteigt. Er vermutet (wie immer mehr Wissenschaftler), dass Religiosität mit der Evolution unseres Gehirns zu tun haben könnte. Und wir sind in der Tat derzeit dabei, zunehmend besser zu verstehen, wie das Merkmal Religiosität evolviert ist. Also besteht die Chance, dass wir (und mithin auch: Dawkins) eines Tages besser verstehen, warum Menschen religiös sind und auch wissenschaftliche und religiöse Welterzählungen verbinden und aushalten können. Diesen Erkenntnisfortschritt in der Außenperspektive von Religiosität halte ich (gerade auch bei R. Dawkins) für möglich - ganz unabhängig davon, ob jemand bestimmte Glaubensinhalte (eine religiöse Innenperspektive) teilt oder nicht. Evolutionsforschung wird m.E. nie zu einem absoluten Gottesbeweis oder einer -widerlegung führen können - auch hier ist Dawkins up to date.
Also, entspannen Sie sich. Sie sind hier nicht unter bösen, theistischen Verschwörern... ;-)
Beste Grüße!
U. Lüke: das Säugetier von Gottes Gnaden: Evolution, Bewußtsein, Freiheit, 2007
oder kurz folgendes Interview:
www.kt.rwth-aachen.de/03/Lueke_Interview_Staunen_ist_der_Anfang.pdf
Lüke ( er ist Biologe und Theologe) hält Dawkins für einen medialen Selbstdarsteller, seine Argimente für schlecht durchdacht (s. Interview).
Zwei prägnante Zitate:
"Die Evolutionstheorie ist eine naturwissenschaftliche Theorie und hat als solche einen empirisch bestimmten Aussagerahmen. Wenn man sie zu einer neuen Metaphysik aufbläst, verliert sie ihre naturwissenschaftliche Dignität. Eine naturwissenschaftliche Theorie, die sich selbst als Ganze oder auch eines ihrer Elemente, zum Beispiel den Zufall "metaphysiziert" "metafüsiliert" sich als Naturwissenschaft selber."...........
"Der Theologe weiß, daß er glaubt. Und der Naturwissenschaftler glaubt, daß er weiß."
Hallo Herr Blume,
ich habe beim zweiten Lesen Ihres Artikels auch festgestellt, dass wir uns beim Thema Meme näher stehen als ich zuerst dachte. Allerdings gestehe ich Memen durchaus eine Existenzberechtigung zu, so wie ich auch Zahlen eine Existenzberechtigung zugestehe. Es ist zwar keine physikalische Existenz, aber als Strukturen existieren diese Dinge meiner Meinung nach schon.
Aber nun zu den Dingen, bei denen wir uns nicht einig sind (das ist ja auch interessanter, da gibt es was Neues zu lernen :-)).
Zitat:
"Der "deterministische Wille" geht nach naturalistischem Verständnis doch gerade aus dem Gehirn als Teil des Körpers hervor. An wen also appelliert Dawkins? An einen körperlosen Willen!"
Vielleicht hilt es, wenn man sich das Konzept von Soft- un Hardware auf einem PC klar macht.
Die Hardware Ihres vor Ihnen stehenden Rechners stellt (bis auf die offensichtlichen) keine Beschränkungen an die Software, die auf ihm laufen könnte.
Meme (ich hoffe, ich darf das Konzept hier verwenden :-)) sind ein Teil der Software, die auf dem Gehirn läuft.
Die Analogie hinkt natürlich, weil die Software eines PCs die Hardware nicht verändert, aber das Gehirn durch seine eigenen Gedanken plastischen Veränderungen unterworfen ist.
Diese Software auf dem Gehirn ist es, die Entscheidungen trifft und an genau diesen Willen appeliert Dawkins. An was denn sonst?
Diese Entscheidungen können den materiellen Replikatoren (Genen) natürlich auch schaden.
Was sollte sie denn daran hindern?
Zitat2:
""Als einzige Lebewesen auf der Erde können wir uns gegen die Tyrannei der egoistischen Replikatoren auflehnen."
...
Sie können uns aber auch einfach erklären, warum nur Menschen diese Fähigkeit haben sollen, andere kultur- und "mem-"fähige Lebewesen aber nicht. Bekehren Sie uns, @naturemath! :-)"
Das mache ich doch gerne :-).
Die Menschen sind einfach die erste Art, die sich selbst nicht über Ihren Körper (Hardware) definiert, sondern über die Gedanken (Software) die dieser Körper hat.
(Zumindest ist das meine Vorstellung von "Ich")
Keine anderen Tiere sind in der Lage diese Entkopplung vollständig vorzunehmen.
Sie werden jetzt natürlich einwenden, dass dies beim Menschen auch nicht möglich ist. Man ist doch an seinen Körper gebunden, oder etwa nicht?
Im Prinzip schon, aber ich kann meine Gedanken und Ideen auch in einem Blogkommentar im Internet kundtun und damit Genfrei archivieren :-). Vielleicht gibt es ja auch eines Tages intelligente Computer, die diese Ideen verstehen können und damit die Genbindung vollends auflösen.
Naja, aber das führt uns zu weit vom Thema weg...
Zitat3:
"Aller Willen sei durch Gene und Meme determiniert, "nur wir Menschen" aber hätten (woher? durch wen? wie?) die Gabe, sich über die Tyrannei "unserer Schöpfer" zu erheben (lat. transzendieren). Wir können, wie auch immer, über die Natur hinaus."
Moment mal. Dawkins hat nie behauptet, dass wir über unsere Gedanken frei verfügen können, sondern nur, dass die Gedanken eines Tages nicht mehr von den Genen abhängen müssen.
Mit "unsere Schöpfer" sind nur die Gene gemeint und nicht unsere Gedanken.
Unser Verhalten ist durch Meme/Gene/unsere Umwelt/... festgelegt. Da gibt es nichts "übernatürliches", "transzendentes" oder wie Sie es auch immer nennen wollen.
Viele Grüße,
naturemath
PS: Auch wenn ich dem letzten Kommentar (30.11 22.07) von A.S. nicht 100% zustimmen kann, so muss ich gestehen, dass mich das Wörtchen "noch" auch gestört hat.
Für Sie mag das eine Kleinigkeit sein, aber dahinter steckt eines der größten Probleme der menschlichen Kommunikation.
Das Interview ist in dem Sinne interessant, als das Herr Lüke auch den Fehler begeht etwas zu kritisieren, was es gar nicht gibt.
Also mir wäre es neu, dass auch nur irgendein ersthafter Forscher versucht hätte alles in der Welt mit Hilfe der Evolution zu erklären.
Mich würde auch interessieren was Herr Blume zu dem Statement von Lüke meint, dass Religion sich nicht mit biologischen Mitteln erkunden lässt.
Denn schließlich macht er das ja auch...
Mahlzeit!