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Fruchtbarer Glauben im Focus

von Michael Blume, 11. April 2009, 10:19

Fakten, Fakten, Fakten - und an die Leser denken. Getreu ihrem Motto enthält die heute (11.04.09) erschienene Ausgabe von Focus zwei Seiten zur Evolutionsforschung zur Religiosität. Dass der Wissenschaftsjournalist Christian Pantle promovierter Humanbiologe ist, zeigt sich dabei wohltuend. In Anlehnung an das Magazinmotto, für Leser des Artikels und natürlich auch sonstige Interessierte hier ein paar weiterführende Links sowie die Antworten zu drei häufig gestellten Fragen.

Weitergehende Darstellungen der Evolution von Religiosität finden Sie (per Klick ->) in "Homo religiosus" in Gehirn & Geist 03/2009 sowie, etwas trockener und umfangreicher, (per Klick ->) in Band 29 der Mitteilungen der BGAEU.

Religionsdemografische Daten z.B. zum Vergleich Europa - USA und Muslimen in der Türkei und Deutschland finden Sie z.B. im "religionsdemografischen Fanpost".

Einige weitere Fallstudien behandeln
- die Mormonen (kinderreich)
- die Amischen (extrem kinderreich)
- die Shaker (kinderlos)

Auch gibt es einen Beitrag zur Gretchenfrage (dem Vergleich des religiösen Verhaltens von Frauen und Männern).

Und wussten Sie schon, dass auch der Neandertaler religiöses Verhalten evolvierte?

Einen umfassenden Einblick in den Forschungs- und Diskussionsstand zu den genannten und vielen weiteren Themen bietet das Buch "Gott, Gene und Gehirn" von Rüdiger Vaas und mir, erhältlich u.a. im Buchhandel, im hiesigen Science-Shop und bei amazon.de.

Häufig gestellte Fragen

1. Beweist oder widerlegt die Evolutionsforschung zur Religiosität die Existenz Gottes?

Weder - noch. Wie jede empirische Wissenschaft bietet die Religionswissenschaft und Evolutionsforschung insgesamt nur immer weiter verbesserte Hypothesen auf Basis beobachteter (also stets vergangener!) Befunde, die dann durch noch bessere Hypothesen auf Basis auch neuer Befunde abgelöst werden. Absolute Wahrheiten können sie also gar nicht liefern. Die Evolutionsforschung zur Religiosität erkundet auch nicht die Existenz von Ahnen, Geistern, Göttern, Gott, sondern die biologischen Funktionen des beobachtbaren (und, wie wir inzwischen wissen, insgesamt erfolgreichen) religiösen Verhaltens.

Und die Diskussion hat gerade erst begonnen, ob und ggf. welche erkenntnistheoretischen, philosophischen und theologischen Folgen sich aus den Erkenntnissen ergeben.

2. Kommt es denn nur darauf an, wie nachdrücklich Religionsgemeinschaften ihre Anhänger zu Kinderreichtum auffordern?

Nein - sondern auch darauf, ob sie die Familien dann auch unterstützen.

Religionsgemeinschaften, deren Lehren sich zu Kindern gleichgültig oder gar ablehnend verhalten, überaltern ebenso wie solche, die Familien überfordern. "Ihr sollt viele Kinder haben, die Mutter für diese auf Karriere verzichten, der Vater alleine das Geld heranschaffen und in der Woche sind mindestens zwei Gottesdienste zu besuchen." führt beispielsweise in Industrie- und Wissensgesellschaften ohne flankierende Förderung schnell in den Geburtenrückgang, wie bei den europäischen Gemeinden der Neuapostolischen Kirche und Zeugen Jehovas zu beobachten. Dauerhaft hohe Geburtenraten erreichen nur jene Gemeinschaften, die zusätzlich zu Familienwerten auch Familieneinrichtungen wie Kindergärten, Schulen, Stipendien usw. bereit stellen wie beispielhaft jüdische Gemeinden, einige Freikirchen usw.

3. Könnte Deutschland seine Geburten steigern, wenn die Deutschen wieder zu mehr Religiosität gezwungen würden?

Nein, im Gegenteil. Staatlicher Zwang ist der schnellste Weg, um religiöses Leben abzutöten. Heute ist z.B. im Iran die Religiosität viel schwächer ausgeprägt als in der Türkei. Warum?

Einerseits verlieren religiöse Signale wie Gebete, Kleidungs-, Speise- und Zeitgebote ihre Signalwirkung, wenn sie erzwungen werden - sie zeigen nur dann die Haltung der Glaubenden an, wenn sie freiwillig befolgt werden. Und zum zweiten erstarren Kirchen und Religionsgemeinschaften, wenn sie durch den Staat vor Konkurrenz geschützt werden. Warum auch sollten sie sich anstrengen (z.B. durch neue Gottesdienstformen und Familienangebote), wenn sie doch ohnehin ein Monopol haben? Erst im Wettbewerb setzen sie sich in Bewegung und gleichzeitig werden erfolgreiche Strategien voneinander abgeschaut.

Am Beispiel der USA ist sehr schön zu sehen: Auf Dauer entfaltet sich (auch demografisch) dynamische Religiosität am Besten unter den Bedingungen von Religionsfreiheit und gleichen Wettbewerbsbedingungen für alle Gemeinschaften.





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Kommentare

  1. Edgar Dahl @ - Michael Blume: "FOCUS"
    11.04.2009 | 12:43

    Ist der Beitrag im FOCUS wirklich lesenswert? Ließe er sich eventuell auch als "Seminartext" verwenden?

  2. Edgar Dahl @ - Michael Blume: USA
    11.04.2009 | 12:47

    Da Du von der religiösen Vielfalt in den USA sprichst: Was müsste in Deutschland geschehen, um eine ähnliche Vielfalt zu erzeugen? Den christlichen Großkirchen ihr Monopol und ihre Privilegien nehmen? Also zum Beispiel die "Kirchensteuer", die "Konkordatslehrstühle" und die "Theologenausbildung" abschaffen?

  3. Dietmar Hilsebein @ Dahl
    11.04.2009 | 13:42

    "Den christlichen Großkirchen ihr Monopol und ihre Privilegien nehmen? Also zum Beispiel die "Kirchensteuer", die "Konkordatslehrstühle" und die "Theologenausbildung" abschaffen?"

    Lieber Herr Dahl. Hoffentlich nerve ich Sie nicht -Sie müssen sich ja schon fast verfolgt vorkommen :-)

    Zum Thema: Warum etwas wegnehmen, aus der Welt nehmen, was in sich ohnehin keinen Bestand hat, da ein Reich immer an seinen Widersprüchen zugrunde geht? Was aber, wenn in der Theologie ein Rätsel verborgen ist, das es zu lösen gilt? Wenn ein Reich bestehen bleibt, stimmt etwas mit dem Widerspruch nicht!

  4. Michael Blume @ Edgar: Ja und Nein
    11.04.2009 | 15:26

    Lieber Edgar,

    die Kooperationen zwischen Kirchen und (demokratischem) Staat "zähmen" die Religionen, stärken also differenzierte und z.B. nicht-kreationistische Strömungen, lähmen aber natürlich auch den Wettbewerb und die Vielfalt, da sich neue Strömungen eher in die schon bestehenden Strukturen einbringen. Aus einer universitären Theologie gehen natürlich andere Sorten von Predigern und Seelsorgern hervor wie aus einer spendenfinanzierten Bibelschule.

    Die strikte Trennung von Kirchen und Staat wie in den USA führt also auf Dauer tatsächlich zu mehr Wettbewerb und dynamischen Religionsgemeinschaften - aber damit eben auch zu mehr Spaltungen, Abgrenzungen und Fundamentalismen. Interessanterweise hat schon Adam Smith die entsprechenden Überlegungen in seinem "Wealth of Nations" angestellt und daher für eine Kooperation zwischen Staat und Religionsgemeinschaften im Bereich der Bildung geworben. Ich würde ihm zustimmen, unser partnerschaftliches Verhältnis zwischen Staat und Religionen hat auch ganz klare Vorteile!

  5. Michael Blume Zu Focus
    11.04.2009 | 15:30

    Lieber Edgar,

    also, ich finde den Focus-Artikel ebenso knapp wie hervorragend! Der Autor hat es geschafft, nicht nur ein Sahnestückchen rauszupicken, sondern durch die Kombination von Text, Grafiken und Bildern eine erstaunlich breite und verständlich formulierte Übersicht auf wenig Raum zu leisten. Dass er selbst promovierter Biologe ist, hat sichtbar bei Verständnis und Wiedergabe der Thesen geholfen! Bin begeistert.

    Herzliche Grüße!

  6. Edgar Dahl @ - Michael Blume: FOCUS
    11.04.2009 | 23:16

    Ich habe gerade gesehen, dass der Text nur zwei Seiten hat. Hast Du zufällig einen Scan dieser Doppelseite als PDF?

  7. Edgar Dahl @ - Michael: Kirchliche Privilegien
    11.04.2009 | 23:26

    Über die staatlich überwachte Ausbildung von Theologen kann man meines Erachtens vielleicht noch diskutieren. Doch die vom Staat eingezogene Kirchensteuer und die Konkordatslehrstühle halte ich für vollkommen indiskutabel. Gemeinsam mit Michael Schmidt-Salomon bin ich ja auch an der gegenwärtigen "Konkordatdslehrstuhlklage" beteiligt. Ich halte es für ein Unding, dass man der katholischen Kirche in einem säkularen Staat gestattet, über die Besetzung einer Professur für Praktische Philosophie zu entscheiden. Seit wann brauchen Philosophen den Segen eines Bischofs, um an einer staatlichen Universität unterrichten zu können?

  8. Ingo B. seit wann, Edgar?
    12.04.2009 | 07:47

    Ich möchte annehmen, seit gut und gerne mindestens 1500 Jahren ...

    Letztlich muß es ja bei diesen Fragen zur Trennung von Staat und weltanschaulichen Gruppierungen doch eine Beurteilung dahingehend geben (und fließt wohl auch immer mit ein - auch bei Michael's), für wie förderlich oder rückschrittlich man eine bestimmte Weltanschauung für die weitere Entwicklung der Gesellschaft ansieht.

    Hier in Berlin treten da die ProReli-Anhänger ganz schön großkotzig auf, muß ich sagen. Sie scheinen noch viel weniger öffentlich bekannten Rückenwind zu spüren ...

    Man glaubt wunders was für eine aufrechter Konservativer zu sein, wenn man sich heute noch für das Christentum einsetzt. Dabei: man möchte schon bitten ...

    1500 Jahre REICHEN.

  9. Edgar Dahl @ - Ingo B.: "Pro Reli"
    12.04.2009 | 12:02

    "Seit wann, Edgar? Ich möchte annehmen, seit gut und gerne mindestens 1500 Jahren..."

    Mit der Frage "Seit wann" hätte ich mich natürlich nicht an einen Historiker wenden sollen!

    Ich habe übrigens einen Professor aus Berlin zu einem Gastbeitrag zu "PRO RELI" eingeladen. Ich hoffe, dass er ihn noch vor der anstehenden Abstimmung schickt.

  10. Edgar Dahl @ - Michael: Theologenausbildung
    12.04.2009 | 12:30

    Als ich schrieb, dass man über die Ausbildung von Theologen durchaus noch diskutieren könnte, hatte ich die Praxis in der DDR im Hinterkopf.

    Obgleich ein "atheistischer" Staat, hatte die DDR die Theologischen Fakultäten doch nicht von den Universitäten entfernt. Die meisten Theologen sind daher tatsächlich an den staatlich finanzierten Universitäten ausgebildet worden.

    Es hätte aber keineswegs sein müssen, denn neben den staatlich finanzierten Theologischen Fakultäten gab es auch fünf kirchlich finanzierte "Theologische Seminare" in der DDR - zwei in Berlin, eines in Leipzig, eines in Erfurt und eines in Naumburg. (Ich selbst war in Erfurt.)

    Die katholischen Priester sind sogar allesamt nur am sogenannten "Philosophisch-Theologischen Studium" in Erfurt ausgebildet worden, einer vom Vatikan finanzierten Hochschule direkt hinter dem Erfurter Dom. (Als "Ökumenebeauftragter" war ich als vermeintlicher "Protestant" oft bei den "Katholiken" und habe gemeinsame Veranstaltungen organisiert.)

    Wie auch immer, der Punkt ist: Die Kirchen haben ihre Pfarrer hervorragend ausgebildet. Es bedurfte keiner Kontrolle durch den Staat.

    Oder anders ausgedrückt: Ich sehe noch nicht so recht, dass es eines Rests von Zusammenarbeit zwischen Staat und Kirche bedarf. Denn die Finanzierung und die Ausbildung der Theologen kann durchaus von den Kirchen übernommen werden. Und sie achten bereits ihrerseits darauf, dass sie keine "Fundamentalisten" oder selbsternannte "Heiligen" ausbilden. Zudem: Bilden die Neuapostolen nicht beispielsweise ihre "Apostel" auch selbst aus?

  11. Michael Blume @ Edgar: Theologenausbildung & Pro Reli
    12.04.2009 | 17:48

    Lieber Edgar,

    wie geschrieben: Es ist kein Verstoß gegen die Religionsfreiheit, Staat und Religionen auch in der Theologenausbildung strikt zu trennen, wie es in den USA geschieht. Die religiöse Landschaft wird dadurch farbiger, bunter, aber eben auch in Teilen fundamentalistischer.

    Wenn aber der Staat selbst im Zuge eines Zwangsunterrichtes Werteerziehung "gegen" die Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften einrichtet, wird es kritisch. Und dass die SED-Nachfolgepartei dabei eine führende Rolle spielt, ist nicht sehr überraschend - die Kirchen und Religionen sollen mit Staatsmitteln verdrängt werden.

    Allerdings bin ich auch da nicht alarmistisch: Schon jetzt hat das Vorgehen des Berliner Senates zu einer Mobilisierung der Religiösen beigetragen. Ob sie ihre Wahlfreiheit noch einmal verteidigen können, ist zwar fraglich, aber das Bewusstsein für den Wert der eigenen Freiheiten bleibt gestärkt. Die Religionsfreiheit wird als ein zentrales Menschenrecht erkannt.

    Aber das können wir ja dann in Deinem Blog diskutieren - wobei ich gespannt bin, ob Du Dich gegen den staatlichen Zwangsunterricht und also für die Wahlfreiheit der (Anders-)Glaubenden einsetzen wirst.

  12. Michael Blume @ Ingo B.: Alternative?
    12.04.2009 | 17:50

    Lieber Ingo,

    das Christentum ist ja schon so oft totgesagt worden... Ich hätte nur die Frage: Wenn Du findest, dass es "reicht", was sollte denn dann Deiner Meinung nach an die Stelle des Christentums treten?

  13. Dietmar Hilsebein @Blume
    12.04.2009 | 21:19

    "das Christentum ist ja schon so oft totgesagt worden..."

    Es gibt nur ein einziges Argument, welches überleben wird, der gegen das Christentum spricht, ein Argument, welches ein Frage ist: und das soll eine "frohe Botschaft" sein? Alles andere Hedonismus, Materialismus, Atheismus, Naturalismus -alles alter Quark! Hatten wir schon! Und die, die sich dieser Begriffe mit samt der Definitionen noch bedienen, sind Trittbrettfahrer vergangener Zeiten, die nur ihre Eitelkeiten bedienen!

  14. Elsa "1500 Jahre reichen"
    12.04.2009 | 22:30

    Da hab ich jetzt wirklich eine Hiobsbotschaft:
    Richten Sie sich auf weitere 1500 Jahre ein.

  15. Ingo B. @ Michael
    13.04.2009 | 01:47

    Ich sagte es zu Edgar Dahl's letztem Blog-Beitrag auf Seite 6 der Kommentare vor kurzem:

    Es sollte angeknüpft werden bei solchen Leuten wie Rilke, Hölderlin, Schiller, Nietzsche etc. etc. pp ppp. Die europäische Hochkultur um 1800 und um 1900 hatte eine FÜLLE von Ansätzen und Perspektiven und Horizonten.

    Die heutigen Argumente der Atheisten - etwa eines Richard Dawkins - wären ihnen viel zu banal gewesen. Die waren da schon weit drüber hinaus. Die hatten das - zu größeren Teilen - gar nicht mehr NÖTIG, diese dauernde bloße Abstoßung. Ihnen war vor ALLEM wichtig: Wo wollen wir hin.

    Oder etwa Jacob Burckhardt. Die haben doch ALLE gesehen, daß der Materialismus, der Atheismus eine riesen Gefahr darstellen, daß man dem etwas entgegenstellen muß.

    Aber es war ihnen klar: "Frei wovon? Was schiert das Zaratusthra! Hell aber soll mir dein Auge künden: Frei wozu!" (Nietzsche)

    DA könnte und sollte auch religionswissenschaftliches und religionsdemographisches Fragen ansetzen und einsetzen. Da wäre diese Religiosität der europäischen Hochkultur um 1800 und um 1900 erst einmal zu umreißen und zu bestimmen, genauer zu analysieren. Wo wollten die denn alle hinaus? Was hatten die denn alle im Sinn? Was war ihnen gemeinsam? (Aber jetzt sage bitte bloß nicht so was Banales wie "Glaube an übernatürliche Akteure", Michael, dann kann man's gleich sein lassen.)

    Was für eine Religiosität HATTE Rilke?

    Tja. DA fängt "Studium generale" an ... Da würden plötzlich die Geisteswissenschaften eine gesellschaftliche Aufwertung erfahren, von denen sie sich schon seit Jahrzehnten nichts mehr zu träumen wagen. Germanistikprofessoren wichtiger als Theologen für gesellschaftliche Selbstfindung? Soso ...

    Oder wie sagte Goethe so klassisch und treffend:

    „Wer Wissenschaft und Kunst besitzt/ Hat auch Religion; Wer jene beiden nicht besitzt/ Der habe Religion.“

    Den Satz lasse man sich mal auf der Zunge zergehen. Er weist WEIT, WEIT in die Zukunft, tatsächlich über die nächsten 15 Jahrhunderte hinweg.

  16. Edgar Dahl @ - Michael: "Pro Reli" vs. "Pro Ethik"
    13.04.2009 | 01:47

    "Aber das können wir ja dann in Deinem Blog diskutieren - wobei ich gespannt bin, ob Du Dich gegen den staatlichen Zwangsunterricht und also für die Wahlfreiheit der (Anders-)Glaubenden einsetzen wirst."

    Wie schon erwähnt, habe ich einen befreundeten Professor aus Berlin gebeten, einen Gastbeitrag zu "Pro Reli" zu schreiben. Da er nicht vor Ort sitzt, sondern auch der Humanistischen Union angehört, kennt er sich in der Thematik weit besser aus als ich. (Da ich nach wie vor nicht alle relevanten Fakten kenne, bin ich gegenwärtg noch
    unentschieden.)

  17. Edgar Dahl @ - Michael: Theologenausbildung
    13.04.2009 | 01:55

    "Es ist kein Verstoß gegen die Religionsfreiheit, Staat und Religionen auch in der Theologenausbildung strikt zu trennen, wie es in den USA geschieht. Die religiöse Landschaft wird dadurch farbiger, bunter, aber eben auch in Teilen fundamentalistischer."

    Ich bin da etwas skeptischer. Ich kann mir, ehrlich gesagt, nicht wirklich vorstellen, dass Fundamentalisten und Scharlatane vom Schlage eines Benny Hinn in Deutschland großen Erfolg haben könnten.

    Zudem: Je fundamentalistischer sich die "Christen" gebärden, desto mehr diskreditieren sie sich selbst - ein Umstand, der mir als Atheisten eigentlich nur entgegenkommen kann.

    Gibt's hierzulande beispielsweise Leute, die mit Plakaten a lá "God Hates Fags!" auf die Straße gehen?

  18. Ingo B. Alternative zum Christentum?
    13.04.2009 | 01:55

    Wenn Du mich fragst:

    Sigrid Hunke "Europas andere Religion" IST NICHT SO SCHLECHT. Da steht VIEL drin. Aber ist natürlich AUCH nur einer der vielen ersten Ansätze, die weiterzuentwickeln sind. Immerhin schon einmal ganz gut in einem ersten Wurf zusammen gefaßt diese vielen Ansätze.

    Aber das Wesentliche ist: Das muß von unserer Gesellschaft im kreativen Prozeß ERARBEITET werden, in Auseinandersetzung mit solchen Fragen muß unsere Gesellschaft REIFEN. DA fängt an, Kulturleben überhaupt Kulturleben zu sein, wenn solche Fragen bearbeitet werden (eben so wie um 1800 oder um 1900 oder etwa in der Renaissance um 1500). Kulturleben und nicht das heutige Pseudo-"Kulturleben", auf das man überall stößt.

    Auch Religionswissenschaftler können an diesem kreativen, kulturellen Suchprozess mitarbeiten. Z.B. indem sie - etwa - die Anthroposophen und ähnliche Gruppierungen religionsdemographisch auswerten und nicht immer nur das Null-Acht-Fünfzehn-Programm durchziehen. ...

  19. Edgar Dahl @ - Ingo B.: "Atheismus"
    13.04.2009 | 02:02

    Was meintest Du mit der Behauptung:

    "Oder etwa Jacob Burckhardt. Die haben doch ALLE gesehen, daß der Materialismus, der Atheismus eine riesen Gefahr darstellen, daß man dem etwas entgegenstellen muß."

    Das verwirrt mich? Bist Du etwa der Ansicht, dass der Atheismus eine "Gefahr" darstellt?

  20. Ingo B. @ Elsa: ...
    13.04.2009 | 02:29

    Für so dumm und kindisch und geistig-moralisch unbedarft darf man die Menschheit NICHT halten. Man DARF es nicht. Daß sie das noch mal 1500 Jahre macht: MAN - DARF - ES - NICHT.

    Es gibt eine ethische Pflicht, die Menschheit für intelligenter zu halten.

    Es ist verboten, sozusagen (will heißen: aus intellektueller Redlichkeit heraus), mit der Lüge zu leben. Und das Christentum IST heute eine Lüge - seinem Wesen nach. Und zwar, wo immer man es auch nur berührt, anfaßt.

    Nur als Eklatantestes (worüber aber bezeichnenderweise von Christentums-Kritikern kaum gerdet wird): Religiosität muß auf gesellschafltiche Wirklichkeit reagieren. Bei all dem z.B., was nur einen Klick weit von hier entfernt ist, wird ein altüberkommener Begriff wie "Sünde" zu einer Trivialtität, wie es noch nie eine Trivialtität gegeben hat. Daß das Christen, wohlgemerkt: Christen nicht merken (nicht zu merken scheinen), damit fängt das Ungeheuer an. Die Lüge.

    Denn wenn sie die Ungeheuerlichkeit gemerkt hätten, hätten sie schon längst, schon längst Revolution gemacht. DA sie es aber nicht gemacht haben, die Christen, seit Jahrzehnten nicht (spätestens Helmut Kohl nicht, nachdem er die "geistig-moralische Wende" hatte einleiten wollen), und da nicht im GERINGSTEN Revolutionsbereitschaft unter ihnen zu spüren ist, leben sie eben mit der Lüge weiter. Aber mit WAS für einer Lüge ... Ich bitte doch: Mit WAS für einer Lüge.

    Schüttel.

    Noch mal genau, konkret: Was ist die Lüge? Daß es einen zentralen christlichen Begriff gibt wie den der Sünde gibt, den auf heutige gesellschaftliche Wirklichkeit anzuwenden nur noch Absurditäten hervorbringt, der es aber nicht mehr SCHAFFT, ihnen gerecht zu werden (obwohl er es müßte, weil er zentral ist, nämlich für das Wesen des Christentums und für seine geistig-moralisch REDLICHE Existenz. Fortexistenz.)

    Es geht nicht mehr um die moralischen Übertritte einzelner Priester. Um Christi Geburt sind religiöse Reformer schon um viel banalerer Dinge willen viel fantatischer geworden als heute auch der engagierteste Christ gesellschafltichen und religiösen und moralischen Reformwillen entfaltet im Angesicht HEUTIGER gesellschaftlicher Wirklichkeit. DA fängt es eben an, so ganz und gar ins Absurdistan abzutauchen.

    Daran wird eben erkennbar, daß aus dem Christentum nicht mehr die geringsten gesellschaftlichen Reformkräfte überhaupt herovrgehen. Noch nicht mal eine Eva Herman findet bei ihnen, bei den Christen genügend Schutz und Rückhalt, um sich mit ihrer Hilfe auch nur ANSATZWEISE gesellschaftlich durchzusetzen. Wie LÄCHERLICH. NOCH NICHT MAL: SIE. Ein weiterer solcher Punkt.

    Es ist völlig und absolut ins Bodenlose abgerutscht. Und die Gründe sind nicht, können nicht bloß oberflächlicher Art sein.

szmtag