Fruchtbarer Glauben im Focus
Fakten, Fakten, Fakten - und an die Leser denken. Getreu ihrem Motto enthält die heute (11.04.09) erschienene Ausgabe von Focus zwei Seiten zur Evolutionsforschung zur Religiosität. Dass der Wissenschaftsjournalist Christian Pantle promovierter Humanbiologe ist, zeigt sich dabei wohltuend. In Anlehnung an das Magazinmotto, für Leser des Artikels und natürlich auch sonstige Interessierte hier ein paar weiterführende Links sowie die Antworten zu drei häufig gestellten Fragen.
Weitergehende Darstellungen der Evolution von Religiosität finden Sie (per Klick ->) in "Homo religiosus" in Gehirn & Geist 03/2009 sowie, etwas trockener und umfangreicher, (per Klick ->) in Band 29 der Mitteilungen der BGAEU.
Religionsdemografische Daten z.B. zum Vergleich Europa - USA und Muslimen in der Türkei und Deutschland finden Sie z.B. im "religionsdemografischen Fanpost".
Einige weitere Fallstudien behandeln
- die Mormonen (kinderreich)
- die Amischen (extrem kinderreich)
- die Shaker (kinderlos)
Auch gibt es einen Beitrag zur Gretchenfrage (dem Vergleich des religiösen Verhaltens von Frauen und Männern).
Und wussten Sie schon, dass auch der Neandertaler religiöses Verhalten evolvierte?
Einen umfassenden Einblick in den Forschungs- und Diskussionsstand zu den genannten und vielen weiteren Themen bietet das Buch "Gott, Gene und Gehirn" von Rüdiger Vaas und mir, erhältlich u.a. im Buchhandel, im hiesigen Science-Shop und bei amazon.de.
Häufig gestellte Fragen
1. Beweist oder widerlegt die Evolutionsforschung zur Religiosität die Existenz Gottes?
Weder - noch. Wie jede empirische Wissenschaft bietet die Religionswissenschaft und Evolutionsforschung insgesamt nur immer weiter verbesserte Hypothesen auf Basis beobachteter (also stets vergangener!) Befunde, die dann durch noch bessere Hypothesen auf Basis auch neuer Befunde abgelöst werden. Absolute Wahrheiten können sie also gar nicht liefern. Die Evolutionsforschung zur Religiosität erkundet auch nicht die Existenz von Ahnen, Geistern, Göttern, Gott, sondern die biologischen Funktionen des beobachtbaren (und, wie wir inzwischen wissen, insgesamt erfolgreichen) religiösen Verhaltens.
Und die Diskussion hat gerade erst begonnen, ob und ggf. welche erkenntnistheoretischen, philosophischen und theologischen Folgen sich aus den Erkenntnissen ergeben.
2. Kommt es denn nur darauf an, wie nachdrücklich Religionsgemeinschaften ihre Anhänger zu Kinderreichtum auffordern?
Nein - sondern auch darauf, ob sie die Familien dann auch unterstützen.
Religionsgemeinschaften, deren Lehren sich zu Kindern gleichgültig oder gar ablehnend verhalten, überaltern ebenso wie solche, die Familien überfordern. "Ihr sollt viele Kinder haben, die Mutter für diese auf Karriere verzichten, der Vater alleine das Geld heranschaffen und in der Woche sind mindestens zwei Gottesdienste zu besuchen." führt beispielsweise in Industrie- und Wissensgesellschaften ohne flankierende Förderung schnell in den Geburtenrückgang, wie bei den europäischen Gemeinden der Neuapostolischen Kirche und Zeugen Jehovas zu beobachten. Dauerhaft hohe Geburtenraten erreichen nur jene Gemeinschaften, die zusätzlich zu Familienwerten auch Familieneinrichtungen wie Kindergärten, Schulen, Stipendien usw. bereit stellen wie beispielhaft jüdische Gemeinden, einige Freikirchen usw.
3. Könnte Deutschland seine Geburten steigern, wenn die Deutschen wieder zu mehr Religiosität gezwungen würden?
Nein, im Gegenteil. Staatlicher Zwang ist der schnellste Weg, um religiöses Leben abzutöten. Heute ist z.B. im Iran die Religiosität viel schwächer ausgeprägt als in der Türkei. Warum?
Einerseits verlieren religiöse Signale wie Gebete, Kleidungs-, Speise- und Zeitgebote ihre Signalwirkung, wenn sie erzwungen werden - sie zeigen nur dann die Haltung der Glaubenden an, wenn sie freiwillig befolgt werden. Und zum zweiten erstarren Kirchen und Religionsgemeinschaften, wenn sie durch den Staat vor Konkurrenz geschützt werden. Warum auch sollten sie sich anstrengen (z.B. durch neue Gottesdienstformen und Familienangebote), wenn sie doch ohnehin ein Monopol haben? Erst im Wettbewerb setzen sie sich in Bewegung und gleichzeitig werden erfolgreiche Strategien voneinander abgeschaut.
Am Beispiel der USA ist sehr schön zu sehen: Auf Dauer entfaltet sich (auch demografisch) dynamische Religiosität am Besten unter den Bedingungen von Religionsfreiheit und gleichen Wettbewerbsbedingungen für alle Gemeinschaften.
Ähnliche Artikel:
- Gebote & Rituale - Was nichts kostet, ist weniger wert
- Mutter Natur verstehen - Die Evolutionsforscherin Sarah Hrdy
- Überbevölkerung und Reproduktionsvorteil durch Religion
- Gruppenselektion vor dem Comeback?
- Der Gotteshelm von Michael Persinger





Liebe Petra,
danke für Deine Überlegungen, auf die ich gerne wieder eingehe!
Allerdings sollte man vielleicht bei einer Zählung des Nachwuchs der religiösen Menschen nicht die Geographie der Religion vergessen. Sehr religiöse Menschen leben nach meinen Erfahrungen häufig in eher ländlichen Gegenden (wo der Hase und der Fuchs sich noch "Gute Nacht!" sagen) ... dort gibt es oft nicht viel Freizeitbeschäftigungsmöglichkeiten.
Auch das haben wir selbstverständlich schon überprüft. So wird in einer Auszählung der australischen Volkszählung die Kinderzahl Religiöser und Konfessionsloser in der Bundeshauptstadt Adelaide und zusätzlich nach Bildung untersucht. Ergebnis: Mit steigender Bildung und "gerade" in den Städten wächst der Reproduktionsvorteil der Religiösen. Denn es gilt ja gerade Deine Vermutung: Wo es viele Karriere- und Freizeitmöglichkeiten gibt, wird es immer "mehr" zur Wertentscheidung, ob man zugunsten von Kindern noch darauf verzichten mag. Siehe z.B. hier, Grafik 4 (und Link):
http://www.chronologs.de/...on-iq-und-religiosit-t
Ein schönes Gegenbeispiel sind übrigens auch die Schweizer Juden, die höhere Geburtenraten in der Großstadt als auf dem Land aufweisen. Warum? Weil die Gemeinden in den großen Städten leben und entsprechend dort Gemeindeleben gepflegt und Familienunterstützung organisiert wird.
Zu säkularer Bildung: Ich wüßte nicht, mich jeweils gegen säkulare Bildung ausgesprochen zu haben - im Gegenteil! Um was es in Berlin aber geht, ist eine (weitere) Einschränkung der Wahlfreiheit der Eltern und Kindern zugunsten eines politisch verordneten Weltanschauungsunterrichtes. Das halte ich für problematisch - wie Hunderttausende Berliner auch, die ein Volksbegehren dagegen organisiert haben.
Lieber Edgar,
was mich gerade auch online immer wieder verblüfft ist die Leichtigkeit, mit der religiöse Menschen in Deutschland herunter gemacht werden. Siehe Ingos Beiträge über die "Dummheit" der Christen hier, denen abgesehen von Elsa niemand widersprach. Und auch Du schreibst hier lustige Sätze wie "Je fundamentalistischer sich die "Christen" gebärden, desto mehr diskreditieren sie sich selbst - ein Umstand, der mir als Atheisten eigentlich nur entgegenkommen kann." Sei ehrlich: Es gibt schon längst eine Gewöhnung, gegen glaubende Menschen und Religionsgemeinschaften mächtig auszuteilen.
Umgekehrt scheint es aber eine große Wehleidigkeit zu geben, wenn ich es auch nur mal wage, sanft Argumente gegen diese zunehmend aggressive Religionsfeindlichkeit anzubringen. Die Verdrängung von Religionsfreiheit ging weltweit stets von totalitären Ideologien (religiöser und eben auch säkularer Art) aus. Und gerade in Berlin haben Atheisten religiöse Menschen im Namen der Aufklärung und des Humanismus noch vor wenigen Jahrzehnten verfolgt! Und nun strebt die Berliner Regierung mit der Diktatur-Nachfolgepartei wieder die Einschränkung von Religionsfreiheit von Familien und Kindern an! Und ein von Berlinern ausgehendes Volksbegehren dagegen wurde (auch hier im Blog) gleich ebenfalls verspottet - als ob sich die Menschen nicht mal wehren dürften. Mir macht das Klima der Verhöhnung von religiösen Menschen und der Einschränkung ihrer Grundrechte in Deutschland Sorgen - und darauf weise ich hin. Gerne dann auch in der Diskussion zu Deinem (natürlich, was sonst) religionskritischen Gastbeitrag.
"Und auch Du schreibst hier lustige Sätze wie 'Je fundamentalistischer sich die "Christen" gebärden, desto mehr diskreditieren sie sich selbst - ein Umstand, der mir als Atheisten eigentlich nur entgegenkommen kann.' Sei ehrlich: Es gibt schon längst eine Gewöhnung, gegen glaubende Menschen und Religionsgemeinschaften mächtig auszuteilen."
Dies ist wieder nicht ganz fair. Du hast meinen Satz vollkommen aus dem Kontext gerissen. Ich habe ihn in Entgegnung auf Deine "Warnung" geschrieben, dass eine strikte Trennung von Staat und Kirche zu einem Anwachsen des religiösen Fundamentalismus führen könne. Und ich habe entgegnet, dass ich mir darüber wenige Sorgen mache, als sich Fundamentalisten selbst diskreditieren. War dies ein Angriff auf ehrbare und rechtschaffene Christen?
Lieber Michael, manchmal weiß ich wirklich nicht, wovon Du redest. Wo siehst Du denn in Deutschland eine "Verdrängung der Religionsfreiheit" und sogar eine "Einschränkung ihrer Grundrechte"? Vielleicht lebe ich ja im sprichwörtlichen Elfenbeinturm, doch von alledem habe ich bislang noch nichts gehört, gesehen oder gelesen.
Lieber Edgar,
stell Dir mal vor, ich würde Sätze schreiben wie: Umso extremer sich "Atheisten" gebärden, umso besser, denn umso mehr diskreditieren sie sich selbst und zeigen der Welt, wie totalitär die Sehnsucht nach der Abschaffung von Religion(en) ist.
Ganz ehrlich: Du würdest Dich empören, oder!? Aber Religiöse haben es klag- und widerspruchslos einzustecken?
Erinnere Dich: Du hast mich gefragt, ob für die Staat-Kirchen-Kooperationen auch Argumente sprechen und ich habe darauf verwiesen, dass diese Kooperationen helfen, Fundamentalismus zu verhindern. Einmal begründest Du mit Fundamentalismus Deine religionskritische Haltung; dann wieder ist Dir Fundamentalismus ganz Recht, weil er die Religionen diskreditiert...
Und ich soll als "ehrbarer, rechtschaffener Christ" (danke) auch noch klaglos akzeptieren, dass (wieder!) Staat und Parteien per Zwang Kinder mit der jeweiligen, politisch beschlossenen Weltanschauung indoktrinieren. Auch da: Was wärest Du (und wäre ich!) empört, würde jemand umgekehrt verpflichtenden Religionsunterricht für alle fordern!
Was würdest Du, was würdet Ihr, was würden wir (ich mit!) dagegen im Namen der Freiheit toben! Aber umgekehrt kannst Du keine Einschränkung der Religionsfreiheit erkennen - selbst dann nicht, da sich deswegen doch bereits auch Hunderttausende Berliner wehren! Klar, aus Deiner Sicht sind das ja alles nicht sonderlich ernstzunehmende (weil religiöse) Menschen, aber ein Volksbegehren von Hunderttausenden zugunsten einer Wahlfreiheit könnte man als freiheitlicher Philosoph doch mal wahrnehmen...
Zuletzt: In Deinem letzten Blogbeitrag hast Du erfreut ein Filmplakat gepostet, in dem je ein Affe mit Davidstern, Kreuz und Halbmond auftritt. Auch da sei wieder gefragt: Wie "fair" fändest Du z.B. ein Plakat, in dem Atheisten als Verlierer der Evolution vorgeführt würden? All das mache ich ja gar nicht und habe es auch nicht vor. Aber mächtig austeilen, dafür nicht einstecken können gilt einfach nicht. Religionskritik wird m.E. steril, wenn sie nicht auch manchmal Selbskritik übt, oder sich wenigstens mit den Argumenten auch der Verhöhnten ernsthaft auseinandersetzt.
Lieber Edgar,
und weil ich ja so ein unrettbar-naiver Lass-uns-drüber-diskutieren-Typ bin, hier nochmal zurück zu unserer Debatte einen aktuellen Bericht aus dem Wall Street Journal über die Polarisierung des religiösen Marktes in den (Kirchen und Staat strikt trennenden) USA - "God Still Isn't Dead":
http://online.wsj.com/...1768295037.html#printMode
Dem Bericht ist aus meiner Sicht nicht viel hinzu zu fügen - erzeigt aber eben m.E. auch, warum unser deutsches Kooperationsmodell vielleicht so schlecht gar nicht ist.
"Stell Dir mal vor, ich würde Sätze schreiben wie: Umso extremer sich 'Atheisten' gebärden, umso besser, denn umso mehr diskreditieren sie sich selbst und zeigen der Welt, wie totalitär die Sehnsucht nach der Abschaffung von Religion(en) ist.
Ganz ehrlich: Du würdest Dich empören, oder!? Aber Religiöse haben es klag- und widerspruchslos einzustecken?"
Erstens, würde ich mich nicht empören. Und zweitens kenne ich niemanden, der die Religionen abschaffen will. Die politische Macht der Kirchen zu beschneiden ist etwas ganz anderes als sie abschaffen zu wollen.
"Einmal begründest Du mit Fundamentalismus Deine religionskritische Haltung; dann wieder ist Dir Fundamentalismus ganz Recht, weil er die Religionen diskreditiert..."
Das ist nicht wahr. Ich habe Dir mit der Behandlung von Witwen im Hinduismus und der Behandlung von Ehebrecherinnen im Islam zwei praktische Gründe dafür genannt, warum ich die Religionskritik für notwendig erachte.
Ist Dir eigentlich schon einmal aufgefallen, dass wir seit einigen Jahren religiöse Positionen als "fundamentalistisch" bezeichnen, obgleich sie vor einigen Jahrzehnten durchaus noch hoffähig waren? Wie sind Frauen, die abgetrieben haben, Männer, die homosexuell sind, Paare, die sich scheiden lassen haben, von der Kirche gebrandmarkt worden! Und warum hat sich dies wohl geändert? Sicher, andere Zeiten, andere Sitten - doch die Fortschritte, die wir erzielt haben, gehen zu einem nicht unbeträchtlichen Teil auch auf die Religionskritik zurück.
Ich glaube, dass Fundamentalisten hierzulande einen schweren Stand haben. Mit dem, was sie sagen, schreiben und tun, diskreditieren sie sich selbst. Und daher mache ich mir keine großen Sorgen über ein Anwachsen des Fundamentalismus in Deutschland. Ich spreche hier allerdings ausschließlich von einem christlichen, nicht von einem muslimischen Fundamentalismus, der weit mehr Gefahren bergen mag.
@Michael Blume und Edgar Dahl: Es steht mir eigentlich nicht zu, in eure persönliche Debatte dazwischen zu funken und es tut mir auch leid, euch zu stören, aber es muß einfach gesagt werden, daß ihr zwei scheinbar gerade ziemlich aneinander vorbei redet.
Also bitte beide einmal tief durchatmen, nochmal lesen und darüber nachdenken, was der andere eigentlich sagen wollte.
"Was wärest Du (und wäre ich!) empört, würde jemand umgekehrt verpflichtenden Religionsunterricht für alle fordern!"
Aber das ist doch die Situation, die wir gehabt haben! Jeder besucht den Religionsunterricht - wer aufgrund seines Atheismus nicht mag, MUSS dann Ethik machen, weil er sonst nicht zwischen Gut und Böse zu unterscheiden vermag.
"Aber umgekehrt kannst Du keine Einschränkung der Religionsfreiheit erkennen - selbst dann nicht, da sich deswegen doch bereits auch Hunderttausende Berliner wehren! Klar, aus Deiner Sicht sind das ja alles nicht sonderlich ernstzunehmende (weil religiöse) Menschen, aber ein Volksbegehren von Hunderttausenden zugunsten einer Wahlfreiheit könnte man als freiheitlicher Philosoph doch mal wahrnehmen..."
Nein, ich kann hier wirklich keine "Einschränkung der Religionsfreiheit" sehen! In Berlin kann nach wie vor jeder glauben, was er will, und seine Kinder in jeder Religion erziehen, wie er will.
Wenn man den Kirchen die politischen Privilegien, die man ihnen über Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte hinweg eingeräumt hat, wieder nimmt, ist das keine "Beschränkung der Religionsfreiheit" - denn die Kirchen hatten nie einen rechtlichen Anspruch auf diese staatlichen Privilegien!
Hallo Herr Dahl und Hallo Herr Bading, nachdem ich mir den Artikel im FOCUS "Fruchtbarer Glaube" durchgelesen habe und nach Empfehlung den hier laufenden Internetblog zugemüte geführt habe, wollte ich nun doch kurz einen Kommentar abgeben.
Ein schmunzeln sei mir gegönt. Welches Ziel soll mit dieser Diskussion erreicht werden?
Herr Dahl, Ihre Aussage fand ich besonders Interessant:
"Wenn man den Kirchen die politischen Privilegien, die man ihnen über Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte hinweg eingeräumt hat, wieder nimmt, ist das keine "Beschränkung der Religionsfreiheit" - denn die Kirchen hatten nie einen rechtlichen Anspruch auf diese staatlichen Privilegien!"
Dabei sollte man mit erwähnen, wenn wir nur vom Christentum sprechen, Grundlage also die Bibel, dann DÜRFTE sich die Kirche gar nicht staatlich oder politisch einsetzen. Warum tut Sie es trotzdem?
Weil ihr der Einfluss und die Darstellung wichtiger ist als das einalten christlicher Grundlehren! Würde das Christentum so leben wie es ihrer Glaubenslehre entspricht, behaupte ich frei heraus: Es würde keine Atheisten geben?
Warum ist denn ein Atheist ein Atheist?
Hat dieser keinen Glauben?
Ist die Evolution Tatsache oder Theorie?
Werde oder bin ich von etwas enttäucht, befasse ich mich nicht damit. Und seit wie vielen Jahrhunderten wird man von den Religionen enttäuscht?
Würde sich die Christenheit so verhalten wie es ihrer geziemt, dann wäre zwischen ihr und dem staat so ein großer Unterschied wie zwischen heiß und kalt. Weil sie aber keinen Unterschied macht, sondern lau ist, evrurteilt sie sich anhand der Bibel selbst.
Ich hoffe, mein Gedanke war verständlich ausgedrückt und nachvollziehbar.
Und ich soll als "ehrbarer, rechtschaffener Christ" (danke) auch noch klaglos akzeptieren, dass (wieder!) Staat und Parteien per Zwang Kinder mit der jeweiligen, politisch beschlossenen Weltanschauung indoktrinieren.
Aus dem Schulgesetz:
"Das Fach Ethik orientiert sich an den allgemeinen ethischen Grundsätzen, wie sie im Grundgesetz, in der Verfassung von Berlin und im Bildungs- und Erziehungsauftrag der §§ 1 und 3 niedergelegt sind. Es wird weltanschaulich und religiös neutral unterrichtet."
Ich bins, ihr sapere aude. Ich will mich doch auch hier mal äußern, wo ich es doch auf Ihrem privaten Blog nicht mehr darf.
Zwei kleine Punkte zu Ihrer Diskussion mit Edgar Dahl:
1. Sie werden es nicht glauben, aber nicht mal ich will Religionen verbieten lassen.
2. Zu Ihrem Focus-Artikel: Wenn ich das in Edgar Dahls Blog richtig gelesen habe, war der mit Ihrem Co-Autor nicht abgestimmt? Sowas. Nein.
Und noch was: Schauen Sie doch mal fix bei mir im Blog vorbei. Ich hätte da noch eine Frage zum Thema "Cyberstalking". Sie wissen schon ;o)
Danke für den Auszug aus dem Schulgesetz!
Wie stehst Du zu der Frage, ob die Steuerzahler eines säkularen Staates den Religionsunterricht katholischer, evangelischer oder muslimischer Kinder bezahlen sollen?
Haben wir nicht auch schon einmal zum Thema Religion miteinander diskutiert?
Ein "neutraler Werteunterricht" ist m.E. ein Oxymoron. Ich hattte ja selbst Ethik und erinnere mich noch sehr gut an die real existierende Praxis. Und damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich finde Ethik Klasse, solange Eltern und Kinder Wahlfreiheit haben. Es ist aber nun einmal eine Einschränkung bürgerlicher Freiheiten, wenn der Staat Weltanschauungsunterricht verpflichtend macht. Und diese Einschränkung von Freiheit wird von vielen bejubelt, nur weil sie sich auch gegen religiöse Menschen richtet. Schade. (Wird aber ja dann in Edgars Blog diskutiert.)
Liebe Petra,
danke für Deine versöhnlichen Worte! Du hast ja auch völlig Recht. Edgar und ich lieben die Debatte, aber wir können uns menschlich sehr gut leiden.
Herzliche Grüße!
1. Sie werden es nicht glauben, aber nicht mal ich will Religionen verbieten lassen.
Es freut mich zu lesen, dass Sie die Menschenrechte auch für Andersdenkende und -glaubende aufrecht erhalten wollen!
2. Zu Ihrem Focus-Artikel: Wenn ich das in Edgar Dahls Blog richtig gelesen habe, war der mit Ihrem Co-Autor nicht abgestimmt? Sowas. Nein.
Wie meinen? Den Focus-Artikel habe nicht ich, sondern hat ein Journalist (und übrigens ein promovierter Humanbiologe) über unser Buch geschrieben. Dieser musste ihn also mit niemandem, auch nicht mit mir, abstimmen.
Und noch was: Schauen Sie doch mal fix bei mir im Blog vorbei. Ich hätte da noch eine Frage zum Thema "Cyberstalking". Sie wissen schon ;o)
Nein, danke. Ich hoffe ja immer noch, dass Sie von Ihrer seltsamen Obsession von meiner Person, die Sie über viele Stunden und Beiträge hinweg "pflegten" loskommen und lieber selber etwas Konstruktives leisten, anstatt Andersdenkende zu verfolgen und zu beleidigen. Dann - und erst dann - schaue ich auch gerne mal wieder vorbei.
Es ist aber nun einmal eine Einschränkung bürgerlicher Freiheiten, wenn der Staat Weltanschauungsunterricht verpflichtend macht. Und diese Einschränkung von Freiheit wird von vielen bejubelt, nur weil sie sich auch gegen religiöse Menschen richtet.
Michael, wir leben ja nun nicht mehr im dunklen 20. Jahrhundert. Das Schulgesetz, das Unterrichtskonzept und die Lehrpläne stehen alle online. Zeig mir doch einfach die gefährlichen weltanschaulich indoktrinierenden Inhalte, die sich gegen Religiöse richten.
Wenn es wirklich die Bürgerfreiheit Religiöser einschränkt, sich mit den freiheitlichen Grundsätzen unseres Landes auseinandersetzen und sie diskutieren zu müssen, dann entzieht man damit der Religionsfreiheit die Grundlage, durch die sie erst begründet wird. Ich kann nicht eine Bürgerfreiheit für mich in Anspruch nehmen, den Vermittlungsanspruch des Staates hinsichtlich dieser Freiheiten aber als Widerspruch gegen meine Religion ablehnen. Und der Religionsunterricht war hinsichtlich der Einführung von Ethik keinerlei Änderung unterworfen; niemandem wird Religionsunterricht verwehrt oder der Zugang dazu erschwert.
Das Bundesverfassungsgericht hat sich in der Sache ebenfalls so geäußert: Im Rahmen des staatlichen Erziehungsauftrags
darf der Landesgesetzgeber mit Rücksicht auf die tatsächlichen
Gegebenheiten und die religiöse Orientierung der Bevölkerung daher die
Einführung eines gemeinsamen Ethikunterrichts für alle Schüler ohne
Abmeldemöglichkeit vorsehen, um so die damit verfolgten legitimen Ziele
gesellschaftlicher Integration und Toleranz zu erreichen und den
Schülern eine gemeinsame Wertebasis zu vermitteln.
Auch als Berufspessimist bin ich hinsichtlich der Abstimmung in letzter Zeit vorsichtig optimistisch, seitdem ich zum Beispiel mitgekriegt habe, wie sich durchaus religiöse Menschen entschieden gegen ProReli ausgesprochen haben. Zum einen weil sie den gemeinsamen Ethikunterricht für wichtig halten, zum anderen, weil sie in der Gemeinde miterlebt haben, wie kritische evangelische Pfarrer von oben zurechtgestutzt wurden, um die Kampagne zu unterstützen.
Die Zuspitzung AntiEthik, pardon, ProReli oder Diskriminierung von Religiösen wird nicht mal von den Religiösen in Berlin geteilt.