Mal wieder Heidelberg
Da ich immer noch eine Übung zum Heidelberger Mittelalter besuche, muss ich ja auch mal wieder was zu dieser schönen Stadt schreiben. Letzte Woche durfte ich einer kleinen Rundgang durch die Altstadt genießen, wobei mir ihre sakrale Architektur nahe gebracht wurde.
Hierbei wurden insbesondere die wichtigeren Klöster im Heidelberger Stadtgebiet erwähnt, also das Franziskaner- und Augustinerkloster, als auch z.B. der Hof der Zisterzienser oder der Hof des Wormser Bischofs.
Uns wurde dabei eine kleine interessante Ironie der Geschichte nahe gebracht, die sich insbesondere in Heidelberg als erwähnenswert erweist. Die derzeit in Heidelberg florierende Affinität zu Bürgerrechtsbewegungen, die sich mit dem Erhalt oder der Restaurierung historischer Bausubstanz beschäftigt hatte im 19. Jahrhundert sozusagen einen bösen Zwilling. Während sich heutzutage mit Vehemenz dagegen gewehrt wird, historisch problematische Eingriffe, wie die Wiedererrichtung, wobei Wiedererrichtung hier ein Euphemismus ist, des barocken Gartens am Schloss, durch die Stadtoberen oder findige Wirtschafter zuzulassen, ermöglichte das Votum, der anwohnenden Bürger Mitte des 19. Jahrhunderts den Abriss des Franziskanerklosters am heutigen Karlsplatz.
Dieser Karlsplatz beherbergt heutzutage einer Tiefgarage, die Anfang der siebziger Jahre erbaut wurde. Im Rahmen dieser Tiefenbohrungen im Altstadtbereich kam es zu einer sehr intensiven Freilegung und Bildbearbeitung der vorhandenen Reste des Franziskaners. Diese erste und recht großen Grabungen mittelalterliche Archäologie in Baden-Württemberg. Diese blieb nur erstaunlicherweise ohne jegliche Publikation. Was war geschehen?
Eine kleine lustige Anekdote die uns auf dieser Führung erzählt wurde. Anfang der siebziger Jahre waren die Studenten in Heidelberg noch nicht ganz so brav wie heute und nahmen sich das Recht heraus, zum Teil in einem nicht ganz nüchternen Zustand auf dem Grabungs-Gelände zu erscheinen. Die Anwohner von so viel langhaarigem Bombenlegertum und potentiellen Terrorismus angewidert und erschrocken, ließen es sich nicht nehmen eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den Grabungsleiter in Stuttgart zu erwirken. Dieser weniger erfreuliche Beginn mittelalterlicher Archäologie in Baden-Württemberg sollte durch einen weniger kompromittierenden ersetzt werden.
Das führte dazu, dass eine groß angelegte und nichtsdestotrotz professionell ausgeführte Grabung, die zahlreiche Aufschlüsse geben könnte über die mittelalterliche sakrale Architektur in Heidelberg und ihre Wirkung auf die soziale Struktur der Altstadt, etc. unausgewertet im Archiv in Karlsruhe, seiner "Entdeckung" harrt.
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