Aller Anfang… - Ein Anfang
Ich werde mich hauptsächlich mit der Zeit beschäftigen, die in Westeuropa gemeinhin als Mittelalter bezeichnet wird. Dadurch sollen aber nicht auch theoretische und aktuelle Probleme (zum Beispiel wenn mal wieder ein Historikerstreit vom Zaun bricht) ausgeschlossen werdeN, sondern vielmehr soll von der Aktualität des Mittelalters und von aktuellen Fragestellungen an das Mittelalter ausgegangen werden.
Der Titel sollte diesen Ansatz irgendwie repräsentieren, doch wie findet man einen passenden Titel für einen Blog über das Mittelalter. Latein wäre ja schön und gleichzeitig so bildungsbürgerlich abgehoben, ein wenig arrogant gegenüber all den Seiten und Blogs, die sich in der Tagesaktualität aufreiben und zerreiben lassen. In diesem Moment der unsteten Rastlosigkeit hilft die ewig tote Sprache beim Verweilen und Betrachten. Ganz so offensichtliche Titel wie „das Mittelalter heute“ oder „Medieval matters“ (auch wenn‘s das tut) scheiden ebenso aus wie Gemeinplätze à la „Mittelalterblog“. Auch solche akademischen Ungetüme mit 3 zeiligen Titeln, die wirklich schon den ganzen Text erklären, fallen unter den Tisch. Welcher Titel? Ich erinnere mich gerade an die Lektüre der Antrittsvorlesung Foucaults "Die Ordnung des Diskurse", in der er sich so elegant, wie wohl niemand vor ihm, darum windet seine Vortrag beginnen zu müssen.
"In den Diskurs, den ich heute zu halten habe, und in die Diskurse, die ich vielleicht durch Jahre hindurch hier werde halten müssen, hätte ich mich gern verstohlen eingeschlichen. Anstatt das Wort zu ergreifen, wäre ich von ihm lieber umgarnt worden, um jedes Anfangens enthoben zu sein" (Foucault, Die Ordnung des Diskurses, 2003, S. 7)
Ich wünsche mir gerade die gleiche Begabung beim Umgehen der Frage nach dem Titel. Nun ja da dieser Beitrag von ihnen gelesen wird, muss ein Titel gefunden worden sein. Und in der Gewissheit ein Text zu schreiben, dessen eigentlicher Sinn (das gelesen werden) erst nach der Lösung des Problems, welches in dem Text bearbeitet wird, zur Erfüllung gelangt, macht mich doch optimistisch, ob des Problems, das sich mir gerade in den Weg wirft.
thesaurus mediaevi – Schatz des Mittelalters, naja fasst nicht ganz die Fragestellung, der ich mich verpflichtet fühle
recens mediaevum - frisches/neues Mittelalter, geht schon in die richtige Richtung, insbesondere das frische Mittelalter, hat ein humoristische Seite, naja. Aber im mediaevum klingt noch zu sehr der Hass und die Ignoranz der Renaissancehumanisten, die dieser Epoche ihren Namen aufgezwungen haben.
Gerade beim durchsuchen, der paar lateinischen Vokabeln, die irgendwie hängen geblieben sind, stoße ich auf Stupor Mundi, den inoffiziellen Titel Kaiser Friedrich II. Das Staunen der Welt (mit nicht ganz soviel Wohlwollen zu lesen, wie wir es heute tun). Das wäre ein Spitzentitel, aber ich will auch nicht ganz so dreist abkupfern.
tiro stupens - der staunende Schüler - das ist doch perfekt. Hier wird zwar weniger auf die epochale Begrenzung eingegangen, die ich mir mit dem Blog gesetzt habe, aber das Bild des staunenden, lernenden jungen Menschen finde ich doch zu passend, um es für eine eurozentrische, der Welt im Kolonialismus aufgezwungen Chronologie zu opfern.
Damit wäre mein erster Beitrag auf meinem neuen Blog erfolgt und ich hoffe, der geneigte Leser konnte einen Eindruck gewinnen um was es mir hier gehen wird.
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...im Club.
Ich hatte ja heimlich gehofft, dass du auf Mittelhochdeutsch schreiben würdest, aber das hätte die Leserschaft wahrscheinlich doch zu sehr eingeschränkt.
Danke für die Begrüßung. Mein Mangel im mhd tut mir leid aber zu meinem und aller anderen Vergnügen ein paar Zeilen Mittellatein:
Quanto magis valet intenta precatio quam humana praesumptio
Ich freue mich darauf hier zu schreiben
1. Einführung des Christentums
2. Untergang des Weströmischen Reich
(Romulus Augustulus).Ende der Völkerwanderung
3. Aufbau der West- und Ostgotenreiche
Das sind Stichworte, die mir einfallen, um das Ende des Altertums (Antike) zu definieren. Das "Jahr 500 n.Chr." greift zu kurz.
Was denken Sie darüber?
Es grüßt Stefan