chronologs TIRO STUPENS

Lokalhistorie

von Max Gawlich, 10. Mai 2008, 15:47

Habe dieses Semester, das Vergnügen mich ein wenig intensiver mit der Geschichte Heidelbergs im Mittelalter auseinander zusetzen. Was in Heidelberg noch steht! (das muss betont werden). Eigentlich sind nur noch irgendwelche kümmerlichen Restchen übrig geblieben sind. Was die Heidelberger nicht ausgeschlachtet haben, verbrannten die Franzosen im pfälzischen Erbfolgekrieg oder wurde Anfang des zwanzigsten Jahrhundert von den Stadtoberen zu Grunde gerichtet. Naja die Unibibliothek sieht ja auch ganz nett aus und gefällt den Touristen wahrscheinlich auch besser (sieht so schön nach deutschem Fleiß aus).

Aber wenigstens steht ja die Peterskirche noch, und es ist zahlreiches in der Siedlungstopographie von Heidelberg zu erkennen. Zum Beispiel das Franziskanerkloster, das unter dem Pflaster den Uniplatz immer noch stark abhebt gegenüber der Grabengasse. Wenn man sich die Mühe macht, das zentrale Dorf von Heidelberg - die Altstadt - zu verlassen, was wirklich ein Kampf mit den inneren widerspenstigen Geistern ist, trifft man aber bald auf echtes Mittelalter.

Auf dem Heiligenberg gibt es die recht eindrucksvolle Ruine (auch wenn sie mit vorausstürmendem Eifer etwas übermäßig freigelegt - heißt aufgestockt und teilrestauriert -wurde) des St. Stephanskloster und das etwas kleinere St. Andreaskloster auf dem unteren Gipfel, welches noch brutaler verunstaltet wurde vom Denkmalschutz vergangener Tage. (ein mehr neuzeitliches aber desto trotz nicht weniger eindrückliches Bauwerk auf dem Heiligenberg ist die Thingstätte, aber Retrogermanenarchitektur ist immer etwas unverdaulich bei Tageslicht.) Vom Heiligenberg hinab ins kleine Handschuhsheim, auch eines der Dörfer die das sogenannte Heidelberg bilden (ich bin mir sicher, dass man manchem Lokalpatrioten aus der Seele spräche, wenn man solche Sprüche Ernst meinte) wo inmitten des Orts die "Tiefburg" steht, genau ein Niederungenburg mit Wassergraben und Mauern und TamTam. Die Burg ist wahrscheinlich aus dem 14. Jhdt aber dazu die Woche mehr, wenn ich auch Bilder dazu habe. Interessanter ist meiner Meinung auch eher die Kirche von Handschuhsheim St. Vitus, deren Vorgängerbau an gleicher Stelle bis ins 8. Jhdt verfolgt werden kann. (Wie sehr vieles hier in der Gegend findet auch Handschuhsheim und seine Kirche seine Ersterwähnung im Lorscher Codex aus dem 12. Jhdt.) Zudem noch steinerne Reste des ersten romanischen Neubaus aus der Mitte des 11. Jhdts in der Kirche zu finden sind.

Aber genug von diesem Waten in den Sümpfen der Lokalgeschichte, eigentlich wollte ich doch ein stürmisch, zorniges Pamphlet gegen den Heimatforscher schreiben. Lohnte aber kaum der Tinte. Sehr viel lohnender find ich Oswald Spengler Untergang des Abendlands, auf das ich im Rahmen meiner Lektüre zum hochmittelalterlichen Dorf gestoßen bin. Spengler schreibt nämlich über den Bauern und das will ich euch nicht vorenthalten.

Der Bauer ist geschichtslos. Das Dorf steht außerhalb der Weltgeschichte, und die ganze Entwicklung vom trojanischen bis zum mithridatischen Kriege und von den Sachsenkaisern bis zum Weltkrieg geht über diese kleinen Punkte der Landschaft hinweg, sie gelegentlich vernichtend, ihr Blut verbrauchend, aber ohne je ihr Inneres zu berühren. Der Bauer ist der ewige Mensch. zit. n. Rösener, Bauern im Mittelalter, 1987

Deutscher Kulturpessimus in seiner vollendeten und blinden Pracht.


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Kommentare

  1. Jan RE Heidelberger...
    08.06.2008 | 10:22

    ja, die Heidelberger mit ihrem ständigen laut-darüber-Nachdenken, ob sie nicht doch das Schloss / Teile vom Schloss / zumindest die Gärten... wiederaufbauen könnten, sind schon ein lustiges Völkchen.

    Viel Spaß & Ausdauer mit dem Schreiben - und nicht enttäuscht sein, wenn die Reaktionen eher mau ausfallen...

  2. Max Gawlich Die Heidelberger
    09.06.2008 | 22:39

    müssen sogar Konferenzen darüber abhalten ob eine Sanierung des Gartens nach den Plänen des Barock denkmalschützerisch sinnvoll ist.
    Danke für die freundlichen Worte, bisher klappts ja ganz gut

  3. Martin Huhn Frage
    11.06.2008 | 09:34

    "Viel Spaß & Ausdauer mit dem Schreiben - und nicht enttäuscht sein, wenn die Reaktionen eher mau ausfallen..."

    Warum mau? Sind das Erfahrungswerte, weil sich im Netz nicht allzuviel für diese Themen interessieren?

szmtag