Doomsday - Postmoderne Vormoderne
Ich habe mir gestern voller bösartigem Genuss den Film Doomsday - Tag der Rache angesehen und im Laufe des Films sind mir einige Gedanken zur Mittelalter - Heute Idee gekommen. Der Film, ist prächtig barbarisch oder wie es der Kritiker bei "Filmstarts" umschreibt
"Fazit: Frischer Wind unter der Donnerkuppel. Neil Marshall tritt dem Mainstream dermaßen in den Hintern, dass dessen Stammpublikum pikiert zurückkeilt – nämlich mit zahlreichem Nichterscheinen in den amerikanischen Lichtspielhäusern. Aber selbst wenn es mutmaßlich auf absehbare Zeit das letzte Mal sein sollte, dass Indie Marshall mit solch einem fürstlichen Budget an den Start gehen durfte, ist „Doomsday“ für Genrefans ein atmosphärisches Trashfest, das es zu feiern gilt. Dieses brachiale Inferno duldet keinen Stillstand, gibt Vollgas bis in den Abspann. Und wer unter der Oberfläche intelligente Gesellschaftskritik erwartet, sitzt im falschen Film. Dass die Details der Handlung überhaupt keinen Sinn machen und die Logik kaum einem Hinterfragen standhält, versteht sich in diesem Zusammenhang fast von selbst. Marshall destilliert einen Unterhaltungscocktail, dessen Reinheit Maßstäbe setzt. Keine störenden Anflüge von Anspruch oder Subtext: nur Action, Tempo und von der Leine gelassener Wahnwitz. Großartig"
Hat mich in seiner Freude an zerstückelten Leibern sehr an 28 weeks later erinnert. Kommen wir aber zum eigentlichen Thema des Beitrages und des Blogs. Es gibt den englischen Blog "Modern Medieval", der sich mit der fortdauernden Relevanz des Mittelalters und der fortdauernden Faszination des Mittelalters beschäftigt. Und in diesem Rahmen denke ich an den Film Doomsday, der ein ganz wunderbar widersinnige Idee schottischen Mittelalters auferstehen lässt voller Tyrannei und "Brot und Spiele" und Folter ...
Auf einer höheren Ebene enthält dieser Film eine groteske Logik, die den Machern dieses Werks wohl eher widerspricht, da ja jede Logik vermieden werden sollte. Zur Geschichte kurz, ein Virus hat in Großbrittanien zur einer Epidemie geführt, die auf Schottland eingedämmt werden konnte mit Hilfe einer 10 meter hohen Mauer (die genialerweise am Ort des Hadrianswall steht). Die meisten in Schottland sind natürlich ausgestorben, nur einzelne Gruppen überlebender versuchen, einen Zustand des Lebens zu finden. In den Städten machen sie das Ganze recht klassisch nach Klapperschlangenmanier mit Irokesenhaarschnitt und aufgemotzten Wüsenbuggys. Es gibt aber noch eine zweite Gruppe, die von einem Dr. Kane geführt wird und sich auf eine Landburg zurückzieht und dort das 12. Jahrhundert wieder auf erleben lässt (wie es sich Hollywood vorstellt).
Das frappierende an dieser Geschichte, ist die Folgerichtigkeit. Wenn heute sich eine Gruppe von Menschen zu einem naturnahen, eher feudal und autoritär strukturierten Leben, mit historischem Bezug zum Mittelalter entschlöße, bestenfalls unter den strukturellen Vorgaben, die der Film entwickelt, würde wahrscheinlich genau dieses Konstrukt von Mittelalter herauskommen. Hollywood kreiert folglich eine Vision der näheren Zukunft, die dem Mittelalterdiskurs Hollywoods der Gegenwart entspricht, die Idee schafft ihre eigene Realität, indem sie die Vorstellungen einer vormodernen Zeit, in die uns die Apokalypse nach landläufiger Meinung zurückwerfen wird, selber bestimmt und somit die postmoderne Vormoderne erschafft.
Fand ich interessant von seiner untergründigen Logik, aber ich höre gerne Widerspruch.
Ähnliche Artikel:



