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Was heißt denn "extrem"?

von Yoav Sapir, 29. September 2008, 23:52

Die Junge Freiheit & Co. (IfS, Ed. Anatios, etc.) bekämpfen mit ihrem "Konservativismus" fast als einzige in Deutschland die NPD. Andere NPD-Gegner wollen nämlich nicht gerade die NPD, sondern bei dieser Gelegenheit auch gleich alles Rechte brandmarken und möchten daher keine Alternative zur NPD akzeptieren. Dabei wird ausgerechnet das JF-Milieu als "rechtsextrem" bezeichnet.

Fragwürdig? Freilich. Meiner Meinung nach geschieht das eben deswegen, weil dieses Milieu eine intellektuelle Alternative darstellt, die es in den Augen mancher ahnungsvollen Linken weit "gefährlicher" werden lässt als jene "altrechten" NPDler, die man leichtfertig abtun kann.

Ohnehin scheint hier eines klar zu sein: Ob man das JF-Milieu für "konservativ" oder "rechtsextrem" hält, ist schlußendlich eine Ansichtssache.

Das war alles aber nur das Präludium zu einer anderen Frage, die sich mir aufdrängt. Denn jenseits Altbayerns scheint die "Extremität" nicht mehr so klar zu sein. Oder womöglich doch? Da bringen es nämlich FPÖ und BZÖ zusammen auf knapp 30 v. H. Trotzdem werden sie hie und da als "extrem" bezeichnet.

Ob man aber bei dreißigprozentiger Unterstützung unter den Wählern noch so betrachtet werden kann, als läge man am Ende der Kurve? Stellt der Betrachter in diesem Fall keine unmöglichen Erwartungen an die Kurve, also an die Wirklichkeit, die im Auge des Betrachters zwangsläufig verzerrt wird?

Gibt es überhaupt intersubjektiv-quantitative Kriterien für Extremität? Oder gölte die FPÖ selbst bei 51-prozentiger Unterstützung noch als "extrem"?

Was bedeutet es überhaupt, als "extrem" zu gelten, wenn die Bezeichnung nicht von der Rezeption des Bezeichneten abgeleitet wird oder gar mit dieser zusammenhängt?

Könnt ihr euch Situationen vorstellen, in denen man sich darüber freuen sollte, als "extrem" bezeichnet zu werden? Und lassen sich solche theoretische Situationen auf den Betrachteten oder eher auf den Betrachter zurückführen?

So weit meine Fragen. Und jetzt: Eure Antworten?



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Yoav Sapir

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Kommentare

  1. Yankel Moishe Ich , der Extremist
    15.12.2008 | 19:08

    Ich bin tatsaechlich mal als "fundamentalistischer Extremist und Bedrohung fuer die Zukunft des Judentums" bezeichnet worden. Es war zwar als Beleidigung gemeint, aber unter den gegebenen Bedingungen fasse ich es als Kompliment auf. Das kam so:

    Ich besuchte eine Veranstaltung zum Raschi-Jahr. Es war eine Art Podiumsdiskussion unter der Leitfrage, ob wir heute etwas von Raschi und seiner Zeit lernen koennten. Wie das bei derartigen Veranstaltungen so ist, wurde ueber vieles geredet, nur nicht ueber das gestellte Thema. Nach der Veranstaltung war noch Gelegenheit, mit den Podiumsteilnehmern zu sprechen. Ich wies darauf hin, dass die Wormser Gemeinde zu Raschis Zeit weniger Mitglieder hatte als heute, aber damals unbestrittenen zu den bedeutendsten juedischen Gemeinden der Welt gehoerte. Ich fuehrte dies auf den Unterschied im Grade juedischer Gelehrsamkeit zurueck.
    Folglich schlug ich vor, dass wir, wenn wir die Bedeutung unserer Gemeinden heben wollten, einfach den Grad juedischer Gelehrsamkeit wieder erhoehen muessten. Als Antwort erhielt ich die oben wiedergegebene Antwort.

    Ich finde es schon bezeichnend, dass ein deutscher Professor fuer Judaistik (das ist und war naemlich die Taetigkeit dieses Podiumsteilnehmers) fuers Torah-Lernen offenbar nur Verachtung uebrig hat...

    YM

  2. Yoav Sapir @ YM
    15.12.2008 | 21:02

    Anscheinend hast du mit diesem Vorschlag seine Auffassung von Gemäßigkeit überschritten. Mich würde aber interessieren, was dich mehr stört: Dass er deine Ansicht für extrem hält, oder dass er das tut, obwohl sie unter Juden keine Randerscheinung ist?

  3. Yankel Moishe kein Betreff
    16.12.2008 | 17:05

    Daran stoert mich eigentlich nur, dass man so jemanden zum Professor fuer Judaistik macht. Denn als solcher sollte er ja eigentlich genug Hintergrundwissen haben um zu verstehen, dass juedisches Wissen juedische Identifikation schafft, und diese uns vor dem Verschwinden bewahrt. Das nahende Chanukah-Fest und der Kampf der Makkabaeer gegen die Hellenisten lassen gruessen.

    Vielleicht fuerchtete er sich auch bloss davor, dass jemand mit ein bisschen juedischer Bildung herkommt, und den Herrn Professor blass aussehen laesst.

    YM

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