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Der Holocaustkult: Skizze einer Analyse

von Yoav Sapir, 08. März 2008, 00:10

Inwiefern ist die Holocaustaufarbeitung in den letzten Jahrzehnten Religion bzw. Zivilreligion geworden?

Der Sinn der obigen Fragestellung besteht nicht darin, ihren Gegenstand zu bewerten, geschweige denn auf eine negative Art und Weise; die zentrale Bedeutung des Holocaust fürs heutige Abendland halte ich für gerechtfertigt. Nichtsdestoweniger - wenn nicht gerade deswegen - tut es aus meiner Sicht Not, diese Bedeutung, ja diese fundamentale Funktion in all ihren nur scheinbar jeweils alleinstehenden Manifestationen begreiflich zu machen, nämlich als ein Phänomen.

Handelt es sich um ein zivilreligiöses Phänomen, so muss dieses Phänomen durch entsprechende Merkmale charakterisierbar sein. Die öffentliche Vergangenheitsbewältigung weist m. E. folgende Charakteristika auf, die auf eine solche Entwicklung in Richtung Zivilreligion hinweisen:

1. Kultstätten bzw. Heiligtümer: Museen, Gedenkstätten, Mahnmale etc., in denen man sich zum Holocaust bekennt bzw. sein Bekenntnis durch passive Teilnahme bestätigt (in der Jerusalemer Gedenkstätte Yad Vashem brennt im Einklang mit Tempeltraditionen sogar eine ewige Flamme).

2. Theologische Seminare: Unzählbare Forschungsinstitute, Lehrstühle usw.

3. Credo: Während im Christentum die Dreieinigkeit die zenrale Rolle spielt, steht im Mittelpunkt des Holocaustkultes die (offensichtlich aufgerundete) Sechs-Millionen-Zahl, die in allen Heiligtümern, aber auch anderwärts, etwa in Gedenkreden bzw. Predigten u. Ä. postuliert wird.

4. Märtyrer und Heilige: Anna Frank, Selma Meerbaum-Eisinger, Henryk Goldszmit bzw. Janusz Korczak und, und, und... Durch die beim Opferkult stattfindende, rituell verfestigte Identifikation mit solchen Gestalten integriert man sich in das Narrativ der "guten" Opfer bei gleichzeitiger Selbstabgrenzung von den "bösen" Tätern.

5. Kanonische Texte: Jede Menge, sogar in filmischer Form (etwa Claude Lanzmanns Shoah, Frankreich 1985).

6. Festtage: Offiziell wird der Holocaust als zentrale Erscheinung des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar (Befreiung von Auschwitz) gefeiert. Insbesondere in Deutschland kreist das Jahr auch um den 9. November (Reichskristallnacht). In Berlin wird sogar der 28. Februar (Fabrikaktion) festlich begangen. Mit den Festtagen hängt das Ritual eng zusammen.

7. Gaben: Die Heiligtümer und die theologischen Seminare müssen ja finanziert werden, sei es durch Steuergelder oder auch durch freiwillige Spenden.

8. Geistlichkeit: Und zwar hierarchisiert, von den Wärtern in den Heiligtümern über die Guides als Vermittler des Katechismus bis hin zu den oberpriestlichen Forschern und Dozenten. Der ganze Klerus lebt praktisch von den Gaben, die die Gesellschaft dem Holocaustkult entrichtet.

9. Monopol auf die legitime Interpretation: Wie überall geht es auch bei dieser Religion vornehmlich um Macht, die die Priester- und Levitenzunft nicht zuletzt auch zur Bewahrung der finanziellen Basis benötigt. Anders Denkende werden mithin, wie damals von der katholischen Kirche, zum Schutze des eigenen Kultgegenstandes durch dogmatische Gesetzgebung verfolgt (vgl. David Irving, Ernst Zündel).

10. Internationalismus bzw. Ökumenismus: Im Gegensatz zu nationalstaatlichen Zivilreligionen ist die Ausbreitung des Holocaustkultes nicht geographisch - und schon gar nicht ethnisch oder konfessionell beschränkt. Ganz im Gegenteil: Der Klerus erhebt Anspruch auf "Katholizismus" im wahrsten Sinne des Wortes (alle betreffend, alles umfassend); der Kult wird demzufolge immer weiter verbreitet; es entstehen dort neue Heiligtümer, wo es bis vor kurzem noch keine gegeben hat (z. B. in Washington D.C., Paris, Berlin, Warschau, Budapest, Japan und an zahlreichen anderen Orten); seine heiligen Texte erfreuen sich, insbesondere in filmischer Form, grenzüberschreitender Rezeption; und auch seine Feste, vor allem der 27. Januar, werden international gefeiert.

11. Kritikscheu: Der numinose Charakter, der dem Gegenstand des Holocaustkultes anhaftet und ihn zu umgeben scheint, führt, wie es etwa in Fall "Binjamin Wilkomirski" ersichtlich wurde, oft zur Aussetzung des kritischen Umgangs mit dem, was zu diesem Gegenstand gerechnet wird und demzufolge implizit als sakrosankt gilt.

12. Narrative Bedeutung: Der Gegenstand des Holocaustkultes ist wichtiger (im Abendland sogar fundamentaler) Bestandteil unseres heutigen Weltbildes. Der Holocaustkult vermittelt uns bereits bei der Sozialisierung die angeblichen notwendigen Koordinaten zur Deutung unserer politischen und historischen Umgebung in einer Welt, die aus dem Zweiten Weltkrieg hervorgegangen ist. In diesem Narrativ bildet die nationalsozialistische Judenverfolgung und -vernichtung "a negative myth of origin for the post[-]war world" (Avishai Margalit and Gabriel Motzkin, "The Uniqueness of the Holocaust", Philosophy and Public Affairs 25 (1996), pp. 65-83, here 80-81). Ähnliches meint auch mein früherer Betreuer, Moshe Zimmermann: "Daß die Shoah zum Fundament der Welt geworden ist, kann man nicht bestreiten." ("Globalisierte Erinnerung", in: Zeichen, 2/2000; verfügbar auch im Internet)

Fazit: Diese Problematik stellt für die Forschung eine Herausforderung dar. Genau so, wie die Geschichte des Christentums nicht identisch ist mit der Geschichte des Lebens Jesu, der noch nichts vom "Christentum" wusste, gehören zur Geschichte des "Holocaust" eher die Manifestationen dieses Begriffs (sinngemäß außerhalb des nationalsozialistischen Herrschaftsbereiches bzw. nach dem Untergang dieses Regimes) als die tatsächlichen Geschehnisse an einem beliebigen Tag in diesem oder jenem Ghetto. Eine Chronik des Phänomens "Holocaust" darf daher grundsätzlich keine Chronik der nationalsozialistischen Judenverfolgung und -vernichtung mehr sein (zur Differenzierung zwischen Chronik und Geschichte siehe den Beitrag "Was heißt eigentlich 'Geschichte'?").

 

Soweit die Skizze. Und jetzt: eure Kritik daran?

 

 



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Yoav Sapir

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Kommentare

  1. Edgar Dahl @ - Yoav: Holocaust - nur ein Konstrukt?
    01.01.2009 | 21:43

    Dass Du den Holocaust nur als ein "Konstrukt", ein "Bild" oder eine "Idee" betrachtest, verwundert mich. Für mich ist der Holocaust - als der Versuch des Genozids an den europäischen Juden - ein historisches Ereignis. Und wie von jedem historischen Ereignis lässt sich auch von dem Holocaust sagen, wann, wo und wie er sich zugetragen hat. Wenn dies aber so ist, kann man selbstverständlich auch ein korrektes und ein inkorrektes Bild vom Holocaust haben.

    Was sind für Dich dann dann "Holocaust-Leugner" - einfach nur Menschen, die zufällig "kein Bild" vom Holocaust haben?

  2. Yoav Sapir Hat es den "Holocaust" gegeben?
    01.01.2009 | 23:00

    Als solchen sicherlich nicht. Der Holocaust ist ein Sammelbegriff für viele Entwicklungen und einzelne Ereignisse, deren Bedeutung wir nur mithilfe solcher Begriffe nachvollziehen können. Zu der Zeit aber, als diese Entwicklungen und Ereignisse stattgefunden haben, war der Begriff Holocaust in diesem, übertragenen Sinne überhaupt nicht bekannt (wie ich in der Antwort an Thilo schon mal geschrieben habe).

    Vielleicht lässt sich das am Beispiel des I. Weltkrieges veranschaulichen: Zu der Zeit, als das, was wir seit dem II. Weltkrieg als den "I. Weltkrieg" bezeichnen, stattgefunden hat (geschweige denn in dessen ersten Phasen), wusste keiner, dass es ein Weltkrieg ist bzw. was ein "Weltkrieg" überhaupt bedeuten soll. Es hat auch kein Staat einen "Weltkrieg" geplant oder geahnt, geschweige denn urkundlich erklärt.

    Zurück zum Holocaust: Natürlich hat es den Holocaust gegeben, aber wie gesagt, ist diese Aussage in wissenschaftlich-kritischer Hinsicht nicht unproblematisch. Auf weit sicherem Boden steht etwa die Aussage, dass es die "Aktion Erntefest" gegeben hat, weil dieser urkundlich nachweisliche Titel eine damals konkret gebrauchte Bezeichnung und kein zurückprojizierter Sammelbegriff ist.

    Ein Holocaustleugner ist nun für mich jemand, der die nationalsozialistische Judenverfolgung und -vernichtung - insbesondere Letzteres - abstreitet. Es stellt sich also die Frage, warum die Sache sonst (also in der Öffentlichkeit, in den Wissenschaften etc.) oft nicht nur neutral beschrieben wird (etwa so, wie ich es eben gemacht habe, nämlich als die "nationalsozialistische Judenverfolgung und -vernichtung"), sondern auch in solche Begriffe hineingegossen wird wie "Holocaust"?

    Ich glaube, das hat mit der Entstehungsgeschichte des Holocaustkultes zu tun. Um etwas zu vermarkten, wie etwa eine subsumierende Vorstellung von zahlreichen Einzelereignissen, braucht man (ob bewusst oder nicht) einen geschickten Titel, einen Eigennamen. Moshe Zimmermann meint z. B. (und hat dabei m. E. Recht), dass der hebräische Begriff "Shoa", der als einfaches Substantiv "Katastrophe" bedeutet, nun selber zum Denkmal geworden ist: "Die Reziprozität von Erinnern und Konzeptualisieren schuf, gegen Ende des zweiten Jahrtausend, das eigentliche Denkmal: Das Wort Ha-Shoah – die Katastrophe." (den Beitrag, aus dem ich zitiere, findest du hier:
    http://www.asf-ev.de/zeichen/00-2-08.shtml)

    In unserem hiesigen Fall fungiert der Begriff "Holocaust" nicht nur als ein konstruierter Signifikant, der auf ein bestimmtes Signifikat (nämlich die nationalsozialistische Judenverfolgung und -vernichtung) hinweist, sondern der Begriff vermittelt zugleich auch eine interpretative Botschaft über das Signifikat (s. meine vorletzte Antwort an dich: das auf dem Altar *gänzlich zu verbrennende* Opfer).

    Daher empfiehlt es sich, den Begriff nicht unüberlegt zu gebrauchen. Aber ich gebe schon zu, dass es heutzutage aus den oben genannten Gründen schon sehr schwierig, ja unmöglich ist, von diesem Begriff *nicht* Gebrauch zu machen. In meiner Magisterarbeit (s. hier: http://ostdeutsche.judenfrage.googlepages.com/) habe ich versucht, diesen und ähnliche Begriffe nur dort zu verwenden, wo ich das Konstrukt meine und nicht die historischen Entwicklungen und Ereignisse, die darunter subsumiert werden (ansonsten schreibe ich dort eben nur "die nationalsozialistische Judenverfolgung und -vernichtung"). In der Tübinger Ansprache (s. hier: http://www.chronologs.de/...bingen-zum-9.-november) habe ich hingegen doch vom "Holocaust" gesprochen und vom Konstrukt Gebrauch gemacht, weil es in einem solchen Rahmen gar nicht anders geht.

  3. Edgar Dahl @ - Yoav: "Holocaust"
    01.01.2009 | 23:44

    Entschuldige, wenn ich hartnäckig bleibe. Doch ich habe mit Deiner Antwort zwei Probleme.

    Erstens scheint es mir irrelevant zu sein, ob ein historisches Ereignis, zu der Zeit, als es stattfand, bereits mit dem Begriff bezeichnet worden ist, den wir heute dafür verwenden. Ich nehme an, dass die "Bartholomäusnacht" an dem Tag, an dem sie sich ereignete, noch nicht als "Bartholomäusnacht" bezeichnet worden ist. Dies ändert jedoch nichts daran, dass es an diesem Tag ein von Katholiken durchgeführtes Massaker an den Protestanten in Paris gegeben hat. Und wie von der "Bartholomäusnacht", so können wir selbstverständlich auch vom "Holocaust" eine korrekte oder eine inkorrekte Vorstellung haben.

    Zweitens glaube ich nicht, dass ich den Begriff Holocaust "unüberlegt" verwendet habe, da ich ihn in einem Relativsatz als "den Versuch der Vernichtung der europäischen Juden" definiert habe.

    Da es unter den Holocaustleugnern bekanntlich zwei Schulen gibt, die "Intentionalisten" und die "Funktionalisten", hätte ich persönlich kein Problem damit, wenn wir in Zukunft auf die Begriffe "Holocaust", "Shoah" oder "Endlösung" verzichteten und dafür, wie Du es machst, einfach von der "nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung der Juden" sprechen würden.

    Doch egal, wie wir die nationalsozialistische Verfolgung und Vernichtung der Juden auch bezeichnen, es bleibt doch ein historisches Ereignis, von dem wir eine korrekte oder inkorrekte Vorstellung haben können. Und es bleibt daher auch eine empirisch beantwortbare Frage, ob es zwischen der Darstellung wie sie Raul Hilberg und Guido Knopp geben, nicht zu Unrecht große Unterschiede bestehen.

  4. Edgar Dahl @ - Yoav: Magisterarbeit
    01.01.2009 | 23:52

    Lieber Yoav, herzlichen Dank übrigens für den Link zu Deiner Magisterarbeit, die ich mir sogleich ansehen werde, da ich, wie Du vielleicht weißt, selbst aus der ehemaligen "DDR" stamme.

    Hast Du eigentlich meinen Blogeintrag "Schwerin unterm Hakenkreuz" gesehen:

    http://www.wissenslogs.de/...rin-unterm-hakenkreuz

  5. Yoav Sapir Holocaustforschung ist vielschichtig
    02.01.2009 | 04:04

    1. Der Holocaust ist eben kein einziges Ereignis, dem bequemlichkeitshalber ein Titel nachträglich zugewiesen wird. Er ist eine Fülle von Ereignissen und - noch wichtiger - von Entwicklungen und Wechselwirkungen, die sich über mehrere Jahre erstreckten. Dan Diner spricht etwa von "historischen Strömungen" (kein genaues Zitat, ich greife jetzt auf mein Gedächtnis zurück), die zunächst unabhängig voneinander entstehen und gewissermaßen parallel verlaufen (etwa Vernichtungskrieg gegen Russland, Euthanasie), bis sie unter bestimmten Umständen zusammenfließen und in eine Gesamtkatastrophe münden (wenn wir schon an der Ostfront massenweise Juden erschießen, warum nicht auch hinter der Front? Und wenn wir schon Geisteskranke vergast haben, warum nicht auch die sonst mühselig zu erschießenden Juden?). Insofern ist Betitelung eines Ereignisses nicht mit der Subsumierung eines ganzen Komplexes unter einem Titel gleichsetzbar, zumal schon der Akt der Betitelung des Komplexes diesen (wenn auch unbewusst) interpretiert, zusammenfasst, vereinheitlicht und vereinfacht.

    2. Ich habe dir keine unüberlegte Verwendung des Begriffs unterstellt. Diese Anmerkung versteht sich eher als Schlussfolgerung aus dem, was ich davor geschrieben habe.

    3. Mit den verschiedenen Schulen der Holocaustleugnung kenne ich mich nicht aus. Aber auf dem Gebiet der wissenschaftlichen NS-Forschung gibt es seit den 1970ern, insb. im Hinblick auf den Holocaust, ebenfalls (bzw. erst recht) zwei "Hauptschulen": Die Intentionalisten und die Funktionalisten (oder hast du mit dem Hinweis auf Holocaustleugner eben diese Kontroverse gemeint?!). Vor diesem Hintergrund kommt die Subsumierung des Komplexes unter einem einzigen Begriff wie etwa "Holocaust" einer Parteinahme gleich, und zwar zugunsten der Intentionalisten. Denn wenn es schlichtweg "den Holocaust" gegeben hat, stellt sich die Frage: Wann hat er angefangen? Und da liegt es nahe, die Frage so zu beantworten, dass der Holocaust auch die Vorgeschichte der Vernichtung einschließt. Dann entsteht der Eindruck, dass es den Nationalsozialisten bereits sehr früh, wenn nicht sogar von Anfang an, klar gewesen sei, dass sie die Juden physisch und total vernichten wollen, dass also die *Intention*, die Juden zu vernichten, das ausschlaggebende Moment gewesen sei.

    4. Mit Guido Knopps Filmen kenne ich mich kaum aus, aber mich dünkt, es kann nur über sehr genaue oder aber allgemeine Aussagen die Entscheidung gefällt werden, ob sie "korrekt" oder "inkorrekt" sind. Mit sehr genauen Aussagen meine ich so etwas wie "Juden aus dem Ort X wurden am Tag Y am Ort Z erschossen." Mit allgemeinen Aussagen meine ich so etwas wie "In Ungarn wurden die Juden zunächst ghettoisiert und danach nach Auschwitz transportiert, wo sie massenweise vergast wurden." Sobald man es aber zu erklären versucht, tauchen Fragen auf, über die in der Wissenschaft nach wie vor diskutiert wird. Und da bin ich zumindest nicht in der Lage, zu beurteilen, wer eine "korrekte" Vorstellung und wer eine "inkorrekte" hat. So ist es halt, wenn man nicht mit einem Ereignis, sondern mit einem ganzen Komplex zu tun hat.

    5. Deinen Beitrag lese ich mir gleich durch.

  6. Edgar Dahl @ - Yoav: Holocaust
    02.01.2009 | 11:49

    Dass der Holocaust kein einzelnes Ereignis war, sondern aus einer Vielzahl von Ereignissen bestand, die jeweils ihre eigene Geschichte und Entwicklung hatten, ist in meinen Augen kein Einwand. Auch die Französische Revolution ist lediglich eine Kurzbezeichnung für eine Vielzahl von Ereignissen, die sich zwischen 1789 - 1794 in Frankreich, ja, in ganz Westeuropa und Nordamerika, zugetragen haben. Dennoch können wir von diesen Ereignissen eine richtige oder eine falsche Vorstellung haben.

    Aber ich gebe Dir natürlich recht, dass der Holocaust nach wie vor eine Vielzahl von Fragen aufwirft, die bislang nicht endgültig beantwortet worden sind und möglicherweise sogar nie zuverlässsig werden beantwortet werden können. Wie Du schon sagtest, ist es beispielsweise eine offene Frage, ob die physische Vernichtung der europäischen Juden von den Nazis von Anfang an geplant war oder sich im Laufe des Ostfeldzuges erst ergeben hat. Und selbst hier stellt sich sogleich die Frage, wer mit den "Nazis" eigentlich gemeint ist - die NSDAP, die SS, die NS-Führungselite oder einfach nur die Person Adolf Hitler. Wie bei philosophischen Problemen gibt es auch hier keine nachweislich korrekten und inkorrekten Antworten, sondern nur mehr oder weniger plausible Antworten.

    Hast Du mal einen Kommentar zur strafrechtlichen Verfolgung der "Auschwitzlüge" in Deutschland geschrieben?

  7. Yoav Sapir Von richtigen und falschen Vorstellungen
    02.01.2009 | 16:08

    Dein Hinweis auf die "Französische Revolution" ist ganz am Platze. Denn bei näherer Betrachtung dieses Konzepts begegnet uns eine ähnliche Problematik: Wann fängt das Neue an diesem Komplex wirklich an, aufgrund dessen dieser Komplex sich wesentlich von den Vorgängern in England (teilweise erfolgreich) und im Reich (kläglich gescheitert) unterscheidet und heute, im Rückblick, als Wendepunkt erachtet, ja für den Beginn der "Späten Neuzeit" gehalten wird?

    Soweit ich weiß (und dieses Thema ist freilich nicht mein Schwerpunkt), herrscht heute unter den Historikern Konsens (und wenn nicht, dann gibt es jedenfalls eine Kontroverse) darüber, dass das, was man im Rückblick unter dem abstrakten Konzept der "Französishcen Revolution" subsumiert, eigentlich erst 1792 mit der endgültigen Abschaffung der (inzwischen konstitutionellen) Monarchie und der Errichtung der (im Rückblick "Ersten") Republik anfängt. Will sagen: Erst damit kommt ein neues, kühnes Paradigma hervor. Die Ereignisse bis zum (im Rückblick vorläufigen) Ende der alten Ordnung sind mithin eher als Vorgeschichte zu verstehen.

    Und genauso wie im Fall des Abstraktums "Holocaust" stellt sich auch hier Frage: Hätte man denn bereit 1789 erahnt, worauf diese Entwicklung noch hinauslaufen sollte? Und wenn man behauptet, dass es bereits 1789 klar war, dass die alte Ordnung später durch eine Republik ersetzt werden sollte: Ist das eine zweifelsohne "richtige" Vorstellung von der Sache? Haben diejenigen, die solche Vorstellungen für Rückprojektionen halten, ihrerseits eindeutig "falsche" Vorstellungen?

    (Und bei alledem ist die "Französische Revolution", die die Vergangenheit, auf die sie sich - ob zu Recht oder zu Unrecht - bezieht, mehr oder weniger beschreibt, als *Begriff* längst nicht so problematisch wie der "Holocaust", der, wie oben erklärt, sein Signifikat gar nicht beschreibt, sondern gleich interpretiert und bewertet.)

    Du sieht also, dass viele historische Probleme nicht so viel mit dem Vergangenen zu tun haben, auf das sie sich beziehen und über welches in der Regel doch Konsens herrscht (vgl. oben "sehr genaue oder aber allgemeine Aussagen"). Vielmehr entspringen sie erst der Interpretation bzw. der (ob bewussten oder unbewussten) Konzeptualisierung der jeweiligen Vergangenheit, d.h. sie rühren von der Geschichte bzw. den Geschichten her, welche die Historiker aus dem Vergangenen konstruieren. In diesem Zusammenhang steht übrigens mein Beitrag zur Konstruktion deutscher Geschichte: http://www.chronologs.de/...2008-06-12/deutschland

    Zur strafrechtlichen Verfolgung etc. gibt es in meinem alten Blog den folgenden Beitrag vom Februar 2007: http://ein-jude-in-deutschland.blogspot.com/...tml

  8. Edgar Dahl Richige und falsche Geschichtsbilder
    03.01.2009 | 01:50

    Zuweilen kommt es mir vor, als würden wir wirklich in einem Elfenbeinturm sitzen und derart von "des Gedankens Blässe angekränkelt" sein, dass wir unfähig geworden sind, eine einfache Frage zu beantworten. Jede Frage wird solange qualifiziert, differenziert, kategorisiert und etymologisiert, dass wir den schlichten Punkt, um den es geht, vollkommen aus den Augen verlieren.

    Obgleich Geschichte sicher weit mehr ist, denken wir bei richtigen und falschen Vorstellungen von historischen Ereignissen doch in erster Linie an Zahlen, Daten und Fakten. Wenn ich von der Bombardierung Dresdens behaupte, dass 300.000 Menschen umgekommen seien, ist dies genauso falsch wie die Behauptung, dass in Auschwitz 4.000.000 Juden vergast wurden.

    Wenn ich zu behaupten wage, dass die deutschen Medien eine verzerrte Darstellung von den Ereignissen des Zweiten Weltkrieges geben, meine ich also nicht mehr, als dass sie falsche Zahlen, Daten und Fakten vermitteln. Mit anderen Worten: Die Zuschauer erhalten ein Bild von der Geschichte, das nicht dem Stand der historischen Forschung entspricht. Frage mal die heutigen Abiturienten, in welchem Jahr die deutschen Juden von der NS-Regierung dazu genötigt wurden, den "Judenstern" zu tragen, und Du wirst sehen, was ich meine.

  9. Yoav Sapir Mit den Medien...
    03.01.2009 | 09:32

    kennst du dich bestimmt besser aus als ich. Desgleichen wohl mit der Jugend.

    Nur haben wir in den Fällen, die du hier als Beispiele angeführt hast, eigentlich nichts mit Geschichte zu tun (jedenfalls nicht so, wie ich es verstehe), sondern mit Chronik. Wie viele Juden am Ort X vergast wurden und in welchem Jahr die Tragepflicht im Reich eingeführt wurde, sind noch keine Geschichtsbilder, sondern Angaben von Vergangenem.

    Ich glaube, die Chronik ist ein sehr wichtiges Fach und bildet ja die Grundlage der historischen Arbeit. Aber gerade deswegen soll man - was leider doch sehr oft passiert - das eine mit dem anderen nicht verwechseln. "Was passierte zum Zeitpunkt X am Ort Y?" und "welche Bedeutung hat das, was passierte? (im Rahmen der einen oder anderen Entwicklung, für die Tragfähigkeit dieses oder jenes Konzepts etc.)" sind, wenn man's richtig macht, zwei durchwegs unterschiedliche Fragen, von denen erstere zur Chronik und letztere zur Geschichte gehört.

    Empfinde das bitte nicht als persönliche Kritik o. Ä. Ich habe oft genug in Kursen sitzen müssen, in denen Professoren für Geschichte nur von Fragen der Chronik gesprochen haben und man nichts lernen konnte, was nicht sonst in den Büchern steht, die jene Professoren und anderen Personen geschrieben haben, welche wirklich in den Archiven gewesen sind.

    Ich meine, was sollen Historiker - ob angehende, studierte, promovierte etc. - zu Fragen der Chronik sagen können, wenn sie nicht jenem (i. d. R. kleinen) Personenkreis angehören, der sich die einschlägigen Akten wirklich angeschaut hat? Wenn es aber um die Interpretierung und Bewertung der Chronik geht, da kommt der Historiker ins Bild und es können sich auch diejenigen an der Fachdiskussion beteiligen, die nicht in den Archiven gewesen sind. Benachteiligt sind sie deswegen gar nicht, es sei denn, die Chronisten enthalten wichtige Informationen vor, damit sie diese später, gleichsam Karten im Spiel, als Argumente einsetzen könnten, was leider nicht selten der Fall ist.

    Ehrlichkeitshalber weise ich noch darauf hin, dass es poststrukturalistische Historiker wie etwa Paul Veyne gibt, die meinen, eine gute Geschichte wäre eben nur ein verständlicher Bericht, eine auf (scheinbar) natürliche bzw. selbstredende Begebenheitssequenzen reduzierte "Fabel". Aber wozu brauche ich dann noch die Geschichte, wenn ich die Begebenheiten nur als solche nachvollziehe und denen gar keine Bedeutung beizumessen versuche, so subjektiv (aber immerhin intersubjektiv nachvollziehbar) diese sein mag? Wenn du mich fragst, liegt das Problem der Poststrukturalisten daran, dass sie die Geschichte auf Chronik reduzieren möchten, anstatt einfach dazwischen zu differenzieren (und dann wohl jede Geschichte als solche abzulehnen). Vielleicht hat es etwas damit zu tun, dass es keine Lehrstühle für Chronik gibt...

    P.S. Vom besagten Paul Veyne gibt's etwa folgendes Buch: Geschichtsschreibung - Und was sie nicht ist (Frankfurt/Main: Suhrkamp, 1990 [1971])

  10. Edgar Dahl @ - Yoav
    03.01.2009 | 23:16

    Lass' es mich noch einmal anders versuchen. Du hast ja Deine Magisterarbeit über das Bild der Juden in den DEFA-Filmen der DDR geschrieben. (In meiner Zeit, den 70ern, waren übrigens "Professor Mamlock" und "Nackt unter Wölfen" Pflichtlektüre.) Wie unschwer zu erkennen, hat die SED-Regierung ihren Schülern ein von kommunistischer Propaganda geleitetes Bild vom Dritten Reich vermittelt. Dieses Geschichtsbild war eindeutig ein falsches Geschichtsbild! Würdest Du dem nicht zustimmen? Dieses Geschichtsbild war nicht nur falsch, weil es die Ursachen und die Entwicklung des Dritten Reiches und des Holocausts "anders" interpretierte. Es war vor allem auch deshalb falsch, weil man Zahlen, Daten und Fakten manipulierte. So wurden beispielsweise der Hitler-Stalin-Pakt, der Überfall der Sowjetunion auf Polen und das Massaker von Katyn mit keiner einzigen Silbe erwähnt.

    Im wiedervereinten Deutschland von heute ist die Manipulation der Geschichte natürlich nicht kommunistisch motiviert. Nichtsdestotrotz kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass sie ebenfalls manipuliert ist, und zwar aus "volkspädagogischen" Gründen. Auf die Gefahr, wie ein "Revisionist" zu klingen, erfahren die Schüler heute beispielsweise nichts vom Bromberger Blutsonntag oder dem Fall Nemmersdorf. Und wie lange hat es gedauert, bis man es wagte, die Opfer der Versenkung der Wilhelm Gustloff tatsächlich als "Opfer" zu bezeichnen?

  11. Yoav Sapir kein Betreff
    03.01.2009 | 23:49

    1. Der Begriff "Geschichtsbild", von dem ich zugegebenermaßen selber nicht selten Gebrauch mache, entspringt dem unter den Massen sehr weit verbreiteten Mangel an Differenzierung zwischen Vergangenem einerseits und Geschichte (als unserem Bild von diesem Vergangenen) andererseits. Insofern ist der Begriff "Geschichtsbild" eigentlich ein Pleonasmus. Meines Erachtens müsste es entweder "Geschichte" oder "Vergangenheitsbild" heißen, wobei beides ein und dasselbe bedeuten würde.

    2. Nicht "vor allem auch", sondern *nur* insofern, als "man [in der DDR] Zahlen, Daten und Fakten manipulierte", waren die dort vermittelten Geschichten falsch. Eine Geschichte, die sich auf Faktenmaterial stützt, das sich als falsch erweist, ist keine tragfähige Interpretation des Vergangenen (mehr). Aber sie kann es natürlich früher gewesen sein, wenn das ihr zugrunde liegende Faktenmaterial nicht geflissentlich manipuliert wurde, sondern dem Kenntnisstand ihrer Entstehungszeit entspricht.

    3. Ich bin mir nicht sicher, ob es eine Geschichts*wissenschaft* wirklich geben kann, aber wenn, dann nur insofern, als diese auf die Chronik angewiesen ist, welcher wiederum tunlichst richtiges bzw. intersubjektiv nachvollziehbares Faktenmaterial zugrunde liegen muss (je nachdem, inwiefern es zum jeweiligen Zeitpunkt möglich ist, denn 100% erreicht man sowieso nie). In Fällen, auf die diese Voraussetzung nicht zutrifft, sprich: in denen das Faktenmaterial - aus welchen Gründen auch immer - manipuliert wird, ist auch die Geschichte falsch, die sich auf die Manipulation stützt (aber nur insofern falsch, als sie sich darauf stützt). Solche Konstruktionen bilden aber ihrerseits ein sehr interessantes Forschungsfeld.

    4. Nichtsdestoweniger gab es in der DDR auch Konstruktionen, die an sich zumindest teilweise tragfähig waren und anscheinend nur dort zustande kommen konnten, wie etwa die (freilich zurückprojizierte) "sozialistische Nation", in deren Rahmen etwa der Bauernaufstand im 16. Jahrhundert herangezogen wurde.

  12. Edgar Dahl @ - Yoav
    04.01.2009 | 03:01

    Mit dem "Geschichtsbild" meine ich unsere von Elternhaus, Schule und Medien vermittelte Vorstellung eines bestimmten historischen Ereignisses, wie z.B. der Reformation, des Napoleonischen Kaiserreiches oder des Zweiten Weltkrieges.

    Egal, soweit ich sehe, sind wir uns ja in nahezu allen Punkten einig.

    Hier nur noch ein Beispiel für die Manipulation der Geschichte, wie ich sie vor Augen habe. Gestern habe ich endlich Gelegenheit gehabt, mir den Film "Sophie Scholl - Die letzten Tage" anzusehen. Selbstverständlich war mir der Name Sophie Scholl schon längst ein Begriff. Wie in wohl allen Städten der ehemaligen DDR, gab es natürlich auch in Schwerin eine "Geschwister Scholl Strasse". Doch indem uns Kindern in der Schule die explizit christliche Motivation der Geschwister Scholl wie auch die Tatsache, dass die Weiße Rose erst 1942 gegründet worden ist, vorenthalten wurde, ist uns unausgesprochenerweise suggeriert worden, dass Sophie Scholl quasi eine "Genossin" war, die an der Seite von Ernst Thälmann und Hans Beimler kämpfte.

  13. Edgar Dahl @ - Yoav: Dissertation
    04.01.2009 | 13:22

    Nachdem ich Deine Magisterarbeit mit großem Interesse gelesen habe, frage ich mich, welches Thema Du für Deine Dissertation gewählt hast?

  14. Yoav Sapir Zurzeit
    06.01.2009 | 00:40

    ...promoviere ich nicht, sondern konzentriere mich vornehmlich auf die Rabbinerausbildung.

  15. Peter Bosshard kein Betreff
    14.01.2009 | 08:28

    Es ist unbestritten, dass unter dem Begriff Holocaust eine Reihe von geschichtlichen Ereignissen subsummiert werden. Diese Ereignisse können insofern als zusammenhängende geschichtliche Ereignisse aufgefasst werden, da sie einer gemeinsamen Idee, der Idee der totalen Vernichtung des europäischen Judentums, dienen sollten. Sehe ich das Problem nicht oder habe ich da etwas falsch verstanden?

    Der Holocaust, oder treffender, die Shoa, wird als religiöser Kult praktiziert. Einige Gründe, welche diese Auffassung stützen, hat Yoav Sapir bereits genannt.

    Die Shoa wird als mythisches Ereignis dargestellt, wo sich die Mächte der Finsternis, die Nazis, am Volke Gottes versündigen, es gar auszulöschen drohen. Der Nazi als solcher erscheint als die Verkörperung des absolut Bösen schlechthin. Die Shoa wird, so meine bescheidene Meinung des Laien in religiösen Angelegenheiten, eine heilsgeschichtliche Bedeutung unterstellt. Das absolut Böse ist niemals von dieser Welt, sondern eine Begrifflichkeit aus der Religion und ihren Absolutismen.

    Um hier nicht falsch verstanden zu werden : natürlich waren die Nazis boshaft in einem Masse, das uns schaudern lässt. Doch es waren Menschen. Ist es nicht genau dies, das uns am allermeisten schaudern lässt, dass sie, so trivial das klingen mag, schlicht Menschen waren ? Ist die rituelle Abgrenzung gegenüber allem, was nur im Entferntesten im Ruch steht, nazistisch zu sein, die Verdrängung des Bösen in uns selbst, der Widerwille zu erkennen, dass wir von der "gleichen Art" sind?

    Die geschichtlichen Ereignisse, die wir unter dem Begriff Shoa oder Holocaust subsummieren, sind zu grossen Teilen nicht der Geschichtsschreibung unterworfen oder sollen es zumindest nicht sein, der Geschichtsschreibung, die stets von jeder Generation erneuert wird, indem die geschichtlichen Ereignisse neuinterpretiert werden.

    Oft ist der Vorwurf zu hören, dieser oder jener Mensch relativiere den Holocaust. Was heisst dies? Meist wird damit der Vorwurf der Verharmlosung erhoben.

    Relativieren bedeutet aber im eigentlichen Wortsinn, die Shoa in Beziehung zu anderen geschichtlichen Ereignissen zu deuten, in einem geschichtlichen Rahmen einzuorden und damit begreifbar und verständlich zu machen. Ob diese Bemühunghen erfolreich sein werden ist dabei unerheblich. Wichtig ist, dass derlei Bestrebungen dem religiösen Absolutheitsanspruch und der dogmatischen Unveränderlichkeit einer absoluten Wahrheit zuwiderlaufen.

    Noch wichtiger scheint mir, dass die geschichtliche Einordnung der Shoa bedeuten würde, dass der Schrecken von dieser, unserer Welt ist, und nicht aus der Hölle empor kroch.

  16. Neugieriger Wie ist der Blick der anderen Seite
    25.04.2009 | 00:34

    Hallo!
    Danke für diese gute Seite, ich habe auch Sie auf der Suche nach Shoa und Zivilreligion gefunden. Leider sind sie einer der wenigen nicht Rechts-Aussen die dieses Thema wahrnehmen.

    Die radikale Rechte redet schon länger von "Shoaismus", "Shoaist" und sieht sich selbst als "Naziraioi".
    Diese Wörte bei Google unzensiert zeigen die "Ketzer".

    Diese reden selbst "von einer neuen Weltreligion, mit eigenen Dogmen, eigenen Tempeln und Heiligtümern und sich selbst als Ketzer gegen Inquisitoren".

    Dazu wird -von den Revisionisten schon seit Jahrzehnten v.a. Jürgen Graf Jesaja 48,10 als religiöse Wurzel bezeichnet.

    Das ist fast alles noch unwidersprochen und bereitet Arbeit in der Auseinandersetzung mit Revisionisten.

    Vielleicht haben sie was zur Widerlegung dieser Revisionisten beizutragen.
    Ich hoffe es.
    Gute Nacht!

  17. Julius Einspruch
    26.04.2009 | 08:35

    "Daß die Shoah zum Fundament der Welt geworden ist, kann man nicht bestreiten."

    So? Nun, ich bestreite es. Eine Welt, die die "Shoa" zur Grundlage hätte, wäre verdammt. Die "6 Millionen" als Opferlamm anstelle von Jesus Christus, das ist ja wohl die Essenz dieser seltsamen Religion, deren Hohepriester selbstverständlich Juden sein werden (bzw. bereits sind). Wie könnte man übrigens die Rolle des deutschen Volkes in dieser Shoa-Religion beschreiben?

    Nun, ich glaube gerne, daß die Juden gefallen finden an ihrer neuen Erfindung und die passende Religion für die "Neue Weltordnung" wäre sie sicher auch. Aber das ganze ist völlig irrsinning, ausgeschloßen daß sich die nichtjüdische Menschheit dauerhaft erniedrigt, indem sie der Selbsterhöhung eines bestimmten kleinen Volkes zustimmt. Gut, Jahwe hat euch allerhand versprochen, aber das war vor 3000 Jahren oder so und der Rest der Menschheit hat seitdem erhebliche Fortschritte gemacht. Es wäre an der Zeit, den Wahn vom auserwählten Volk zu zu überwinden.

    Ich bin sicher, daß die Geschichte noch ein paar Überraschungen in petto hat, also bitte nicht zu hochmütig und siegesgewiß werden, ich sage das ohne Häme. Die Dinge sind in Bewegung und ich fürchte, das Judentum könnte bald wieder mal in großer Gefahr schweben und das nicht ganz ohne eigenes Verschulden. In Deutschland beispielsweise wird es scheinbar für normal gehalten, daß prominente Vertreter des Judentums die Möglichkeit einer Versöhnung kaltschnäuzig verneinen. Ich halte das nicht für normal. Haben die eigentlich keine Angst davor, daß die Deutschen anfangen gewisse ganz einfache Schlüsse zu ziehen? Ich will niemandes Feind sein und ich haben niemandem Grund gegeben mein Feind zu sein. Aber ich bin Deutscher und wenn jemand darauf besteht deshalb mein Feind zu sein, dann sei es in Gottes Namen so. Ich werde mein Deutschsein nicht ablegen um dem aus dem Weg zu gehen, selbst wenn ich das könnte. Ich schätze, daß ich mit dieser Einstellung dem Zeitgeist um etwa 10 Jahre voraus bin.

    Ich könnte noch viel -sehr viel- sagen, aber ich nehme nicht an, daß Sie Wert auf die Meinung eines "Antisemiten" legen (ich würde mich nicht so bezeichnen, aber ich vermute, meine Äußerungen qualifizieren mich bereits dazu).

    [Anmerkung des Blogbetreibers: Aufgrund der zutreffenden Reflexion im letzten Absatz habe mich dazu entschlossen, dieses authentische Exemplar doch zu veröffentlichen. Man soll m. E. darüber nachdenken, ob solche Fälle auch dann genauso häufig vorkämen, wenn der öffentliche Diskurs nicht vom im Nationalsozialismus verankerten Schuldstolz inspiriert wäre, sondern sich dauerhaft und nachhaltig um die Vermittlung von positivem Nationalstolz bemühen würde.]

  18. Jurij Below „CHARAKTERISTIKA“
    18.09.2009 | 17:31

    Lieber Herr Sapir,

    Ich bedanke mich bei Ihnen ernsthaft und recht herzlich, denn Ihre 12-Punkte von Charakteristika ist ja in sich schon ein starkes Stück der Holocaustanalyse. Dies stellt zugleich die Moralfähigkeit eines politischen Denkens in frage.

    Ihr Punkt 11 spricht schon klar von „Kritikscheue“ als Merkmal des ganzen Konstrukts namens Holocaust. Die Betreiber der „Holocaust Industrie“ kannten dagegen keine Zurückhaltung sondern gingen rücksichtslos und aggressiv vor. Zu einem der wichtigsten Merkmale, bzw. der Eigenschaften dieses Kultes gehört der Begriff
    „Einzigartigkeit“ des Holocaust. Das beinhaltet in sich weitgehend den Anspruch für einen absoluten Wert dieses Kultes, weil etwas Vergleichbares nicht existiert.

    Bekannte Experten wie Elie Wiesel (...selbst Überlebender des Holocaust) gehen damit viel weiter als ein normaler Mensch denken kann. Wiesel steht bei namhaften amerikanischen Publizisten (z.B. Noam Chomsky und Norman Finkelstein) wegen seiner Thesen zur
    „Einzigartigkeit des Holocausts“ in der Kritik, den Holocaust zu mystifizieren, und damit die „Holocaust-Verleugnung“ zu provozieren. Es ist ganz bequem unter den herrschenden Umständen das Opfer zu spielen. Und ich meine damit nicht die realen Opfer, die hoffentlich nicht so zahlreich waren (wie behauptet wird) sondern die Juden, die von den schlimmen Verfolgungen nicht betroffen waren.

    Zu diesem Punkt gehört auch die sog. „Offenkundigkeit“, die Beweise ausschließt und damit unser Recht pervertiert. Das Argument „alle wissen“ ist lächerlich und verdirbt die jungen Menschen, für die es nicht mehr Unglück bedeutet, als Jude geboren worden zu sein. Ein narrativer Aspekt dieses Kultes, oder besser gesagt Mythos, wie Sie es in Punkt 12 schildern, hat einen totalitären fanatischen Charakter.

    Ich bin Ihnen auch sehr dankbar dafür, dass Sie zum Schluss sagen: „Eine Chronik des Phänomens "Holocaust" darf daher grundsätzlich keine Chronik der nationalsozialistischen Judenverfolgung und -vernichtung mehr sein“. Meiner Meinung nach aus dem Grund, dass die Vergangenheit nicht auf eine Holocaustepisode zu beschränken ist. Zwischen 733 und 1933 es genug Exzessen gab, wenn ich das so neutral nennen darf, bevor 1979 der Terminus „Holocaust“
    als Begriff so plötzlich aufgetaucht ist, der Shoah seit Jahrhunderten bekannt war. Das bedeutete die Vernichtung fast 5 Millionen Juden! Und eine Leugnung des zweieinhalb tausendjährigen Leidenswegs der Juden macht der Kult noch schwerverdaulicher.

    Ein moralischer Aspekt dabei haben Sie vielleicht vergessen: allein in 20. Jahrhundert die Welt erlebt eine Menge der noch schrecklichen Genozide in Armenien, Russland, China, Uganda oder Kambodscha, Jugoslawien...

    Warum das Ereignis in Deutschland wurde so bevorzugt? Das hat das Leiden der Juden zum Politikum missbraucht in dem man die Liquidierung des Jüdischen Antifaschistischen Komitee und der Jüdischen Autonomrepublik in Russland komischer weise nicht zum Holocaust zählt, in dem auch zahlreiche Aktionen in Moskau z.B. wegen der jüdischen Ärzte oder auch „Kosmopoliten“ bzw. “die Nacht der toten Dichter“ in der UdSSR“ nicht unter dem Dach von Holocaust bringen will. Denn in der Reihe von Explosionen gegen die Menschlichkeit der Holocaust von Berlin ist nichts etwas anderes, als Holocaust von Moskau.

    Man kann eine Politik zur Religion machen, umgekehrt funktioniert es nicht.
    Liebe Grüße aus Frankfurt
    Jurij Below

  19. Peter Koroly Holocaustreligion
    12.12.2009 | 08:32

    auch wenn man diesen Unsinn wie eine Mantra wiederholt, wird er nicht wahr.
    Diese "Religion" erreicht nur ganz wenige in Europa und wir merken, wie der Antisemitismus, der sich in Westeuropa als Antizionismus maskiert, in Osteuropa wieder explizit bemerkbar macht.
    wenn also ihre these stimmen würde, dann könnte dies nicht geschehen.

  20. Yoav Sapir @ Peter
    12.12.2009 | 13:51

    Du schreibst: "wenn also ihre these stimmen würde, dann könnte dies nicht geschehen."

    Könntest du bitte näher darauf eingehen?

    Mir würde als Gegenbeispiel etwa die Situation der ev. Amtskirchen vorschweben: Auch wenn die Kirchen nicht gerade voll sind, sind die Strukturen nichtsdestoweniger da.

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