Hat die Synagoge ausgedient?
Hat die Synagoge ausgedient? Wie sieht es mit ihr aus, seitdem in Israel das Nationale wieder eingekehrt ist?
Naja, da sieht es eindeutig schlecht aus. Aber ist das Schlechte wirklich schlecht? Warum haben so viele, ja die allermeisten Juden kaum noch Interesse am Synagogalen?
Tatsache ist, dass Juden in unserem Zeitalter schlichtweg nicht mehr auf den synagogalen Schutzraum angewiesen sind. Dass das Volk sich in der Hochantike langsam in eine Religion verwandelte, ermöglichte zwar, wenn auch in extrem sublimierter Weise, das Überleben bis in die späte Neuzeit, ist dann aber offensichtlich zur Last auf dem Rücken der Geschichte geworden.
Was deutet es mir als angehendem Rabbiner an?
Ja, das gehört zu unserer Kultur mit dazu. Ja, auch von dort kommen wir her. Und: Ja, das begleitet uns ebenfalls weiter. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Und nun, wo wir wieder eine Öffentlichkeit haben, den eigenen Staat im eigenen Land, wo die Kultur sich endlich auch im Politischen entfalten darf, ist dieses real existierende Gemeinwesen, ist diese Wirklichkeit zum Guten und manchmal auch zum Schlechten unsere Synagoge.
Wenn man dieser Öffentlichkeit, also der Praxis zuhört, sagt sie deutlich und klar: Die heutige Synagoge heißt Israel. Und dieses Israel ist weit mehr als alles, was abgekapselte Synagogenräume je sein könnten. Nicht zufälligerweise interessieren sich selbst im nichtjüdischen Ausland die meisten Menschen, die sich bewusst als Juden verstehen, mehr für das Geschehen im jüdischen Inland als für den Inhalt dieses oder jenes Gebetbuches.
Unsere Zeit ist Zeuge einer gewaltigen Wiederkehr des Verdrängten. Und das hat alles erst angefangen.
Ich bin gespannt.
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Hi Sapir,
jede Religion als Lehre hat einige gute philosophische Ansätze und einige überkommene Ansätze, Aussagen und Meinungen. Nun verlangt es aber der Absolutheitsanspruch fast aller Religionen niemals einen Fehler zuzugeben. Was also tun? Einfach mit Augenmaß und gebremstem Schaum weitermachen und das Augenmerk auf das Gute richten. So wird speziell Deine Religion sicherlich auch die nächsten Jahrtausende überdauern und den Menschen zumindest die Illusion eines zusätzlichen Lebenssinns und ganz reale Lebensfreuden vermitteln.
mfg
Luchs
Das Religiöse am "Judentum" ist m. E. die (historisch-dialektisch notwendige) Fehlentwickung, also das Problem.
Hi Yoav,
Du schreibst: "Das Religiöse am "Judentum" ist m. E. die (historisch-dialektisch notwendige) Fehlentwickung, also das Problem."
Das sehe ich nicht so kritisch. Natürlich hat die Religion viele Verhaltensvorschriften entwickelt, die aus heutiger Sicht obsolet sind. Aber der Kern des Judentums liegt meiner Ansicht in der Aussage, dass es nur einen Gott gibt (der Teufel ist doch kein Gott, oder?) und dieser der Ursprung der Welt ist. Mit dieser Aussage stimmt das Judentum mit ganz vielen Philosophen überein, z.B. Sokrates. Und diese Aussage ist bis in unsere Zeit diskutabel geblieben.
mfg
Luchs
@Yoav:
Einerseits:
> mir als angehendem Rabbiner
Andererseits:
> Das Religiöse am "Judentum" ist
> m. E. die (historisch-dialektisch
> notwendige) Fehlentwickung,
> also das Problem.
Wie genau ist "religiös"
hier zu verstehen?
Denn es scheint mir doch eine eher
merkwuerdige Einstellung
fuer einen angehenden Rabbiner zu sein,
das "Religiöse" als "Problem"
zu bezeichnen.
@Luchs:
> Aber der Kern des Judentums
> liegt meiner Ansicht in der Aussage,
> dass es nur einen Gott gibt
> (der Teufel ist doch kein Gott, oder?)
> und dieser der Ursprung der Welt ist.
Das ist deutlich zu kurz gegriffen.
Der erste Jude war Abraham.
Monotheismus gab es laut juedischer
Tradition bereits vor ihm.
Sein herausragender Charakterzug war
Mildtaetigkeit gegen den Naechsten,
und der Wille, allein fuer
seine Ueberzeugungen einzustehen.
(Daher der Name "Hebraeer".)
Geburtsstunde des juedischen Volkes
war die (wundersame) Befreiung aus der
aegyptischen Knechtschaft,
mit der anschliessenden Offenbarung
und Gesetzgebung am Sinai.
Was das Judentum also
von z. B. Sokrates unterscheidet
und im Kern ausmacht,
ist die Erkenntnis, dass G-tt nicht nur
das Universum geschaffen hat,
sondern dass Er auch aktiv
in die Geschichte eingreift
und sich fuer das Leben,
die Wuerde ("in Seinem Ebenbild")
und das Verhalten der Menschen,
denen er einen freien Willen gab,
aktiv interessiert.
Das sind nicht Feinheiten,
sondern Grundlagen.
YM
Hi Yankel,
Du schreibst: "Was das Judentum also
von z. B. Sokrates unterscheidet
und im Kern ausmacht,
ist die Erkenntnis, dass G-tt nicht nur
das Universum geschaffen hat,
sondern dass Er auch aktiv
in die Geschichte eingreift"
Die Polytheisten glauben, dass die Götter durch das Universum erschaffen worden sind - und nicht umgekehrt. Diese Unterscheidung hatte ich aber schon aufgeführt.
"und sich fuer das Leben,
die Wuerde ("in Seinem Ebenbild")
und das Verhalten der Menschen,
denen er einen freien Willen gab,
aktiv interessiert."
Das wird in fast jeder Religion geglaubt und ist nicht kennzeichnend für den Monotheismus. Was noch ein Unterscheidungsmerkmal sein könnte, ist die Gerechtigkeit die Gott von den Monotheisten zugeschrieben wird, während Polytheisten den meisten Göttern auch willkürliche Züge zuschreiben.
Andererseits versucht fast jede Religion ihre Gläubigen zu ethischem und selbstverantwortlichem Verhalten anzuleiten - wieder eine allgemeine Eigenschaft, die hier Avraham bzw. Melchisedek zugeschrieben wird.
mfg
Luchs
> Besonders im orthodoxen Islam sind Prädestinationslehren weit verbreitet, jedoch nicht unumstritten.
> Auch im Hinduismus gehen einige Strömungen von Prädestination aus, andere betonen die Freiheit des Menschen.
> Der Buddhismus verneint sowohl die absolute Willensfreiheit als auch den absoluten Determinismus,
> während die Idee der Willensfreiheit im Judentum ein zentrales Dogma darstellt.
Von hier: http://de.wikipedia.org/...Wille#Andere_Religionen
> Diese Unterscheidung hatte ich aber schon aufgeführt.
Schon klar. Meine Betonung lag natuerlich nicht auf "nicht nur", sondern auf "sondern auch".
Und meine Abgrenzung war gegen "die Philosophen"/Sokrates (wie bei Dir zuvor),
nicht gegen andere Religionen.
Es kommt im Endeffekt darauf an, was man als das Produkt wovon versteht. Und hier gibt's grundsätzlich zwei Möglichkeiten, die ich im Folgenden ganz grob darstelle:
1. Das dogmatische Verständnis: Das Judentum sei vor allem eine Religion. In dem Fall definiert diese Religion wiederum die Glaubensgemeinschaft, welche man das jüdische Volk nennt. Tatsächlich bedeutet das, dass man seine eigene Vorstellung von der jüdischen Religion in die ferne Vergangenheit zurückprojiziert und von dort an das Judentum im Einklang mit seiner heutigen Vorstellung konstruiert, wie es etwa YM macht.
2. Das sozialhistorische Verständnis: Es handelt sich in erster Linie um die Geschichte einer Abstammungs-, Sprach- und Kulturgemeinschaft (=Volk), die in verschiedenen Phasen (Israelitentum/Judentum/Rabbinertum usw.) u. a. auch (aber nicht nur) verschiedene Gottes- und Kultvorstellungen aus sich hervorgebracht hat. In Wechselwirkung haben diese Ideen wiederum auf die Zusammensetzung des Volkes (=die Vorstellungen davon, wer zum jeweiligen Zeitpunkt dazugehört und wer nicht) bald mehr, bald weniger starken Einfluss ausgeübt.
Zur Veranschaulichung gebe ich euch ein Beispiel aus der fernen Vergangenheit: Bevor sich der Jahwekult durchsetzte, hatten die Israeliten Götter angebetet, die später als "Götzen" bezeichnet wurden, wie etwa die Kälber im Nordreich. Sind sie deswegen als weniger "jüdisch" bzw. "israelitisch" anzusehen? Das heißt: Könnte man sagen, dass sie dem "wahren" Judentum bzw. Isrealitentum ferner lagen als die Jahwepriester? Und ist der Kalbkult im Rückblick als "Götzendienst" einzustufen?
Nach dem dogmatischen Verständnis lautet die Antwort: Ja, weil sie nicht der Vorstellung davon entsprechen, was später als "jüdisch" gegolten hat bzw. heute mancherorts noch als "jüdisch" gilt (je nachdem natürlich, was man jeweils für "jüdisch" hält). Nach dem sozialhistorischen Verständnis lautet die Antwort auf jeden Fall: Nein, weil die vorjahwistischen Kultformen zu seiner Zeit als normal galten und daher ebenfalls Teil unseres Erbes bilden.
Die gleiche Problematik begegnet uns im Hinblick auf die heutige Situation. Tatsache ist, dass die allermeisten Juden weltweit nur sehr selten eine Synagoge aufsuchen, vielleicht ein- oder zweimal im Jahr, viele noch seltener. Wichtig ist aber nicht so sehr die Situation weltweit, sondern dort, wo Normen entstehen, nämlich in der jüdischen Öffentlichkeit, die es heutzutage nochmals gibt, und zwar in Israel. Nun ist es aber so, dass selbst dort die meisten Juden eher selten in die Synagoge gehen. Was hat das also zu bedeuten?
Nach dem dogmatischen Verständnis ist das eine Abweichung von der Norm. Diejenigen, die der Synagoge in der Regel fernbleiben, erfüllen ihr Jüdischsein nur mangelhaft. Nach dem sozialhistorischen Verständnis ist das jedoch eben die Norm. Während diejenigen, die regelmäßig in die Synagoge gehen, eine Randerscheinung darstellen, erfüllen jene, die der Synagoge fernbleiben, ihr Jüdischsein nunmehr anders: Durch Kunst, Literatur, Politik, Landeskunde, Volkstümlichkeit etc.
Die eigentliche Frage aber muss m. E. lauten: Wie ist es überhaupt dazu gekommen, dass das Judentum zum Rabbinertum, also zu einer Religion geworden ist?
Das wäre jetzt natürlich auch ein riesengroßes Thema und ich fasse mich dazu ebenfalls ganz kurz und grob:
Nicht das ganze hochantike Judentum ist im Rabbinertum aufgegangen. Aber die Teile, die die Verwandlung nicht mitgemacht haben, haben ihr Volksbewusstsein früher oder später verloren und deren Nachkommen - etwa einige unter den sog. "Palästinensern" - gehören heute überhaupt nicht mehr dazu (wiederum ein Ergebnis der oben erwähnten Wechselwirkung). Der Übergang zum Rabbinertum, also zum Religiösen, war deswegen notwendig, weil die Kontinuität einer jüdischen Öffentlichkeit immer weniger möglich wurde und seit der Spätantike kaum noch vorstellbar war. Das einzige, was das Volk noch als solches aufrechterhalten konnte, war eben der religiöse Bereich. Man kann es auch als eine Art darwinistische Selektion betrachten: Nur jene Teile, die die Verwandlung in eine Religion geschafft haben, konnten ihr jüdisches Bewusstsein beibehalten.
Heute aber gibt es wieder eine jüdische Öffentlichkeit, den eigenen Staat im eigenen Lande usw. Es ist erstaunlich, aber wahr. In der Öffentlichkeit entstehen wieder Normen und Konventionen, ohne dass irgendwelche Religionsführer diese Entwicklung autoritativ beeinflussen können (sie können nur Teil davon sein, was sie auch sind). Das Vorhandensein dieser Öffentlichkeit wirkt sich natürlich weltweit aus. Daher gibt es so viele Juden, die, ohne auf ihr jüdisches Bewusstsein verzichten zu müssen, nicht mehr auf die Synagoge angewiesen sind, auf jenen Schutzraum, der lange Zeit absolut notwendig war, um das Judentum - wenn auch in religiöser Form - aufrechtzuerhalten.
Den letzten Diskussionsbeitrag von Joav finde ich sehr spannend, weil die Problemstellung eine sehr allgemeine ist. Ich habe mir diesbezüglich Gedanken über die Anthroposophen gemacht und über Leute, die einen "anthroposophischen Lebensstil" leben. Sie werden wissenschaftlich - bspw. in der Medizin - in breiten Studien erforscht (haben weniger Allergien etc.).
Nun ist es so, daß die Mehrheit bspw. der Waldorf-Schüler die Lehren von Rudolf Steiner ABLEHNEN, also gar nicht "Gläubige" sind im Sinne der Anthroposophie. Und dennoch wird es wohl nicht schwer sein aufzuzeigen, daß die ganze Waldorf-Schulen-Bewegung, daß es Menschen mit einem anthroposophischen Lebensstil nicht geben würde, wenn es nicht einen "harten Kern" von echten Anhängern und Überzeugten der Lehren von Rudolf Steiner geben würde.
Ich vermute sehr stark etwas Ähnliches auch vom jüdischen Volk und verstehe nicht, warum irgendwann in der Geschichte dieses Volkes alle Theologen hätten sein sollen, da allein dies dann noch das Überleben gesichert hätte (wie Yoav meint). Es kam wohl zumeist nur darauf an, daß es einen harten Kern gab, der zugleich auch jene, die "irgendwie" einen "jüdischen Lebensstil" lebten, irgendwie bei der Stange hielten.
Und ich nehme an, daß dies auch gegenwärtig und künftig so sein wird. Bekanntlich sind religiöse Gruppierungen stabiler als atheistische (siehe die Forschungen von Richard Sosis). Es wird also, wenn man genau hinschaut, in ALLEN menschlichen Gruppierungen und bezüglich ihrer Langlebigkeit und Stabilität darauf ankommen, daß sie einen harten inneren Kern haben, der nach irgend einer Richtung hin religiös bestimmt ist und diese Haltung auch gegenüber andersgesinnten Mehrheiten aufrecht erhält.
Das gegenwärtige Israel wird ja da wohl auch nicht das allerbeste Gegenbeispiel für ein solches Phänomen sein.
Ich kann mir kaum vorstellen, daß irgendeine menschliche Gruppierung, irgend eine menschliche Kultur, irgend ein Volk ohne einen solchen inneren religiösen Kern über mehrere Jahrhunderte überstehen kann.
Das jeweils die Identität bestimmende Religiöse an sich wird und kann sich im Verlauf der Jahrhunderte ändern, wie Joav sehr schön am antiken, vormonotheistischen Judentum aufzeigt. Aber daß es im innersten Kern etwas Religiöses oder Philosophisch-Metaphysisches ist, das die Stabilität von Gruppen, Minderheiten oder (ihnen angeschlossenen) Mehrheiten garantiert, daran, so wird man wohl annehmen müssen, wird sich auch künftig nichts ändern.
Ich fände es sehr interessant darüber zu spekulieren, wie sich dieses Religiöse künftig im Judentum ändern würde, könnte. Gibt ja viele jüdische Denker, die ihr religiös-jüdisches Denken mit säkular-metaphysischem Denken in irgend einer Weise verbunden haben, etwa Spinoza, Heinrich Heine oder etwa Hans Jonas. Und es gibt da wohl noch viel mehr Anknüpfungspunkte.
Natürlich kann ein Jude Awodah Sarah betreiben.
Und er ist dann auch nach "dogmatischer" (was für ein gojischer Begriff) Auffassung immer noch Jude,
wenn auch kein "guter".
Die Bücher der Propheten sind doch voll mit Berichten darüber.
Jüdische Identität funktioniert auf zwei Ebenen: Auf der des Tuns, und auf der des Seins.
Abraham wurde nicht für sein Tun erwählt!
Aber jüdisches Tun ist offenbar das, was jüdische Identität erhält.
Judentum ist nach dem Selbstvertändnis keine Religion (das Wort kommt z. B. in der "Bibel" gar nicht vor).
Judentum ist eine Lebensform.
Und passend zu den Hinweisen von Ingo Bading sollte man die Beobachtung anschliessen,
dass das "nichtreligiöse" Judentum, jedenfalls in der Diaspora,
sich gegenwärtig in atemberaubendem Tempo selbst vernichtet, durch Mischehen, Gleichgültigkeit und Assimilation.
Demographen können vorrechnen, dass die Verluste mittlerweise genauso hoch sind wie durch die Schoah
(ohne das inhaltlich vergleichen zu wollen).
Man könnte also vom atheistischen Standpunkt zur Theorie gelangen,
dass das ganze System des Judentums als psychologisches Korsett entwickelt wurde,
um einer Nation ohne Land das Überleben in der Zerstreuung zu ermöglichen.
Und das Prinzip Zerstreuung ist bereits in seiner (mythischen?) Geburt angelegt,
Stammvater Jakob ging ins Exil, seine Nachfahren waren Sklaven in Ägypten,
wesentliche Grundzüge des rabbinischen Judentums entstanden in Babylonien,
noch lange vor der endgültigen Vertreibung durch die Römer.
Wir können empirisch festhalten, dass dieses historisch wohl einmalige Experiment
trotz schwerer Blessuren erstaunlich gut funktioniert hat.
Aus Sicht des sekulären Zionismus erscheint das natürlich alles irrelevant.
Aber Herr Hamaninedschad (yamach shmo) könnte das schneller wieder aktuell werden lassen,
als uns allen lieb sein kann.
YM
Wow, das ist mal ein spannender Text und eine klasse Debatte hier!
Einerseits finde ich im Beschriebenen veil von der Debatte Orthodoxie versus Orthopraxie wieder - und gerade im Religions- und Kulturvergleich lassen sich hier durchaus erhebliche Unterschiede beispielsweise zwischen Christentum und Judentum festhalten, die auch hier angeklungen sind. Die 10 Gebote und ihr rituelles Umfeld erweisen sich als "praxistauglich" im Hinblick auf die Förderung von Familie und Gemeinschaft, (hier *kruschtelkruschtel*, ein rezenter Tagungs- und dann Buchbeitrag dazu)
http://www.blume-religionswissenschaft.de/...8.pdf
- "dogmatische" Debatten über das Wesen der Gottheit u.ä. hat sich das Judentum dagegen im Vergleich zu den Kirchen oft eher erspart.
Einen Einwand hätte ich jedoch gegen die Tendenz, hier ethnische, nationale und religiöse Zusammengehörigkeit allzu schnell ineinander fallen zu lassen. Die USA sind ein schönes Beispiel dafür, dass sich auch auf der Basis ethnischer und religiöser Vielfalt ein patriotisch-zivilreligiöses Miteinander entwickeln kann. Und auch in Israel stellt sich doch längst die Frage, ob Muslime, Christen, Drusen, Bahai etc., die gemeinsam rund ein Viertel der israelischen Staatsbürger (!) bilden, nicht auch Anteil an der Selbstdefinition Israels und der von Yoav geschilderten Öffentlichkeit haben und haben sollten.
Der ethnisch und religiös vereinheitlichte Nationalstaat ist nur unter Preisgabe von Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten zu halten - auf freiheitlicher Basis entwickeln sich weltweit Modelle der patriotischen Integration und Akzeptanz auch von Vielfalt. Der muslimische Israeli lässt sich ebensowenig wegdefinieren wie der indische Sikh, britische Parse oder russische Katholik.
Den Begriff mußte ich erst mal nachschlagen, heißt also "Götzendienst". Mir sind übrigens wenige Beispiele aus der Kulturgeschichte des Judentums in den leztten Jahrhunderten bekannt, wo ein solcher Götzendienst auch nur in irgend einer Weise praktiziert worden wäre. Oder liege ich da falsch?
Die meisten bekannteren Juden, die nicht dem jüdischen Gott dienen, dienen dann auch zumindest keinem anderen Gott. Sie sind also Atheisten oder vertreten einen recht allgemeinen Pantheismus (Spinoza, Heine oder Einstein oder ..., ähm: Buber?), wobei noch zu klären wäre, wann ein allgemeiner Pantheismus aus ortho-doxer und ortho-praktischer Sicht in Götzendienst umschlägt.
Mir scheint dieses Phänomen etwas zu sein, was irgendwie einen "jüdischen Lebensstil" mitdefiniert, was zumindest eine Gemeinsamkeit zwischen säkularen und nicht-säkularen Juden heute darstellt.
Oder wie ist das: Wenn ein Jude Christ oder Moslem wird, betreibt er doch keinen "Götzendienst" - oder etwa doch? Er verehrt doch immer noch den jüdischen Gott "seiner Väter". (Naja, da wird es wohl verschiedene Sichtweisen geben.)
Auch in der Diaspora übrigens haben die Juden mehr Kinder als jede andere religiöse Gruppierung, wie Michael Blume bspw. anhand der Schweizer Religionsdemographie aufgezeigt hat, OBWOHL (und/oder weil) sie den höheren Einkommenschichten angehören.
Man darf annehmen, daß die Religionsdemographie der Juden in der Diaspora ein so ähnliches Phänomen darstellt, wie das der Amish-People, die trotz konstanten Raten von "Abfälligen" zahlenmäßig weiterwachsen, sich also zumindest nicht im Rückgang befinden, wie so viele andere Religionsgruppen.
Wenn die heutige Synagoge mit gesamt Israel gleichgesetzt wird, müssen wir dann nicht fragen, was Israel am Anfang auszeichnete?
War das Wort, das an Israel erging und nach christlicher Lesweise in Jesus lebendig war ein Buchtext, eine Tradition oder frommes Gerede eines Guru aufgrund geheimnisvoller Eingebungen und alter Dogmatik, ähnlich heutiger Evangelisten bzw. Sonntagsreden?
Wenn nicht nur die Synagoge, sondern unsere gesamte Zeit Zeuge einer gewaltigen Wiederkehr des Verdrängten sein soll, wäre es dann nicht an der Zeit, in neuer Weise nach einer schöpferischen Vernunft/einem hervorbringenden Wort zu fragen? Einer kreativen Vernunft, die am Anfang alles Andere als Vergeisterung war, Über- oder Unnatur, sondern im rationalen Weltbau der antiken Hochkulturen, später in griechischen Monismus wieder-verstanden wurde, jeweils Wende vom Mythos zum Logos war. Ein lebendiges Wort, das somit als einzige Offenbarung und Wegweisung gesehen wurde?
Wäre es nicht an der Zeit, ähnlich wie vor 2000 Jahren, durch eine neue Wende vom taub geworden Tempelkult und einer Ritenstarren Religion auch Kirche und Synagoge mit neuem Leben zu erfüllen?
Unter wwww.theologie-der-vernunft.de bei den alten Texten von 2002/2003 habe ich die Synagage als Schule Jesus hinterfragt. (Wobei ich nicht von einem jungen Glaubenslehrer ausgehe, sondern dem lebendigen Wort/univeraler Vernunft in menschlicher Gestalt/Rolle/Aufgabe=Person)Und genau dieses Wort/die Vernunft allen Werdens und Geschichtsverlaufes scheint mir, nach dem was in den Erkenntnissen über die frühe Synagoge deutlich wurde, dort lebendig gewesen, aufgewachsen zu sein.
Die Ausführungen über aktuelle Forschungsergebnisse zu Synagogenfunden aus der Zeit Jesus wurden bei meinen Überlegungen als Hinweise aufgegriffen, dass es beim Grund des christlichen Glaubens nicht um einen zum Christusgott erhobenen Guru ging. Vielmehr um das Wort/natürlich-geschichtliche Vernunft, die auch am Anfang der Glaubensaufkärung verstanden wurde, die wir heute als Beginn des Monotheismus bezeichnen.
Je besser wir uns den Anfang des Monohteismus als eine Glaubenausklärung bewusst machen, wie dies heute geschieht, die wundersamen Geschichten als Bilder verstehen, was ich in vielen Texten aufgegriffen habe, je mehr muss nicht nur Jesus in neuer Weise gesehen werden, sondern kann m.E. auch das Wort im modernen Weltbild wiederverstanden werden.
Die Glaubenserkenntnis ist sicher wie alles Werden der dialektischen Wellenbewegung ausgesetzt. Doch wäre es nicht an der Zeit, vom Volksglaube zum universalen Verständnis zu kommen, das damit aufhört, sich gegenseitig völlig vermenschlichte und gegensätzliche Gottesbilder zu verkünden, sondern nur nach dem Wort/der sichtbaren schöpferischen=kreativen Vernunüftigkeit des Unsagbaren fragt?
Oder ist dieses Päsent-Werden des Wortes eines (schöpferisch bzw. kreativ vernünftigen Sinnes/Logos) im modernen, beispielsweise evolutionsbiologisch beschriebenen umfassenden Weltbild nur ein unerfüllbarer Weihnachtswunsch???
Ich weiß, dass es für Juden keine Auferstehung des Christkindes gibt. Doch denke ich, dass auch die Aufklärung über die Glaubensgeschichte bzw. den Anfang des Monotheismus sowie die anfänglichen Synagoge auf Ostern verweist:
zeitgemäßer Auf-Verstand einer kreativen=schöpferischen Vernunft die Geschichte schrieb.
Sehr geehrter Herr Dr. Blume,
besten Dank fuer den Hinweis auf Ihre interessanten Forschungsarbeiten.
Ein paar kurze Anmerkungen aus meiner juedisch-orthodox angehauchten Perspektive:
Das Judentum kennt bekanntlich deutlich mehr als 10, naemlich 613 Ge- und Verbote, wie Sie ja auch erwaehnen, wobei die 10 vom Sinai religionsgesetzlich nicht die vorrangige Rolle haben, die Sie ihnen in Ihrem Artikel zumessen. Ohnehin ist juedisch orthodoxer Alltag mehr von halachischen Festlegungen spaeterer Generationen, die auf talmudischer Ueberlieferung basieren. Und den biblischen Text ohne ergaenzende Kommentare und ohne Hintergundwissen zur umfangreichen muendlichen Ueberlieferung zu lesen, ist aus juedischer Sicht wenig erfolgversprechend.
Die Schweizer Zahlen sind mangels praeziserer Aufschluesselung IMHO irrefuehrend. In meiner Nachbarschaft sind 6-10 Kinder nicht ungewoehnlich.
Wie kommt das rein biologisch zustande?
1. Man heiratet jung, bleibt also laenger fruchtbar (was nebenbei auch dazu beitraegt, das etliche noch ihre Ururenkel kennenlernen)
2. Striktes Verbot von Verhuetung, ausser bei medizinischer Indikation.
3. Kein "verschwendeter Samen" (-> Onan).
Alles Punkte, die im Artikel so nicht erwaehnt werden.
Wichtiger Erfolgsfaktor, die naechste Generation bei der Stange zu halten, ist ein ausgebautes Schulsystem, dass von Beginn an juedische Werte in einem juedischen Umfeld vermittelt. Starke Verbesserungen in diesem Bereich in den letzten Jahrzehnten sind massgeblich dafuer verantwortlich, dass der Schwund deutlich reduziert werden koennte (was in USA heute die Reformbewegung zu spueren bekommt, denn sie war frueher der Nutzniesser). Man beachte, das Erziehung im Judentum ein Gebot ist (5. BM, 6, 7 im Singular; 11,19 im Plural), ausserdem ist der Talmud voll von diesem Thema.
Zoelibat spielt im Judentum keine Rolle, im Gegenteil.
Grabbeigaben sind im Judentum strikt verboten.
Zu einigen Geboten:
9. Was Sie da beschreiben, passt eher auf das Verbot von "Rechiluth" (Tratschen) und "Laschon Hara" (ueble Nachrede, die WAHR(!) ist).
10. Wenn man Gebote schon utilitaristisch sieht: dieses dient wohl eher dazu, Unzufriedenheit zu vermeiden, weil jeder einsehen muss, dass wenn er etwas nicht hat, G-tt zur Zeit nicht will, dass er es bekommt, so dass er seine Lebensaufgabe ohne dies bewaeltigen muss.
So, dass muss erstmal reichen...
YM
Lieber Herr Moishe,
vielen Dank für das aufmerksame Lesen. Und inhaltlich kann ich Ihren Ausführungen nur zustimmen.
Die Aufgabenstellung des Vortrags vor einem spannend gemischten Publikum aus Biologen und (christlichen) Theologen war, darzustellen, wie die 10 Gebote eigentlich aus religionsdemografischer und soziobiologischer Perspektive zu betrachten wären: widersinnig, unnütz, neutral, nützlich o.ä.
Daher habe ich den Schwerpunkt auf das Judentum gelegt, ohne aber christliche Traditionen völlig auszublenden - denn in beiden Fällen spielen die Gebote ja, wenn auch unterschiedlich gewichtete, Rollen. Und natürlich kann ein Vortrag nicht alle Aspekte erschöpfen - das wäre, würde ich meinen, schon bei der Diskussion auch nur je eines (!) Gebotes kaum zu leisten gewesen, bei zehn muss es überblicksartig bleiben.
Den aktuellen "Werkzeugkasten" der evolutionären Religionsforschung haben wir gerade in einem Buch zusammen- und vorgestellt, wobei in diesem Forschungsbereich gerade eine große, internationale Dynamik zu verzeichnen ist:
http://www.chronologs.de/...shop.de/artikel/969531
Was aber auch bei mir im Zuge der Vorbereitungs- und Analysearbeit als eindrucksvoll hängen geblieben ist (und die Brücke zu dieser Diskussion bildete) war die Erkenntnis, dass religiöse bzw. religiös legitimierte (Alltags-)Praxis eine sehr viel größere Rolle spielt, als in kirchensoziologischen Perspektiven auf Dogmatiken und Gottesdienstbesuchen oft erfasst wird. Für einen Religionsdemografen eindrucksvoll war z.B. die Aussage von Oberrabbiner Sacks, wonach die Alltagsgebote eine "Rosenhecke" um das Familienleben ziehen und es dadurch schützen und fördern würden. Wir sind da erst auf dem wissenschaftlichen Weg, doch schon heute lässt sich sagen, dass gewachsene, religiöse Traditionen auch in ihrer Unterschiedlichkeit weit mehr "Funktionsebenen" umfassen, als bislang wahrgenommen wurden. Ob es "wahr" ist, kann die Religionswissenschaft nicht beurteilen, dass es lebensdienlich sein kann, zeichnet sich empirisch immer deutlicher ab. :-)
Mit herzlichen Grüßen
Michael Blume
Zum ERS-Netzwerk gehört übrigens auch Richard Sosis, ein israelisch-amerikanischer Anthropologe, der auch genau zu dem hier diskutierten Thema gearbeitet und u.a. Kooperationsniveaus zwischen säkularen und religiösen Kibbutzim experimentell erforscht hat. Auch seine Befunde sprechen eher gegen die Vermutung, dass sich die religiösen Aspekte (auch) des Judentums einfach säkular ersetzen ließen.
Ein (frei zugänglicher) Artikel von ihm in Gehirn und Geist zum Thema hier:
http://www.gehirn-und-geist.de/...40&_z=798884
Sehr geehrter Herr Dr. Blume,
> Herr Moishe
neenee. "Moishe" ist die jiddische Variante von Moshe (=Moses), so wie Yankel die von Yaakov (=Jakob) ist.
Wenn ich es auch verständlich finde, nach utilitaristischen Erklärungen fuer die Gebote und ihre Ausführungsbestimmungen zu suchen, halte ich es fuer nicht zielführend, alle unter der Kategorie "Reproduktion" verbuchen zu wollen. Das wirkt auf mich wie: "Wenn man nur einen Hammer hat, sieht alles wie ein Nagel aus."
Noch zum früheren Beitrag:
> ethnische, nationale und religiöse Zusammengehörigkeit
Dass sich das Judentum als Volk begreift, ergibt sich bereits aus dem biblischen Text.
Die moderne Gentechnik führt den Nachweis, dass heutige Juden, sowohl aschkenasische als aus sefardische, in der Tat genetische Marker aufweisen, die auf ihren Ursprung im Nahen Osten hinweisen.
50% aller Juden leben ausserhalb des Staates Israel, 25% der Israelis sind nicht jüdisch. Es gibt sekuläre, jüdisch-stämmige Israelis, die über Juden in der dritten Person reden. Das sind verschiedene Konzepte.
Ihre anderen Links muss ich mir erst mal anschauen...
YM
Lieber YM,
danke für Beitrag und Fragen! Nur kurz zur Frage Reproduktion: Dabei geht es natürlich nicht um einen beliebig gewählten Parameter, sondern um "den" evolutionsbiologischen Fitnessindikator. Aus Sicht der Biologie ist für den Erfolg eines (auch) genetisch verankerten Merkmals wie Musikalität oder Religiosität schlicht die Frage interessant, wie erfolgreich die betreffenden Gensequenzen in kommende Generationen weiter gegeben werden. Die gerne bemühte Formel "Survival of the fittest" ist - gerade im Bezug auf die Evolution des Menschen - insofern irreführend, als eine Langlebigkeit ohne Weitergabe eigener (oder Begünstigung nah verwandter) Gene aus evolutionärer Sicht belanglos ist.
Persönlich finde ich z.B. Gesundheits- und Glücksstudien überhaupt nicht weniger spannend (die insgesamt auch nicht schlecht für Religionen und Religiöse aussehen) und ein Philosoph könnte diese Qualitäten gerade vom utilitaristischen Standpunkt her sogar höher gewichten (oder Reproduktion gar negativ bewerten), aber von der Biologie her steht eben dieser Faktor im Mittelpunkt.
Und zu Israel: Genau, da sind wir einer Meinung. Wenn man "das Religiöse" am Judentum als problematisch konnotiert und auf eine stärker säkular-kulturelle Identität Israels setzt, stellt sich eben nicht nur die oben diskutierte Frage nach religiösen Strömungen innerhalb des Judentums, sondern auch die nach nichtjüdischen Religionen in Israel. Diese Frage ging an @Yoav.
Genaugenommen ist Awodah Sarah "fremder Dienst". Darunter könnte man auch das assimilatorische Nacheifern von nichtjüdischen Sitten oder die Fokussierung auf materielle Werte verbuchen (vgl. z. B. Jer 1,16). Und das kam auch in jüngerer Zeit durchaus vor....
Heine hat sich übrigens taufen lassen.
Ein Jude darf eine Moschee betreten (aus "gesundheitlichen" Gründen heutzutage leider weniger zu empfehlen), aber keine Kirche. Schon sprachlich ist das Wort "All-h" mit einem der hebräischen G-ttesnamen verwandt. Die Trinitätslehre ist aus jüdischer Sicht mindestens grenzwertig.
Sekuläre Juden in der Diaspora als Speerspitze allen vermeintlichen Forschritts haben unterdurchschnittlich viele Kinder. (Siehe NJPS für USA.) Es sind die religiösen, die den Schnitt heben.
YM
Klar, bei den nicht-jüdischen (Schweizer) Religionsgemeinschaften fließen ja sicherlich ganz EBENSO wie bei der jüdischen die große Mehrheit der trotz äußerlicher Kirchenmitgliedschaft sich ansonsten ganz säkular verhaltenden "Kirchenmitglieder" mit hinein. DENNOCH scheint Mitgliedschaft in einer jüdischen Religionsgemeinschaft INSGEAMT und durchschnittlich mit höherer Geburtenrate zu korrelieren als Mitgliedschaft in einer nicht-jüdischen (westlichen) Religionsgemeinschaft.
Ja, das könnte auf einem höheren Anteil Kinderreicher unter den echter Gläubigen beruhen (bei den Juden im Ggs. zu den Christen), könnte aber auch an einer durchschnittlich, allgemein leicht überdurchschnittlichen Geburtenrate liegen, ähnlich wie etwa bei den evangelischen Freikirchlern.
Das müßte wohl noch mal genauer untersucht werden. Ich vermute, daß beide Tendenzen eine Rolle spielen. Schließlich "strahlt" ja der "gläubigere" Kern und sein Kinderreichtum auch stimmungsmäßig aus auf die Verwandtschaft und den Freundeskreis und bekanntlich werden dort, wo schon Kinder sind, leichter noch mehr Kinder geboren - dann ganz egal, ob aus eher religiösen oder aus weniger religiösen Gründen.
Wenn es erlaubt ist, der Hinweis: YMs Ansicht ist religionsdemografisch korrekt, es gibt keinen empirisch belegten Zweifel, dass (auch!) unter Juden die Frommen deutlich mehr Kinder haben als die Säkularen - ganz ebenso, wie dies unter Christen, Muslimen, Hindus etc. der Fall ist.
Umso höher die religiöse (!) Verbindlichkeit, umso höher der durchschnittliche Reproduktionserfolg. Gerade auch in Israel, den USA oder der Türkei bestreitet das übrigens kein Mensch: die Frommen haben je die größeren Familien im Vergleich zu den Säkularen und die international vergleichenden Forschungen belegen, dass dies nicht allein durch andere Faktoren (Bildung, Einkommen u.ä.) erklärt werden kann.
Das überwiegend säkulare Judentum in den USA weist aufgrund der weitgehenden Säkularisierung übrigens im Vergleich zur US-Gesamtbevölkerung unterdurchschnittliche (!) Geburtenraten auf - gleichzeitig bejahen US-amerikanische Juden die Evolutionstheorie sogar häufiger als ihre konfessionslosen Landsleute. Siehe:
http://religionswissenschaft.twoday.net/...367753/