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Gibt es gute Kriege?

von Yoav Sapir, 05. Januar 2009, 04:42

Aus gegebenem Anlass: Ob es auch gute Kriege geben kann?

Anscheinend nicht, denn es steht doch geschrieben: "Du sollst nicht töten" (Ex. 20:13). Und wie könnte man denn richtig Krieg führen, ohne zu töten?

Sind wir also verdammt, stets die andere Backe darbieten zu müssen?



Gott sei Dank, dass es im Original doch anders heißt:

"Du sollst nicht morden".

"Morden" und eben nicht "töten": Der Mord ist zwar verboten, aber die Tötung ist erlaubt.

Und was ist der Mord, wenn die Handlung des Umbringens doch ein und dieselbe Handlung ist?

Der Mord ist nichts anderes als die illegitime Tötung.



Doch was für Vorbilder gibt es in der Bibel für eine legitime Tötung? Und wie sieht es dabei mit der Backe aus?

"Backe" auf Hebräisch heißt "Lechi".

In der hebräischen Bibel kommt das Wort "Lechi" in einem Zusammenhang vor, der eine andere Botschaft vermittelt, als die christliche (Ma. 5:39, Lu. 6:29; und ob der Spruch wirklich von Jesus stammt, würde ich mal bezweifeln):

"Er [=Simson] fand eine noch frische Lechi [=Unterkiefer] eines Esels, streckte seine Hand aus, nahm sie und erschlug damit tausend Mann [=Philister]." (Ri. 15:15)

Das ist also die andere Backe.

Und ob Simson mit der Lechi wirklich "tausend Mann" erschlug? Vermutlich nicht. Daher ist diese Erzählung nicht wörtlich ("Tausend"), sondern bildlich ("tausend") zu verstehen,

ja vorbildlich.

 

Nachtrag:

Als angehender Rabbiner besteht meine Aufgabe darin, aus Israels Quellen Inspiration für das heutige Israel herauszuschöpfen. Als angehender Rabbiner in Deutschland obliegt es mir auch, mich dabei mit der Umgebung auseinanderzusetzen, die großteils christlich geprägt ist. Das ist der (aus christlicher Sicht wohl "religiöse") Zusammenhang, in dem die obige Kritik an christlichen Moralvorstellungen steht.

Unter diesem Text ist nun eine Diskussion entstanden, welcher jedoch grundsätzlich andere Fragestellungen zugrunde liegen, die, auch wenn der Blickwinkel des einen oder anderen Teilnehmers etwa unbewusst doch in dieser Problematik verankert sein dürfte, sich weder auf das Verhältnis zwischen dem Christentum und Israel beziehen noch sonstwie an diesen (aus christlicher Sicht wohl "religiösen") Quellen orientieren. Nichtsdestoweniger ist es eine interessante Diskussion. 

   





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Yoav Sapir

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Kommentare

  1. adenosine kein Betreff
    05.01.2009 | 07:30

    Na ja, auch Gesellschaften und Kulturen unterliegen der Evolution. Gesellschaften, die nicht in der Lage sind, sich gegen Agressoren zu verteidigen, scheiden aus.

  2. Thilo @ adenosine
    05.01.2009 | 09:04

    Ich will mir als Außenstehender kein Urteil zum aktuellen Konflikt erlauben. Aber grundsätzlich finde ich nicht, daß sich menschliche Gesellschaften nach evolutionsbiologischen Prinzipien organisieren bzw. verhalten sollten.

  3. adenosine kein Betreff
    05.01.2009 | 09:34

    @Thilo: Richtig, als intelligentes und bewusstes Wesen, könnte man zu dem Schluss kommen, dass die Welt zu anstrengend und grausam ist, um die eigene Teilname an dem Überlebensspiel zu rechtfertigen, oder Kinder in diese Welt zusetzen. Man könnte also bewusst und freiwillig ausscheiden. Über bleiben allerdings die, die nicht ausscheiden.

  4. Michael Blume Nein, an "gute" Kriege...
    05.01.2009 | 09:48

    ...glaube ich nicht. Wenn ein Kriegszug unvermeidlich geworden ist, dann ist dies eine Niederlage der Politik (meist aller Seiten) und weder die Menschen im Gaza-Streifen noch die israelischen Reservisten und ihre Familien werden derzeit wohl das Gefühl haben, "gute" Situationen zu durchleben...

    Es ist m.E. abgrundtief traurig, dass wir Menschen am Anfang des 21. Jahrhunderts immer noch Kriege führen, Menschen töten, Abermilliarden für Waffen aufwenden, statt uns gemeinsam den Herausforderungen (wie Hunger, Unfreiheit, Umweltzerstörung, Klimawandel, fehlende Bildung etc.) für eine bessere Welt zu stellen. Stimmen der Vernunft und des Dialoges sind heute weltweit seltener und wichtiger denn je...

  5. Dietmar Hilsebein kein Betreff
    05.01.2009 | 09:50

    Es war einmal ein Kind, das die Mutter fragte: Gelten nach dem Krieg die zehn Gebote wieder? Das zeigt, wie absurd das ganze Theater auf dieser Welt ist. Haben wir nicht die Sprache, um mit WORTen zu fechten? Die Bibel mag das Wort Gottes sein, doch hat denn "Gott" aufgehört zu sprechen? Ich bin mir sicher, daß ER auch in Königsberg dabei war als Kant seine Kritiken schrieb (um nur EIN Beispiel zu nennen). Doch der Mensch vernimmt nur ein Raunen, dabei ist es egal, ob er eine Bibel schreibt oder eine philosophische Abhandlung. Es kann sich also immer nur um eine Annäherung an das WORT handeln. Das WORT hat eine extreme Durchschlagskraft, das darf niemals unterschätzt werden. Deshalb sagt es der Talmud(?) richtig: Achte auf deine Gedanken, denn sie werden Worte, achte auf deine Worte...Der Rest dürfte bekannt sein.

  6. Thilo @ adenosine
    05.01.2009 | 10:29

    Als intelligentes und bewußtes Wesen könnte man auch zu dem Schluß kommen, daß man Intelligenz und Bewußtsein benutzen kann, um eben nicht blind irgendwelchen "Naturgesetzen" zu folgen. Eben um besser zu überleben.

  7. adenosine kein Betreff
    05.01.2009 | 10:52

    @Thilo:Ich sehe da keinen Widerspruch. Wenn eine effektivere Maßnahmen zur Abwehr einer Aggression gefunden wird, als eine Armee, dann wird sich diese intelligente Lösung sofort durchsetzen, weil man sich dann die Ressourcen für das Militär sparen kann. Eine bereits bekannte aber teure Möglichkeit ist das Zahlen von Tribut oder Schutzgeld.

  8. Max bellum iustum?
    05.01.2009 | 11:56

    Zweiffellos das Versagen der Politik doch gleichfalls mit dieser Aussage immer noch gerechtfertigt, ist es doch nur der Versuch die Politik mit anderen Mitteln zum Erfolg zu bringen, womit wir doch wieder bei Clausewitz sind.

    Kann es den gerechten Krieg geben? In Europa nicht mehr, außer vielleicht wenn "der Iwan" weiter am Gashahn dreht. Da ist mit dem Europäer nicht zu spaßen. betrachten wir die Kriegsmüdigkeit nicht als evolutionäre Entwicklung (an dessen Ende nicht zufällig wir stehen) sondern als psychische Erholungsphase, werden auch wir bald wieder gerecht Krieg führen. Zum Beispiel gegen Fischer, deren Fische von uns weg gefischt wurden und jetzt lieber Boote angeln.

    Das es den Menschen noch nie so schlecht ging in Gaza, wie seit dem Beginn der Spaltung zwischen Hamas und Fatah und der daraus resultierenden politischen Isolation des Gazastreifens, hat vo kurzem erst die Flüchtlingsbeautragte der UN gezeigt. Ist es ein gerechtes Ziel wenn ich die Gruppe bekämpfe, die ich als Ursache für diesen Zustand imaginiere? die Frage lässt sich auch andersherum stellen.

    Der Krieg kann gar nicht gerecht sein, weil für die Köpfe der Hamas oder der IDF oder Shin Beit, die man ausschalten könnte, immer ein Zivilist zu viel stirbt. Manche versuchen es dann nicht mal mehr zu vermeiden sondern konzentrieren sich nur auf Zivilisten mit Bulldozern und Kashemraketen.

    Wem nützt es?

  9. Yoav Sapir Nicht gerechtfertigt, sondern...
    05.01.2009 | 18:13

    an und für sich gut und zuträglich.

    Eine funktionierende Gesellschaft darf keine Doppelmoral zulassen. Wenn sie ihre Werte draußen wegverhandelt, verliert ihr Wertsystem auch drinnen an Bedeutung. So steht etwa die zunehmende Gewalt unter Jugendlichen in Israel in sehr engem Zusammenhang mit der zunehmenden Toleranz gegenüber der islamischen Gewalt von außen.

    Mehr dazu im folgenden Beitrag vom Februar 2007 (in meinem alten Blog):
    http://ein-jude-in-deutschland.blogspot.com/...tml

  10. Dietmar Hilsebein @ Yoav Sapir
    05.01.2009 | 19:35

    Rache? Moral? Wertesystem? Hatten wir alles schon! Gibt es sonst noch was Neues -unter der Sonne? Schlag der Hydra den Kopf ab und siehe: es wächst ein neuer nach! Moral hat Mitgefühl stets behindert statt gefördert. Hier sind nicht Staaten und Gesellschaften gefragt, sondern der Einzelne, der nicht nach dem Papa schreit, sondern die Regierung im eigenem Kopf besitzt!

  11. Yoav Sapir @ Dietmar
    05.01.2009 | 19:46

    Auch die Vorstellung vom souveränen Individuum kann nur in einer *Gesellschaft* existieren, der ein zumindest gewissermaßen freiheitliches Wertesystem zugrunde liegt. Und so ist deine Freiheit als Einzelgänger von der Bereitschaft der dich umgebenden Gesellschaft abhängig, diese Freiheit zu verteidigen. Wenn du den wertmäßigen Zusammenhalt dieser Gesellschaft unterminierst, schadest du u. a. auch dir bzw. deiner eigenen Möglichkeit, als Individuum einen freiheitlichen Lebensstil zu führen. Das kannst du auch am bisherigen Versagen westeuropäischer Gesellschaften (etwa in Frankreich, den Niederlanden, Nordrhein-Westfalen) erkennen, sich selbst als wehrhafte Demokratien vor der allmählichen Islamisierung zu schützen.

  12. Dietmar Hilsebein @ Yoav Sapir
    05.01.2009 | 20:09

    "Und so ist deine Freiheit als Einzelgänger von der Bereitschaft der dich umgebenden Gesellschaft abhängig, diese Freiheit zu verteidigen."

    Nein! Meine Freiheit ist eine Freiheit, die auch in äußerer Gefangenschaft existiert. Freiheit muß also immer im Innersten errungen werden -das kann mir niemand abnehmen. Marx hat sich geirrt, denn der Mensch ändert sich nicht durch die Veränderung der Gesellschaft, sondern umgekehrt.

    "Das kannst du etwa am bisherigen Versagen europäischer Gesellschaften erkennen, sich selbst als wehrhafte Demokratien vor der allmählichen Islamisierung zu verteidigen."

    Wo geistiges Vakuum des Einzelnen ist, da erst wird die "Islamisierung" zum Problem. Es ist also die geistige Genügsamkeit des Einzelnen in der "westlichen Welt", die gen Himmel stinkt!

  13. Henry Im Englischen
    05.01.2009 | 23:29

    Es ist jedoch merkwürdig, dass im Englischen wiederum ganz klar "You shall not kill" und nicht "You shall not murder" steht und damit die Theorie vom legitimen Töten durch die Bibel eigentlich wiederlegt sein müsste. Ich frage mich jedoch, wie es im Original heißt.

    Allgemein bin ich jedoch auch dafür zu sagen, dass es keine gerechtfertigten Kriege gibt, sondern alles auf dem Scheitern der Kommunikation beruht. Es gibt kein äußeres oder inneres Wertesystem, das mit harter Hand für alle erkämpft werden müsste. Es gibt nur fehlende Toleranz, die eigentlich durch die verschiedenen Lehren verhindert werden müsste, sich aber trotzdem in den Köpfen der Menschen festgesetzt hat.

  14. Yoav Sapir @ Henry
    05.01.2009 | 23:49

    1. Die Übertragung von Ex. 20:13 mit "töten" ist ein Fehler, der sich in fast allen christlichen Übersetzungen wiederholt. Wie es im Original heißt, steht doch schon im obigen Beitrag geschrieben.

    2. Nicht "für alle" muss man sein Wertesystem erkämpfen, sondern für sich selbst, damit die eigene Gesellschaft zusammenhält.

    3. Toleranz kann nur existieren, solange man beim Umgang mit den Intoleranten gegenüber keine falsche Toleranz erweist. Sonst besteht weder hüben noch drüben Toleranz und die Opfer der Intoleranten in den eigenen Reihen haben auch kein Vorbild mehr. Die erhoffte Verbreitung der Toleranz setzt also die Anwendung von Intoleranz denjenigen gegenüber voraus, die Intoleranz verbreiten.

  15. Ingo Wir sind nicht schuld ...
    06.01.2009 | 14:50

    Vielleicht muß man sich, wenn man sich den hier angedachten Unterschied zwischen Töten und Morden klar gemacht hat, gar nicht mehr Gedanken darüber machen, daß eine Politikerin wie Angela Merkel als Schuldigen an diesem Krieg nur einen einen einzigen sieht: die Hamas.

    Das wird man doch wohl schon sehr auffällig finden dürfen. Wann hätten Historiker je von einem Krieg gesagt, daß es für diesen nur einen Schuldigen gegeben hätte? Die Politiker aber, die Kriege verhindern hätten KÖNNEN (nach Ansicht der Historiker), denen war es zu Anfang von Kriegen OFT - oder wohl sogar IMMER - sehr wichtig, genau zu wissen, wer an ihnen schuld ist und wer nicht. (Klar, meistens waren es nicht sie selbst ...)

    Da neuerdings der deutsche BND sogar beim Ausbruch des Irak-Krieges so einiges "mitgemauschelt" hat (von den Reisen des BND ins Kriegsgebiet Tschetschenien gar nicht zu reden ...), glaube ich denen da oben GAR nichts mehr. GAR nichts.

    Und das wird das Gesündeste sein, was man tun kann.

  16. Patric Was "legitim" ist...
    06.01.2009 | 14:58

    ...bestimmen immer die Sieger.

    Ich bin wirklich entsetzt! Mit dumpfer Religiosität wird in diesem Blogbeitrag das Töten von Menschen gerechtfertigt. "Gott sei Dank" darf man also töten, solange es nicht Mord ist... Unglaublich! Soldaten sind Mörder. Dies zu sagen, ist in Deutschland immer noch erlaubt.

    Dieser Blogbeitrag kann übrigens genauso zur Rechtfertigung von terroristischen Taten herangezogen werden. Auch bei diesen "legitimieren" die Täter sich immer wieder auf Basis ihrer religiösen Ansichten.

    Für mich als Atheisten eine weitere Bestätigung dafür, dass Religionen jedweder Couleur und Ausrichtung aus Politik und Gesellschaft verbannt werden müssen. Die zunehmende Radikalisierung aller Glaubensrichtungen beobachte ich mit wachsender Sorge. Bewegen wir uns auf ein neues Mittelalter zu? Ich hoffe zwar auf ein neues Zeitalter der Aufklärung, fürchte aber, es wird noch einige Zeit dauern, bis wir soweit sind.

  17. Yoav Sapir Textverständnis
    06.01.2009 | 16:37

    Bei allem Respekt davor, was manche hier unbedingt (wenn auch grundlos) reininterpretieren möchten:

    Hier wird nichts "gerechtfertigt". Denn rechtfertigen kann man nur das, was man negativ bewertet.

    Vielmehr geht es hier darum, zu zeigen, dass freiheitliche Werte eben nichts mit Pazifismus zu tun haben. Sie gebieten zwar die andere Backe, doch nicht jene des Christentums, sondern diejenige der Bibel. Und wer den Krieg bereits als solchen für rechtfertigungsbedürftig hält, unterminiert - ob bewusst oder nicht - das Wertesystem, das ihm überhaupt die Freiheit gewährt, sich - ob explizit oder implizit - zum Pazifismus zu bekennen.

  18. Thilo @ Yoav Sapir
    06.01.2009 | 17:55

    Ich weiß nicht recht, was man darauf antworten soll. Vielleicht nur soviel: es gibt nicht nur schwarz und weiß. Und Bibelzitate kann man meist auf verschiedene Weise interpretieren.

    Eine andere Frage: warum hast Du (oben unter dem Artikel) als 'Ähnlichen Artikel' den Text zum Holocaustkult aufgeführt?

  19. Yoav Sapir @ Thilo
    06.01.2009 | 18:38

    1. Dem ersten Absatz stimme ich natürlich zu, zumal die Aussage bzgl. der Interpretationsfreiheit nicht nur auf die Bibel zutrifft, sondern auf jeden Text, wie etwa das Grundgesetz der BRD (eben deswegen gibt es Einrichtungen, die das Monopol auf die legitime Interpretation haben, wie etwa das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe). Allerdings darf man Probleme nicht wegdifferenzieren. Das heißt: Irgendwo muss man Grenzen setzen, jenseits deren die Situation für extrem genug gehalten wird, damit es nicht mehr auf die eine oder andere Einzelheit ankommt und das Dunkelgraue wie Schwarz behandelt wird.

    2. Das mit den "ähnlichen Artikeln" wird automatisch von der Plattform erstellt, anscheinend richtet sich die Wahl nach Stichwörtern im Textkörper der Beiträge.

  20. Yoav Sapir @ Christian
    06.01.2009 | 18:41

    Alle Kommentare werden einer redaktionellen Prüfung unterzogen. Jene Kommentare, die diesem virtuellen Raum sowie dessen Teilnehmern Respektlosigkeit erweisen, halten dieser Prüfung nicht stand. Du kannst uns aber gerne erzählen, wie du dich zu den Geisteswissenschaften verhältst bzw. was du davon hältst.

    Sind etwa die Schriften der (sogar für eine "Sozialwissenschaftlerin" gehaltenen) Hannah Arendt als "Wissenschaft" oder eher als "Stammtischgerede" zu erachten? Dabei kommt es natürlich darauf an, was man sich jew. unter "Wissenschaft" vorstellt. Einerseits sind ihre politisch-theoretischen Überlegungen intersubjektiv nachvollziehbar; andererseits führt die Wiederholung des "Experiments", also der Fragestellung, im Kopf eines anderen Menschen nicht unbedingt zum selben Ergebnis, sodass man von keinem empirischen Wissen sprechen kann.

    Dieselben Schwächen weisen zugegebenermaßen auch die eher politisch-theologischen Überlegungen im hiesigen bzw. obigen Beitrag auf. Wenn du also der Meinung bist, dass die Bezeichnung von Fachbereichen, in denen - wie etwa in der Geschichtswissenschaft, der Literaturwissenschaft oder in der Theologie - oft nur interpretiert wird und von empirischem Wissen kaum die Rede sein kann, als "Wissenschaft" nicht unproblematisch ist, gebe ich dir Recht. Nichtsdestoweniger sind sie als akademische Fachbereiche staatlich anerkannt.

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