Der Einstieg in die Wissenslogs vor einem halben Jahr war ein Experiment, das mir unheimlich viel Arbeit, aber auch Freude, Erfahrungen und wissenschaftlichen Gewinn (z.B. aus Diskussionen, Hinweisen und auch Begegnungen, ja Freundschaften) gebracht hat. Und ja, ich würde es wieder tun! Danke für Ihr Interesse und Ihre Beiträge!
Charles Darwin stand vor einem Dilemma. Warum hatte sich der Mensch zum (auch) "sozialen Tier" in Gemeinschaften entwickelt und nicht zu einem nur hemmungslosen Egoisten? Und er fand eine Antwort, die heute wieder aktuell wird.
"Muss der 'wahre' Naturwissenschaftler Atheist sein?" - so provokant fragte die katholische Akademie im wunderschönen Kloster Weingarten Ende Juni. Für den bekennend atheistischen Naturalismus sprach Prof. Dr. Bernulf Kanitscheider, für die Evolutionsbiologe Prof. Nico Michiels, aus katholisch-theologischer Sicht Prof. Wolfgang Beinert, als Philosophin Prof. Regine Kather und als Religionswissenschaftler mit Schwerpunkt auf der Evolution der Religiosität sowie eigentlich als Counterpart zu Prof. Kanitscheider (es kam dann ganz anders) war ich geladen. Wer mag: die Beiträge sind als mp3-und-Bildvortrag alle hier abrufbar. Da selber auch eher Leser, habe ich den eigenen Text als pdf auch hier verfügbar gemacht. (weiter)
Als kleinen Beitrag zur Indienwoche, die gerade Stuttgart bewegt, möchte ich heute auf ein Phänomen hinweisen, dass gerade auch die Religionskulturen der Welt zu prägen beginnt wie kaum ein zweites: die Bollywood-Filme. Im religiös vielfältigen Indien entwickelt, erreichen Spielfilme und Serien längst Hunderte von Millionen Menschen weltweit - insbesondere auch in der islamischen Welt von der Türkei bis Afghanistan.
Für viele, gerade auch wissenschaftlich interessierte Menschen ist Religion offensichtlich auch ein sehr emotionales Thema. Und wenn die empirischen Daten und Thesen nicht dem eigenen Weltbild entsprechen, wird auch schnell mal die Qualifikation oder persönliche Motivation des Wissenschaftlers in Frage gestellt - nicht etwa durch das Aufzeigen alternativer Daten oder Studien, sondern schlicht als Behauptung, gegen die sich der Blogger dann verteidigen soll. Dieser Trend, der zudem sehr zeitaufwändig ist, hat mir zuletzt die Freude an den vielen, großartigen Diskussionen hier - viele, etwa mit Edgar Dahl und Beate T., durchaus kritisch und über Hunderte Einträge hinweg, aber immer in gegenseitigem Respekt - doch etwas verdorben und es war meinerseits wohl falsch zu glauben, man könnte durch noch mehr Daten und Studien dagegen anargumentieren.
Nach entsprechenden Erfahrungen habe ich mich daher entschlossen, die Präsentation empirischer Artikel und die Diskussion religionswissenschaftlicher Thesen erst einmal hintan zu stellen und mich hier erst einmal auf die Präsentation religiöser Phänomene der Vergangenheit und Gegenwart zu beschränken. Für jene Leser, die den bisherigen Stil geschätzt haben, lasse ich die meisten empirischen Beiträge gerne stehen - und hoffe, dass einige "Natur des Glaubens" treu bleiben. Und in der echten Forschung, den Veröffentlichungen und Tagungen, bleibt die Chance zum interdisziplinären Gespräch auch über empirische Befunde ja bestehen. Denn Fußball und Religionswissenschaft haben auch dies gemeinsam: Sie machen solange Freude, solange fair, nach Regeln und mit gegenseitigem Respekt gespielt wird.
Phänomen 1: Religiosität und Musikalität - Der gregorianische Gesang
Haben sich Religiosität und Musikalität in der Evolution des Menschen wechselwirkend ausgeprägt? Dafür sprechen nicht nur Beobachtungen berühmter Religionswissenschaftler (wie des Religions- und Musiksoziologen Max Weber), sondern auch das Phänomen, dass weltweit religiöse Kulturen eigenständige Musikstile hervorbringen. Anbei der gregorianische Gesang, mit dem ein Zisterzienserkloster, die Abtei Heiligenkreuz, derzeit sehr bekannt wird - ohne auf Instrumentalmusik oder Special Effects zurück greifen zu müssen. Viel Spass beim Hören und Schauen.
Richard Lynn hat wieder zugeschlagen: Nach Frauen und Afrikanern attestiert der britische Intelligenzforscher nun auch Religiösen publikumswirksam einen niedrigeren Intelligenzquotienten - IQ - als säkularen, männlichen Europäern (Auswertung, Kommentar und Links hier). Als unterstützendes Argument wird ein Zitat aus Richard Dawkins Gotteswahn angeführt, wonach es unter europäischen und US-amerikanischen Wissenschaftlern nur sehr wenige Religiöse gebe. Also: Wie steht es um Kausalität und Sinnhaftigkeit dieses Vergleichs? Und warum verzeichnen die USA gleichzeitig einen hohen IQ und hohe Religiosität?
Wir sind uns noch nie begegnet, hatten bisher noch keinen Kontakt. Und doch forschten Tomas Frejka und Charles F. Westhoff am Max-Planck-Institut für demografische Forschung parallel an den gleichen Fragestellungen: Beeinflusst Religiosität den menschlichen Reproduktionserfolg? Und sind die Religionen (auch z.B. der Islam) dabei in Bewegung? Dieser "Fanpost" dankt für das tolle Gefühl, nicht mehr alleine zu sein...
Die Begegnung mit Dominik Enste, einem gekonnt interdisziplinär denkenden und forschenden Ökonomen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, war ein echter Gewinn. Wir lernten uns am Rande einer Tagung kennen, nachdem eine Datenauswertung in 82 Nationen von ihm den Religion-Reproduktion-Zusammenhang bestätigt hatte (siehe hier). Im Lauf des lebendigen Austauschs erwähnte Dominik auch, dass sich laut den Arbeiten einiger Ökonomen 6 der 10 Gebote als wirtschaftlich förderlich entschlüsseln ließen.
In der aktuellen Mai-Ausgabe von Spektrum der Wissenschaft findet sich ein sehr lesenswerter Artikel des (aus den Wissenslogs wohlbekannten) Philosophen Edgar Dahl zur empirischen Glücksforschung. "Macht Geld glücklich - das Wohlstandsparadox" (kostenloser Download hier) behandelt dabei auch Aspekte von Religion und Demografie, die aufzugreifen sich lohnt. (weiter)
Der schottische Sozialanthropologe und Religionswissenschaftler Sir James George Frazer (1854-1941) vertrat sein Leben lang einen säkularen Fortschrittsglauben in drei Stadien: Magie - Religion - Wissenschaft. Doch stieß der große Rationalist dabei auf ein Rätsel, das erst Friedrich August von Hayek lösen konnte ... (weiter)