Plädoyer für Michael Schmidt-Salomon und die Giordano-Bruno-Stiftung
Der Gesprächspartner war sich seiner Sache sicher. "Sie haben ja schon mehrfach mit Vertretern der Giordano-Bruno-Stiftung diskutiert, auch mit diesem Michael Schmidt-Salomon. Das sind doch furchtbare Leute, nicht wahr!?" Leider musste ich ihn enttäuschen. "Ja, ich hatte verschiedentlich das Vergnügen der Diskussion, aber auch der Zusammenarbeit mit Vertretern der GBS. Und ich bin in vielem nicht ihrer Meinung, aber froh, dass es sie gibt." Der Diskutant war verblüfft. Und während ich in den folgenden Minuten in der paradoxen Situation stand, meine häufigen Diskussionsgegner gegen Vorurteile zu verteidigen, nahm ich mir vor, einmal in einem Blogbeitrag zu erläutern, warum ich dieser Meinung bin.
Wie geschrieben: Mit der dumpfen und geschichtsblinden Religionsverachtung, wie sie in einigen (ein-)gebildeten Schichten Deutschlands gepflegt und auch durch die GBS bedient wird, habe ich nichts am Hut. Auch halte ich die naturalistischen und evolutionstheoretischen Polemiken gegen religiöse Überzeugungen für widersprüchlich und überholt: Wir wissen längst, dass gerade auch Religiosität und Religionen zu einem erfolgreichen (!) Bestandteil unserer Natur(en) und Kultur(en) evolviert sind. Da kann ich nur schreiben: "It seems odd to try to fight nature with naturalistic arguments." Zumal meine Familie sowohl die braune wie die rote ("säkular-humanistische"!) Diktatur durchlebt hat und ich für meine Forschungen regelmäßig sehr böse Post von atheistischen Extremisten erhalte, die es gar nicht so doll finden, dass sich Evolution und Wissenschaft nicht nach ihren Vorlieben richten, mache ich mir auch nicht die geringsten Illusionen über die vermeintliche Toleranz jenseits der Religionen. Der westdeutsche, endlich demokratische Wiederaufbau wie auch die ostdeutsche Freiheits- und Demokratiebewegung sammelten sich nicht zufällig um die Kirchen.
Gerade aber weil ich an den Wert von Freiheit und Debatte glaube, ärgert es mich doch, wie oft (gerade in Deutschland?) Personen abgewertet werden, statt sich erst einmal ordentlich mit deren Argumenten auseinander zu setzen. Das erlebe ich im Bezug auf engagierte Christen, Muslime und Juden ebenso wie im Bezug auf Atheisten bzw. Humanisten. Und finde es gleichermaßen daneben.
Vorurteil 1: Die von der Giordano-Bruno-Stiftung...
Wie ich es in den letzten Jahren erleben durfte, ist die GBS (wie der sog. neue Atheismus insgesamt) keineswegs so einheitlich wie er bisweilen dargestellt wird. Vielmehr ringen da sehr unterschiedliche Einzelpersonen und Strömungen miteinander. Die GBS ist weit mehr Vernetzer, Publicity-Maschine und Diskussionsforum als eine geschlossene Formation - und das ist von den meisten der Mitwirkenden auch so gewollt.
Auch dass die GBS wesentlich durch die Spende eines religionskritischen Unternehmers begründet wurde, finde ich nicht verwerflich. Entsprechende, religiöse Stiftungen haben jahrtausendealte, gute Tradition. Mich verwundert es eher, dass nicht viel mehr Konfessionslose - die ja z.B. keine Kirchensteuern entrichten - bereit sind, für humanistische Einrichtungen, Werke etc. zu spenden oder zu stiften.
Vorurteil 2: Michael Schmidt-Salomon sei ein publicitysüchtiger Polemiker
Klar, MSS wirbt für seine Weltanschauung, seine Argumente und Bücher. Und warum auch nicht? Mir ist es hundert Mal lieber, wenn in Fernsehen, Radio, Zeitungen oder Internet über Fragen von Wissenschaft, Wahrheit(en), Lebenssinn und Religion(en) diskutiert wird, als über die neueste Marotte von Paris Hilton.
Und ich bemerke immer wieder, dass MSS und die GBS auch deswegen so dominant auftreten können, weil die meisten ihrer Diskussionspartner und große Teile der Öffentlichkeit z.B. über Evolutionsforschung recht wenig (schlimmer noch: oft Falsches) wissen. Unter meinen Zuhörern und Lesern finde ich z.B. immer wieder engagierte Pfarrer und Lehrer, die sich kundig machen wollen, weil ihre Schülerinnen und Schüler entsprechende Debatten verfolgt haben und nun bessere Argumente erwarten, als ihnen bisher geboten wurden. Das ist für mich schon ein starker Hinweis darauf, dass MSS und die GBS den Finger oft in die richtigen Wunden legen! Liebe Theologen: Wenn zum Studium vielleicht mal eine alte Sprache weniger, dafür ein wenig mehr Naturwissenschaft gehören würde (und wären die Naturgesetze nicht als Gottes Sprache zu verstehen?), erwiese sich vielleicht manche Furcht und Sprachhemmung als übertrieben.
Und zum Polemik-Vorwurf: Natürlich spitzt MSS zu, wie das ja auch gute, religiöse Verkünder immer wieder tun. Aber persönliche Diffamierungen habe ich auch in der direkten Diskussion mit ihm nicht erlebt. Und vor allem, und das achte ich sehr, fordert MSS nicht nur Andersglaubende heraus, sondern auch seine eigene Anhängerschaft. Von ihm stammen eben auch deutliche Aussagen wie: „Der neue Atheismus ist vielleicht nicht tot, aber er riecht schon irgendwie komisch!“ (2008, pdf hier) oder auch "Es ist an der Zeit, nicht nur aus der Kriminalgeschichte des Christentums, sondern auch aus der Kriminalgeschichte des Atheismus die richtigen Schlüsse zu ziehen." (2000, pdf hier). Auch hier also gelingt ihm ein Niveau, das auch gute Prediger anderer Weltanschauungen und Religionen anstreben sollten: Auch die "eigenen" Leute aus der Selbstgefälligkeit zu reißen. MSS für Auswüchse von Vulgäratheismus verantwortlich zu machen ist etwa so angebracht, wie den braven, evangelischen Ortspfarrer mit hysterischen Fundamentalisten in einen Topf zu werfen.
Vorurteil 3: Der neue Atheismus sei gefährlich
Wenn mich etwas an den derzeitigen Debatten stört, dann ist es die Verbieteritis. Ich ärgere mich sehr, wenn ich wieder lesen muss, dass selbsternannte Aufklärer (bis in die Reihen der Politik hinein) allen Ernstes Auftritte von Eva Hermann oder Kongresse von evangelikalen Christen z.B. zum Thema Homosexualität untersagen wollen. Und ebenso daneben finde ich es, wenn Leute im Bezug auf die GBS nach dem Verfassungsschutz rufen. Was soll das!?
Eine freiheitliche Gesellschaft kann Vielfalt nicht nur ertragen, sie lebt davon! Ich glaube, dass wir linken oder rechten, religiösen oder atheistischen Extremen nicht durch Verbote, sondern durch lebendige und kreative Auseinandersetzungen immer wieder die Stirn bieten sollten - und können. Ich würde ungern von MSS regiert werden, von manchem eifernden Bischof aber auch nicht. Stattdessen möchte ich in einer Gesellschaft leben, in der über unterschiedliche Positionen auch wissenschaftlich fundiert diskutiert wird - hart in der Sache, aber mit Respekt vor den Personen. Und auch in der GBS sind eine Menge menschlich großartiger Leute aktiv, die zu respektieren nicht schwerfallen sollte!
Fazit
Ich bin froh, dass es MSS und die GBS in der deutschen Geisteslandschaft gibt - und zwar gerade auch deswegen, weil es neben vielen Übereinstimmungen (etwa der Begeisterung für die Evolutionsforschung) auch eine Menge Unterschiede (etwa in der Beurteilung von Kirchen und Religionen) gibt. Demokratie (und letztlich Evolution überhaupt!) braucht unbedingt Vielfalt: In der Politik, der Wirtschaft, Kultur und auch in Fragen von Religion und Weltanschauung. Nur Wettbewerb hält die Bewegungen lebendig, Monopole und Kartelle führen geradewegs in die Sklerose - weswegen ich es durchaus für denkbar halte, dass z.B. die Kirchen im historischen Rückblick der GBS für ihre Herausforderungen dankbar sein werden. Dass gerade auch kirchliche Akademien, theologische Institute etc. häufig Vertreter des GBS zu Diskussionen laden, halte ich für genau den richtigen Weg, um an und mit ihnen zu wachsen.
Und gewidmet ist dieser Blogbeitrag dem atheistischen Blogger "Feuerbringer", dem ich die schöne Ehrenbezeichnung als "Erznemesis" verdanke! :-)
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Hallo Herr Dr. Blume,
wenn es stimmt, das unsere Welt, der kreative Kosmos als Schöpfung zu verstehen ist, zu der auch die kreative Weiterentwicklung, Evolution des Kultes gehört.
Und wenn es zutrifft, dass die Kirche bei der Vermittlung des Glaubens eine inhaltliche Krise hat. (Die Evolutionisten würden von Untauglichkeiten reden und nach kreativer Anpassung an Weiterentwicklungen, Veränderungen rufen.)
Dann versuche ich den Neuen Atheismus, wie ihn die naturalistisch orientierte GB-Stiftung und Schmidt-Salomon vertritt, nicht nur aus humanistischen Gründen zu beleuchten, sondern aus "schöpferischen". Nur durch die Antwort auf den naturalistisch-aufgeklärten Atheismus ist kreative=schöpferische Weiterentwicklung des Kultes.
(Verschiedene Theologen sehen den Neuen Atheismus, der auch zu neuen Antworten auffordert, Anstoß gibt weiterzudenken, als eine Art Reinigungsprozess.)
Wenn wenn sich Schmidt-Salomon dabei in recht polemischer Weise gegen austauschbare Götterbilder und Gesetzlichkeit bzw. Buchstabenglaube wendet, dann kommt mir auch das irgendwie bekannt vor. Theologen erklären mir so ähnlich immer wieder die notwendige Fortentwicklung bei unseren Glaubensvätern. Ob bei den Propheten, die überkommenen Opferkult alter Opferkult & Co. für die Probleme verantwortlich machten. Und noch mehr bei Paulus, der nicht nur die alten Götterbilder, sondern auch die Gesetzlichkeit verwarf.
Es bleibt spannend "Gott sein Dank"
Viele Grüße
Gerhard Mentzel
Ich habe etwas auf der Homepage von „ Feuerbringer“ gestöbert, dabei wird, unter dem Beitrag „Sind Sie spirituell“, Meditation als Zeitverschwendung betrachtet. Zitat: „Meditation ist dasselbe wie dasitzen und versuchen, nicht einzuschlafen.“
Der letzte Kommentator, ein gewisser Clemens, bringt es auf den Punkt, wenn er schreibt: „Warum reden hier soviele Blinde von der Farbe?“
http://feuerbringer.com/...e-spirituell/#more-1528
Dazu möchte ich anmerken, dass Meditation auch für die moderne Gehirnforschung von Interesse ist, da sie nicht nur angewendet werden kann um Spirituelle Erfahrungen zu machen, sondern auch um bessere Lernergebnisse usw. zu erzielen, Stichwort Superlearning:
http://www.netschool.de/ler/lerzit8.htm#l803
Was mich an MSS stört, sind zwei Dinge:
a) Seine Überheblichkeit: Das Wasser auf den Mühlen des "neuen Atheismus" gründete ja vor allem in seiner Zuspitzung, wie sie z. B. im "evoultionären Manifest" zu lesen ist: Ein Gottesglaube lasse sich mit einem Anspruch auf intellektuelle Redlichkeit nicht mehr vereinbaren. Diese Aussage würde ich sogar als eine der Kernthesen betrachten. Doch das ist offenbar Schwachsinn, in den letzten Jahren von unzähligen Wissenschaftlern überzeugend zurückgewiesen worden. Von dieser Voraussetzung muss MSS allerdings ausgehen, wenn er die Propagierung seines persönlichen Weltbildes intellektuell rechtfertigen will. Ansonsten stellt sich nämlich die Frage, warum er selbiges anderen Leuten aufzudrängen hat.
b) Sein Populismus: Ebenso kann man ihm eine nur oberflächliche Beschäftigung mit philosophischen und wissenschaftstheoretischen Fragestellungen vorwerfen; in seinem neuen Buch "Jenseits von Gut und Böse" begründet er beispielsweise sein persönliches Weltbild vor allem durch die vermeintliche Unfreiheit des menschlichen Willens. Diese wohlbekannte großspurige Verkündung einiger Hirnforscher wurde in den letzten Jahren jedoch von unzähligen namhaften Philosophen wie Ansgar Beckermann, Arno Ros oder Julian Nida-Rümelin durch differenzierteste Argumentationen zurückgewiesen. Nimmt Salomon in irgendeiner Weise dazu Stellung? Nein, er zimmert sich selbst eine möglichst konsistente Weltanschauung zusammen, um diese für seine persönliche Agenda zu instrumentalisieren.
Ich habe ja gar nichts gegen Leute, die Unsinn reden; aber wenn Leute Unsinn reden und diesen Unsinn als die Wahrheit anpreisen und anderen Leuten aufdrängen, dann hört für mich der Spaß auf.
Danke für diese Plädoyer für die Meinungsfreiheit, lieber Michael.
Ich hatte von Schmidt-Salomon bis vor kurzem noch nie gehört aber mir dann sein Humanistisches Manifest durchgelesen, inzwischen zweimal. Auch wenn ich manche seiner Thesen stütze, schließlich würde ich mich auch als Humanisten bezeichnen, hat mich dort eines sehr schockiert: Wie leichtfertig er etwas als wissenschaftliche Erkenntnis darstellt, was unter Wissenschaftlern sehr umstritten ist oder von manchen sogar als unwissenschaftlich angesehen wird. (Man denke an die zahlreichen "Kränkungen", die uns die Wissenschaft beschert habe; an die These, das "Ich" sei ein Betrug, eine Selbsttäuschung des Gehirns, der Mensch ausschließlich als Produkt biotischer Evolution usw.). Meines Erachtens würde es ihm ein bisschen helfen, weniger populärwissenschaftliche Darstellungen (Quellen anderer GBS-Mitglieder werden hier verdächtig häufig zitiert), dafür mehr wissenschaftliche Studien zu lesen.
Das ist der Grund, warum ich sein Vorgehen unseriös und sogar unehrlich finde. Was seine Polemik angeht, so finde ich diese nach einer Weile vor allem langweilig.
Dieses Versöhnungsangebot ist sehr unversöhnlich für ein Versöhnungsangebot, lieber Herr Blume. Also musste ich wieder im Detail antworten:
http://feuerbringer.com/...ieben-schergen-der-gbs/
Lieber Herr Mentzel,
ja, da kann ich Ihnen folgen. Zwar ist es immer wieder peinlich anzusehen, wie sich manche Theologen willfährig der Religionskritik andienen (als ob ein besonders tiefer Kotau zu etwas anderem als noch mehr Hohn führen würde), aber sich durch alternative Sichtweisen und auch kritische Anfragen anregen zu lassen, halte ich für gut und wichtig. Und erlebe ja auch, dass aus den Debatten viel theologisches Interesse erwachsen ist.
Herzliche Grüße!
Liebe Mona,
danke für Erfahrungen und Meinungen. Ich habe auch Feuerbringer alias Andreas Müller nicht verlinkt, weil ich mit ihm immer einer Meinung wäre, sondern um die Vielfalt der Meinungen auch im Umgang mit Wissenschaft und Religion(en) sichtbar zu machen. Erst durch ihn ist mir wirklich klar geworden, dass nicht nur Religiöse bisweilen jede wissenschaftliche Erkenntnis abblocken, die nicht den eigenen Vorannahmen entspricht. Aus solchen Beiträgen lerne ich oft sehr viel.
Herzliche Grüße!
Lieber Herr Parker,
danke für Ihren Beitrag! Und, ja, auch ich halte das Argumentationsniveau von MSS und GBS für deutlich ausbaufähig. Allerdings reicht das bisherige Angebot ja ganz offensichtlich für das Bestehen in unserer Medienwelt, was viel über den allgemeinen Wissens- und Diskussionsstand aussagt. Ich habe zumindest die Erfahrung gemacht, dass Vertreter der GBS auch neue Befunde und Argumente aufnehmen - insofern ist da sicher eine wechselseitige Entwicklung möglich. Wettbewerb fordert und fördert! :-)
Und was das Verkünden vermeintlich ewiger Wahrheiten angeht, sehe ich das vielleicht deswegen etwas Gelassener, weil es natürlich im Feld der Religionen auch so ist - da wird unendlich viel auf unterschiedlichstem Niveau angeboten, und letztlich treibt diese Konkurrenz die Entwicklung an. Im ewigen Schlagabtausch zwischen Religionskritik und religiöser Verkündigung erinnere ich mich gerne an das Graphito an der Uni Tübingen: "Gott ist tot. Nietzsche". Nach wenigen Tagen hatte es jemand wunderbar ergänzt: "Nietzsche ist tot. Gott."
Das ist so gut, dass es inzwischen zu einer Wandersage geworden und (tatsächlich oder legendär) an fast jeder Uni aufgetaucht ist. :-)
Würde mich freuen, wenn Sie öfter mal vorbei schauen, herzliche Grüße!
Lieber Stephan,
danke für Deine Beobachtungen! Und ja, manche Polemiken oder oberflächliche Wissenschaftsrezeptionen von MSS und anderen Vertretern der GBS finde ich auch argumentativ wenig überzeugend.
Aber ich sehe es so: Sie regen damit doch auch Leute an, sich - so wie Du - mit diesen Fragen auseinander zu setzen, vielleicht nachzuschlagen und so weiter zu kommen. An ihnen kann man wachsen und wäre ich Theologe, würde ich meine Studenten an solchen Texten das wissenschaftliche Argumentieren üben lassen.
Ich denke nicht, dass MSS gezielt unehrlich sein möchte, sondern dass er manchmal bewusst zuspitzt, um seine Anhänger dort abzuholen, wo sie nun einmal stehen. Immerhin hat er Pädagogik studiert! :-)
Beste Grüße!
Na, da heben wir uns beide wohl eine ganz ähnliche Meinung von Schmidt-Salomon gebildet. Ihre Darstellung seines neuen Buchs (gibt es die nicht inzwischen wie Sand am Meer, die Bücher über die schrille These von der Willensfreiheit?) überrascht mich jedenfalls nicht. Bei ihm kann man offenbar nicht erwarten, dass er sich mit anspruchsvolleren Autoren auseinandersetzt, wie diejenigen, die Sie zitieren, sondern vor allem mit Wissenschaft "light" und provokant. Schade eigentlich für einen promovierten Philosophen.
Lieber Herr Müller,
danke für Ihren Kommentar! Aber ich wüsste gar nicht, mit wem ich mich "versöhnen" müßte - mir haben die Diskussionen mit MSS und anderen Vertretern der GBS immer sehr viel Freude gemacht und zumindest von meiner Seite gibt es da sehr viel menschliche Hochachtung und auch gemeinsamen Spaß an der Debatte. Da z.B. Günther Kehrer mein Lehrer und Doktorvater war, weiß ich, wovon ich rede - bei ihm bedeutete fortgeschrittenes Studieren eben noch tatsächlich, nach Argumenten zu suchen, die auch einen Prof mitreißen sollten. Ich hoffe, diese Lust an der Debatte um der Erkenntnis willen, die er mir und anderen damit vorgelebt hat, nie zu verlieren.
Außerdem wollte ich auf keinen Fall den liberalen Aber-lasst-uns-doch-lieb-sein-Christen heraushängen lassen. Das mögen Sie ja gar nicht! Es ist doch schön, über die Sache engagiert zu streiten und sich dabei menschlich zu schätzen! Bei Ihnen gelingt mir das zumindest! :-)
Freundliche Grüße vom Erznemesis!
Lieber Stephan,
Du schriebst in Bezug auf MSS: Bei ihm kann man offenbar nicht erwarten, dass er sich mit anspruchsvolleren Autoren auseinandersetzt, wie diejenigen, die Sie zitieren, sondern vor allem mit Wissenschaft "light" und provokant. Schade eigentlich für einen promovierten Philosophen.
Wie gesagt, ich diskutier(t)e ja mit ihm im Fernsehen gerade deswegen, weil wir eben nicht in allem einer Meinung waren.
http://www.chronologs.de/...dem-weg-ins-darwinjahr
Aber ich frage mich doch, ob das Urteil nicht etwas zu harsch ausfällt. Wer von uns ist denn perfekt und beherrscht gerade auch angesichts des derzeitigen Wissensbooms alle Literatur und alle Argumente? Persönlich erlebe ich Wissenschaft eher als ein stetiges Vorantasten, zu dem auch das Lernen von und die Korrektur durch Kollegen und Andersdenkende gehört.
Mir scheint, dass sich ohne MSS und die GBS weniger Menschen für Fragen der Hirnforschung, Erkenntnistheorie, Religionskritik, Evolutionsforschung (auch der Religiosität) etc. interessieren würden. Er beansprucht doch gar nicht, das Ende der Geschichte zu markieren. Experten wie Du sind m.E. ein guter Beleg dafür, dass sich die Debatte insgesamt weiter entwickeln kann - auch in Auseinandersetzung mit ihm und anderen.
Herzliche Grüße!
Hallo Michael,
der Satz in Bezug auf Theologen:
"... Wenn zum Studium vielleicht mal eine alte Sprache weniger, dafür ein wenig mehr Naturwissenschaft gehören würde (und wären die Naturgesetze nicht als Gottes Sprache zu verstehen?), erwiese sich vielleicht manche Furcht und Sprachhemmung als übertrieben. ..."
Dieser Satz geht einem ja runter wie Sahne. Wenn er auch im Abspann noch etwas "untertrieben" ist. Und wenn er auch auf die Geisteswissenschaften überhaupt Anwendung finden könnte.
Die Atheisten lärmen ein bischen herum. Weil sie ohne Feindbilder nicht leben können. Da sind sie eben das Spiegelbild ihrer Feinde, der Monotheisten: immer noch all zu oft "mosaische Unterscheidungen" zwischen Wahr und Falsch, Gut und Böse, Schön und Häßlich.
Toll, daß Du ihnen da immer weniger auf den Leim gehst. Und MSS ebenso (wenigstens oft).
Man kann von mir aus jede Hypothese annehmen, die man will, und wenn man dafür auch noch ein paar gute Gründe angeben kann, perfekt!
Wenn man aber hoch umstrittene und völlig unklare Thesen als neue, wissenschaftliche Erkenntnis hinstellt und diese Thesen besonders provokant sind, dann vermute ich, dass man hier vor allem Aufmerksamkeit schüren möchte, also einen medialen Trick anwendet; wenn man sich gleichzeitig noch als Verkünder von Wissenschaft und Aufklärung hinstellt, dann wird's für mich unseriös und enehrlich.
"Wenn man aber hoch umstrittene und völlig unklare Thesen als neue, wissenschaftliche Erkenntnis hinstellt...", dann nennt sich das Zeitgeist. Siehe hier:
http://www.stupidedia.org/stupi/Zeitgeist
In seinem Brainlog setzt sich der Philosoph Stephan Schleim - angeregt wohl auch durch diese Debatte hier - kritisch mit den Grundannahmen eines religionskritisch verstandenen Naturalismus auseinander. Sehr lesenswert und mit bereits lebhafter Diskussion, hier:
http://www.brainlogs.de/...2009-09-15/naturalismus
...für die Blumen! Freundliche Rückmeldungen sind ja in der Wissenschafts-Blogosphäre etwas selten geworden! ;-)
Ob ich MSS und GBS "auf den Leim" gehe, weiß ich natürlich nicht. Subjektiv habe ich den Eindruck, dass die (deftigen, aber eben auch respektvoll-klärenden) Diskussionen den ernsthaft Beteiligten durchaus etwas bringen - und dumpfe Feindbilder kosten.
Beste Grüße!
An Peter Parker:
Sie haben geschrieben:
>> Ein Gottesglaube lasse sich mit einem Anspruch auf intellektuelle Redlichkeit nicht mehr vereinbaren. Diese Aussage würde ich sogar als eine der Kernthesen betrachten. Doch das ist offenbar Schwachsinn, in den letzten Jahren von unzähligen Wissenschaftlern überzeugend zurückgewiesen worden.
Aha, wirklich? Also ich habe noch keinen einzigen religiösen Menschen (Christen) getroffen, der nicht
1) ungebildet war (auch von seiner Religion kaum etwas wusste...)
oder
2) seine Glaubensaussagen solange zurechtgebogen hat, bis man seinen Glauben nicht mehr als den christlichen wiedererkennen konnte...
oder
3) sich weigert einen Widerspruch zwischen seiner Religion und offenbaren Tatsachen zu sehen.
Natürlich ist das nur eine kleine Stichprobe. Ich kenne ja auch nicht alle Menschen auf der Welt ;-).
Zu MSS:
Ich würde allen empfehlen sich die Diskussion zwischen Michael Schmidt Salomon und Lane Craig auf Youtube anzusehen.
Sie haben noch keinen gebildeten Religiösen getroffen? Und wissen auch von keinem?
Darf ich Ihnen z.B. Theodosius Dobzhansky vorstellen, einen der bedeutendsten Biologen des 20. Jahrhunderts - und zugleich ein gläubiger Christ. Er hat auch zu dem Thema geschrieben, hier Infos und Link:
http://www.chronologs.de/...im-licht-der-evolution
Auch über Teilhard de Chardin (Jesuitenpater und Mitbegründer der Paläoanthropologie) finden Sie hier im Blog einiges.
Beste Grüße!
Na, bitte nicht zu schnell lesen: In dem Statement von "wasmacheichhiernur" wäre das ODER zu beachten gewesen, also die Kombination dieser drei negativen Verhaltensweisen.
Aber dieses Statementlud zum Schnell-Lesen geradezu ein, indem es gewisse Gesprächspartner auslud. Wem WILL eigentlich der, der dieses Statement schrieb, denn begegnen?
Wenn etwa mir unterstellt wird, ich sei entweder dumm oder unehrlich oder blind für Tatsachen, dann wird die Begegnung zumindest schwierig. Und wenn die Stellschrauben der Beurteilungen so gedreht werden, dass ich sagen kann, was ich will, die letzte Beurteilung hat der andere sich vorbehalten -- dann wird die Begegnung ziemlich unmöglich. Angenommen, ich bin weder blind noch dumm, dann wird er mir entgegenknallen, damit hätte ich nur meinen Glauben "zurechtgebogen" dies würde er nicht mehr als christlichen Glauben wiedererkennen.
Das ist wohl auch einer der problematischeren Winkelzüge von MSS, den ich ansonsten auch schätze: dass er den aufgeklärteren Christen vorhält, das sei nicht mehr der authentische Glaube. Na, es gibt doch auch injnerhalb des Glaubens so etwas wie einekulturelle Evolution. Und ich will mir nicht von außen vorschreiben lassen, was denn nun authentisch ist.
Kommt mir auch so vor wie bei dem gewissen englischen Biologen, der seine grundlegenden Kenntnisse vom christlichen Glauben anscheinend als Kind in einer kenianischen Sonntagsschule gewonnen hat und sie seither nicht weiter entwickelt.
Nun denn, natürlich gibt es auch hervorragende Leute in der Geistesgeschichte, die Christen und Wissenschaftler sind. Aber ich möchte dazuhin meinerseits versichern, dass es dieses und andere Blogs (z.B. das hier empfohlene "Menschen-Bilder" und auch das "Wirklichkeit" in den scilogs) gibt, in denen man doch sehr differenzierte Argumentationen findet, auf die holzschnittartige Be- und Verurteilungen schlicht nicht passen.
Gut, wenn es Diskussionen gibt, in denen man es sich gegenseitig nicht zu leicht macht. Doch sie hören zu schnell auf, wenn Menschen vorschnell kategorisiert werden.
Basty