Homo Sapiens evolvierte Religiosität. Und auch der Neandertaler.
Das Darwinjahr steckt voller Überraschungen: Nachdem viele religiöse wie religionskritische Beobachter lange eine vermeintlich prinzipielle Gegnerschaft zwischen Evolutionstheorie und Religion(en) vermutet haben, wandelt sich derzeit die Debatte. Wissenschaftler entdecken, dass Religiosität ein Teil der menschlichen Natur ist. Und auch der Neandertaler evolvierte sie! Eine Beobachtung zum 200ten Geburtstag von Charles Darwin und dem heute verkündeten Durchbruch des Leipziger Max-Planck-Instituts für Anthropologie bei der DNA-Sequenzierung des Neandertalers.
Evolution & Religion - ein Widerspruch?
In seinem Werk "Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl" (deutsche Erstfassung 1875 hier online) vermutete Charles Darwin bereits, dass sich auch Religiosität über biologischen Erfolg zu einem Teil der Natur des Menschen entwickelt habe, ggf. weiter entwickeln werde. Er formulierte sogar schon mehrere, lose Hypothesen zur Evolution von Religiosität - von denen sich einige inzwischen bewährt haben, andere nicht. Auch stellte er in einem Brief von 1879 noch einmal klar: Obwohl er sich selbst zunehmend als Agnostiker verstünde, hielte er es "für absurd zu bezweifeln, dass ein Mensch gleichzeitig ein frommer Theist (Gottglaubender, Anm. Blume) und Evolutionist sein kann." (Aus dem Darwin-Briefarchiv hier). Dennoch setzte sich sowohl auf Seiten vieler religiöser wie religionskritischer Denker die Auffassung fest, es bestehe ein unaufhebbarer Widerspruch, nur eine Seite könne Recht behalten. Ob Religiosität nicht auch selbst ein Ergebnis des Evolutionsprozesses sein könne, wurde nur in zögerlichen Ansätzen erforscht, selbst hervorragende Thesen wie die des Jesuiten und Paläoarchäologen Teilhard de Chardin (Beiträge hier) und des Wirtschaftsnobelpreisträgers Friedrich August von Hayek (Beiträge hier) blieben ungeprüft.
Homo religiosus
In den letzten Jahren haben jedoch (nicht zuletzt durch die Möglichkeiten des Internet begünstigt) Dutzende Wissenschaftler aus so verschiedenen Bereichen wie der Sozio- und Neurobiologie, Anthropologie, Archäologie, Gen- und Zwillingsforschung, schließlich Religionssoziologie und -demografie begonnen, ihre Befunde untereinander zu verknüpfen und zu testen (siehe hier). Und wir kommen zu dem immer eindeutigeren Ergebnis: Auch die Religiosität ist Teil der menschlichen Naturgeschichte und zudem biologisch weiter hochgradig erfolgreich. Die Evolution des Menschen auch zum Homo religiosus hat stattgefunden - und findet weiter statt.
In "Gott, Gene und Gehirn. Warum Glaube nützt. Die Evolution der Religiosität" haben Rüdiger Vaas und ich den aktuellen Forschungs- und Diskussionsstand zusammen getragen und freuen uns über die rege Resonanz. Auch die am 10. März erscheinende Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Gehirn und Geist" hat die Evolution des Homo religiosus zum Titel. Dort werden neben Sachartikeln u.a. auch der Theologe Richard Schröder von der Humboldt-Universität zu Berlin sowie der Biologe Franz Wuketits von der Veterinärmedizinischen Universität Wien das Thema miteinander diskutieren.
Auch der Neandertaler war auf dem Weg!
Einer der archäologischen Befunde, die ich persönlich am spannendsten finde, passt wunderbar zur heutigen Meldung über die Zwischenerfolge der Leipziger Anthropologen um Svante Päabo bei der Sequenzierung des Neandertaler-Genoms (SZ-Bericht von der Pressekonferenz hier). Denn wie Homo sapiens (also unsere Vorfahren) hatte sich auch Homo neanderthalensis bereits auf den Weg zur Evolution der Religiosität gemacht. Neandertaler bestatteten ihre Toten rituell und mit Beigaben, nahmen also mindestens eine Weiterexistenz und ggf. -wirkung der Verstorbenen als übernatürliche Akteure an. Was diese konvergente Evolution des Verhaltens für unser Verständnis von intelligentem Leben, Natur und Gott bedeuten könnte, ist m.W. noch weder philosophisch noch theologisch ausgelotet. Hier eine Rekonstruktion einer Neandertaler-Bestattung im heutigen Frankreich aus dem Smithsonian National Museum of Natural History in Washington.
Dunkle Bedrohung für die Religionskritik?
Während immer mehr Wissenschaftler und interessierte Laien die neuen Befunde zur Evolution der Religiosität konstruktiv begrüßen, überprüfen und vertiefen, regt sich jedoch auch weltanschaulicher Widerstand, diesmal verblüffenderweise von der religionskritischen Seite der Diskussion, die sich bisher gerne evolutionswissenschaftlich legitimiert hat. So warnt Andreas Müller in einem "Krawallatheist"-Essay im humanistischen Pressedienst (hpd) vor der "dunklen Bedrohung" durch die neuere Evolutionsforschung zur Religiosität (Beitrag hier). Seine Befürchtung, Zitat:
"Sollte die adaptionistische Theorie wahr sein, dann werden die Menschen für immer übernatürliche Wesen anbeten. Einige Religionskritiker machen sich hier Illusionen und meinen, die Kultur wäre vielleicht stärker, aber das einzige, was die Aufklärung in diesem Fall tun könnte, wäre die schlimmsten Auswirkungen der Religion zu dämpfen, indem sie das Gottesbild besänftigt. Mit Hilfe unserer Kultur könnten wir unsere Religiosität so wenig überwinden wie unsere Musikalität."
Daher würden "Antitheisten", so Müller, "eher zur Nebenprodukt-Theorie neigen" und religiöses Verhalten weiterhin über die von Richard Dawkins entworfenen "Memplexe" zu erklären versuchen. Dies ist insofern überraschend, als es Richard Dawkins Memtheorie seit deren Veröffentlichung vor über 30 Jahren nicht einmal zu einer eindeutigen Definition oder auch nur einer einzigen überprüfbaren Studie oder Experiment gebracht hat. Wie zuvor religiöse Kritiker der Evolutionstheorie verschanzen sich nun auch Religionskritiker aus weltanschaulichen Gründen hinter pseudo-wissenschaftlichen Entwürfen. Die Memetik ist auf dem Weg, zum Kreationismus der Religionskritik zu werden - wissenschaftlich unhaltbar, aber "um des (Nicht-)Glaubens willen" erwählt. Erfreulicherweise stehen andere, wie hpd-Rezensent Armin Pfahl-Traughber, den vielfachen Befunden ehrlich interessiert und offen gegenüber (GGG-Rezension hier); auch das eine interessante Parallele zur gespaltenen Aufnahme der Evolutionsforschung unter Religiösen. Erleben wir derzeit am Umgang mit der Evolutionsforschung etwa auch die Spaltung der Religionskritik in je einen aufgeklärt-wissenschaftlichen und einen fundamentalistisch-evolutionskritischen Flügel?
Evolutionsforschung als Chance
Persönlich vertrete ich die Auffassung (und Erfahrung), dass Evolutionsforschung allenfalls sehr grobe Varianten von Theologien und Religionskritik wirklich bedroht. Nicht-Fundamentalisten und um Wahrheit wirklich ringenden Menschen eröffnet sie dagegen die Möglichkeiten, auf wissenschaftlich und philosophisch höherem Niveau als bisher über unser Universum und das Leben darin zu staunen, über "Gott und Welt" nachzusinnen und kritisch-konstruktiv miteinander zu diskutieren. Nur wer eigentlich schwache Überzeugungen hat, hat es nötig, sich vor Wissenschaft zu fürchten. Die Mehrheit aber darf sich auf neue, spannende Entdeckungen und Diskussionen freuen. Und wenn wir dann dabei sind: Vergessen wir nicht die Neandertaler!
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Ein Dilemma sehe ich da schon. Die Forschung zeigt Mechanismen auf, mit der die Religion der Entwicklung einer Gesellschaft nutzt. Das Konzept des Glaubens, das Ausrichten des Lebens nach nicht belegbaren Basishypothesen widerspricht jedoch dem wissenschaftlichen Denken und wer einmal beginnt zu glauben wird auch oft dazu neigen, vieles zu glauben. Die Gesellschaft benötigt sowohl den Nutzen, der aus der Religion erwächst als auch wissenschaftliches Vorgehen. Ist die Lösung die, dass eine Mehrheit von Gläubigen für das kulturelle Gedeihen sorgt, und eine ausreichende Minderheit von Nichtgläubigen für den wissenschaftlichen Fortschritt?
Lieber Martin,
ich finde diese Linkfunktion unter dem Beitrag klasse! Wäre es in diesem Fall aber möglich, statt dem Roboter-beten-Artikel den zur Evolution und Religion zu verlinken?
http://www.chronologs.de/...dem-weg-ins-darwinjahr
M.E. wären diese beiden doch thematisch viel enger verwandt! :-)
Herzlichen Dank, viele Grüße!
Michael
Ja, mir stellen sich da auch viele Fragen. Als Wissenschaftler jubele ich z.B. gar nicht darüber, dass wissenschaftlicher und biologischer Erfolg so deutlich auseinander fallen (Religiöse Kreationisten lehnen letztlich die Evolutionsbiologie ab, verhalten sich aber biologisch durchschnittlich außerordentlich erfolgreich...)
Generell bin ich ein optimistischer Mensch und glaube, dass noch viele Optionen vor uns als Menschheit liegen. Aber ich würde mir schon wünschen, dass sich mehr Menschen auf den interdisziplinären Dialog einlassen und mitdenken würden. Schon die ganze Evolutionsforschung zur Religiosität ist Teamarbeit - die Diskussion und Bewertung der Befunde sollte es erst Recht sein!
Daher Danke für Deine Beiträge!
Lieber Michael,
das geht leider nicht, denn das Plugin sucht die Artikel automatisch heraus. Am ehesten läßt sich noch etwas über die Funktion "banned Keywords" etwas ändern, aber das Plugin berücksichtigt erst Wörter mit sechs Buchstaben und dann müßtest Du Roboter bannen und wüßtest nicht, welcher Artikel statt dessen kommt.
Ich finde, für eine maschinelle Verknüpfung funktioniert das doch recht ordentlich.
Bisher hat es immer so gut gefallen, dass ich gar nicht auf den Gedanken kam, das wäre automatisch. Danke dafür, lassen wir es einfach so.
Hallo Michael
Dass Sie immer wieder den Neandertaler als Beispiel für die Evolution der Religiosität bringen finde ich sehr mutig. Immerhin ist der ja ausgestorben – trotz Religion. Oder gar wegen der Religion? Ich denke da an so seltsame religiöse Verhaltensweisen wie sexuelle Enthaltsamkeit, Kinder-/Menschenopfer oder gar religiös motivierter Massenselbstmord.;-)
Viel Spaß beim überprüfen dieser revolutionären neuen Ideen zum Aussterben des Neandertalers. Herr Wissenschaftler bitte übernehmen Sie!
...gibt es einige Archäologen, die davon ausgehen, dass die Kultur und Religion des Neandertalers weniger komplex gewesen sei als die von Homo Sapiens. Auch ein Unterschied im Reproduktionserfolg wird immer wieder vermutet. Dann könnte die Religiosität tatsächlich erklären, warum der eine (Neandertaler) ausgestorben ist, während sich der andere (Sapiens) durchsetzte! Survival of the faithfulst, sozusagen... ;-)
Da aber die Datenlage in diesem Bereich nun wirklich sehr dünn ist und wir z.B. nicht einmal sicher sagen können, ob und wie der Neandertaler sprach, halte ich entsprechende Thesenbildungen für verfrüht. Mit hoher Sicherheit lässt sich m.E. derzeit nur sagen: Die komplexe und sich schnell weiter entwickelnde Religiosität beflügelte die Ausbreitung von Homo Sapiens. In nur wenigen tausenden Generationen entwickelte er ein universales, komplexes Verhaltensmerkmal! Und die Evolution geht, so die Reproduktionsdaten, ganz offensichtlich weiter...
Danke für Ihren Beitrag! :-)
Lieber Itz,
selbstverständlich haben wir auch Extremerscheinungen wie die von Ihnen angeführten Beispiele im Blick. Im Grundsatz gilt: Von den abertausenden Religionsgemeinschaften, die jedes Jahr entstehen, vergehen die allermeisten wieder - zu dauerhafter Bedeutung steigen nur auch demografisch erfolgreiche Gemeinschaften auf.
Zwei schöne Fallbeispiele sind die (kinderlosen) Shaker:
http://www.chronologs.de/...-kurze-bl-te-kinderlos
und die kinderreichen Amischen:
http://www.chronologs.de/...n-16-jahren-verdoppelt
Beide gab es - und wer hat sich wohl in der (bio-)kulturellen Evolution behauptet?
Auch Fälle von Massenselbstmord sind im Blick, z.B. hier:
http://religionswissenschaft.twoday.net/...588142/
Wobei schon der (selbst agnostische) Begründer der Religionssoziologie Emile Durkheim eine generell niedrigere Selbstmordneigung unter religiös intensiver Vergemeinschafteten befand:
http://religionswissenschaft.twoday.net/...216846/
Dass viele erfolgreiche Gemeinschaften ihre Mitglieder vor Drogen, Alkohol und unehelichem Sex (inkl. Ansteckungsgefahren) warnen, sei ebenfalls erwähnt, harrt aber m.E. noch empirischer Aufarbeitung.
Auch Menschenopfer sind im Blick:
http://religionswissenschaft.twoday.net/...663452/
...und über die Soziobiologie religiöser und säkularer Selbstopfer gibt es inzwischen eine Vielzahl von Arbeiten.
Das Zölibat ist soziobiologisch gut entschlüsselbar, wir haben dem zwei Kapitel im Buch gewidmet und auch in Gehirn & Geist wird es behandelt. Nur ein Tip: Auch Tiergemeinschaften entwickeln nicht selten Strukturen von "Helfern am Nest".
Zwar wäre es leicht, die genannten Phänomene angesichts des enormen Reproduktionsvorteils als insgesamt statistisch irrelevante Kollateralschäden abzutun, aber die Forschung hat sie längst im Blick. Sie sehen, wir sparen da gar nichts aus, gerade auch in diesen Bereichen wird gerade viel entdeckt!
Danke Michael
Der Wissenschaftler von heute antwortet ja schneller als man ELFENBEINTURM sagen kann.
Nichts desto trotz bleiben mehr Fragen als Antworten!
Zum Beispiel: Ist denn die Datenlage beim frühen Homo Sapiens besser? Sagen wir mal bis zur Neolitischen Revolution. Und hat sich die Religiosität während dieser langen Zeit wirklich schnell entwickelt? War sie tatsächlich komplexer als die Religion der Neandertaler (oder z.B. heutiger Naturvölker)?
Auch Danke für die Links zu den Extremerscheinungen der Religion. Auch wenn ich Ihren Thesen eher skeptisch gegenüberstehe, interessant sind sie allemal.
Und mit dem Blick auf die religiösen und antireligiösen Eiferer möchte ich „Darwins Bulldoge“,T.H.Huxley zitieren: „ Irrational verteidigte Wahrheiten können schädlicher sein als vernünftig begründete Irrtümer“
In diesem Sinne begründen Sie ihre Irrtümer weiterhin so vernünftig… ;-)
Schönen Abend noch!
Hallo Herr Dr. Blume,
auch dieser Beitrag über die evolvierte Religiösität des Homo Sapiens lässt mich wieder fragen, ob es im Auf- und Ab der Glaubensvorstellungen (der ewigen Reise nach Jerusalem) derzeit nicht weit tauglicher wäre, nach einer kreativen=schöpferischen Bestimmung innheralb der aktuellen Welterklärung nachzudenken, als weiter darauf bestehen zu wollen, ein übernatürliches Wesen anzubetet? (Was heute allgemein als "Glaube" gilt.)
Auf dem Weg sind viele, war auch der nicht mehr vorhandene Neandertaler, ebenso wie die mystischen Göttervorstellugen der Antike(Anbetung übernatürlicher Wesen) die sich, wie biblisch geschildert, jeweils in Glaubensaufklärungen wandelten. (Ob in Exilszeit oder der griechisch-jüdischen Zeitenwende, dem erneuten Wandel vom Mythos zum Logos/Weltvernunft.)
Ich denke, nur diesem evolutions- bzw. kreativitäts=schöpfungsgerechten Wandel verdanken wir unser Dasein und letztlich das freie aufgeklärte Denken.
Genau dafür will ich nicht einem übernatürlichen Götterwesen danken, sondern dem im Fluss allen logisch-evolutionären Werdens lebendigen Wort (ausgedrückte und verständliche Vernünftigkeit), das bereits am Anfang auf einen selbst Unsagbaren verwies.
Dass uns ein Festhalten an übernatürlichen Gottesvorstellungen nicht weiterbringt, darauf auch keine kreative=schöpferische Gemeinschaft zu bauen ist, wird mir derzeit gerade wieder im Blog der Brights bewusst.
"Danke Michael"
Gerne, itz! :-)
"Der Wissenschaftler von heute antwortet ja schneller als man ELFENBEINTURM sagen kann."
Yo, ganz ernsthaft halte ich das Internet für eine hervorragende Gelegenheit des (auch wissenschaftlichen) Dialoges über Fachgrenzen, Entfernungen und Hierarchien hinweg. Klar ist es im Elfenbeinturm "bequemer" und ich erhalte oft den Tip, "doch nicht mit Laien so viel Zeit zu verbringen" - aber offen gesagt haben gerade auch Vertreter anderer Fächer und interessierte Laien oft offene und interessante Ansätze einzubringen. Mir macht es also nicht nur ehrlich Freude (naja, meistens), m.E. bringen diese Diskussionen auch oft wirklich etwas.
"Nichts desto trotz bleiben mehr Fragen als Antworten!"
Ja, absolut! Das ist in der gesamten Evolutionsforschung so - hinter jeder Antwort tauchen zwei neue Fragen auf, der Erkenntnisfortschritt besteht im stetigen Vertiefen und Verbessern von Hypothesen, Begriffen und Thesen. Und die Evolutionsforschung im Bereich der Religiosität hat erst vor wenigen Jahren wirklich Fahrt aufgenommen, da sind noch viele Überraschungen zu erwarten!
"Zum Beispiel: Ist denn die Datenlage beim frühen Homo Sapiens besser? Sagen wir mal bis zur Neolitischen Revolution."
Beim Homo Sapiens haben wir das Glück, dass wir ein paar Milliarden Exemplare herumlaufen haben und beobachten können. Wir wissen z.B. wie der Stimmapparat aussieht, der (da aus Weichteilen) leider kaum fossiliert. Aber kontrovers diskutiert wird z.B., ob schon der späte Homo erectus und frühe Homo Sapiens Rituale kannte. Diese Auffassung vertritt z.B. Dietrich Mania, aber ein Konsens ist da noch nicht in Sicht.
"Und hat sich die Religiosität während dieser langen Zeit wirklich schnell entwickelt? War sie tatsächlich komplexer als die Religion der Neandertaler (oder z.B. heutiger Naturvölker)?"
Wie oben geschrieben - es gibt Indizien, aber auch noch extrem große Unsicherheiten. Deswegen würde ich es derzeit für verfrüht halten, mir das zu eigen zu machen - aber z.B. eine gemeinsame Tagung von Paläoanthropologen und Religionswissenschaftlern zur Sichtung und Diskussion der Fundlage superspannend finden!
Und stellen wir uns mal vor, wenn weitere Funde zu Homo floriensis gemacht würden! Die ersten waren schon in einer Höhle und hatten Werkzeug, vielleicht wird sich eines Tages auch Bestattungsverhalten in dieser dritten Menschenlinie festmachen lassen? Who knows?
"Auch Danke für die Links zu den Extremerscheinungen der Religion. Auch wenn ich Ihren Thesen eher skeptisch gegenüberstehe, interessant sind sie allemal."
Danke! Persönlich halte ich sie in den meisten Fällen eher für Thesenskizzen, denn mein persönlicher Forschungsschwerpunkt war und ist ja der Zusammenhang von Religion und Demografie. Aber ich wollte natürlich auch den kritischen Fällen nicht ausweichen und sie in den Blick nehmen. Letztlich werden aber viel Berufenere sicher deutlich verbesserte Thesen präsentieren.
"Und mit dem Blick auf die religiösen und antireligiösen Eiferer möchte ich „Darwins Bulldoge“,T.H.Huxley zitieren: „ Irrational verteidigte Wahrheiten können schädlicher sein als vernünftig begründete Irrtümer“"
Tolles Zitat! Und, ja, da sind wir einer Meinung! :-)
"In diesem Sinne begründen Sie ihre Irrtümer weiterhin so vernünftig… ;-)"
Ja, versuche ich. Auf der Suche nach ewigen Wahrheiten hätte ich ja auch Theologe werden müssen, ein Religionswissenschaftler kann wie die Kolleginnen und Kollegen anderer Fächer stets "nur" zeitliche (Hypo-)Thesen erschaffen, die eines Tages durch bessere ersetzt werden...
"Schönen Abend noch!"
Ihnen auch! Der Austausch mit Ihnen macht große Freude!
Lieber Herr Mentzel,
immer wieder lese ich Ihre Beiträge mit Genuss - verstehe sie aber bestenfalls teilweise. Insofern sich, wenn ich Sie richtig verstehe, in Jesus "das Wort" manifestiert hat, darf ich darauf verweisen, dass dieser in leicht verständlicher Sprache und Gleichnissen zu den Menschen zu sprechen vermochte. Wäre eine "Theologie der Vernunft" also nicht aufgerufen, es ihm gleichzutun? ;-)
"wenn ich Sie richtig verstehe, in Jesus "das Wort" manifestiert hat, darf ich darauf verweisen, dass dieser in leicht verständlicher Sprache und Gleichnissen zu den Menschen zu sprechen vermochte"
Dann besteht die Gefahr vielleicht nicht ernst genommen zu werden, Jesus wird auch oft nicht ernst genommen. ;-)
Ich bevorzuge aber auch lieber eine einfache verständliche Sprache.
Wahrscheinlich kann man sich ja auch nur für oder gegen eine Lehrrede entscheiden, wenn man sie zuvor verstanden hat... *Grübelt*
Lieber Herr Mentzel,
ich möchte einen (weiteren) Verstehensversuch unternehmen. Verstehe ich Sie richtig - Sie nehmen an, dass sich hinter der verehrten "Gottheit" letztlich keine personale Realität verbirgt, sondern ein schöpferisches Prinzip, das sich sowohl in der Evolution insgesamt wie im Leben Jesu manifestiert habe?
Neandertaler hatten schon Rotschopfgen.
Haar werden vorraussichtlich, dank darin enthaltener Trinkwasserqualität noch aufschlussreich zur Völkerwanderung. In der Kriminalistik wird es schon genutzt. Haare sollen auch mehr Sauerstoff wie die Luft haben.
Biblich
Haare rötlich, bzw. wie Sonne, Symbol Kraft
(Personen: Esau, David, Samson =kleine Sonne)Märchengestalten, Rapunzel, etc.
Unabhängig theologischem Verständnis
Mythologischer Esau war rötlich, wurde mutmaßlich wie Säuglinge damals mit Salz abgerieben. Selbsterfahruung mit rötlichem Haar, gleiches überdurchschnittliches Ergebnis mit Salz und Sonne. Überdurchschnittliche Hautproblenme Äußerung Isaak war folglich keine Prophezeihung, sondern das real erkennbare. Esau hatte, da er sich nicht bei den Zelten aufhielt, trockene Haut, sollte nicht den Tau (Kondensation, Schweiß, etc.) und das Fett der Erde (Fettmark Knochen, Haut?) haben.
Gemessen am Gleichnis zum Rangstufen-Streit, Überlieferung Jeshua, tat er recht, wie er Linsen (rot, hoher Protheingehalt) vor Erstgeburtsrecht wählte, weil Erbe doch in Staub geht.
Adam - rötliche Erde (Hinweis Eisen, Hämoglobin). Desweiteren zum ältesten Diamant, Bestandteile Diamant (Finger Gottes) forschen.
Ich glaube nicht an Relgionsorganisation und Gott. Ich atme, trinke, lebe Gott, meinen Namen, praktiziere Religion, singe gute Vorsätze wie Parsen, etc., führe mit meinem Freund Sauerstoff Selbstgespräche. Meerungeheuer und Geister weiß ich nicht, aber unterschiedliche Wasser/Luftqualität.
Klimaschutz wörtlich und sinnbildlich, ist wichtig.
Schaut man sich Religionsgeschichte Christentum an, kamen die meisten Verbesserungen über einzelne Quäker, Relion ohne Lehre, Priester, Taufe.
(teilweise erst heute anderes)
Beispiele, die verbesserten:
(Ablehnung Kriegsdienst, Gefängnis-/Psychiatriereformen, Glaubensfreiheit, Frauenemanzipation, Geldwirtschaft, Greenpeace,...Rettung Juden, nach zwei Weltkriegen Lebensmittelpakete, Verbesserung Sozialarbeit...Altentagesstätten gehen darauf u. a. zurück. Ostermarschinitiator Deutschland, usw.
Ach ja und himmliche Wohnung reduziert sich nicht mehr auf Wolke 7 und 9.
Ein Quäker gab den Wolken, die heute bekannten Namen. :-)
Nein, ich bin keine Quäkerin, trage aber zufällig übersetzt den Namen, den sie hatten bevor sie Spottname erhielten, dank "beben, zittern" vor dem HERRB = Regen, Tau.
Tau ist alle Kondensation, das was zwischen uns ist. Der Mond (Kind der Erde ohne Eigenlicht, wenig Wasser) bescheint das Ganze in der Finsternis.
Der Mann im Mond (Krater) wurde wissenschaftlich zu Maria. :-)
Schönen Sonntag Michael
Na, Ihnen kann man aber leicht eine Freude machen.
Einen kleinen Kritikpunkt möchte ich aber dann doch noch anbringen:
Sie meinen: „Nachdem viele religiöse wie religionskritische Beobachter lange eine vermeintlich prinzipielle Gegnerschaft zwischen Evolutionstheorie und Religion(en) vermutet haben, wandelt sich derzeit die Debatte.“
Die prinzipielle Gegnerschaft zwischen Evolutionstheorie und Religion bleibt durchaus weiter bestehen. Zumindest solange die Religion weiterhin als Welterklärer betrachtet wird. Diese Rolle hat Sie spätestens seit Darwin an die Wissenschaft abgetreten. Gott mag in diesem Sinne nicht widerlegt sein, überflüssig ist er auf jeden Fall.
Die Annäherung besteht doch ausschließlich darin, dass die Religionen nun selbst zum Gegenstand wissenschaftlicher Forschung geworden sind. - Der Arzt ist Patient geworden -sozusagen.
Ein weiterer Kritikpunkt: Als Religionswissenschaftler sollten Sie Samstagabend nicht vor dem Computer sondern vor der Glotze verbringen! Studien an einer der erfolgreichsten (Ersatz-) Religionen der Moderne betreiben (Ich rede natürlich vom Fußball)!
Sind Bayern Fans demografisch erfolgreicher als Hoffenheimer?
Ist die Suizidrate bei Bochumern höher als bei Schalkern?
Fragen über Fragen! :-)
Ansonsten werde ich Ihren Blog weiterhin mit skeptischem Interesse verfolgen, und Sie ab und zu mit meinen Meinungen und Fragen belästigen. Oder erfreuen.
Jetzt muss ich aber los zum Gottesdienst,… äh Fußballspiel! ;-)
"Die prinzipielle Gegnerschaft zwischen Evolutionstheorie und Religion bleibt durchaus weiter bestehen. Zumindest solange die Religion weiterhin als Welterklärer betrachtet wird."
Nicht unbedingt, solange man klärt, wer was erklärt. Die Wissenschaft kann WIE-Fragen beantworten, die Religion WARUM. So weiß der über Evolution Informierte theoretisch viel zu sagen über die Genweitergabe durch Reproduktion, aber offenkundig ist dies auch Wissenden noch lange keine ausreichende, lebenspraktische Motivation, Kinder in ausreichender Zahl zu haben. Erscheinen sie dagegen als Gottes Segen, als Aufgabe und Verantwortung der ganzen Gemeinde etc. sieht die Lage ganz anders aus.
"Diese Rolle hat Sie spätestens seit Darwin an die Wissenschaft abgetreten. Gott mag in diesem Sinne nicht widerlegt sein, überflüssig ist er auf jeden Fall."
Nö, der Fussballwissenschaftler wird wohl nie Trainer und Fans ersetzen, denn er vermag für Wissen zu sorgen, letztere aber für Motivation. Und erfolgreich ist nur das Team, das über beides verfügt. Stimmts?
Grüße an den FußBAAL ;-) !!!
"Schaut man sich Religionsgeschichte Christentum an, kamen die meisten Verbesserungen über einzelne Quäker, Relion ohne Lehre, Priester, Taufe.
(teilweise erst heute anderes)"
Ja, und das gilt nicht nur innerhalb des Christentums, sondern auch an dessen Beginn - ebenso wie fast immer in den Weltreligionen. Sie starteten als eine von abertausenden Basisbewegungen und setzten sich im kulturellen, auch religionsdemografischen Wettbewerb durch. Zum frühen Christentum z.B. hier:
http://www.chronologs.de/...te-und-siegte-der-eine
Religionsfreiheit hat daher mittel- und längerfristig stets die Wirkung, neuen Entwürfen Entfaltungschancen zu geben. Die religiöse Vielfalt und Lebendigkeit nimmt damit zu und tendenziell haben es statisch-hierarchische Anbieter oft schwerer.